Selbsterfüllende Prophezeiungen

Selbsterfüllende Prophezeiung - wer nicht handelt, wird behandelt

Foto: Agentur für Bildbiographien

Die Sache mit dem Handeln hat einen großen Haken: Wir Menschen haben immer die Angst, etwas zu tun, das sich später als „falsch“ herausstellt. Deswegen bleiben wir oft beim Althergebrachten, auch dann, wenn wir unseren „Ist-Zustand“ nicht als ‚optimal‘ empfinden. Ist das klug?

Lesen Sie im ersten Teil: Die Energie folgt der Aufmerksamkeit – Unsere Geschichte bestimmt nicht unser Schicksal – Dem Trauma einen Sinn geben – Kann man Glück lernen?
Die Energie folgt der Aufmerksamkeit

Der Glaube versetzt nicht nur Berge, sondern beeinflusst auch unsere Leistung und unser Lebensgefühl.

Wer ein neues Projekt mit einem innerlichen Ich kann nicht startet, wird es auch nicht können. Und darf sich bei sich selbst für eine gelungene Selbstsabotage durch eine erfüllte Prophezeiung bedanken.

Mutlosigkeit ist kein Antrieb und Optimismus für erfolgreiches Handeln unerlässlich.


Glücklichsein kann man lernen – Unglücklichsein auch

Wir neigen dazu, Neuem aus dem Weg zu gehen: aus Angst, falsche Entscheidungen zu treffen, es nicht zu schaffen oder Fehler zu machen.
In unserer Komfortzone fühlen wir uns sicher.
Und riskieren dafür einen hohen Preis, denn
„Wer nicht handelt, wird behandelt“.

Nichtstun ist fürs Glück ebenso giftig wie permanente Überforderung.

Ängstlichkeit und die mangelnde Bereitschaft, sich auf Neues einzustellen, kann dazu führen, dass wir von „äußeren Umständen“ überrollt werden. Und sie kann uns krank machen. Missmut entsteht im Kopf und ist eine Folge von Resignation: „Man kann nichts machen“ ist das Credo eines niedergeschlagenen und hilflosen Menschen, aber eigentlich muss es heißen: ICH kann nichts machen„.

Zu viel „Schwarzer Gallensaft“ sollte dem griechischen Anatom Galen zufolge die Ursache von Schwermut sein. Freud vermutete einige Jahrhunderte später ungelöste Konflikte aus der Kindheit als Grund für Niedergeschlagenheit und Depressionen.

Heute geht man davon aus, dass eine langwährende ängstliche und gedrückte Stimmung nichts anderes als Resignation ist, die aus der Erfahrung entsteht, an einer unangenehmen Situation nichts ändern zu können.

 „Burn-Outs“ werden nicht durch zu viel Arbeit hervorgerufen,
sondern durch zu viel Ohnmacht.


Depression durch Resignation

Egal ob bei Müttern, „nur“ Teilzeitangestellten oder Firmenchefs mit 80-Stunden-Woche: Wird das Gefühl, im eigenen Leben nur noch fremdbestimmt zu sein, zu übermächtig, resignieren Mensch.
Sie werden unglücklich und im schlimmsten Fall – bei entsprechender Veranlagung – depressiv.

Depression durch Resignation
Eine erste Ahnung, dass Hilflosigkeit, Resignation und damit Unglücklichsein erlernt werden können, hatte der Psychologe und spätere „Vater“ der Positiven Psychologie, Martin Seligman, bereits in den 1960er Jahren.

In einem Experiment setzte er Laborhunde in Käfige, auf deren Boden Drähte harmlose, aber unangenehme Stromschläge abgaben. Es gab zwei unterschiedliche Gruppen: Die Hunde der ersten Gruppe konnten die elektrischen Schläge abschalten, indem sie mit dem Kopf gegen einen Schalter drückten, die Tiere der zweiten Gruppe hatten keinen Einfluss und mussten die Stromstöße hilflos ertragen.

