1936: Das Jahr des Scheiterns
1936 trifft die Welt drei Mal aufeinander: Bei der Besetzung des Rheinlands durch deutsche Truppen, der Olympiade in Berlin und auf den Schlachtfeldern Spaniens.
Ein Jahr, das mit der Hoffnung beginnt, Hitler endlich zu stoppen, endet in einem Rausch aus Blut und Terror.

1936: Das Jahr, in dem Hitler Grenzen austestete
Eine gefährliche Liebäugelei mit dem Faschismus macht sich in den 1930er Jahren in ganz Europa breit. Auch in den europäischen Regierungen.
Die Briten versuchen sich mit dem NS-Regime zu arrangieren, denn Hitler sehen sie im Vergleich zu Stalin als das kleinere Übel an. Man versucht, den deutschen „Führer” mit Entgegenkommen und Appeasement zu beschwichtigen.
Noch schlechter steht es um Frankreich, dessen innenpolitische Lage mehr als labil ist: Zwischen 1932 und 1936 gibt es insgesamt 11 Regierungswechsel. Die politisch einflussreichsten Kräfte sind Radikalsozialisten, Sozialisten und Kommunisten, die — ebenso wie die Mehrheit der Französinnen und Franzosen — noch unter dem Eindruck des 1. Weltkriegs und der Weltwirtschaftskrise ab 1929 entschieden pazifistisch sind.
In Abwesenheit einer eigenen Idee, wie man mit der Bedrohungslage aus Deutschland umgehen könnte, orientiert man sich an Großbritannien; eine direkte Konfrontation mit dem Nazi-Regime im Alleingang will man in Frankreich um jeden Preis vermeiden.
Dazu kommt, dass die wechselnden französischen Regierungen immer aus Koalitionen gebildet werden, weshalb es schwierig ist, eine klare Linie gegenüber dem deutschen NS-Regime zu finden.
Man verständigt sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner.
Hitler hat also ein leichtes Spiel in Europa; die USA halten sich aus allem heraus und Stalin ist damit beschäftigt, seine eigene Bevölkerung nach seinen Vorstellungen zu „säubern”.
Mit Zuckerbrot und Peitsche: Wie Hitler die Welt erpresste. Appeasement: Hitler und die Briten
Das Dritte Reich dagegen scheint sich nach der „Machtergreifung” der Nationalsozialisten 1933 wirtschaftlich und politische wie ein Phönix aus der Asche zu erheben.
Viele blicken durchaus mit Bewunderung und manchmal auch neidisch auf die scheinbar aufblühende Volksgemeinschaft in Hitlers Deutschland.
Freilich ohne die blutigen Kehrseiten und Abgründe zu sehen oder sehen zu wollen.
Der Lutetia-Kreis: Hoffnung auf eine gemeinsame Front gegen Hitler
Angesichts der Begeisterung, die Hitler nicht nur bei den Deutschen, sondern in ganz Europa auslöst, drängt die Zeit für Antifaschisten und Linke, etwas gemeinsam gegen antidemokratische rechtsgerichtete Kräfte in Europa zu tun.
Deshalb tut sich unter den deutschen Emigranten in Paris Ungewöhnliches.
Am 2. Februar 1936 findet im Hotel Lutetia am Boulevard Raspail 51 bereits die zweite Lutetia-Konferenz statt. Eingeladen hat der gut vernetzte KPD-Funktionär und Selfmade-Verlagsmillionär Willi Münzenberg.
Einschränkungen, um an diesem Treffen teilzunehmen, gibt es keine: die Grundlage des Lutetia-Kreises ist völlige Glaubens- und Gewissensfreiheit.
Alle hoffen, dass es mit Hilfe von namhaften Persönlichkeiten aus Politik und Kultur über die Grenzen von Parteizugehörigkeit und Weltanschauung hinaus endlich gelingt, Hitler zu stoppen.
Es ist ein ungewöhnlicher Schritt, denn während der Weimarer Republik waren Sozialdemokraten und Kommunisten grundsätzlich unterschiedlicher Meinung.
Selbst angesichts des unaufhaltsam scheinenden Aufstiegs der NSDAP, war man nicht bereit, auch nur miteinander zu reden.
