Biedermann oder Brandstifter: Konrad Henlein

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Besetzung der Tschechoslowakei durch die deutschen Truppen, Oktober 1938, UBz: Einwohner von Eger beim Einrücken deutscher faschistischen Verbände. Herausgabedatum: 5. Oktober 1938, Scherl / Weltbild, Bundesarchiv, Bild 183-H13160

Zu den schillerndsten Figuren der Weltgeschichte zählt Konrad Henlein, der Mann, mit dessen Hilfe Adolf Hitler die Sudetendeutschen im Herbst 1938 „heim ins Reich“ holte.
Henlein, Sudetendeutscher mit tschechischem Großvater, war Turnlehrer und wollte nach eigenem Bekunden nichts anderes sein. Er wurde zum Aushängeschild einer Bewegung, die in den 1930er Jahre kräftig am Weltfrieden zündelte.
War Konrad Henlein nur Marionette und Brandstifter, ein verblendeter Nationalsozialist? Oder auch Biedermann mit einem eigentlich ernsthaften Anliegen?

Am Ende war es schnell vorbei mit der einstigen Pracht und Herrlichkeit:
Binnen weniger Tage löst sich im Herbst 1918 die Herrschaft der Habsburger in Österreich, Ungarn und weiten Teilen des Balkans nach fast 640 Jahren in Nichts auf.

Die Tschechoslowakei ist eine Verbindung von Fetzen und Flicken, für die kein britischer Soldat sterben soll.
Neville Chamberlain, britischer Premierminister 1937 – 1940


Eine Verbindung von Fetzen und Flicken

Aus der Konkursmasse Österreich-Ungarns, einem Vielvölkerstaat, der von vielen auch als ‚Völkerkerker‘ bezeichnet wurde, entstehen neue Nationalstaaten.

Viele Volksgemeinschaften und Nationalitäten gab es schon, bevor sie auf die eine oder andere Weise und in der Regel unfreiwillig plötzlich zu Österreich-Ungarn gehörten, andere nicht.
Zu den Nationen, die nach dem Endes des Ersten Weltkrieges neu „erfunden“ werden, gehört auch die Republik Tschechoslowakei; eine Republik mit einem großen Geburts- und Schönheitsfehler:

Das, was da entsteht, ist wieder ein Vielvölkerstaat, mit großen Minderheiten und kleinen Mehrheiten, die sich untereinander nicht besonders mögen.

MasarykFotoPrvniPoselstviTGMTreibende Kraft hinter der bis 1918 völlig unbekannten Nation Tschechoslowakei sind der tschechische Philosophie-Professor, Politiker und spätere Staatspräsident Tomáš Garrigue Masaryk und sein engster Mitarbeiter Edvard Beneš.
Beide emigrierten bei Kriegsausbruch im August 1914 und lebten in Frankreich und Großbritannien im Exil.
Mit viel Zähigkeit und diplomatischem Geschick erreichen sie, dass die bei den Kriegsgegnern Österreich-Ungarns eigentlich unbedeutende ‚tschecho-slowakische Frage‚ schließlich auf die Tagesordnung kommt und nach Kriegsende gelöst werden soll.

Das vom US-amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson deklarierte Selbstbestimmungsrecht der Völker ist ihr schlagendes Argument.
Nach langen und zähen Verhandlungen schaffen es Masaryk und Beneš, die Alliierten von der Bildung einer tschechoslowakischen Republik zu überzeugen, zumal eine tschechoslowakische Exilarmee (Tschechoslowakische Legion) an der Seite der Entente-Streitkräfte auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges gegen Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich kämpft.


Die Slowaken, die nach dem Willen Masaryks und Beneš Teil der neuzugründenden Republik sein sollen, zieren sich lange.

Slowaken sprechen eine andere Sprache, haben andere Wurzeln und Traditionen und fühlten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegenüber den modernen und auf- geschlossenen Tschechen als Hinterwäldler – als kleine, hässliche Brüder.
Ein Gefühl, das Jahrzehnte überdauern wird.
Ein Gefühl das maßgeblich zum Ende der neugegründeten Republik Tschechoslowakei beitragen wird.

