Der 2. Weltkrieg: Kriegsende 1945
4474 Tage dauerte das „1000-jährige Reich” auf deutschem Boden. Dann brach es am 8. Mai 1945 in einem Inferno aus Blut, Tränen und Millionen Toten zusammen.
Der 2. Weltkrieg: Eine Chronik des fürchterlichsten Krieges in der Weltgeschichte.

Der 2. Weltkrieg: Kriegsende, Zusammenbruch und Befreiung
Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Zwölf Jahre nationalsozialistische Diktatur und fast sechs Jahre Krieg hatten Europa verwüstet. Millionen Menschen waren ermordet worden, darunter sechs Millionen Jüdinnen und Juden im Holocaust. Städte lagen in Trümmern, Millionen Menschen waren auf der Flucht oder hatten ihre Heimat verloren.
Wie konnte es so weit kommen?
Warum folgten so viele Menschen Hitler, obwohl sein Regime Gewalt, Verfolgung und Krieg systematisch vorantrieb? Und was bedeutete das Ende des NS-Staates für die Deutschen und die vom Nationalsozialismus unterworfenen Völker?
Diese Chronik zeichnet den Weg vom Aufstieg Hitlers über den Zweiten Weltkrieg bis zum Zusammenbruch des Regimes 1945 nach. Sie beleuchtet militärische Wendepunkte ebenso wie Propaganda, gesellschaftliche Anpassung, Widerstand und die psychologischen Mechanismen, die eine Diktatur stabilisieren können.
Der 2. Weltkrieg: Wie alles begann
Sebastian Haffner schildert in seinen ‚Anmerkungen zu Hitler‘ (1978) einen Zeitraum vom Frühjahr 1938 bis zum Frühjahr 1939, in dem bis zu 90 Prozent aller Deutschen Hitler-Anhänger gewesen sein sollen.
In dieser Zeit scheint dem „Führer” alles zu gelingen.
„… Wenn Hitler Ende 1938 einem Attentat zum Opfer gefallen wäre, würden nur wenige zögern, ihn einen der größten Staatsmänner der Deutschen zu nennen.”
Joachim Fest, Hitler: Eine Biographie*
Dass Hitler Krieg will, ist den meisten zunächst nicht klar. Seinen Wahn vom deutschen „Lebensraum” kann zwar seit 1925 jeder in „Mein Kampf“ nachlesen, aber fast niemand glaubte das, was da zu lesen ist.
Schlimmer noch: Bis auf Stalin hat auch fast keiner der Politiker und Mächtigen anderer Staaten Hitlers Pamphlet gelesen.
Die Ausgabe der ersten „Volksgasmasken“ ab Herbst 1937 schüren Kriegsängste in der Bevölkerung.
Mehr lesen: Deutschland 1937: Der Weg in den 2. Weltkrieg
Doch Hitler meint es ernst.
Seit der „Machtergreifung“ im Jahr 1933 wird die deutsche Außen- und Innenpolitik, die Wirtschafts- und Finanzpolitik systematisch auf ‘Krieg’ ausgerichtet.
Ab 1936/37 ist Hitlers Krieg nicht nur gewollt, sondern auch militärisch und vor allem auch wirtschaftlich nicht mehr zu vermeiden.
Am 5. November 1937 erklärt Hitler seinem engsten Kreis in einer mehrstündigen Rede seinen Zeitplan, protokolliert im sogenannten „Hoßbach-Protokoll“.
Die Ouvertüre: Appeasement 1938
Der eigentliche Irrsinn ist, dass außer Hitler (und seine Entourage) im Jahr 1939 — gerade mal 20 Jahre nach dem Ende des 1. Weltkrieges — fast niemand einen neuen Krieg will.
Die Briten und Franzosen nicht, die Sowjets nicht und auch nicht die meisten Deutschen.
Hochrangige deutsche Militärs schmieden während der Sudetenkrise 1938 sogar Putschpläne gegen Hitler, sollte er das Sudetenland gewaltsam besetzen.
