Magda Goebbels (2): Der Bock von Babelsberg

Wer war Magda Goebbels


Nach der Hoch­zeit und der Geburt der Kin­der wird aus Goe­b­bels’ eifer­süch­tig bewach­ter Mag­da sei­ne ‘gute Alte’. Er hat unzäh­li­ge Affä­ren und als er sich neu ver­liebt, bit­tet er Mag­da um eine “Ehe zu dritt”.

Wer war Mag­da Goe­b­bels — der zwei­te Teil ihrer Lebensgeschichte. 

Joseph und Magda Goebbels

Goe­b­bels und Mag­da ver­neh­men die Stim­me ihres Her­ren und hei­ra­ten pflicht­ge­mäß am 19. Dezem­ber 1931.

Die Hoch­zeit fin­det auf Gut Seve­rin in Meck­len­burg statt, dem Land­gut von Mag­das Ex-Ehe­mann Quandt.

Der hat­te sei­ner Ex-Gat­tin zwar zuge­stan­den, sein Land­gut zusam­men mit ihrem gemein­sa­men Sohn Harald zu Erho­lungs­zwe­cken zu nut­zen, aber bit­te ohne ihre neu­en Nazi-Freun­de anzuschleppen.

Hochzeit J. Goebbels: auf dem Wege zur Kirche.
Trau­ung von Joseph und Mag­da Goe­b­bels auf Gut Seve­rin bei Par­chim (Meck­len­burg), auf dem Weg zur Kir­che. Im Hin­ter­grund der Trau­zeu­ge Hit­ler
Von Bun­des­ar­chiv Bild 183-R32860, / Autor unbe­kannt / CC-BY-SA 3.0

Aber sei’s drum. 

Quandts Guts­ver­wal­ter ist ein „Mann der Bewe­gung“ und arran­giert die Fei­er­lich­kei­ten; Hit­ler ist Trau­zeu­ge und Mag­das zehn­jäh­ri­ger Sohn Harald folgt dem glück­li­chen Paar in NS-Pimpf-Uni­form durch das Spa­lier aus den „Deut­schen Gruß“ ent­bie­ten­den SA-Män­nern, die man vor­sorg­lich aus Ber­lin mit­ge­bracht hat.

Zwar ent­spricht Mag­da mit ihren pri­va­ten Lebens­ge­wohn­hei­ten nicht der „deut­schen Frau“, aber immer­hin wird sie schnell schwanger.

Mag­da raucht, trinkt Alko­hol, schminkt sich und liebt ele­gan­te und teu­re Klei­der – alles Gewohn­hei­ten, mit denen sie nicht ins neue Frau­en­bild der NS-Ideo­lo­gie passt.

Trotz­dem soll sie Aus­hän­ge­schild und „ers­te Frau im Reich“ wer­den. Das ist Hit­lers Plan, nach­dem er Goe­b­bels‘ neue Freun­din ken­nen­ge­lernt hat und von ihr hin­ge­ris­sen ist.

Ob Mag­da tat­säch­lich lie­ber – wie so vie­le vor und nach ihr – „Frau Hit­ler“ statt Frau Goe­b­bels gewor­den wäre, lässt sich im Nach­hin­ein nicht mehr feststellen.

Es fällt aber auf, wie schnell sie genau wie Goe­b­bels von Hit­lers Zuwen­dung oder Zurück­wei­sung abhän­gig wird.

Pünkt­lich 9 Mona­te nach der Hoch­zeit, am 1. Sep­tem­ber 1932, bringt sie ihr ers­tes Kind von Goe­b­bels zur Welt, eine klei­ne Toch­ter, die auf den Namen Hel­ga Susan­ne getauft wird.

Ihr Gat­te ist in Fei­er­lau­ne, zumal sein gelieb­ter und hoch­ver­ehr­ter „Füh­rer“ seit ihrer Hoch­zeit zusam­men mit sei­ner Entou­ra­ge fast jeden frei­en Abend in Mag­das ele­gan­ter 7‑Zim­mer-Woh­nung am Reichs­kanz­ler­platz 2 verbringt.

Dort bleibt er oft bis tief in die Nacht (oder in die frü­hen Mor­gen­stun­den), ent­spannt sich und lässt sich von Mag­da umsor­gen, die ihm eigen­hän­dig sei­ne vege­ta­ri­schen Lieb­lings­spei­sen zubereitet.

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Magda weint noch immer”

Nur weni­ge Wochen nach der Geburt von Hel­ga ist Mag­da wie­der schwan­ger, erlei­det aber eine Fehl­ge­burt, an deren Kom­pli­ka­tio­nen sie fast stirbt.

Am Sil­ves­ter­abend 1932 liegt sie in Ber­lin im Kran­ken­haus und ringt mit dem Tod, wäh­rend Goe­b­bels den Abend bei Hit­ler auf dem Ober­salz­berg ver­bringt und sei­nem „Füh­rer“ um Mit­ter­nacht fest die Hand drückt: „Ich wün­sche Ihnen die Macht!

Denn 1932 ist das Jahr, in dem die NSDAP fast untergeht.

Nach der Wahl­schlap­pe im Novem­ber 1932, der Zer­reiß­pro­be mit Gre­gor Stras­ser und einem erdrü­ckend hohen Schul­den­berg rech­nen vie­le mit dem bal­di­gen Ende der “Hit­ler-Par­tei”.

Aber es kommt anders.

Mag­da stirbt nicht, son­dern erholt sich wie­der, und auch die Par­tei geht nicht unter. Statt­des­sen kommt Hit­ler durch eine poli­ti­sche Intri­ge plötz­lich und fast schon uner­war­tet an die Macht.

Am 30. Janu­ar 1933 wird Hit­ler von Reichs­prä­si­dent Hin­den­burg zum Reichs­kanz­ler ernannt und die von den Nazis so lang ersehn­te „Macht­er­grei­fung“ beginnt.

Am Nach­mit­tag sit­zen Hit­ler und Goe­b­bels gemein­sam beim Tee. Plötz­lich stürmt Göring her­ein. Alles sei per­fekt, ruft er. Schon mor­gen wer­de der ‘Füh­rer’ mit der Kanz­ler­schaft betraut. Lan­ge Zeit sagt kei­ner etwas. Dann ste­hen Hit­ler und Goe­b­bels auf und geben sich die Hand. Selbst im klei­nen Kreis haben sie eine Vor­lie­be für Pathos.”