Masaryk und Beneš sind sich der Gefahr, die von den störrischen Slowaken ausgeht, durchaus bewusst, aber sie brauchen sie für die Gründung ihres neuen Staates: Es gibt zu viele Deutschstämmige und zu wenige Tschechen.
Für die junge Republik muss eine genügend große Bevölkerungszahl geschaffen werden, um drei Millionen deutschsprachige Bürger als Minderheit deklarieren zu können.

Nach monatelangen Geheimverhandlungen willigen die Slowaken schließlich ein, Teil der neuen Republik zu werden.
Ein Deal, der sich für die Tschechen später bitter rächen wird.


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Die Würfel sind längst gefallen, als im Oktober 1918 die deutschsprachige Bevölkerung in Böhmen und Mähren aufwacht und sich als Bürger und gleichzeitig Minderheit der neu gegründeten Republik Tschechoslowakei wiederfindet.

Auch die deutschstämmigen berufen sich auf Wilsons Selbstbestimmungsrecht der Völker und möchten sich lieber der gerade entstehenden Republik Deutschösterreich anschließen. Aber es ist zu spät.
Bei den Friedensverhandlungen – den Pariser Vorortverträgen – sitzen die Tschecho-slowaken mit den Siegern am Tisch, während österreichische und deutsche Gesandte als Verlierer oft genug vor der Tür bleiben müssen, ohne überhaupt angehört zu werden.
Als Teile der Bevölkerung  Pro-Österreichischen Demonstrationen organisiert, schießt das tschechische Militär in die wütende Menge, es gibt mehrere Tote.

Ein weiterer Geburtsfehler der jungen Nation

Die zweite Schweiz Europas

Plötzlich Minderheit zu sein, fällt den zwangsrekrutierten deutschsprachigen Neubürgern der Tschechoslowakei sehr schwer.

Trotz garantierter Minderheitenrechte  handhaben die neuen Herrscher vieles genauso wie ihre Vorgänger, nur mit umgekehrten Vorzeichen.
Hatte das alte Regime in Wien seine Untertanen unterschiedlichster Nationalitäten bis 1918 mit Deutsch als alleingültiger Amtssprache drangsaliert, so verlangen die Tschechen nun von ihren deutschsprachigen Staatsbediensteten perfektes Tschechisch.
Das gilt für einfache Briefträger genauso wie für Hochschulprofessoren.
Die Sprachprüfung ist schwer und wird bei den Deutschen gefürchtet: Lateinlehrer müssen beispielsweise Goethes ‚Faust‘ auf Tschechisch rezitieren können, um zu bestehen.
Viele bis dahin wackere deutschsprachigen Beamte und Behördenvertreter scheitern und verlieren nicht nur ihre „alte“ Heimat, sondern auch ihre Posten.

Viele fühlen sich als Fremde im eigenen Land und sehen sich zusätzlich wirtschaftlich benachteiligt.

Deutschböhmen und Deutschmähren sind die Filetstückchen aus der Konkursmasse der k.u.k. Doppelmonarchie und für die junge Republik Tschechoslowakei ein unermesslich wertvoller Gewinn.
Seit der Zeit der Habsburger Monarchie liefern die hochindustrialisierten Provinzen mit gut ausgebildeten Arbeitskräften rund zwei Drittel aller Industrieprodukte.
Nach Kriegsende geht es auch der tschechoslowakischen Wirtschaft ähnlich wie der im besiegten Deutschland oder Österreich schlecht.
Doch ihre Startbedingungen sind deutlich besser: Ohne Reparationsforderungen, mit der leistungsfähigen Industrie vor allem in den dazugewonnenen deutschsprachigen Gebieten, geschickter Politik und gut ausgebildeten Facharbeitern kann der junge Staat innerhalb kurzer Zeit seine Wirtschaft ankurbeln.


Dank ihrer guten Startbedingungen ist die Tschechoslowakei bald eine der stärksten Volks-wirtschaften Europas, bewundernd spricht man auch von der „zweite Schweiz Europas“.
Der wachsende Wohlstand und eine für diese Zeit bemerkenswerte Sozialgesetzgebung mit Einführung des Acht-Stunden-Tages, einer Sozialversicherung und einem Programm für sozialen Wohnungsbau bilden den Kitt für das neue Zusammenleben von Tschechen, Deutschen und Slowaken.

Die gute ökonomische Entwicklung beruhigt die Gemüter  – auch wenn der Groll bleibt.

