Akzeptanz, Optimismus, gute Beziehungen, Humor, das Gefühl der Selbstwirksamkeit, eigene Werte und Veränderungsbereitschaft: das sind die 7 Säulen der Resilienz, die wir brauchen, um Krisen besser bewältigen und das Leben leichter nehmen zu können.
Der 2. Weltkrieg: Was passiert mit denen, die durch die Hölle gegangen sind?
Fast niemand konnte sich kurz nach 1945 vorstellen, dass es auf diesem zerstörten Kontinent Europa mit seinen zerstörten Menschen und Schicksalen jemals wieder so etwas wie ein „normales Leben“ geben könnte.
Würden sich die Menschen — und vor allem die Kinder — irgendwann von ihren Erlebnissen und Erinnerungen erholen können?
Verwundbar, aber unbesiegbar: Emmy Werner und die starken Kinder von Kauai
Es ist kein Zufall, dass in der Zeit nach 1945 weltweit die intensive Erforschung von seelischen Traumata bei Kindern beginnt.
Eine der ersten, die der Frage nachgeht, wie Lebensumstände die Entwicklung von Kindern beeinflussen, ist die amerikanische Psychologin Emmy Werner.
Zehn Jahre nach Kriegsende, im Jahr 1955, beginnt sie zusammen mit ihrem Team die Beobachtung von knapp 700 Kindern, die in diesem Jahr auf der Hawaii-Insel Kauai geboren werden. Ihre Untersuchung wird zur Grundlage für das, was man heute über Persönlichkeitsentwicklung und die Verarbeitung seelischer Verletzungen weiß.
Das Team um Emmy Werner kannte „seine“ Babys ab dem ersten Schrei, also von Geburt an.
Nach den ersten Jahren des Beobachtungszeitraums stellen die Entwicklungspsychologen das fest, was zu erwarten war: Kinder, die in ihrem Elternhaus Risikofaktoren wie Krankheit oder Armut ausgesetzt sind, entwickeln sich schlechter als ihre Altersgenossen, die geschützt und wohlbehütet aufwachsen.
Wer sein Leben mit schlechten Startchancen beginnen muss, hat später ein höheres Risiko, verhaltensauffällig, psychisch oder körperlich krank und beruflich weniger erfolgreich zu sein.
Ein Ergebnis der Kauai-Studie ließ allerdings aufmerken: Etwa ein Drittel der gefährdeten Kinder gedieh trotz aller Risikofaktoren viel besser als erwartet.
Es waren Kinder, die genau wie alle anderen aus „schlechten Verhältnissen“ stammten, in zerrütteten Familien aufwuchsen und von Kindesbeinen an die Folgen von Armut, geringer Bildung und Alkohol- oder Drogenprobleme zu spüren bekamen.
Trotzdem gelang es dem glücklichen Drittel, sich davon freizumachen und zu erfolgreichen und zufriedenen Erwachsenen heranzuwachsen, während die anderen Risikokinder in ihrem späteren Leben scheiterten und unterm Strich als Erwachsene das gleiche frustrierende Leben führten wie ihre Eltern.
Der Schutzfaktor des glücklichen Drittels
Was war es, was diese Kinder trotz schlechter Startchancen „unverwundbar“ machte?
Bei genauerem Hinsehen stellte Emmy Werners Team fest, dass viele der widerstandsfähigen Kinder sehr ähnliche Persönlichkeitsmerkmale hatten: ein ruhiges Temperament, Offenheit, Kontaktfreudigkeit, Anpassungsfähigkeit und Selbstvertrauen.
Aber der wichtigste Schutzfaktor war, so das Ergebnis der Studie, die dauerhafte und verlässliche Bindung zu einer stabilen und zugewandten Bezugsperson.
Man fand heraus, dass nicht zwangsläufig Mutter oder Vater der stabilisierende Anker im Leben ihrer Kinder sein müssen, sondern dass auch andere Menschen aus ihrem Umfeld diese Funktion übernehmen können, wenn die Eltern dazu nicht in der Lage sind: eine liebevolle Oma beispielsweise, ein älteres Geschwisterkind, eine Nachbarin oder auch ein Lehrer oder eine Lehrerin, der oder die sich um das Kind kümmern.
Wichtig ist nur, d a s s es eine Bezugsperson gibt, die dem Kind Geborgenheit schenkt, seine Fortschritte anerkennt, seine Fähigkeiten fördert und es unabhängig von Leistung und Wohlverhalten liebt. Das macht Kinder stark – im Sinn von „sie lassen sich nicht unterkriegen“.