Aus: Rüdi­ger Barth, Hau­ke Fried­richs, Die Toten­grä­ber: Der letz­te Win­ter der Wei­ma­rer Repu­blik *

Nach der “Macht­er­grei­fung” muss Goe­b­bels tief ent­täuscht hin­neh­men, dass sein „Füh­rer“ ihn bei der Pos­ten­ver­ga­be über­geht. Er ist den erz­kon­ser­va­ti­ven Koali­tio­nä­ren des neu­en Kabi­nett Hit­ler zu schmud­de­lig und des­halb nicht vermittelbar.

Sei­ne Vasal­len­treue der letz­ten Jah­re wird nicht belohnt, statt­des­sen beruft Hit­ler Goe­b­bels‘ Erz­ri­va­len Herr­mann Göring, macht­be­wuss­ter Welt­kriegs­held und stadt­be­kann­ter Mor­phi­nist, als „Minis­ter ohne Auf­ga­ben­be­reich“ und kom­misari­schen preu­ßi­schen Innen­mi­nis­ter ins Kabinett. 

Goe­b­bels ist außer sich, eben­so Mag­da, die am 2. Febru­ar 1933 end­lich aus der Kli­nik ent­las­sen wird. „Mag­da ist sehr unglück­lich. Weil ich nicht vor­an­kom­me. Man über­geht mich … Mag­da weint noch immer“, schreibt er empört in sein Tagebuch.

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Ber­lin 1933: Gere­on Raths fünf­ter Fall führt sei­ne Leser direkt in die Zeit der ‘Macht­er­grei­fung’: Reichs­tags­brand, Kom­mu­nis­ten­het­ze, die letz­te Reichs­tags­wahl im März 1933. Hit­ler-Geg­ner, sei­ne Befür­wor­ter und die gro­ße schwei­gen­de Mehr­heit, die hofft, dass die­ser Spuk bald vor­bei sein wird. Ein groß­ar­ti­ger Kri­mi­nal­ro­man vor his­to­ri­schem Hin­ter­grund — sehr lesens­wert!

Vol­ker Kut­scher, März­ge­fal­le­ne*, KiWi-Taschen­buch, März 2016 (März­ge­fal­le­ne Gra­tis-Down­load im Audible-Probemonat)

Reichspropagandaminister Goebbels

Sei­ne Beloh­nung in Form eines eigens für ihn geschaf­fe­nen Minis­te­ri­ums für Pro­pa­gan­da und Volks­auf­klä­rung bekommt Goe­b­bels erst nach der nächs­ten Feu­er­pro­be, der Reichs­tags­wahl vom 5. März 1933, auf deren Vor­be­rei­tung er sich nach einer kur­zen Schock­star­re stürzt.

Die abso­lu­te Mehr­heit, also min­des­tens 50 Pro­zent der Wäh­ler­stim­men, war die Vor­ga­be für die­se letz­te, halb-freie Wahl, bevor das Regime end­gül­tig zur Dik­ta­tur wurde.

Doch trotz aller Pro­pa­gan­da-Anstren­gun­gen, mas­si­ven Repres­sa­li­en, Reichs­tags­brand und KPD-Ver­bot ver­fehlt die NSDAP ihr Ziel; nur 42 Pro­zent der Wäh­le­rin­nen und Wäh­lern ent­schei­den sich für Hit­ler und sei­ne Partei.

Das ist eine Ent­täu­schung, die aber nie­mand offi­zi­ell zugibt.
Goe­b­bels beju­belt tap­fer das Wahl­er­geb­nis und macht sich dann eif­rig dar­an, sein neu­es Minis­ter­amt vor allem für sich und sei­ne Selbst­dar­stel­lung zu nut­zen: Alle Welt soll jetzt von sei­ner Wich­tig­keit erfahren!

Er bleibt — wie alle ande­ren Vasal­len Hit­lers — von der Gunst des “Füh­rers” abhän­gig, kann sich sei­ner Posi­ti­on nie sicher sein und muss sich sei­ne Macht mit ande­ren teilen.

Goe­b­bels, der sich ger­ne als einer der engs­ten Ver­trau­ten des „Füh­rersdar­stellt, ist an den weg­wei­sen­den Ent­schei­dun­gen des „Drit­ten Rei­ches“ nie betei­ligt und oft selt­sam unein­ge­weiht. Vie­les, was Hit­ler beschließt und durch­setzt, erfährt er bei­läu­fig oder sogar erst hinterher.

Es ist ein anstren­gen­des Leben, weil man immer auf der Hut sein muss. Hit­lers Pala­di­ne haben alle die Bei­spie­le der Män­ner und Frau­en vor Augen, die beim „Füh­rer“ plötz­lich in Ungna­de fal­len und in Blitz­krieg-Geschwin­dig­keit vor dem Scher­ben­hau­fen ihrer Kar­rie­re stehen.

Auch zu Hau­se läuft nicht alles rund. „Krach mit Mag­da“ ist ein häu­fig wie­der­keh­ren­der Ein­trag in sei­nem Tage­buch: Mag­da ist für sei­nen Geschmack zu wider­bors­tig, pocht auf ihre eige­ne Mei­nung, will kein Heim­chen am Herd sein, son­dern ihre Pflich­ten als „ers­te Frau im Reich“ wahr­neh­men, wäh­rend er ger­ne eine anschmieg­sa­me­re Gat­tin hätte.

Und einen Sohn.

