Wirtschaft im Dritten Reich: Autobahn und MeFo-Wechsel

Das 20. Jahrhundert

Wirtschaft im Dritten Reich: MeFo-Wechsel und heimliche Aufrüstung


Öko­no­misch stand das Drit­te Reich nie auf sta­bi­len Bei­nen. Die Wirt­schaft im Drit­ten Reich war von Anfang an auf Täu­schung und Expan­si­on – Krieg – gebaut.

Über Hit­lers Auto­bah­nen, MeFo-Wech­sel, Lügen und Täu­schun­gen, ohne die Hit­lers Weg in den Krieg nicht funk­tio­niert hätte. 

Adolf Hitler beim ersten Spatenstich zum Reichsautobahnbau 1933

Deutschland im Februar 1933: Sechs Millionen Arbeitslose

Nach den Flit­ter­wo­chen kommt der Kater.
Im Febru­ar 1933 ist Hit­ler kaum im Amt, da wird klar: Die wirt­schaft­li­che Not, die ihn an die Macht gebracht hat, ist nicht ver­schwun­den. Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit, Hun­ger, Ver­zweif­lung sind trotz des neu­en „Füh­rers” geblie­ben.

Sechs Mil­lio­nen Men­schen sind offi­zi­ell ohne Arbeit, vie­le wei­te­re haben längst auf­ge­ge­ben, sich bei den Ämtern zu mel­den.

Die erhoff­te Wen­de? Bleibt aus. Noch.


6 Millionen Arbeitslose

„ … Im Früh­jahr 1933 zähl­te die offi­zi­el­le Arbeits­lo­sen­sta­tis­tik rund sechs Mil­lio­nen Men­schen – fast zehn Pro­zent der Bevöl­ke­rung. Hin­zu kamen Kurz­ar­bei­ter und jene Erwerbs­lo­se, die sich schon gar nicht mehr bei den Ämtern mel­de­ten, weil sie jede Hoff­nung auf­ge­ge­ben hat­ten. Etwa ein Drit­tel der erwerbs­fä­hi­gen Deut­schen war ohne Arbeit.“

Aus: GEO Epo­che, Deutsch­land unter dem Haken­kreuz, Teil 1: 1933 — 1936. Die ers­ten 1000 Tage der Dik­ta­tur*


Die Unzu­frie­den­heit in der Bevöl­ke­rung wächst, auch bei denen, die Hit­ler gewählt und als eine Art Mes­si­as und Heils­brin­ger beju­belt und her­bei­ge­sehnt haben.

Auch ein Reichs­kanz­ler Hit­ler scheint nicht in der Lage zu sein, ihr Elend wie ver­spro­chen zu besei­ti­gen.

Die Pha­se der „Macht­er­grei­fung” ist, anders als oft dar­ge­stellt, eine schwie­ri­ge Zeit für Hit­lers brau­nes Nazi-Regime.

In sei­ner ers­ten Rund­funk­re­de bit­tet Hit­ler um vier Jah­re Geduld.

Er ver­spricht Ret­tung – vor allem für den deut­schen Arbei­ter. Und setzt alles dar­an, sein Wort zu hal­ten. Nicht aus Mit­ge­fühl, son­dern aus Macht­kal­kül.

Der neue Reichs­kanz­ler weiß: Ohne wirt­schaft­li­che Erfol­ge brö­ckelt die Illu­si­on des star­ken Ret­ters schnel­ler als eine brü­chi­ge Mauer.

Hitlers Autobahnen: Propaganda statt Wirtschaftswunder

Was folgt, ist ein Meis­ter­stück natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Pro­pa­gan­da.

Dass die Idee und kon­kret aus­ge­ar­bei­te­te Plä­ne noch von Hit­lers Vor­gän­ger als Kanz­ler, Kurt von Schlei­cher, und damit aus der ver­ach­te­ten Wei­ma­rer „Sys­tem­zeit“ stamm­ten, stört dabei nicht.

Vor 1933 wur­den Auto­bah­nen von füh­ren­den Natio­nal­so­zia­lis­ten übri­gens noch als „Luxus­stra­ßen für Rei­che“ beschimpft.

Geschich­te wird umge­schrie­ben.

Kon­rad Ade­nau­ers ers­tes, 18 Kilo­me­ter lan­ges Auto­bahn­teil­stück zwi­schen Köln und Bonn, das er 1932 ein­ge­weiht hat, wur­de kur­zer­hand zur Land­stra­ße degra­diert, damit sich Hit­ler zum „Erfin­der der Reichs­au­to­bahn“ erklä­ren kann.

