1936: Das Jahr des Scheiterns

1936 Olympiade in Berlin Bürgerkrieg in Spanien und Stalins Schauprozesse Generationengespräch


Im Sommer 1936 trifft die Welt zwei Mal aufeinander: Bei der Olympiade in Berlin und auf den Schlachtfeldern des Bürgerkriegs in Spanien.

Ein Jahr, das verheißungsvoll und mit der Hoffnung beginnt, den Hitler-Irrsinn endlich vereint aufhalten zu können, endet in einem Rausch aus Blut und Terror.

Viele Deutsche, aber auch Italiener, Briten, Franzosen, Österreicher, Amerikaner und Spanier sehen drei Jahre nach Hitlers Machtergreifung nur die vermeintlichen wirtschaftlichen Erfolge des Dritten Reiches und nicht seine Kehrseiten.

Eine gefährliche Liebäugelei mit dem Faschismus macht sich in Europa breit. Für viele gilt das nationalsozialistische Deutschland als ein „Bollwerk“ gegen den Kommunismus, der in den Augen vieler viel gefährlicher ist als die Rechten.

Sogar in Ländern wie Großbritannien reicht die Sympathie mit den Nationalsozialisten bis in die politischen, wirtschaftlichen und intellektuellen Spitzen der Gesellschaft.

Adolf Hitler und Eva Braun auf dem Berghof“ by Bundesarchiv, B 145 Bild-F051673-0059 / CC-BY-SA 3.0

Wir Fremde werden überwältigt, wenn wir dorthin kommen und uns umsehen. Nein, ich habe niemals gedacht, so etwas in einem Land Europas zu sehen … in frühen Tagen sprach man von Amerika als dem Land der Wunderwerke – nun ist es Deutschland. Auch ich sage jetzt ‚Heil Hitler!‘”

Der ehemalige britische Premierminister David Lloyd George nach einem Besuch auf dem Berghof

Volksfront gegen Hitler

Angesichts der Begeisterung, die Hitler nicht nur bei den meisten Deutschen, sondern in ganz Europa auslöst, drängt für Antifaschisten und Linke die Zeit für eine gemeinsame Volksfront.

In der Weimarer Republik vor 1933 war das nie gelungen, aber jetzt scheint es – endlich – vielversprechend zu sein.
Am 16. Februar 1936 gewinnt im krisengeschüttelten Spanien die Frente Popular, eine Einheitsfront aus Sozialisten, Republikanern, liberalen Katalanen, der stalinistische Partido Comunista de España (PCE) und der kommunistische Partido Obrero de Unificación Marxista (POUM) die Parlamentswahlen.

In Frankreich hatten Sozialisten und Kommunisten bereits im Herbst 1934 unter dem Eindruck der Machtergreifung Hitlers in Deutschland einen Pakt geschlossen und waren bei den Wahlen im Frühling 1935 zur stärksten politischen Kraft im Land geworden.

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Die Geschichte der Deutschen gut, übersichtlich und verständlich erklärt.
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Christian v. Ditfurth: Deutsche Geschichte für Dummies*, Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim, 2019

Der Lutetia-Kreis

Auch bei den deutschen Emigranten in Paris tut sich Ungewöhnliches.
Am 2. Februar 1936 findet im Hotel Lutetia am Boulevard Raspail 51 bereits die zweite Lutetia-Konferenz statt.

Eingeladen hat der gut vernetzte KPD-Funktionär Willi Münzenberg.

Und sie waren gekommen – die Crème de la Crème deutscher Exilanten: die Sozialdemokraten Rudolf Breitscheid und Max Braun, bekannte Autoren wie Lion Feuchtwanger, Arnold Zweig, Egon Erwin Kisch und Johannes R. Becher sind dabei.
Kein Geringer als Heinrich Mann ist der amtierende Präsident des Kreises.

Münzenberg bringt über 100 Teilnehmer an einen Tisch, darunter 20 Kommunisten, 27 Sozialdemokraten und 37 Vertreter bürgerlicher Parteien.

Einschränkungen gibt es keine: die Grundlage des Lutetia-Kreises ist völlige Glaubens- und Gewissensfreiheit. Alle hoffen, dass es mit Hilfe der namhaften Persönlichkeiten aus Politik und Kultur über die Grenzen von Parteizugehörigkeit und Weltanschauung hinaus endlich gelingt, Hitlers Drittes Reich aufzuhalten.

