Die Marke “Ich”

Einzigartigkeit und Massenpsychologie

Jeder Mensch möch­te als Indi­vi­du­um wah­ge­nom­men wer­den. Einer­seits. Ande­rer­seits haben wir alle auch den mehr oder weni­ger star­ken Drang, zu einer Grup­pe zu gehö­ren, und sind bereit, unse­re Indi­vi­dua­li­tät dafür zurück­zu­stel­len. Eine Zwick­müh­le zwi­schen zwei star­ken Bedürf­nis­sen, die viel über unse­re Per­sön­lich­keit sagt. Wie uns unse­re “Mar­ke Ich” prägt — und wor­auf Unter­neh­mer und Ver­käu­fer dabei ach­ten soll­ten.

Lesen Sie auch: Zuschau­en kann töten – Das “Genove­se-Syn­drom” – Lebens­lan­ges Ler­nen durch Imi­ta­ti­on – Grup­pen­zwang und Zuschau­er-Effekt – Wer sind unse­re Vor­bil­der? — “Fremd” ist uns nicht geheu­er — Der “Mere Expo­sure Effekt” in der Wer­bung
Rich­ti­ge und fal­sche Vor­bil­der

Wer bin ich?

Wer bin ich?  ist die indi­vi­du­el­les­te aller Fra­gen, die sich Men­schen stel­len.
Das tun sie übri­gens schon seit Men­schen­ge­den­ken.


Zunächst ein­mal möch­te jeder als Indi­vi­du­um wahr­ge­nom­men wer­den. Des­we­gen pfle­gen wir unse­re Beson­der­hei­ten, die uns von den ande­ren unter­schei­den, des­we­gen trägt Hei­no Son­nen­bril­le und Lady Gaga schril­le Kos­tü­me.
Unser “Bedürf­nis nach Ein­zi­ar­tig­keit” (Need for Uni­que­ness — NfU) macht uns zu dem, wer und was wir sind, es ist die Grund­la­ge unse­rer Mar­ke Ich.

Einer­seits.
Ande­rer­seits möch­ten wir aber auch “dazu­ge­hö­ren” und sind bereit, dafür einen Teil unse­rer Indi­vi­dua­li­tät zu opfern.
Denn die Zuge­hö­rig­keit zu einer Grup­pe bedeu­tet Schutz und Sicher­heit, ihr ver­dan­ken wir schö­ne Din­ge wie Fami­lie und Freund­schaf­ten.
Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit gibt uns außer­dem das gute Gefühl, mit unse­rer Mei­nung und unse­ren Wert­vor­stel­lun­gen nicht allei­ne dazu­ste­hen. U
nd: Was alle ande­ren tun oder den­ken, kann ja so falsch nicht sein, schließ­lich ist das Mehr­heits­prin­zip der Grund­pfei­ler demo­kra­ti­scher Sys­te­me.

Einzigartigkeit und Massenpsychologie


„Die Men­ge wird sich immer denen zuwen­den, die ihr von abso­lu­ten Wahr­hei­ten erzäh­len,
und wird die ande­ren ver­ach­ten.”
Gust­ave Le Bon


Die Komfortzone unserer Persönlichkeit

Indi­vi­dua­li­tät einer­seits, der Wunsch nach Zuge­hö­rig­keit zu einer Grup­pe ande­rer­seits — wie passt bei­des zusam­men?
Die Lösung: Bei­de Bedürf­nis­se las­sen sich mit­ein­an­der ver­ein­ba­ren, müs­sen aber in einer indi­vi­du­el­len “Kom­fort­zo­ne” gut aus­ba­lan­ciert sein.
Das per­sön­li­che Gleich­ge­wicht zwi­schen Indi­vi­dua­li­tät und Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit ist von Mensch zu Mensch unter­schied­lich und bestimmt unser Leben und unse­ren All­tag.

Für vie­le Fuß­ball­fans ist das „Schlach­ten­bum­meln“ am Sams­tag mit den Kum­peln aus dem Fan­club in ein­heit­li­chen Kut­ten und gleich­far­bi­gen Schals, mit Bier und gemein­sa­men wil­den Gesän­gen ein Wochen­hö­he­punkt. Oft ist für sie die Gemein­schaft mit Gleich­ge­sinn­ten, ein­heit­li­chen Ritua­len und Klei­dung wich­ti­ger als der Sport selbst.