Adolf Hitler beim ersten Spatenstich zur Reichsautobahn bei Frankfurt 1933

Adolf Hit­ler beim ers­ten Spa­ten­stich zum Reichs­au­to­bahn­bau am 23. Sep­tem­ber 1933 bei Frank­furt. Hin­ter ihm Jakob Spren­ger, Adolf Hühn­lein und Fritz Todt. Bild­nach­weis: Bun­des­ar­chiv, Bild 183-R27373 / CC BY-SA 3.0, „Reichs­au­to­bahn, Adolf Hit­ler beim 1. Spa­ten­stich, bei Frank­furt“, 23. Sep­tem­ber 1933, Foto­graf: unbe­kannt, Zen­tral­bild / Scherl Bilderdienst. 

Am 23. Sep­tem­ber 1933 setzt er den ers­ten Spa­ten­stich im neu­en natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Auto­bahn-Zeit­al­ter, am 21. März 1934 wird das ers­te Hit­ler-Teil­stück ein­ge­weiht. Der Mythos Auto­bahn nimmt Gestalt an.

Wenig Feder­le­sen mach­te man bei der Rekru­tie­rung der Arbei­ter für das neue Pres­ti­ge-Pro­jekt.

Und so konn­te es pas­sie­ren, dass man sich als arbeits­lo­ser Büro­an­ge­stell­ter plötz­lich auf einer der vie­len Bau­stel­len wie­der­fand.

Ein kräf­te­zeh­ren­der Kno­chen­job, denn um mög­lichst vie­le Men­schen zu beschäf­ti­gen, wur­den so weni­ge Maschi­nen wie mög­lich eingesetzt.


Elendsbahnen

„ … Die größ­te Unwahr­heit aber betrifft die angeb­li­che Sen­kung der Arbeits­lo­sen­zah­len: Geschickt unter­legt das Regime sei­ne Sta­tis­ti­ken mit Bil­dern der Auto­bahn­bau­stel­len, dabei sind selbst 1936, auf dem Höhe­punkt der Kam­pa­gne, nicht mehr als 125.000 Män­ner an den Tras­sen beschäf­tigt.

Die Pro­pa­gan­da fei­ert sie als stol­ze „Volks­ge­nos­sen,“, die an den „Lebens­adern der Nati­on“ mit­ar­bei­ten. Die Arbei­ter aber ver­flu­chen die Schnell­stra­ßen hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand als „Elends­bah­nen“. Ein­ge­pfercht in engen Unter­künf­ten, leben sie kaum bes­ser als Straf­ge­fan­ge­ne. Wer von den Auto­bah­nen deser­tiert, dem droht das Inter­nie­rungs­la­ger.“


Aus: GEO Epo­che, Deutsch­land unter dem Haken­kreuz, Teil 1: 1933 — 1936. Die ers­ten 1000 Tage der Dik­ta­tur*


Frauen im Nationalsozialismus: Heim, Herd und „Abkindern“

Frau­en, die sich schmink­ten, rauch­ten oder öffent­lich ihre Mei­nung äußer­ten, waren dem „Füh­rer“ ein Gräu­el.

Adolf Hit­ler sah in ihnen ein Stör­bild der von ihm pro­pa­gier­ten „deut­schen Weib­lich­keit“. Aus­nah­men bil­de­ten ledig­lich stra­te­gisch wich­ti­ge Frau­en wie Mag­da Goeb­bels oder Unity Mit­ford – hübsch, loy­al und poli­tisch nütz­lich.

Beson­ders ver­hasst waren Hit­ler jene Frau­en, die in der Berufs­welt einem deut­schen Mann und Fami­li­en­va­ter „den Arbeits­platz weg­nah­men“.

Die Auf­ga­be der Frau sei schließ­lich, so die neue Staats­dok­trin, „schön zu sein und Kin­der zur Welt zu brin­gen“. Die­se Vor­stel­lung wur­de von Pro­pa­gan­da­mi­nis­ter Joseph Goeb­bels in zahl­lo­sen Reden mit Nach­druck ver­brei­tet – und von wei­ten Tei­len der Gesell­schaft bereit­wil­lig übernommen.

Ab Som­mer 1933 folg­ten der Ideo­lo­gie poli­ti­sche Maß­nah­men: Frisch ver­hei­ra­te­te Paa­re konn­ten ein soge­nann­tes „Ehe­stands­dar­le­hen“ bean­tra­gen, das dem frisch­ge­ba­cke­nen Ehe­mann einen Gut­schein von bis zu 1000 Reichs­mark ver­spricht, wenn sei­ne Ehe­frau nach der Hoch­zeit aus dem Berufs­le­ben ausscheidet.

