Die Großmutter Europas (I)

Queen Vic­to­ria, 1847, Ölge­mäl­de von Franz Xaver Win­ter­hal­ter — Ori­gi­nal pain­ting owned by the Roy­al Collec­tion.

Queen Vic­to­ria (1819 – 1901) drück­te dem 19. Jahr­hun­dert ihren Stem­pel auf und bestimm­te als „Groß­mut­ter Euro­pas“ auch die Geschich­te des 20. Jahr­hun­derts. Ihr Leben fängt mehr als beschei­den an, ohne Vater und mit einer Mut­ter, die sie als eine Art Faust­pfand für die eige­ne Zukunft betrach­tet. Zwei Onkel bestim­men Vic­to­ri­as Schick­sal: Ihr selt­sa­mer Onkel Geor­ge, den sie auf dem bri­ti­schen Thron beer­ben wird, und Onkel Leo­pold, der sich um ihr Lebens­glück und ihre Zukunft küm­mert.

 

Ein geis­tig Umnach­te­ter, ein nar­ziss­ti­scher Exzen­tri­ker und Dan­dy, der sein hal­bes Leben mit dem Ver­such ver­bringt, sich schei­den zu las­sen, und ein rau­bei­ni­ger Lang­wei­ler mit schlech­ten Manie­ren:
Die Bri­ten sind heil­froh, als 1837 nach Geor­ge III., sei­nem Sohn Geor­ge IV. und des­sen jün­ge­ren Bru­der, dem schrof­fen und schmuck­lo­sen Über­gangs­kö­nig Wil­helm IV., die 18jährige Vic­to­ria den bri­ti­schen Thron besteigt.


Köni­gin Vic­to­ri­as Regent­schaft (1837 bis 1901) dau­ert 63 Jah­re sie­ben Mona­te und zwei Tage. Das “Vik­to­ria­ni­sche Zeit­al­ter” steht sowohl für den Glanz als auch für das Elend des bri­ti­schen Empi­res, einem Welt­reich, in dem die Son­ne nie unter­geht: Wohl­stand und Fort­schritt auf der einen Sei­te, blu­ti­ge Kolo­ni­al­krie­ge, Kin­der­ar­beit und nie gekann­te Armut und Aus­beu­tung auf der ande­ren.


Eine seltsame Familie

Es ist eine eigen­ar­ti­ge Fami­lie, in die Alex­an­dri­na Vic­to­ria am 24. Mai 1819 als Toch­ter von Edward, Duke of Kent and Stra­the­arn, und sei­ner deut­schen Frau Vic­toire von Sach­sen-Coburg-Saal­feld hin­ein­ge­bo­ren wird; man könn­te auch sagen: son­der­bar und über­al­tert.

Vic­to­ri­as Groß­va­ter, der grei­se König Geor­ge III., ist seit Jah­ren im Deli­ri­um und geis­tig völ­lig umnach­tet.
George IV von England Lithographie 1821Bereits seit 1811 führt König Geor­ges ältes­ter Sohn, Prinz­re­gent Geor­ge, die Regie­rungs­ge­schäf­te.
Es gibt kaum einen Regen­ten, der bei den Bri­ten so unbe­liebt ist wie die­ser Geor­ge: ver­mut­lich nar­ziss­tisch ver­an­lagt, liegt sein Haupt­au­gen­merk auf der schö­nen Gestal­tung von Parks, Bau­wer­ken und Plät­zen, sei­nen zahl­rei­chen Affä­ren und natür­lich sei­ner erbit­ter­ten Schei­dungs­schlacht mit Gemah­lin Caro­li­ne von Braun­schweig.
Als Geor­ges und Caro­li­nes ein­zi­ges gemein­sa­mes Kind, die Thron­er­bin Char­lot­te Augus­ta, 1817 im Wochen­bett qual­voll stirbt, sieht es plötz­lich sehr schlecht für die Thron­fol­ge und das dynas­ti­sche Bestehen der Königs­fa­mi­lie aus.
Der Prinz­re­gent und spä­te­re König Geor­ge IV. hat kei­ne wei­te­ren Kin­der und Erben, und auch bei sei­nen Brü­dern sieht es in Sachen Nach­wuchs nicht gut aus.

