Pains and Penalities: Scheidung auf britisch

Wegen sei­ner immensen Schul­den muss der bri­ti­sche Prinz­re­gent Geor­ge mit sei­ner Cou­si­ne Caro­li­ne von Braun­schweig hei­ra­ten.
Die arran­gier­te Ehe der bei­den ist von Anfang an unglück­lich und jetzt, als König, will sich Geor­ge end­lich schei­den las­sen. Ein Unter­fan­gen, das viel schwie­ri­ger ist als erwar­tet.

König George der Vierte oder: Scheidung auf britisch

Scheidung auf britisch

Wäh­rend man sich auf dem Kon­ti­nent zu Beginn des 19. Jahr­hun­derts erst müh­sam an das von Napo­le­on in ganz Euro­pa ver­brei­te­te neue Schei­dungs­recht gewöhnt, sind für die Bri­ten Ehe­schei­dun­gen schon seit dem 16. Jahr­hun­dert erlaubt.
Zu ver­dan­ken haben sie die libe­ra­le Ein­stel­lung dem gewich­tigs­ten Lady­kil­ler ihrer Geschich­te, König Hein­rich VIII. (1491 – 1547).

Viel Freu­de hat­te König Hein­rich an sei­nem Schei­dungs­recht nicht. Ins­ge­samt war er sechs Mal ver­hei­ra­tet, das Schei­dungs-Thea­ter hat er aber nur zwei­mal mit­ge­macht.
Für sei­ne ers­te Tren­nung muss­te er Him­mel und Höl­le in Bewe­gung set­zen. Das heißt: sich mit dem Papst anle­gen, die Staats­re­li­gi­on ändern und dar­auf­hin Rebel­lio­nen nie­der­knüp­peln, weil vie­le sei­ner Unter­ta­nen lie­ber katho­lisch blei­ben und nicht angli­ka­nisch wer­den woll­ten, nur damit der König sei­ne Ex Katha­ri­na von Ara­gon los­wer­den konn­te.

Für wei­te­re Tren­nun­gen, bei­spiels­wei­se dem legen­dä­ren Schluss­ma­chen mit sei­ner zwei­ten Gat­tin Anne Boleyn, bevor­zug­te Hein­rich dann lie­ber ganz klas­sisch den schnel­le­ren und ein­fa­che­ren Weg: den Hen­ker.

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Bei sei­ner Thron­be­stei­gung 1509 galt Hein­rich übri­gens als Hoff­nungs­trä­ger — cha­ris­ma­tisch, gebil­det und fort­schritt­lich.
Doch im Lau­fe sei­ner knapp 40jährigen Herr­schaft, sei­ner ver­zwei­fel­ten Hoff­nung auf wah­re Lie­be, ech­te Freund­schaft und einen legi­ti­men Sohn als recht­mä­ßi­gen Thron­er­ben, sei­nen unglück­li­chen Ehen und chro­ni­schen Krank­hei­ten wur­de er zum miss­traui­schen Tyran­nen, der unzäh­li­ge Men­schen fol­tern und umbrin­gen ließ.

Delicate Investigation

Hein­richs Nach­fah­re und Bru­der im Geis­te — was Lei­bes­fül­le und Frau­en­ver­schleiß angeht -, der Thron­er­be Geor­ge, Prince of Wales, hat ganz ähn­li­che Pro­ble­me wie König Blau­bart.
Aller­dings ist ‘Köp­fen’ zu sei­ner Zeit bei Tren­nun­gen kei­ne Opti­on mehr.

Geor­ge sieht sich mit der unan­ge­neh­men Tat­sa­che kon­fron­tiert, dass sich im König­reich nach bri­ti­schem Recht zwar Kre­thi und Ple­thi schei­den las­sen kann, er aber nicht.

Den Ärger bei sei­nen Schei­dungs­ab­sich­ten hat Geor­ge sich selbst zuzschrei­ben. Als jun­ger Prinz hat­te er ohne Geneh­mi­gung durch König und Par­la­ment eine ers­te Ehe geschlos­sen, die vor sei­ner zwei­ten, vom Par­la­ment arran­gier­ten Hoch­zeit nicht geschie­den wor­den war. Die­se ers­te, inof­fi­zi­el­le Ehe­frau ent­puppt sich jetzt als böse Fal­le.

