Amerikas kranke Präsidenten: Die schwachen Seiten der Männer im Weißen Haus
Amerikas kranke Präsidenten kämpften nicht nur mit Kriegen, Krisen und politischem Druck – viele von ihnen waren schwer krank.
Franklin D. Roosevelt regierte mit Herzschwäche, Woodrow Wilson nach mehreren Schlaganfällen und John F. Kennedy überstand keinen Tag ohne seine Medikamente.
Wie stark beeinflussten die Krankheiten ihre Entscheidungen, Machtkämpfe und den Lauf der Weltgeschichte?

Krank im Amt: Die verborgene Geschichte der US-Präsidenten
Amerikas Präsidenten gelten als Symbole von Stärke, Entschlossenheit und Führungswillen.
Doch hinter den Kulissen des Weißen Hauses regier(t)en oft schwer kranke Männer: Franklin D. Roosevelt mit Herzinsuffizienz, Woodrow Wilson nach mehreren Schlaganfällen und John F. Kennedy unter starken Schmerzen, Medikamentencocktails und chronischen Erkrankungen.
Ihre Leiden wurden verschwiegen, verharmlost oder systematisch vertuscht — obwohl ihre Entscheidungen über Krieg, Frieden und die Zukunft der Welt bestimmten. Die Geschichte von Amerikas kranken Präsidenten ist deshalb nicht nur Medizingeschichte, sondern auch eine Geschichte über Macht, Angst, Inszenierung und die psychologischen Mechanismen politischer Führung.
Jalta 1945: Die Konferenz der Sterbenden
Hätten Churchill, Roosevelt und Stalin nicht gerade die Welt retten müssen, wäre ein Kuraufenthalt in Jalta auf der schönen Halbinsel Krim inklusive Tabakentwöhnung, Stressreduktion und einer Diät aus Obst, Gemüse und Vollkornprodukten für ihre Gesundheit zuträglicher gewesen.
Denn als sich die „großen Drei“ im Februar 1945 treffen, um über die Zukunft der Welt nach Hitler zu konferieren, treffen nicht nur die zukünftigen Sieger des 2. Weltkriegs aufeinander, sondern auch drei schwerkranke Männer, die mit einem Bein (Roosevelt mit eineinhalb) im Grab stehen.

Die Konferenz von Jalta im Februar 1945
Von links nach rechts: Churchill, Roosevelt und Stalin. Foto: US Government
Alle drei leiden an weit fortgeschrittener Arteriosklerose, einer unter Spitzenpolitikern und Diktatoren des 20. Jahrhunderts weit verbreiteten Erkrankung. Es ist eine Krankheit, die nicht weh tut; über lange Zeit lagern sich fast unbemerkt gefährliche Plaques aus Fett und Kalk an den Innenwänden von Arterien ab.
Damit lässt es sich eine Weile ganz gut leben und auch regieren – bis sich die verengten und erstarrten Blutgefäße in Form von Herzinfarkten und Schlaganfällen folgenschwer und sehr oft tödlich bemerkbar machen.
Roosevelt in Jalta: Ein Präsident am Ende seiner Kräfte
Der US- Präsident Franklin D. Roosevelt ist zu diesem Zeitpunkt ein schwer kranker Mann. Fotos zeigen ihn eingefallen, mit wächsernem Gesicht und leerem Blick. Er litt an einer schweren Herzkrankheit: Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und eine chronische Lungenerkrankung.
Doch kein Jahr zuvor, im Juli 1944, hatte Roosevelts Leibarzt, Ross McIntire, Marinearzt im Admiralsrang und HNO-Spezialist, der amerikanischen Öffentlichkeit versichert, dass sich der Präsident bis auf ein paar altersbedingte Ermüdungserscheinungen und gelegentlichen Problemen mit den Nasennebenhöhlen in bestmöglicher Gesundheitsverfassung befände.

Franklin D. Roosevelt unterzeichnet 1933 den TVA Act zur Gründung der Tennessee Valley Authority, gemeinsam mit Senator George W. Norris. Der Präsident wirkt auf historischen Fotos bereits gesundheitlich angeschlagen.
Dass Roosevelt zu diesem Zeitpunkt bereits sehr krank ist und schon mehrere leichte Schlaganfälle mit Schwindelanfällen und Bewusstseinsstörungen hinter sich hat, wird von seinem Leibarzt entweder nicht registriert oder ignoriert.