Ein wegweisender Schritt.

Denn erst im Jahr zuvor hatte man in Moskau den katastrophalen Slogan „SPD und NSDAP sind Zwillinge!“ endgültig begraben und damit den Weg für eine vorsichtige Öffnung gegenüber Sozialdemokraten und bürgerlichen Parteien für den gemeinsamen Kampf gegen Hitler freigemacht.

Lutetia ist die erste Gelegenheit, bei der man ernsthaft über einen gemeinsamen Widerstand gegen das Dritte Reich spricht. Sie wird die einzige bleiben.

Gelingt es, 1936 endlich zu einem Jahr des gemeinsamen Aufbruchs zu machen?

Der Bürgerkrieg in Spanien

Am 17. Juli 1936 beginnen konservative spanische Generale in Spanisch-Marokko eine lange geplante Revolte gegen die linke republikanische Volksfrontregierung Spaniens.

Der Konflikt weitet sich unter der Führung von General Francisco Franco schnell zum Bürgerkrieg im Mutterland aus.

Franco will in einem Handstreich die Macht im ganzen Land übernehmen – eine folgenschwere Selbstüberschätzung, wie sich bald herausstellt.

General mit Fistelstimme: Francisco Franco, 1930. Gemeinfrei
General mit Fistelstimme: Francisco Franco, 1930. Gemeinfrei

Denn der Putsch droht im Keim zu ersticken, nachdem die legitime spanische Volksfront-Regierung am 20. Juli die Mobilmachung verkündet, Waffen an die Bevölkerung ausgibt und außerdem über Verbände verfügt, die viel besser als die der Putschisten ausgebildet sind.

Die regierungstreuen Truppen sind denen der Putschisten haushoch überlegen, und werden außerdem von einer großen Zahl bewaffneter Arbeitern unterstützt, die sich Francos Soldaten in den Weg stellen.

Franco und seine rechte Kamarilla sind fast am Ende, als sich Hitler in den Konflikt einmischt.

Der Sommer 1936: Olympiade in Berlin und Spanischer Bürgerkrieg

Während sich in Spanien die Lage zuspitzt, finden vom 1. bis 16. August in Berlin die olympischen Sommerspiele statt.

1932 hatte man die Spiele an die junge Weimarer Republik vergeben, auch, um sie gegen die Angriffe von rechts und von links zu schützen.
Es war anders gekommen.

Doch das IOC ließ sich von seiner Entscheidung nicht abbringen und das NS-Regime erkannt nach einigem Zögern, welches Propaganda-Potenzial besonders in den Sommerspielen steckte.

Berlin, Olympiade 1936. Von Bundesarchiv, B 145 Bild-P017073 / Frankl, A. / CC BY-SA 3.0 de
Berlin, Olympiade 1936. Von Bundesarchiv, B 145 Bild-P017073 / Frankl, A. / CC BY-SA 3.0 de

Die Welt zu Gast im nationalsozialistischen Deutschland: ein 90-Millionen-Reichsmark-Spektakel, mit dem versucht wird, Deutschlands Bild in der Welt zu verbessern.

„ … Die Kritiker des NS-Regimes sind zu Recht skeptisch: So wird später bekannt, dass Adolf Hitler am zweiten Wettkampftag den Geheimbefehl gegeben hat, den Faschisten und Putschisten Franco im spanischen Bürgerkrieg zu unterstützen.

Und zwei Wochen nach der Abschlussfeier befiehlt der Reichskanzler seinen Ministern, Deutschland im Verlauf der nächsten vier Jahre kriegsbereit zu machen.“

Aus: GEO Epoche, Deutschland unter dem Hakenkreuz, Teil 1: 1933 – 1936. Die ersten 1000 Tage der Diktatur*
Berlin, Olympiade, Siegerehrung Fünfkampf Olympische Spiele 1936 Sieger-Ehrung im Fünfkampf auf der Sieger-Tribüne von rechts nach links: Oberleutnant Abba-Italien (II.) Hauptmann Handrick-Deutschland (I.) Leutnant Leonard-USA (III.) Fot. Stempka. Bundesarchiv, Bild 183-G00825 / Stempka / CC-BY-SA 3.0
Berlin, Olympiade, Siegerehrung Fünfkampf Olympische Spiele 1936 Sieger-Ehrung im Fünfkampf auf der Sieger-Tribüne von rechts nach links: Oberleutnant Abba-Italien (II.) Hauptmann Handrick-Deutschland (I.) Leutnant Leonard-USA (III.) Fot. Stempka. Bundesarchiv, Bild 183-G00825 / Stempka / CC-BY-SA 3.0

