Zwischen Drill und Misshandlung: Johanna Haarers „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“

Mut­ter mit Kin­dern, SS-Leit­heft 9/2 Febru­ar 1943, unbe­kann­ter Foto­graf, Bun­des­ar­chiv, Bild 146‑1973-010–31 / CC-BY-SA 3.0

Erfun­den” haben die Natio­nal­so­zia­lis­ten die ‘Erzie­hung mit har­ter Hand’ nicht, aber wie so vie­les ande­re auf die Spit­ze getrie­ben.

Johan­na Haa­rers Kin­der­drill-Bibel war in der Nazi-Zeit ein Best­sel­ler. Nach 1945 ver­schwand Haa­rers Mach­werk nicht, son­dern wur­de ent­na­zi­fi­ziert und mit leicht ver­än­der­tem Titel wie­der auf­ge­legt. Bis in die 1980er Jah­re trieb die­ses Buch sein Unwe­sen — und hat bis zu sei­nem end­gül­ti­gen Aus über vie­le Kin­der unend­li­ches Leid gebracht.

… Die ‘Bibel’ jeder jun­gen Mut­ter der dama­li­gen Zeit war das Buch „Die deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind“ von Dr. Johan­na Haa­rer. Die­se Frau scheint mir eine rech­te Preußin gewe­sen zu sein, denn ihr Haupt­an­lie­gen waren Sau­ber­keit, Pünkt­lich­keit, Genau­ig­keit im Mes­sen und Wie­gen, kurz ein sehr stren­ges Regle­ment …”


Das klei­ne Mäd­chen, Jahr­gang 1937, das nach dem „preu­ßi­schen“ Regle­ment der deutsch-öster­rei­chi­schen Lun­gen­fach­ärz­tin Dr. Johan­na Haa­rer groß­ge­zo­gen wer­den soll­te, hat­te Glück im Unglück:
Der Kin­der­arzt griff ein.

Die lieb­lo­se Auf­zucht ihrer klei­nen Toch­ter nur unter den Aspek­ten „Sau­ber­keit, Pünkt­lich­keit und Genau­ig­keit“ bekam der jun­gen Mut­ter nicht gut.
Der Kin­der­arzt dia­gnos­ti­zier­te weni­ge Wochen nach der Geburt eine Unter­ernäh­rung des Säug­lings durch zu gerin­gen Milch­fluss.

Johan­na Haa­rers Kin­der­drill-Bibel wur­de ver­bannt und das Baby durf­te, wie spä­ter auch sei­ne drei jün­ge­ren Geschwis­ter, ohne Rat­ge­ber, dafür aber mit „Lie­be und Kamil­len­tee“ auf­wach­sen.

… In unse­ren Augen muss der deut­sche Jun­ge der Zukunft schlank und rank sein, flink wie Wind­hun­de, zäh wie Leder und hart wie Krupp­stahl.“

Adolf Hit­ler 1935 in einer Rede vor 50.000 Hit­ler-Jun­gen


Wehret den Anfängen!

Weh­ret den Anfän­gen ist eine oft wie­der­hol­te War­nung Haa­rers, die dem Zeit­geist ent­spra­chen.
Im Wesent­lich wie­der­hol­te ihr Buch nur das, was über Jahr­hun­der­te in vie­len Eltern­häu­sern und Schu­len prak­ti­ziert und wei­ter­ge­ge­ben wor­den war. Von einer lie­be­vol­len Mut­ter-Kind-Bezie­hung hielt man vie­le Jahr­hun­der­te lang nichts — auch und beson­ders nicht im vom NS-Regime pro­pa­gier­ten Müt­ter­kult.

ANZEIGE

Eine der bes­ten Publi­ka­tio­nen über “Die Deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind” mit vie­len Fall­bei­spie­len und Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen über den natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Müt­ter- und Erzie­hungs­kult. Sehr emp­feh­lens­wert für Betrof­fe­ne und Inter­es­sier­te.