Das Dar­le­hen konn­te man „abkin­dern“: Für jedes gebo­re­ne Kind wur­de ein Vier­tel der Schul­den erlas­sen. Mit den Gut­schei­nen konn­te man Haus­halts­wa­ren aus deut­scher Pro­duk­ti­on erwer­ben.

Das Ide­al­bild der NS-Frau war klar defi­niert: rot­ba­ckig, genüg­sam, hit­ler­treu. Die Vier-Kin­der-Fami­lie wur­de pro­pa­giert — eine Insze­nie­rung, die durch geziel­te finan­zi­el­le Anrei­ze, gesell­schaft­li­chen Druck und aggres­si­ve Pro­pa­gan­da gestützt wur­de.

Vie­le Jung­ver­hei­ra­te­te folg­ten den Ver­lo­ckun­gen aus finan­zi­el­len Vor­tei­len, Goebbel’scher Pro­pa­gan­da und nicht zuletzt weit ver­brei­te­ter Häme gegen Frau­en, die auch nach ihrer Hoch­zeit berufs­tä­tig blei­ben woll­ten.

Bis Ende 1935 ver­lie­ßen eine hal­be Mil­lio­nen Frau­en „frei­wil­lig“ den Arbeits­markt – und die Gebur­ten­ra­te stieg.

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Buchcover „Die Frauen der Nazis“ von Anna Maria Sigmund

Hitler hatte Schlag bei den Frauen

— egal, ob bei den Gat­tin­nen sei­ner Nazi­grö­ßen oder den „ein­fa­chen Volks­ge­nos­sin­nen”. Waren die­se Frau­en Opfer, Ver­führ­te oder Täte­rin­nen?

Die His­to­ri­ke­rin Anna Maria Sig­mund wirft einen span­nen­den Blick hin­ter die Kulis­sen der NS-High­so­cie­ty und der „Volks­ge­mein­schaft” und erzählt sehr lesens­wert die Bio­gra­fien von u.a. Mag­da Goeb­bels, Geli Rau­bal, Eva Braun, Emmy Göring und Leni Riefenstahl

Wirtschaft im Dritten Reich: Aufschwung auf Pump

Ähn­lich wie die Plä­ne für den Auto­bahn­bau hat­te Hit­ler die drei Kon­junk­tur­pro­gram­me, die er in den ers­ten Mona­ten sei­ner Kanz­ler­schaft aus der Schub­la­de zau­ber­te, von sei­nen Vor­gän­gern Franz von Papen und Kurt von Schlei­cher geerbt.

Grund­la­ge die­ser Kon­junk­tur­pro­gram­me war die damals noch neue und uner­prob­te Theo­rie des defi­cit spen­ding des bri­ti­schen Öko­nom John May­nard Keynes, also staat­li­che Inves­ti­tio­nen auf Pump, um Arbeits­plät­ze zu schaf­fen und die Rezes­si­on zu bekämpfen.

Damals ein irri­tie­rend neu­er Gedan­ke, der vie­le kon­ser­va­ti­ve Ban­ker erst­mal ver­schreck­te.

Hit­lers Vor-Vor­gän­ger in der Reichs­kanz­lei, der Zen­trums­po­li­ti­ker Hein­rich Brü­ning, hat­te noch genau das Gegen­teil von Keynes Theo­rie ver­sucht: gegen die Wirt­schafts­kri­se anspa­ren, um den Haus­halt zu sanieren

Der Preis für Brü­nings Spar­po­li­tik war hoch: Die Wirt­schaft schrumpf­te noch schnel­ler und Mil­lio­nen Men­schen stürz­ten noch tie­fer ins Elend, was zu einer wei­te­ren Desta­bi­li­sie­rung der Wei­ma­rer Repu­blik bei­trägt.

Bereits Brü­nings Nach­fol­ger als Reichs­kanz­ler, Franz von Papen und danach Kurt von Schlei­cher, woll­ten Keynes neue und bahn­bre­chen­de Idee der anti­zy­kli­schen staat­li­chen Inves­ti­tio­nen umset­zen; ihre Plä­ne schei­ter­ten aller­dings am Wider­stand der Reichs­bank.

Mit Hit­ler wer­den die Inves­ti­tio­nen auf Kre­dit plötz­lich mög­lich. Und so wur­den gelie­he­ne 2 Mil­li­ar­den Reichs­mark in die Wirt­schaft gepumpt, um den Bau von Kraft­wer­ken, Stra­ßen, Brü­cken und Dei­chen zu finan­zie­ren.

Bis zum Früh­jahr 1934 wer­den dadurch knapp 2 Mil­lio­nen neue Stel­len geschaf­fen; die deut­sche Wirt­schaft nimmt lang­sam Fahrt auf.