Zwei Monate nach Jalta, am 12. April 1945, stirbt Roosevelt im Alter von nur 63 Jahren nach einem Schlaganfall.
Das Ende Hitlers und des Krieges in Europa und Asien erlebt er nicht mehr, die Nachkriegsordnung bestimmt sein Vizepräsident und Nachfolger Harry S. Truman.
Like Hell!
„ … Der Präsident, der um seine gesundheitliche Probleme nie viel Aufheben gemacht hatte, antwortete auf die Frage, wie er sich fühle, ehrlich und knapp: ‚Like Hell!‘
Als Roosevelt im Naval Hospital in Bethesda untersucht wurde, erkannte ein junger Kardiologe, Howard Bruenn, auf der Röntgenaufnahme, dass das Herz des Präsidenten, vor allem im Bereich der linken Herzkammer, massiv vergrößert war: ein Hinweis auf eine ausgeprägte Herzinsuffizienz. Roosevelt wog zu dieser Zeit 85 Kilogramm – zu viel und aufgrund der verkümmerten Beine ungleichmäßig verteilt …“
Aus: Roland D. Gerste, Wie Krankheiten Geschichte machen: Von der Antike bis heute*
Verschleierte Diagnose: Die letzten Monate Roosevelts
Der junge Kardiologe Howard Bruenn , der ihn in der Klinik untersucht und den Hinweis auf eine massive Herzinsuffizienz entdeckt hat, wird zum Schweigen verdonnert: „Ich wurde gewarnt, meinen Mund zu halten, weil unnötiges Wissen nicht verbreitet werden sollte“, zitiert ihn der Medizinhistoriker Ronald D. Gerste in seinem Buch Wie Krankheiten Geschichte machen – Von der Antike bis heute*.
Der Präsident wird auf Diät gesetzt, erhält Digitalis, das damals einzig verfügbare Medikament gegen Herzmuskelschwäche, soll seinen Zigarettenkonsum von 30 auf 5 und die Zahl seiner Martinis auf einen vor dem Dinner reduzieren.
Offizielle Bulletins verharmlosen die Situation. Roosevelt sei lediglich müde und brauche Ruhe, heißt es. In Wahrheit war er bei der Jalta-Konferenz kaum noch in der Lage, längere Gespräche zu führen. Gegenüber Stalin soll er sogar gesagt haben: „Ich bin ein kranker Mann.“
Als Roosevelt im April 1945 stirbt, ist die Welt geschockt – nicht nur wegen seines plötzlichen Todes, sondern auch über das Ausmaß seiner Krankheit, das erst jetzt bekannt wird. Hitler sitzt in seinem Führerbunker in Berlin und triumphiert, weil er glaubt, dass jetzt ein Separatfrieden mit den USA möglich wäre. (Wenige Wochen später ist auch der “Führer” tot.)
Woodrow Wilson: Schlaganfälle und eine Schattenregierung
Ärztliche Bulletins, die im Stil einer Geheimwissenschaft den tatsächlichen Gesundheits- bzw. Krankheitszustand des Präsidenten verschleiern, haben in den USA eine lange Tradition. Auch Präsident Woodrow Wilson, Roosevelts Vor-Vorgänger war schwer karnk – ebenfalls mitten in einer politischen Schlüsselphase. Im Jahr 1919 erlitt er mehrere Schlaganfälle, die zu Lähmungen und kognitivem Abbau führten.
Auch über die Krankheit dieses Präsidenten wurde die Öffentlichkeit getäuscht: Offiziell hieß es, Wilson sei lediglich erschöpft.

Thomas Woodrow Wilson Präsident der USA 1913 bis 1921
Wilson, 1856 als Sohn eines Predigers in Virginia geboren, war mit allerhöchsten moralischen Grundsätzen angetreten: die Idee des Völkerbunds und die berühmten „14 Punkte“ für eine gerechte Nachkriegsordnung in Europa nach dem 1. Weltkrieg waren für ihn Anspruch und Lebensziel.
(Wilson hielt zwar viel vom ‚Selbstbestimmungsrecht der Völker‘, aber nichts vom Wahlrecht für Schwarze. Er gilt als einer der rassistischen Präsidenten der USA, erhielt 1919 aber trotzdem den Nobelpreis.)