„Sie sind verwundbar, aber unbesiegbar“, hat Emmy Werner die besonderen Fähigkeiten der starken Kinder von Kauai zusammengefasst.
Durch ihre Pionierarbeit fand ein Begriff aus der Physik Einzug in die Psychologie: „Resilienz“ – Widerstandskraft.
Boris Cyrulnik: Dem Trauma einen Sinn geben
Nach Emmy Werners Maßstäben wäre auch Boris Cyrulnik, der heute als „Vater der Resilienzforschung“ gilt, eines der Risikokinder in ihrer Kauai-Studie gewesen.
Cyrulnik wurde als Sohn jüdischer Eltern im französischen Bordeaux geboren und musste 1944 als kleiner Junge mit ansehen, wie seine Eltern abgeholt und deportiert wurden. Später erfuhr er, dass seine gesamte Familie in Auschwitz ermordet worden war.
Kurz vor ihrer Deportation hatten seine Eltern ihn bei Nachbarn untergebracht, um wenigstens ihren Jungen in Sicherheit zu wissen.

Aber nach wenigen Tagen übergab ihn seine Gastfamilie den Behörden; die Angst vor der drakonischen Strafe, die für das Verstecken von Juden drohte, war zu groß. Der kleine Boris konnte mit knapper Not fliehen und entging dadurch seiner Deportation. Bis zum Kriegsende schlug er sich unter falschem Namen allein auf einem Bauernhof durch. Erst im Alter von zehn Jahren kam er zu Pflegeeltern, die ihn großzogen. Er wuchs ohne irgendeinen leiblichen Verwandten auf.
Boris Cyrulnik studierte als junger Mann zunächst Medizin und ließ sich anschließend zum Psychoanalytiker ausbilden, weil ihm klar wurde, dass er seinen eigenen Lebensweg gründlich beleuchten musste, um ein glückliches Leben führen zu können. Später studierte er zusätzlich Neuropsychiatrie, um auch die neurologische Basis unserer Psyche verstehen zu können.
Sein Berufsleben widmete Cyrulnik traumatisierten Kindern.
Resilienz: Unsere Geschichte bestimmt nicht unser Schicksal
Wenn etwas Schlimmes passiert, sind viele Menschen am Boden zerstört. Manche sind wie gelähmt und nicht in der Lage, in irgendeiner Form zu reagieren. Sie fallen in ein tiefes Loch bis hin zur Depression.
Andere reagieren ganz anders. Sie kommen anscheinend nicht nur mit dem normalen Auf und Ab des Lebens besser klar, sondern auch mit schweren Verlusten und Traumata. Sie finden für sich Strategien, um traumatische Erfahrungen bewältigen zu können, und es kommt sogar oft vor, dass für sie ein Trauma zu einer Art Sprungbrett wird, um stärker zu werden.
Kann man durch schreckliche Erfahrungen sogar zu einem besseren Menschen werden?
Einer der größten Verdienste Boris Cyrulniks ist, dass er zunächst mit dem Vorurteil aufräumte, resiliente Menschen wären gefühlsarm. Lange Zeit wurde sogar in der Wissenschaft vermutet, Resiliente würden einfach weniger empfinden als andere, sozusagen ihr Leben als unsensible und teflonbeschichtete Elefanten im Porzellanladen führen, die gar nicht mitbekommen, was ihnen widerfahren ist.
Cyrulnik widerlegte durch seine Forschung diese Annahme. Er fand heraus, dass resiliente Menschen genauso leiden wie alle anderen. Sie „vergessen“ oder verdrängen leidvolle Erfahrungen auch nicht, sondern erinnern sich an den Schmerz oft ein Leben lang.
Trotzdem gelingt es ihnen, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigungen zu überstehen, während andere in ihrem Leiden stecken bleiben. Wie ist das möglich?
Durch seine Arbeit mit traumatisierten Kindern fand Cyrulnik heraus, dass Resilienz kein angeborenes Merkmal ist, sondern ein dynamischer Prozess, der sich unter bestimmten Voraussetzungen entwickeln kann.
Es gibt auch nicht die eine Resilienz, sondern viele verschiedene Formen. Resilienz hat nichts mit „Durchhalten“ zu tun, sondern mit Glücklichsein trotz traumatischer Erfahrungen.