Nach einer Weile brachte Seligman seine Hunde in neuen Käfigen unter; dieses Mal konnten sich alle durch einen Sprung über ein niedriges Mäuerchen den unangenehmen Stromschlägen entziehen.
Die Tiere der ersten Gruppe, die gelernt hatten, dass sie gegen die Stromstöße etwas tun konnten, entdeckten den Fluchtweg schnell und waren nach kurzer Zeit auf und davon.
Die Hunde der hilflosen zweiten Gruppe blieben – und resignierten.

Sie hatten im ersten Käfig gelernt, dass sie dem Schicksal der Stromschläge schutzlos ausgeliefert waren, und übertrugen diese Erfahrung auf die neuen Käfige, obwohl es hier einen Ausweg gegeben hätte. Statt zu fliehen, legten sie sich auf den Boden, winselten und verloren ihr Interesse an Futter, Sex und dem Spielen mit anderen Hunden – typische Anzeichen für eine depressive Verstimmung.


Erlernte Hilflosigkeit

Immer nur gute Laune und volle Energie hat niemand.
Antriebs- und Lustlosigkeit, Müdigkeit, schlechte Stimmung und Melancholie gehören im Leben einfach dazu und sind sinnvolle Antworten auf Stress.

Schlechte Tage und Phasen sind durchaus sinnvoll: sie sind das Energiesparprogramm unseres Gehirns, das besonders nach einschneidenden Erlebnissen – Verlust, Trauer, Überforderung in Familie und Beruf oder einem plötzlichen Ortswechsel – notwendig ist, um uns zur Ruhe zu zwingen.
Je nach Auslöser sollte man in solchen Phasen eine Weile kürzer treten, Pause machen, durchatmen und neue Kraft schöpfen – ein „Reiß Dich doch mal zusammen“ oder „Sei glücklich!“ ist in einer solchen Situation ebenso kontraproduktiv wie sinnlos.


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Schwierig wird es, wenn schlechte Stimmung zum Dauerbrenner und Selbstläufer wird. Das passiert leicht, denn wir Menschen sind naturgegeben stärker auf Negativ-Ereignisse gepolt und nicht auf Positives; unser Glas ist eher halbleer als halbvoll.
Wir reagieren schneller auf Negatives und erinnern uns auch besser daran, das ist auch der Grund, weshalb in Zeitungen so viele schlechte Nachrichten und so wenige gute stehen.

Wird unsere Neigung zur Tragik zusätzlich durch Veranlagung, Resignation und erlernte Hilflosigkeit verstärkt, ist die Gefahr groß, dass sich schlechte Stimmung dauerhaft breit macht und uns tagtäglich neues Unglück beschert.
Denn wer düstere Gedanken, schlechte Erfahrungen und traurige Erinnerungen in sich trägt, wird in allem Neuen auch nur Düsternis und Negatives sehen können:

Man kann sich Depression so vorstellen, dass die Großhirnrinde einen abstrakten negativen Gedanken denkt und es schafft, das übrige Gehirn davon zu überzeugen, dass dieser ebenso wirklich sei wie ein physischer Stressor.
Robert Sapolsky


Wer nicht handelt, wird behandelt

Glück ist nichts anderes als ein gut austariertes Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung, Altbekanntem und Neuem, Trägheit und Herausforderungen.

Das Schlaraffenland oder – moderner – der Lottogewinn mit anschließendem lebenslangen Nichtstun würden jeden, den dieses Schicksal ereilt, kreuzunglücklich machen. Untätigkeit führt nicht zur Erholung, sondern zur Ermüdung, Faulheit macht unglücklich.

Und genau darin liegt die Krux mit der Schonhaltung, die unser Hirn bei einer depressiven Verstimmung einnimmt: Wir sind lustlos, erwarten nichts, denn wir haben ja gelernt, dass nichts Gutes geschieht.
Wir werden träge, das Leben spannungslos und langweilig.
Niedergeschlagenheit ist nicht nur eine Folge unserer dunklen Gefühle, sondern vor allem von zu wenig Lust.

