9. November 1938: „Kristallnacht“

Herschel_Grynszpan_nov_7_1938

Her­schel Gryn­span kurz nach sei­ner Ver­haf­tung am 7. Novem­ber 1938, Autor: Unknown, Gemein­frei

Die “Kris­tall­nacht” im Jahr 1938 war weder eine spon­ta­ne Reak­ti­on auf das Atten­tat des 17jährigen pol­ni­schen Juden Her­schel Grynsz­pan auf den deut­schen Lega­ti­ons­se­kre­tär Ernst Edu­ard vom Rath noch ein plötz­li­cher Aus­bruch des „Volks­zorns“.

Der 9. Novem­ber 1938 war eine lang geplan­te und orga­ni­sier­te Gewalt­ak­ti­on zur Finan­zie­rung des längst beschlos­se­nen Welt­krie­ges..

Die Vor­be­rei­tun­gen zur „Ari­sie­rung“, also der Zwangs­ent­eig­nung jüdi­schen Besit­zes und jüdi­scher Unter­neh­mer, beginnt bereits Mona­te vor dem Novem­ber 1938.

Seit der “Macht­er­grei­fung” im Janu­ar 1933 galt Anti­se­mi­tis­mus in Deutsch­land zum guten Ton; fünf Jah­re spä­ter hat­ten sich vie­le an die sys­te­ma­ti­sche Aus­gren­zung von Men­schen jüdi­schen Glau­bens aus dem sozia­len und wirt­schaft­li­chen Leben der neu­en deut­schen ‘Volks­ge­mein­schaft’ gewöhnt.

Doch nun soll die Aus­gren­zung zur exis­ten­zi­el­len Bedro­hung aus­ge­baut wer­den. Der Zweck dahin­ter ist eben­so ein­fach wie per­fi­de: Man braucht das jüdi­sche Ver­mö­gen zur Finan­zie­rung des längst beschlos­se­nen Zwei­ten Welt­krie­ges.
Die recht­mä­ßi­gen Besit­zer die­ses Ver­mö­gens braucht man nicht.

Berlin, NS-Boykott gegen jüdische Geschäfte

SA — Mit­glie­der kle­ben an das Schau­fens­ter eines Ber­li­ner jüdi­schen Geschäfts ein Schil­der mit der Auf­schrift “Deut­sche, wehrt euch, kauft nicht bei Juden” Bun­des­ar­chiv, Bild 102–14468 / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0

Es sind vor allem Neid, Pro­fit­gier und Geld, die den Anti­se­mi­tis­mus der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Obrig­keit ab 1933 prä­gen, Ideo­lo­gie und Hit­lers Juden­hass, den er bereits in ‘Mein Kampf’ mit sämt­li­chen Fol­gen beschreibt, spie­len zwar auch eine Rol­le, aber eine deut­lich gerin­ge­re als häu­fig ver­mu­tet.

Es geht um Geld – viel Geld.
Man braucht es für das gigan­ti­sche Rüs­tungs­pro­gramm, mit dem der bevor­ste­hen­den Krieg — längst eine beschlos­se­ne Sache — vor­be­rei­tet wird. Wohl­ha­ben­de jüdi­sche Fami­li­en und Unter­neh­mer sol­len dabei die Rol­le des „Ass im Ärmel“ zur Finan­zie­rung der Kriegs­plä­ne spie­len.

Jüdisches Vermögen zur Kriegsfinanzierung

In einer ers­ten Wel­le wur­de am 1. April 1933, kurz nach der soge­nann­ten „Macht­er­grei­fung“, deutsch­land­weit zum Boy­kott jüdi­scher Geschäf­te auf­ge­ru­fen.
Kur­ze Zeit spä­ter ver­lo­ren mit dem „Berufs­be­am­ten­ge­setz“ und dem „Gesetz über die Zulas­sung zur Rechts­an­walt­schaft“ etwa 37.000 Men­schen ihre beruf­li­che Exis­tenz. Danach flau­te die öko­no­mi­sche Dis­kri­mi­nie­rung von Deut­schen jüdi­scher Her­kunft ab. Zeit­wei­se wur­den jüdi­sche Unter­neh­men aus­drück­lich nicht benach­tei­ligt, da man nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf das Wirt­schafts­le­ben befürch­te­te.