Offizier der Wehrmacht warten nur noch auf ein positives Zeichen aus Großbritannien und Frankreich, dann hätten sie — im Falle einer militärischen Besetzung des Sudetenlands — losgeschlagen, um Hitlers Kriegspläne durch einen Putsch zu stoppen.
Sie warten vergeblich: Am Abend des 29. September 1938 wird das Münchner Abkommen verkündet, das die Sudetenkrise beendet.
Das Aufatmen im Reich und in ganz Europa ist unermesslich groß.
Einen Krieg soll es nicht geben.
Hitler hatte ein weiteres seiner Vabanquespiele gewonnen.
15. März 1939: Die Besetzung der „Rest-Tschechei”
Dies sei nun die letzte Forderung, die ich an die Welt zu stellen habe, verkündet der Hitler in einer Rede kurz nach dem Abkommen im September 1938. Es ist wie so oft eine Lüge
Nach der Besetzung des Sudetenlandes laufen die Kriegsvorbereitungen auf Hochtouren.
Die sogenannte „Rest-Tschechei” sei kein lebensfähiger Staat, heißt es in der deutschen Propaganda, die deutsche Generalität mache sich Sorgen über die geopolitische Lage dieses Staates.
Auf der Landkarte betrachtet säße er wie „ein Pfahl im Fleisch des großdeutschen Reiches”.
Goebbels’ Propagandaministerium lässt in den Zeitungen und über den Rundfunk fast täglich Berichte über angebliche Gräueltaten verbreiten, die Tschechen an harmlosen Sudetendeutschen verübt haben sollen.
Immer wieder heißt es, dass Böhmen für die Russen eine ideale Flugbasis bilde.
Wer will, kann ahnen, dass Hitlers Machthunger noch lange nicht gestillt ist.
Die „Sudetenkrise”: Ursachen und Folgen Mehr lesen: Konrad Henlein: Biedermann oder Brandstifter?
Ein knappes halbes Jahr nach dem Münchner Abkommen, im März 1939, marschiert die Wehrmacht in Prag ein.
Die reiche und hochentwickelte Tschechoslowakei, die einst als die „zweite Schweiz Europas” gegolten hat, verschwindet von der Landkarte.
Die „britischen Gouvernanten” zieren sich
Seit Mitte der 1930er Jahre wirbt Hitler bei den Briten für ein gemeinsames Bündnis. Denn die britische Oberschicht — und nur die Oberschicht — hält er für den Ariern ebenbürtig.
Ab dem Jahr 1934 finden sogenannte „Pilgerreisen“ britischer Politiker, Journalisten, Adliger und Industrieller statt.
In Berlin oder auf dem Obersalzberg werden sie vom „Führer” persönlich empfangen, um sie vom Sinn eines solchen Bündnisses zu überzeugen. Lange Zeit scheint man auf der Insel den Plänen eines deutsch-britischen Techtelmechtels nicht abgeneigt zu sein.
Aber die „britischen Gouvernanten” (Hitler) zieren sich.
Hitlers britische Affäre Mehr lesen: Unity Mitford: Hitlers It-Girl
Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Prag im März 1939 geben sie ihm endgültig einen Korb.
Die britischen Appeaser sind tief enttäuscht über Hitlers erneutem Wortbruch, wenden sich ab und verhängen Sanktionen gegen die Deutschen.
Freie Bahn für den 2. Weltkrieg: Der Hitler-Stalin-Pakt
Danach geschieht das Unfassbare.
Nach mehreren Monaten Geheimverhandlungen schließen im August 1939 „Unmensch” und „Bestie”, wie sich die Diktatoren Hitler und Stalin gegenseitig zu bezeichnen pflegen, einen Nichtangriffspakt.
Die Unterschriften unter den Verträgen und dem „geheimen Zusatzprotokoll” (die Neuaufteilung Osteuropas, wenn es zu “territorialen Verschiebungen” kommt) ist kaum trocken, als die deutsche Wehrmacht am 1. September 1939 ohne Kriegserklärung das mit Frankreich und Großbritannien verbündete Polen angreift.