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Wichtig ist: Für alle Menschen ist es unmöglich, das Leiden einfach verschwinden zu lassen.
Aber es gibt einen wichtigen Unterschied in der Beurteilung eines Traumas: Resilienten Menschen gelingt es irgendwann, in ihrem Unglück eine Bedeutung zu sehen. Es als aufschlussreiche oder vielleicht sogar nützliche Lebenserfahrung zu begreifen: Erfahrungen, die sie stark machen und denen sie – wie Boris Cyrulnik selbst mit seiner Lebensaufgabe als Arzt und Psychiater – einen Sinn geben können.
„Resilienz ist die Fähigkeit, an furchtbaren Problemen zu wachsen.“
Boris Cyrulnik
Cyrulnik fand heraus, dass Kinder Resilienz vor allem aus der Interaktion mit anderen lernen.
Besonders Kinder können sich von traumatischen Erfahrungen vollständig erholen, wenn man sie dabei unterstützt. Heute weiß man, dass das auch mit Einschränkungen für Erwachsene gilt.
Anhand von MRT-Untersuchungen konnte Cyrulnik nachweisen, dass das Hirn heilen kann und sich eine veränderte Gehirnstruktur beispielsweise bei traumatisierten Kindern nach etwa einem Jahr normalisiert, wenn die Kinder die entsprechende Fürsorge und Unterstützung bekommen.
Sein wichtigster Leitspruch: Niemand sollte als „hoffnungsloser Fall“ abgestempelt werden.
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Resilienz kann man üben.
Resilienz — die Fähigkeit, an Krisen und schwierigen Situationen zu wachsen, statt zu verzweifeln, — kann man üben. In diesem Heft aus der Reihe “Bibliothek der guten Gefühle” gibt es für den Einstieg kurze, gut verständliche Texte über unsere Fähigkeit zur Resilienz, und viele einfach zu befolgenden Übungen. Für alle, die gerade mit einem Thema beschäftigt sind, — oder zum Verschenken.
Isabelle Filliozat, Das kleine Übungsheft: Stark durch Resilienz*, Trinity Verlag, 2016
Eine Krise bewältigen: Die 7 Säulen der Resilienz
Resilienz bedeutet, ein Trauma akzeptieren, es als Herausforderung annehmen und dadurch bewältigen zu können.
Boris Cyrulnik und nach ihm viele seiner Kollegen und Kolleginnen haben nachgewiesen, dass emotionale Widerstandsfähigkeit – Resilienz – nicht angeboren, sondern ein Lernprozess ist, und dass auch Erwachsene Resilienz entwickeln können.
Es gibt einige Faktoren, die die Entfaltung resilienter Bewältigungsstrategien fördern können: zum einen individuelle Faktoren, die von der Funktionsweise unseres Gehirns abhängig sind, zum anderen soziale, die von der Unterstützung aus unserem Umfeld abhängen.
Das Zusammenspiel von individuellen und sozialen Faktoren begünstigt das Entstehen unserer psychischen Resilienz-Mechanismen:
Akzeptanz
Seine Gefühle zu unterdrücken ist ungefähr so sinnvoll wie einen aufgepumpten Ball unter Wasser zu halten: Es kann eine Zeitlang funktionieren, ist aber anstrengend und keine Dauerlösung.
Resilienz bedeutet nicht, seine Gefühle herunterzuschlucken und zu unterdrücken. Angst, Trauer und Wut dürfen und müssen sein. In Krisenzeiten sollte und darf man sich selbst wie ein rohes Ei behandeln und sich pflegen, als ob man eine schwere Grippe hätte.
Wichtig ist, die Hoffnung nicht zu verlieren: Es wird der Tag kommen, an dem man anfängt, das zu akzeptieren, was war und was ist. Eine Phase, in der man Trauer und Überwältigung noch sehr deutlich spürt, aber in der man auch schon einen Schritt zurücktreten kann, um das, was geschehen ist, auf einer rationaleren Ebene zu betrachten.
In dieser Phase der Akzeptanz gelingt es, das Trauma aus einer anderen Perspektive und im größeren Zusammenhang zu betrachten.
Dieser Prozess braucht seine Zeit und lässt sich nicht beschleunigen. Wer sich das Akzeptieren eines einschneidenden Erlebnisses mit positiven Gedanken herbeidenken oder ‑fühlen will, kann auch in seinem Garten am Gras ziehen, damit es schneller wächst. Es wird nichts nützen.