Die KPD hatte vor 1933 im Reichstag und bei Streiks punktuell sogar mit der NSDAP kooperiert; mit der SPD nie. Das gegenseitige Misstrauen ist groß und sitzt tief.
„SPD und NSDAP sind Zwillinge!”: Der unüberbrückbare Graben zwischen SPD und KPD. Stalin & Thälmann: Der Hamburger Aufstand 1923
Erst 1935 begräbt Stalin endgültig die katastrophale Doktrin „SPD und NSDAP sind Zwillinge!”, die mitverantwortlich für Hitlers Aufstieg zur Macht ist. Für die stalintreue KPD galt während der Weimarer Zeit nicht die NSDAP, sondern die SPD als Hauptfeind, der bekämpft werden musste.
Jetzt, drei Jahre nach Hitlers „Machtergreifung” scheint auch Stalin begriffen zu haben, dass Hitler auch zur Gefahr für die Sowjetunion werden könnte.
Er räumt die alte Sozialfaschismus-Theorie beiseite und macht damit den Weg frei für eine vorsichtige Öffnung gegenüber Sozialdemokraten und bürgerlichen Parteien für den gemeinsamen Kampf gegen Hitler.
Münzenberg bringt über 100 Teilnehmer in seinem Lutetia-Kreis zusammen, darunter 20 Kommunisten, 27 Sozialdemokraten und 37 Vertreter bürgerlicher Parteien.
Die Crème de la Crème deutscher Exilanten ist da: die Sozialdemokraten Rudolf Breitscheid und Max Braun, bekannte Autoren wie Lion Feuchtwanger, Arnold Zweig, Egon Erwin Kisch und Johannes R. Becher sind dabei. Kein Geringer als Heinrich Mann ist der amtierende Präsident des Kreises.
Lutetia ist die erste Gelegenheit, bei der man ernsthaft über einen gemeinsamen Widerstand gegen das Dritte Reich spricht. Sie wird die einzige bleiben.
Gelingt es, 1936 zu einem Jahr des gemeinsamen Kampfes gegen Hitler zu machen?
März 1936: Rheinlandbesetzung — Hitler spielt mit dem Feuer
Am 7. März 1936 setzt Hitler zum Entsetzen Großbritanniens und Frankreichs das erste Mal seine Wehrmacht in Marsch und lässt völkerrechtswidrig das entmilitarisierte Rheinland besetzen.
Zu dieser entmilitarisierten Zone gehören Städte wie Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Mannheim, Karlsruhe und Freiburg westlich des Rheins sowie 50 Kilometer östlich.
Städte und Gebiete gehören zwar zu Deutschland, aber der Versailler Vertrag verbietet es, dort deutsche Truppen zu stationieren oder Befestigungsanlagen zu bauen, um die Gefahr eines neuen Krieges zwischen den beiden „Erbfeinden” Deutschland und Frankreich zu verhindern.
Das ändert das NS-Regime mit der Operation „Winterübung” im März 1936.
30.000 Wehrmachtssoldaten überqueren die Rheinbrücken, beziehen Posten an den Grenzen zu Belgien, Luxemburg und Frankreich und errichten in Aachen, Trier und Saarbrücken Garnisonen.
Der Zeitpunkt dieser „Winterübung” ist geschickt gewählt; Hitler nutzt das allgemeine politische Chaos in Frankreich aus und den Clinch zwischen Briten und Franzosen: Das französische Parlament hatte nur wenige Tage zuvor einen französisch-sowjetischen Beistandspakt ratifiziert.
Über diesen Pakt ist Großbritannien nicht erfreut — und er gibt Hitler die Möglichkeit zu erklären, er fühle sich dadurch bedroht. Zudem sei der Pakt zwischen Frankreich und der Sowjetunion ein Bruch des Vertrags von Locarno.
Dass er mit dem Einmarsch seiner Truppen ins Rheinland selbst einen doppelten Vertragsbruch begeht und sowohl gegen den Vertrag von Versailles als auch von Locarno verstößt, sagt er nicht.
Geografie, Macht und Krieg
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Die Operation „Winterübung” gelingt
Die Besetzung des entmilitarisierten Rheinlands ist ein Spiel mit dem Feuer, denn Ende 1935 stehen den 400.000 Soldaten der Wehrmacht immer noch eine Überzahl an 650.000 französischen Soldaten gegenüber; die französische Luftwaffe ist mit 112.000 Männern sechs Mal größer als die deutsche.