Die Weltwirtschaftskrise

Das ändert sich mit der Weltwirtschaftskrise und ihren verhängnisvollen Folgen.

Die Export-Produkte, die die Wirtschaft der Tschechoslowakei stark gemacht haben – veredelter Stahl, Autos, Flugzeuge und hochentwickelte Waffen – kann niemand mehr bezahlen, Absatz und Produktion sinken rapide.
Verspätet, aber mit voller Wucht trifft die weltweite Wirtschaftskrise auch Tschechen, Slowaken und Deutsche – in der Tschechoslowakei hat sie 1933 ihren Höhepunkt.
Wie überall auf der Welt stehen immer mehr Menschen am Rande des existenziellen Ab- grundes, doch noch schlimmer als die wirtschaftliche Not, sind die Spannungen zwischen den Nationalitäten, die jetzt wieder aufbrechen.

Der soziale Kitt zerbröselt.

Vor allem die Deutschen, immerhin mit 3 Millionen Menschen im Vergleich zu 7 Millionen Tschechen und 2 Millionen Slowaken eine sehr große Minderheit, sehen sich benachteiligt.
Die Krise trifft die sudetendeutschen Gebiete wesentlich härter als den Rest der Republik.
Insbesondere die Leicht- und Konsumgüterindustrie im Sudetenland leidet stärker unter mangelndem Absatz als die Schwer- und Nahrungsmittelindustrie im tschechischen Landesinneren. Das Egerland lebt beispielsweise vor allem von seiner Porzellanindustrie, aber wer kauft schon Porzellan, wenn das Geld kaum fürs tägliche Brot reicht?


Mehrere Koalitionsregierungen in Prag bemühen sich, die Folgen des Wirtschafts-einbruchs durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Staatsaufträgen und Agrarzölle zu mildern, die Zahl der Arbeitslosen steigt trotzdem rasant an, besonders bei den Sudeten-deutschen.
Ihren Höhepunkt erreicht die Krise in der Tschechoslowakei im März 1933.
Jeder fünfte Sudetendeutsche ist arbeitslos, die Arbeitslosenquote der Deutschen liegt weit über dem Landesdurchschnitt, Kinder und Alte verhungern.

Die deutschsprachige Minderheit beginnt, aufzubegehren: gegen Hunger, gegen die hohe Arbeitslosigkeit, gegen Tschechisch als einzige offizielle Amtssprache.
Sie fühlen sich ungerecht behandelt, und zum Teil ist das wohl auch so.

Konrad Henlein betritt die Bühne.

Konrad Henlein

Konrad Henlein ist ein ehemaliger Bankangestellter, der 1925 das Turnen zu seinem Beruf macht. Er übernimmt eine Lehrerstelle beim Turnverein in Asch und wollte – nach eigenem Bekunden – nichts anderes als Turnlehrer sein.
Henlein gilt als redliche und gewinnende Persönlichkeit, die leicht zu beeinflussen ist, und wird trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – im Jahr 1931 zum Führer des Sudetendeutschen Turnverbandes in der ČSR gewählt.
Wie so oft in jener Zeit gehen auch beim sudetendeutschen Turnverband Sport und Politik Hand in Hand, und Henlein beginnt, tief enttäuscht von den geringen bisherigen Erfolgen (eigentlich: Misserfolgen) sudetendeutscher Parteien in Prag, seine Turnerbewegung zur politischen Kraft auszubauen.
Nur eine Einheitsfront aller nicht-sozialistischer Parteien könne eine gerechtere Minderheitenpolitik in Prag vorantreiben, lautet sein Credo.


Die Prager Regierung beobachtet Hitlers ‚Machtergreifung‚ im benachbarten Deutschland sehr genau und verbietet schließlich zwei rechtsradikale sudetendeutsche Parteien.
Daraufhin sieht Henlein seine Chance gekommen und gründet seinerseits die „Sudetendeutsche Heimatfront“ als neues rechtes Sammelbecken für alle Wütenden und Frustrierten.

Zunächst will Henlein vor allem eines: reden.
Die „Heimatfront“, später in SdP – Sudetendeutsche Partei – umbenannt, feiert einen Wahlsieg nach dem anderen und stellt schließlich die stärkste Fraktion im Prager Parlament.
Henlein und viele seiner Anhänger hoffen, dass sich die Wahlerfolge in der Minderheiten-politik der tschechoslowakischen Regierung bemerkbar machen.
Aber es passiert – nichts.