… Mag­da ent­spricht in eini­gen Punk­ten nicht dem NS-Ide­al und behält sich eine gewis­se Indi­vi­dua­li­tät vor. Sie raucht, sie trinkt, … sie schminkt sich und läßt sich ihre nach­ge­dun­kel­ten Haa­re fär­ben. Sie lächelt über natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ein­rich­tun­gen, ver­ach­tet zahl­rei­che Unter­füh­rer der Par­tei und lehnt auch die Gleich­ma­che­rei und den Ver­lust der Indi­vi­dua­li­tät ab. ‚Wenn unse­re Genera­ti­on ver­gan­gen ist, wird es in Deutsch­land kei­ne Kul­tur, kei­ne Hei­ter­keit und kei­ne wirk­li­che Lebens­freu­de mehr geben. Statt des­sen nur noch Dis­zi­plin, blin­den Gehor­sam, Vor­schrif­ten, Befeh­le, BDM und KdF‘,  sagt sie zu ihrer Freun­din Ello Quandt.

Im Gespräch mit Ello äußert Mag­da manch­mal per­sön­li­che und kri­ti­sche Ansich­ten über den Natio­nal­so­zia­lis­mus, doch gegen­über Goe­b­bels oder ihrer übri­gen Umge­bung wagt sie es nicht, so zu sprechen …“

Aus Anja Kla­bun­de: Mag­da Goe­b­bels – Annä­he­rung an ein Leben*

Familie Goebbels

Nach der Geburt ihrer zwei­ten Toch­ter Hil­de im April 1934 ist Goe­b­bels so ent­täuscht, dass er sich nicht bei Frau und Baby im Kran­ken­haus bli­cken lässt.

Erst als Hit­ler mit Blu­men und – wie üblich – in Beglei­tung sei­ner Entou­ra­ge zum Gra­tu­lie­ren an Mag­das Wochen­bett eilt, muss Goe­b­bels sich wohl oder übel der Pro­zes­si­on anschließen. 

Er ver­lässt am Ende des Besuchs als Letz­ter den Raum, dreht sich beim Hin­aus­ge­hen noch ein­mal um und zischt Mag­da ein belei­dig­tes „das nächs­te Mal wird es aber ein Sohn!“ zu.

Auch die­ser Wunsch geht in Erfül­lung. Im Okto­ber 1935 bringt Mag­da end­lich den ersehn­ten Stamm­hal­ter Hel­mut zur Welt, den Goe­b­bels aller­dings spä­ter als zu ver­träumt, wei­bisch und wei­ner­lich empfindet.

Nach allem was man weiß, ist Goe­b­bels ein lie­be­vol­ler Vater.

Wenn er nach dem bru­ta­len Gleich­schal­ten von Pres­se, Rund­funk, Kunst und Kul­tur, Hetz­re­den hal­ten, Bücher­ver­bren­nun­gen und Reichs­par­tei­ta­ge orga­ni­sie­ren oder Pogro­me anzet­teln nach Hau­se kommt, nimmt er sich Zeit für sei­ne Kin­der und spielt mit ihnen oder liest ihnen vor.

Ab 1936 lebt Fami­lie Goe­b­bels haupt­säch­lich in ihrer neu­en Vil­la auf der exklu­si­ven Insel Schwa­nen­wer­der im Wann­see, die zum Teil mit Mag­das Abfin­dung aus der Ehe mit Quandt finan­ziert wird.

Bundesarchiv Magda und Joseph Goebbels mit ihren Kindern Hildegard, Helmut, Helga (v. l. n. r.), 1937 Von Bundesarchiv, Bild 183-1987-0724-503 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de
Mag­da und Joseph Goe­b­bels mit ihren Kin­dern Hil­de­gard, Hel­mut, Hel­ga (v. l. n. r.), 1937
Von Bun­des­ar­chiv, Bild 183‑1987-0724–503

In Schwa­nen­wer­der und auch spä­ter in Lan­ke, das die Stadt Ber­lin dem Pro­pa­gan­da­mi­nis­ter und sei­ner Gat­tin mit ein biss­chen Nach­druck schenkt, schaf­fen die Goe­b­bels‘ für ihre Kin­der ein Para­dies mit Ponys, Hüh­nern und Katzen.

Die Gro­ßen wer­den mit dem Pony­wa­gen zur Schu­le gefah­ren, denn bemer­kens­wer­ter­wei­se besu­chen sie ganz nor­ma­le öffent­li­che Schulen.

Noch bemer­kens­wer­ter ist, dass kei­nes der Kin­der einer NS-Orga­ni­sa­ti­on ange­hört, obwohl dem „Jung­volk“ zu die­ser Zeit fast kein Kind in Deutsch­land mehr ent­kom­men kann, sobald es dem Krab­bel­al­ter ent­wach­sen ist.

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Ber­lin 1936: Das 8. Buch der Gere­on-Rath-Kri­mi­rei­he von Vol­ker Kut­scher — und hof­fent­lich nicht das letz­te! Die­ses Mal vor dem Hin­ter­grund der olym­pi­schen Som­mer­spie­le, die die Natio­nal­so­zi­ia­lis­ten erst mur­rend aus der ‘Sys­tem­zeit’ geerbt haben — um sie dann für ihre Pro­pa­gan­da aus­zu­nut­zen. Wie in allen ande­ren Büchern außer Kri­mi ein span­nen­der Ein­blick der Extra­klas­se in die Zeit­ge­schich­te!

Sehr lesens­wert bzw. auch als Pod­cast sehr hörens­wert!
Vol­ker Kut­scher, Olym­pia*, Piper Ver­lag, Novem­ber 2020

Der Bock von Babelsberg

Zu Beginn ihrer Bezie­hung hat­te sich der ver­lieb­te Goe­b­bels eigent­lich vor­ge­nom­men, „die Frau­en­geschich­ten“ zu las­sen und sich „einer ein­zi­gen ganz zunei­gen“.

Vor­sichts­hal­ber hat er aber trotz­dem noch vor der Hoch­zeit eine Art Abkom­men mit Mag­da geschlos­sen: Sie wer­de immer „sei­ne Köni­gin“ sein, aber es kön­ne durch­aus mal pas­sie­ren, dass er den Rei­zen einer ande­ren erliegt.

… Auch auf die­sen Han­del läßt Mag­da sich ein, läßt sich im Augen­blick noch nicht beun­ru­hi­gen und ver­zich­tet auf eine Aus­ein­an­der­set­zung. Zu Ello äußerst sie sich ver­ständ­nis­voll, fast bewun­dernd: ‚Ein so genia­ler Mensch, der drei­mal so inten­siv lebt, kann eben nicht mit dem gewohn­ten Maß­stab bür­ger­li­cher Moral gemes­sen werden.‘ …“

Aus Anja Kla­bun­de: Mag­da Goe­b­bels – Annä­he­rung an ein Leben*

Spä­tes­tens ab 1934 wird die­ser Han­del fällig.