Men­schen, die eine star­ke Ver­bun­den­heit mit einer Grup­pe bevor­zu­gen, haben ein ent­spre­chend nied­ri­ge­res Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit.
Sie defi­nie­ren sich stär­ker über ihre Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit und weni­ger über ihre indi­vi­du­el­len Beson­der­hei­ten.
Gemein­schaft­li­che Ver­hal­tens­re­geln und Nor­men sind für sie kein Pro­blem, und als beson­ders sinn­stif­tend
kann für sie eine Fremd­grup­pe („out­group“) von „Ande­ren“ oder „Anders­ar­ti­gen“ sein, die als „schlech­ter“ wahr­ge­nom­men wird: “Wir sind St. Pau­li und Ihr nur HSV” , ist eine Form von out­group, Ihr Flücht­lin­ge eine ande­re.
Die Fremd­grup­pe ist ein Mit­tel zur gemein­schaft­li­chen Iden­ti­fi­ka­ti­on, das das Selbst­wert­ge­fühl der Grup­pe, aber auch jedes ein­zel­nen Grup­pen­mit­glieds stei­gert.

Für Men­schen mit einem hohen Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit (hohe NfU) ist die Vor­stel­lung, sams­tags mit Tau­sen­den ande­ren in ein­heit­li­cher Kluft im Fan­block ste­hen zu müs­sen, dage­gen ein Graus, selbst wenn sie ein­ge­fleisch­te Fuß­ball-Fans sind.
Wer ein hohes Maß an “NfU” hat, wird mit allen mög­li­chen (und manch­mal auch unmög­li­chen) Mit­teln ver­su­chen, aus der „grau­en Mas­se“ her­vor­zu­ste­chen und sich von der Her­de sei­ner Mit­men­schen abzu­he­ben.

Wenn die Klügeren immer nachgeben regieren die Dummen die Welt - Richtige und falsche VorbilderHer­vor­ste­chen geht her­vor­ra­gend durch extra­va­gan­te Klei­dung, einem ris­kan­ten Hob­by oder den Neu­wa­gen der Extra­klas­se. (Wer sich den nicht leis­ten kann, ver­schö­nert wenigs­tens sein altes Auto mit indi­vi­du­el­len Abzieh­bild­chen und Ral­ly­e­strei­fen.)
Pier­cings und Tat­toos, lan­ge Zeit Kör­per­schmuck har­ter See­män­ner und Knast­brü­der, sind auch ein Aus­druck des Bedürf­nis­ses nach Ein­zig­ar­tig­keit, sie schon längst die Mit­te der Gesell­schaft ange­kom­men und zie­ren heu­te auch Schul­tern und Schen­kel rei­fe­rer Damen.

Die Marke “Ich”

Die indi­vi­du­el­le Kom­fort­zo­ne zwi­schen “ein­zig” und “artig” ist eine sta­bi­le Eigen­schaft, die sich im Lau­fe des Lebens kaum oder nur sehr lang­sam ver­än­dert.

Wer sich in sei­ner Indi­vi­dua­li­tät nicht rich­tig wahr­ge­nom­men fühlt — “zu auf­fäl­lig” oder “zu unauf­fäl­lig” -, fühlt sich nicht wohl und wird unbe­wusst ver­su­chen, sein per­sön­li­ches Gleich­ge­wicht wie­der her­zu­stel­len: Ein Mensch mit einem star­ken Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit bei­spiels­wei­se, indem er ver­sucht, mit einer unge­wöhn­li­chen Mei­nung anzu­ecken oder durch sei­nen Klei­dungs­stil auf­zu­fal­len, wenn er sich sich zu sehr als “graue Maus” wahr­ge­nom­men fühlt.
Sobald unser Wunsch nach per­sön­li­cher und indi­vi­du­el­ler Anspra­che nicht erfüllt ist, wer­den wir irgend­et­was unter­neh­men, um unse­re Kom­fort­zo­ne wie­der zu errei­chen.

Nach­ge­wie­sen ist, dass in den letz­ten Jahr­zehn­ten der Wunsch nach Indi­vi­dua­li­tät gestie­gen ist und immer mehr Men­schen ein aus­ge­präg­tes Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit haben. Für Unter­neh­men, Par­tei­en und Orga­ni­sa­tio­nen wird es zuneh­mend wich­ti­ger, auf das gestie­ge­ne Bedürf­nis nach Indi­vi­dua­li­tät zu ach­ten.

Außer­dem weiß man, dass das Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit mit ande­ren Eigen­schaf­ten einer Per­sön­lich­keit zusam­men­hängt: Men­schen mit hohem “NfU” sind eher extra­ver­tiert und gehen auf ande­re zu, sie sind offen für neue Erfah­run­gen, krea­tiv und risi­ko­freu­dig.