Als junger Mann schlägt Wilson — der vermutlich an einer Schreib-/Leseschwäche litt und erst mit neun Jahren Lesen und Schreiben lernte — eine akademische Laufbahn ein. Er arbeitet sich mit Brillanz und ungeheurem Fleiß bis an die Spitze der renommiertesten Universitäten des Landes vor, wendet sich dann aber im Alter von 54 Jahren einem neuen Betätigungsfeld zu, der Politik.
Mit seiner fast fanatischen Willensstärke und Kompromisslosigkeit gelingt ihm auch seine Zweitkarriere als Politiker im Schnellspurt und er steigt in kürzester Zeit vom Newcomer zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten auf. Am 5. November 1912 wird er nach nur zwei Jahren in der Politik zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt und 1916 im Amt bestätigt.
Mit Schlaganfall zu den Friedensverhandlungen in Versailles
Was die amerikanischen Wähler weder während Wilsons erster noch seiner zweiten Amtszeit erfahren, (Wählerinnen gibt es zu diesem Zeitpunkt noch nicht): Ihr chief executive ist ein sehr kranker Mann. Denn auch dieser Präsident leidet an Arteriosklerose:
Der erste Schlaganfall mit 40
„ … Im Mai 1896 schlug jenes Leiden zu, dass Wilsons Leben beherrschen sollte. In einer Phase großen beruflichen Stresses erlitt er einen Schlaganfall. … Vermutlich war der junge Professor schon in jenen Jahren Hypertoniker, war sein Gefäßsystem vor allem im Kopfbereich permanenten Schädigungen ausgesetzt. Wilson verschanzte sich hinter einer Taktik, der er bis an sein Ende treu blieb. Er negierte die Krankheit, ignorierte soweit wie möglich die daraus resultierende Behinderung und stürzte sich wie ehedem in seine Arbeit …“
Aus: Roland D. Gerste, Wie Krankheiten Geschichte machen: Von der Antike bis heute*
Es folgen weitere ‚Ereignisse‘, die Wilson standhaft zu ignorieren versucht. 1906 erblindet er auf dem linken Auge wegen einer Gefäßembolie – eine Komplikation, die häufig bei nicht oder schlecht behandeltem Bluthochdruck auftritt.
Als er 1918/19 an den Friedensverhandlungen in Versailles teilnimmt, ist der amerikanische Präsident nur noch ein Schatten seiner selbst. Seine Augen zucken nervös, er ist gereizt und verhält sich in vielen Situationen äußerst merkwürdig.
Ruhrkampf, Hyperinflation und Revolution: Krisenjahr 1923
In den Verhandlungen mit den alliierten Briten und Franzosen hat er weder die Kraft noch das Durchhaltevermögen, sich gegen sie durchzusetzen.
Statt des von ihm angestrebten Verständigungsfriedens mit Deutschland gibt es am Ende einen Revanchefrieden.
Das ist eine enorme Hypothek für die junge Weimarer Republik.
“The president says …”: Die First Lady an der Macht
Im Herbst 1919 ereilt Wilson während einer Zugreise durch die USA in seinem Salonwagen der finale Schlaganfall, der ihn endgültig in die Knie zwingt. Er überlebt auch diesen Hirnschlag, trägt aber so schwere Schäden davon, dass er bis zum Ende seiner Amtszeit im März 1921 von der Öffentlichkeit abgeschirmt werden muss.
Präsident Wilson ist nicht mehr in der Lage, seine Amtsgeschäfte wahrzunehmen. Es beginnt eine Zeit, die in der Verfassung nicht vorgesehen ist: Wilsons zweite Ehefrau Edith übernimmt gemeinsam mit seinem Privatsekretär Joseph Tumulty und seinem Leibarzt Cary Grayson die präsidiale Macht.
Ohne jegliches demokratische Mandat filtern die First Lady und ihre beiden Verbündeten Informationen, treffen Entscheidungen und kontrollieren den Zugang zum Präsidenten. Hinter den Kulissen regiert das Trio de facto das Land. Der Öffentlichkeit wird derweil mitgeteilt, der Präsident leide an Erschöpfungszuständen und sei, wie es in den Statements regelmäßig lapidar heißt, auf dem Weg der Besserung:
Die First Lady als heimliche Präsidentin
„ … So ging die Scharade monatelang weiter. Tumulty, Grayson und Edith kontrollierten den Zugang zu dem Bettlägerigen und trafen Entscheidungen, die eigentlich dem Präsidenten vorbehalten waren. Sie führten seine zitternde, gefühllose Hand bei Unterschriften und versuchten den Eindruck zu erwecken, das Land habe nach wie vor eine funktionierende Administration.
