Krieg, Hunger und Vernichtung: Adolf Hitler, die deutsche Wirtschaft und der 2. Weltkrieg
Die deutsche Wirtschaft und der 2. Weltkrieg: 1938 geht es den Deutschen wirtschaftlich so gut wie nie, aber das „Dritte Reich“ ist bankrott.
Hitlers heimliche Wiederaufrüstung ab 1933 hat Deutschland in kürzester Zeit in die Vollbeschäftigung katapultiert — aber alles ist auf Pump finanziert.
Es wird Zeit für den zweiten Teil von Hitlers Plan: Krieg und “Vernichtung durch Arbeit”.

Wirtschaft im Nationalsozialismus: Wie Phönix aus der Asche?
Die Welt staunt.
Weltweit kämpfen Volkswirtschaften immer noch mit Deflation, Arbeitslosigkeit und Massenelend als Folgen des Börsencrashs von 1929, nur das „Dritte Reich“ erhebt sich wirtschaftlich scheinbar mühelos wie Phönix aus der Asche.
Die – von außen betrachtet – glückliche und prosperierende deutsche Volksgemeinschaft feiert die neugebauten Autobahnen nebst neugewonnener Zuversicht.
Ausgerechnet Deutschland – ein ausgezehrtes Land, hochverschuldet und von der Weltwirtschaftskrise nach dem Schwarzen Freitag besonders hart getroffen.
Ein Land mit einer Industrieproduktion, die in der Krise auf den Stand der 1890er Jahre abgesackt ist, und bis vor kurzem am Rand eines Bürgerkriegs stand.
Ausgerechnet dieses Land macht es allen anderen vor, wie man sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zieht. Scheinbar.
Hitlers Autobahnen, MeFo-Wechsel, Lügen und Täuschungen – ohne die Hitlers Weg in den Krieg nie funktioniert hätte: Autobahn und Mefo-Wechsel
Hitlers Drittes Reich hat seinen ökonomischen Aufschwung nach 1933 Hjalmar Schacht zu verdanken, nach der „Machtergreifung“ zunächst Reichsbankpräsident und ab1934 auch Reichswirtschaftsminister.
Schacht ist ein herausragender Finanzexperte und Hitlers Hexenmeister, der mit einer Briefkastenfirma namens Metallurgische Forschungsgesellschaft und ihrer Scheinwährung, den MeFo-Wechseln, die Grundlage für das Nazi-Wirtschaftswunder nach 1933 schafft.
Der einzige Sinn und Zweck der „MeFo“ ist, Schulden zu machen.
Es ist eine Scheinwährung, die in der offiziellen Bilanz nicht auftaucht.
Gut verzinst und von der Reichsbank gedeckt, werden mit MeFo-Wechseln ab 1933 der größte Teil der Rüstungsaufträge finanziert, die bald nach Hitlers Machtergreifung in die Auftragsbücher von Thyssen, Krupp, der IG-Farben und vielen anderen Firmen sprudeln und den Grundstein für das nationalsozialistische Job-Wunder legen.
Dass die Nazis ihr eigenes Geld erfunden haben und ihre Wirtschaft auf tönernen Füßen steht, ahnt niemand.
Hjalmar Schacht wird nervös
Es scheint, als habe Hjalmar Schacht mit seinen MeFo-Wechseln das Perpetuum mobile erfunden, mit dem sich Deutschlands Wirtschaft endlich aus dem Würgegriff der großen Depression befreien kann.
Aber Schacht wird nervös.

Hitlers Reichsbankchef, Reichswirtschaftsminister und Erfinder der Mefo-Wechsel Hjalmar Schacht, 1931.
Bundesarchiv, Bild 102–12733 / CC-BY-SA 3.0, CCBY-SA 3.0 de
Er befürchtet den Kollaps, wenn die Rüstungsschraube, die er selbst erst erfunden und ermöglicht hat, überdreht wird.
Zum einen werden die Wechsel irgendwann fällig. Irgendwann werden ihre Besitzer sie gegen echte Reichsmark eintauschen wollen, auch wenn man versucht, sie so lange wie möglich im Umlauf zu halten.
Aber so viel echtes Geld gibt es gar nicht, um alle Wechsel bedienen zu können.
Zum anderen muss das rohstoffarme Deutschland Rohmaterialien wie Kautschuk, Öl und Erz einführen und mit echtem Geld oder Gold bezahlen.