Einzigartigkeit für Unternehmer

Für ein Unter­neh­men kann ein Mit­ar­bei­ter mit star­kem Drang nach Indi­vi­dua­li­tät von unschätz­ba­rem Wert sein, denn er kann durch bewuss­tes Abwen­den von herr­schen­den Nor­men und Ein­stel­lun­gen unge­wöhn­li­che Lösungs­mög­lich­kei­ten auf den Weg brin­gen:  Die Glüh­bir­ne, die Rela­ti­vi­täts­theo­rie oder „Face­book“ wur­den von eini­gen weni­gen Quer­den­kern ent­ge­gen der herr­schen­den Mei­nung ge- oder erfun­den.

 ” Wer alte Zöp­fe abschnei­det und schein­bar Alt­be­währ­tes “schöp­fe­risch zer­stört” , rich­tet zunächst ein­mal Cha­os an. Doch des­halb ist man noch lan­ge kein Cha­ot, son­dern im Ide­al­fall der Schöp­fer einer neu­en Ord­nung — im Gro­ßen oder ganz beschei­den im Detail. Aller­dings bedarf es schon einer gewis­sen Por­ti­on Mut und Durch­set­zungs­fä­hig­keit, denn “schöp­fe­ri­sche Zer­stö­rer” sind nicht über­all beliebt. Bei vie­len Kol­le­gen nicht, aber auch bei man­chen Chefs nicht, die Ver­än­de­run­gen nicht gou­tie­ren, weil sie mit Risi­ken behaf­tet sind. Und die fata­ler­wei­se nicht bemer­ken, wenn das Fest­hal­ten an alten metho­den und Pro­duk­ten naht­los in Schlaf­müt­zig­keit über­geht. Schlaf­müt­zen aber ver­pen­nen den gesell­schaft­li­chen Wan­del und künf­ti­ge Chan­cen des Mark­tes.”
Aus: Micha­el Brück­ner, Die Geset­ze der Erfolg­rei­chen. Von den Bes­ten ler­nen.

Beson­ders wich­tig ist “NfU” aber auch bei der Kun­den­an­spra­che.
Kun­den mit einem aus­ge­präg­tem Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit wün­schen sich ein­ma­li­ge und mög­lichst exklu­si­ve oder sogar indi­vi­dua­li­sier­te Pro­duk­te oder Dienst­leis­tun­gen.
Kun­den­zu­frie­den­heit ent­steht aller­dings nicht allein durch das Pro­dukt, son­dern auch durch den Ent­schei­dungs­pro­zess, der zum Kauf führt, also durch Mar­ke­ting­stra­te­gi­en und Ver­kaufs­ge­sprä­che.

Ein guter Ver­käu­fer erkennt nicht nur die Moti­ve, son­dern auch die emo­tio­na­len Bedürf­nis­se sei­nes Kun­den und geht dar­auf ein.
Einen Inter­es­sen­ten mit hohem Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit mit dem Argu­ment: “Das ist bewährt, das haben schon vie­le gekauft” locken zu wol­len, wird nicht erfolg­reich sein; bei einem Kun­den mit gerin­gem Maß an “NfU” ist es dage­gen genau das rich­ti­ge Ver­kaufs­ar­gu­ment.

Viele Homepages verbarrikadieren sich hinter Worthülsen und haben deswegen nur wenig mit guten Texten zu tunAus Angst, irgend­et­was falsch zu machen und Kun­den zu ver­prel­len, ver­bar­ri­ka­die­ren sich Home­pages beson­ders ger­ne hin­ter Wort­hül­sen, die alles ande­re als ein­zig­ar­tig sind: Leser wis­sen nach dem Lesen auch nicht mehr als vor­her, auf indi­vi­du­el­le Wün­sche und Bedürf­nis­se wird über­haupt nicht ein­ge­gan­gen. Das ist nicht gut.
Mehr über “Bull­shit-Bin­go für Home­pages” lesen Sie unter:
Ein­fach gute Tex­te schrei­ben

Kun­den­an­spra­che und das per­sön­li­che Maß an NfU müs­sen zusam­men­pas­sen, erst dann kann sich ein Kun­de gut auf die Argu­men­te, die für den Kauf spre­chen, ein­las­sen. Außer­dem wird er den Nut­zen sei­nes Kaufs, den er sich im Geist schon aus­malt, als höher bewer­ten und auch nach dem Kauf zufrie­de­ner sein.
Das stärkt die Kun­den­bin­dung und erhöht für den Ver­käu­fer die Wahr­schein­lich­keit, wei­ter­emp­foh­len zu wer­den.

