Ziele erreichen: Warum Anfangen wichtiger ist als Motivation
Wenn es um unsere Ziele geht, sind wir oft Drückeberger.
Aber wenn wir wirklich unsere Ziele erreichen wollen, müssen wir aus guten Absichten konkrete Ziele definieren und anfangen, sie umzusetzen.
In kleinen Schritten und mit täglichen Gewohnheiten — und zur Not auch ohne Motivation.

Ziele erreichen: Gute Absichten und ein bisschen Ziel?
Wenn es um unsere Ziele geht, sind wir oft Drückeberger.
Denn Ziele sind harte Arbeit. Man muss ans Eingemachte gehen und sich entscheiden. Allein die Frage „Was möchte ich erreichen, wo will ich ankommen?” ist eine spannende Reise zu sich selbst.
Deshalb drücken wir uns gerne vor einer klaren Definition unserer Ziele und bleiben stattdessen lieber im Ungefähren und bei unseren guten Absichten:
„Ich möchte versuchen, mehr Sport zu machen.“
„Ich würde gerne gesünder leben.“
„Ich hätte gerne mehr Umsatz.“
Das klingt nach Ziel, tut aber weniger weh.
Denn solange alles vage bleibt und man sich nicht konkret festlegen muss, bleiben alle Möglichkeiten offen — und man muss sich nicht entscheiden.
Nur: Abfahren und mal schau’n, wohin es geht, ist weder ein passabler Fahrplan für die Deutsche Bundesbahn noch für’s eigene Leben.
Konkrete Ziele machen uns Angst
Wer seine Ziele konkret definiert, geht ans Eingemachte.
Denn das „Ja“ zu einem Ziel bedeutet immer auch ein „Nein“ zu einer Alternative: Wer seinen Urlaub an der Nordsee plant, entscheidet sich gleichzeitig gegen Bergwandern und Hüttenzauber. Wer eine Familie mit Kindern haben möchte, muss zumindest für einige Zeit liebgewordene Single-Gewohnheiten und Ausschlafen am Wochenende aufgeben.
Eine eindeutige und unmissverständliche Entscheidung für die Zukunft ist gleichzeitig eine Entscheidung gegen andere Wege und Ziele. Das macht uns Angst.
Und bevor wir uns falsch entscheiden, entscheiden wir lieber gar nicht. Oder nur ein bisschen.
Was wir uns klarmachen sollten: Ein „bisschen Ziel“ gibt es ebenso wenig wie „bisschen schwanger“.

Was kommt, kommt? Wie wir uns vor konkreten Zielen drücken
Gute Absichten und „ein bisschen Ziel“ verkraften wir in der Regel ganz gut, denn wir müssen uns nicht ernsthaft festlegen.
Schließlich versuchen wir es ja nur. Und wenn es zu anstrengend wird, können wir jederzeit aufhören.
„Ich möchte …“ hört sich gut an und sieht nach Ziel aus.
Deswegen nutzen wir solche Absichtserklärungen gerne, wenn uns unser Leben suboptimal vorkommt, wir aber trotzdem nicht gewillt sind, etwas Grundlegendes zu ändern.
Das ist prima, um sich selbst zu beruhigen. Bringt aber keine Veränderung.
Oder erwartet hier irgendjemand ernsthaft, irgendwo anzukommen, wenn er „ans Meer” ins Navi eingibt? Denn genau das sind konkrete Ziele: sie geben die Richtung vor. Das heißt: Ostsee, Nordsee oder Adria — alles zusammen wird es nicht geben, zumindest nicht gleichzeitig.
Wer sich konkrete und realistische Ziele steckt, muss dafür planen, überlegen und möglicherweise Gewohntes ändern und seine Komfortzone verlassen. Und es kommt noch schlimmer: Auf dem Weg kann man scheitern — oder am Ziel ankommen und feststellen, dass es doch nicht so ist, wie wir’s uns vorgestellt haben.
Denn auch diese Erfahrung kennen viele: sich ein Ziel setzen und verfolgen — und enttäuscht sein, sobald man angekommen ist. Kein Wunder also, dass wir unbewusst das Aufbrechen zu neuen Zielen oft vermeiden. Und damit leider auch nie dort ankommen, wo wir eigentlich hinwollen:
Vor Ankommen wird gewarnt!