- Die sowieso schon knappen Devisenreserven der Reichsbank schmelzen wegen des steigenden Rohstoff-Hungers der Rüstungsindustrie rapide dahin; das Deutsche Reich führt deutlich mehr Waren ein als aus, was seine ohnehin schon angeschlagene Ökonomie noch mehr in Schieflage bringt.
Ende 1936 wird wegen der grassierenden Devisenknappheit der „zweite Vierjahresplan“ ins Leben gerufen, für den Hermann Göring zuständig ist.
Der „zweiter Mann im Reich“ nach Hitler ist damit Beauftragter für Devisen, Preiskontrolle, Handel und Investition. (Die Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit unter Hitlers Motto „Gebt mit vier Jahre Zeit“ wurde nachträglich zum ersten Vierjahresplan deklariert.)
Die deutsche Wirtschaft und der Zweite Weltkrieg
Die Quandts, die Flicks, die von Fincks, die Porsche-Piëchs, die Oetkers: Keine der deutschen Unternehmerdynastien konnte sich dem Sog des NS-Regimes entziehen.
Ein spannender Einblick über die Verstrickungen bekannter deutscher Unternehmen im “Dritten Reich”.
Kriegsvorbereitung durch Autarkie
Dieser zweite Vierjahresplan ab 1936 — von Goebbels‘ Propaganda zum „Programm zur Ernährungssicherung“ verklärt — soll die Kriegsvorbereitungen durch Autarkie beschleunigen.
Das Dritte Reich will sich von allen Importen, die Devisen kosten, unabhängig machen.
- Man beginnt, aus Kohle synthetischen Treibstoff herzustellen, um weniger Öl importieren zu müssen. Die Buna-Werke in Schkopau liefern ab 1937 synthetischen Kautschuk, in Salzgitter werden die Hermann-Göring-Werke gegründet, um aus den dortigen – geringwertigen – Eisenerzvorkommen Stahl zu produzieren.
Der selbstgemachte Stahl aus Salzgitter ist allerdings dreimal so teuer wie der Importstahl aus Rumänien oder der UDSSR – und auch noch deutlich schlechter.
Hjalmar Schacht findet die neue deutsche Autarkiepolitik nicht nur zu teuer, sondern auch eine Verschwendung an Geld und Ressourcen. Es kommt zu heftigen Auseinandersetzungen mit Göring, der als Vierjahresplan-Beauftragter unverfroren in Schachts Kompetenzen als Reichswirtschaftsminister eingreift und ihn damit immer wieder düpiert.
- Hitler tut das, was er in solchen Situationen immer tut. Nichts.
Er lässt Schacht und Göring streiten und wartet ab.
Im November 1937 wirft Schacht als Reichswirtschaftsminister entnervt das Handtuch und tritt von seinem Posten zurück, bleibt aber Reichsbankpräsident. Sein Nachfolger im Wirtschaftsministerium wird Göring.
1938: Das Dritte Reich ist bankrott
Zu Beginn des Jahres 1938 geht es großen Teilen der deutschen Bevölkerung wirtschaftlich so gut wie nie, während das Dritte Reich kurz vor der Staatspleite steht.
Das offizielle staatliche Haushaltsdefizit liegt bei zwei Milliarden Reichsmark, tatsächlich klafft aber eine Lücke von fast zehn Milliarden Reichsmark zwischen Soll und Haben.
Die Schuldenaufnahme stößt an ihre Grenzen und die ersten Mefo-Wechsel werden fällig, müssen also bezahlt werden.
Sogar die Kriegsvorbereitungen werden durch die desolate wirtschaftliche Lage gefährdet.
Um das zu verhindern, übernimmt Hitler persönlich das Oberkommando der Wehrmacht und lässt sie am 4. März 1938 in Österreich einmarschieren.
Mit dem „Anschluss“ Österreichs fallen dem NS-Regime nicht nur frische Goldreserven in die Hände, sondern auch weitere 192.000 Menschen jüdischer Herkunft.
Viele österreichische Hitler-Anhänger verstehen allerdings die Zeichen aus Berlin falsch und schlagen besonders in Wien mit einem jüdischen Bevölkerungsanteil von neun Prozent los.
In wochenlangen Ausschreitungen werden im März und April 1938 jüdische Ladenbesitzer in unorganisierten Aktionen aus ihren Geschäften geprügelt und von mittelständischen NSDAP-Mitgliedern de facto zwangsenteignet.