Mag­da weiß davon. Sie schweigt, nimmt es hin und greift zur Kognak-Fla­sche – gegen Erkäl­tung, wie sie ihrer Mut­ter Augus­te versichert.

Zunächst ist Goe­b­bels dis­kret und trifft sich mit neu­en Freun­din­nen und alten Flam­men in sei­ner Dienst­woh­nung in Berlin.

Aber mit der Zeit wird ihm das wohl zu umständ­lich und er nimmt sie mit nach Schwa­nen­wer­der, wo er und Mag­da getrenn­te Schlaf­zim­mer haben.

Spä­ter zieht er in die Nach­bar­vil­la, die er dem jüdi­schen Vor­be­sit­zer zum ‚ari­sier­ten‘ Preis abge­kauft hat. Dort ist es jetzt „sei­ne Burg“, in die er sich zurück­zieht, wenn er genug von Frau und Kin­dern hat.

Da er im Minis­te­ri­um nicht nur einen gan­zen Stab hüb­scher Sekre­tä­rin­nen zur Ver­fü­gung hat, son­dern auch Allein­herr­scher über das Film­un­ter­neh­men UFA mit Stu­di­os im Pots­da­mer Stadt­teil Babels­berg ist, sucht er sich sei­ne Bekannt­schaf­ten immer häu­fi­ger im Kreis von Stars und Star­lets.

Künst­ler­krei­se eben, die mag Hit­ler auch. 

Und Goe­b­bels ist als Pro­pa­gan­da­mi­nis­ter obers­ter Zen­sor, der vom Dreh­buch über die Beset­zung bis zum fer­ti­gen Film alles bestim­men darf. Eine Steil­vor­la­ge für den umtrie­bi­gen Reichs-Schürzenjäger.

Ufa-Logo 1917 bis 1991

1938, auf dem Höhe­punkt der Baa­ro­vá-Affä­re, spielt Goe­b­bels‘ Staats­se­kre­tär Karl Hanke der von ihm ange­be­te­ten Gat­tin sei­nes Chefs eine ‚Geliebten‘-Liste zu, auf der über 50 Namen von Freun­din­nen des Minis­ters stehen.

Mag­da trifft sich mit eini­gen von ihnen und erfährt zu ihrem Ent­set­zen, dass sich nicht alle frei­wil­lig mit dem „Bock von Babels­berg“ ein­ge­las­sen haben. Joseph Goe­b­bels war ein schau­ri­ger Har­vey Wein­stein des Drit­ten Rei­ches; die Frau­en, die ihm nicht zu Wil­len waren, konn­ten ihre Lauf­bahn beim deut­schen Film als been­det betrachten.

Als Mag­da das erfährt, ist sie am Boden zer­stört.
Spä­ter sagt sie einer Ver­trau­ten, dass Goe­b­bels ihr „beim Leben unse­rer Kin­der“ geschwo­ren habe, dass dem nicht so wäre.

Die Affäre Baarová

Lida Baarova - Joseph Goebbels Geliebte 1938
Lída Baa­ro­vá (1940), gemeinfrei

… Die tsche­chi­sche Schau­spie­le­rin Lida Baa­ro­vá stammt aus Prag, strebt jedoch eine fil­mi­sche Kar­rie­re in Deutsch­land an, da sie in der bes­ser ent­wi­ckel­ten deut­schen Film­in­dus­trie grö­ße­re Chan­cen zu haben scheint. Sie ist eine schö­ne Frau: dun­kel, zier­lich, mit einem aus­drucks­vol­len Gesicht – und sie ist sehr jung. Als Goe­b­bels ihre Bekannt­schaft macht, hat sie gera­de ihren zwei­und­zwan­zigs­ten Geburts­tag gefeiert. …“

Aus Anja Kla­bun­de: Mag­da Goe­b­bels – Annä­he­rung an ein Leben*

Mag­da hat gera­de ihren 35. Geburts­tag gefei­ert und im Febru­ar 1937 ihr vier­tes Kind von Goe­b­bels ent­bun­den, die klei­ne Hol­di­ne, kurz Hol­de genannt. 

Die Geburt war kom­pli­ziert und es geht Mag­da danach gesund­heit­lich nicht gut, wes­halb sie sich für meh­re­re Wochen in ein Sana­to­ri­um nach Dres­den zurückzieht.

Freie Fahrt für Goe­b­bels, der – mal wie­der – auf Frei­ers­fü­ßen unter­wegs ist, sich die­ses Mal aber ernst­haft verliebt.

Die Baa­ro­vá (eigent­lich Lud­mi­la Bab­ko­vá) lebt zusam­men mit ihrem Film­part­ner und Ver­lob­ten Gus­tav Fröh­lich eben­falls in einer Vil­la in Schwa­nen­wer­der. Man kennt sich nicht nur vom Film­set, son­dern auch als Nachbarn.

Nach einer – unbe­wie­se­nen – Anek­do­te will Gus­tav Fröh­lich im Herbst 1937 den Gerüch­ten nach­ge­hen, dass sei­ne Lida etwas mit dem Pro­pa­gan­da­mi­nis­ter hat, lau­ert den bei­den nachts vor der Goebbels’schen Vil­la auf und zieht sei­ne Ver­lob­te unter Ver­ab­rei­chung meh­re­rer Ohr­fei­gen aus Goe­b­bels‘ Wagen, als die­ser vor­fährt und sich bei­de mit einer inni­gen Umar­mung von­ein­an­der verabschieden. 

Der Ber­li­ner Volks­mund macht dar­aus, dass Fröh­lich Goe­b­bels geschla­gen hät­te, wor­auf­hin bald das Bon­mot „Ich möch­te auch mal Fröh­lich sein“ kur­siert.