Der Zweite Weltkrieg hat begonnen.
1. September 1939: Der 2. Weltkrieg beginnt
Als die Deutschen am 1. September 1939 über die Rundfunkgeräte immer wieder die Passage hören, mit der Hitler vor dem Reichstag den Überfall auf Polen rechtfertigt, ahnen viele, dass der angebliche Kriegsgrund wieder eine Lüge ist.
„Seit 5 Uhr 45 wird zurückgeschossen” …
„… Polen hat heute Nacht zum ersten Mal auf unserem eigenen Territorium auch mit bereits regulären Soldaten geschossen. Seit 5:45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen! Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten! Wer mit Gift kämpft, wird mit Giftgas bekämpft. Wer selbst sich von den Regeln einer humanen Kriegsführung entfernt, kann von uns nichts anderes erwarten, als dass wir den gleichen Schritt tun. Ich werde diesen Kampf, ganz gleich, gegen wen, so lange führen, bis die Sicherheit des Reiches und bis seine Rechte gewährleistet sind.“
Adolf Hitler am 1. September 1939 vor dem Reichstag
Anders als im August 1914 gibt es auf den Straßen weder hysterischen Jubel noch patriotische Kundgebungen oder Gesänge. Auf den Straßen sieht man im September 1939 nur ernste Gesichter und zusammengebissene Zähne.
Die Erinnerungen an den ersten Weltkrieg mit Millionen von Opfern und der chaotischen Nachkriegszeit sind noch frisch. Im August 1939 hatte man gerade an den Ausbruch des Weltkriegs 25 Jahre zuvor erinnert.
Hitler weiß das.
„Ein November 1918 wird sich niemals in der deutschen Geschichte wiederholen!”, verkündet er.
Es gibt unter den Deutschen keine Begeisterung für diesen Krieg, aber auch keinen Widerstand oder offen geäußerte Angst.
„Der Führer wird’s schon richten“ wird zum geläufigen Spruch, mit dem man sich zu trösten versucht. Die Wehrmacht, die Beamtenschaft, die Partei und nicht zuletzt die Deutschen nehmen diesen Krieg hin und funktionieren.
Gespenstische Stille
„… Die NS-Führung sorgt dafür, dass es vergleichsweise still im Land ist. Es gibt im August keine Massenveranstaltungen, keine direkten Ansprachen an das Volk, in denen Hitler oder sein Propagandaminister die Stimmung aufheizen, und aus den Volksempfängern erklingt in den letzten Augusttagen auffallend häufig Musik statt mobilisierender Ansprachen.”
Aus: Tillmann Bendikowski, Hitlerwetter: Das ganz normale Leben in der Diktatur: Die Deutschen und das Dritte Reich 1938/39*
Der Sitzkrieg 1939 — 1940
Schockstarre in ganz Europa.
Spanien 1936, die Sudetenkrise 1938 und die „Erledigung” der mit den Franzosen verbündeten „Rest-Tschechei” im März 1939. Das alles hatte man hingenommen, um den Frieden zu retten. Oder zumindest, um einen Krieg zu vermeiden.
Doch dieses Mal ist Hitler zu weit gegangen.
Nach dem Überfall auf Polen erklären Briten und Franzosen dem deutschen Reich den Krieg.
Aber sie unternehmen — wieder einmal — nichts. Man hält die hochgerüstete Wehrmacht für zu übermächtig und traut sich nicht, die Deutschen anzugreifen.
Keiner wagt es, den ersten Schuss abzugeben.
Wie erstarrt sehen Briten und Franzosen zu, wie Hitlers Wehrmacht im Osten freie Bahn hat, den polnischen Feldzug als „Blitzkrieg“ führen kann und nach wenigen Wochen Polen — wieder einmal — von der Landkarte verschwunden ist.
Im Westen herrscht währenddessen ein eigenartiger Sitzkrieg — Drôle de guerre, der komische Krieg.
Eine historische Chance geht verloren, denn im Westen stehen nur wenige Wehrmacht-Einheiten zur Verteidigung zur Verfügung.
