Wie kommt das Bild ins Buch?

Blicke ins Familienalbum sind zweifellos das i-Tüpfelchen jeder Biographie. Ob Schnappschuss von der ersten Italien-Reise im VW Käfer oder sorgfältig komponiertes Gruppenbild unterm Tannenbaum, ob penibel eingeklebt und liebevoll beschriftet oder nach Jahrzehnten der Vergessenheit in einem Schuhkarton auf dem Dachboden gefunden – beim Stöbern in den Fotos unserer Großeltern lassen sich echte Schätze bergen. Doch worauf kommt es an, wenn die alten Aufnahmen ihren Weg in ein modernes, digital gedrucktes Buch finden sollen?

Scanprogramm

Da die Produktion der Seiten heute nahezu ausnahmslos am Computer erfolgt, werden alle Bilder als digitale Dateien benötigt. Das heißt: Papierbilder oder auch Dias und Negative müssen gescannt und anschließend noch in einem Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop optimiert werden. Den zweiten Schritt sollte grundsätzlich der Buch­gestalter übernehmen, weil er (oder sie) weiß, wie die Daten für das jeweilige Druck­verfahren aufzubereiten sind. Im Idealfall übernimmt er auch das Scannen – denn wenn er die Originale vorliegen hat, kann er Farben und Helligkeit der Reproduktionen im Buch optimal an die Vorlage angleichen.

Doch es kann Fälle geben, in denen Sie Ihre Bilder nicht aus der Hand geben möchten. Wenn Sie also das Scannen lieber selbst übernehmen möchten, sollten Sie – sofern das Ziel die Verwendung in einem gedruckten Buch ist – folgende Dinge beachten:

* Wählen Sie die Scan-Auflösung passend zur Ausgabegröße. Das bedeutet: Wenn das Bild kleiner oder höchstens in Originalgröße abgebildet werden soll, muss das Bild in 300 Punkte pro Zoll (dpi) aufgelöst sein. Um etwas Reserve für die spätere Bearbeitung zu haben, dürfen es auch 400 bis 600 dpi sein. Soll das Bild im Buch größer werden als das Original, muss die Auflösung entsprechend nochmals höher gewählt werden. Für ein 9×13 cm großes Bild, das ungefähr originalgroß reproduziert werden soll, könnte das so aussehen:
Scan-Einstellungen für 9x13-Foto

* Scannen Sie in Farbe, auch wenn die Vorlage schwarzweiß ist. Je mehr Informationen die Bilddatei enthält, desto einfacher ist sie später zu optimieren.

* Schalten Sie alle Automatik-Funktionen Ihres Scan-Programms aus,
Alle Einstellungen auf Null oder Aus

denn die Scan-Software arbeitet in ihren Korrekturmechanismen meist sehr pauschal und grob. Sorgen Sie dafür, dass beim Bildbearbeiter möglichst „unbehandelte“ Dateien ankommen – die Optimierung des Bildes ist im zweiten Schritt sehr viel einfacher und feinfühliger möglich.

Ausnahme: Wenn Ihr Scan-Programm eine Funktion zur automatischen Staub- und Kratzerentfernung hat, dann machen Sie von einem reparaturbedürftigen Bild je einen Scan ohne und mit Staub-Automatik, und liefern Sie dem Bearbeiter beide Dateien.

* Beschneiden Sie Ihre Bilder nicht; im Gegenteil sollten Sie drumherum ruhig einen Zentimeter mehr mit einlesen. Das Zielformat des Fotos wird erst im Layoutprogramm festgelegt, und auch Elemente, die später außerhalb des Ausschnitts liegen, könnten sich bei der Bildoptimierung noch als nützlich erweisen.

* Speichern Sie die Dateien unkomprimiert, idealerweise im Format TIFF. Wenn Sie die Scans per Internet übertragen müssen und die Datenmenge gering halten möchten, geht notfalls auch JPG (in hoher Qualitätsstufe); keinesfalls hingegen sollten Sie die Fotos in Word- oder PDF-Dateien einbetten. Tipp: Nutzen Sie zur Übertragung großer Dateien statt E-Mail einen Filetransfer-Dienst wie wetransfer.com.

Wenn Sie Ihre Bilddateien dann zum Gestalter weitergeben, freut dieser sich über einige Zusatzinformationen. Verraten Sie ihm zum Beispiel, welchen Scanner und welche Software Sie zum Digitalisieren verwendet haben – auch das kann die vorlagengetreue Wiedergabe im Buch erleichtern.

Und dann natürlich die „Gretchenfrage“ bei historischen Fotos: reproduzieren oder restaurieren? Sollen die Farben eines ausgebleichten Abzugs aufgefrischt werden, oder möchten Sie das Bild in seinem gegenwärtigen Zustand wiedergeben? Sind Staub und Kratzer charmante Zeugen der Zeit oder unliebsame Bildfehler? Diese Entscheidungen hängen von Ihrem Geschmack ab, aber durchaus auch vom Budget. Denn die sorgfältige Retusche eines Bildes, an dem der Zahn der Zeit genagt hat, kann wie in diesem Beispiel durchaus einige Stunden oder gar Tage in Anspruch nehmen.

Faustregel: Je größer das Bild wiedergegeben wird, desto mehr Aufwand in der Nachbearbeitung ist angemessen. Ganzseitige Fotos und insbesondere das Titelmotiv verdienen intensive Zuwendung, während es bei Abdrucken in besserer Briefmarkengröße kaum gerechtfertigt ist, mehr als ein paar Minuten in Optimierung und Retusche zu investieren.


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‘Frag’ Oma — Wich­tige Fra­gen an Oma und Opa’, Agen­tur für Bild­bio­gra­phien, 2015, ISBN 978-3-7386-3009-1. Mit Tipps und Tricks für die eigene Biografiearbeit, Wissenswertes über die digitale Bearbeitung alter Familienfotografien, Fragenkatalogen und vielem mehr. Ab sofort im Buch­han­del oder bei amazon bestellbar. 

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Christian Wöhrl arbeitet freiberuflich als Buchgestalter und Lektor, unter anderem für bildbiographien.de.


Weiterführende Links zum Thema Fotografie und Text:

11 Tipps und Tricks rund um’s biografische Schreiben von Anfang bis Zuschussverlag finden Sie in unserem Blogbeitrag
http://generationen-gespräch.de/11-tipps-fuer-das-schreiben-einer-biografie/


 

Digitale Fotografien sollten vor dem Veröffentlichen immer bearbeitet werden: Bitte nachschäfen!
http://generationen-gespräch.de/bitte-nachschaerfen/


 

10 Tipps gegen Schreib- und sonstige Blockaden
http://generationen-gespräch.de/10-tipps-gegen-schreib-und-sonstige-blockaden/


Bildnachweise: Christian Wöhrl, Agentur für Bildbiographien

Agentur für Bildbiographien, 2015: www.bildbiographien.de

 

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