Für Frankreich ist der Einmarsch deutscher Truppen ins Rheinland ein Kriegsgrund — für Großbritannien nicht.
Der einflussreiche britische Appeasement-Politiker Lord Lothian vertritt die Meinung, die Deutschen gingen ja „nur in ihren eigenen Hintergarten“. Viele Britinnen und Briten sehen das auch so.
Um das deutsch-britische Flottenabkommen 1935 und das bessere Verhältnis zum „Reich” nicht zu gefährden, nimmt Großbritannien den Einmarsch Deutschlands in seinen „Hintergarten“ schließlich hin. Paris, London und der von ihnen alarmierte Völkerbund können sich nicht einmal auf Wirtschaftssanktionen einigen.
„Wären die Franzosen damals ins Rheinland eingerückt”, wird Hitler später sagen, „dann hätten wir uns mit Schimpf und Schande wieder zurückziehen müssen”.
Drei Wochen später, am 29. März 1936, kommt die NSDAP bei der Reichstagswahl auf erstaunliche 99 Prozent der Wählerstimmen. Die Wahl ist manipuliert — und es gibt im „Dritten Reich” seit 1933 außer der NSDAP keine anderen Parteien mehr. Dennoch wird klar: Hitler ist bei den Deutschen so populär wie nie zuvor.
August 1936: Das „friedliche“ Deutschland auf der olympischen Weltbühne
Hitler hielt sich selbst zwar für einen großartigen Strategen, war es aber nie einer. Was er — zumindest über viele Jahre — hatte, war ein feines Gespür für günstige Gelegenheiten.
So zum Beispiel, als das NS-Regime mit der „Machtergreifung” auch die Ausrichtung der Olympischen Spiele 1936 erbt, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) noch im Jahr 1932 an die damals schwer strauchelnde Weimarer Republik vergeben hatte.
Hitler, ebenso wie sein Propagandaminister Goebbels völlig unsportlich, erbt als neuer Machthaber eher mürrisch.
Vor 1933 hatte er die Olympiade noch als „Komplott von Freimaurern und Juden” abgetan.
Doch dann erkennt die NS-Führungsriege das propagandistische Potenzial der Olympiade und legt sich ins Zeug.
Entsprechend groß, teuer und perfekt sind die Spiele in Deutschland; die Olympischen Winterspiele vom 6. bis zum 16. Februar 1936 in Garmisch-Partenkirchen und erst recht die Sommerspiele vom 1. bis 16. August 1936 in Berlin.
Berlin 1936 ist ein 90-Millionen-Reichsmark-Spektakel, mit dem man Hunderttausende in- und ausländischen Olympia-Gäste begeistert und verzaubert.

Berlin, Sommerolympiade, im Olympiastadion August 1936
Von Bundesarchiv, B 145 Bild-P017073 / Frankl, A. / CC BY-SA 3.0 de
Am 1. August 1936, auf den Tag genau 22 Jahre nachdem das Deutsche Kaiserreich Russland den Krieg erklärt hat, werden die XI. Olympischen Spiele mit Pomp, tanzenden Kindern und Beethovens “Ode an die Freude” eröffnet.
Über dem Stadion schwebt der 246 Meter lange Zeppelin Hindenburg, der ein knappes Jahr später, am 6. Mai 1937, beim Landeanflug in Lakehurst verunglücken wird.
Nachdem Hitler um 18.16 Uhr die Eröffnungsfeier verlassen hat, tippt der polnische Botschafter Józef Lipski den belgischen IOC-Präsidenten Henri de Baillet-Latour an und flüstert ihm zu: „Wir müssen auf der Hut sein vor einem Volk, das so organisieren kann. Eine Mobilmachung in diesem Land wird genauso reibungslos verlaufen.“
Lipski ahnt vermutlich nicht, wie recht er hat.
Und wie schnell alles kommen wird.
Berlin 1936: Eine Diktatur im Pausenmodus
Für sechzehn Tage wirkt Berlin weltoffen, elegant und beinahe unbeschwert, während hinter der olympischen Fassade die Diktatur weiterarbeitet.