Vie­le Deut­sche, Juden eben­so wie Nicht-Juden, hoff­ten in die­ser Zeit auf ein bal­di­ges Ende des brau­nen Spu­kes und harr­ten aus.
Doch mit den „Nürn­ber­ger Geset­zen“ zur Ras­sen­tren­nung im Sep­tem­ber 1935 wur­de der Druck wie­der ver­stärkt, vie­le Unter­neh­mer jüdi­scher Her­kunft gaben auf, ver­kauf­ten ihre Betrie­be weit unter Wert oder schie­den aus der Geschäfts­lei­tung aus.

Ausstellung "Der ewige Jude" im Deutschen Museum, 7.-8.11.1937

Aus­stel­lung “Der ewi­ge Jude” im Deut­schen Muse­um, 7.–8.11.1937, Bun­des­ar­chiv, Bild 119–04-29–38 / CC-BY-SA 3.0

Im Novem­ber 1937 wur­de Wirt­schafts­mi­nis­ter Hjal­mar Schacht abge­löst, ein erklär­ter Geg­ner jeg­li­cher Boy­kott­kam­pa­gnen.
Schacht hat­te vor allem den Han­del im Sinn, für ihn stör­ten Boy­kott­maß­nah­men gegen jüdi­sche Unter­neh­mer und Fir­men die Preis- und Wäh­rungs­sta­bi­li­tät der Reichs­mark, sie gefähr­de­ten wich­ti­ge Devi­sen­ein­nah­men und damit vor allem auch die deut­sche Wie­der­auf­rüs­tung.

Die Ablö­sung des ver­gleichs­wei­se mode­ra­ten Wirt­schafts­mi­nis­ters mach­te sich bald bemerk­bar; bereits für das Weih­nachts­ge­schäft 1937 wur­de ein Boy­kott gegen jüdi­sche Betrie­be und Läden orga­ni­siert. Mehr und mehr ver­än­der­te sich die Stra­te­gie von der schlei­chen­den „Ent­ju­dung“ des deut­schen Wirt­schafts­le­bens in Rich­tung Zwangs­ent­eig­nung, die – so „Reichs­füh­rer-SS“ Hein­rich Himm­ler – am bes­ten durch Mobi­li­sie­rung des „Volks­zorns“ und Aus­schrei­tun­gen erreicht wer­den kön­ne.

Mefo-Wechsel und der Anschluss Österreichs

Zu Beginn des Jah­res 1938 ging es gro­ßen Tei­len der deut­schen Bevöl­ke­rung wirt­schaft­lich so gut wie nie, aber das Deut­sche Reich stand kurz vor der Staats­plei­te.

Das offi­zi­el­le staat­li­che Haus­halts­de­fi­zit lag bei zwei Mil­li­ar­den Reichs­mark, die Schul­den­auf­nah­me stieß an ihre Gren­zen und soge­nann­te Mefo-Wech­sel zur Finan­zie­rung der Auf­rüs­tung wur­den fäl­lig, muss­ten also bezahlt wer­den.
Die Kriegs­vor­be­rei­tun­gen waren durch die deso­la­te wirt­schaft­li­che Situa­ti­on gefähr­det. In der Fol­ge über­nahm Hit­ler selbst das Ober­kom­man­do der Wehr­macht und ließ sie am 4. März 1938 in Öster­reich ein­rü­cken.

Mit dem „Anschluss“ Öster­reichs kamen 192.000 Men­schen jüdi­scher Her­kunft zu den noch 350.000 im „Alt­reich“ ver­blie­be­nen.
Vor allem in Wien mit einem jüdi­schen Bevöl­ke­rungs­an­teil von neun Pro­zent kam es zu wochen­lan­gen Aus­schrei­tun­gen, bei denen jüdi­schen Laden­be­sit­zer in unor­ga­ni­sier­ten Aktio­nen aus ihren Geschäf­ten geprü­gelt und von mit­tel­stän­di­schen NSDAP-Mit­glie­dern de fac­to zwangs­ent­eig­net wur­den.