Der Schriftverkehr aus dem Weißen Haus begann mit einem stereotypen The president says …
Gelegentlich wurden Besucher in das abgedunkelte Zimmer des Präsidenten geführt, der geringe Lichteinfall wurde vorher jedoch so arrangiert, dass man die verzerrte Gesichtshälfte nicht sehen konnte …“
Aus: Roland D. Gerste, Wie Krankheiten Geschichte machen: Von der Antike bis heute*
Eine demokratische Farce: Wer hatte wirklich die Macht?
Es muss vermutet werden, dass Wilson (oder seine Gattin nebst Privatsekretär und Leibarzt) mit dem Gedanken spielte, für eine – bis dahin nie dagewesene – dritte Amtszeit zu kandidieren, denn in seinem Nachlass fand sich der Entwurf für seine Antrittsrede.
Soweit kam es nicht, führende Politiker seiner Partei sprachen sich gegen eine weitere Kandidatur Wilsons aus.
Die amerikanischen Wähler und – ab 1920 erstmals auch – Wählerinnen stoppten ihrerseits die Demokraten, indem sie dem republikanischen Kandidaten Warren G. Harding zu einem Erdrutsch-Sieg verhalfen. Die Ironie der Geschichte: Wilsons Nachfolger im Amt, Präsident Harding, stirbt 1923 überraschend.
Sein Begräbnis war der letzte öffentliche Auftritt Wilsons. Ihm blieb noch ein knappes Jahr, bevor er im Februar 1924 im Alter von 67 Jahren endgültig abtrat. Erst 1967 schuf der 25. Verfassungszusatz klare Regeln für die Amtsunfähigkeit eines Präsidenten. Bis dahin gab es keine rechtliche Grundlage für ein Eingreifen, wenn ein US-Präsident nicht (mehr) in der Lage war, sein Amt zu führen.
John F. Kennedy: Der kranke Hoffnungsträger Amerikas
Die Leiden des jungen demokratischen US-Präsidenten John F. Kennedy, der 1960 ins Amt gewählt wird, sind groß. Er, der als Symbol für Jugend und Dynamik gilt, ist in Wahrheit schwer krank.
Wenn sein jüngerer Bruder Robert gegenüber Vertrauten witzelte, dass man sich schon in Kennedys Jugend gefragt habe, ob ein Moskito, das ihn sticht, an der Vergiftung durch sein Blut zugrunde gehen würde, verbarg sich dahinter viel kennedy-typischer schwarzer Humor, aber eben auch viel Wahrheit.

Erste Fernsehdebatte von Kennedy und Nixon im Wahlkampf 1960
Im Gegensatz zu seinen sportlichen Brüdern und Schwestern leidet der 1917 als zweitältester Sohn geborene ‚Jack‘ seit frühster Kindheit unter Allergien, Asthma, Müdigkeit, Durchfällen und häufigen Infekten, vermutlich Symptome eines Reizdarm-Syndroms, das aber weder diagnostiziert noch therapiert worden ist.
(Eine Ausnahme zu den agilen Kindern des Kennedy-Clans ist Jacks‘ jüngere Schwester Rosemary, die geistig leicht behindert ist. Die auf Anordnung des Vaters Joseph P. Kennedy durchgeführte Lobotomie macht sie zum Pflegefall)
JFK litt an der Addison-Krankheit, einer seltenen Störung der Nebennierenrinde, sowie an chronischen Rückenproblemen, die auf eine Kriegsverletzung zurückgingen. Hinzu kamen starke Schmerzen, Depressionen und ein riskanter Medikamentencocktail, den ihm seine Ärzte (… und „Dr. Feelgood“ …) verabreichten.
Seine Sonnenbrille trug er häufig nicht aus modischen Gründen, sondern wegen der Lichtempfindlichkeit durch die Medikamente. Die öffentliche Inszenierung seiner Vitalität war strategisch geplant – um keine politische Schwäche zu zeigen.
Die Kennedys: Mythos, Macht und Tragödien
Die Kennedys verkörpern den amerikanischen Traum – und zugleich dessen dunkle Schattenseiten.
Diese spannende Doku-Serie zeigt den Aufstieg der berühmtesten Politikerfamilie der USA, ihre Machtkämpfe, Geheimnisse und Tragödien vom Kalten Krieg bis zum Attentat auf JFK. Ein packendes Stück amerikanischer Zeitgeschichte.