Hermann Göring tobt angesichts der anarchischen österreichischen Raubzüge, die schließlich kein, so Göring, „Versorgungssystem untüchtiger Parteigenossen“ seien.
Der bankrotte NS-Staat braucht das jüdische Geld selbst. Jüdische Familien und Unternehmer sind für die Nationalsozialisten das „Ass im Ärmel“ zur Finanzierung ihrer Kriegspläne.
Die Deutschen lieben ihren “Führer” …
dazu braucht es ab Mitte der 1930er Jahre nicht mal mehr Propaganda und Stürmerhetze.
Der Journalist und Historiker Tillmann Bendikowski über das normale Leben der Volksgenossinnen und Volksgenossen, ihr Alltag zwischen Propaganda, Volksgemeinschaft und Führerkult.
Nieder mit der Zinsknechtschaft! Das “Dritte Reich”, die Wirtschaft und die Juden
Die „schleichende Entjudung“, wie es Heinrich Himmler nennt, ist im Altreich seit 1933 in vollem Gang: Mit dem „Berufsbeamtengesetz“ und dem „Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft“ verloren bereits 1933 etwa 37.000 Menschen ihre berufliche Existenz.
Mit den „Nürnberger Gesetzen“ zur Rassentrennung wird der Druck ab September 1935 weiter erhöht, woraufhin viele Unternehmer jüdischer Herkunft keine Option mehr sehen und aufgeben.
Allerdings sind viele Deutsche besonders in den ersten Jahren nach der Machtergreifung weit weniger fanatisch und antisemitisch, als es den Nationalsozialisten lieb ist.
Der erste staatlich angeordnete Boykott jüdischer Geschäfte, der am 1. April 1933 beginnt und eine Woche dauern soll, wird bereits nach einem Tag wieder abgeblasen.

SA-Mitglieder kleben an das Schaufenster eines Berliner jüdischen Geschäfts ein Schild mit der Aufschrift “Deutsche, wehrt euch, kauft nicht bei Juden”
Bundesarchiv, Bild 102–14468 / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0
Vor allem in den Städten reagieren viele Deutsche äußerst reserviert auf den Boykottaufruf und aus dem Ausland hagelt es scharfe Proteste bis hin zu Boykottandrohungen deutscher Waren.
Auch Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht ist ein erklärter Gegner jeglicher antijüdischen Boykottmaßnahmen, weil sie seiner Meinung nach der Währungsstabilität der Reichsmark schaden und die Deviseneinnahmen in Gefahr bringen.
Erst nach seinem Rücktritt als Reichswirtschaftsminister im November 1937 wird ein neuer Boykott gegen jüdische Betriebe und Geschäfte für das Weihnachtsgeschäft 1937 organisiert.
Die “Reichskristallnacht”
Man bedient sich uralter Ressentiments, hämmert den Deutschen das Zerrbild des prinzipienlosen jüdischen internationalen Finanzkapitalismus in die Köpfe.
Die Verschwörungstheorie über jüdische Großkapitalisten, die angeblich die Deutschen mit dem Ende des schrecklichen Krieges 1918, dem Versailler Vertrag und der Weltwirtschaftskrise 1929 ins Unglück gestürzt haben, ist viel eingängiger und leichter zu verstehen, als die komplexen Zusammenhänge, die tatsächlich dazu geführt haben.

Der ist Schuld am Kriege!
Von Hans Schweitzer aka Mjölnir
„Nieder mit der Zinsknechtschaft“ ist eine alte Forderung aus der Frühzeit der NSDAP.
Die nationalsozialistische Ideologie unterscheidet zwischen gutem und bösen, zwischen „national schaffendem und international-raffendem“ Kapital — das jetzt nicht nur „böse“, sondern auch ausschließlich „jüdisch“ ist.
„Unter Brechung der Zinsknechtschaft verstehen wir die Beseitigung der tyrannischen Geldgewalt der Börse in Staat und Wirtschaft, die das schaffende Volk ausbeutet, moralisch verseucht und zum nationalen Denken unfähig macht.“
Joseph Goebbels, Das kleine Abc des Nationalsozialisten,1925
Gemäß dem nationalsozialistischen Verschwörungsmythos ist auch der Marxismus-Leninismus jüdisch.