Sig­rid Cham­ber­lain, Adolf Hit­ler, die deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind*, Psy­cho­so­zi­al-Ver­lag, 2010 (Erst­ver­öf­fent­li­chung: 1997)


Für über­zeug­te Natio­nal­so­zia­lis­ten war Kin­der­reich­tum — es wur­de die “4-Kind-Fami­lie” pro­pa­giert — nichts wei­ter als die Fort­set­zung des Krie­ges mit ande­ren Mit­teln.
Kei­ne Wun­der, dass auch Haa­rer häu­fig von “Gebur­ten­schlacht” und “Gebur­ten­krieg” spricht. Ein kin­der­freund­li­ches Regime war das Drit­te Reich nicht — auch wenn der “Füh­rer” sich zu Pro­pa­gan­da­zwe­cken ger­ne mit Kin­dern foto­gra­fie­ren ließ.

Die größ­te Sor­ge war, den Nach­wuchs durch zu viel Mut­ter­lie­be zu „ver­weich­li­chen“ und zu „ver­zär­teln“ und die Kin­der nicht adäquat auf ein har­tes Leben vor­zu­be­rei­ten.

Außer­dem stand für die meis­ten Men­schen fest, dass man durch „Affen­lie­be“ die Kin­der unwei­ger­lich zu “klei­ne Haus­ty­ran­nen” und Nichts­nut­ze erzie­hen wür­de — der Super-GAU jeder Erzie­hung.

Vor allem mache sich die gan­ze Fami­lie zum Grund­satz, sich nie ohne Anlaß mit dem Kin­de abzu­ge­ben. Das täg­li­che Bad, das regel­mä­ßi­ge Wickeln des Kin­des und Stil­len bie­ten Gele­gen­heit genug, sich mit ihm zu befas­sen, ihm Zärt­lich­keit und Lie­be zu erwei­sen und mit ihm zu reden. Die jun­ge Mut­ter hat dazu natür­lich kei­ne Anlei­tung nötig. Doch hüte sie sich vor all­zu lau­ter Bekun­dung müt­ter­li­cher Gefüh­le.“

Johan­na Haa­rer, Die deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind


Ein gepflegtes Kind riecht nicht!

In Haa­rers Anlei­tung zu früh­kind­li­cher Dres­sur dreht sich viel um Ord­nung, Sau­ber­keit und Pünkt­lich­keit.
För­de­rung der kör­per­li­chen und geis­ti­gen Ent­wick­lung von Babys?
War nicht vor­ge­se­hen, obwohl es bereits seit den 1920er Jah­ren  wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se von Ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gen und Päd­ago­gen dazu gab.

Haa­rers Kon­zept, das zum Best­sel­ler wur­de, beruht auf ihren eige­nen Erfah­run­gen und Vor­stel­lun­gen als Mut­ter.
Eine päd­ia­tri­sche Aus­bil­dung hat­te die Ärz­tin für Lun­gen­krank­hei­ten nicht, den­noch galt sie wäh­rend und auch lan­ge nach der Nazi­zeit als Kapa­zi­tät auf dem Gebiet früh­kind­li­cher Päd­ago­gik.

In ihrem Buch beschreibt sie den stän­di­gen Kampf, den die deut­sche Mut­ter mit ihrem ers­ten Kind zu füh­ren hat­te.
Von „förm­li­chen Kraft­pro­ben zwi­schen Mut­ter und Kind“ ist die Rede, bei denen selbst das Füt­tern zur Schlacht wird. Gewin­nen darf nur eine.
Die Mut­ter.

Das Baby soll mit fes­tem Griff bewe­gungs­los gehal­ten wer­den, so daß es nur noch den Mund öff­nen und schlie­ßen kann und schlu­cken muß, was der Erwach­se­ne ihm zuteilt, und zu einem Zeit­punkt, den die­ser bestimmt.“

Johan­na Haa­rer, Die deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind

Dis­zi­plin, Gehor­sam und Füg­sam­keit als ers­te Kin­der­pflicht: Kin­der soll­ten so früh wie mög­lich ler­nen, sich pas­siv den Wün­schen ande­rer zu unter­wer­fen und das zu schlu­cken, was man ihnen zuteilt; nichts ande­res lehrt Haa­rers schwar­ze Päd­ago­gik.