“Wir sehen das, was wir wollen, und bringen uns fast um bei dem Versuch, es zu erreichen. Leider auf eine Art und Weise, die unmöglich ist. Wenn wir jedoch einfach aufhörten, kurz zur Ruhe kämen und die Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachteten …”
Aus: Jen Sincero, Du bist der Hammer! Hör endlich auf, an deiner Großartigkeit zu zweifeln, und beginn ein fantastisches Leben*
Optimismus
Optimismus hat viel mit der „Geschichte“ zu tun, die wir uns selbst erzählen: Sind wir eher ein „Gewinner-Typ“, der schon viele schwierige Situationen erfolgreich gemeistert und das Beste daraus gemacht hat – oder das arme Würstchen, das trotz redlichen Bemühens immer wieder vom Schicksal abgewatscht wird.
Wie viel Vertrauen haben wir in unsere eigene innere Stärke? Und in unser Umfeld?
Aus Zwillingsstudien weiß man, dass eine optimistische Grundhaltung gegenüber dem Leben nur zum Teil vererbt wird. Ein großer Teil ist erlernt und damit beeinflussbar.
Im Wesentlichen gibt es drei große Unterschiede zwischen Optimisten und Pessimisten:
- Pessimisten gehen davon aus, dass eine Krise oder eine schwierige Lebensphase von Dauer sein wird, während Optimisten sie für vorübergehend halten und sie deshalb besser ertragen können
- Alles oder nichts: Für Pessimisten überschattet eine Krise oder ein Rückschlag das gesamte Leben, Optimisten nehmen Misserfolge als etwas wahr, dass nur einen Lebensbereich betrifft, während alle anderen Bereiche in Ordnung sind
- Für Pessimisten sind Misserfolge und Krisen überwältigend und unkontrollierbar. Sie glauben nicht, dass sie selbst irgendetwas tun können. Optimisten beginnen relativ schnell mit der Suche nach einem Ausweg
Der Rauswurf aus der Schule nachdem man zweimal hintereinander das Klassenziel gerissen hat, ist erstmal schlimm, aber es wäre nicht das erste Mal, dass genau diese Krise zum Startschuss für eine erfolgreiche Karriere wird. Eine Erkrankung kann der notwendige Schuss vor den Bug sein, der uns klarmacht, dass es so, wie es ist, nicht mehr weitergehen kann.
Auch schlechte oder traumatische Erfahrungen können zu neuen und erfolgreichen Wegen führen und sogar besondere Fähigkeiten und Talente freilegen, die in uns schlummern.
Wenn uns der Teppich unter den Füßen weggerissen wird und wir schockiert, verletzt und voller Sorgen sind, können wir den Nutzen dieser Erfahrung, die wir lieber nicht gemacht hätten, natürlich erstmal nicht erkennen. Nach einer gewissen Zeit wird er sich aber offenbaren. Dieses Vertrauen auf bessere Zeiten und Lösungswege unterscheidet Optimisten von Pessimisten.
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Paul Watzlawicks Klassiker übers Glücklichsein.
Ein wunderbares Buch über die Strategien und Fallen, mit denen wir uns selbst ins Unglück stürzen. Viele “Aha”-Erlebnisse, in denen man sich (leider) wiedererkennt, aber auch ein echtes Lesevergnügen.
Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein*, Piper Verlag GmbH, München, 2009
Gute Beziehungen
Unsere Beziehungen zu anderen Menschen, unsere Aufgaben und unser Platz in Familie und Gesellschaft ist ein wichtiger Teil unserer Identität. Durch die Kommunikation mit anderen und die Gefühle, die wir dabei haben, „stricken“ wir das Bild, das wir von uns selbst haben.
Dieses Netzwerk kann uns auffangen, wenn es uns schlecht geht.
In Krisenzeiten wie während des Krieges und in den Nachkriegsjahren kann man beobachten, dass Menschen enger zusammenrücken und resiliente Gesellschaften entstehen, die fest entschlossen sind, gemeinsam die Krise zu bewältigen. Diese Erfahrung ist für alle sehr identitätsstiftend und wird sogar als „schöne“ Erfahrung wahrgenommen, weil alle an einem Strang ziehen und man anderen Menschen viel näher ist als zu normalen Zeiten.