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Berlin 1936: Das 8. Buch der Gereon-Rath-Krimireihe von Volker Kutscher – und hoffentlich nicht das letzte! Dieses Mal vor dem Hintergrund der olympischen Sommerspiele, die die Nationalsoziialisten erst murrend aus der ‚Systemzeit‘ geerbt haben – um sie dann für ihre Propaganda auszunutzen. Wie in allen anderen Büchern außer Krimi ein spannender Einblick der Extraklasse in die Zeitgeschichte!

Sehr lesenswert bzw. auch als Podcast sehr hörenswert!
Volker Kutscher, Olympia*, Piper Verlag, November 2020

Moskauer Schauprozesse und Stalins Großer Terror

Nur drei Tage nach dem Ende der Olympiade in Berlin, am 19. August 1936, beginnt im Oktobersaal des Moskauer Gewerkschaftshauses ein anderes makabres Schauspiel: der erste von insgesamt drei Moskauer Prozessen gegen das „trotzkistisch-sinowjewistische terroristische Zentrum“.

Nach Lenins Tod hatte Stalin ganze Aufräumarbeit geleistet, um sich als alleiniger Herrscher in der Sowjetunion vor allem gegen seinen Dauerkonkurrenten Trotzki durchzusetzen.

Trotzki wurde 1927 aus der Partei ausgeschlossen, später ins Exil um den halben Erdball gejagt, wo er 1940 unter mysteriösen Umständen in Mexiko einem Eispickel zum Opfer fällt.

Stalin und Dimitrow (rechts) in Moskau (1936), Gemeinfrei
Stalin und Dimitrow (rechts) in Moskau (1936), Gemeinfrei

Aber auch alte Wegbegleiter und „Freunde“ Stalins können sich ihrer Ämter und ihres Lebens nicht länger sicher sein.

Ehemals enge Verbündete, beispielsweise langjährige Kampfgefährten wie Kamenew oder der frühere Komintern-Führer Zinoviev, die Stalin noch aus vorrevolutionären Zeiten kennt, verlieren erst ihre Posten und dann ihre Parteimitgliedschaft.

1936 auch ihr Leben.

Das größte Vergnügen”, hatte Stalin einmal zu Kamenew gesagt, „ist es, den Feind auszumachen, alle Vorbereitungen zu treffen und dann ins Bett zu gehen.”

Die Notstandsmaßnahmen, die seit der Ermordung des Leningrader Parteisekretärs Sergei Kirow in Kraft sind, geben ihm jetzt die Möglichkeiten endgültig aufzuräumen.

Urteilsverkündung im Schachty-Prozess durch Andrei Wyschinski (Mitte, lesend). Säulensaal des Gewerkschaftshauses in Moskau. Autor unbekannt, Gemeinfrei
Urteilsverkündung im Schachty-Prozess durch Andrei Wyschinski (Mitte, lesend). Säulensaal des Gewerkschaftshauses in Moskau. Autor unbekannt, Gemeinfrei.

Mittlerweile sind Tausende in NKWD- Gefängnissen und Lagern verschwunden oder von Gerichten in Schnellverfahren verurteilt und hingerichtet worden.

Der Beginn der Moskauer Schauprozesse im August 1936 markiert den schaurigen Höhepunkt der „großen Säuberung”.

Im ersten Schauprozess sind 16 ehemals geachtete sowjetische Politiker angeklagt.
Ihnen wird vorgeworfen, sich mit dem mittlerweile im Exil in Mexiko lebenden Leo Trotzki verschworen zu haben, die Ermordung Stalins geplant und sich konterrevolutionär betätigt zu haben.

Alle 16 Angeklagten werden zum Tode verurteilt und sofort nach Prozessende hingerichtet.

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Ein ebenso spannender wie beklemmender Thriller,
der die Stalin-Ära aus der Sicht der ‚einfachen‘ Leute bedrückend und hautnah beschreibt.
Nichts für schwache Nerven, aber toll recherchiert und fesselnd geschrieben – sehr empfehlenswert!