Haa­rers wich­tigs­ter Kampf galt dem „berüch­tig­ten Klein­kin­der­ge­ruch“, den sie in ihrem Rat­ge­ber aus­führ­lich beschreibt. Ganz offen­sicht­lich moch­te Haa­rer Kin­der nicht beson­ders und konn­te sie im wahrs­ten Sinn des Wor­tes “nicht rie­chen”, wie Sig­rid Cham­ber­lain in ihrem Buch Adolf Hit­ler, die deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind* schreibt.

Stel­len wir ihnen die Durch­näs­sung mit Harn, die Beschmut­zung mit Stuhl und schlech­ten Gerü­chen als etwas Abscheu­li­ches hin, und zei­gen wir ihnen, daß der­ar­ti­ges immer sofort ent­fernt, beschmutz­te Klei­dung gewech­selt wer­den muß. Wenn wir dies uner­müd­lich tun, bekeh­ren wir das Kind bald zu unse­rem Stand­punkt. Es wird zuneh­mend unglück­lich und unbe­hag­lich, wenn es naß und schmut­zig ist. Es ver­langt nach Sau­ber­keit. Haben wir es soweit, dann ist der Kampf schon bald gewon­nen.“

Johan­na Haa­rer, Die deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind


Der kleine Haustyrann

Der Kampf gegen den Klein­kin­der­ge­ruch war für Haa­rer außer­or­dent­lich wich­tig und erst dann erfolg­reich been­det, wenn Kin­der „tro­cken“ waren und ihr Geschäft mög­lichst noch vor dem ers­ten Geburts­tag auf dem Töpf­chen erle­di­gen konn­ten.

Das war in einer Zeit mit Stoff­win­deln und ohne Wasch­ma­schi­ne sicher­lich auch aus prak­ti­schen Grün­den erstre­bens­wert. Aber: die Mär, ein Kind müs­se so früh wie mög­lich ohne Win­deln aus­kom­men, hielt sich, obwohl es mit dem Ein­zug von Weg­werf­win­deln und Wasch­ma­schi­nen in deut­sche Haus­hal­ten kei­ne prak­ti­schen Not­wen­dig­keit mehr für die Eile gab.

Kör­per­lich ent­wi­ckeln Kin­der übri­gens frü­hes­tens im zwei­ten Lebens­jahr ein Gefühl für ihre Bla­sen­fül­lung.

Nationalsozialismus Mutterkreiz
Foto: Urkun­de zum NS-Mut­ter­kreuz, Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en

Auch ande­re The­sen aus Haa­rers Mach­werk hiel­ten sich hart­nä­ckig über vie­le Jah­re: So sei es bei­spiels­wei­se not­wen­dig, dass Mut­ter und Kind nach der Geburt in getrenn­ten Zim­mern unter­ge­bracht wer­den.

Die frü­he Tren­nung von Mut­ter und Kind gleich nach der Geburt wur­de noch bis weit in die 1970er Jah­re prak­ti­ziert, obwohl schon längst zahl­rei­che wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen dage­gen spra­chen.

Auch ande­re The­sen aus Haa­rers Mach­werk hiel­ten sich hart­nä­ckig über vie­le Jah­re: So sei es bei­spiels­wei­se not­wen­dig, dass Mut­ter und Kind nach der Geburt in getrenn­ten Zim­mern unter­ge­bracht wer­den.
Mut­ter und Kind gleich nach der Geburt zu tren­nen, wur­de noch bis weit in die 1970er Jah­re prak­ti­ziert, obwohl es schon längst etli­che wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen gab, die dage­gen spra­chen.

Stil­len gleich nach der Geburt? Für Haa­rer ein schlim­mer Rück­fall in Sachen „Affen­lie­be“. Mut­ter und Kind hat­ten 24 Stun­den lang zu war­ten, bevor der Säug­ling das ers­te Mal ange­legt wer­den durf­te.

Ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gisch ist das eine Kata­stro­phe, denn das ers­te Anle­gen des Babys nach sei­ner Geburt ist einer der wich­tigs­ten Momen­te für eine glück­li­che Mutter-Kind-Bezie­hung.


Reichsmütterschulung und BDM-Säuglingspflege  

Johan­na Haa­rers Rat­ge­ber wur­de schon kurz nach sei­nem Erschei­nen zum Stan­dard­werk. Die Erkennt­nis­se aus Die deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind dien­ten als Grund­la­ge für die „Reichs­müt­ter­schu­lung“ der NS-Frau­en­schaft eben­so wie für das Fach „Säug­lings­pfle­ge“ des BDM.