Allerdings ist nicht jede Beziehung hilfreich. Die Gesellschaft von Menschen, die uns nerven, die vorschnelle Urteile über uns und andere fällen oder selbst so pessimistisch eingestellt sind, dass sie uns runterziehen, sollte man meiden. In diesem Fall ist keine Gesellschaft besser als eine „schlechte“.
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Vom Verstand her wissen wir meistens ziemlich genau, weshalb wir uns manche “Dinge”, Menschen, Anforderungen und die Wünsche anderer nicht so zu Herzen nehmen sollten — und tun es dann doch. Dieses Buch kommt locker daher und eignet sich wunderbar als Bett- oder Strandlektüre, legt aber auch sehr klug den Finger dorthin, wo wir uns noch ein bisschen lockerer machen könnten — um endlich das eine oder andere seelenruhig am A … vorbeiziehen lassen zu können. Lesenswert!
Alexandra Reinwarth: Am Arsch vorbei geht auch ein Weg: Wie sich dein Leben verbessert, wenn du dich endlich locker machst*, mvg Verlag, 2016
Humor
Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht.
Nach einem lustigen Abend mit Freunden oder der Familie fühlen wir uns entspannt und unsere Krisen, die vorher für Kopfzerbrechen, Sorgen, Frust oder Trauer gesorgt haben, sind wie durch Zauberhand eine Nummer kleiner geworden.
Lachen, Humor, Dinge nicht zu ernst nehmen, entspannt Körper und Seele, entlastet uns und zeigt uns den kleinen optimistischen Hoffnungsschimmer am Ende eines dunklen Tunnels. Den brauchen wir für unsere Resilienz-Mechanismen. Nicht umsonst gibt es Lach-Yoga als Entspannungstechnik.
Der Leichenschmaus im Anschluss an eine Beisetzung dient der Familie und engen Freunde nicht nur zum liebevollen Austausch von Erinnerungen, sondern tröstet auch, nicht zuletzt, weil sich die Atmosphäre während des gemeinsamen Gedenkens meistens auflockert und zunehmend fröhlicher wird. Ja, oft wird am Ende sogar gelacht – und das ist gut so!
Allerdings ist Humor nicht gleich Humor. Entscheidend ist, ob wir mit jemanden lachen – oder über ihn.
Humor, der zu sehr auf die eigenen Kosten oder die von anderen geht, kann schnell zur Spaßbremse werden, bei dem einen das Lachen im Hals stecken bleibt. Wie bei Beziehungen sollte man auch beim gemeinsamen Lachen darauf achten, ob es uns glücklich macht — oder nicht.
Selbstwirksamkeit
Kontrollverlust ist so ziemlich das Schlimmste, was uns Menschen passieren kann. Aber wir können nun mal nicht immer alles kontrollieren. Besonders in Krisenzeiten nicht. Wichtig ist dann, die Kontrolle über das zu behalten, was wir kontrollieren können.
Vielleicht ist das einer der Gründe, warum Frauen oft besser durch schwierige Lebensphasen kommen, denn sie haben immer etwas, worum sie sich kümmern müssen: die Kinder großziehen, etwas zu Essen auf den Tisch bringen, die Wäsche waschen …
Es sind oft die kleinen und unscheinbaren Aktivitäten, die uns am Laufen halten und davor bewahren, von einer Krise komplett überwältigt zu werden.
Wie wichtig Selbstwirksamkeit ist, das Gefühl, einer Situation nicht völlig ausgeliefert zu sein und wenigstens im Kleinen etwas tun zu können, hat der Psychologe Martin Seligman in einem bahnbrechenden Experiment nachgewiesen.
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Ratgeber gibt es wie Sand am Meer,
ein paar gute, aber leider auch viele, bei denen man nach dem Lesen auch nicht schlauer ist als vorher. Dieser gehört definitiv zu den sehr guten! Das meiste, was Karin Kuschik in diesem Buch behandelt, kennt man “eigentlich” — aber sie formuliert es so griffig in ihren kleinen Geschichten rund um 50 einfache Sätze, die man sich merken sollte, dass sich ihre Empfehlungen für mehr Klarheit und Souveränität im Alltag ins Hirn brennen. Dieses Buch kann ein Gamechanger sein. Empfehlenswert!
Karin Kuschik, 50 Sätze, die das Leben leichter machen: Ein Kompass für mehr innere Souveränität*, Rowohlt Taschenbuch, März 2022
Werte
Unsere Werte sind ein starkes Fundament, auf das wir bauen können. Wer seine Werte kennt – beispielsweise Fairness, Gerechtigkeit, Zivilcourage – und danach lebt, gewinnt viel Selbstvertrauen.