Unter­neh­men zwi­schen Quer­den­ken für die Zukunft und Schnaps­ide­en. Mit vie­len span­nen­den Bei­spie­len aus der Pra­xis beschreibt Micha­el Brück­ner die Erfolgs­stra­te­gi­en und -geheim­nis­se gro­ßer und klei­ner Unter­neh­men. Sehr lesens­wert!
Micha­el Brück­ner, Die Geset­ze der Erfolg­rei­chen. Von den Bes­ten ler­nen*, Ellert & Rich­ter, 2015

Gesellschaft und Einzigartigkeit

Unter man­chen Bedin­gun­gen kann Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit auch zu Hem­mungs­ver­lust und Gewalt füh­ren, ein Phä­no­men, das Gust­ave Le Bon in sei­ner Arbeit „Psy­cho­lo­gie der Mas­sen“ schon 1895 beschrie­ben hat.

Eine wis­sen­schaft­li­che Meis­ter­leis­tung war sei­ne Arbeit “Psy­cho­lo­gie der Mas­sen” (1895) nicht, trotz­dem gilt Gust­ave Le Bon zurecht als Begrün­der der Mas­sen­psy­cho­lo­gie.
Einer­seits schwa­dro­nier­te er Selt­sa­mes über den Ver­lust der ‘edlen Ras­sen­see­le’, ande­rer­seits stell­te er die ent­schei­den­de, bis heu­te gül­ti­ge Fra­ge: War­um beneh­men sich fried­lie­ben­de und zivi­li­sier­te Men­schen in Grup­pen manch­mal völ­lig dane­ben — näm­lich — wie bei­spiels­wei­se Hoo­li­gans — enhemmt und gewalt­tä­tig?

In den 1950er Jah­ren wur­de in der sozi­al­psy­cho­lo­gi­schen For­schung dafür der Begriff der „Deindi­vi­du­ie­rung“ geprägt. Man geht davon aus, dass das Tra­gen von Uni­for­men, Trach­ten, gleich­far­bi­gen T-Shirts oder Schals in den Ver­eins­far­ben bis zu einem gewis­sen Grad das Abtau­chen in einer gro­ßen Men­schen­men­gen bewirkt und dadurch unbe­wuss­ten auch dei unge­schrie­be­nen Geset­ze und Ver­hal­tens­wei­sen die­ser Grup­pe über­nom­men wer­den.
Der Vor­teil einer Grup­pe besteht dar­in, dass die Mit­glied­schaft sta­bil ist und nicht ver­lo­ren­ge­hen kann. Man ist deutsch und nicht pol­nisch oder dänisch, und man bleibt es, auch wenn man sei­nen Job ver­liert.

Heu­te weiß man, dass nicht jede Grup­pie­rung not­wen­di­ger­wei­se die Gefahr von Ent­hem­mung und Gewalt in sich trägt: Ent­schei­dend sind letzt­lich die Nor­men der jewei­li­gen Grup­pe.
Fuß­ball-Hoo­li­gans gehö­ren Grup­pie­run­gen an, die Le Bons Mut­ma­ßun­gen bestä­ti­gen, denn ihre Grup­pen­norm beinhal­tet auch Aus­gren­zung und Gewalt­be­reit­schaft.
Bei Kran­ken­schwes­tern wirkt sich die Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit genau umge­kehrt aus: Sie ver­hal­ten sich bei­spiels­wei­se allein durch das Tra­gen ihres Schwes­tern­kit­tels hilfs­be­rei­ter als ohne. In ihrem Kit­tel mani­fes­tiert sich ihre Zuge­hö­rig­keit zur Grup­pe der Kran­ken­schwes­tern, deren Norm nun ein­mal „Hilfs­be­reit­schaft“ ist.


Fazit:

Men­schen brau­chen bei­des – wir kom­men nicht ohne „unse­re Her­de“ aus, wol­len aber auch nicht so sein, wie alle ande­ren. Unse­re Mar­ke Ich ist unse­re ganz per­sön­li­che Mischung, unse­re „Kom­fort­zo­ne“ zwi­schen Indi­vi­dua­li­tät einer­seits und unse­rem Bedürf­nis nach Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit ande­rer­seits, in der wir uns wohl füh­len und die sich im Lau­fe des Lebens — wenn über­haupt — kaum und nur sehr lang­sam ver­än­dert.