 
Unzufriedenheit und ungelöste Probleme machen uns manchmal das Leben schwer. Wie wir aus unbefriedigenden Lebenssituationen wieder herauskommen. sehr gut und anhand vieler Beispiele erklärt.
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Unsere Gefühlslage hat einen großen Einfluss darauf, wie wir mit uns, unserem Leben und unserer Umwelt umgehen.
Und darauf, ob wir Problemen oder unangenehmen Lebenslagen mutlos ausgeliefert sind oder unser Glück selbst in die Hand nehmen können.

So genügt zum Beispiel die Annahme – ob sie faktisch begründet oder grundlos ist, spielt keine Rolle –, dass die anderen über einen tuscheln und sich heimlich lustig machen. Angesichts dieser „Tatsache“ legt es der gesunde Menschenverstand nahe, den Mitmenschen nicht zu trauen und, da das Ganze natürlich unter einem löchrigen Schleier der Verheimlichung geschieht, genau aufzupassen und auch die kleinsten Indizien in Betracht zu ziehen. Es ist dann nur eine Frage der Zeit, bis man die anderen beim Tuscheln und heimlichen Lachen, beim konspiratorischen Augenzwinkern und gegenseitigen Zunicken ertappen kann. Die Prophezeiung hat sich erfüllt.
Allerdings funktioniert dieser Mechanismus nur dann klaglos, wenn sie sich Ihres eigenen Beitrags dazu nicht Rechenschaft ablegen. (…) Wenn die Sache einmal eine Zeitlang läuft, ist es ohnedies nicht mehr feststellbar und auch gar nicht wesentlich, was zuerst kam: Ihr für die anderen lächerlich misstrauisches Gehabe oder das Gehabe der anderen, das Sie misstrauisch macht.
Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein


Die Prophezeiung des Ereignisses führt zum Ereignis der Prophezeiung

Es ist meistens nicht die eine große Veränderung, die alles zum Besseren wendet.

Vor allem aber sollte man sich vor eigenen Vorhersagen hüten, die man während einer schlechten Stimmungslage trifft.
Selbsterfüllende Prophezeiungen – vor allem die negativen – sind oft der erste Schritt in die verkehrte Richtung und sorgen dafür, dass man dort ankommt, wo man nie hinwollte.

Und das gilt im Kleinen genauso wie im Großen:

Selbsterfüllende Prophezeiungen haben einen geradezu magischen, „wirklichkeits“-schaffenden Effekt und sind daher für unser Thema sehr wichtig. Und sie haben ihren Stammplatz nicht nur im Repertoire jedes Unglücklichkeitsaspiranten, sondern auch im größeren gesellschaftlichen Rahmen.
Wird zum Beispiel einer Minderheit der Zugang zu bestimmten Erwerbsquellen (etwa Landwirtschaft oder Handwerk) deswegen verwehrt, weil diese Menschen nach Ansicht der Mehrheit faul, geldgierig und vor allem „volksfremd“ sind, so werden sie dazu gezwungen, sich als Trödler, Schmuggler, Pfandleiher und dergleichen zu betätigen, was die abschätzige Meinung der Mehrheit „klar“ bestätigt.
Je mehr Verbotsschilder die Polizei aufstellt, desto mehr Fahrer werden zu Verkehrssündern, was die Aufstellung weiterer Verbotsschildern „notwendig“ macht. Je mehr eine Nation sich vom Nachbarn bedroht fühlt, desto mehr wird sie sich zu ihrer Verteidigung rüsten, und desto mehr wird die Nachbarnation ihre eigene Aufrüstung für das Gebot der Stunde halten. Der Ausbruch des (längst erwarteten) Krieges ist dann nur noch eine Frage der Zeit. Je höher die Steuersätze eines Landes hinaufgeschraubt werden, um für die Hinterziehungen der natürlich für unehrlich gehaltenen Steuerzahler zu kompensieren, desto mehr werden auch ehrliche Bürger zum Schwindeln veranlasst. Jede von einer genügend großen Zahl von Menschen geglaubte Prophezeiung der bevorstehenden Verknappung oder Verteuerung einer Ware wird (ob die Voraussage „faktisch“ richtig ist oder nicht) zu Hamsterkäufen und damit zur Verknappung oder Verteuerung der Ware führen.
Paul Watzlawick


