Der „Schwarze Freitag“: Vom Börsenkrach zur Weltwirtschaftskrise

Berlin, Bankenkrach, Andrang bei der SparkasseTatsächlich war der  „Schwarze Freitag“ ein Donnerstag. Am 24. Oktober 1929 begannen an der New Yorker Wall Street die Aktienkurse zu rutschen. Gegen Mittag steigerte sich die Nervosität in Panik, der große Ausverkauf begann. Der Dow Jones sackte immer weiter ab, der Handel brach mehrmals zusammen, denn jeder versuchte nun, seine Aktien loszuwerden – egal zu welchem Preis.
Der Börsenkrach an der Wall Street, der zunächst vielerorts als Korrektur überhitzter Märkte gedeutet wurde, stürzte die Welt in eine der schlimmsten und folgenschwersten Wirtschaftskrisen ihrer Geschichte.

Dynamit an den Börsen

Die „Goldenen Zwanziger Jahre“, die mit dem 24. Oktober 1929 enden sollten, waren in den USA und in Europa wirtschaftliche Boomjahre:
Autos, Radios, Kühlschränke, Staubsauger eroberten die Welt, und waren die Stars eines langanhaltenden Aufschwungs.
Jahr für Jahr wuchsen insbesondere die damaligen High-Tech-Unternehmen, Jahr für Jahr gab es für den Aktienkurs an den Börsen nur eine Richtung: aufwärts.

Berlin, Tanztee im "Esplanade"Je länger der Boom anhielt, desto weniger konnte man sich vorstellen, dass diese schöne neue Zeit jemals enden könnte.
Mit dem Optimismus wuchs auch die Risikobereitschaft. Aktien der stetig wachsenden Unternehmen wurden „auf Pump“ gekauft, gelegentlich aus Gier, häufig schlicht in der Annahme, dass sich langfristige Anlagen in Aktien immer rentieren würden.

Doch Ende der 1920er Jahre stand der Hype an den Börsen nur noch auf tönernen Füßen, eine merkliche Abkühlung der realen Wirtschaft hatte schleichend begonnen.

Absatzmärkte waren gesättigt, Produkte wurden unverkäuflich, ab 1928 nahm die Zahl der Firmenzusammenbrüche zu.
Das Wirtschaftswachstum lahmte und die Unsicherheit bei Anlegern wuchs. Schließlich platzte an jenem schwarzen Donnerstag die gigantische Spekulationsblase und jeder versuchte durch Aktienverkäufe zu retten, was noch zu retten war – die Aktienkurse an der Wall Street stürzten ins Bodenlose.

Vom Börsenkrach zur Weltwirtschaftskrise

Als die Nachricht vom Börsenkrach in den USA am Freitag, dem 25.Oktober, die europäischen Börsen erreichte, glaubte man dort zunächst an eine Korrekturphase des amerikanischen Marktes.
Die Kurse in Europa stiegen sogar leicht an, da man erwartete, dass Investoren sich jetzt stärker auf europäische Aktien konzentrieren würden. Doch die Talfahrt in den USA hielt an, und am Dienstag der darauffolgenden Woche brach auch der europäische Markt endgültig zusammen.
Aktien wurden zu Schleuderpreisen verkauft, Banken gerieten in Panik und forderten Kredite zurück, die eigentlich prosperierende Firmen über Nacht in den Bankrott trieben. Anleger, die  Aktien auf Pump gekauft hatten, waren plötzlich hoch verschuldet.

Doch allein durch die Kursstürze ist die nachfolgende weltweite Wirtschaftskrise nicht zu erklären.
Anders als häufig dargestellt, besaßen vergleichsweise wenige Menschen Aktien – in den USA nicht einmal zwei Prozent der Bevölkerung – und so hätten die Auswirkungen des schwarzen Donnerstags auf die Realwirtschaft eigentlich begrenzt sein müssen.
Erst einige weitere Zutaten ergaben den brisanten Cocktail, der die Welt schließlich ins Unglück stürzte: faule Kredite, die Angst der Sparer um ihre Einlagen und schließlich der sogenannte „Goldstandard“, der die schlingernden Volkswirtschaften erst so richtig ins Elend riss.