Nach dem schreck­li­chen Tod der Thron­er­bin wird ver­zwei­felt nach Thron­fol­gern gesucht. Es steht nicht gut um die Dynas­tie: Geor­ges nächst­jün­ge­rer Bru­der, der zweit­äl­tes­te Sohn des alten Königs Geor­ge III., Fre­de­rick, Her­zog von York und Alba­ny, ist zwar ver­hei­ra­tet, hat aber mit Mit­te 50 zusam­men mit sei­ner Ehe­frau kei­ne leben­den Kin­der.
Außer­dem ist er, der Ober­be­fehls­ha­ber des Hee­res, in den sehr unap­pe­tit­li­chen Skan­dal sei­ner Gelieb­ten ver­wi­ckelt: Ohne sein Wis­sen aber mit sei­ner (unbe­ab­sich­tig­ten) Hil­fe hat­te sie über Jah­re einen schwung­vol­len Han­del mit Offi­ziers­stel­len betrie­ben.
Die Affä­re war auf­ge­flo­gen und kam, wie zu erwar­ten war, bei den Unter­ta­nen nicht gut an. Fre­de­rick bekommt sei­nen Pos­ten als Ober­be­fehls­ha­ber nach einer mora­li­schen ‘Aus­zeit’ zwar wie­der, sei­nen Platz in der Thron­fol­ge muss er aller­dings räu­men (was kei­ne Aus­wir­kung hat, da er wenig spä­ter stirbt).

Außer Fre­de­rick gibt es noch zwei jün­ge­re Brü­der Geor­ges, wobei „jung“ rela­tiv ist; bei­de sind gestan­de­ne Her­ren mitt­le­ren Alters.
Und bei­de sind unver­hei­ra­tet.
Nach dem Tod der Kron­prin­zes­sin braucht das Königs­haus drin­gend Erben, für die schon etwas in die Jah­re gekom­me­nen könig­li­chen Jung­ge­sel­len wer­den daher fie­ber­haft und euro­pa­weit pas­sen­de Bräu­te gesucht.

Blitzhochzeiten und die Rettung der Dynastie

Man wird fün­dig: In einer Dop­pel­hoch­zeit wer­den im Juli 1818 bei­de Brü­der an die Frau gebracht.
Wil­liam – der spä­te­re Kurz­zeit-König Wil­helm IV. – hei­ra­tet eine Prin­zes­sin Adel­heid von Sach­sen-Mei­nin­gen, sein jün­ge­rer Bru­der Edward führt die ver­wit­we­te Fürs­tin Vic­toire von Lei­nin­gen zum Altar, eine gebo­re­ne Prin­zes­sin von Sach­sen-Coburg-Saal­feld, die aus ers­ter Ehe bereits zwei Kin­der hat.

Glück­li­cher­wei­se ver­zeich­nen bei­de Blitz­hoch­zei­ten auch schnel­le dynas­ti­sche Erfol­ge:
Bereits ein Jahr spä­ter wer­den die frisch­ver­hei­ra­te­ten Brü­der im Alter von 53 und 52 Jah­ren zum ers­ten Mal offi­zi­ell Väter.
Doch Wil­liams und Adel­heids klei­ne Toch­ter über­lebt ihre Geburt nur kurz, eben­so wie eine wei­te­re Prin­zes­sin, die im dar­auf­fol­gen­den Jahr gebo­ren wird.
Als Wil­liam 1837 als König Wil­helm IV. stirbt, hin­ter­lässt er zwar zehn unehe­li­che Kin­dern aus einer lang­jäh­ri­gen außer­ehe­li­chen Bezie­hung, aber kei­nen ein­zi­gen legi­ti­men Thron­er­ben mit sei­ner offi­zi­el­len und legi­ti­men Ehe­frau Adel­heid..