Die wil­den Ent­eig­nun­gen in Öster­reich pass­ten den Her­ren in Ber­lin nicht ins Kon­zept, denn die Beu­te wird eigent­lich drin­gend für die Sanie­rung des Staats­haus­hal­tes gebraucht.
Her­mann Göring, zu die­ser Zeit Gene­ral­feld­mar­schall und ver­ant­wort­lich für die Umset­zung des Vier­jah­res­plans, bean­stan­de­te die anar­chi­schen öster­rei­chi­schen Raub­zü­ge als „Ver­sor­gungs­sys­tem untüch­ti­ger Par­tei­ge­nos­sen“, die so nicht mehr vor­kom­men dürf­ten.
Ende April 1938 erlässt er ein Gesetz, das alle Juden im Reich zunächst zwingt, ihre Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se beim Finanz­amt detail­liert offen zu legen.
Das geschätz­te Gesamt­ver­mö­gen von etwa 8,5 Mil­li­ar­den Reichs­mark soll spä­ter das Haus­halts­de­fi­zit ver­rin­gern und die Beraub­ten ins Aus­land ver­trei­ben.

Die Konferenz von Evian: Keine Chance für jüdische Flüchtlinge

Auf Betrei­ben des ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten  Theo­do­re Roo­se­velt fin­det im Juli 1938 im fran­zö­si­schen Städt­chen Evi­an eine inter­na­tio­na­le Kon­fe­renz statt, um die Mög­lich­kei­ten der Aus­wan­de­rung von Juden aus Deutsch­land und Öster­reich zu ver­bes­sern.

Die euro­päi­schen Nach­bar­staa­ten befürch­ten eine Flücht­lings­wel­le und ver­su­chen, sie abzu­wen­den; jedoch war kei­ner der 32 Teil­neh­mer­staa­ten bereit, jüdi­sche Flücht­lin­ge in grö­ße­rem Maß­stab auf­zu­neh­men. Die Kon­fe­renz schei­tert, man trennt sich ergeb­nis­los.
Statt­des­sen pro­tes­tiert die Schweiz gegen die „Ver­ju­dung“ durch Flücht­lin­ge aus Öster­reich und droht mit einer all­ge­mei­nen Visums­pflicht, und auch die Ver­ei­nig­ten Staa­ten hal­ten an ihrer Quo­te von jähr­lich 27.370 Ein­wan­de­rern aus Deutsch­land und Öster­reich fest.

Juden” haben in den meis­ten euro­päi­schen Staa­ten kein gro­ßes Anse­hen — und in den USA ist Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung durch­aus bekannt und poli­tisch erlaubt: Hier sind “Neger” — Men­schen mit dunk­ler Haut­far­be — die Bür­ger 2. Klas­se.
Soli­da­ri­tät mit den Ver­folg­ten gibt es nicht. Als im Drit­ten Reich am 9. Novem­ber 1938 die blu­ti­ge Jagd beginnt, hält Luxem­burg sei­ne Gren­zen fest ver­schlos­sen und ver­stärkt die Grenz­kon­trol­len gegen Flücht­lin­ge.

Die staatlich Organisierte Hetzjagd

Im Okto­ber 1938, kurz nach­dem das Sude­ten­land mit dem Segen des „Münch­ner Abkom­mens“ ver­meint­lich fried­lich „Heim ins Reich“ geholt wor­den war und Hit­ler intern die „Zer­schla­gung der Rest-Tsche­chei“ ange­ord­net hat­te, ver­kün­det Her­mann Göring ein wei­te­res gigan­ti­sches Rüs­tungs­pro­gramm.
Die Pri­vat­wirt­schaft müs­se dar­an mit­wir­ken, die „Ari­sie­rung“ sei nun unum­gäng­lich.