  • Das Gleich­ge­wicht zwi­schen Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit und Indi­vi­dua­li­tät ist ange­bo­ren, kann aber durch Lebens­um­stän­de und Situa­tio­nen beein­flusst bzw. mani­pu­liert wer­den.
  • Men­schen kön­nen ihre gegen­läu­fi­gen Bedürf­nis­se auch in unter­schied­li­chen Lebens­be­rei­chen ver­wirk­li­chen, etwa in Zei­ten der Glo­ba­li­sie­rung durch Hin­wen­dung zur Nati­on bei gleich­zei­ti­ger Indi­vi­dua­li­sie­rung im Pri­va­ten, bei­spiels­wei­se durch Tatoos.
  • Grup­pen geben Men­schen Schutz, Sicher­heit und Ori­en­tie­rung. Das ist an sich nichts Schlech­tes, je nach Grup­pen­norm kann es aber dazu wer­den.
    Wer bei­spiels­wei­se in einem pre­kä­ren Arbeits­ver­hält­nis steht, wird sich umso stär­ker mit der deut­schen Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft iden­ti­fi­zie­ren, die schwarz-rot-gol­de­ne Flag­ge zei­gen und tief ent­täuscht sein, wenn wie­der Ita­li­en den erfolg­rei­che­ren Fuß­ball spielt. Ähn­li­ches lässt sich auch bei der Fokus­sie­rung auf regio­na­le Beson­der­hei­ten (ich bin HSV-Fan und Gott sei Dank nicht St. Pau­li) beob­ach­ten oder zeigt sich in der Über­be­to­nung der eige­nen natio­na­len, reli­giö­sen oder eth­ni­schen Zugehörig­keit, ver­bun­den mit der gleich­zei­ti­gen Abwer­tung der jewei­li­gen Fremd­grup­pe.
  • Im Deutsch­land der Nach­kriegs­zeit, also unter ande­ren his­to­ri­schen Vor­zei­chen, ließ sich genau das Gegen­teil der heu­ti­gen Lebens­wirk­lich­keit beob­ach­ten: Nach den Gräu­el­ta­ten des Drit­ten Rei­ches pro­pa­gier­ten Staat und Gesell­schaft die Abkehr vom Natio­na­lis­mus, wäh­rend Men­schen im Pri­va­ten Ver­eins­meie­rei pfleg­ten und sehr ange­passt und norm­ori­en­tiert leb­ten.
  • Die Angst vor Job­ver­lust ist kon­tra­pro­duk­tiv für Wirt­schafts­un­ter­neh­men, die von der Inno­va­ti­ons­kraft sei­ner Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter leben. Es fällt leich­ter, neue Wege zu gehen, wenn ein Gefühl der Sicher­heit herrscht, denn das Risi­ko des Schei­terns besteht gera­de bei Inno­va­tio­nen immer.

Die „zwei See­len“ in unse­rer Brust, das spe­zi­fi­sche Gleich­ge­wicht zwi­schen „Her­de“ und „Ein­zig­ar­tig­keit“ erklärt nicht alles, aber vie­les.
Vie­le Fra­gen sind beant­wor­tet, ande­re sind noch offen. Unab­hän­gig von wei­te­ren wich­ti­gen Para­me­tern – Intel­li­genz, sozia­le Her­kunft, kör­per­li­che Attrak­ti­vi­tät etc. – ist „Need for Uni­que­ness“ eine außer­or­dent­lich bestim­men­de Per­sön­lich­keits­ei­gen­schaft, die sich auf alle mensch­li­chen und gesell­schaft­li­chen Lebens­be­rei­che aus­wirkt.

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www.bildbiographien.de, 2016

Auto­ren:
Hans-Peter Erb ist Pro­fes­sor der Sozi­al­psy­cho­lo­gie mit den For­schungs­schwer­punk­ten Sozia­ler Ein­fluss und Urteils­bil­dung. Seit 2007 lehrt er an der Hel­mut-Schmidt Uni­ver­si­tät in Ham­burg http://www.hsu-hh.de/sozpsy/
Susan­ne Gebert ist pro­mo­vier­te Bio­lo­gin, arbei­tet als freie Auto­rin und ist Inha­be­rin der Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en
http://www.bildbiographien.de