Tom Rob Smith, Kind 44*. Goldmann Verlag, 2010

Der Stellvertreterkrieg in Spanien

Hitlers wichtigstes Motiv, dem Hilfegesuch Francos nachzukommen, war seine Furcht vor einem linken Spanien, das sich eng mit Frankreich und der Sowjetunion verbünden könnte.

Das hätte seine Expansionspläne erschwert.

Nachdem Francos Putschisten von den Achsenmächten Deutschland und Italien offen unterstützt werden und die gewählte republikanische Regierung keinen Bündnispartner an ihrer Seite hat, ändert sich das Blatt zu Ungunsten der Volksfrontregierung in Madrid.

Zwar fühlt sich die linke Volksfrontregierung in Frankreich den Spaniern politisch und moralisch verbunden, macht sich aber Sorgen, dass der blutige Konflikt zwischen rechts und links vom Nachbarn ins eigene Land schwappen könnte.

Schließlich wird die Frage des Eingreifens oder Nicht-Eingreifens Frankreichs von Großbritannien abhängig gemacht.

Doch die Briten, halb fasziniert und halb erschrocken von Hitlers NS-Regime, hegen weder große Sympathien für Republikaner und Linke, noch sind sie bereit, sich auf ein militärisches Wagnis gegen Hitler einzulassen.

Dann kommt unerwartet doch noch Hilfe für Spaniens Linksregierung: Nach kurzem Zögern entschließt sich Stalin im Spätsommer 1936, in den Bürgerkrieg gegen Francos Putschisten-Armee einzugreifen.

Ende August 1936 beginnt man – zunächst verdeckt – Freiwilligenverbände aufzustellen. In ganz Europa wirbt die Komintern als Spanien-Komitee des jeweiligen Landes getarnt um Freiwillige, die bereit sind, in den Krieg gegen die spanischen Faschisten zu ziehen.

Tausende junge Männer und Frauen folgen den Aufrufen: Kommunisten, Sozialisten, Anarchisten, Freiheitskämpfer und Abenteurer; unter ihnen auch Ernest Hemingway und George Orwell.
Und der minderjährige Neffe Winston Churchills.

ADN-ZB/Archiv
Nationalrevolutionärer Krieg des spanischen Volkes vom 18.7.1936 bis 2.4.1939/ Internationale Brigaden
Der Schriftsteller Ludwig Renn, Chef des Stabes der XI. Internationalen Brigade im spanischen Freiheitskampf, Kommandeur des Thälmann-Bataillons 1936/37 (rechts) mit dem norwegischen Dichter Nordahl Grieg (Mitte) der 1937 in Spanien kämpfte.
ADN-ZB/Archiv Nationalrevolutionärer Krieg des spanischen Volkes vom 18.7.1936 bis 2.4.1939/ Internationale Brigaden Der Schriftsteller Ludwig Renn, Chef des Stabes der XI. Internationalen Brigade im spanischen Freiheitskampf, Kommandeur des Thälmann-Bataillons 1936/37 (rechts) mit dem norwegischen Dichter Nordahl Grieg (Mitte) der 1937 in Spanien kämpfte.

Stalins Ziele in Spanien

Eigentlich ist Stalin der bunte Haufen aus spanischen Republikanern und internationalen Idealisten – inklusive Trotzkisten und Anarchisten – zuwider.

Leute wie die lässt er für weitaus geringere „Vergehen“ zu Tausenden im eigenen Land verschwinden oder stellt sie in Schauprozessen öffentlich vor Gericht.

Aber Spanien ist für ihn auch eine gute Gelegenheit, den Überschuss an kommunistischen Exilanten loszuwerden, die hauptsächlich Moskau bevölkern, und die er als Risikofaktor ansieht.

Er will mehr als nur die Faschisten aus Spanien vertreiben – er will auch seine eigenen Reihen säubern.

Offiziell fordert Moskau die Wiederherstellung der parlamentarischen Republik, beginnt aber gleichzeitig, linientreue Kommunisten möglichst unauffällig auf einflussreiche Posten in der spanischen Verwaltung, bei Polizei und Militär und den Internationalen Brigaden zu platzieren.