Sein jün­ge­rer Bru­der Edward, der bis zu sei­ner Hei­rat vie­le Jah­re lang mit sei­ner fran­zö­si­schen Gelieb­ten Julie in einer Art wil­der Ehe gelebt hat­te, hat mehr Erfolg, kann sein spä­tes Vater­glück aller­dings nicht lan­ge genie­ßen:
Sei­ne und Vic­toires klei­ne Toch­ter Alex­an­dri­na Vic­to­ria lebt, aber er stirbt ein drei­vier­tel Jahr nach ihrer Geburt an einer Lun­gen­ent­zün­dung.

Das Kensington-System

Vic­to­ri­as ein­sa­me und unglück­li­che Kind­heit ent­behrt viel, vor allem aber Her­zens­wär­me und eine geeig­ne­te Aus­bil­dung zur Köni­gin.

Die strik­te Abnei­gung, die Vic­to­ria spä­ter als jun­ge Frau und Köni­gin gegen Hei­rat und Ehe­mann hat, dürf­te ihren Ursprung im soge­nann­ten Ken­sing­ton Sys­tem gehabt haben, eine Art gol­de­ner Käfig, den ihre Mut­ter und deren Rat­ge­ber (man­che sagen auch: Lieb­ha­ber) John Conroy nach dem frü­hen Tod ihres Vaters Edward eta­bliert haben.

duchess_of_kent_and_victoria_by_henry_boneEdward, Duke of Kent, hin­ter­lässt der Duch­esse außer der klei­nen Prin­zes­sin nichts als Schul­den.
Viel zu vie­le Schul­den, die dazu füh­ren, dass Vic­to­ri­as Mut­ter sein Erbe sogar aus­schla­gen muss. So hockt sie nach sei­nem plötz­li­chen Tod allein und mit­tel­los im Ken­sing­ton Palace, den sie von der win­zi­gen Apa­na­ge, die man ihr als Edwards Wit­we zuge­steht, kaum unter­hal­ten kann.

Am Königs­hof wer­den die Duch­esse und ihre Toch­ter nicht gern gese­hen, denn König Geor­ge IV., Vic­to­ri­as dicker Onkel Geor­ge, war gegen die Hei­rat sei­nes jün­ge­ren Bru­ders mit der Deut­schen, und mag sie ver­mut­lich auch ein­fach nicht.
Ohne Geld für ein stan­des­ge­mä­ßes Leben, ohne Bezie­hun­gen und ohne Fami­lie steht Duch­esse Vic­toire ziem­lich ver­zwei­felt da und über­legt sich, ob sie mit der klei­nen Vic­to­ria und ihrer älte­ren Toch­ter Feo­do­ra aus ers­ter Ehe nicht lie­ber die Heim­rei­se antre­ten soll­te.

Erst Vic­toires Bru­der Leo­pold – jener Leo­pold von Sach­sen-Coburg, mit dem die ver­stor­be­ne Thron­er­bin Char­lot­te ver­hei­ra­tet war – kann sie über­re­den, in Eng­land zu blei­ben:
Die klei­ne Vic­to­ria ist weit und breit als ein­zi­ge Thron­er­bin der nächs­ten Gene­ra­ti­on in Sicht und die­ser Sta­tus soll erhal­ten blei­ben – vom klei­nen Fürs­ten­tum Lei­nin­gen aus ein unmög­li­ches Unter­fan­gen.

princess_victoria_aged_fourDie Duch­esse of Kent bleibt.
Mit ihr lei­der auch John Conroy. Conroy ist  Sol­dat, dubio­ser Freund des Hau­ses und Edwards Nach­lass-ver­wal­ter, der sich nach und nach zur unent-behr­li­chen Stüt­ze Vic­toires macht, nicht zuletzt weil er einen gro­ßen Teil sei­nes eige­nen Ver­mö­gens zur Haus­halts­füh­rung zuschießt.
Das wohl nicht aus Zunei­gung oder purer Men­schen-freund­lich­keit, son­dern mit Hin­ter­ge­dan­ken: Er rech­net fest damit, dass die klei­ne Vic­to­ria noch vor dem Errei­chen ihrer Voll­jäh­rig­keit den bri­ti­schen Thron bestei­gen wird, und damit ihre Mut­ter, die Duch­esse of Kent,– und er – die tat­säch­li­che Regent­schaft über­neh­men kön­nen.