Im Herbst 1937 ist Mag­da wie­der schwan­ger, obwohl ihr die Ärz­te von wei­te­ren Schwan­ger­schaf­ten abge­ra­ten haben. Ver­mut­lich kom­men ihr in die­ser Zeit auch die Gerüch­te über ihren Mann und sei­ner neue Flam­me zu Ohren, aber sie beschließt wie üblich, auch die­se Affä­re zu ignorieren.

Drei Mona­te nach der Geburt ihrer klei­nen Toch­ter Hed­da im Mai 1938 lässt Goe­b­bels dann end­gül­tig ihre letz­te Hoff­nung von Lie­be, Köni­gin und Fami­li­en­idyll plat­zen, wie ihre Freun­din Ello nach dem Krieg Mag­das Bio­gra­phen Otto Meiss­ner berichtet:

… Goe­b­bels hat­te sich aus Ber­lin in Schwa­nen­wer­der ange­mel­det und gesagt, daß er Lida Baa­ro­va mit­brin­gen wer­de, was nicht so unge­wöhn­lich war, da sie schon eini­ge Male zu Besuch im Hau­se war. Mag­da war ahnungs­los und ein­ver­stan­den, Goe­b­bels zeig­te sich von sei­ner char­man­ten Sei­te, brach­te für Mag­da Blu­men mit, und auch die Baa­ro­va wirk­te sehr sym­pa­thisch.

Als man gemüt­lich beim Tee zusam­men­saß, wand­te sich Goe­b­bels plötz­lich an Mag­da: ‚Ich muß etwas sehr Erns­tes mit dir bespre­chen … Frau Baa­ro­va und ich, wir lie­ben uns.‘

Lida bestä­tig­te sofort mit gro­ßer Bestimmt­heit: ‚Jawohl, wir lie­ben uns!‘
Für Mag­da kam die­se Eröff­nung trotz aller vor­an­ge­gan­ge­nen Kri­sen völ­lig uner­war­tet. Goe­b­bels fuhr fort: ‚Du bist natür­lich die Mut­ter mei­ner Kin­der und die Frau, die zu mir gehört. Aber nach so vie­len Jah­ren, wirst du ein­se­hen, daß ich eine Freun­din … ich mei­ne eine fes­te und ernst­haf­te Freun­din haben muss.‘

Mag­da war so scho­ckiert, daß sie unfä­hig war, etwas dar­auf zu erwi­dern. Er hielt ihr Schwei­gen für Zustim­mung. Mag­da erhob sich, um allein zu sein. Goe­b­bels stand eben­falls auf und nahm sie in die Arme: ‚Ich wuß­te ja, daß ich mich auf dich ver­las­sen kann, liebs­te Mag­da‘, rief er. ‚Du bist und bleibst mei­ne gute Alte.‘ …“

Aus Anja Kla­bun­de: Mag­da Goe­b­bels – Annä­he­rung an ein Leben*

Durchhalten um jeden Preis!

Goe­b­bels‘ „gute Alte“ ist zu die­sem Zeit­punkt 36 Jah­re alt – und zunächst sogar bereit, eine „Ehe zu Dritt“ zu führen. 

Durch­hal­ten um jeden Preis, in der Hoff­nung, dass „das mit der Baa­ro­va“ irgend­wann ein­mal vor­bei sein wird. „Im Alter gehört er dann ganz mir, sagt sie zu ihrer Freun­din Ello.

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Die His­to­ri­ke­rin Anja Kla­bun­de in ihrer span­nend geschrie­be­nen Roman­bio­gra­phie über den Wer­de­gang von Maria Mag­da­le­na Goe­b­bels, gebo­re­ne Beh­rend, adop­tier­te Fried­län­der, aner­kann­te Rit­schel und geschie­de­ne Quandt.
Lesens­wert!

Anja Kla­bun­de, Mag­da Goe­b­bels: Annä­he­rung an ein Leben*. Gold­mann Ver­lag, 2001

Dann erfährt sie, dass Goe­b­bels der Baa­ro­vá die Ehe ver­spro­chen haben soll, was das Maß, das sie zu ertra­gen bereit ist, vollmacht. 

Goe­b­bels’ Adju­tant Karl Hanke, der Mag­da ver­ehrt (und ver­mut­lich in sie ver­liebt ist), hin­ter­geht sei­nen Chef und spielt ihr eine Lis­te mit den Namen der Goe­b­bels-Gelieb­ten und kopier­ten Lie­bes­brie­fen zu, mit denen Mag­da ver­sucht, ihren Mann zurück in die ehe­li­che Treue zu erpressen.

Als Goe­b­bels dar­auf nicht reagiert, setzt sie ihm die Pis­to­le auf die Brust und droht mit Scheidung.

Dar­auf­hin lenkt Goe­b­bels ein und ver­spricht ihr, sei­ne Liai­son mit der Baa­ro­vá zu been­den. Als er das trotz sei­nes Ver­spre­chens nicht tut (was der getreue Hanke ihr schnell zuträgt), hört sie sich sei­ne Aus­flüch­te und Begrün­dun­gen nicht län­ger an, son­dern flüch­tet sich zum „Füh­rer“.

Dem sind die Lebens­ver­hält­nis­se sei­nes Hof­staa­tes im Prin­zip egal — es sei denn, sie durch­kreu­zen sei­ne Plä­ne. Und das wür­de die Tren­nung sei­nes NS-Vor­zei­ge­paa­res tun.

Wer wie die Goe­b­bels-Kin­der vor den lau­fen­den Kame­ras der ‘Wochen­schau’ fürs Kino dem net­ten „Onkel Hit­ler“ zum Geburts­tag gra­tu­lie­ren und aus­län­di­schen Staats­gäs­ten Blu­men­sträu­ße über­rei­chen darf, kann kein Schei­dungs­kind sein.

Der “Füh­rer” zitiert Goe­b­bels auf den Berg­hof und lässt sei­nem Pro­pa­gan­da­mi­nis­ter eines sei­ner berüch­tig­ten “Macht­wor­te” zukommen.

Um genau zu sein: Er brüllt es, wie sich der Ver­wal­ter des ‚Berg­hofs‘ spä­ter erin­nert:
… und da hat ihn Hit­ler in sei­nem Arbeits­zim­mer aber laut­stark abkas­siert.”