Oliver Hilmes erzählt diesen Sommer aus der Perspektive von Sportlerinnen und Sportlern, Künstlern, Touristen, Berlinern und NS-Größen und macht sichtbar, wie trügerisch die Inszenierung des „friedlichen“ Deutschlands war.
Der spanische Bürgerkrieg 1936: Hitler eilt Franco zu Hilfe
Lipskis Bemerkung kommt nicht von Ungefähr, schließlich hatte Hitler mit der Rheinlandbesetzung einige Monate zuvor bewiesen, wie leicht es ihm gelingt, die europäischen Mächte gegeneinander auszuspielen und zu erpressen.
Was der polnische Botschafter vermutlich nicht ahnt, ist, dass bereits am zweiten Wettkampftag — ein Sonntag mit Bewölkung, leichten Regenfällen bei 19 Grad und damit kein „Hitler-Wetter” — in aller Heimlichkeit ein weiteres Feuer entzündet wird.
An diesem Tag gibt der „Führer” den Geheimbefehl für seinen nächsten Coup: die Unterstützung der faschistischen Putschisten in Spanien. Das „Unternehmen Feuerzauber” beginnt.
Mit Spanien hat der „Führer” eigentlich nichts im Sinn, schließlich liegt für ihn der Schauplatz des zukünftigen Krieges im Osten. Aber ein links regiertes Spanien, das sich möglicherweise wie Frankreich ebenfalls mit der Sowjetunion verbündet, käme ihm ungelegen.
Denn auch im krisengeschüttelten Spanien paktieren Sozialisten und Kommunisten gegen rechtsnationale und faschistische Kräfte; am 16. Februar 1936 gewinnt die Frente Popular die Parlamentswahlen, eine Einheitsfront aus Sozialisten, Republikanern, liberalen Katalanen, der stalinistische Partido Comunista de España (PCE) und der kommunistische Partido Obrero de Unificación Marxista (POUM).
Hitler entscheidet sich, mit einer „kleinen Lösung” unter Hermann Görings Kommando einzugreifen: ein paar Flugzeuge, ein paar Männer und der Aussicht, seine Kampfpiloten zu trainieren, und — weil das „Dritte Reich” ständig klamm ist — Rohstoffe für die Rüstung zu erbeuten.

General mit Fistelstimme: Francisco Franco, Porträt um 1930. Wenige Jahre später wird er zur zentralen Figur des Spanischen Bürgerkriegs.
Hitlers Flugzeuge kommen gerade rechtzeitig, denn der faschistische General Francisco Franco steckt fest.
Es ist gerade zwei Wochen her, seit er und einige seiner Militärs am 17. Juli 1936 in Spanisch-Marokko eine lange geplante Revolte gegen die linke republikanische Volksfrontregierung in Madrid begonnen hat.
Aber nun sitzen Francos Revolutionäre in Marokko fest und wissen nicht, wie sie den Bürgerkrieg ins spanische Mutterland bringen können.
Franco und seine Kamarilla sind fast am Ende, bevor sich Hitler und Mussolini in den Bürgerkrieg einmischen.
Das faschistische Italien schickt 80.000 Soldaten, um die Franquisten zu unterstützen, Hitler die Legion Condor, insgesamt 19.000 Männer bis zum Ende des Krieges.
Ab Anfang August begeben sich deutsche Kampfflieger, Techniker, Navigatoren und Schützen mit ihren zerlegten und in Frachtkisten verstauten Jagdflugzeugen, Flakgeschützen und 100 Tonnen Material auf zivilen Passagierdampfern auf die Reise nach Spanien; Lufthansa-Piloten überführen zehn Ju 52 Transportmaschinen.
Franco: Der lange Schatten eines Diktators
Wie gelang es Francisco Franco, sich nach dem Spanischen Bürgerkrieg fast vier Jahrzehnte an der Macht zu halten – und warum konnte er sich nach 1945 sogar dem Westen als Partner präsentieren?
Till Kössler verbindet Francos Biografie mit der Geschichte Spaniens im 20. Jahrhundert zu einer klugen und spannend zu lesenden Biografie. Sehr empfehlenswert!
