Aufschieben für Profis: Noch mehr Tipps bei Aufschieberitis

Was aufschieben wirklich bedeutet und wie man seine Aufschieberitis für sich und seine Vorhaben nutzen kannAuf­schie­be­ri­tis ist nicht schlimm.
Im Gegen­teil: Wer auf­schiebt, nimmt oft Anlauf, um aus einem guten Vor­ha­ben ein groß­ar­ti­ges zu machen. Oder er hat sei­ne Hür­den zu hoch gelegt. 

Lesen Sie im ers­ten Teil: Wer auf­schiebt, arbei­tet schon längst am Pro­blem ++ Auf­räu­men ++ Sam­meln ++ Der “Inne­re Wäch­ter” ++ Ter­min­druck: Von dum­men und von klu­gen Schü­lern ++ Anfan­gen! Aber nur zur Pro­be … ++ Lesen gegen Schreib­blo­cka­den ++ Der Rote Faden ++ Don’t make me think ++ Spaß bei der Arbeit
10 Tipps gegen Auf­schie­be­ri­tis

Lan­ge Zeit, viel­leicht sogar wochen- und mona­te­lang, haben wir in Gedan­ken an einer Idee gefeilt und uns auf den Moment gefreut, in dem wir sie end­lich zu Papier gebracht oder abge­schlos­sen haben.
Davor müs­sen wir aber lie­fern. Statt­des­sen schie­ben wir auf.

Ohne Müh­sal wird man das Ver­spre­chen, sein eige­nes Leben oder das der ande­ren ein­fa­cher, leich­ter oder bun­ter zu machen, nicht ein­lö­sen kön­nen.
Ohne Lust an der Arbeit aber auch nicht.

Lust auf Arbeit

Es wird Zeit, läs­ti­ge Schreib- oder sons­ti­gen Blo­cka­de end­lich auf­zu­lö­sen. Und es gilt: Fens­ter put­zen ist nicht gleich Fens­ter put­zen.

Denn meis­tens sind schein­bar ner­vi­ge Über­sprungs­hand­lun­gen nichts ande­res als geis­ti­ges Anlauf­neh­men, um den ‘inne­ren Wäch­ter‘ — die eige­nen hohen Ansprü­che — zu über­ren­nen.

• Tipp 11: Wich­ti­ges nie drin­gend wer­den las­sen
Wer vor­aus­schau­end plant, hat auch die Mög­lich­keit zu schie­ben.
Mit einem Ter­min­puf­fer hat man die Mög­lich­keit, das zu tun, wor­auf man im Moment am meis­ten Lust hat. Das kann bei­spiels­wei­se ein Pro­jekt sein, das eigent­lich noch Zeit hat, für das man aber gera­de eine glän­zen­den Idee hat. Lie­ber mit Schwung die­sen Text schrei­ben oder die­ses Vor­ha­ben abschlie­ßen, als sich eisern an einen Ter­min­plan hal­ten.
Vie­le Men­schen ver­lie­ren mit der Zeit ihr Gefühl dafür, wor­auf sie Lust haben. Das macht aber nichts, denn wenn wir öfter in uns hin­ein­hö­ren und uns ehr­lich der Fra­ge: Was wür­de ich jetzt am liebs­ten tun? wid­men, stel­len sich mit der Zeit auch wie­der ehr­li­che Ant­wor­ten ein.
Und wenn die Ant­wort “Pau­se machen” ist, dann machen Sie eben Pau­se. Vor­aus­ge­setzt, Ihr Ter­min­puf­fer gibt eine Pau­se her und Wich­ti­ges ist nicht aus Ver­se­hen drin­gend gewor­den..

Aufschieben ist manchmal eine andere Art des strategischen Denkens

Einen Tag stra­te­gisch Den­ken bringt mehr als drei­ßig Tage Arbeit. Foto: Agen­tur für Bild­bo­gra­phi­en

Freischwimmen

Kein Sport­ler star­tet ohne Auf­wärm­trai­ning, kein Sän­ger, ohne die Stim­me ein­zu­sin­gen. Wie­so soll­ten Sie sich an den Schreib­tisch set­zen und sofort los­le­gen kön­nen?
Ein­le­sen ist eine gute Mög­lich­keit, um ins The­ma zu kom­men und einen Zip­fel vom ‘Roten Faden’ zu erwi­schen, Frei­schwim­men durch ‚Free­wri­ting‘ eine noch bes­se­re, um (Schreib-)Barrieren zu über­win­den.