Als das geklärt ist, wird Mag­da geru­fen und man fährt gemein­sam auf den Kehl­stein, wo das Ver­söh­nungs­fo­to ent­steht, das am nächs­ten Tag im ‚Völ­ki­sche Beob­ach­ter‘ ver­öf­fent­licht wird.

Danach wird das Ehe­paar Goe­b­bels wie­der in sei­nen Ehe­all­tag entlassen.

Der Führer wieder auf dem Obersalzberg Bei einem Besuch auf dem Kehlstein mit seinen Gästen, Reichsminister Dr. Goebbels und Frau mit ihren Kindern Helga, Hilde und Helmut.
Der Füh­rer wie­der auf dem Ober­salz­berg. Bei einem Besuch auf dem Kehl­stein mit sei­nen Gäs­ten, Reichs­mi­nis­ter Dr. Goe­b­bels und Frau mit ihren Kin­dern Hel­ga, Hil­de und Hel­mut.
1938, Bun­des­ar­chiv, Bild 183‑1987-0724–502 / Hein­rich Hoff­mann / CC-BY-SA 3.0

Wer war Magda Goebbels?

Nach Hit­lers Macht­wort erhält Lida Baa­ro­vá in Deutsch­land Spiel­ver­bot und kehrt nach Prag zurück. 

Goe­b­bels, der durch sei­ne Affä­re beim “Füh­rer” in Ungna­de gefal­len ist, ver­sucht mit allen Mit­teln, Hit­ler wie­der gnä­dig zu stim­men, und insze­niert ver­mut­lich auch des­halb am 9. Novem­ber 1938 die Reichs­kris­tall­nacht.

Mag­da bekommt im Okto­ber 1940 ihr sechs­tes Kind von ihm, die klei­ne Hei­di, als Versöhnungskind.

Wer war Mag­da Goebbels?

Vor ihrer Begeg­nung mit Goe­b­bels eine attrak­ti­ve und wohl­ha­ben­de, wenn auch zu Tode gelang­weil­te Frau. Am Ende ihres Lebens ist sie nach 7 Gebur­ten und min­des­tens drei Fehl­ge­bur­ten ein kör­per­li­ches und emo­tio­na­les Wrack. 

Sie zieht sie sich wegen immer wie­der­keh­ren­der Herz­at­ta­cken und Depres­sio­nen mona­te­lang in exklu­si­ve Sana­to­ri­en zurück, wirkt matro­nen­haft und müde.

Hit­lers “ers­te Frau im Reich”, die ihre eiser­ne Selbst­dis­zi­plin und Beherrscht­heit lan­ge Zeit mit Charme und Welt­ge­wand­heit über­spie­len konn­te, zeigt jetzt nur noch Verbissenheit.

Porträt der Familie Goebbels 1942: Mitte Magda Goebbels, Joseph Goebbels mit ihren sechs Kindern Helga, Hildegard, Helmut, Hedwig, Holdine und Heidrun. Dahinter Harald Quandt in der Uniform eines Feldwebels der Luftwaffe (retuschierte Postkarte)
Por­trät der Fami­lie Goe­b­bels 1942: Mit­te Mag­da Goe­b­bels, Joseph Goe­b­bels mit ihren sechs Kin­dern Hel­ga, Hil­de­gard, Hel­mut, Hed­wig, Hol­di­ne und Hei­drun. Dahin­ter Harald Quandt in der Uni­form eines Feld­we­bels der Luft­waf­fe
Von Bun­des­ar­chiv, Bild 146‑1978-086–03 / CC-BY-SA 3.0

Ist sie eine eis­kal­te Fana­ti­ke­rin, die ihre Kin­der dem „Füh­rer“ geop­fert hat — oder selbst eine Verführte? 

Eine Frau, die ihr per­sön­li­ches Unglück über das aller ande­ren gestellt hat und des­halb schwieg?

Mag­da Goe­b­bels schweigt, als ihr Ex-Ehe­mann Gün­ther Quandt, immer­hin der Vater ihres ältes­ten Sohns Harald und (unfrei­wil­li­ger) Stif­ter ihres Ver­mö­gens, im Mai 1933 ver­haf­tet wird und anschlie­ßend meh­re­re Mona­te ohne Rechts­grund­la­ge im Gefäng­nis sitzt.

Sie schweigt auch, als ihr jüdi­scher Stief­va­ter Richard Fried­län­der, an dem sie als Kind zärt­lich hing, im Juni 1938 ins KZ Buchen­wald depor­tiert wird.

Wie starben die Goebbels-Kinder?

Wie ihre sechs Kin­der am 1. Mai 1945 im Füh­rer­bun­ker zu Tode kamen , ist bis heu­te ein Rätsel.

Ob Mag­da selbst, wie im Film „Der Unter­gang“* von Corin­na Har­fouch meis­ter­haft gespielt, ihre fünf Töch­ter und ihren Sohn im Füh­rer­bun­ker mit grau­en­haf­ter Käl­te und Beherrscht­heit ver­gif­tet und danach in aller See­len­ru­he einer Par­tie Pati­ence gespielt hat, oder ob einer der Ärz­te im Bun­ker den Auf­trag aus­ge­führt hat, kann nicht mehr geklärt werden.

Die sechs getöteten Goebbels-Kinder, Mai 1945
Foto aus der sowje­ti­schen Wochen­schau 1945: Die sechs getö­te­ten Goebbels-Kinder

Albert Speer, einer der letz­ten, der Mag­da Goe­b­bels lebend gese­hen hat, will sie bleich und stumm wie ein Häuf­chen Elend in ihrem Bett lie­gend ange­trof­fen haben, neben ihr Goe­b­bels, der ihr nicht von der Sei­te weicht.

Laut Speers Erin­ne­run­gen will auch er sie – wie vie­le ande­re im Bun­ker – ange­fleht haben, die Kin­der zu ret­ten. Speers Dar­stel­lung impli­ziert, dass Goe­b­bels die trei­ben­de Kraft hin­ter der Ermor­dung sei­ner Kin­der gewe­sen sein könn­te.