Lesen Sie im nächs­ten Bei­trag: Wer auf­hört zu wer­ben, um Geld zu spa­ren, kann eben­so sei­ne Uhr anhal­ten, um Zeit zu spa­ren.
Wer­ben ohne Wer­bung. 7 Tricks für bes­se­res Con­tent Mar­ke­ting

Buch­emp­feh­lun­gen für die “Mar­ke Ich”:
(Die mit * gekenn­zeich­ne­ten Links sind soge­nann­te Affi­la­te-Links, die hel­fen, den Blog Gene­ra­tio­nen­ge­spräch zu finan­zie­ren. Wenn Ihnen eine der ange­ge­be­nen Buch­emp­feh­lun­gen
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Micha­el Brück­ner, Die Geset­ze der Erfolg­rei­chen. Von den Bes­ten ler­nen*, Ellert & Rich­ter, 2015

Ein span­nen­des Über­sichts­buch über alle psy­cho­lo­gi­schen Dis­zi­pli­nen, kurz, prä­gnant und ver­ständ­lich erklärt, zum Ein­le­sen und für den Über­blick:
Das Psy­cho­lo­gie-Buch. Wich­ti­ge Theo­ri­en ein­fach erklärt*, Dor­ling Kin­ders­ley Ver­lag GmbH, Mün­chen, 2012

Ein lesens­wer­tes Buch für alle, die ihre eige­nen Weg gehen (wol­len) oder sich gera­de selb­stän­dig machen. Eine gute Mischung aus Bio­gra­fie und Kar­rie­re­be­ra­ter, span­nend geschrie­ben und mit vie­len nütz­li­chen Tipps & Tricks, wie man es ange­hen kann.
Sophia Amo­rou­so, #Girl­boss. Wie ich aus einem ebay-Shop das Fashion­im­pe­ri­um Nas­ty Gal erschuf* REDLINE Ver­lag, 2015, bro­schiert

Der Sozi­al­psy­cho­lo­ge Robert Levi­ne in einem sehr intel­li­gen­ten Buch über Mar­ke­ting­tricks, Mani­pu­la­tio­nen und Denk­fal­len des All­tags.
Robert Levi­ne, Die gro­ße Ver­füh­rung. Wie die Regeln der Mani­pu­la­ti­on funk­tio­nie­ren*. Piper Taschen­buch, Piper Ver­lag GmbH, Mün­chen, 2005

 Wei­ter­füh­ren­de Links zum The­ma Ein­zig­ar­tig­keit (NfU):

Das SWR- NACHTCAFé:zum Nach­le­sen:
http://www.swr.de/nachtcafe/sendung-am-12-markenzeichen-unverkennbar/-/id=200198/did=16736068/nid=200198/13jfxxd/index.html


 Wei­ter­füh­ren­de Links:


Wer kommt eigent­lich auf die bescheu­er­te Idee, bares Geld — das heißt in unse­rer Zeit: Wis­sen und Infor­ma­tio­nen — zu ver­schen­ken? Wer? Ganz ein­fach: gute Ver­käu­fer.
Wer­ben ohne Wer­bung. 7 Tricks für bes­se­res Con­tent Mar­ke­ting


Ob wir wol­len oder nicht, wir ahmen ande­re nach und machen sie damit zu unse­ren Vor­bil­dern. Über rich­ti­ge und fal­sche Vor­bil­der in unse­rem Leben:
Rich­ti­ge und fal­sche Vor­bil­der


Tipps und Tricks, psy­cho­lo­gi­sche Denk­fal­len und viel Wis­sens­wer­tes für ein bewuss­tes Leben fin­den Sie in unse­rer Kate­go­rie:
Tipps für den All­tag


Wer schreibt, möch­te meis­tens Leser haben. Aber es wird unend­lich viel mehr geschrie­ben als gele­sen“, sagt Wolf Schnei­der, „Sprach­papst“, Stil­kri­ti­ker und lang­jäh­ri­ger Lei­ter der Ham­bur­ger Jour­na­lis­ten­schu­le. Des­we­gen hier: Ein paar Tipps, damit Sie gele­sen wer­den.
Tipps für’s Schrei­ben


 Wir müssten das alles mal aufschreibenDie Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en fer­tigt seit 2012 hoch­wer­ti­ge Bild­bän­de und Chro­ni­ken über Fami­li­en- und Unter­neh­mens-geschich­ten an. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den Sie auf unse­rer Home­page Bild­bio­gra­phi­en: Wir müss­ten das alles mal auf­schrei­ben!


 

Bild­nach­wei­se: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en

 

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