• Tipp 12: Frei­schwim­men durch ‚Free­wri­ting
Nach­dem die Recher­che­box ange­legt und gut gefüllt ist, las­sen sich Gedan­ken oft erstaun­lich gut durch ‘Free­wri­ting’ sor­tie­ren: Fünf, zehn oder 20 Minu­ten ein­fach auf­schrei­ben, was einem zum The­ma durch den Kopf geht. Ohne Abset­zen, ohne Nach­den­ken, ohne auf For­mu­lie­run­gen zu ach­ten.
Das ‚Freewriting‘-Ergebnis danach durch­le­sen. Gar nicht so schlecht, oder? Wahr­schein­lich stimmt die Rei­hen­fol­ge noch nicht, bei den For­mu­lie­run­gen ist ver­mut­lich noch „Luft nach oben“, aber im Gro­ßen und Gan­zen ist das, was man durch frei­es Auf­schrei­ben pro­du­ziert hat, oft schon eine aus­ge­zeich­ne­te Basis.
Mehr zum The­ma Schrei­ben und ‚Free­wri­ting‘: Schreib’s auf! Die wun­der­ba­re Kraft des Schrei­bens.

Pausen einlegen!

Wenn nichts (mehr) geht, ein­fach Com­pu­ter zuklap­pen und es sich in einer ruhi­gen Ecke unge­stört gemüt­lich machen. Das Ver­rück­te ist, dass oft genau dann unser Kopf­ki­no los­legt. Erst wol­len wir, aber es klappt nicht, jetzt wol­len wir nicht mehr, und plötz­lich kom­men Ide­en und Moti­va­ti­on.

• Tipp 13: Pau­sen ein­le­gen
Neh­men Sie sich unge­stör­te Zeit für ein wich­ti­ges Pro­jekt, aber begren­zen Sie die­se Zeit auch.
Nie­mand ist per­ma­nent pro­duk­tiv und krea­tiv. Wenn man sich zu sehr in sei­ne Auf­ga­be ver­beißt, kann es sein, dass sich am nächs­ten Tag die Fra­ge „Oje, was hab‘ ich denn da gemacht?“ auf­drängt. Mäßig aber regel­mä­ßig ist bes­ser als alles mit Selbst­dis­zi­plin und im „Hauruck“-Verfahren abzu­ar­bei­ten.

Sor­gen Sie für aus­rei­chen­de Pau­sen und Ent­span­nung. Erst mit etwas Abstand kön­nen Sie die Ergeb­nis­se Ihrer Arbeit über­prü­fen, abschät­zen und gege­be­nen­falls kor­ri­gie­ren.

Liegenlassen

Beson­ders bei Tex­ten erwischt es einen am Ende dann doch oft: „Need for clo­sure“ — das Bedürf­nis, fer­tig zu wer­den.
Es ist 24.00 Uhr, man hat wäh­rend des End­spurts viel län­ger als geplant am Pro­jekt gear­bei­tet und alles rich­tig gemacht: der „Wäch­ter“ ist glück­lich, ein roter Faden vor­han­den, gute For­mu­lie­run­gen gefun­den und alles ist hübsch ver­packt und rund gefeilt. Jetzt ist Schluss . aus­dru­cken, pos­ten oder ver­schi­cken. Sie sind müde und wol­len ins Bett.

• Tipp 14: Lie­gen­las­sen
Tun Sie’s nicht. Las­sen Sie es lie­gen.
Gehen Sie ins Bett, schla­fen Sie noch ein­mal drü­ber und schlie­ßen Sie Ihr Pro­jekt am nächs­ten Tag so ab, wie Sie es begon­nen haben: ent­spannt und in Ruhe. So ver­ständ­lich „Need for clo­sure“ auch ist, so so gefähr­lich ist der Drang, end­lich abzu­schlie­ßen. Man läuft Gefahr, das Ergeb­nis und den Erfolg durch­dach­ter Arbeit am Ende sei­ner eige­nen Unge­duld zu opfern.
Ein gelun­ge­nes Pro­jekt, in das man Arbeit und Zeit inves­tiert hat, muss fun­keln. Fun­kelt Ihres? Das wer­den Sie spü­ren.
Aber erst, wenn Sie es sich aus­ge­ruht und mit Abstand noch ein­mal anse­hen. Mor­gen