Im goldenen Käfig

Damit auch wirk­lich nie­mand sei­ne weit­rei­chen­den Plä­ne durch­kreu­zen kann, baut Conroy rund um die kost­ba­re Thron­er­bin das Ken­sing­ton Sys­tem als gol­de­nen Käfig auf, eine Art eli­tä­rer Zir­kel, der Vic­to­ria von der Welt abschot­ten soll, statt sie ihr zu zei­gen.
Conroy bestimmt Gou­ver­nan­te und Haus­leh­rer, legt ihre Spiel­ge­fähr­ten fest – Vic­to­ri­as älte­re
Halb­schwes­ter Feo­do­ra und sei­ne eige­ne Toch­ter – und wacht über jeden Schritt, den die Prin­zes­sin tut.
Vic­to­ri­as Leben wird immer ein­sa­mer und unglück­li­cher; ihre ein­zi­ge Freu­de ist Spa­ni­el Dash, der Hund ihrer Mut­ter.

Im Jahr 1835, Vic­to­ria ist 16 Jah­re alt und ihr Onkel, König Wil­helm IV. sitzt alt und gebrech­lich, aber eisern auf dem bri­ti­schen Thron, sieht Conroy ein, dass sein Schütz­ling bei ihrer Thron­be­stei­gung vor­aus­sicht­lich voll­jäh­rig sein wird.
Damit sein Traum von der Mit-Regent­schaft nicht voll­kom­men zer­platzt, ver­sucht er Vic­to­ria zu über­re­den, ein Doku­ment zu unter­schrei­ben, mit dem sie sich ver­pflich­tet, ihn zu ihrem Pri­vat­se­kre­tär zu ernen­nen, sobald sie Köni­gin ist.
Die Posi­ti­on die er sich mit die­ser Unter­schrift sichern möch­te, ist sehr ein­fluss­reich – für einen Mann sei­ner Her­kunft eigent­lich uner­reich­bar.

Doch obwohl er und Vic­toire im Ver­bund mit Engels­zun­gen auf Vic­to­ria ein­re­den, argu­men­tie­ren und schließ­lich dro­hen – die Prin­zes­sin bleibt stör­risch und ver­wei­gert ihre Unter­schrift.

Onkel Leopold

leopold_i_by_franz_winterhalterMit allem hat­ten Conroy und Vic­to­ri­as leicht­gläu­bi­ge Mut­ter gerech­net, nur nicht mit Wider­stand.
Und Onkel Leo­pold.

Leo­pold von Sach­sen-Coburg, Vic­toires Bru­der, Wit­wer der eng­li­schen Thron­er­bin Char­lot­te und seit 1830 als Leo­pold I. gewähl­ter König der Bel­gi­er, ist nicht nur ein eif­ri­ger Brie­fe­schrei­ber, son­dern hat auch ein Herz für sei­ne unglück­li­chen Nich­ten und Nef­fen.
(Mög­li­cher­wei­se ist er auch ein begna­de­ter Netz- werker, der vor­aus­schau­end in die kom­men­de Gene­ra­ti­on euro­päi­scher Köni­gin­nen und Köni­ge inves­tiert.)