Edvard_Beneš Staatsoberhaupt der Tschechoslowakei ist mittlerweile Edvard Beneš, Mitbegründer der Republik, Dauer-Außenminister und nach Masaryks altersbedingtem Rückzug aus der Politik Staatspräsident.
Beneš schaltet auf stur und lehnt jede Verhandlung mit dem rechtslastigen, aber zunächst nicht nationalsozialistisch gesinnten Henlein und seiner Partei ab.


Mit Zuckerbrot und Peitsche

In Berlin ist man mittlerweile ebenfalls auf den ambitionierten Sportlehrer Henlein aufmerksam geworden.

Die hochentwickelte Tschechoslowakei mit ihrer modernen Automobil- und Waffen-industrie steht vschon lange auf Hitlers Agenda und spielt in seinen Allmachtsphantasien eine wichtige Rolle.
Von Anfang an ist klar, dass die hochgerüstete und moderne Tschechoslowakei Hitlers Kriegsplänen im Osten im Weg ist und deswegen weg muss.
Ein Überfall auf die mit Frankreich verbündete Republik erscheint riskant – man weiß nicht, wie die Franzosen reagieren und möchte einen Zweifrontenkrieg vermeiden.
Henlein und die von ihm organisierten wütenden Sudetendeutschen kommt dem Führer gerade recht, um sein tschechoslowakisches Dilemma zu lösen.

Mit „Zuckerbrot und Peitsche“ wird der zunächst widerspenstige Henlein und seine ‚Henlein-Partei‘ zur „Fünften Kolonne“ Berlins umfunktioniert, straff organisiert und zum Zündeln bestens geeignet.

Ab 1937 brodelt es heftig in den deutschsprachigen Gebieten der Tschechoslowakei.
Nach wie vor sind besonders viele Sudetendeutsche ohne Arbeit und fühlen sich von der Regierung in Prag zurückgesetzt, benachteiligt, bestenfalls gleichgültig behandelt.

Viele Sudetendeutsche blicken mittlerweile auch sehnsüchtig auf den Wohlstand und die wirtschaftlichen Erfolge im benachbarten Deutschen Reich, das die Folgen der Weltwirtschaftskrise überwunden zu haben scheint. Im Dritten Reich scheint es Arbeit und Brot für alle reichlich zu geben – das lässt die eigene Misere noch bewusster werden.
Unter den Sudetendeutschen gibt es immer mehr Sympathisanten der nach außen so glanzvoll und glücklich wirkenden benachbarten „Volksgemeinschaft“ und ihrem „Führer“ Adolf Hitler.
Die Ersten wollen „heim ins Reich“.
Und im Gegensatz zur eigenen Regierung in Prag vermittelt „das Reich“ ganz offenkundig das Gefühl, sie auch haben zu wollen.


In gewohnter Manier wird die Stimmung angeheizt.

SdP -Drückerkolonnen ziehen in Städten und Dörfern von Tür zu Tür und werben neue Mitglieder. Das – ebenfalls in gewohnter Manier – offensiv und  oft mit fragwürdigen Me- thoden, deutschsprachige Gastwirte und Ladenbesitzer, die eine Mitgliedschaft ver- weigern, sollen beispielsweise boykottiert werden. Viele Sudetendeutsche halten sich an solche Boykottaufforderungen – entweder, Du bist für uns, oder Du bist ruiniert.
Organisierte Kundgebungen und Aufmärsche sind an der Tagesordnung, SdP-Schlägertrupps liefern sich erste Straßenschlachten mit tschechischen Polizisten.

Die Lage eskaliert endgültig nach dem Anschluss Österreichs im März 1938, der von vielen Sudetendeutschen als Vorzeichen ihrer eigenen „Heim ins Reich“-Bewegung gesehen wird.
Im April 1938 eröffnet Konrad Henlein schließlich mit dem Karlsbader Programm den frontalen Angriff auf die tschechoslowakische Regierung, streng nach Hitlers Motto, immer so viel zu fordern, dass man nicht zufrieden gestellt werden kann.