Hätten Frankreich und Großbritannien während des Polenfeldzugs das Deutschland im Westen angegriffen, hätte nach Meinung vieler Historiker dieser Krieg vermutlich schon im Keim erstickt werden können.
1940: Blitzkrieg in Frankreich und Luftschlacht um England
Die fatalistische Stimmung der Deutschen schlägt nach dem raschen Kriegserfolg in Polen schließlich doch noch in eine Art vertrauensvoller Zuversicht um.
Die Wehrmacht scheint unbesiegbar zu sein.
Nach Polen werden in kurzen konzertierten Feldzügen Dänemark, Norwegen, Belgien, die Niederlande, Luxemburg, ein Großteil Frankreichs, Jugoslawien und Griechenland erobert und besetzt.
Nach der Kapitulation Frankreichs am 22. Juni 1940 sind die Briten ein Jahr lang Deutschlands einziger verbliebener Kriegsgegner.
Im Frühsommer und Sommer 1940 steht Großbritannien am Abgrund. Der britische Widerstand hält … aber es ist knapp. Mehr lesen: Hitlers Krieg 1940: Luftschlacht um England
Aber auch die Briten stehen mit dem Rücken zur Wand: Knapp einen Monate nach der Kapitulation der Franzosen befiehlt Hitler die Operation Seelöwe, die Landung in Großbritannien.
Als Vorbereitung beginnt im August 1940 der “Battle of Britain”, die Luftschlacht um England.
Am 9. Mai 1940 hatte Winston Churchill das Amt des Premierministers von Chamberlain übernommen.
Es ist ein Schleudersitz.
Niemand weiß, ob Churchill seinen unbeugsamen Kurs gegenüber dem deutschen Diktator durchhalten kann oder angesichts der katastrophalen Lage Großbritanniens doch noch klein beigeben muss.
Churchill kann sich gegen den Wunsch nach Appeasement in seinem Kabinett durchsetzen, lehnt jegliche Verhandlungen mit Hitler und den Nationalsozialisten an und schwört die Briten auf „Blut, Schweiß und Tränen” im Krieg gegen die Deutschen ein.
Das Durchhalten der Briten rettet Europa. Für den weiteren Kriegsverlauf ist es unermesslich wichtig.
22. Juni 1941: Das „Unternehmen Barbarossa”
Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass ausgerechnet der sonst bis an die Grenze zur Paranoia misstrauische Stalin die Zeichen der Zeit nicht erkennt.
Ab März 1941 berichten immer mehr sowjetische Spione von einem nicht enden wollenden Strom deutscher Truppen, die Richtung Osten marschieren. Täglich brächten bis zu vier Züge deutsche Soldaten und Panzer in die Aufmarschräume in Polen.
Anfang Mai 1941 meldet auch Stalins Top-Spion Richard Sorge nach Moskau, dass ein Angriff der Deutschen mit 150 Divisionen unmittelbar bevorstünde. Geplanter Termin: der 20. Juni 1941.
Doch Stalin wiegelt ab.
Er droht seinen Militärs und Beratern sogar, es würden „Köpfe rollen“, wenn sie ohne seine Erlaubnis Truppen in Marsch setzen.
1941: Der verspätete Beginn des “Unternehmen Barbarossa” und der russische Winter. Mehr lesen: Hitlers Krieg: 1941
Als am 22. Juni 1941 das Inferno des „Unternehmen Barbarossa“, der deutsche Überfall auf die Sowjetunion, beginnt, ist der sowjetische Diktator am Boden zerstört.
Überrumpelt und ratlos zieht er sich auf seine Datscha zurück und ist für mehrere Tage für niemanden zu sprechen..
Siegesfanfaren: Von der „Wacht am Rhein” bis zur „Russland-Fanfare
Der Krieg gegen die Sowjetunion macht den Deutschen Angst. Unmut – wenn auch sehr leise geäußert – breitet sich aus.