Was auch immer dahin­ter­steckt: Onkel Leo­pold unter­hält fast unbe­merkt über vie­le Jah­re einen regen Brief­wech­sel mit sei­ner trau­ri­gen und ein­sa­men Nich­te Vic­to­ria.
Er ver­sucht per Brief­kon­takt, ihre man­gel­haf­te Bil­dung zu ver­bes­sern, emp­fiehlt die Lek­tü­re aus­ge­wähl­ter Bücher, schickt Manu­skrip­te als Lese­stoff und hat auch sonst ein offe­nes Ohr für die Sor­gen und Nöte sei­ner im Ken­sing­ton Sys­tem gefan­ge­nen Nich­te.
Die strik­te Wei­ge­rung der 16jährigen Prin­zes­sin, den Rat­ge­ber ihrer Mut­ter schon vor ihrer Thron­be­stei­gung zu ihrem künf­ti­gen Pri­vat­se­kre­tär zu ernen­nen, könn­te durch­aus etwas mit Onkel Leo­pold zu tun gehabt haben, bewie­sen ist aller­dings nichts.

Nach meh­re­ren Ver­su­chen geben Conroy und Vic­toire schließ­lich ihre Über­re­dungs-bemü­hun­gen auf und las­sen die stör­ri­sche Vic­to­ria schmo­ren. Mut­ter und Toch­ter spre­chen vie­le Jah­re kein Wort mehr mit­ein­an­der.
Nach ihrer Thron­be­stei­gung erhält Conroy kein Amt an Vic­to­ri­as Hof, nicht ein­mal ein klei­nes.

Die ersten Affären als Königin

Obwohl schon lan­ge klar ist, dass Vic­to­ria die Thron­er­bin ist, wird sie denk­bar schlecht auf ihr Leben als Köni­gin vor­be­rei­tet. 1837 stirbt ihr Onkel König Wil­helm IV. und sie wird zu sei­ner Nach­fol­ge­rin pro­kla­miert. Vom poli­ti­schen Betrieb und den “Do’s” und “Dont’s” bei Hofe hat sie kei­nen blas­sen Schim­mer.
Onkel Leo­pold hat aus der Fer­ne sein Bes­tes getan, doch abge­schot­tet vom könig­li­chen Palast und dem Rest der Welt, man­gelt es der 18jährigen Queen an vie­lem.
Doch wie­der hat sie Glück und fin­det in „ihrem“ ers­ten Pre­mier­mi­nis­ter, Lord Mel­bourne, einen väter­li­chen Freund und Rat­ge­ber, der sie bis hin zu Klei­der­fra­gen geschickt um poli­ti­sche und sons­ti­ge Klip­pen ihres neu­en Köni­gin­nen-Daseins manö­vriert.

Das geht zwei Jah­re lang über­ra­schend gut, dann schnap­pen die Fall­stri­cke der Poli­tik zu. Kurz hin­ter­ein­an­der stol­pert Vic­to­ria gleich durch zwei Affä­ren, die sie erheb­lich an Anse­hen kos­ten.
Der ers­te Skan­dal ent­steht, weil sie einer Hof­da­me, die an einem Leber­tu­mor erkrankt ist, ziem­lich herz­los eine unehe­li­che Schwan­ger­schaft unter­stellt.
Das empört. Poli­tisch gra­vie­ren­der ist aller­dings der zwei­te Skan­dal, die soge­nann­ten „Hof­da­men-Affä­re“, die damit beginnt, dass sich Vic­to­ria hals­star­rig wei­gert, auch eini­ge Damen als Hof­da­men zu akzep­tie­ren, die zur poli­ti­schen Par­tei der Torys gerech­net wer­den.
Die Wahl der Hof­da­men sei ihre Pri­vat­an­ge­le­gen­heit – fin­det sie und beharrt dar­auf.

Doch sie irrt.
Pri­vat ist für die Köni­gin einer kon­sti­tu­tio­nel­len Mon­ar­chie so gut wie nichts, und durch ihre Wei­ge­rung bringt sie den par­la­men­ta­ri­schen Betrieb Groß­bri­tan­ni­ens ziem­lich ins Stol­pern.