Mil­lio­nen jun­ger Mäd­chen und Frau­en lern­ten, dass Sau­ber­keit, Pünkt­lich­keit und Genau­ig­keit das „A und O“ im Umgang mit ihrem Baby sein soll­ten, all­zu gro­ße Nähe und „Affen­lie­be“ hin­ge­gen zu ver­mei­den wären.
Babys und Klein­kin­der hat­ten „Ruhe“ zu hal­ten, das heißt, sie soll­ten vor allem sich selbst über­las­sen blei­ben.

Freu­de, Zunei­gung oder gar Trös­ten waren in die­ser unhei­len Kin­der­welt ver­pönt.

ANZEIGE

Ein sehr ein­fühl­sa­mes Buch zum The­ma Kriegs­kin­der und Kriegs­en­kel, mit vie­len Fall­bei­spie­len und her­vor­ra­gend beschrie­be­nen Unter­su­chungs­er­geb­nis­sen. Denn es sind nicht nur Bom­ben, Flucht und Ver­trei­bung, die zum Teil bis heu­te Aus­wir­kun­gen haben, son­dern auch die Erzie­hungs­me­tho­den jener Zeit.
Anne-Ev Ustorf, Wir Kin­der der Kriegs­kin­der*, Ver­lag Her­der GmbH, 2010


An der Gren­ze zur psy­chi­schen Miss­hand­lung beweg­te sich Haa­rer mit ihren Emp­feh­lun­gen zum Umgang mit kind­li­chen Gefühls­äu­ße­run­gen.
War ein Baby bei­spiels­wei­se hung­rig (oder gar gelang­weilt) und mel­de­te sich außer­halb der fest regle­men­tier­ten Essens­zei­ten um 6, 10, 14, 16 und 20 Uhr, soll­te kein Par­don gege­ben wer­den:

Dann, lie­be Mut­ter, wer­de hart! Fan­ge nur ja nicht an, das Kind aus dem Bett her­aus­zu­neh­men, es zu tra­gen, zu wie­gen, zu fah­ren oder es auf dem Schoß zu hal­ten, es gar zu stil­len. Das Kind begreift unglaub­lich rasch (…). Nach kur­zer Zeit for­dert es die­se Beschäf­ti­gung mit ihm als ein Recht, gibt kei­ne Ruhe mehr, bis es wie­der getra­gen, gewiegt oder gefah­ren wird – und der klei­ne, aber uner­bitt­li­che Haus­ty­rann ist fer­tig.”

Johan­na Haa­rer, Die deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind



Johanna Haarer und ihre Folgen

Das Baby als inne­rer Feind, des­sen tyran­ni­schen Bedürf­nis­se per­ma­nent nie­der­ge­run­gen wer­den müs­sen?
Die Schlach­ten, die zwi­schen Mut­ter und Kind geschla­gen wer­den soll­ten, waren eben­so men­schen­ver­ach­tend wie die gesam­te Men­schen­bild der NS-Ideo­lo­gie.
Sie kann­ten nur einen Ver­lie­rer: das Kind. Ele­men­ta­re kind­li­che Gefühls­re­gun­gen – Lachen, Laut­sein, Wei­nen oder Zorn – waren nicht erwünscht und vor allem nicht erlaubt. Sie soll­ten jedem Kind sys­te­ma­tisch abtrai­niert wer­den.

Vom Erschei­nungs­jahr 1934 bis zum Kriegs­en­de wur­den 700 000 Exem­pla­re der „Haa­rer-Bibel“ ver­kauft und eif­rig gele­sen. Doch auch nach dem Ende des „Drit­ten Rei­ches“ war der Spuk noch lan­ge nicht vor­bei.

1949 kam das Buch unter dem ent­na­zi­fi­zier­ten Titel „Die Mut­ter und ihr ers­tes Kind“ wie­der auf den Markt und blieb dort bis ins Jahr 1987. Inhalt­lich war es von Aus­füh­run­gen zum The­ma „Ras­sen­hy­gie­ne“ und vom natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Pathos ent­rüm­pelt wor­den, doch die “päd­ago­gi­schen” Emp­feh­lun­gen zur Erzie­hung mit “har­ter Hand” blie­ben.