Geor­ge ist dem Gesetz nach Biga­mist. Und wer so viel Dreck am Ste­cken hat, kann sich als Thron­er­be nicht schei­den las­sen. Fin­det zumin­dest das bri­ti­sche Par­la­ment.

George IV von England Lithographie 1821
Geor­ge IV (1821) by G. Atkin­son, Brigh­ton, UKIm­me­dia­te source: Samm­lung de Salis

Geor­ges ers­te “inof­fi­zi­el­le” Hoch­zeit mit einer katho­li­schen Wit­we hat­te sei­ner zwei­ten, arran­gier­ten Ehe mit Cou­si­ne Caro­li­ne von Braun­schweig nicht im Weg gestan­den. Eine Schei­dung von ihr macht sie fast unmög­lich.

Soll­te her­aus­kom­men, dass er in Sachen Ehe zwei­glei­sig gefah­ren ist, dürf­te sein Thron­an­spruch dahin sein, das Par­la­ment hät­te gegen­über dem Volk schwe­re Erklä­rungs­nö­te und müss­te ver­mut­lich einen neu­en Thron­fol­ger suchen.

Als Geor­ge beschließt, nicht mehr mit Caro­li­ne ver­hei­ra­tet sein zu wol­len, bringt er die wacke­ren Par­la­men­ta­ri­er, die in Groß­bri­tan­ni­en bei den Lie­bes- und Hei­rats­an­ge­le­gen­hei­ten des Königs­hau­ses immer ein Wort mit­zu­re­den haben, ziem­lich ins Schwit­zen.

Außer­dem erlaubt die bri­ti­sche Gesetz­ge­bung jener Zeit zwar die Schei­dung eines über alle Tadel erha­be­nen Man­nes von sei­ner sich unmo­ra­lisch ver­hal­ten­den Ehe­frau, nicht aber eine Tren­nung, weil einer der bei­den kei­ne Lust mehr auf den ande­ren hat.

Soll­te es zu einem Schei­dungs­pro­zess kom­men, wür­de unwei­ger­lich schmut­zi­ge Wäsche gewa­schen wer­den. Und – so viel ist allen klar – davon gibt es im Leben des Thron­fol­gers deut­lich mehr als in dem sei­ner Frau.

Prinzregent George und Caroline von Braunschweig: Szenen einer arrangierten Ehe

Nach lan­gem Hin und Her wird 1806 auf Geor­ges Drän­gen schließ­lich doch eine hoch­ka­rä­tig besetz­te vier­köp­fi­ge Kom­mis­si­on unter der Lei­tung des Pre­mier­mi­nis­ters ein­ge­setzt, um Caro­li­nes Ver­hält­nis­se mög­lichst ohne öffent­li­ches Auf­se­hen zu unter­su­chen und ihr soweit mög­lich einen las­ter­haf­ten Lebens­wan­del nach­zu­wei­sen.

Eigent­lich hat das Land ande­re Pro­ble­me.
Napo­le­ons Arme­en über­ren­nen gera­de halb Euro­pa und weil sie auf der bri­ti­schen Insel nicht lan­den kön­nen, ver­hän­gen die Fran­zo­sen über Groß­bri­tan­ni­ens Wirt­schaft eine Blo­cka­de – die Kon­ti­nen­tal­sper­re – die bri­ti­schen Öko­no­men die Knie schla­ckern lässt.

Aber egal, die Wün­sche des Kron­prin­zen haben Vor­rang, die Deli­ca­te Inves­ti­ga­ti­on (deli­ka­te Unter­su­chung) wird durch­ge­zo­gen — und fin­det trotz aller Bemü­hun­gen nichts Anstö­ßi­ges im Leben von Geor­ges ver­sto­ße­ner Gemah­lin Caro­li­ne.

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Scheidung mit Hindernissen

Ab 1811 regiert Geor­ge als Prinz­re­gent anstel­le sei­nes geis­tig völ­lig umnach­te­te Vaters Geor­ge III. Groß­bri­tan­ni­en.
Viel bei­zu­tra­gen für Volk und Vater­land hat er nicht, aber er baut ger­ne.