Aller­dings sind Auto­bah­nen und die auf­wän­dig in Sze­ne gesetz­ten Kon­junk­tur­pro­gram­me zur Wie­der­be­le­bung der deut­schen Wirt­schaft nur ein schö­ner Schein für Pro­pa­gan­da­zwe­cke.

Eine pom­pös insze­nier­te brau­ne Augen­wi­sche­rei, die man gut in den „Wochen­schau­en“ zei­gen konnte.

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Buchcover „Februar 33: Der Winter der Literatur“ von Uwe Wittstock über die Machtergreifung 1933

Zehn Wochen dauert die Höllenfahrt der Weimarer Republik in den Abgrund …

… nur einen Febru­ar braucht es, bis Hit­ler über das Schick­sal der Deut­schen ent­schie­den hat.

Der Lite­ra­tur­kri­ti­ker und Autor Uwe Witt­stock über die schick­sal­haf­ten Tage im Febru­ar 1933, in dem es Reichs­kanz­ler Hit­ler trotz natio­nal­kon­ser­va­ti­ver „Ein­rah­mung” gelingt, die Macht an sich zu reißen.

Aufrüstung im Dritten Reich: Der Aufschwung als Tarnung

Denn hin­ter der öffent­li­chen Kulis­se des Auf­schwungs spielt sich etwas ganz ande­res ab: Das NS-Regime brach­te sei­ne Mythen rund um Auto­bahn­bau und „Arbeits­schlach­ten“ geschickt als Fei­gen­blatt in Stel­lung.

Man hielt sich bedeckt, um das zu ver­schlei­ern, was man in den ers­ten Jah­ren nach 1933 weder der deut­schen Bevöl­ke­rung noch den Mäch­ten des Ver­sailler Ver­trags offen zei­gen durf­te: die Wie­der­auf­rüs­tung.

Also wird ver­schlei­ert. Die Rüs­tungs­aus­ga­ben wer­den ver­schwie­gen, getarnt, getrickst.

Wäh­rend Hit­ler sich als Auto­bahn­bau­er fei­ern lässt, fließt bis 1939 die gigan­ti­sche Sum­me von 62 Mil­li­ar­den Reichs­mark in den Bau von Pan­zern, Flug­zeu­gen und Gra­na­ten.

Von der Öffent­lich­keit unbe­merkt wird die Rüs­tungs­in­dus­trie zum eigent­li­chen Trei­ber des wirt­schaft­li­chen Auf­schwungs in Deutsch­land ab Mit­te der 1930er Jahre.

Junkers Ju 88 im Bau in einer deutschen Flugzeugfabrik

Jun­kers Ju 88 im Bau: Die indus­tri­el­le Flug­zeug­pro­duk­ti­on war ein wich­ti­ger Teil der deut­schen Auf­rüs­tung im Drit­ten Reich. Bild­nach­weis: Bun­des­ar­chiv, Bild 146‑1976-097–22 / CC BY-SA 3.0, „Flug­zeug Jun­kers Ju 88, Bau“, Foto­graf: unbekannt.

Hjalmar Schacht und die MeFo-Wechsel

Offi­zi­ell darf Deutsch­land nach den Bedin­gun­gen des Ver­sailler Ver­trags sol­che Sum­men für Rüs­tung gar nicht aus­ge­ben — und kann es aus Steu­ern und Staats­an­lei­hen auch nicht leis­ten.

Des­halb ersinnt man ein Täu­schungs­ma­nö­ver, das vie­le Jah­re lang Hit­lers Auf­rüs­tung vor der gesam­ten Welt­öf­fent­lich­keit ver­heim­li­chen kann.

Hjalmar Schacht als Reichsbankpräsident im Jahr 1931 während der Weltwirtschaftskrise

Hjal­mar Schacht, 1931.
Bun­des­ar­chiv, Bild 102–12733 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de 

Der Mann, der den genia­len Betrug ein­fä­delt, ist Hjal­mar Schacht, ein welt­weit gut ver­netz­ter und ange­se­he­ner Ban­ker.

Schacht ist in der Wei­ma­rer Repu­blik ein bekann­tes Gesicht: Er war maß­geb­lich an der Bekämp­fung der Hyper­in­fla­ti­on 1923 betei­ligt und auch 1927 deut­scher Noten­bank­chef, als bei einem unglück­se­li­gen Tref­fen mit Kol­le­gen in den USA ver­se­hent­lich die Wei­chen für den Bör­sen­crash 1929 gestellt wurden.

Ende der 1920er Jah­re wird Schacht zum glü­hen­den Hit­ler-Ver­eh­rer; im März 1933 wird er vom „Füh­rer“ zum neu­en Reichs­bank­chef beru­fen, spä­ter zum Reichswirtschaftsminister.