Exper­ten gehen heu­te davon aus, dass „Die deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind“ eine der fol­gen­schwers­ten Buch­ver­öf­fent­li­chun­gen des Drit­ten Rei­ches war.

Vie­le der Emp­feh­lun­gen Haa­rers ste­hen ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gi­schen Erkennt­nis­sen, die schon lan­ge vor Haa­rers Ver­öf­fent­li­chung bekannt waren, völ­lig ent­ge­gen und sind dar­auf ange­legt, ein Kind in sei­ner Bin­dungs- und Lie­bes­fä­hig­keit zu bre­chen, sich selbst als „nicht wich­tig“ wahr­zu­neh­men und auf emo­ti­ons­lo­ses „Funk­tio­nie­ren“ zu trim­men.

Heu­te kann nur spe­ku­liert wer­den, wie vie­le Kin­der in den Abgrund „zwi­schen Drill und Miss­hand­lung“ geführt wor­den sind.

Ver­mut­lich viel zu vie­le.

” … Das Drit­te Reich ist geschei­tert. Eine Stun­de Null hat es den­noch nicht gege­ben, auch und sogar vor allem nicht, was einen natio­nal­so­zia­lis­tisch gepräg­ten Umgang mit klei­nen Kin­dern angeht. Die Ver­wüs­tun­gen, die eine sol­che Erzie­hung hin­ter­las­sen hat, wer­den von den meis­ten Men­schen, die ihr als sehr klei­ne Kin­der aus­ge­setzt waren, erst lang­sam oder gar nicht als sol­che wahr­ge­nom­men. Trotz­dem sind die Fol­gen tief­grei­fend und nicht nur bei ein­zel­nen, son­dern auch in der Gesell­schaft als gan­zer noch zu spü­ren …“

Sig­rid Cham­ber­lain, Adolf Hit­ler, die deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind*


… Die­se Frau scheint mir eine rech­te Preußin gewe­sen zu sein, …“, ist ein Zitat aus der Bild­bio­gra­phie „Es war ein­mal” von Ilse Schulz, Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, 2013.

(Zum Blät­tern im Buch bit­te hier kli­cken)


Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, 2015 (über­ar­bei­tet 2017), www​.bild​bio​gra​phi​en​.de


Lesen Sie im nächs­ten Bei­trag: Kei­ne Lie­be ohne Mut­ter­lie­be. Wer als Kind ohne oder mit nur wenig Mut­ter­lie­be auf­wach­sen muss­te, wird es mög­li­cher­wei­se mit der eige­nen Mut­ter­rol­le schwer haben und nicht so ohne Wei­te­res eine enge Bin­dung zu den eige­nen Kin­dern auf­bau­en kön­nen. Aber was ist Mut­ter­lie­be und wie ent­steht sie?
Was heißt schon Mut­ter­lie­be?


Film- und Buch­emp­feh­lun­gen

Die mit * gekenn­zeich­ne­ten Links sind soge­nann­te Affi­la­te-Links, die hel­fen, den Blog Genera­tio­nen­ge­spräch zu finan­zie­ren. Wenn Ihnen eine der ange­ge­be­nen Emp­feh­lun­gen gefällt und Sie das Buch (oder ein ande­res Pro­dukt) über die­sen Link bestel­len, erhält der Blog dafür eine klei­ne Pro­vi­si­on, ohne dass für Sie Mehr­kos­ten ent­ste­hen. Für Ihren Klick: Herz­li­chen Dank im Vor­aus!

Preis: EUR 5,59

Ein bewe­gen­der Film über die “Schwar­ze Päd­ago­gik”, die vie­le Jahr­hun­der­te lang üblich war und Kin­der und Erwach­se­ne ein Leben lang präg­te.

Micha­el Han­eke, Das wei­ße Band*, 2010. DVD, FSK: ab 12 Jah­ren

Nach wie vor eine der bes­ten Publi­ka­tio­nen über “Die Deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind” mit vie­len Fall­bei­spie­len und Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen über den natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Müt­ter- und Erzie­hungs­kult.