Zer­stör­tes jüdi­sches Geschäft in Mag­de­burg, Novem­ber 1938 Von Bun­des­ar­chiv, Bild 146‑1970-083–44 / Fried­rich, H. / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de

Die Hetz­jagd beginnt bereits am spä­ten Nach­mit­tag des 7. Novem­ber 1938 in Kur­hes­sen und Mag­de­burg-Anhalt durch Ange­hö­ri­ge der SA und SS in Zivil­klei­dung.

Kurz zuvor war das Atten­tat des sieb­zehn­jäh­ri­gen Her­schel Grynsz­pan auf den deut­schen Lega­ti­ons­se­kre­tär Ernst Edu­ard vom Rath in Paris bekannt gewor­den. Als vom Rath zwei Tage spä­ter an sei­nen Ver­let­zun­gen stirbt, wird sein Tod als „Blut­zeu­ge“ zum Anlass für eine seit dem Mit­tel­al­ter bei­spiel­lo­se Men­schen­jagd genutzt.

Hit­ler und sei­ne Entou­ra­ge beschlie­ßen, die­se Gele­gen­heit zum lan­ge vor­be­rei­te­ten Aus­bruch des „Volks­zorns“ zu nut­zen.
In einer Rede vor Gau­lei­tern und SA-Füh­rern mach­te Pro­pa­gan­da­mi­nis­ter Joseph Goeb­bels die „jüdi­sche Welt­ver­schwö­rung“ für das Atten­tat ver­ant­wort­lich und lobt die „spon­ta­nen“, anti­jü­di­schen Aktio­nen, nament­lich in Kur­hes­sen und Mag­de­burg-Anhalt. Die Par­tei wol­le nicht als Orga­ni­sa­tor sol­cher Aktio­nen in Erschei­nung tre­ten, wer­de sie aber dort, wo sie ent­stün­den, nicht behin­dern.

Zufrie­den ver­merk­te Goeb­bels spä­ter in sei­nem Tage­buch, wie die Funk­tio­nä­re nach sei­ner Rede „gleich an die Tele­pho­ne saus­ten“ und ent­spre­chen­de Anwei­sun­gen an die Basis wei­ter­ga­ben.

In der Nacht vom 9. auf den 10. Novem­ber begin­nen die mehr­tä­gi­gen Exzes­se, bei denen etwa 400 Men­schen ermor­det oder in den Selbst­mord getrie­ben wer­den. 1400 Syn­ago­gen und Ver­samm­lungs­räu­me wer­den zer­stört, tau­sen­de Woh­nun­gen und Geschäf­te ver­wüs­tet und geplün­dert. Ab dem 10. Novem­ber wer­den 30.000 Men­schen jüdi­schen Glau­bens (oder Abstam­mung) ver­haf­tet und in Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger gebracht, Hun­der­te ster­ben dort oder spä­ter an den Fol­gen der Haft.

Mag­de­burg, zer­stör­tes jüdi­sches Geschäft By Bun­des­ar­chiv, Bild 146‑1972-033–39 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de

Lesen Sie im nächs­ten Bei­trag: Das Phä­no­men Hit­ler — Am Anfang war Erzie­hung — Das Erbe der Erzie­hung — Die Erlaub­nis zu has­sen — Über Ali­ce Mil­ler
Die Erlaub­nis zu has­sen

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, 2013 (Über­ar­bei­tet 2017)


Erschüt­ternd aktu­ell: BAP – Kris­tall­naach

https://www.youtube.com/watch?v=NKcu1iMHjJA

Wolf­gang Nie­de­cken, Autor und Sän­ger von BAP, sie­delt sei­nen Song in der Gegen­wart an – also zu Beginn der 1980er Jah­re, in der Neo­na­zis euro­pa­weit gro­ßen Zulauf haben und wie­der salon­fä­hig zu wer­den dro­hen – und warnt vor einer Wie­der­ho­lung der Geschich­te.
„Neid“, „Pro­fit­gier“ und „Geld“ wer­den im Text als Ursa­chen von Gewalt und Ver­fol­gung benannt: In dem 1982 ver­öf­fent­lich­ten Lied „Kris­tall­naach“ heißt es:

Es kommt vor, dass ich mei­ne, dass etwas klirrt,
dass sich irgend­et­was in mich ver­irrt.
Ein Geräusch, nicht ein­mal laut,
manch­mal klirrt es ver­traut,
sel­ten so, dass man es direkt durch­schaut.
Man wird wach, reibt die Augen und sieht
in einem Bild zwi­schen Brueg­hel und Bosch
kei­nen Men­schen, der um Sire­nen etwas gibt,
weil Ent­war­nung nur halb so viel kos­tet.
Es riecht nach Kris­tall­nacht.“

In der Ruhe vor dem Sturm — was ist das?
Ganz klamm­heim­lich ver­lässt wer die Stadt.
Hono­ra­tio­ren inko­gni­to has­ten vor­bei
- offi­zi­ell sind die nicht ger­ne dabei,
wenn die Volks­see­le — all­zeit bereit -
Rich­tung Sie­de­punkt wütet und schreit:
“Heil — Hala­li” und gren­zen­los geil nach Ver­gel­tung brüllt,
zit­ternd vor Neid in der Kris­tall­nacht.“

Doch die alles, was anders ist, stört,
die mit dem Strom schwim­men, wie es sich gehört,
für die Schwu­le Ver­bre­cher sind,
Aus­län­der Aus­satz sind, brau­chen wen, der sie ver­führt.
Und dann ret­tet kei­ne Kaval­le­rie,
kein Zor­ro küm­mert sich dar­um.
Der pisst höchs­ten ein “Z” in den Schnee
und fällt lal­lend vor Läs­sig­keit um:
“Na und? — Kris­tall­nacht!”

In der Kir­che mit der Franz Kaf­ka-Uhr,
ohne Zei­ger, mit Stri­chen dar­auf nur,
liest ein Blin­der einem Tau­ben Struw­wel­pe­ter
vor hin­ter drei­fach ver­rie­gel­ter Türe.
Und der Wäch­ter mit dem Schlüs­sel­bund hält
sich im Ernst für so etwas wie ein Genie,
weil er Aus­we­ge pul­ve­ri­siert und ver­kauft gegen Klaus­tro­pho­bie
in der Kris­tall­nacht.”

Wäh­rend­des­sen, am Markt­platz viel­leicht,
unmas­kiert, heu­te mit einem wah­ren Gesicht,
sam­melt Stei­ne, schleift das Mes­ser,
auf die, die schon ver­petzt,
probt der Lynch-Mob für das Jüngs­te Gericht.
Und zum Laden nur flüch­tig ver­täut
- die Galee­ren ste­hen längst unter Dampf -
wird im Hafen auf Skla­ven gewar­tet,
auf den Schrott aus dem unglei­chen Kampf
aus der Kris­tall­nacht.”

Da, wo Dar­win für alles her­hält,
ob man Men­schen ver­treibt oder quält, da,
wo hin­ter Macht Geld ist, wo stark sein die Welt ist,
vom Kuschen und Stramm­ste­hen ent­stellt.
Wo man Hym­nen auf dem Kamm sogar bläst
in bar­ba­ri­scher Gier nach Pro­fit,
Hosi­an­na” und “Kreu­zigt ihn!” ruft,
wenn man irgend­ei­nen Vor­teil dar­in sieht,
ist täg­lich Kris­tall­nacht.”