Schachts MeFo-Wechsel und die Wiederaufrüstung Deutschlands

Schacht grün­det eine Schein­fir­ma, die er „Metall­ur­gi­sche For­schungs­ge­sell­schaft“ (MeFo) nann­te, um Hit­lers heim­li­che Rüs­tungs-Gigan­to­ma­nie zu finan­zie­ren.

Die „Metall­ur­gi­sche For­schungs­ge­sell­schaft” gibt Wech­sel aus – also Wert­pa­pie­re, mit denen die NS-Regie­rung bei der Schwer­indus­trie ein­kauft, ohne dass — erst­mal — ech­tes Geld fließt.

Das Stamm­ka­pi­tal der von Schacht erfun­de­nen Brief­kas­ten­fir­ma – rund eine Mil­li­on Reichs­mark — wird von Fir­men wie Krupp, Sie­mens und Rhein­me­tall bereit gestellt.

Eine gro­ße Sum­me, die aller­dings bei Wei­tem nicht die Rüs­tungs­aus­ga­ben decken, wes­halb die Reichs­bank — die Schacht lei­tet — für die Zah­lungs­fä­hig­keit der MeFo bür­gen muss.

Die heim­li­che Wie­der­auf­rüs­tung ist aller­dings kei­ne Erfin­dung der Natio­nal­so­zia­lis­ten: Bereits in der Wei­ma­rer Repu­blik unter­lief man die stren­gen Rüs­tungs-Auf­la­gen des Ver­sailler Ver­trags. Schon ab Ende der 1920er Jah­re leis­te­te man sich eine heim­li­che, vom Ver­sailler Ver­trag strengs­tens unter­sag­te Luft­waf­fe und ließ die Pilo­ten auf gehei­men Stütz­punk­ten in der Sowjet­uni­on das Flie­gen üben.

Weder die Auf­rüs­tung unter der Hand noch das Anschie­ben der Wirt­schaft durch staat­li­che Inves­ti­tio­nen auf Pump waren neu: Hit­ler und sei­ne brau­ne Entou­ra­ge nut­zen nur das, was sie vor­fan­den, und trie­ben es mit ideo­lo­gi­scher Maß­lo­sig­keit und der wach­sen­den Macht­fül­le einer Dik­ta­tur auf die Spitze.

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Höhenrausch – Das kurze Leben zwischen den Kriegen von Harald Jähner, Buch über die Weimarer Republik und die 1920er Jahre

Das kurze und aufregende Leben zwischen 1918 und 1933

Die Wei­ma­rer Repu­blik zwi­schen Auf­bruch und Unter­gang — ein span­nend geschrie­be­nes und sehr lesens­wer­tes Pan­ora­ma einer Zeit, in der alles neu war: Demo­kra­tie, Kör­per­kult, Lie­be, Archi­tek­tur, Mode, Eman­zi­pa­ti­on und vie­les mehr.

Wirtschaft im Dritten Reich: Ein Wunder auf tönernen Füßen

Es ist eine Wet­te auf Zeit, die Schacht mit sei­ner neu­en Schein­wäh­rung ein­geht, denn rein theo­re­tisch kann jeder Besit­zer eines Wech­sels sein Geld bei der MeFo sofort ein­for­dern.

Die Wech­sel müs­sen also so lang wie mög­lich im Umlauf gehal­ten wer­den, ansons­ten wäre die „Metall­ur­gi­sche For­schungs­ge­sell­schaft“ sofort plei­te gewe­sen. Des­halb ver­zinst man sie jähr­lich mit dem statt­li­chen Wert von vier Pro­zent.

Schachts ver­we­ge­ner Plan geht auf, sein wacke­li­ges Finan­zie­rungs­kon­strukt hält.
Die deut­sche Schwer­indus­trie akzep­tiert die win­di­gen MeFo-Wech­sel statt ech­tem Geld als Zah­lungs­mit­tel und beginnt zu pro­du­zie­ren.

Schon bald wird mehr als die Hälf­te aller staat­li­chen Rüs­tungs­auf­trä­ge nicht mit Reichs­mark, son­dern mit MeFo-Wech­seln bezahlt.

Der Anteil der Mili­tär­aus­ga­ben schießt dadurch – real gerech­net – von 1,5 Pro­zent auf fast 25 Pro­zent des Brut­to­so­zi­al­pro­dukts in die Höhe; die höchs­ten Aus­ga­ben einer Nati­on für Rüs­tung in Frie­dens­zei­ten.