1936: Der Kampf um Spanien
Franco will mit einem Handstreich im Verbund mit Aristokraten, Großgrundbesitzern und der katholischen Kirche die Macht im Land an sich reißen, überschätzt sich aber schwer. Denn auch nachdem er und seine Truppen dank deutscher Hilfe das spanische Mutterland erreichen, läuft vieles anders als erwartet.
Am 20. Juli 1936 verkündet die linke Volksfront-Regierung in Madrid die Mobilmachung gegen die Putschisten.
Und anders, als von Franco erhofft, bleiben viele Generäle der Zentralregierung in Madrid treu. Dazu kommt, dass große Teile der Bevölkerung hinter ihrer gewählten Regierung stehen. Die beginnt, Waffen auch an die Bevölkerung auszugeben.
Francos Putsch droht im Keim zu ersticken.
Mit so viel Widerstand hatte er nicht gerechnet; zudem sind Spaniens reguläre republikanische Truppen viel besser ausgebildet als seine Putschisten, die Zahl der bewaffneten und für die Regierung kämpfenden Republikaner — Arbeiter und die gebildete Mittelschicht — ist größer als erwartet.
Doch mit der italienischen und deutschen Unterstützung beginnt sich das Blatt zu Gunsten der Putschisten und zu Ungunsten der Zentralregierung in Madrid zu wenden. Auch die republikanische Regierung in Madrid bittet im Ausland um Hilfe — bekommt aber keine.
Zwar fühlt sich die linke Volksfrontregierung in Frankreich den Spaniern politisch und moralisch verbunden, macht sich aber Sorgen, dass der blutige Konflikt zwischen rechts und links vom Nachbarn ins eigene Land schwappen könnte. Schließlich wird die Frage des Eingreifens oder Nicht-Eingreifens von Großbritannien abhängig gemacht.
Die Briten hegen allerdings weder besonders große Sympathien für Republikaner und Linke, noch wollen sie das brüchige Verhältnis zum deutschen „Führer” gefährden. Großbritannien beharrt auf seiner Politik der Nichteinmischung.
Schließlich kommt doch noch unerwartet Hilfe für Spaniens Linksregierung: Nach kurzem Zögern entschließt sich der sowjetische Diktator Stalin in den Bürgerkrieg gegen Francos Putschisten-Armee einzugreifen.
Ab Ende August 1936 schickt die Sowjetunion Waffen und „Berater”.
Man beginnt außerdem- zunächst verdeckt — Freiwilligenverbände aufzustellen.
In ganz Europa wirbt die Komintern als Spanien-Komitee des jeweiligen Landes getarnt um Freiwillige, die bereit sind, als Internationale Brigade in den Krieg gegen Franco und die spanischen Faschisten zu ziehen.
Tausende junge Männer und Frauen folgen den Aufrufen: Kommunisten, Sozialisten, Anarchisten, Freiheitskämpfer und Abenteurer; unter ihnen auch Ernest Hemingway und George Orwell — und der minderjährige Neffe Winston Churchills.
Es ist ein buntgemischtes Völkchen aus vor allem jungen Leuten, die in Spanien in den Krieg ziehen, um für die Freiheit zu kämpfen.

Ludwig Renn (rechts) und der norwegische Dichter Nordahl Grieg (Mitte) bei den Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg, 1937. Bundesarchiv, Bild 183–17036-0005 / CC-BY-SA 3.0
Stalins erbarmungsloser Kampf gegen Trotzkisten
Eigentlich ist Stalin der bunte Haufen aus spanischen Republikanern und internationalen Idealisten – inklusive Trotzkisten und Anarchisten – zuwider. Leute wie die lässt er in der Sowjetunion für weitaus geringere „Vergehen“ zu Tausenden verschwinden oder macht mit ihnen kurzen Prozess. Im wahrsten Sinn des Wortes.
Nur drei Tage nach dem Ende der Olympischen Spiele in Berlin beginnt am 19. August 1936 im Oktobersaal des Moskauer Gewerkschaftshauses ein makabres Schauspiel: der erste von insgesamt drei Moskauer Prozessen gegen das „trotzkistisch-sinowjewistische terroristische Zentrum“.
Die Moskauer Schauprozesse ab August 1936 markieren den schaurigen Höhepunkt der „großen Säuberung” Stalins, der sich nach wie vor von Trotzkisten und Feinden umzingelt fühlt.