Das Münchner Abkommen

Staatspräsident Beneš durchschaut Hitlers Strategie, die Tschechoslowakei zerschlagen zu wollen, und versucht zu retten, was noch zu retten ist.

Er verhängt in den sudetendeutschen Gebieten das Standrecht, mobilisiert seine Armee und hofft auf seinen Bündnispartner Frankreich.
Aber es nützt nichts.
Frankreich ist nicht bereit, für die Tschechen in den Krieg zu ziehen, Großbritannien auch nicht. Stattdessen wird im September 1938 im Münchner Abkommen (ohne Beteiligung der Tschechoslowaken) die Abtretung des Sudetenlands an das Deutsche Reich beschlossen.

Am 1. Oktober 1938 ziehen sich tschechoslowakische Grenzposten aus den sudeten-deutschen Gebieten zurück.
Die ersten Verbände der deutschen Wehrmacht tauchen hinter der ehemaligen deutsch-tschechoslowakischen Grenze auf. Die Bevölkerung jubelt.
Der größte Teil zumindest – wer sich zu den sudetendeutschen Sozialdemokraten, Kommunisten oder Juden zählt, tut gut daran, jetzt schleunigst zu verschwinden.

Dies sei nun die letzte Forderung, die er an die Welt zu stellen habe, betont Hitler kurz nach der Besetzung in einer Rede.

Abgebildet: ? , v. Bomhard, Krebs, Dr. Stuckart, Henlein (2.v.r.), Frick ( 1.v.r.), 1938Die Auflösung der Republik Tschechoslowakei hat am 1. Oktober 1938 begonnen, denn auch andere Staaten begleichen jetzt alte offene Rechnungen.
Einen Tag nach der Besetzung des Sudetenlandes marschiert die polnische Armee – ohne Mandat der Weltgemeinschaft – in das umstrittene Olsagebiet ein.
Kurze Zeit später muss ein Teil der Slowakei an das mit dem Deutschen Reich verbündete Ungarn abgetreten werden.
Die Slowakei ernennt eine Teilregierung, die beim nächsten Coup Hitlers – der „Zerschlagung der Rest-Tschechei“ – im März 1939 den Deutschen mit einem „Hilferuf“ behilflich sein wird.
(Zu diesem Zeitpunkt ist Präsident Beneš längst zurückgetreten und ins Londoner Exil geflüchtet. Nach 1945 kehrt er zurück und spielt mit seinen Dekreten eine maßgebliche Rolle bei der Vertreibung der Sudetendeutschen.)

Zum Dank für seinen Einsatz als Brandstifter wird Konrad Henlein zum Reichstatthalter und Gauleiter ernannt, tritt aber kaum noch in Erscheinung.

1945 nimmt er sich im Alter von 47 Jahren das Leben.


Copyright: Agentur für Bildbiographien, www.bildbiographien.de, 2014


Weiterführende Links zum Thema:


Am 30. September 1938 wurde nach monatelanger Krise das „Münchner Abkommen“ zwischen England, Frankreich, Italien und Deutschland geschlossen. Die Welt und viele Deutsche hoffen, dass durch die Abtretung der sudetendeutschen Gebiete Hitlers Gier endlich gestoppt, der Frieden gerettet wäre. Ein Zeitzeugenbericht.
30. September 1938. Das Münchner Abkommen. Trommeln in der Nacht


4474 Tage währte das 1000jährige Reich auf deutschem Boden.
Dann brach es am 8. Mai 1945 in einem Inferno aus Blut, Tränen und Abermillionen Toten zusammen. Eine kurze Chronologie zum 70. Jahrestag des Kriegsendes:
Vor 70 Jahren: Weltkriegsende-Zusammenbruch-Befreiung


Flucht und Vertreibung 1944 – 1950
Ihr Flüchtlinge!