Einer unserer wichtigsten Werte ist Hilfsbereitschaft. Die Wissenschaft hat festgestellt, dass unser Belohnungszentrum im Kopf genauso freundlich gestimmt wird wie durch Sex oder Schokolade, wenn wir anderen helfen. Wenn das nichts ist?
Veränderungsbereitschaft
Unser Umfeld ist in einem ständigen Veränderungsprozess, an den wir uns wohl oder übel anpassen müssen. Veränderungen und Anpassung erfolgen aber in so kleinen Dosierungen, dass wir meistens gut mitkommen können.
Anders ist es bei einer Krise: Sie reißt uns schlagartig aus unserer Komfortzone heraus und stellt uns vor Herausforderungen, von denen wir nicht wissen, ob wir sie bewältigen können.
Wir können – und tun es ja sowieso die ganze Zeit.
Den „guten alten Zeiten“ nachzutrauern, wird nichts nützen, ebenso die Hoffnung auf eine Restauration. Krisenbewältigung kann ein sehr schmerzhafter und zeitintensiver Prozess sein, der aber unausweichlich ist.
Wir tun uns leichter, wenn wir bereit sind, uns selbst zu verändern, und akzeptieren, dass das Leben nach der Krise anders sein wird als davor. Vielleicht sogar glücklicher und erfüllter?
Copyright: Agentur für Bildbiographien, www.bildbiographien.de, 2015, (überarbeitet 2023)
Lesen Sie im nächsten Beitrag: Manche Tage fühlen sich an wie eine persönliche Beleidigung in Dauerschleife. Über Martin Seligmans Experimente zu erlernter Hilflosigkeit, unsere emotionalen blauen Flecken und Albert Ellis’ rationale Therapie.
Miese Zeiten: Woher schlechte Gefühle kommen und was man gegen sie tun kann
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Unser Anspruch, immer glücklich sein zu müssen, überfordert uns und führt oft genau zum Gegenteil. Der Arzt und Psychotherapeut Russ Harris sehr anschaulich und verständlich über unsere selbstgebauten Glücksfallen, wie wir sie erkennen und wie wir entspannter mit unserem Glück, aber auch mit unseren miesen Zeiten umgehen können, Lesenswert!
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Erinnerungen und Gedächtnis: Unsere Erinnerungen sind nicht nur ständig in Bewegung, sondern haben auch eine Tagesform, die von unserer Stimmung abhängt. Das kann dazu führen, dass wir uns komplett “falsch” oder gar nicht erinnern. Wie wir uns erinnern und warum uns unser Gedächtnis manchmal so im Stich lässt.
Wie unser Gehirn Erinnerungen fälscht
Vorbilder: Wie unsere Steinzeitrelikte im Kopf aus Fremden Freunde machen und uns Vorbilder bescheren, die wir nicht wollen. Und wie die dann unser Leben beeinflussen, ohne dass wir es bemerken, geschweige denn auch nur ansatzweise Herr oder Frau der Lage sind.
Richtige und falsche Vorbilder
Bildnachweise:
Agentur für Bildbiographien
Boris_Cyrulnik 1. November 2011; Quelle: flickr.com/photos/festivaldellascienza/6306988921/, Author : Festival della sScienza; CC BY-SA 2.0
Agentur für Bildbiographien
Toller Artikel! Ich selber arbeite seit vielen Jahren in der Trauma Therapie und kann nur sagen, dass es nichts bringt festgelegten Schemata zu folgen. Natürlich im Fluss mit dem Patienten zu fließen, vorgefasste Meinungen fallen zu lassen und dem Weg des Patienten zu folgen. Dabei den eigenen Abstand nicht zu verlieren, damit man der Katalysator für den Prozess sein kann ohne ihn in eine vermeintlich richtige Richtung zu steuern. Dann ist es für jeden möglich seine Stärke zu finden, denn nur Du selbst bist in der Lage Deine Resilienz zu entwickeln, niemand kann das für Dich tun.
Alles Liebe
Annette
Herzlichen Dank für Deinen Kommentar, liebe Annette! Das ist eben genau der Punkt — nur wir selbst entscheiden darüber, wie wir Dinge sehen und an sie herantreten. Andere können nur Anstöße oder Anschubser geben. Liebe Grüße!