Bei Krupp, Sie­mens, Rhein­me­tall und ande­ren Fir­men der Schwer­indus­trie brummt es. Durch die ste­tig anschwel­len­de Zahl der staat­li­chen Auf­trä­ge ent­ste­hen Mil­lio­nen neu­er Arbeits­plät­ze.

In den Bilan­zen des „Drit­ten Reichs“ tau­chen die enor­men Rüs­tungs­aus­ga­ben dank Hjal­mar Schachts MeFo-Par­al­lel­uni­ver­sum nicht auf.

Alle Welt – inklu­si­ve der deut­schen Bevöl­ke­rung – glaubt, dass der wun­der­sa­me deut­sche Wirt­schafts­auf­schwung mit Voll­be­schäf­ti­gung, aus­kömm­li­chen Löh­nen und einem beschei­de­nen Wohl­stand nach Jah­ren des Mas­sen­elends ein­zig und allein den Auto­bah­nen und dem Genie des „Füh­rers“ zu ver­dan­ken wäre.


Deficit Spending

„ … Im Som­mer 1939 muss es den Zeit­ge­nos­sen auf den ers­ten Blick so vor­kom­men, als habe Adolf Hit­ler tat­säch­lich das Unmög­li­che erreicht: Statt Arbeits­lo­sig­keit herrscht Fach­kräf­te­man­gel, nahe­zu jeder Deut­sche hat einen Arbeits­platz, und die Wirt­schaft wächst jähr­lich um zehn Pro­zent. Selbst der – eher links ein­ge­stell­te – John May­nard Keynes lobt das NS-Regime als gelun­ge­nes Bei­spiel für sei­ne Theo­rie des Defi­cit Spen­ding.

Doch bei nähe­rem Hin­se­hen ist die deut­sche Wirt­schaft völ­lig aus dem Gleich­ge­wicht gera­ten. Den Natio­nal­so­zia­lis­ten ist zwar ein Beschäf­ti­gungs­wun­der gelun­gen, aber mit dem auf Pump finan­zier­ten Auf­schwung haben sie bereits die Wei­chen für Krieg und Zer­stö­rung gestellt. Ein ech­tes Wirt­schafts­wun­der erlebt Deutsch­land nicht.“


Aus: GEO Epo­che, Deutsch­land unter dem Haken­kreuz, Teil 1: 1933 — 1936. Die ers­ten 1000 Tage der Dik­ta­tur*


Mehr lesen:

1938 scheint das „Drit­te Reich“ wirt­schaft­lich glän­zend dazu­ste­hen: Neue Auto­bah­nen, Voll­be­schäf­ti­gung, natio­na­ler Stolz. Doch hin­ter der Fas­sa­de ist Deutsch­land fast plei­te. Das angeb­li­che Wirt­schafts­wun­der seit 1933 wur­de mit MeFo-Wech­seln, Schul­den und Tricks finan­ziert. Nun folgt Teil zwei von Hit­lers Plan: Krieg, Raub – und „Ver­nich­tung durch Arbeit“.
Adolf Hit­ler, die deut­sche Wirt­schaft und der Zwei­te Weltkrieg

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phien, www​.bild​bio​gra​phien​.de, 2021 über­ar­bei­tet 2026


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Buchcover „Hitler übersetzen“ von Olivier Mannoni über Hitlers Sprache und politische Rhetorik

Hit­lers Spra­che verstehen

Zehn Jah­re lang über­setz­te Oli­vi­er Man­no­ni Hit­lers Mein Kampf ins Fran­zö­si­sche — in die­sem Buch erklärt er, wie Hit­lers Spra­che funk­tio­niert und wie sie Hass, Aus­gren­zung und Gewalt vor­be­rei­tet.
„Hit­ler über­set­zen“ ist eine lesens­wer­te Ana­ly­se der Gedan­ken und Spra­che des zukünf­ti­gen „Füh­rers” — und eine ein­dring­li­che War­nung davor, wie leben­dig die sprach­li­chen Mus­ter des Faschis­mus bis heu­te sind. Sehr lesenswert!


Deutschland unter dem Hakenkreuz 1933–1936 – erste 1000 Tage der NS-Diktatur mit Propaganda und Machtausbau

Die ers­ten 1000 Tage der NS-Diktatur

Deutsch­land unter dem Haken­kreuz zeich­net die ent­schei­den­den ers­ten Jah­re der NS-Dik­ta­tur nach: von der Wirt­schafts­kri­se und den Hoff­nun­gen auf einen Neu­an­fang 1933 bis zur sys­te­ma­ti­schen Fes­ti­gung der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Herr­schaft.
GEO EPOCHE zeigt anschau­lich, wie Pro­pa­gan­da, Gleich­schal­tung, Ent­rech­tung und Ver­fol­gung inner­halb weni­ger Jah­re zum All­tag wur­den – und wie die Deut­schen dar­auf reagierten.