Immer­hin schafft sie es durch ihre Wei­ge­rung, dass „ihr“ Lieb­lings-Pre­mier Mel­bourne, der zur Par­tei der Whigs gehört, im Amt bleibt. Eigent­lich ist geplant, dass Mel­bourne die Amts­ge­schäf­te an sei­nen Tory-Kon­kur­ren­ten und desi­gnier­ten Nach­fol­ger Sir Robert Peel über­ge­ben muss.
Ohne könig­li­che Hof­da­men, die sei­ner Par­tei nahe ste­hen, will Peel auch nicht mehr; er zieht sich schmol­lend zurück und ver­zich­tet dar­auf, neu­er Pre­mier­mi­nis­ter zu wer­den.
Vic­to­ria freut’s und sieht es als poli­ti­schen Erfolg — sie moch­te Peel nicht und woll­te Mel­bourne behal­ten. Das hat sie durch ihre Wei­ge­rung erreicht.
Das Volk ist aller­dings not amu­sed und sieht die „Hof­da­men-Affä­re“ als gro­be Ein­mi­schung ihrer Köni­gin in die Ange­le­gen­hei­ten des Par­la­ments.
Dort hat Vic­to­ria gemäß des bri­ti­schen Bills of Right nichts zu suchen – man beginnt zu mur­ren.

Sie sol­le sich end­lich ver­hei­ra­ten, ist eine For­de­rung, die immer häu­fi­ger auf der Stra­ße und in den fei­nen Salons und Clubs zu hören ist.
Ein Ehe­mann, so die all­ge­mei­ne Hoff­nung, könn­te sie viel­leicht etwas mäßi­gen, denn mit zuneh­men­dem Selbst­be­wusst­sein ent­wi­ckelt Vic­to­ria auch den Eigen­sinn, für den sie spä­ter berühmt sein wird.

Ans Hei­ra­ten denkt die jun­ge Köni­gin aller­dings noch lan­ge nicht – eigent­lich will sie über­haupt kei­nen Ehe­mann.
Sie fürch­tet, dass ein Mann ver­su­chen wür­de, sie wie ihre Mut­ter und deren Bera­ter John Conroy in ihrer Kind­heit und Jugend zu beherr­schen.
Außer­dem hat sie Angst vor Schwan­ger­schaf­ten.

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www.bildbiographien.de, 2016


Queen Vic­to­ri­as Onkel Leo­pold ist eine fast unbe­kann­te, aber nicht zu unter­schät­zen­de Grö­ße in der Welt­ge­schich­te. Lesen Sie im zwei­ten Teil:
Die Groß­mut­ter Euro­pas (II): Onkel Leo­pold


Wei­ter­füh­ren­de Links zu Queen Vic­to­ria und ihren Ver­wand­ten:


Ein sehr emp­feh­lens­wer­ter BLOG (in Eng­lisch): Lau­ra Pur­cell – „His­to­ri­cal fic­tion, Geor­gi­an style“
http://laurapurcell.com/category/queen-of-misrule/


Das Dra­ma beginnt. Der Prince of Wales Geor­ge kann sei­ne Finan­zen nicht in Ord­nung hal­ten. Von sei­nem auf­wän­di­gen Lebens­stil fast rui­niert, wil­ligt er schließ­lich in einen Hei­rats­han­del mit dem Par­la­ment ein: Sei­ne Schul­den wer­den bezahlt, dafür hei­ra­tet er sei­ne Cou­si­ne Caro­li­ne von Braun­schweig. Das ein­zi­ge Pro­blem: Das Braut­paar kann sich nicht aus­ste­hen …
Sze­nen einer arran­gier­te Ehe


George IV von England Lithographie 1821 Viel mehr als die Mode, kei­ne gepu­der­ten Perü­cken mehr zu tra­gen, die Stil­epo­che ‘Regen­cy’ und eini­ge Gebäu­de und Parks in Lon­don hat der bri­ti­sche König Geor­ge IV. nicht zustan­de gebracht. Das ist kaum ver­wun­der­lich, schließ­lich hat er sein hal­bes Leben ver­sucht, sich von Gat­tin Caro­li­ne von Braun­schweig schei­den zu las­sen. Mehr über könig­li­che Bett­la­ken und wie das Ver­mei­den ver­meint­lich ris­kan­ter neu­er Metho­den wie die Geburts­zan­ge die Welt­ge­schich­te ver­än­dert hat,..
Pains and Pena­li­ties: Schei­dung auf bri­tisch