Die jahrelange Hetze über jüdisches Großkapital, das dem deutschen Volk schaden will, und die jüdisch-kommunistische Weltverschwörung zeigen schließlich Wirkung.
Ende April 1938 erlässt Göring ein Gesetz, das alle Juden im Reich zwingt, ihre Vermögensverhältnisse beim Finanzamt detailliert offenzulegen. Das geschätzte Gesamtvermögen von etwa 8,5 Milliarden Reichsmark soll das Haushaltsdefizit verringern, sobald man die Beraubten ins Ausland vertrieben hat.
Der 9. November 1938 und seine Hintergründe: 9. November 1938: “Kristallnacht”
Als am 9. Und 10. November 1938 das staatlich angeordnete Pogrom, die sogenannte „Reichskristallnacht“, stattfindet, sehen viele tatenlos zu, wie ihre jüdischen Nachbarn aus ihren Wohnungen geprügelt und ausgeplündert werden, viele machen sogar mit.
Etwa 400 Menschen werden ermordet oder in den Selbstmord getrieben, 1400 Synagogen und Versammlungsräume zerstört, unzählige Wohnungen und Geschäfte verwüstet.
Für die Schäden der „Reichskristallnacht“ werden die jüdischen Gemeinden zur Zahlung einer „Sühneleistung“ von 1 Milliarde Reichsmark aufgefordert.
Die NS-Kriegswirtschaft: Sparen, Plündern, Rauben und Aushungern
Im Januar 1939 wagt Noch-Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht einen erneuten Vorstoß und wendet sich mit einem Brandbrief an Hitler, in dem er ihn eindringlich vor den wirtschaftlichen Folgen des nationalsozialistischen Rüstungs-Wahnsinns warnt:
„… Für Hjalmar Schacht ist im Januar 1939 die Schmerzgrenze überschritten: In einem persönlichen Brief an Adolf Hitler warnt er den Diktator, dass das ‚Anschwellen der Ausgaben‘ Staatsfinanzen und Währung ‚zerrütte‘.“
GEO Epoche, Deutschland unter dem Hakenkreuz, Teil 1: 1933 — 1936. Die ersten 1000 Tage der Diktatur*
Statt einer Antwort entlässt Hitler Schacht aus seinem Amt und ernennt sich selbst zum Chef der Reichsbank.
Nun ist die Bahn frei für die letzten Meter bis zum lange vorbereiten Krieg.
Hitlers Wirtschaftsordnung beruhte von Anfang an auf Expansion.
Krieg ist für ihn keine Option, sondern sein Lebensinhalt. Und eine wirtschaftliche Notwendigkeit, denn ohne Krieg würde der gesamte deutsche Staatshaushalt über kurz oder lang implodieren.
Die Deutsche Öffentlichkeit bekommt davon nichts mit.
Genauso schleichend wie der Antisemitismus setzt sich auch die Militarisierung durch ständige Hetze und Propaganda in den Köpfen der Volksgenossinen und Volksgenossen fest: Die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht 1936, die Zurschaustellung von Waffen und Soldaten bei etlichen Militärparaden und Aufmärschen, Hitlers außenpolitischen Vabanque-Spiel: Österreich 1938, das Sudetenland 1938 und schließlich die „Zerschlagung der Rest-Tschechei“ im März 1939.
Aufrüstung und Kriegsvorbereitungen werden zum öffentlichen Spektakel, ohne dass es jemand merkt.
Den Überfall auf Polen am 1. September 1939 muss Hitler trotzdem mit einer Lüge gegenüber dem bestürzten Volk rechtfertigen, indem er behauptet, Polen hätte Deutschland angegriffen.
Die nun folgenden Blitzsiege des NS-Regimes — Polen (1939), Dänemark, Norwegen, die Benelux-Staaten und Frankreich (1940), Jugoslawien und Griechenland (1941) — versöhnen die Deutschen mit der Tatsache, dass sie wieder eine Nation im Krieg sind.

Athen, Hissen der Hakenkreuzflagge
Recolored.jpg, Athen, Akropolis, Fotograf: Scheerer, Theodor, May 1941, Bundesarchiv Bild 101I-164‑0389-23A,
Im Jahr 1941 ist das „Großdeutsche Reich“ auf dem Höhepunkt seiner Macht.
Mit Kriegsbeginn hat es sich komplett von der Weltwirtschaft entkoppelt und erfindet seine eigene Wirtschaftsordnung noch einmal komplett neu.