Die Krankenakte Kennedy
Zwar gibt es bereits im Präsidentschaftswahlkampf 1960 Gerüchte, dass der Kandidat nicht ganz gesund sei, aber es gelingt Kennedy und seinen Beratern, die Zweifel zu zerstreuen – ebenso wie es ihm gelungen ist, 1941 als Freiwilliger in die US Army einzutreten, obwohl man ihn zunächst wegen seines schlechten Gesundheitszustandes nicht haben wollte.
Nach einem japanischen Angriff gilt er mehrere Tage als verschollen und wird außerdem schwer am Rücken verletzt.
Gelbgesichtiger Bursche
„ … Sein Rivale im Lager der Demokraten, sein späterer Vizepräsident und Nachfolger Lyndon B. Johnson, machte zwar Bemerkungen über den (in seiner Diktion) gelbgesichtigen Burschen, hängte Kennedys Gesundheitszustand indes nicht an die große Glocke.
Kennedys Biograf Robert Dallek jedenfalls dürfte mit seiner Einschätzung recht haben, dass Kennedy sich seine Hoffnung auf die Präsidentschaft wahrscheinlich hätte abschminken können, wenn das ganze Ausmaß seiner gesundheitlichen Probleme zu seinen Lebzeiten bekannt geworden wäre …“
Aus: Roland D. Gerste, Wie Krankheiten Geschichte machen: Von der Antike bis heute*
Kennedy hat seit seiner Kindheit Rückenprobleme, die nach einer Football-Verletzung, einer Kriegsverletzung und drei schweren Rückenoperationen, die ihn fast das Leben kosten, immer schlimmer werden. Er trägt ein Stützkorsett, orthopädische Schuhe und nimmt bis zu fünf Mal am Tag heiße Bäder, um seine Rückenschmerzen irgendwie aushalten zu können.
1949 wird bei ihm die Addisonsche Krankheit (Morbus Addinson, Cushing-Syndrom) diagnostiziert, eine selten auftretende Krankheit, bei der die Nebennieren-Rinden nach und nach die Produktion der überlebenswichtigen Steroid-Hormone Cortisol und Aldosteron einstellen.
Typische Anzeichen dieser Krankheit sind neben rascher Ermüdbarkeit, Appetitlosigkeit, Blutdruckabfall und Muskelschwäche auch die Braunfärbung der Haut, weshalb sie auch Bronzehauterkrankung genannt wird. Ohne Therapie verläuft Morbus Addison tödlich, da der gesamte Stoffwechsel durcheinander gerät. Glücklicherweise war es kurz vor Kennedys schrecklicher Diagnose gelungen, Steroide künstlich herzustellen.

John F. Kennedy (1963)
Kennedys Leben wird durch die Gabe künstlicher Hormone gerettet, allerdings konnte man zu dieser Zeit weder die Dosierung noch mögliche Nebenwirkungen abschätzen.
Die dauerhaft hohe Cortison-Dosierung schädigt den Knochenstoffwechsel – Kennedy erkrankt zusätzlich an Osteoporose, die sein Rückenleiden noch schlimmer macht.
Ein Präsident auf Amphetaminen
Ob Kennedys Verlangen nach Sex – zurückhaltend formuliert – auch etwas mit der Steroid-Gabe zu tun hat, ist nicht bekannt. Tatsache ist, dass er schon in jungen Jahren nichts hatte anbrennen lassen, was ihm leicht fällt, denn er ist einfach der Typ, der bei Frauen gut ankommt.
„Die Wirkung, die er auf weibliche Wähler hat, ist geradezu unanständig“, schreibt beispielsweise die New York Times. „Entweder wollen sie ihn heiraten oder bemuttern.“
Man verzeiht ihm seine Seitensprünge und Affären — und nach seiner Ermordung gelingt es seiner Witwe Jackie seine kurze Präsidentschaft als eine Art Camelot, als neues Zeitalter, darzustellen.
Nicht verziehen hätte man vermutlich die Dienste des deutschstämmigen Arztes Max Jacobson (1900–1979) alias „Dr. Feelgood“, die JFK in Anspruch nimmt, um sich mit einer Mixtur aus Amphetaminen und Schafsplazenta wieder fit spritzen zu lassen, wenn es ihm besonders schlecht geht.
Hätte ein gesünderer Präsident die Krisen jener Zeit — den Bau der Berliner Mauer 1961, das Fiasko in der Schweinebucht, die Kuba-Krise 1962 — verhindern können oder besser gemeistert?