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Walter Ulbricht
und seine Rolle beim Scheitern der Linken, gemeinsam gegen Hitler zu kämpfen. Seine Vasallentreue zu Stalin, aber auch sein Verhältnis zu Frauen und seinen Kindern.
Ulbrichts Urenkel hat viel Neues über seinen Urgroßvater ausgegraben und darüber ein spannendes und informatives Buch geschrieben. Lesenswert!
Florian Heyden, Walter Ulbricht: Mein Urgroßvater*. Das Neue Berlin, 2020

Trotz der vielen Freiwilligen aus aller Herren Länder und ihrer revolutionären Begeisterung sieht es für die Sache der Republikaner nicht gut aus: Am 21. Oktober 1936  erobern Francos Truppen Navalcarnero und stehen damit nur noch 15 Kilometer vor Madrid.

Notgedrungen marschieren die ersten Internationalen Brigaden Anfang November hastig ausgebildet an die Front.

Im Dezember scheint es dann eine Wende zu geben.
Obwohl Francos Truppen massiv mit Mann und Gerät aus Deutschland und Italien unterstützt werden und trotz einer zahlenmäßigen Überlegenheit von 3 zu 1 werden sie kurz vor Madrid gestoppt.

Die spanische Hauptstadt ist eingekesselt, kann aber gehalten werden und fällt nicht in die Hände der Putschisten.

Die republikanische Regierung flieht nach Valencia.

Guernica, Stalins Kampf gegen Trotzkisten und das Ende der Volksfront

Die Ruinen von Guernica
Das von der Legion Condor zerstörte Gernika. Von Bundesarchiv, Bild 183-H25224 / Unbekannt / CC BY-SA 3.0 de
Die Ruinen von Guernica
Das von der Legion Condor zerstörte Gernika. Von Bundesarchiv, Bild 183-H25224 / Unbekannt / CC BY-SA 3.0 de

Am 26. April 1937 bombardiert die deutsche Legion Condor die baskische Kleinstadt Guernica und richtet ein fürchterliches Blutbad an.

Es ist das erste Flächenbombardement einer Stadt in der Geschichte der Menschheit und der Beginn dessen, was wenige Jahre später Millionen Zivilisten als Luftkrieg erleiden müssen.

Aber es sind nicht Gräueltaten wie diese, die die Idee einer antifaschistischen Volksfront scheitern lassen.

Es ist Stalin und seine Vorstellung, in Spanien nicht nur gegen Franco zu kämpfen, sondern gleichzeitig auch echte und vermeintliche Trotzkisten zu jagen.

Im Visier stehen vor allem ausländische Freiwillige und Anhänger der POUM, zu denen auch George Orwell und Willy Brandt gehören.

In den POUM-Milizen kämpfen Mitglieder trotzkistischer, linkssozialistischer und oppositioneller kommunistischer Gruppen wie der deutschen SAP. Sie sind in den Augen der stalinistischen Kommunistischen Partei Spaniens, PCE, ein anarchistischer Haufen trotzkistischer Verräter und damit eine Tarnorganisation der Faschisten.

Die Situation eskaliert schließlich im Mai 1937, als es in Barcelona zu tagelangen blutigen Straßenkämpfen zwischen moskautreuen Kommunisten und Anhängern der POUM kommt.

Damit ist die große Idee einer vereinten Volksfront gegen Hitler und Faschismus endgültig gescheitert.

Der Lutetia-Kreis erkennt – hatte bereits im April 1937 erkennen müssen – dass das Maß an Gemeinsamkeiten zwischen den Parteien und Weltanschauungen nicht für einen gemeinsamen Kampf gegen Hitler und Faschismus ausreicht und seine Aktivitäten nach einer verhängnisvollen Oster-Tagung eingestellt.

Die Appeasement-Politiker Großbritanniens und Frankreichs geben im September 1938 auf der Münchner Konferenz das tschechoslowakische Sudetenland für einen brüchigen Frieden preis.

In Spanien ordnet die republikanische Regierung im Oktober 1938 den Abzug aller internationalen Brigaden an.

Als im November 1938 die Geheimverhandlungen zum Hitler-Stalin-Pakt beginnen, ziehen sich auch die rund 2000 sowjetischen „Militärberater“ aus Spanien zurück.

Ende Januar 1939 wird Barcelona in die Hände der Putschisten fallen, Ende März, nach drei Jahren Belagerung, auch Madrid. Mehr als 200.000 Republikaner werden nach Francos endgültigem Sieg am 1. April 1939 von den Nationalisten ermordet.

1936: Der Kampf gegen Hitler ist gescheitert.