Sie besteht aus Raub, Plünderungen und Hunger.
Der einzige Zweck der Kriegswirtschaft ist, den mörderischen Kreislauf aus Krieg und noch mehr Rüstung aufrechtzuerhalten.
Jedes von den Deutschen besetzte Land wird ausgepresst wie eine Zitrone: Rohstoffe, Gold und Devisen, aber auch Lokomotiven, Turbinen und alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird zusammengepackt und der deutschen Wirtschaft zur Verfügung gestellt.
- Nach der Deportation der Juden aus Paris am 16. Und 17. Juli 1942 plündert man die Wohnungen der Verschleppten und dreht dabei mit pingeliger Niedertracht sogar die Glühbirnen aus den Fassungen, um sie „Heim ins Reich“ zu schicken.
Während die Deutschen ab Oktober 1941 durch „eisernes Sparen“ brav den Geldfluss im Reich am Laufen halten, herrscht hinter der Front das pure Chaos aus Korruption und Raub.
Die Ausplünderung der eroberten Gebiete ist kriegswichtig, denn die Planung sieht vor, dass deutsche Soldaten jeweils aus den Vorräten des besetzten Landes ernährt werden müssen.
Hunger als Kriegsstrategie
Besonders prekär wird die Situation nach dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941.
Hitlers Planer kommen zum Schluss, dass die Nahrungsmittel der eroberten Gebiete nicht ausreichen werden, um 3 Millionen Soldaten, 600.000 Pferde und die Bevölkerung zu ernähren.
Der von Heinrich Himmler beauftragte und am 15. Juli 1941 in der ersten Fassung vorgelegte „Generalplan Ost“ sieht daher vor, eine Hungerblockade gegen die sowjetische Bevölkerung zu verhängen und 30 Millionen „nutzloser Esser“ in den Städten verhungern zu lassen.
Holocaust und Rassenwahn, die „Vernichtung durch Arbeit“ und das systematische Verhungernlassen von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern waren keine Auswüchse eines völlig pervertierten Systems, sondern die logische Fortsetzung dessen, was Hitlers Regime 1933 mit seinen MeFo-Wechseln begonnen hatte.
Selbst 1943/44, als längst klar ist, dass der Krieg verloren ist und die deutsche (Rüstungs-)Wirtschaft den Wettlauf verloren hat, sorgen Männer wie Heinrich Himmler und Albert Speer dafür, dass dieses System bis zum letzten Tag funktioniert.

Auszeichnung des 16-jährigen Hitlerjungen Willi Hübner mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse im März 1945
Zentralbild, März 1945
Die letzten Opfer der NS-Kriegswirtschaft wären die Deutschen selbst gewesen.
Nachdem 1944 beschlossen wurde, dass sämtliche Rohstoffe in die Rüstungsindustrie gesteckt werden sollten, blieb nichts mehr für die Produktion von Düngemittel übrig.
Hitlers Planer erwarteten deshalb den Zusammenbruch der Nahrungsmittelindustrie und eine große Hungerkatastrophe spätestens ab Sommer 1945.
Das hat der 8. Mai 1945 verhindert.
Copyright: Agentur für Bildbiographien, www.bildbiographien.de 2021, überarbeitet 2025
Lesen Sie im nächsten Beitrag: Hitlers Krieg — der „Gröfaz“ (größter Feldherr aller Zeiten) war ein lausiger Militärstratege, dem Wetter, Wegstrecken und Bodenbeschaffenheit völlig egal waren. Im 2. Weltkrieg trifft er mehrere schwerwiegende Fehlentscheidungen und verzockt dadurch sein anfängliches Kriegsglück.
Hitlers Krieg: Größter Feldherr aller Zeiten?
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Sie war eine lang geplante und akribisch vorbereitete Gewaltaktion gegen Juden — zur Finanzierung des längst beschlossenen Weltkrieges.
9. November 1938: „Kristallnacht“
Heim ins Reich: Konrad Henlein, Sudetendeutscher mit tschechischem Großvater, war Turnlehrer und wollte nach eigenem Bekunden auch nie etwas anderes sein. Er wurde zum Aushängeschild nationalsozialistischer Sudetendeutscher, die in den 1930er Jahre kräftig am Weltfrieden zündelten. War Henlein nur Hitlers Marionette und Brandstifter — oder auch Biedermann mit einem eigentlich ernsthaften Anliegen?