Urteilsverkündung im Schachty-Prozess am 7. Juli 1928, dem ersten Schauprozess, im Säulensaal des Gewerkschaftshauses in Moskau. In der Mitte liest Andrei Wyschinski das Urteil. Der spätere Chefankläger der Moskauer Schauprozesse der 1930er Jahre trat hier bereits als Richter auf.
Im ersten Schauprozess 1936 sind 16 ehemals geachtete sowjetische Politiker angeklagt, darunter viele Wegbegleiter und “Freunde” Stalins.
Ihnen wird vorgeworfen, sich mit Stalins seit 1927 aus der Partei ausgeschlossenen, mittlerweile im Exil in Mexiko lebenden Konkurrenten Leo Trotzki verschworen zu haben, Stalins Ermordung geplant und sich konterrevolutionär betätigt zu haben.
Alle 16 Angeklagten werden zum Tode verurteilt und sofort nach dem Prozessende hingerichtet. (Trotzki fällt 1940 unter mysteriösen Umständen in Mexiko einem Agenten Stalins zum Opfer, der ihn mit einem Eispickel ermordet.)
Säuberungen in den eigenen Reihen: Stalins eigentliches Ziel im spanischen Bürgerkrieg
In Spanien fordert Moskau derweil die Wiederherstellung der parlamentarischen Republik.
Offiziell.
Inoffiziell beginnt man, linientreue Kommunisten möglichst unauffällig auf einflussreiche Posten in der spanischen Verwaltung, bei Polizei und Militär und bei den Internationalen Brigaden zu platzieren.
Stalin will mehr als nur Franco und dessen Faschisten aus Spanien vertreiben — er will auch seine eigenen Reihen säubern.
Zum einen ist es für ihn eine gute Gelegenheit, den Überschuss an kommunistischen Exilanten — zum Beispiel Emigranten, die vor Hitler aus Deutschland geflüchtet sind — loszuwerden, denn er sieht sie als Risikofaktor an.
In Stalins Visier stehen aber auch ausländische Freiwillige und Anhänger der POUM, zu denen beispielsweise George Orwell und Willy Brandt gehören.
In den POUM-Milizen kämpfen Mitglieder trotzkistischer, linkssozialistischer und oppositioneller kommunistischer Gruppen wie der deutschen SAP. Sie sind in den Augen der stalinistischen Kommunistischen Partei Spaniens, PCE, ein anarchistischer Haufen trotzkistischer Verräter; in Stalins Augen eine Tarnorganisation der Faschisten.
Die Situation eskaliert schließlich im Mai 1937, als es in Barcelona zu tagelangen blutigen Straßenkämpfen zwischen moskautreuen Kommunisten und Anhängern der POUM kommt.
Viele der von Stalin entsandten sowjetischen „Berater” sind nicht im Einsatz gegen Francos Armee, sondern auf der Jagd in den eigenen Reihen.
Stalins Terrorherrschaft
Ein ebenso spannender wie beklemmender Thriller, der die Stalin-Ära bedrückend und hautnah schildert.
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Guernica und die Folgen: Spanien wird zum Vorgeschmack auf den Weltkrieg
Trotz der vielen Freiwilligen aus aller Herren Länder und ihrer revolutionären Begeisterung sieht es für die Sache der Republikaner nicht gut aus: Am 21. Oktober 1936 erobern Francos Truppen Navalcarnero und stehen damit nur noch 15 Kilometer vor Madrid.
Notgedrungen marschieren die ersten Internationalen Brigaden Anfang November nur hastig ausgebildet an die Front.
Und obwohl Francos Truppen massiv durch Deutschland und Italien unterstützt werden und trotz einer zahlenmäßigen Überlegenheit von 3 zu 1, gelingt es, sie kurz vor Madrid zu stoppen. Die spanische Hauptstadt ist eingekesselt, kann aber gehalten werden und fällt nicht in die Hände der Putschisten. Die republikanische Regierung flieht nach Valencia.
Dann bombardiert am 26. April 1937 die deutsche Legion Condor die baskische Kleinstadt Guernica, die auf Angriffe aus der Luft in keinster Weise vorbereitet ist, und richtet ein fürchterliches Blutbad an. Die Kleinstadt hat keine strategische Bedeutung; es ist zu vermuten, dass das Bombardement zu Übungszwecken stattfindet.