„ … Wenn das Ziel in weiter Ferne liegt, begreift auch der Dümmste, dass der Weg dorthin lang und beschwerlich und die Reisevorbereitungen umfassend und zeitraubend sind.
Da soll einen nur jemand dafür tadeln, noch nicht einmal aufgebrochen zu sein – und noch weniger droht einem Kritik, wenn man, einmal unterwegs, vom Weg abkommt und im Kreis marschiert oder längere Marschpausen einlegt. Im Gegenteil, für das Verirren im Labyrinth und das Scheitern an übermenschlichen Aufgaben gibt es heroische Vorbilder, in deren Licht man dann selbst etwas mitglänzt.”
Aus: Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein*
Unerfüllte Träume und Wünsche sind bequemer als konkrete Ziele
Konkrete Ziele machen das Leben planbar und anstrengend, wenn man wirklich etwas erreichen will.
Unerfüllte Wünsche sind dagegen spannend, machen uns neugierig und heben die Stimmung: Lieber davon träumen, eines Tages ein Wirtschaftsmogul oder Filmstar zu sein, anstatt sich auf den steinigen Weg des Anfangens und Lernens zu machen.
Superstar werden, eine Firma gründen, deren Gewinn in Nullkommanix durch die Decke geht, den Traummann heiraten, zehn Kinder bekommen und glücklich bis ans Ende aller Tage leben. Und das alles ohne die Gefahr, am Ende möglicherweise zu scheitern oder vom Ziel enttäuscht zu sein.

Ziele sind mühsam und man muss sich mit einer „Politik der kleinen Schritte“ an sie heranarbeiten — die einmalige Teilnahme bei Deutschland sucht den Superstar bringt in der Regel nicht den Durchbruch.
Die meisten Superstars und supererfolgreichen Firmengründer haben sich ihren Weg durch jahrelanges Klinkenputzen und sehr viel Übung, Scheitern, Lernen, Aufstehen und Weitermachen hart erkämpft.
Es gibt keine Firmengründung, die von Jetzt auf Gleich satte Gewinne einfährt. Das hat nicht mal Steve Jobs geschafft.
Klar können wir uns in unseren guten Absichten und wilden Träumen verlieren und so tun als ob.
Aber wenn Stillstand keine Option ist und sich wirklich etwas ändern soll, müssen wir uns trauen, unsere Komfortzone zu verlassen — und konkrete Ziele festlegen, damit wir uns unterwegs nicht verlaufen.
SMARTe Ziele definieren
Wer ein Ziel erreichen will, muss sich auf den Weg machen; gute Vorsätze allein reichen nicht aus.
Eine Hilfestellung, um zwischen vagen Wünschen und echten Zielen zu unterscheiden, ist die SMART-Formel mit fünf Regeln, mit der man seine Ziele so konkret wie möglich definieren kann:
Spezifisch
Finger weg von Fremd-Zielen und falschen Idealen. Zu einem selbstbestimmten Leben gehören selbstbestimmte Ziele. Deshalb steht am Anfang die Frage:
Will ich das wirklich?
Wer sich „regelmäßig joggen” vornimmt, aber sein ganzes Leben lang noch nie Spaß vor, während oder nach dem Joggen hatte, schaufelt damit schonmal das Grab, in dem er das Ziel Joggen bzw. „mehr Sport treiben” demnächst beerdigen wird. Erst wenn das grundsätzliche Was? geklärt ist, also ein spezifisches und persönlich erstrebenswertes Ziel feststeht, sollte man dafür seinen Plan für die Umsetzung entwickeln.
Messbar
„Regelmäßig joggen“ klingt gut, lässt aber viel Interpretationsspielraum.
Messbarer wäre: mittwochs eine halbe Stunde und sonntags vor dem Frühstück eine Dreiviertelstunde laufen.
Jetzt ist klar, was gemeint ist.
Aktionsorientiert
Ein Ziel sollte nicht nur beschreiben, was erreicht werden soll, sondern auch den Weg ins Tun eröffnen.