Fazit:

Es ist von entscheidender Bedeutung, wie wir an das, was wir tun, herangehen.
Energie, Optimismus und Mut hängen viel stärker davon ab, wie wir eine Situation bewerten, und viel weniger davon, wie sie tatsächlich ist.
Wer gelernt hat, dass er einer Aufgabe nicht gewachsen sein wird oder einem Lebensumstand nicht entkommen kann, wird es dank ’selbsterfüllender Prophezeiung‘ auch nicht können.

Lesen Sie im nächsten Beitrag: Immer mit dem Schlimmsten rechnen – Wir Opfer der Umstände – Früher war alles besser – Die hohe Kunst des Wundenleckens – Handlungsspielraum statt Aufopfern
Das Spiel mit der Vergangenheit. Erinnern wir uns! Oder doch lieber nicht?

Copyright: Agentur für Bildbiographien, www.bildbiographien.de, 2015


Über Paul Watzlawick:

„Jeder kann glücklich sein, aber sich unglücklich machen, muss man lernen“, ist das Credo des österreichischen Psychotherapeuten und Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick (1921 – 2007). Watzlawick war einer der ersten Verfechter der Kurzzeittherapie, bei der das Problem direkt angegangen wird, um eine schnelle Lösung herbeizuführen. Er widersprach der Auffassung, man müsse die Wurzeln und emotionalen Muster kennen, um ein Leid zu überwinden. Watzlawick sagte einmal, ihm sei kein einziger Fall bekannt, in dem ein tieferes Selbstverständnis einen Menschen tatsächlich verändert habe. Ihm zufolge basiert das menschliche Verhalten nicht auf dem Prinzip von Ursache und Wirkung, Einsicht könne sogar zu Blindheit gegenüber dem Problem und der Lösung führen.


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Paul Watzlawicks Klassiker für’s Glücklichsein. Ein wunderbares Buch, in dem man sich (leider) sehr oft wiedererkennen kann. Viele „Aha“-Erlebnisse, aber auch ein echtes Lesevergnügen.
Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein*, Piper Verlag GmbH, München, 2009

Ein bisschen wie Watzlawick, aber moderner: Wie wir uns selbst gelegentlich in unbefriedigende Lebenssituationen manövrieren (und aus ihnen wieder herauskommen) sehr gut und anhand vieler Beispiele erklärt.
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Weiterführende Links zum Thema Glück und Unglück:


Etwa ein Drittel aller Deutschen werden zu den „sensiblen Schläfern“ gezählt, also zu den Menschen, deren Schlaf empfindlich ist und leicht gestört werden kann. Aber auch bei Menschen mit eigentlich „gesundem“ Schlaf“ nehmen Schlafstörungen zu. Die Ursache: es gibt immer mehr gute Gründe, die uns wach halten.
Warum wir schlecht schlafen


Es gibt kaum absurdere Aufforderungen als „Sei spontan“ oder „Sei fröhlich“.
Warum man seine Mitmenschen nicht damit traktieren sollte und warum man solche Wünsche als Empfänger besser ignoriert,

Sei spontan!


Wer seine Ziele in unerreichbare Höhe hängt, erspart sich zum einen Ärger und Anstrengung, zum anderen den Katzenjammer des Ankommens. Denn spätestens seit George Bernard Shaw wissen wir, dass es im Leben zwei Tragödien gibt: Die Nichterfüllung eines Herzenswunsches – und seine Erfüllung.
Vor Ankommen wird gewarnt


Tipps und Tricks, psychologische Denkfallen und viel Wissenswertes für ein bewusstes Leben lesen Sie in der Kategorie:
Tipps für den Alltag


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Bildnachweis:
Agentur für Bildbiographien, 2015

 

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