Copyright: Agentur für Bildbiographien, www.bildbiographien.de, 2018 (überarbeitet 2022)

Lesen Sie im nächsten Beitrag: Konrad Henlein, Sudetendeutscher mit tschechischem Großvater, war Turnlehrer und wollte nach eigenem Bekunden auch nie etwas anderes sein. Er wurde zum Aushängeschild nationalsozialistischer Sudetendeutscher, die in den 1930er Jahre kräftig am Weltfrieden zündelten. War Henlein nur Hitlers Marionette und Brandstifter – oder auch Biedermann mit einem eigentlich ernsthaften Anliegen?
Biedermann oder Brandstifter: Konrad Henlein

Buch- und Filmempfehlungen:

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Eine hervorragende Zusammenfassung
der ersten 1000 Tage des Nazi-Regimes. Geschichte und Strategie der ‚Machtergreifung‘, der Mythos vom Autobahnbau, Röhmputsch, der Beginn der Judenverfolgung, die Olympiade 1936 – ein spannend geschriebener Blick hinter die Kulissen des „Dritten Reiches“.

GEO Epoche, Deutschland unter dem Hakenkreuz, Teil 1: 1933 – 1936. Die ersten 1000 Tage der Diktatur*, Gruner + Jahr, 2013

Berlin 1933.
Gereon Raths fünfter Fall führt seine Leser direkt in die Zeit der ‚Machtergreifung‘: Reichstagsbrand, Kommunistenhetze, die letzte Reichstagswahl im März 1933. Hitler-Gegner, seine Befürworter – und die große schweigende Mehrheit, die hofft, dass dieser Spuk bald vorbei sein. Sehr lesenswert für alle, die mehr über Stimmung, Beweggründe und Menschen jener Zeit erfahren wollen.
Volker Kutscher, Märzgefallene*, KiWi-Taschenbuch, März 2016 (Märzgefallene Gratis-Download im Audible-Probemonat)

Die Geschichte der Deutschen
gut, übersichtlich und verständlich erklärt. Für alle Geschichtsinteressierten prima zum Nachschlagen und Querlesen geeignet.

Christian v. Ditfurth: Deutsche Geschichte für Dummies*, Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim, 2019

Die dramatische Zwischenkriegszeit 1918 bis 1939 in Europa
mit Spielszenen, bislang unveröffentlichtem Original-Filmmaterial und basierend auf Tagebüchern, Briefen und Fotos perfekt in Szene gesetzt. Keine Wissenschaftler aus dem Off – sondern Menschen, ihre Träume und Schicksale zusammengefasst in sehenswerten neuen und alten Bildern, die uns ihre Zeit nahe bringen. Sehenswert!
Krieg der Träume 1918-1939 [3 DVDs]*, 2018, FSK 12

Was wäre gewesen, wenn …
Hitler den Krieg gewonnen hätte und Großdeutschland vom Rhein bis zum Ural reichen würde? Ein großartiges Buch zwischen Fiction, Krimi und vielen historisch ausgesprochen interessanten Fakten.

Robert Harris, Vaterland*. Heyne Verlag, 2017

Weiterführende Beiträge:

NS-Wirtschaft: Wirtschaftlich stand das Dritte Reich nie auf stabilen Beinen. Die Ökonomie im Nationalsozialismus war von Anfang an auf Täuschung und Expansion – Krieg – gebaut. Über Hitlers Autobahnen, MeFo-Wechsel, Lügen und Täuschungen – ohne die Hitlers Weg in den Krieg nie funktioniert hätte. 
Autobahn und MeFo-Wechsel: Adolf Hitler, die deutsche Wirtschaft und der Weg in den 2. Weltkrieg

Besuch auf dem Berghof: Nachdem Unity Valkyrie Mitford endlich den “Führer” kennengelernt hat, begleitet sie ihn so oft, dass ihr Name von „Mitford“ zu „Mitfahrt“ verballhornt wird. Offiziell geht es ihr nur um „die Sache“, doch es gibt viel, was auf Liebe hinweist. Aber wie hat sie Hitler beeinflusst? War es ein Flirt mit Folgen auch für den „Führer“?
Hitlers It-Girl

Hamburg 1923: Fünf Jahre sind seit dem Ende des Weltkrieges vergangen, aber Deutschland kommt nicht zur Ruhe. In Hamburg üben die Kommunisten Weltrevolution und für wenige Stunden gibt es eine „Sowjetrepublik Stormarn“. Ernst Thälmann, Hamburgs charismatischer KPD-Führer, bringt sich für seine weitere Karriere in Stellung, Stalin, Hitler und die ‚Sozialfaschismustheorie‘ mischen auch schon mit.
Hamburg auf den Barrikaden