Um den Wahnsinn einer zweiten Front plausibel zu machen, verkauft man „dem Volk” den Krieg gegen den einstigen Bündnispartner Sowjetunion als Aggression der „Bolschewisten“: Der „russische Aufmarsch gegen die deutsche Grenze“ sei in vollem Gange, heißt es in der Propaganda.
Es sieht fast so aus, als ob Hitler auch dieses Spiel gewinnen könnte.
Die von den stalinistischen Säuberungen in den 1930er Jahren dezimierten sowjetischen Truppen erleiden schwere Verluste und werden von der Wehrmacht Richtung Osten getrieben.
In den Wochenschauen und im Rundfunk jagt eine Siegesmeldung die nächste.
Zur „Die Wacht am Rhein” als „Sondermeldungsfanfare” für den Frankreich-Feldzug kommt „Les Préludes“ von Franz Liszt als „Russlandfanfare”.
Weil Stalin seinen Truppen einen Rückzug unter Androhung der Todesstrafe verbietet, sterben in grauenhaften Kesselschlachten Hunderttausende sowjetische Soldaten oder geraten in deutsche Kriegsgefangenschaft — was oft dem Tod gleichkommt.
Winter 1941: Der deutsche Vormarsch friert ein und Hitler erklärt den USA den Krieg
Dann setzt im Oktober 1941 der Herbstregen ein, die deutsche Invasion bleibt nach wochenlangem Vormarsch im Matsch vor Moskau stecken.
Im November 1941 gelingt es einigen wenigen deutschen Einheiten noch, die Außenbezirke Moskaus zu erreichen, dann beginnt der gefürchtete russische Winter. Die Sowjets evakuieren Moskau und bringen sogar den einbalsamierten Leichnam Lenins in Sicherheit. Dann kommt ihnen der russische Winter zu Hilfe. Der Wetterwechsel ist mächtiger als alle ihre Armeen.
Mit Sommerausrüstung im russischen Winter
Maschinen und Waffen der Deutschen versagen in der klirrenden Kälte.
Viele Soldaten erfrieren, weil man sie im Vertrauen auf einen schnellen Sieg in Sommerausrüstung nach Russland geschickt hat. Die fehlende Winterausrüstung soll nun – viel zu spät – durch Sammlungen in der Heimat beschafft werden.
Der deutsche Vormarsch an der Ostfront friert gerade im russischen Winter fest, als am 7. Dezember 1941 das mit Deutschland und Italien verbündete Japan ohne Kriegserklärung den amerikanischen Marinestützpunkt Pearl Harbour bombardiert.
Am 11. Dezember erklären die mit Japan verbündeten Achsenmächte Deutschland und Italien den USA den Krieg.
Das ist die Wende.
Der amerikanische Präsident Roosevelt hat bereits lange Zeit die bedrängten Briten und die Sowjetunion mit Waffen und Material unterstützt; offiziell in den Krieg eintreten konnte er gegen den Willen einer Mehrheit der Amerikaner nicht.
Pearl Harbour und die Kriegserklärung der Achsenmächte ändern alles.
Der 2. Weltkrieg und die „Endlösung”
Aus dem europäischen Krieg ist endgültig ein Weltkrieg geworden, der mit nie gekannter Grausamkeit und zunehmender Brutalität auf allen Seiten geführt wird.
Niemand schert sich mehr um die nach dem ersten Weltkrieg mühsam errungenen Regeln und Konventionen. Ein Menschenleben – sei es das eines Soldaten oder eines Zivilisten – ist nichts mehr wert.
Hitlers Rassenwahn ist sein eigentliches Kriegsziel. Die Gleichzeitigkeit von Kriegswende und Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942 ist kein historischer Zufall.
Mehr lesen: Hitlers Krieg Kriegswende 1942
Es ist kein historischer Zufall, dass am 20. Januar 1942 auf der Wannsee-Konferenz 14 eifrige Bürokraten unter Leitung von Reinhard Heydrich die systematische Ermordung von 11 Millionen europäischer Juden planen und organisieren.