Ankommen

Auch Fer­tig­wer­den ist Übungs­sa­che, manch­mal wird es aber auch zur Kunst.
Beson­ders dann, wenn man nicht ter­min­ge­bun­den für ande­re arbei­tet, son­dern für sein eige­nes Pro­jekt, ist die Gefahr groß, dass das Ende dem Sankt-Nim­mer­leins-Tag zum Opfer fällt

• Tipp 15: Ankom­men
Natür­lich kann man sein Leben und sei­ne Arbeit auf das Ziel “es muss per­fekt sein” aus­le­gen, Spaß macht das auf Dau­er aller­dings nicht.
Bevor man in die größ­te aller „Aufschieberitis“-Fallen tappt und wegen Per­fek­tio­nis­mus nie fer­tig wird, soll­te man die Not­brem­se zie­hen: sich selbst ter­mi­nie­ren und das bis­he­ri­ge Arbeits­er­geb­nis wenigs­tens einem klei­nen ver­trau­ten Kreis prä­sen­tie­ren.
Nach­bes­sern kann man dann immer noch …

Fazit: Die wichtigsten Tipps gegen Blockaden

  •  Sich frei­ma­chen und anfan­gen.
  • Sich in klei­nen Schrit­ten zum gro­ßen Ziel vor­ar­bei­ten.
  • Erst­mal zur Pro­be begin­nen.
  • Und kein „dum­mer Schü­ler“ sein, der viel zu spät anfängt oder dann, wenn’s schwie­rig wird, auf­gibt und ein Pro­jekt auch bis zum Sankt-Nim­mer­leins-Tag auf­schiebt.

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www.bildbiographien.de, 2017

Lesen Sie im nächs­ten Bei­trag: Sich vor dem Ankom­men zu drü­cken, geht ganz ein­fach: Ein Trick ist, dass man das, was man angeb­lich unbe­dingt will, in uner­reich­ba­re Höhen hängt.
Über Zie­le, war­um sie sinn­voll sind und wie man sie errei­chen kann.
Vor Ankom­men wird gewarnt

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Klas­si­ker! Napo­le­on Hill (1883 — 1970) auf den Spu­ren des Reich­tums. Die Erfolgs­ge­set­ze her­aus­ge­fil­tert aus Gesprä­chen mit 500 Mil­lio­nä­ren — zum Teil ganz schön cle­ver. Ein sehr moti­vie­ren­des Buch, auch und beson­ders in (Auf­schie­be­ri­tis.) Kri­sen­zei­ten. Napo­le­on Hill: Den­ke nach und wer­de reich. Die Erfolgs­ge­set­ze*, Aris­ton, Taschen­buch, 2008


Auf­räu­men beginnt im Kopf. Und im Klei­der­schrank! Wit­zig, moti­vie­rend und inspi­rie­rend. Nach die­sem Buch macht sogar Auf­räu­men Spaß! Anu­sch­ka Rees, Das Klei­der­schrank-Pro­jekt: Sys­te­ma­tisch zum eige­nen Stil und zu bewuss­tem Mode­kon­sum*, DuMont Buch­ver­lag GmbH & Co. KG, 2017

Ein tol­ler Rat­ge­ber mit vie­len Text­bei­spie­len und Übun­gen. Noch ein “Must-Have” — nicht nur bei Schreib­blo­cka­den. Roy Peter Clark, Die 50 Werk­zeu­ge für gutes Schrei­ben. Hand­buch für Auto­ren, Jour­na­lis­ten und Tex­ter*, Auto­ren­haus Ver­lag GmbH 2008

Anstö­ße für eine zufrie­de­ne­res Leben. Mit vie­len Bei­spie­len und kla­ren Wor­ten die Erklä­rung dafür, wie und war­um wir uns selbst gele­gent­lich in unbe­frie­di­gen­de Lebens­si­tua­tio­nen manö­vrie­ren — und wie wir aus ihnen wie­der her­aus­kom­men. Rein­hard K. Spren­ger: Die Ent­schei­dung liegt bei dir! Wege aus der all­täg­li­chen Unzu­frie­den­heit*, Cam­pus Ver­lag GmbH, Frankfurt/Main, über­ar­bei­te­te Neu­auf­la­ge 2015, bro­schiert