Aller­dings ist Speer nach­weis­bar ein Fabu­lie­rer, der his­to­ri­sche Tat­sa­chen ger­ne schön­färbt. Bei His­to­ri­kern gilt er nicht als glaub­haf­te Quel­le, weil er nach­weis­lich immer wie­der die Ver­gan­gen­heit in sei­nen Erzäh­lun­gen geschönt und glatt­ge­zo­gen hat. 

In ihrem Abschieds­brief an ihren ältes­ten Sohn Harald, schreibt Mag­da: „Die Welt, die nach dem Füh­rer und dem Natio­nal­so­zia­lis­mus kommt ist nicht mehr wert dar­in zu leben und des­halb habe ich auch die Kin­der hier­her mit­ge­nom­men. Sie sind zu scha­de für das nach uns kom­men­de Leben und ein Gnä­di­ger Gott wird mich ver­ste­hen, wenn ich selbst ihnen die Erlö­sung geben wer­de.“   

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phien, www​.bild​bio​gra​phien​.de, 2020 (über­ar­bei­tet 2022)

Lesen Sie im nächs­ten Bei­trag: Eine Lie­bes­be­zie­hung mit einem Nar­ziss­ten bedeu­tet immer, dass nur einer von bei­den geliebt wird. Der ande­re liebt und hofft immer ver­zwei­fel­ter auf Gegen­lie­be. Wie Nar­ziss­mus ent­steht — und wie man ihm ent­kom­men kann.
Das Zeit­al­ter der Narzissten

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Ein Geschichts-Thril­ler
über die letz­ten 10 Wochen der Wei­ma­rer Repu­blik. Was haben die Men­schen gedacht und gefühlt und wel­che Intri­gen wur­den hin­ter ver­schlos­se­nen Türen gespon­nen? Das zähe Rin­gen aller Akteu­re — Hin­den­burg, Hit­ler, Papen, Schlei­cher, Goe­b­bels — um die Macht. Und das kata­stro­pha­le Ende der Wei­ma­rer Repu­blik. Lesens­wert!
Rüdi­ger Barth, Hau­ke Fried­richs, Die Toten­grä­ber: Der letz­te Win­ter der Wei­ma­rer Repu­blik*, S. FISCHER Ver­lag, 2018 

Flo­ri­an Illies’ neu­es Buch
über Lie­be und Hass in der Zeit von 1929 bis 1939.
Er bleibt sei­nem Kon­zept aus 1913: Der Som­mer des Jahr­hun­derts* treu und erzählt span­nend, nach­voll­zieh­bar und mit wun­der­bar leich­ter Hand gro­ße Geschich­te in vie­len klei­nen Geschich­ten. Sehr lesens­wert — man legt es nicht mehr frei­wil­lig zur Sei­te.

Flo­ri­an Illies, Lie­be in Zei­ten des Has­ses: Chro­nik eines Gefühls 1929 — 1939*, S. FISCHER 2021 

Eine der bes­ten Goe­b­bels-Bio­gra­phien,
die den Men­schen, das Mons­ter, sein Ver­hält­nis zu Hit­ler und auch die Wirk­me­cha­nis­men sei­ner Pro­pa­gan­da-Mani­pu­la­ti­on sehr lesens­wert und gut ver­ständ­lich erklärt.
Ein sehr emp­feh­lens­wer­tes Buch für alle, die sich ein­ge­hen­der mit der NS-Dik­ta­tur beschäf­ti­gen.
Peter Lon­ge­rich, Joseph Goe­b­bels: Bio­gra­phie*, 912 Sei­ten, Pan­the­on Ver­lag, 2012

Hit­ler und die Frau­en
Ein span­nen­des Buch über die Frau­en der Nazi­grö­ßen und ein her­vor­ra­gen­der Blick hin­ter die Kulis­sen der NS-High­so­cie­ty, durch den man vie­les viel bes­ser ver­ste­hen und nach­voll­zie­hen kann.
Sehr gut geschrie­ben und sehr lesens­wert!

Anna Maria Sig­mund, Die Frau­en der Nazis*. Wil­helm Hey­ne Ver­lag, Mün­chen, 2013

Ein span­nen­des Buch, das nicht nur mit dem Bild vom “blon­den Dumm­chen” in Hit­lers Schlepp­tau Schluss macht, son­dern auch einen sehr genau­en Blick auf die Struk­tu­ren, Abhän­gig­kei­ten und Macht­spiel­chen inner­halb der Füh­rer-Cli­que wirft. Defi­ni­tiv kei­ne Strand­lek­tü­re, aber sehr emp­feh­lens­wert für alle, die mehr über das Leben mit Adolf Hit­ler wis­sen wol­len.
Hei­ke B. Gör­te­ma­ker: Eva Braun — Leben mit Hit­ler**, C.H.Beck Ver­lag, 2019

Die letz­ten Tage des Drit­ten Rei­ches.
Der gan­ze Irr­witz des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Sys­tems in einem Film — muss man gese­hen haben! Nach einem Tat­sa­chen­ro­man von Joa­chim Fest, mit Bru­no Ganz (Adolf Hit­ler), Corin­na Har­fouch (Mag­da Goe­b­bels), Alex­an­dra Maria Lara (Hit­lers Sekre­tä­rin Traudl Jun­ge) und vie­len wei­te­ren groß­ar­ti­gen Schau­spie­lern.

Oli­ver Hirsch­bie­gel (Regie), Der Unter­gang*, Con­stan­tin Film, 2005, FSK 12

Die Macht­er­grei­fung 1933, der Mythos ‘Auto­bahn­bau’, Röhm-Putsch
- und vie­les mehr über­sicht­lich und sehr infor­ma­tiv beschrie­ben und mit tol­len Bil­dern gezeigt. Der Wer­de­gang Hit­lers und der NSDAP und die ers­ten 1000 Tage des Nazi-Regimes in span­nen­den Tex­ten und Fotos — sehr lesens­wert!