Lyrics — Kris­tall­naach http://www.bap.de/start/musik/songtexte/titel/kristallnaach


Wei­ter­füh­ren­de Arti­kel:

Das Gene­ra­tio­nen­ge­spräch über ein Jahr­hun­dert mit Dik­ta­tu­ren, zwei Welt­krie­gen, Mil­lio­nen Kriegs­to­ten, Ver­letz­ten, Flücht­lin­gen und Ver­trie­be­nen, das uns heu­te noch in den Kno­chen steckt.
Das 20. Jahr­hun­dert


Ver­fol­gen beruht auf abge­wehr­tem Opfer­sein“, lau­tet eine von Ali­ce Mil­lers Kern­the­sen: Hit­ler gab vie­len sei­ner Anhän­gern die Opfer, die sie brauch­ten — und die Erlaub­nis zu has­sen.
Die Erlaub­nis zu has­sen


1923. Reichs­kanz­ler Wil­helm Cuno und sei­ne „Regie­rung der Wirt­schaft“ ver­su­chen, die Fran­zo­sen aus dem Ruhr­ge­biet zu ver­trei­ben und las­sen dafür Geld dru­cken. Sehr viel Geld. Mit kata­stro­pha­len Fol­gen für die gebeu­tel­te Wei­ma­rer Repu­blik. Es scheint nur noch eine Fra­ge der Zeit bis zum Kol­laps zu sein. Bis zum rech­ten oder lin­ken Kol­laps, das ist auch noch nicht so ganz klar …
Vom Ruhr­kampf zum Deut­schen Okto­ber


Mefo-Wech­sel
http://www.zeitklicks.de/nationalsozialismus/zeitklicks/zeit/propaganda/frag-doch-mal-4/was-ist-ein-mefowechsel/


Ole Löding, „… täg­lich Kris­tall­naach“. NS-Ver­gan­gen­heit und bun­des­deut­sche Gegen­wart in einem Song von BAP (1982), in: Zeit­his­to­ri­sche Forschungen/Studies in Con­tem­pora­ry Histo­ry, Online-Aus­ga­be, 9 (2012), H. 1,
http://www.zeithistorische-forschungen.de/16126041-Loeding-1–2012


 Wir müssten das alles mal aufschreiben Die Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en ver­öf­fent­licht seit 2012 hoch­wer­ti­ge Bild­bän­de und Chro­ni­ken über Fami­li­en- und Unter­neh­mens-geschich­ten. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den Sie auf unse­rer Home­page Bild­bio­gra­phi­en: Wir müss­ten das alles mal auf­schrei­ben!


 

Bild­nach­wei­se:
1. Her­schel Gryn­span kurz nach sei­ner Ver­haf­tung am 7. Novem­ber 1938, Autor: Unknown, Gemein­frei — http://digitalassets.ushmm.org/photoarchives/detail.aspx?id=31253
2. Boy­kott der Natio­nal­so­zia­lis­ten gegen jüdi­sche Geschäf­te in Deutsch­land,
SA — Mit­glie­der kle­ben an das Schau­fens­ter eines Ber­li­ner jüdi­schen Geschäfts ein Schil­der mit der Auf­schrift “Deut­sche, wehrt euch, kauft nicht bei Juden” Bun­des­ar­chiv, Bild 102–14468 / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0
3. Aus­stel­lung “Der ewi­ge Jude” im Deut­schen Muse­um, 7.–8.11.1937, Bun­des­ar­chiv, Bild 119–04-29–38 / CC-BY-SA 3.0
4.Zer­stör­tes jüdi­sches Geschäft in Mag­de­burg, Novem­ber 1938 Von Bun­des­ar­chiv, Bild 146‑1970-083–44 / Fried­rich, H. / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5418871
5. Mag­de­burg, zer­stör­tes jüdi­sches Geschäft By Bun­des­ar­chiv, Bild 146‑1972-033–39 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5418923

 

Ein Gedanke zu „9. November 1938: „Kristallnacht“

  1. Ich habe einen Groß­teil des Welt­krie­ges und die Nach­kriegs­zeit als Kind im Ruhr­ge­biet mit all sei­nen Scheuß­lich- und Schreck­lich­kei­ten erlebt.
    Gott sei Dank aber blieb mir das oben Beschrie­be­ne wegen der Gna­de der
    spä­ten Geburt erspart.

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