In jedem Fall scheint die besondere Tragik seiner Krankheiten zu sein, dass er auch an jenem 22. November 1963 in Dallas ein Stützkorsett für seinen kranken Rücken unter dem Hemd trägt. Das Korsett verhindert, so vermutet man, dass er nach dem ersten, nicht tödlichen Schuss schnell genug in Deckung gehen kann und ihn der zweite, tödliche Schuss aufrecht sitzend trifft.
Der Mord an JFK: Neue Spuren und offene Fragen
Nach seinem Meisterwerk JFK — Tatort Dallas* rollt Oliver Stone den Mord an John F. Kennedy mit neu freigegebenen Dokumenten, Expertenanalysen und Zeugenaussagen noch einmal auf.
Eine faszinierende Doku über eines der größten Rätsel des 20. Jahrhunderts.
Amerikas kranke Präsidenten
In vielen weltpolitisch entscheidenden Momenten saßen kranke Männer im Weißen Haus. Es kann nur darüber spekuliert werden, ob – und wenn ja: inwieweit – ihre Erkrankungen den Lauf der Geschichte beeinflusst haben.
Zumindest in einem Fall scheint sich die Krankheit eines Präsidenten positiv auf seine Präsidentschaft ausgewirkt zu haben: Die Kinderlähmung (Polymyelitis), an der Franklin D. Roosevelt im Alter von 39 Jahren erkrankte. Monatelang lag er mit hohem Fieber und unerträglichen Schmerzen in verschiedenen Kliniken, nachdem er sich im August 1921 vermutlich beim Besuch eines Sommerlagers der Boy Scouts infiziert hatte.
Seine politische Karriere, die unter Präsident Wilson bereits Fahrt aufgenommen hatte, schien beendet zu sein. Doch Roosevelt erholt sich. Zwar bleiben seine Beine für immer gelähmt und er konnte sich zeitlebens nur im Rollstuhl oder mit Hilfe eines 50 Kilogramm schweren Stützkorsett fortbewegen.
Seine politische Arbeit nimmt er wieder auf und gibt ihr eine neue Richtung — aus einem arroganten jungen Schnösel aus reichem Haus mit politischen Ambitionen wird ein mitfühlender Mann und Politiker von Weltrang.

Im Rahmen des New Deal führte Franklin D. Roosevelt Programme zur Schulspeisung ein, um unterernährte Kinder während der Wirtschaftskrise zu versorgen und soziale Not zu lindern.
Nach seiner Wahl im November 1932 gibt er den schwer vom Börsencrash 1929 getroffenen Amerikanerinnen und Amerikanern Hoffnung und Zuversicht zurück.
In vier Amtszeiten führt er seine Landsleute durch Krisen und den 2. Weltkrieg. „The only thing we have to fear is fear itself“, sagt er in seiner Inaugurationsrede im März 1933.
Die einzige Angst, die wir fürchten müssen, ist die Angst selbst.
Den meisten seiner Wählerinnen und Wähler ist in den 12 Jahren seiner Amtszeit nicht einmal bewusst, dass ihr Präsident eigentlich – nach damaligem Verständnis – ein „cripple“ ist, der selbst schon einmal Hölle und zurück hinter sich hat.
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Copyright: Agentur für Bildbiographien, www.bildbiographien.de 2020, überarbeitet 2026
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Bildnachweise
Churchill, Roosevelt und Stalin auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945. Foto: US Government Photographer / National Archives and Records Administration (NAID 531340), Public Domain.
Franklin D. Roosevelt (sitzend) und George W. Norris bei der Gründung der Tennessee Valley Authority (1933). Quelle: Tennessee Valley Authority, gemeinfrei.
Thomas Woodrow Wilson, Harris & Ewing, 1919 – gemeinfrei
Quelle: Wikimedia Commons – Harris & Ewing (Public Domain)
Photo of John F. Kennedy and Richard Nixon prior to their first debate at WBBM-TV, Chicago (1960). Associated Press, gemeinfrei.
John F. Kennedy (1963) Von Cecil Stoughton, White House, Gemeinfrei
New Deal: Schulspeisungsprogramm gegen Unterernährung von Kindern, 1936. Foto: Uncredited photographer / Franklin D. Roosevelt Presidential Library and Museum. Gemeinfrei.
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Dr. Susanne Gebert
Generationengespräch
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