Vom Ansturm der Sparer in den Abgrund

Crowd_outside_nyseOft reichte das Gerücht, eine Bank sei durch Aktienverluste und insolvente Schuldner in eine Schieflage geraten, um einen Massenansturm besorgter Sparer zu provozieren, die an die Schalter drängten und ihre Einlagen zurückforderten. Viele kleinere, aber auch größere Banken überlebten einen solchen Ansturm nicht, viele Kleinsparer verloren ihr sicher geglaubtes Guthaben.
Sogenannte „Bankfeiertage“ wurden eingeführt, um den Ansturm der Massen wenigstens etwas zu regulieren.
Und man versuchte, möglichst liquide zu bleiben: Nach und nach gaben Bankinstitute eine ihrer Kernaufgaben – die Kreditvergabe – auf und horteten Geld nur noch. Doch ohne Kredite können Unternehmen nicht investieren und Kunden nicht kaufen, eine fatale Abwärtsspirale wurde in Gang gesetzt. Wenn Geld aus dem Verkehr gezogen wird, sinken die Preise – man spricht von Deflation – was wiederum Betriebe in den Bankrott treibt und die Wirtschaft abwürgt.
Bis 1933 verlor beispielsweise jeder dritte Deutsche seinen Arbeitsplatz, weltweit sah es nicht besser aus.

Mit weniger Dogma und „frischem Geld“ hätte die weltweite Kreditklemme durchbrochen werden können, doch der damals maßgebliche „Goldstandard“ stellte dafür ein unüberwindliches Hindernis dar.
Schlimmeres wäre verhindert worden, hätte man angesichts sinkender Preise die Geldmenge im Umlauf wieder erhöht. Doch einfach die Notenpresse anzuwerfen und frisches Papiergeld zu drucken, war nicht möglich, denn die Notenbanken waren verpflichtet, jede gedruckte Banknote mit Goldreserven in den Tresoren decken zu können.

Die Politik tat ein Übriges, um die Krise weiter zu verschärfen.
Im hochverschuldeten Deutschland setzte die Regierung unter dem „Hungerkanzler“ Heinrich Brüning auf einen rigiden Sparkurs, um sinkende Steuereinnahmen und steigende Ausgaben für Sozialleistungen finanzieren zu können. Das Arbeitslosengeld wurde rigoros gekürzt, staatliche Investitionen eingestellt, Ausgaben für Bildung und Wissenschaft auf ein Minimum reduziert.

800px-UnemployedMenHopTrainVerzweifelte und hungernde Menschen schlossen sich in ihrer Not radikalen Parteien an, die teilweise noch jungen Demokratien Europas wurden ausgehöhlt oder schafften sich angesichts der bedrohlichen ökonomischen Lage gleich selbst ab.
Der „Schwarze Freitag“ steht in Deutschland (und in vielen anderen Staaten) für das Erstarken der Nationalsozialistischen und der Kommunistischen Partei, für Straßenschlachten und das Ende der Demokratie.

Quellen und weiterführende Artikel:

Infotainment vom Feinsten: Curd Jürgens in einer Paraderolle im Fernsehfilm ‚Der schwarze Freitag‘ (ca. 90 min Dauer):
https://www.youtube.com/watch?v=y8l7udPD790


Weiterführende Artikel zum Nachlesen:
http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/1347/aktien_zu_altpapier.html

http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/industrie/wirtschaftskrise/


Wäre Hitler ein guter Schwiegersohn gewesen? Adolf Hitler und sein deutsch-britisches Techtelmechtel:
Vom It-Girl zur Walküre: Die Welt der Unity Mitford


Die Folgen der Weltwirtschaftskrise am Beispiel der „Sudetenkrise“
Biedermann oder Brandstifter: Konrad Henlein


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Bildnachweise:
1) Im Kampf um ihre Spareinlagen! Massenandrang der Sparer vor der städtischen Sparkasse in Berlin. Bundesarchiv, Bild 102-12023 / Georg Pahl / CC-BY-SA

2) Berlin, Tanztee im „Esplanade“ ADN-Zentralbild/ Archiv Berlin 1926 Im Garten des Berliner Hotels „Esplanada“ spielt zum 5 Uhr-Tee eine Jazzband. Bundesarchiv, Bild 183-K0623-0502-001 / CC-BY-SA

3) Crowd outside nyse, gemeinfrei. Eine Menschenmenge versammelt sich nach dem Börsencrash von 1929 an der Wall Street

4) William James , City of Toronto Archives, Fonds 1244, Item 2181, gemeinfrei. Arbeitslose Wanderarbeiter (Hoboes) springen auf einen Güterzug auf, um in anderen Städten Arbeit zu suchen. (Unemployed men hop train. Canada.)

 

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