In Geor­ges Zeit als Prinz­re­gent wird Lon­don neu sor­tiert und es ent­ste­hen kost­spie­li­ge Bau­wer­ke, Parks und öffent­li­che Plät­ze wie dem Regent’s Park, der Regent Street und dem Tra­fal­gar Squa­re, die er als stei­ner­ne Denk­mä­ler für sich errich­ten lässt. Die Stil­epo­che Regen­cy ist des­halb nach ihm benannt.

Regent Street, Lon­don 2012. Von foto­goo­com, CC BY 3.0

Sei­ne ver­sto­ße­ne Frau Caro­li­ne ist der­weil klug genug, Eng­land frei­wil­lig zu ver­las­sen, nach­dem Napo­le­on besiegt und der Krieg in Euro­pa nach lan­ger Zeit been­det ist.
Im Alter von 46 Jah­ren ver­sucht sie der Tris­tesse ihrer eng­li­schen Ehe zu ent­flie­hen und – viel­leicht – doch noch ein biss­chen Spaß im Leben zu haben. Sie reis­te zunächst nach Deutsch­land, Grie­chen­land, Kai­ro und Jeru­sa­lem und ließ sich schließ­lich in Cernob­bio am Comer See nie­der.

Ihr Idyll am Comer See währt drei Jah­re, dann stirbt 1817 ihre und Geor­ges ein­zi­ge Toch­ter qual­voll im Wochen­bett.
Die Bri­ten sind am Boden zestört. Und es gibt kei­nen recht­mä­ßi­gen Thron­er­ben mehr.

Um so hef­ti­ger wer­den Geor­ges Atta­cken, nach­dem sein Vater, der alte König Geor­ge III., 1820 stirbt und er end­lich zum neu­en König Geor­ge IV. pro­kla­miert wird
Zunächst ver­wei­gert er Caro­li­ne die ihr zuste­hen­de Aner­ken­nung als Köni­gin Groß­bri­tan­ni­ens und ver­folgt dann kurz­zei­tig die Idee, sie wegen Hoch­ver­rats ankla­gen zu las­sen, wovon ihn Ange­hö­ri­ge der bri­ti­schen Regie­rung müh­sam wie­der abbrin­gen kön­nen.

Den Aus­weg aus ihrer unglück­li­chen Zwangs­ehe soll schließ­lich ein neu­es Gesetz brin­gen, das Pains and Pen­al­ties Bill (in etwa: Sor­gen und Sank­tio­nen Gesetz).
Geor­ges Hoff­nung ist, Caro­li­ne ohne Gerichts­ver­hand­lung und mit ein­fa­cher Mehr­heit im Par­la­ment los­zu­wer­den.
Die Geset­zes­vor­la­ge ist bereits in Vor­be­rei­tung.

Bevor das könig­li­che Schei­dungs­ge­setz rechts­kräf­tig wer­den kann, muss aller­dings die Vor­la­ge von den Lords des bri­ti­schen Ober­hau­ses abge­nickt wer­den.
Das erscheint ein­fach, denn die Dukes, Baro­nets, Earls und Vis­counts waren noch nie von der unkon­ven­tio­nel­len und gele­gent­lich auch auf­müp­fi­gen Caro­li­ne begeis­tert gewe­sen.

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Bill Bry­son sehr amü­sant über die Bau­lust bri­ti­scher Köni­ge, den Gebräu­chen des Abso­lu­tis­mus — und die Sor­gen und Nöte der klei­nen Leu­te, die den Spaß der obe­ren Zehn­tau­send finan­zie­ren muss­ten. Ein sehr lesens­wer­ter Streif­zug durch die Kul­tur­ge­schich­te Euro­pas. Und sehr hörens­wert: die Audio-Ver­si­on, gele­sen von Rufus Beck.
Bill Bry­son, Eine kur­ze Geschich­te der all­täg­li­chen Din­ge*, Gold­mann Taschen­buch, 2013


No Queen, no King

Am ers­ten Tag der Anhö­rung der Geset­zes­vor­la­ge vor dem Ober­haus, im August 1820, sind die Stra­ßen rund um das Par­la­ment mit Men­schen ver­stopft.

