Ist Fremdgehen angeboren?

Frauen wollen in der Liebe Romane erleben, Männer KurzgeschichtenWer kennt es nicht, wenn sich nach wenigen Wochen großer Liebe, in denen Seelenverwandtschaften ent- deckt und Zukunftspläne geschmiedet wurden, der angehimmelte Liebste plötzlich rarmacht, um Bedenkzeit bittet, seltsame Erklärungen stammelt und schließlich zu einer anderen entschwindet?
Das ist der Stoff, aus dem Romane gestrickt werden, Weltklassiker ebenso wie Lore- Romane und unzählige Ratgeber. Ist es Psychologie und die vielzitierte ‚Krise des Mannes‘, – oder doch wieder nur Biologie: ein „Casanova-Gen“ und miserable Dopamin-Rezeptoren?


„Das Leben ist bezaubernd, man muss es nur durch die richtige Brille sehen.“

Alexandre Dumas (der Ältere)


Natürlich ist es Unsinn, jedes unerwartete Liebesaus auf Gene und Veranlagung zu schieben. Aber tatsächlich scheint es eine Disposition für nachlassendes Begehren und dem Drang nach Neuem zu geben.
Von zentraler Bedeutung scheint dabei der körpereigene Botenstoff Dopamin zu sein, ein Hormon, das uns wach, motiviert und optimistisch stimmt. Es sorgt aber nicht nur für erwartungsvolle Vorfreude, Neugierde und das Kribbeln im Bauch, sondern treibt uns auch an, unsere Ziele und Pläne umzusetzen. Auch beim Seitensprung.

Wenn die Lust nachlässt …

Eine mit der Zeit erlahmende Libido bei Paaren ist nicht ungewöhnlich und als sogenannter „Coolidge-Effekt“ seit langem bekannt. Benannt wurde der Effekt nach dem 30. amerikanischen Präsidenten Calvin Coolidge und seiner Frau Grace, die von 1923 bis 1929 im Weißen Haus residierten:


Der Coolidge-Effekt
Der Anekdote nach besuchte das Präsidentenehepaar Coolidge eine staatliche Farm und wurde getrennt herumgeführt. Als Mrs. Coolidge die Hühnerställe betrat, konnte sie beobachten, wie sich ein Hahn gerade heftig mit einer Henne vergnügte. Beeindruckt fragte sie, wie oft der Hahn seinen Pflichten nachkomme – „Dutzende Male am Tag“, lautete die Antwort. Mrs. Coolidge war noch mehr beeindruckt – „Sagen Sie das bitte dem Präsidenten.“
Wenig später wurde Präsident in die Ställe geführt und weisungsgemäß vom Eifer des Hahns unterrichtet. „Jedes Mal mit derselben Henne?“, fragte er. – „Oh nein, Mr. President, immer mit einer anderen“, lautete die Antwort. Nun war Präsident Coolidge zufrieden und nickte: „Sagen Sie das bitte Mrs. Coolidge.“


Über das Eheleben der Coolidges gibt es bis auf diese eine denkwürdige, aber unbestätigte Anekdote nichts zu berichten; allem Anschein nach war Präsident Coolidge auch ein völlig ungeeigneter Typ für außereheliche Affären: introvertiert, wortkarg, in seiner Jugend extrem schüchtern und zumindest phasenweise von Depressionen geplagt.
Einer oft erzählten, aber ebenfalls unbestätigten Geschichte zufolge, saß Coolidge eines Abends bei einem Dinner neben einer Dame, die mit ihm ein wenig plänkeln wollte: „Mr. President, meine Freundin hat mit mir gewettet, dass ich Ihnen heute Abend keine drei Worte entlocken kann.“

Darauf soll Coolidges trockene Antwort gewesen sein: „Sie verlieren.“

Das Casanova-Gen

Harte Daten und Fakten zum Fremdgehen und dem berühmt-berüchtigten „Casanova-Gen“ liefern Beobachtungen bei Nutz- und Labortieren: Zuchtbullen werden müde, wenn man ihnen immer nur ein und dieselbe Kuh zuführt, und auch Laborratten haben nach einiger Zeit keinen „Bock“ mehr auf traute Zweisamkeit.
Die nachlassende Libido liegt keineswegs an Migräne oder Überanstrengung, denn die Lust des Rattenmännchens kann sofort wieder geweckt werden, wenn man ihm ein neues Weibchen als potenzielle Gespielin in den Käfig setzt. Die „Neue“ ist weder besser, noch schlauer, noch hübscher als die „Alte“ – sie ist einfach nur neu. Und auch sie wird nach einiger Zeit für das Männchen langweilig und damit Opfer des Coolidge-Effekts.


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Aber zunächst genügt allein ihr Anblick, um das Männchen in Hochzeitsstimmung zu versetzen, sein Hirn wird dabei mit dem Hormon Dopamin geflutet, was vermutlich auch bei Ratten für erwartungsvolle Vorfreude sorgt. Statt mit einer neuen Flamme kann umgekehrt aber auch seine Lust auf die Ex durch künstlich zugeführten Botenstoff neu belebt werden – letztendlich entscheidet also die Konzentration eines einzigen Hormons über das Wohl und Wehe einer sexuellen Beziehung. Zumindest bei Laborratten.