Biedermann oder Brandstifter: Konrad Henlein
Nach dem Kriegsende 1945 ist Deutschland zwar ein armes und hungriges Land, ein unterentwickeltes war es nie. Es sind aber nicht nur Fleiß und Ludwig Erhard, die das deutsche “Wirtschaftswunder” ermöglichen, sondern vor allem der kalte Krieg, die Tatsache, dass Deutschlands Kriegsgegner dieses Mal dazugelernt haben, — und nicht zuletzt 12 Millionen Flüchtlinge.
1948: Das Märchen vom Wirtschaftswunder
Joseph Goebbels: Der Reichspropagandaminister verstand es, sich, seine Frau und seine sechs Kinder in Szene zu setzen — und nebenbei als ‘Bock vom Babelsberg’ ein anstrengendes Zweitleben zu führen. Über eine der schillerndsten und merkwürdigsten Paare des ‘Dritten Reichs’ — Joseph und Magda Goebbels.
Magda Goebbels (2): “Der Bock von Babelsberg”
Linkempfehlung:
Der “Generalplan Ost” — lesenswerte Zusammenfassung bei LeMO:
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/voelkermord/generalplan-ost.html
Bildnachweise:
Bundesarchiv, Bild 146‑1983–0117–06/ CC-BY-SA 3.0 de Heldengedenktag 21. März 1943
“Deutschland gedenkt seiner gefallenen Söhne. Der Führer beim Staatsakt in Berlin Ganz Deutschland gedachte am Heldengedenktag 1943, am Sonntag, 21.3.1943, seiner auf dem Felde der Ehre gefallenen Helden. Im Berliner Zeughaus fand aus diesem Anlaß eine Staatsakt statt, an dem auch der Führer teilnahm. Blick in das Zeughaus während des Staatsaktes. Neben dem Führer sitzend Reichsmarschall Göring, Generalfeldmarschall Keitel, Großadmiral Dönitz, Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei, H. Himmler, Generalfeldmarschall Milch, Generalfeldmarschall Bock und Reichskriegsopferführer Oberlindober. Atlanic-Boesig, 21.3.1943”
Flugzeug Junkers Ju 88, Bau, Fotograf unbekannt, Bundesarchiv, Bild 146‑1976–097–22 / CC-BY-SA 3.0, Original-Bildunterschrift: Der Einflieger erprobt “V I” Die neue Flugzeugtype hat alle Gewaltproben, die ihr der Einflieger zumuten musste,überstanden und sich als volltauglich erwiesen. Die Fabrikation in Großserie kann erfolgen. Flugzeug um Flugzeug verläßt täglich die großen Werke, um dem Feind immer von neuem zu zeigen, daß er mit einem Geringerwerden des deutschen Rüstungspotentials nicht zu rechnen hat.
Boykott der Nationalsozialisten gegen jüdische Geschäfte in Deutschland,
SA — Mitglieder kleben an das Schaufenster eines Berliner jüdischen Geschäfts ein Schilder mit der Aufschrift “Deutsche, wehrt euch, kauft nicht bei Juden” Bundesarchiv, Bild 102–14468 / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0
Der ist Schuld am Kriege!.jpg, Autor: Hans Schweitzer aka Mjölnir/ Von Hans Schweitzer aka Mjölnir — https://refresher.sk/45075-Nacisticka-propaganda-bola-plna-symbolov-hrdinstva-a-nadradenosti-cim-sa-stala-ucinnym-nastrojom-vojny?gdpr-accept=1https://www.loc.gov/pictures/item/2003675449/license, CC BY 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=90569597
Bundesarchiv Bild 101I-164‑0389-23A, Athen, Hissen der Hakenkreuzflagge Recolored.jpg, Athen, Akropolis, deutsche Besatzung, Propagandakompanien der Wehrmacht — Heer und Luftwaffe (Bild 101 I)Flagge, Fotograf: Scheerer, Theodor, May 1941
Zentralbild März 1945 II. Weltkrieg 1939–1945 Greise und Kinder sind das letzte Menschenaufgebot, daß die NS-Führung in den Kampf wirft. Der 16-jährige Hitlerjunge Willi Hübner wird nach den schweren Kämpfen um die niederschlesische Stadt Lauban mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. So versuchen die faschistischen Führer Deutschlands Kinden zu “Heldentaten” zu begeistern.
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Dr. Susanne Gebert
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