Über den GAU des 20. Jahrhunderts:
Der „Schwarze Freitag“: Vom Börsenkrach zur Welwirtschaftskrise


Adolf Hitler und seine Anhänger. Wer folgte den Nationalsozialisten und was bringt Menschen dazu, zu Mördern zu werden?
Die Erlaubnis zu hassen


„…Sie waren sehr hübsch, aber bis über die Augenbrauen derart zurecht gemacht, dass sie zu den neuerdings verkündeten Idealen deutschen Frauentums in krassem Widerspruch standen. Sie hatten die feste Absicht, bis zu Hitler vorzudringen …“ Hitler und die Frauen. Lesen Sie im 1. Teil:
Die Welt der Unity Mitford


Weiterführende Artikel:


Einen wissenschaftlich sehr gut fundierten Überblick über die Situation im Sudetenland gibt der Artikel „Besinnungsloser Taumel und maßlose Einschüchterung. Die Situation der Sudetendeutschen im Jahr 1938.“ von Detlev Brandes, Jahrbuch 2004 der Uni Düsseldorf (ab Seite 13):
http://www.uni-duesseldorf.de/Jahrbuch/2004/PDF/Brandes.pdf


„Kohen ist nicht zu fassen.“ Ein Porträt. Welt ,1999:
http://www.welt.de/print-welt/article581192/Kohen-ist-nicht-zu-fassen.html


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Bildnachweise:

1) Besetzung der Tschechoslowakei durch die deutschen Truppen, Oktober 1938, UBz: Einwohner von Eger beim Einrücken deutscher faschistischen Verbände. Herausgabedatum: 5. Oktober 1938, Scherl / Weltbild, Bundesarchiv, Bild 183-H13160 / Unknown / CC-BY-SA 3.0
2) Der erste Präsident der Tschechoslowakei, Tomáš Garrigue Masaryk., 1918, gemeinfrei
3) Sprachverteilung in der Tschechoslowakei um 1930, „Tschechoslowakei Sprachverteilung um 1930 – erstellt 2008-10-29“ von derivative work: Henry Mühlpfordt (talk)Czechoslovakia1930linguistic.jpg: Mariusz Pazdziora – Czechoslovakia1930linguistic.jpg. Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons
4) Edvard Beneš – Zweiter Präsident der Republik Tschechoslowakei, gemeinfrei
5) Konrad Henlein in Karlovy Vary (Karlsbad), 1937, unbekannter Fotograf, gemeinfrei
6) Staatsbesuch des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern Dr. Frick in Süddeutschland (ohne Ortsangaben), 23 September 1938, unbekannter Fotograf; Abgebildet: ? , v. Bomhard, Krebs, Dr. Stuckart, Henlein (2.v.r.), Frick ( 1.v.r.); Frick, Wilhelm Dr.: NSDAP, MdR, Reichsinnenminister, 1946 hingerichtet, Henlein, Konrad: Reichskommissar, Gauleiter im Sudetenland, Bomhard, Adolf von: Generalleutnant, Chef der Ordnungspolizei, Bürgermeister Prien am Chiemsee; Bundesarchiv, Bild 121-0009 / CC-BY-SA

3 Gedanken zu „Biedermann oder Brandstifter: Konrad Henlein

  1. Konrad Henlein war mein Taufpate. Leider habe ich das erst erfahren, als er und auch meine Eltern gestorben waren. Ich hätte gerne mehr über ihn erfahren. Wenn noch Nachkommen leben, würde ich gerne Kontakt mit diesen aufnehmen.
    T.D. geb. 21.08.1938 in Dresden

  2. In dem Satz, in dem von Wohlstand, wirtschaftlichen Erfolgen u. fast Vollbeschäftigung im deutschen Reich die Rede ist, müsste jeweils das Wort „scheinbar“ eingefügt werden. Der Satz zeigt so, dass die Nazi-Propaganda immer noch wirksam ist. Zwar ist in den Wochen unmittelbar nach der Machtergreifung die Arbeitslosigkeit stark zurückgegangen, was aber wohl kaum das verdienst der neuen Regierung war, aber danach ist die Arbeitslosigkeit bis zum Kriegsausbruch immer noch hoch geblieben, obwohl 3 Jahrgänge junger Männer und ein Jahrgang junger Frauen vom Arbeitsmarkt genommen waren. Im März 1939 konnte das Deutsche Reich die Zahlungsunfähigkeit nur durch die Einnahme der tschechischen Gold- u. Devisenreserven vermeiden.
    Die Soldaten aus dem Reich kehrten reichbepackt nach Hause zurück, denn sie konnten in der Tschechei viele Waren kaufen, die es zu Hause gar nicht oder nur eingeschränkt oder viel teurer gab.
    „Die einen kamen heim ins Reich, die anderen reich ins Heim“

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