Es ist das erste Flächenbombardement einer Stadt in der Geschichte der Menschheit und der Beginn dessen, was wenige Jahre später Millionen Zivilisten als Luftkrieg erleiden müssen.

Die Ruinen von Guernica nach dem deutschen Luftangriff der Legion Condor am 26. April 1937. Bundesarchiv, Bild 183-H25224 / Unbekannt / CC BY-SA 3.0 de
1936 — Das Jahr des Scheiterns: Der Weg in den Zweiten Weltkrieg nimmt Gestalt an
Am Ende sind es nicht Gräueltaten wie Guernica, die die Idee einer antifaschistischen Volksfront scheitern lassen, sondern Stalin und seine Vorstellung, in Spanien nicht nur gegen Franco zu kämpfen, sondern gleichzeitig auch seine Reihen zu „säubern”.
Damit scheitert auch die große Idee einer vereinten Volksfront gegen Hitler endgültig.
Münzenbergs illustrer Lutetia-Kreis aus deutschen Exilanten erkennt, dass das Maß an Gemeinsamkeiten nicht für einen gemeinsamen Kampf ausreicht und stellt seine Aktivitäten nach einer verhängnisvollen Oster-Tagung ein.
In Spanien ordnet die republikanische Regierung im Oktober 1938 den Abzug aller internationalen Brigaden an.
Als im November 1938 die Geheimverhandlungen zum Hitler-Stalin-Pakt beginnen, ziehen sich auch die rund 2000 sowjetischen „Militärberater” aus Spanien zurück.
Ende Januar 1939 wird Barcelona in die Hände der Putschisten fallen, Ende März, nach drei Jahren Belagerung, auch Madrid.
Mehr als 200.000 Republikaner werden nach Francos endgültigem Sieg am 1. April 1939 von den Nationalisten ermordet.
1936: Der Kampf gegen Hitler ist gescheitert.
Zwei Wochen nach dem Ende der Olympischen Spiele in Berlin bezeichnet der „Führer” den Krieg um „Lebensraum im Osten” in einer Denkschrift als unausweichlich und ernennt Hermann Göring zum „Beauftragten des Vierjahresplans”.
Göring soll Deutschland und die Wehrmacht in den kommenden vier Jahren kriegsbereit machen.
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Deutschland 1937: Der Weg in den Zweiten Weltkrieg
Copyright: Agentur für Bildbiographien, www.bildbiographien.de 2024, überarbeitet 2026
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Olympia 1936: Mord hinter der perfekten Fassade
Berlin steht im Sommer 1936 im Zeichen der Olympischen Spiele – und das NS-Regime nutzt die internationale Bühne für seine Inszenierung.
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Winter der Welt
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https://www.andalusien360.de/magazin/spanischer-buergerkrieg
Bildnachweise
Olympische Spiele 1936 im Berliner Olympiastadion. Bundesarchiv, B 145 Bild-P017073 / Frankl, A. / CC BY-SA 3.0 DE
Francisco Franco, Porträt mit Wintermantel, um 1930. Quelle: Biblioteca Virtual de Defensa / Wikimedia Commons. CC BY-SA 1.0, gemeinfrei.
Ludwig Renn und Nordahl Grieg bei den Internationalen Brigaden, Spanien 1937. Bundesarchiv, Bild 183–17036-0005 / CC BY-SA 3.0 DE. Originalbeschreibung: “Der Schriftsteller Ludwig Renn, Chef des Stabes der XI. Internationalen Brigade im spanischen Freiheitskampf, Kommandeur des Thälmann-Bataillons 1936/37 (rechts) mit dem norwegischen Dichter Nordahl Grieg (Mitte) der 1937 in Spanien kämpfte.“
Urteilsverkündung im Schachty-Prozess, 7. Juli 1928: Andrei Wyschinski (Mitte, lesend) im Säulensaal des Gewerkschaftshauses in Moskau. Autor unbekannt / Gemeinfrei (Public Domain)
Die Ruinen von Guernica nach dem deutschen Luftangriff der Legion Condor, 26. April 1937. Bundesarchiv, Bild 183-H25224 / Autor/-in unbekannt / / CC BY-SA 3.0 DE
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