Erich Kästner: Fabian – Die Geschichte eines Moralisten

Erich Käst­ners Blick auf eine Repu­blik im Untergang

Erich Käst­ners „Fabi­an. Die Geschich­te eines Mora­lis­ten“ ist weit mehr als ein Roman über das Ber­lin der spä­ten Wei­ma­rer Repu­blik: In 24 Kapi­teln erzählt Käst­ner von einer Gesell­schaft, in der poli­ti­sche und mora­li­sche Gewiss­hei­ten ins Wan­ken gera­ten.

Ein lesens­wer­tes Zeit­bild – und zugleich Käst­ners per­sön­li­che Abrech­nung mit einer Repu­blik, deren Unter­gang er bereits 1931 lite­ra­risch festhielt.


Buchcover „Braunes Erbe“ von David de Jong über deutsche Unternehmerdynastien und ihre Rolle im Nationalsozialismus

Am 20. Febru­ar 1933 bit­tet Her­mann Göring Deutsch­lands Wirt­schafts­eli­te zum Gespräch

Quandt, Flick, Finck, Oet­ker, von Boh­len und Hal­bach – und alle kom­men. Hit­ler kün­digt das Ende der Demo­kra­tie an, Hjal­mar Schacht sam­melt Mil­lio­nen für den Wahl­kampf der fast bank­rot­ten NSDAP.

David de Jong erzählt fes­selnd und sehr detail­reich, wie eng deut­sche Unter­neh­mer mit dem NS-Regime ver­floch­ten waren – und war­um vie­le Fami­li­en­dy­nas­tien bis heu­te nicht über ihr „brau­nes Erbe“ spre­chen wollen.


Alltag im Dritten Reich 1938/39 – NS-Diktatur in Deutschland, propagandistisch geprägtes Leben und gesellschaftliche Normalität im Nationalsozialismus

Die meis­ten Deut­schen lie­ben ihren „Füh­rer”

dafür braucht es ab 1935 nicht mal mehr Pro­pa­gan­da und Stürm­er­het­ze.
Der Jour­na­list und His­to­ri­ker Till­mann Ben­di­kow­ski über das nor­ma­le Leben der Volks­ge­nos­sin­nen und Volks­ge­nos­sen, ihr All­tag zwi­schen Pro­pa­gan­da, Volks­ge­mein­schaft und Füh­rer­kult. Ein her­aus­ra­gend gut geschrie­be­nes Buch über die Stim­mung in jener Zeit. Lesenswert!


Buchcover „Die Totengräber: Der letzte Winter der Weimarer Republik“ über Hitlers Machtübernahme und das Ende der Weimarer Demokratie

Hit­lers Weg an die Macht

Ein Geschichts-Thril­ler der beson­de­ren Art über das zähe Rin­gen aller Akteu­re — Hin­den­burg, Hit­ler, Papen, Schlei­cher, Goeb­bels — am Ende der Wei­ma­rer Repu­blik, deren Cha­rak­ter und Feind­schaf­ten man sich plötz­lich leb­haft vor­stel­len kann.
Ein­zel­schick­sa­le der damals schwer gebeu­tel­ten „nor­ma­len” Leu­te wer­den eben­so dar­ge­stellt wie mon­dä­ne Par­tys und die Rän­ke­spie­le, Win­kel­zü­ge und Hin­ter­zim­mer-Ver­ein­ba­run­gen, die schließ­lich zum kata­stro­pha­len Ende und Hit­lers „Macht­er­grei­fung” geführt haben. Sehr lesenswert!


Weiterführende Beiträge Geschichte & Psychologie

Deutsch­land 1934: Die wirt­schaft­li­che Lage ist mise­ra­bel, die Unzu­frie­den­heit in der Bevöl­ke­rung hoch. Franz von Papen zün­delt mit sei­ner Mar­bur­ger Rede und Hit­lers alter Kampf­ge­fähr­te Ernst Röhm for­dert eine zwei­te Revo­lu­ti­on. Kol­la­biert das „Drit­te Reich“?
Deutsch­land 1934: Die Nacht der lan­gen Messer

All­tag im „Drit­ten Reich”: Wäh­rend die Deut­schen im „Drit­ten Reich“ finan­zi­ell gera­de so über die Run­den kom­men, viel Geld für die ver­schie­de­nen NS-Orga­ni­sa­tio­nen spen­den (müs­sen) und müh­sam auf klei­ne Annehm­lich­kei­ten wie ein eige­nes Rund­funk­ge­rät spa­ren, gibt es einen Mann, der im NS-Staat immer rei­cher wird. Es ist der „Füh­rer“ selbst – Adolf Hit­ler.
Hit­lers Mil­lio­nen: Wie sich der „Füh­rer“ an Deutsch­land bereicherte