Das “Must-Have” für alle, die nicht nur schrei­ben, son­dern auch gele­sen wer­den wol­len. Egal in wel­cher Alters­klas­se.
Wolf Schnei­der: Deutsch für jun­ge Pro­fis. Wie man gut und leben­dig schreibt*, Rowolth Taschen­buch Ver­lag, 2010

 Wei­ter­füh­ren­de Links zum The­ma Lebens­glück:


„Mor­gen, mor­gen, nur nicht heu­te, sagen alle …“. Na, Sie wis­sen schon.
Schön ist anders, denn ‚eigent­lich‘ möch­te und müss­te man drin­gend vor­an­kom­men.
Doch die „Auf­schie­be­ri­tis“ greift eben­so wie ihre nahe Ver­wand­te, die  „Schreib­blo­cka­de“, ger­ne um sich. Wenn sie da ist, geht nichts mehr. Zumin­dest schein­bar.
Pro­kras­ti­na­ti­on kann aber auch ihr Gutes haben. Sie kann sogar sehr nütz­lich sein: Bei­spiels­wei­se fürs Anlauf­neh­men und fürs stra­te­gi­sche Den­ken.
Teil 1: 10 Tipps gegen Auf­schie­be­ri­tis

Wer schreibt, möch­te meis­tens Leser haben. Aber es wird unend­lich viel mehr geschrie­ben als gele­sen“, sagt Wolf Schnei­der, „Sprach­papst“, Stil­kri­ti­ker und lang­jäh­ri­ger Lei­ter der Ham­bur­ger Jour­na­lis­ten­schu­le. Des­we­gen hier: Ein paar Tipps, damit Sie gele­sen wer­den.
Tipps fürs Schrei­ben

Noch mehr Tipps und Tricks, psy­cho­lo­gi­sche Denk­fal­len und viel Wis­sens­wer­tes für ein bewuss­tes Leben fin­den Sie in unse­rer Blog-Kate­go­rie
Tipps für den All­tag


Mit erlern­ter Hilf­lo­sig­keit und selbst­er­fül­len­den Pro­phe­zei­un­gen kann man sich selbst sehr wir­kungs­voll sabotieren.Über die Stol­per­fal­len auf dem Weg zum Lebens­glück:
Selbst­er­fül­len­de Pro­phe­zei­un­gen


Wir müssten das alles mal aufschreiben Die Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en ver­öf­fent­licht seit 2012 hoch­wer­ti­ge Bild­bän­de und Chro­ni­ken über Fami­li­en- und Unter­neh­mens-geschich­ten und bie­tet außer­dem einen Ghost­wri­ting-Ser­vice an. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den Sie auf unse­rer Home­page Bio­gra­phie & Ser­vice: Wir schrei­ben Geschichte(n)


 

Bild­nach­weis:
Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, 2017

2 Gedanken zu „Aufschieben für Profis: Noch mehr Tipps bei Aufschieberitis

  1. Moin!

    Ich dach­te immer, ich wäh­re der ein­zi­ge Mensch mit auf­schie­be­ri­tis, und dann bin ich an die Uni gekom­men. Tat­säch­lich, es stimmt, die Gedan­ken müs­sen manch­mal erst­mal rei­fen, und das tun sie, beim … Fens­ter put­zen.
    Tat­säch­lich kann ich es nur emp­feh­len Sport zu machen, wenn der Blo­cka­de­kno­ten kommt., oder sich irgend­wie zu bewe­gen. Oder auch spa­zie­ren zu gehen. Das lenkt ab und gibt dem Kopf eine end­span­nung. Das ist das klei­ne anlauf­neh­men, neben dem gro­ßen Auf­schie­ben.

    Dan­ke für dei­ne schö­nen Gedan­ken
    Miss Jones

    • Dan­ke für Dei­ne schö­nen Gedan­ken, Miss Jones! 🙂
      Sport, Bewe­gung, fri­sche Luft ist ein aus­ge­zeich­ne­ter Hin­weis — die Zeit soll­te man sich regel­mä­ßig neh­men, um leis­tungs­fä­hig zu blei­ben. Und ja, sie wir­ken beson­ders hut bei Auf­schie­be­ri­tis. Haupt­sa­che, nicht zuneh­mend ver­zwei­felt auf das Auf­ge­scho­be­ne stie­ren, son­dern lie­ber etwas ande­res machen!
      Lie­be Grü­ße!

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