Vic­to­ri­as Enkel­sohn, der deut­sche Kai­ser Wil­helm II., auf der Suche nach sei­nem Platz an der Son­ne. Unge­ach­tet sei­ner eng­li­schen Groß­mut­ter und Mut­ter gera­ten er und die Deut­schen mit dem Empi­re in Kon­kur­renz. “Gott stra­fe Eng­land” wird ab 1905 zum geflü­gel­ten (Un-)Wort und 1914 kommt es schließ­lich zur “Ur-Kata­stro­phe des 20. Jahr­hun­derts”: dem 1. Welt­krieg
Ein Platz an der Son­ne oder: Wil­helm das Groß­maul


Die ‘Mätres­sen­wirt­schaft’ spiel­te nicht nur am bri­ti­schen Hof eine wich­ti­ge (poli­ti­sche) Rol­le, son­dern gehör­te in fast allen euro­päi­schen Königs­häu­sern zum guten Ton. Eine der erfolg­reichs­ten ‘offi­zi­el­len’ Mätres­sen, die wich­tigs­te Rat­ge­be­rin des Königs und glü­hends­te Ver­fech­te­rin des Sie­ben­jäh­ri­gen Krie­ges war die Mar­qui­se de Pom­pa­dour. Ein Stim­mungs­bild von der ande­ren Sei­te des Ärmel­ka­nals zur Zeit des bri­ti­schen Königs Geor­ge III.
Die Mar­qui­se de Pom­pa­dour


Mut­ter­lie­be, wah­re Lie­be und das Schei­dungs­recht kamen in Kon­ti­nen­tal-Euro­pa als Fol­ge der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on und mit Napo­le­on in Mode. Mehr über die “neu­en” gro­ßen Gefüh­le:
Mätres­sen­wirt­schaft, Revo­lu­ti­on und die gro­ße Lie­be


Bild­nach­wei­se:

1) Queen Vic­to­ria, 1847, Ölge­mäl­de von Franz Xaver Win­ter­hal­ter — Ori­gi­nal pain­ting owned by the Roy­al Collec­tion. Source of pho­to­graph unknown., Gemein­frei
2) Geor­ge IV (1821) by G. Atkin­son, Brigh­ton, (UK Imme­dia­te source: Samm­lung de Salis), Public Domain
3) Prince Edward, Duke of Kent, Com­man­der-in-Chief, North Ame­ri­ca, 1791–1802 By Geor­ge Dawe — Roy­al Collec­tion, Public Domain
4) Vic­toire mit ihrer Toch­ter Vic­to­ria, Von Hen­ry Bone, http://www.telegraph.co.uk/culture/donotmigrate/3560626/Queen-Victoria-the-original-peoples-princess.html, Gemein­frei,
5) Prin­zes­sin Vic­to­ria im Alter von vier Jah­ren, 1823, von Ste­phen Poyntz Den­ning (1795–1864) — Dul­wich Col­le­ge Pic­tu­re Gal­le­ry, Gemein­frei,
6) Prin­zes­sin Vic­to­ria mit Spa­ni­el Dash, Sir Geor­ge Hay­ter, 1833, Von nach Geor­ge Hay­ter — First upload: Scan­ned from Hib­bert, Chris­to­pher (2000) Queen Vic­to­ria: A Per­so­nal Histo­ry, Lon­don: Har­per­Col­lins, ISBN 0–00-638843–4, and then colour adjus­ted and repai­red for flaws. This ver­si­on is of the copy in the Bri­tish Roy­al Collection.Second upload: unknown, Gemein­frei
7) Leo­pold I., König der Bel­gi­er, Gemäl­de von Franz Xaver Win­ter­hal­ter, gemein­frei.


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