Aus: „Ich möchte mehr schreiben.“
wird: „Ich schreibe jeden Dienstag- und Donnerstagabend 20 Minuten.“
Aus: „Ich möchte Ordnung schaffen.“
wird: „Ich räume jeden Abend zehn Minuten auf.“ (Küchenwecker stellen! Es sollen wirklich immer nur zehn Minuten sein.)
Das Ziel wird dadurch handhabbar.
Extra-Tipp: Die 2‑Minuten-Regel
Wenn eine Aufgabe in weniger als 2 Minuten erledigt werden kann – mach sie sofort.
Spül den Teller weg, sortiere die Papiere, räume kurz auf. Kleine Gewohnheiten verhindern, dass Chaos entsteht – ob zu Hause, im Büro oder in der Gesellschaft.
Diese Regel basiert auf dem Broken-Window-Effekt (auf Deutsch: „Zerbrochene-Fenster-Theorie“), der 1982 erstmals in der Sozialpsychologie formuliert wurde: Kleine Anzeichen von Nachlässigkeit führen oft zu mehr Unordnung oder Regelverstößen. Die große Gefahr dabei: Die äußere Unordnung führt zur inneren Unordnung (… in unserem Kopf …). Der Bücherstapel in der Küche, ein unaufgeräumter Schreibtisch – und zack — hat man das Gefühl, dass man die ungeöffnete Post auch noch schnell auf den Haufen werfen kann.
Realistisch
Ziele dürfen ehrgeizig sein.
Aber wer sich eine erste Million auf dem Konto vornimmt, braucht vermutlich mehr als einen guten Vorsatz oder Glück im Lotto.
Ein realistisches Ziel berücksichtigt Zeit, Ressourcen, Fähigkeiten und die Bereitschaft, den notwendigen Aufwand tatsächlich zu leisten. Und: „Im Lotto gewinnen” gilt nicht als Ziel, weil wir darauf Einfluss haben.
Terminiert
Ein Ziel ohne zeitlichen Rahmen bleibt oft eine Absicht. Deshalb ist ein klarer, realistischer Terminplan sinnvoll: Was will ich wann erreicht haben?
Zwischenziele und regelmäßige Zwischenbilanzen helfen dabei, sichtbar zu machen, was bereits funktioniert – und wo nachjustiert werden muss. Denn nichts motiviert so sehr wie erste Fortschritte.
Extra-Tipp:
To-Do-Listen zeigen, was noch offen ist.
Done-Listen zeigen, was man bereits geschafft hat.
Sie machen Mut, geben Selbstvertrauen – und zeigen schwarz auf weiß, wie viel man schon bewegt hat.
Schau zurück, klopf dir auf die Schulter — und geh weiter.
Anfangen: Ziele erreichen beginnt nicht mit Motivation, sondern mit Üben
Viele Menschen warten auf Motivation oder Inspiration, um damit anzufangen, ihre Ziele zu erreichen. Sie schreiben Pläne, formulieren ihre SMARTen Ziele perfekt aus und überlegen, wie die Umsetzung aussehen könnte.
James Clear beschreibt dazu in seinem lesenswerten Buch Die 1%-Methode* das spannende Experiment von Jerry Uelsmann, Professor für Filmfotografie an der University of Florida. Uelsmann unterteilte seine Fotografie-Studierenden in zwei Gruppen: Eine Gruppe sollte möglichst viele Fotos produzieren, die andere Gruppe sollte ein einziges, möglichst perfektes Bild abliefern.
Gruppe 1 fotografierte also wie wild drauf los, während sich Gruppe 2 theoretisch mit der Frage nach dem perfekten Bild auseinandersetzte. Wer schließlich die perfekte Fotografie ablieferte?
Verblüffenderweise nicht die Qualitätsgruppe, sondern die Viel-Fotografierer der Gruppe 1: Sie probierten aus, machten Fehler, lernten daraus und verbesserten ihre Arbeit.
Beim Machen entsteht Qualität – nicht beim theoretischen Planen.