Hit­ler und die Frau­en: Adolf Hit­ler hat­te ein sehr gro­ßes Inter­es­se an Frau­en (und umge­kehrt) und war bei wei­tem nicht der „ein­sa­me Wolf”, als der er sich in der Öffent­lich­keit ger­ne dar­stel­len ließ. Adolf Hit­ler, die Frau­en, sein deutsch-bri­ti­sches Tech­tel­mech­tel und die Fra­ge: Wäre Hit­ler ein guter Schwie­ger­sohn gewe­sen?
Vom It-Girl zur Wal­kü­re: Die Welt der Unity Mitford

Da Joseph Goeb­bels nicht nur ein fana­ti­scher Tage­buch­schrei­ber war, son­dern auch sein Lie­bes­le­ben akri­bisch notier­te (… und durch­num­me­rier­te …), weiß man heu­te sehr genau über die Roman­ze zwi­schen dem Gau­lei­ter von Ber­lin und der schö­nen Mag­da Quandt Bescheid.
Wie alles begann — der 1. Teil der Lebens­ge­schich­te von Mag­da Goeb­bels:
Mag­da Goeb­bels (1): “Eine schö­ne, schö­ne Frau”


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Mefo-Wech­sel ein­fach erklärt: https://www.zeitklicks.de/nationalsozialismus/zeitklicks/zeit/propaganda/frag-doch-mal‑4/was-ist-ein-mefowechsel
Bun­des­ar­chiv: Auf­zeich­nung der Volks­wirt­schaft­li­chen und Sta­tis­ti­schen Abtei­lung der Reichs­bank, 15. März 1935: Akten der Reichs­kanz­lei. Regie­rung Hit­ler. Band II/1934/1935


Bild­nach­wei­se

Bun­des­ar­chiv, Bild 183-R27373 / CC BY-SA 3.0, „Reichs­au­to­bahn, Adolf Hit­ler beim 1. Spa­ten­stich, bei Frank­furt“, 23. Sep­tem­ber 1933, Foto­graf: unbe­kannt, Zen­tral­bild / Scherl Bil­der­dienst.
Depic­ted peo­p­le: Todt, Fritz Dr.: Gene­ral­inspek­tor für das Stra­ßen­we­sen, Minis­ter für Bewaff­nung und Muni­ti­on, Deutsch­land, Hühn­lein, Adolf: Reichs­tags­ab­ge­ord­ne­ter (MdR), NSDAP, Kor­ps­lei­ter des Natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Kraft­fah­rer­korps (NSKK), Deutsch­land (GND 117046736), Hit­ler, Adolf: Reichs­kanz­ler, Deutsch­land
Bun­des­ar­chiv, Bild 146‑1976-097–22 / CC BY-SA 3.0, „Flug­zeug Jun­kers Ju 88, Bau“, Foto­graf: unbe­kannt.
Hjal­mar Schacht, 1931. Von Bun­des­ar­chiv, Bild 102–12733 / CC-BY-SA 3.0.
Ori­gi­nal-Unter­ti­tel: Der ehe­ma­li­ge Reichs­prä­si­dent Dr. Schacht bei einem Auto­un­fall schwer ver­letzt! Dr. Schacht, wel­cher bei einem Auto­un­fall schwer ver­letzt wur­de und ins Kran­ken­haus gebracht wer­den musste


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Geschichte und Psychologie Vergangenheit verstehen um mit der Zukunft besser klar zu kommen
Dr. Susanne Gebert

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Susan­ne Autorin bei Gene­ra­tio­nen­ge­spräch & Agen­tur für Bildbiographien
Dr. Susan­ne Gebert schreibt über Psy­cho­lo­gie, Fami­li­en­ge­schich­te und emo­tio­na­le Prä­gun­gen. In ihrem Blog „Gene­ra­tio­nen­ge­spräch“ zeigt sie, wie unse­re Kind­heit uns formt – und wie wir uns von alten Mus­tern lösen können. 

2 Kommentare zu „Wirtschaft im Dritten Reich: Autobahn und MeFo-Wechsel“

  1. Sehr geehrte+r Redaktuer+in,

    Ihr Text was sehr detail­iert und umfangs­reich, was mir gefiel und einen guten Ein­blick ver­schaf­fen hat.
    Ich wür­de als ein­zi­gen “Kri­tik­punkt” nur nen­nen, dass man noch die Wehr­pflicht und Reichs­ar­beits­diens­tes mit ein­bau­en könnte.
    Trotz­dem ist der Text gut gelungen.

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