Derweil experimentiert Rudolf Höß im Lager Auschwitz-Birkenau mit Zyklon B, einem Schädlingsbekämpfungsmittel, und „probiert” seine tödliche Wirkung an russischen Kriegsgefangenen aus.
Es ist nicht nur die Banalität, sondern auch die Bürokratie des Bösen.
Je schlechter sich der Frontverlauf für die Wehrmacht entwickelt, desto mehr barbarische Anstrengungen steckt man in die „Endlösung”.
Ende 1942 kämpfen in Nordafrika das erste Mal amerikanische gegen deutsche Truppen. Gemeinsam mit Briten und Exil-Franzosen gelingt es ihnen, den deutschen „Wüstenfuchs’ Erwin Rommel aus Nordafrika zu vertreiben.
Von dort als Brückenkopf gelingt es ihnen am 10. Juli 1943 in der Operation Husky auf Sizilien zu landen.
Der Luftkrieg im 2. Weltkrieg
Bereits seit Mai 1940 hatte die britische Royal Air Force (RAF) Luftangriffe gegen Ziele in Deutschland geflogen, aber die Entfernung ist riesig und für die britischen Bomber kaum zu bewältigen.
Trotz der geringen Aussichten, dem deutschen Kriegsgegner ernsthaft zu schaden, fliegen sie. Für die Deutschen sind die RAF-Bombardements mehr psychologische Nadelstiche und keine ernsthafte Bedrohung.
Das ändert sich mit dem offiziellen Kriegseintritt der Amerikaner im Dezember 1941.
Für die Briten bedeutet der neue, nun auch offizielle Verbündete, die immens wichtige Verstärkung an Menschen und Material.
Die Operation Gomorrha: Eine Stadt wird angezündet.
Mehr lesen: Hamburg 1943: Die Operation Gomorrha
Auch die Strategie der Bombenangriffe ändert sich: Es geht nicht mehr nur darum, kriegswichtige Industrieanlagen und die deutsche Infrastruktur lahmzulegen, sondern um die Demoralisierung der Zivilbevölkerung.
Seit dem 14. Februar 1942 gilt die britische “Area Bombing Directive”, also das Flächenbombardement von Siedlungsgebieten. Im Klartext geht es von nun an um das Zerstören von Wohnhäusern.
Und ums Töten.
Die deutsche Zivilbevölkerung, die den Krieg bislang hauptsächlich aus den Sondermeldungen im Radio und durch die Bilder der Wochenschau im Kino kennt, bekommt ihn jetzt spüren.
In Lübeck beispielsweise am 29. März 1942, in Hamburg am 28. Juli 1943 mit 30.000 Toten in einer einzigen Nacht.
1943: Der totale Krieg
„Wollt Ihr den totalen Krieg?“ hatte Propagandaminister Joseph Goebbels in seiner Sportpalastrede vom 18. Februar 1943 in die Menschenmasse gebrüllt und frenetischen Jubel geerntet.
Trotzdem: Für viele Deutschen ist die Schlacht bei Stalingrad mit 700.000 Toten und die Kapitulation der 6. Armee Ende Januar 1943 die psychologische Wende.
Ab diesem Zeitpunkt glauben viele nicht mehr, dass dieser Krieg zu gewinnen ist.
Aber die Angst vor der „rasenden Rachsucht“ der Bolschewisten und die Wut über den „angloamerikanischen Bombenterror“ lassen sie durchhalten.
Das Leben in Deutschland 1943
Goebbels’ und Görings Privatkrieg um Edelrestaurants, der Kampf normaler Menschen mit dem Bombenkrieg und der Angst, etwas Falsches zu sagen, der „Volksgerichtshof”, Sophie und Hans Scholl, Denunzianten und Opfer des Nazi-Terrors.
Der Historiker Oliver Hilmes erzählt spannend und wortgewandt die Geschichte des Jahres 1943 mit Geschichten. Sehr lesens- bzw. hörenswert.
Seit Stalingrad treibt die Roten Armee die Deutsche Wehrmacht in Richtung Westen.
Im Frühjahr 1944 erreichen sowjetische Kampfverbände die Grenze Rumäniens, der Tschechoslowakei und des ehemaligen Polen.