Sig­rid Cham­ber­lain, Adolf Hit­ler, die deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind*, Psy­cho­so­zi­al-Ver­lag, 2010 (Erst­ver­öf­fent­li­chung: 1997)

Ein sehr ein­fühl­sa­mes Buch zum The­ma Kriegs­kin­der und Kriegs­en­kel, mit vie­len Fall­bei­spie­len und her­vor­ra­gend beschrie­be­nen Unter­su­chungs­er­geb­nis­sen. Denn es sind nicht nur Bom­ben, Flucht und Ver­trei­bung, die zum Teil bis heu­te Aus­wir­kung auf die nach­fol­gen­den Genera­tio­nen haben, son­dern auch die Erzie­hungs­me­tho­den jener Zeit, die ihre Spu­ren hin­ter­las­sen haben.
Anne-Ev Ustorf, Wir Kin­der der Kriegs­kin­der*, Ver­lag Her­der GmbH, 2010

Freund­schaft schlie­ßen mit unse­rem „inne­ren Kind“ , Glau­bens­sät­ze erken­nen – und sie ver­än­dern, wenn es not­wen­dig ist. Ein hilf­rei­ches Buch, gut und ver­ständ­lich geschrie­ben, mit vie­len Bei­spie­len und Übun­gen, die hel­fen, inne­re Sack­gas­sen zu ver­las­sen.
Ste­fa­nie Stahl, Das Kind in dir muss Hei­mat fin­den*, Kailash Ver­lag, 2015

Die Frau­en der Nazi­grö­ßen — ein Buch, das sehr span­nen­de Ein­bli­cke hin­ter die Kulis­sen der NS-High­so­cie­ty gewährt. Aus­ge­zeich­net recher­chiert und geschrie­ben — sehr lesens­wert!
Anna Maria Sig­mund, Die Frau­en der Nazis*. Wil­helm Hey­ne Ver­lag, Mün­chen, 2013

Preis: EUR 10,00

Ein sehr lesens­wer­ter Roman über Fami­lie, Flucht und Ver­trei­bung und ihre Nach­we­hen, über ges­tern und heu­te, über Ost­preu­ßen und das Alte Land bei Ham­burg. Wun­der­bar for­mu­liert und mit fei­ner Iro­nie geschrie­ben — ein Buch, das man erst schwe­ren Her­zens aus der Hand legt, wenn man es “durch” hat.
Dör­te Han­sen, Altes Land*, 2015, Ver­lags­grup­pe Ran­dom House GmbH

Schwie­ri­ge Bezie­hun­gen sind oft das Ergeb­nis von Ver­hal­tens­mus­tern, die von Genera­ti­on zu Genera­ti­on wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Wer immer wie­der in die glei­chen Fal­len tappt, wird in die­sem sehr lesens­wer­ten Sach­buch vie­le wert­vol­le Infor­ma­tio­nen über „trans­ge­nera­tio­na­le“ Ver­er­bung fin­den. Sehr fun­diert geschrie­ben und mit vie­len Bei­spie­len berühm­ter Fami­li­en. Moni­ca McGold­rick, Wie­der heim­kom­men. Auf Spu­ren­su­che in Fami­li­en­ge­schich­ten*, Carl-Auer-Ver­lag, 2013


Wei­ter­füh­ren­de Links zu Kind­heit, Erzie­hung und Lebens­glück:

Geschwis­ter­lie­be: Geschwis­ter sind die Men­schen, mit denen wir die längs­te Bezie­hung unse­res Lebens füh­ren. Gro­ßer Bru­der, klei­ne Schwes­ter, Nest­häk­chen oder Ein­zel­kind — nicht nur der Cha­rak­ter unse­rer Geschwis­ter­be­zie­hun­gen, son­dern auch unser Platz in der Geschwis­ter-Rei­hen­fol­ge kann von gro­ßer Bedeu­tung für unser spä­te­res Leben sein.
Klei­ne Schwes­ter, gro­ßer Bru­der. Geschwis­ter­kon­stel­la­tio­nen

Nar­ziss­mus: Wir alle sind gebo­re­ne Mani­pu­la­to­ren und jeder Mensch trägt nar­ziss­ti­sche Züge in sich. Man­che Men­schen blei­ben aller­dings in ihrer früh­kind­li­chen nar­ziss­ti­schen Ent­wick­lungs­pha­se ste­cken und machen ande­ren das Leben schwer — vor allem denen, die sie lie­ben. Kann man Nar­ziss ent­kom­men?
Das Zeit­al­ter der Nar­ziss­ten?