Glücklich durch Dopamin
Glück ist nichts anderes als ein gut austariertes Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung, Altbekanntem und Neuem, Trägheit und Herausforderungen. Bei der Entstehung von Neugier und der Suche nach neuen Erfahrungen spielt der Botenstoff Dopamin eine herausragende Rolle, er stimmt uns optimistisch, erwartungsvoll und steuert unsere Neugier und Abenteuerlust.
Ohne Neues im Leben, kommt kein Mensch aus, zumindest keiner, der glücklich sein will. Wir benötigen alle einerseits unsere wohlbekannte Komfortzone als Basis, brauchen aber andererseits auch für unser Wohlbefinden Neues, um zu wachsen und uns zu entwickeln. Das geht nur außerhalb unserer Komfortzone, nur wenn wir sie verlassen, können wir neue Erfahrungen sammeln. Ohne gelegentliches Risiko gibt es keine Entwicklung.
Wie groß der Drang nach Neuland und Abenteuer ist, und wie viel Wagnis dafür in Kauf genommen wird, variiert. Unser Wunsch nach einem Dopamin-Kick treibt uns dabei an – übrigens ist das auch der Stoff, aus dem die Süchte sind. Wer Träger des „Casanova-Gens“ ist, hat auch ein überdurchschnittlich hohes Risiko, von Alkohol oder Nikotin abhängig zu werden.


Etwa ein Drittel aller Menschen-Männer sollen die abenteuerlustigen Besitzer des „Casanova-Gens“ sein, einem Gen, das eine Neigung zu Promiskuität, aber auch zu Suchterkrankungen bewirken kann.
Dahinter verbirgt sich nichts anderes als schlechter als normal reagierende Dopamin-Rezeptoren, das heißt, die Betroffenen brauchen viel mehr Botenstoff, um das gleiche Maß an „Spiel, Spaß und Spannung“ empfinden zu können wie Durchschnittstypen. Bei der Jagd nach dem „Kick“ soll die miese Rezeptoren-Ausstattung wagemutiger, risikofreudiger und rastloser machen, so wie einst den legendären Casanova, bekannt durch seine Verführungskünste, aber auch leidenschaftlicher (und süchtiger?) Spieler, der von einem (Liebes-) Abenteuer ins nächste stürzte und sich und andere dabei oft genug in die Bredouille brachte.


„Frauen wollen in der Liebe Romane erleben, Männer Kurzgeschichten.“

Daphne Du Maurier


Laut Statistik gibt es einen Zusammenhang zwischen der angeborenen Ausstattung an Dopamin-Rezeptoren und der Zahl an Geschlechtspartner(inne)n; inwieweit sich dieses genetische Erbe auf das tatsächliche Verhalten auswirkt, ist allerdings nicht bekannt. Promiskuität und überbordende Abenteuerlust nur damit der Dopamin-Pegel stimmt? Bestätigt ist nichts, und es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass nur ein einziges Hormon (um genauer zu sein: ein Rezeptor) darüber entscheidet, wie treu wir sein können.

Unklar bleibt auch, warum diese Zusammenhänge fast ausschließlich bei männlichen Wesen untersucht worden sind und fast nie bei weiblichen. Bei etwa zehn bis fünfzehn Prozent menschlicher „Kuckuckskindern“, so zumindest das Ergebnis zahlreicher Gentests, wäre es an der Zeit, neugierig zu werden und gegebenenfalls auch die Logik der „männlichen“ Wissenschaft zu überdenken.

Weiterführende Links:

Die Liebe kommt, die Liebe geht. Sechs Erfahrungsberichte über den zeitpunkt, an dem man weiß, dass es zu Ende ist:
ZEIT online: Der Moment, wenn die Liebe tot ist


Da röhrt der Hirsch. Über die unmögliche Kommunikation zwischen Männern und Frauen
http://generationen-gespräch.de/da-roehrt-der-hirsch-ueber-den-schwierigen-dialog-zwischen-maennern-und-frauen/ 


„Die Zeit heilt angeblich Wunden und Schmerzen. Das mag zutreffen, braucht uns aber nicht abzuschrecken. Es ist nämlich durchaus möglich, sich gegen den Einfluss der Zeit abzuschirmen und die Vergangenheit zu einer Quelle von Unglücklichkeit zu machen“ ….
http://generationen-gespräch.de/das-spiel-mit-der-vergangenheit-erinnern-wir-uns-oder-lieber-doch-nicht/


Wenn Dunkle Geheimnisse ans Licht kommen, ist das sehr schmerzhaft. Aber immer auch eine Chance für die Revision der eigenen Geschichte:
http://generationen-gespräch.de/dunkle-geheimnisse/


Buchempfehlung:
Reinhard K. Sprenger: Die Entscheidung liegt bei dir: Wege aus der alltäglichen Unzufriedenheit, Campus, Frankfurt a.M. [u.a.], 2004, ISBN: 3-5933-7442-0

Bildnachweise:
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