Wer auf Motivation wartet, die vielleicht nie kommt, weil man Angst vor Fehlern oder sogar Scheitern hat, sammelt keine Erfahrungen. Deshalb gilt: Erst wenn man sich bewegt, kommt auch etwas in Bewegung.
Es lohnt sich anzufangen, auch wenn man sich nicht motiviert fühlt. Nicht viel und nicht lang — Hauptsache anfangen!
Ein unperfekter Anfang ist wertvoller als ein perfekter Plan, der nie umgesetzt wird:
- Du schreibst kein Buch, indem du nur über Struktur und Kapitel nachdenkst.
- Du wirst nicht fitter, weil du dich mit einem Personal Trainer unterhältst.
- Du veränderst nichts, solange du nur planst.
Ziele erreichen: Warum wir so gerne auf den richtigen Moment warten
Ein klares Ziel zu haben, ist nur der Anfang.
Warum wir uns oft vor Entscheidungen drücken, weshalb Motivation nicht unbedingt am Anfang stehen muss und wie kleine Schritte und gute Gewohnheiten tatsächlich Veränderung bringen:
Fazit: Das Ziel gibt die Richtung vor – Gewohnheiten bringen uns dorthin
Fragen wie „Wo will ich in 5 Jahren sein?” und „Was will ich in 5 Jahren erreicht haben?” klingen ein bisschen abgedroschen und ziemlich nach Bewerbungsgespräch. Trotzdem sind sie wichtig.
Denn sie werfen ein Schlaglicht darauf, ob wir wirklich ein Ziel haben und etwas ändern oder erreichen wollen.
Oder doch lieber im Nebel und beim „Ich möchte vielleicht irgendwann mal …“ bleiben.
Ziele brauchen Mut und einen Plan.
Wer mit halben Absichten losgeht, landet oft im Frust.
„Ich will gesünder leben“ ist kein Ziel, sondern eine Idee.
„Ich gehe mittwochs joggen und koche sonntags vor“ – das ist ein Plan.
Sobald man (s)ein Ziel gefunden hat, helfen neue Routinen und Gewohnheiten bei der Umsetzung.
Denn beim Machen entsteht Qualität – nicht beim Planen, Träumen oder Wünschen. Wer sich weiterentwickeln will, muss zur Not auch ohne Motivation loslegen, auch wenn das erstmal unbequem ist.
Oder wie James Clear es ausdrückt:
Die 1% Methode
„ … Erfolg ist das Ergebnis täglicher Gewohnheiten, nicht einmaliger Veränderungen.”
Aus: James Clear, Die 1%-Methode – Minimale Veränderung, maximale Wirkung: Mit kleinen Gewohnheiten jedes Ziel erreichen*
„Was kommt, kommt“ ist kein Lebensentwurf, sondern ein Ausweichen vor der (Selbst-)Verantwortung.
Wer vage bleibt, bewegt sich im Kreis und das fühlt sich irgendwann leer an.
Ein konkretes Ziel zu haben, sich zu nähern und dort anzukommen, wo man hinwill, ist eben nicht nur mühsam. Sondern es kann beflügeln und richtig viel Spaß machen!
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Copyright: Agentur für Bildbiographien, www.bildbiographien.de 2015, überarbeitet 2026
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Paul Watzlawicks Anleitung zum Unglücklichsein ist kein klassischer Ratgeber – und gerade deshalb so passend.
Mit viel Ironie zeigt Watzlawick, wie wir durch unsere eigenen Denk- und Verhaltensmuster verhindern können, dass sich etwas verändert.
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Eine Minute schreiben. Einmal die Laufschuhe anziehen. Eine Schublade aufräumen. BJ Fogg zeigt, wie klein eine neue Gewohnheit sein darf, damit Veränderung überhaupt ins Rollen kommt – und warum weniger oft mehr ist.
Ein sehr lesenswertes Buch und eine perfekte Ergänzung zu James Clears 1% Methode!
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Bildnachweise
Agentur für Bildbiographien
Portrait of Harry Belafonte, Almanac, 1954 Feb. 18., Fotografie von Carl Van Vechten, gemeinfrei
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Dr. Susanne Gebert
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