Die nationalsozialistische Propaganda beschönigt den einsetzenden Rückzug deutscher Truppen an allen Fronten als „Frontbegradigungen“.
„Frontbegradigungen“
Im Radio — vom Volksmund mittlerweile in „Goebbelsschnauze“ umgetauft — wird über Mittel- und Langwelle verkündet, dass die Soldaten der deutschen Wehrmacht erst Heimatboden erreicht haben müssten, um „das Reich” besser verteidigen und die Feinde zurückschlagen zu können.
Am 6. Juni 1944 beginnt schließlich die lange geplante „Operation Overlord“ – der „längste Tag“: die Landung englischer, amerikanischer, französischer und polnischer Soldaten in der Normandie.
Hitlerjungen und alte Männer werden zum „Volkssturm“ eingezogen, dem letzten Aufgebot.
War bis weit in den Krieg hinein die Versorgung mit Lebensmitteln und Kleidung gut, so wird jetzt bemerkbar, dass immer mehr ehemals besetzte Gebiete nicht mehr ausgebeutet werden können.
Im Krebsgang: Flucht und Vertreibung 1944 bis 1950
Mehr lesen: Ihr Flüchtlinge!
Flucht ist der Zivilbevölkerung unter Androhung schwerster Strafen verboten. Besonders in Ostpreußen, denn Hitler will der vorrückenden Roten Armee als letztes Aufgebot einen menschlichen „Schutzwall“ entgegenstellen.
Aber die Deutschen sind schon längst kriegsmüde und haben Angst. „Heil Hitler“ — der „Deutsche Gruß” — verschwindet als Begrüßungsformel.
Hitler fordert den Kampf bis zum Untergang.
1945: Der Untergang
Als am 12. April 1945 US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt überraschend stirbt, frohlockt Hitler für kurze Zeit und hofft auf den Zerfall der alliierten Koalition seiner Kriegsgegner.
Zu seinem Geburtstag am 20. April empfängt er Gäste im Führerbunker. Hitler wird 56 Jahre alt und ist geistig und körperlich ein Wrack.
Als er erfährt, dass SS-Obergruppenführer Felix Steiner den befohlenen Entsatzangriff seiner Armeegruppe in der Schlacht um Berlin als undurchführbar verweigert hat, erleidet er am 22. April einen Nervenzusammenbruch.
Am 25. April 1945 reichen sich auf der zerstörten Elbbrücke bei Torgau Soldaten der 90. US-Infanteriedivision und der sowjetischen Gardedivision die Hand. Ost- und Westfront sind jetzt vereint, Berlin von der Roten Armee eingekesselt.
Die letzten Tage im Führerbunker
Der ganze Irrwitz des nationalsozialistischen Systems in einem Film nach einem Tatsachenroman von Joachim Fest.
Mit Bruno Ganz als Hitler, die brillante Corinna Harfouch als Magda Goebbels und Alexandra Maria Lara als Traudl Junge.
Auch als Prime Video*
Himmler fällt in Ungnade
Am 28. April 1945 wird Hitler zugetragen, dass Himmler Geheimverhandlungen mit den Alliierten über einen Separatfrieden führt — er bietet an, das Leben von KZ-Häftlingen im Austausch für Friedensverhandlungen mit den Westmächten zu schon. Hitler lässt daraufhin Himmlers Kontaktmann Herrmann Fegelein, den Schwager seiner Geliebten Eva Braun, verhaften und erschießen.
Am 29. April verbreitet sich die Nachricht von der Erschießung des italienischen „Duce“ Benito Mussolini und der Misshandlung seiner Leiche.
Am 30. April heiratet Hitler seine Lebensgefährtin Eva Braun.
Danach diktiert er sein politisches Testament.
Er ernennt seinen treuen Gefolgsmann und Hardliner, den Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine, Großadmiral Karl Dönitz, zu seinem Nachfolger als Reichspräsidenten und Oberbefehlshaber der Wehrmacht.