GEO Epo­che, Deutsch­land unter dem Haken­kreuz, Teil 1: 1933 — 1936. Die ers­ten 1000 Tage der Dik­ta­tur*
Gru­ner + Jahr, 2013

Wei­ter­füh­ren­de Bei­trä­ge:

Da Goe­b­bels nicht nur ein fana­ti­scher Tage­buch­schrei­ber war, son­dern auch sein Lie­bes­le­ben akri­bisch notiert (und durch­num­me­riert) hat, weiß man heu­te sehr genau über die Roman­ze zwi­schen dem Gau­lei­ter von Ber­lin und der schö­nen Mag­da Quandt Bescheid.
Wie alles begann — der 1. Teil der Lebens­ge­schich­te von Mag­da Goe­b­bels:
Mag­da Goe­b­bels (1): “Eine schö­ne, schö­ne Frau”

Hit­lers “Macht­er­grei­fung”: Ende 1932 scheint Hit­lers Auf­stieg zur Macht end­gül­tig gestoppt zu sein: Die „Hit­ler-Par­tei“ ist plei­te, zer­strit­ten und hat am 6. Novem­ber 1932 – das ers­te Mal seit zwei Jah­ren – Wäh­ler­stim­men ver­lo­ren. Und trotz­dem ernennt der Prä­si­dent der Wei­ma­rer Repu­blik, Paul von Hin­den­burg, Adolf Hit­ler am 30. Janu­ar 1933 zum Reichs­kanz­ler.
Wie konn­te das pas­sie­ren?
1933 Das Ende der Repu­blik. Hit­lers Auf­stieg zur Macht

Hit­ler und die Frau­en: Adolf Hit­ler hat­te ein sehr gro­ßes Inter­es­se an Frau­en (und umge­kehrt) und war bei wei­tem nicht der “ein­sa­me Wolf”, als der er sich in der Öffent­lich­keit ger­ne dar­stel­len ließ. Adolf Hit­ler, die Frau­en und sein bri­ti­sches Tech­tel­mech­tel.
Vom It-Girl zur Wal­kü­re: Die Welt der Unity Mitford

NS-Erzie­hung: Es war wäh­rend des Drit­ten Rei­ches ein Best­sel­ler und galt als d e r Leit­fa­den zur Kin­der­er­zie­hung. Über die NS-Päd­ago­gik und Johan­na Haa­rers Mach­werk.
Zwi­schen Drill und Miss­hand­lung: Die deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind

Schwar­ze Päd­ago­gik: Schlä­ge und Schwei­gen, Ver­drän­gen und Neu Insze­nie­ren, sind die Mus­ter, die Kin­der­see­len bre­chen und das Kon­zept der ‘Erzie­hung mit har­ter Hand’ von einer Genera­ti­on auf die nächs­te über­trägt. Über Ali­ce Mil­ler, Hit­lers Mit­läu­fer und Mör­der und schwar­ze Päd­ago­gik, die aus Opfern Täter macht.
Die Erlaub­nis zu hassen

Die “Kris­tall­nacht” im Novem­ber 1938 war eine lang geplan­te und akri­bisch vor­be­rei­te­te Gewalt­ak­ti­on gegen Juden — zur Finan­zie­rung des längst beschlos­se­nen Welt­krie­ges.
9. Novem­ber 1938: “Kris­tall­nacht”

Wei­ter­füh­ren­de Links:

Wie es nach Mag­das Tod wei­ter­ging: Harald Quandt und sei­ne Töch­ter
https://​www​.cice​ro​.de/​w​i​r​t​s​c​h​a​f​t​/​d​i​e​-​e​r​b​e​n​-​d​e​r​-​m​a​g​d​a​-​g​o​e​b​b​e​l​s​/​3​6​616

59 sehens­wer­te Film­mi­nu­ten mit vie­len Wochen­schau-Aus­schnit­ten über Mag­da Goe­b­bels — die Gefolgs­frau (ORF, aus der Rei­he ‘Hit­lers Frau­en’)
https://​www​.dai​l​y​mo​ti​on​.com/​v​i​d​e​o​/​x​7​s​q​k2m

Bild­nach­wei­se:

Bun­des­ar­chiv Bild 183-R32860, Ber­lin, Trau­ung von Joseph und Mag­da Goe­b­bels / Autor unbe­kannt / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de. Trau­ung von Joseph und Mag­da Goe­b­bels auf Gut Seve­rin bei Par­chim (Meck­len­burg), auf dem Weg zur Kir­che. Im Hin­ter­grund der Trau­zeu­ge Hit­ler.
Mag­da und Joseph Goe­b­bels mit ihren Kin­dern Hil­de­gard, Hel­mut, Hel­ga (v. l. n. r.), 1937
Von Bun­des­ar­chiv, Bild 183‑1987-0724–503 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de
Logo der Uni­ver­sum-Film-AG (Ufa) von 1917 bis 1991 mit Haupt­sitz und Stu­di­os im Pots­da­mer Stadteil Babels­berg. Gemein­frei
Lída Baa­ro­vá (1940), gemein­frei
Bun­des­ar­chiv, Bild 183‑1987-0724–502 / Hein­rich Hoff­mann / CC-BY-SA 3.0
Ober­salz­berg, Besuch Fami­lie Goe­b­bels bei Adolf Hit­ler, Der Füh­rer wie­der auf dem Ober­salz­berg. Bei einem Besuch auf dem Kehl­stein mit sei­nen Gäs­ten, Reichs­mi­nis­ter Dr. Goe­b­bels und Frau mit ihren Kin­dern Hel­ga, Hil­de und Hel­mut.
1938, Autor: Hein­rich Hoff­mann
Por­trät der Fami­lie Goe­b­bels 1942: Mit­te Mag­da Goe­b­bels, Joseph Goe­b­bels mit ihren sechs Kin­dern Hel­ga, Hil­de­gard, Hel­mut, Hed­wig, Hol­di­ne und Hei­drun. Dahin­ter Harald Quandt in der Uni­form eines Feld­we­bels der Luft­waf­fe (retu­schier­te Post­kar­te, erstellt: 1. Janu­ar 1944), Von Bun­des­ar­chiv, Bild 146‑1978-086–03 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de
Foto aus der sowje­ti­schen Wochen­schau 1945: Die sechs getö­te­ten Goe­b­bels-Kin­der, gemeinfrei

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295650coo­kie-checkMag­da Goe­b­bels (2): Der Bock von Babels­berg

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