Hitlers Anhänger: Schläge und Schweigen, Verdrängen und Neu-Inszenieren sind die Muster, mit denen die ‚Erziehung mit harter Hand‘ von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. Über Alice Miller, Hitlers Mitläufer und Mörder und über schwarze Pädagogik, die aus Opfern Täter macht.
Die Erlaubnis zu hassen

Das Ende der Republik: Die letzten freien Wahlen am 6. November 1932 besiegeln das Schicksal der Deutschen. Es ist aber nicht das Wählervotum, das den roten Teppich für Adolf Hitler ausrollt, sondern das katastrophale Agieren von mehr oder minder demokratischen Politikern, die mit einer Mischung aus Ignoranz, Dummheit und Selbstsucht die erste Demokratie auf deutschem Boden gegen die Wand fahren.
1932- das Ende der Republik. Brüning: Der Hungerkanzler

Stalin: Lenins „Mann fürs Grobe“ ist ihm am Ende doch zu grob. In seinem politischen Testament empfiehlt der Begründer und erste Regierungschef Sowjetrusslands dringend, Stalin als allmächtigen Generalsekretär der Kommunistischen Partei Russlands abzulösen und einen anderen an seine Stelle zu setzen. Doch es ist zu spät, Stalin setzt sich im Kampf um die Macht durch. Bis heute sind sich Historiker nicht einig, ob er oder Hitler mehr Menschenleben gekostet haben.
Wer war eigentlich Stalin?

2. Weltkrieg: Fast niemand wollte diesen Krieg: Briten und Franzosen nicht, die Sowjets nicht und auch nicht die meisten Deutschen. Die einzige treibende Kraft ist Adolf Hitler. Seit seiner „Machtergreifung“ im Jahr 1933 wird die deutsche Außen- und Innenpolitik, die Wirtschafts- und Finanzpolitik einzig und allein auf das Ziel Krieg ausgerichtet. Eine Chronologie der größten Katastrophe in der Geschichte der Menschheit:
Der Zweite Weltkrieg: Kriegsende-Zusammenbruch-Befreiung

Linkempfehlung:

Der Spanische Bürgerkrieg (1936 – 1939): Der Spanische Bürgerkrieg wurde zwischen der demokratisch gewählten Volksfrontregierung und den rechtsgerichteten Putschisten unter General Francisco Franco ausgetragen. Beide Seiten hatten jedoch erhebliche ausländische Unterstützung. Francos Truppen siegten und sein Regime (Franquismus) regierte Spanien bis zu seinem Tode 1975.
https://www.andalusien360.de/magazin/spanischer-buergerkrieg

Bildnachweise:

Berlin, Olympiade 1936. Von Bundesarchiv, B 145 Bild-P017073 / Frankl, A. / CC BY-SA 3.0 de

Adolf Hitler und Eva Braun auf dem Berghof“ by Bundesarchiv, B 145 Bild-F051673-0059 / CC-BY-SA 3.0

Photograph of General Franco with winter cloak. / CC-BY-SA 1.0, Gemeinfrei

Berlin, Olympiade, Siegerehrung Fünfkampf Olympische Spiele 1936 Sieger-Ehrung im Fünfkampf auf der Sieger-Tribüne von rechts nach links: Oberleutnant Abba-Italien (II.) Hauptmann Handrick-Deutschland (I.) Leutnant Leonard-USA (III.) Fot. Stempka. Bundesarchiv, Bild 183-G00825 / Stempka / CC-BY-SA 3.0

Stalin und Dimitrow (rechts) in Moskau (1936), Gemeinfrei

Urteilsverkündung im Schachty-Prozess durch Andrei Wyschinski (Mitte, lesend). Säulensaal des Gewerkschaftshauses in Moskau. Autor unbekannt, Gemeinfrei

ADN-ZB/Archiv Nationalrevolutionärer Krieg des spanischen Volkes vom 18.7.1936 bis 2.4.1939/ Internationale Brigaden
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Die Ruinen von Guernica. Das von der Legion Condor zerstörte Gernika. Von Bundesarchiv, Bild 183-H25224 / Unbekannt / CC BY-SA 3.0 de

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