Resi­li­enz: Schwä­chen repa­rie­ren oder Stär­ken stär­ken? War­um es oft bes­ser ist, sich auf das zu kon­zen­trie­ren, was gut läuft.
Die Ener­gie folgt der Auf­merk­sam­keit

Bio­gra­fie: Für die dama­li­ge Zeit hat­te Adolf Hit­ler eine ganz „nor­ma­le“ Kind­heit. Dis­zi­plin, Gehor­sam und Füg­sam­keit waren jahr­hun­der­te­lang nicht nur ers­te Unter­ta­nen-, son­dern auch obers­te Kin­der­pflicht. Und so wächst Adolf Hit­ler auf wie vie­le ande­re auch: Als Sohn eines ‘erzie­hen­den’ — prü­geln­den — Vaters und einer Mut­ter, die zwar lie­be­voll, aber auch schwach ist.
Hit­lers Mut­ter Kla­ra

Kind­heit & Lebens­glück: Die Kind­heit ist die prä­gends­te Zeit in unse­rem Leben. Über Müt­ter und Väter, Geschwis­ter­lie­be, trans­ge­nera­tio­na­le Ver­er­bung und Kind­heits­mus­ter, die uns unser gesam­tes Leben beglei­ten.
Kin­der, Kin­der

Bild­nach­wei­se:

Mut­ter mit Kin­dern, SS-Leit­heft 9/2 Febru­ar 1943, unbe­kann­ter Foto­graf, Bun­des­ar­chiv, Bild 146‑1973-010–31 / CC-BY-SA 3.0

Archiv Buschmann/Hintsches


AGENTUR FÜR BILDBIOGRAPHIEN DR. SUSANNE GEBERT

ShopFACEBOOK * XING * PINTEREST
Kon­takt * Daten­schutz * Impres­sum

Wir müssten das alles mal aufschreiben

Die Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en bringt seit 2012 Lebens-. Fami­li­en- und Unter­neh­mens­bio­gra­fi­en als Bild­bio­gra­phi­en ins Buch und bie­tet außer­dem einen Ghost­wri­ting-Ser­vice mit den Schwer­punk­ten Geschich­te und Psy­cho­lo­gie an.
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den Sie auch auf unse­rer Home­page www​.bild​bio​gra​phi​en​.de

3 Gedanken zu „Zwischen Drill und Misshandlung: Johanna Haarers „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“

  1. Ich bin 1966 exakt nach Haa­rer erzo­gen wor­den.
    Nach 2 The­ra­pi­en muss­te ich akzep­tie­ren, dass ich nicht repa­ra­ble schwe­re Ent­wick­lungs­stö­run­gen habe.
    Was im ers­ten Lebens­halb­jahr an sozia­ler Ent­wick­lung ver­passt wur­de, kann sich nicht nach­ent­wi­ckeln.
    Das ver­ste­he ich alles vom Kopf her, aber mein Instinkt ist falsch pro­gram­miert.
    D.h. ich bin bin­dungs­un­fä­hig und füh­le mich in sozia­len Grup­pen falsch am Platz.
    Ich kann mein Leben leben, ohne schwe­re Depres­sio­nen und bin kein Sozi­al­fall.
    Aber ins­ge­samt ist doch sehr scha­de, dass das was man sich eigent­lich immer ersehnt hat, nie in Erfül­lung gehen wird.

    • Ganz herz­li­chen Dank für Ihren Kom­men­tar, der mich sehr bewegt hat. Sig­rid Cham­ber­lain beschreibt in ihrem Buch vie­le ähn­lich gela­ger­te Bei­spie­le — für mich ein Rät­sel, wes­halb nicht sehr viel inten­si­ver über Haa­rer und ihre Fol­gen dis­ku­tiert wird. Alles Lie­be!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.