Joseph Goebbels soll neuer Reichskanzler werden. Göring und Himmler werden aus der NSDAP ausgeschlossen.
Die Deutschen ruft er zur unbedingten Fortsetzung des Krieges, zur Einhaltung der Nürnberger Rassengesetze und zur weiteren „Vernichtung“ der Juden auf.
Er verteilt Ampullen mit Zyankali und vergiftet seine Schäferhündin.
Am Nachmittag zieht sich Hitler mit Eva Braun zurück.
Sie schluckt Gift, er erschießt sich.
Einen Tag später, am 1. Mai 1945, vergiftet Magda Goebbels im Führerbunker ihre sechs kleinen Kinder.

Foto aus der sowjetischen Wochenschau 1945: Die sechs getöteten Goebbels-Kinder Mai 1945
1945: Wolfszeit
Exakte Schätzungen gibt es nicht, aber es wird vermutet, dass etwa 60 Millionen Menschen ihr Leben verloren haben. Ungezählt bleiben die Millionen, die verletzt, obdachlos, vertrieben, deportiert oder inhaftiert wurden.
4474 Tage dauerte das „1000-jährige Reich” auf deutschem Boden. Dann brach es am 8. Mai 1945 in einem Inferno aus Blut, Tränen und Millionen Toten zusammen.
Und niemand weiß, wie es jetzt weitergehen soll …
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Ihr Flüchtlinge
Copyright: Agentur für Bildbiographien, www.bildbiographien.de 2015, überarbeitet 2026
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Bildnachweise
Nach Kriegsende, Heilbronn 1945 (After the end of the war, 1945). Foto: US Army, Public Domain. Titelgestaltung: Generationengespräch
Gebrauchsanweisung für die Volksgasmaske, Herbst 1937. Historisches Dokument aus der NS-Zeit. Quelle: Generationengespräch.
Besetzung der Tschechoslowakei durch die deutschen Truppen, Oktober 1938, Bundesarchiv, Bild 183-H13160 / unbekannter Fotograf; Scherl / Weltbild. Lizenz: CC BY-SA 3.0. Bearbeitung: Generationengespräch.
Unity Mitford, 9. November 1937, Fotograf: unbekannt für Bassano Ltd, National Portrait Gallery, London (NPG x26625), Public Domain. Bearbeitung: Generationengespräch.
London am 7. September 1940: Rauch über den Docks nach einem deutschen Luftangriff. Foto: New York Times Paris Bureau Collection, 7. September 1940. National Archives and Records Administration (NARA), NAID 541917. Gemeinfrei in den USA (Public Domain, U.S. Government-Markierung); Quelle: Wikimedia Commons. Bearbeitung: Generationengespräch.
Bei Targowi Sawod, November 1941: „Vormarsch unserer Truppen durch die Winterlandschaft vor Moskau. Die Wege sind gefroren und trotz der Kälte geht es leicht vorwärts.“ (Kriegsberichter Cusian, 21.11.1941). Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-L20813 / Albert Cusian / CC-BY-SA 3.0. Bearbeitung: Generationengespräch.
Sowjetische Soldaten in Stalingrad (Januar 1943), Bundesarchiv, Bild 183-P0613-308 / CC BY-SA 3.0 DE. Quelle: Wikimedia Commons. Bildausschnitt bearbeitet und mit Titel-Overlay versehen.
„Ostpreußen, Flüchtlingtreck“ von Bundesarchiv, Bild 146‑1976–072–09 / CC BY-SA 3.0 DE. Quelle: Wikimedia Commons. Bildausschnitt bearbeitet und mit Titel-Overlay versehen.
Die sechs getöteten Kinder von Magda und Joseph Goebbels, Sowjetische Wochenschau, 1945. Fotograf/Urheber nicht angegeben.
Generationengespräch
Geschichte und Psychologie
Vergangenes verstehen, um mit der Zukunft besser klar zu kommen.

Dr. Susanne Gebert
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Die Vergangenheit verstehen, um mit der Zukunft besser klar zu kommen


