Die Mit­glie­der des Ober­hau­ses, die zur Anhö­rung ins Par­la­ments­ge­bäu­de eilen, müs­sen sich durch eine rie­si­ge Men­schen­men­ge drän­geln und wer­den dabei aus­ge­pfif­fen und aus­ge­buht, denn vie­le ver­mu­ten, dass das Ober­haus für das Gesetz und damit gegen die ver­sto­ße­ne Köni­gin stim­men wer­den.

No Queen, no King(Ohne Köni­gin kein König), ist der Schlacht­ruf der Mas­sen.
Vor­der­grün­dig geht es um die Auf­lö­sung einer seit Jahr­zehn­ten nicht mehr voll­zo­ge­nen Ehe, doch Caro­li­ne ist schon längst zur Volks­hel­din und zur Gal­li­ons­fi­gur des Wider­stan­des gegen den ver­hass­ten Geor­ge und das fast eben­so ver­hass­te Estab­lish­ment gewor­den.

Die Not­wen­dig­keit der Ehe­schei­dung und damit des Pains and Pen­al­ties Bill soll – mal wie­der – mit dem Ehe­bruch der Ehe­frau belegt wer­den.
Geor­ges nach wie vor exis­tie­ren­de inof­fi­zi­el­le ers­te Gat­tin und sei­ne zahl­rei­chen Neben­bei-Affä­ren sol­len selbst­ver­ständ­lich nicht zur Spra­che kom­men.

Die Anhö­rung vor dem fei­nen bri­ti­schen Ober­haus gerät trotz­dem zur Schlamm­schlacht.
Die­ses Mal hat man einen ita­lie­ni­schen Baron als poten­zi­el­len Lieb­ha­ber Caro­li­nes aus­fin­dig gemacht, der in ihrem Haus­halt am Comer See lebt und ihr – so sagt man – als eine Art Kurier zu Diens­ten ist.

Tage­lang wer­den ihre ita­lie­ni­schen Bediens­te­ten befragt; man erör­tert die Lage ihres Schlaf­zim­mer zu dem des ita­lie­ni­schen Barons (nah bei­ein­an­der­lie­gend), den Zustand der Bet­ten (das des Barons manch­mal unbe­nutzt), und den Zustand der Bett­la­ken Caro­li­nes (manch­mal mit Fle­cken).

Fast sieht es aus, als ob Caro­li­nes Ehe­bruch auf­grund erdrü­cken­der Indi­zi­en nach­ge­wie­sen wer­den kann – beim Spa­zie­ren­ge­hen hat sie sich bei ihrem Baron ein­ge­hakt! Mehr­mals!
Doch dann kon­tert Caro­li­nes Anwalt und presst im Kreuz­ver­hör eini­gen Haus­an­ge­stell­ten das Geständ­nis ab, dass ihre Aus­sa­gen im Vor­feld gekauft wor­den waren.

Non mi ricordo“ – „ich kann mich nicht erin­nern“, ist das Ein­zi­ge, was der Haupt­be­las­tungs­zeu­ge, der ita­lie­ni­sche But­ler Caro­li­nes, noch stam­meln kann, als Caro­li­nes Anwalt mit ihm fer­tig ist
.„Non mi ricordo“ höh­nen in den kom­men­den Tagen die Schlag­zei­len vie­ler Zei­tun­gen und Gazet­ten, denn die meis­ten ste­hen auf Caro­li­nes Sei­te.

Es hilft nichts: Dem Pains and Pen­al­ties Bill fehlt die recht­li­che Grund­la­ge.
Die Geset­zes­vor­la­ge schei­tert im Novem­ber 1820 vor dem Ober­haus; die bri­ti­sche Regie­rung zieht sie weni­ge Tage spä­ter zurück. Geor­ges und Caro­li­nes Ehe kann nicht geschie­den wer­den.
Als die Ent­schei­dung bekannt­ge­ge­ben wird, tan­zen die Men­schen auf den Stra­ßen und fei­ern tage­lang eupho­risch den Fort­be­stand einer Ehe, die es eigent­lich seit Jahr­zehn­ten nicht mehr gibt.

Where is the princess?

Doch Caro­li­ne, vom Volk geliebt und beju­belt, vom Ehe­mann gehasst, hat­te zu die­sem Zeit­punkt schon längst ihren Lebens­mut ver­lo­ren.
Ihr ein­zi­ges Kind ist tot.

Ihre und Geor­ges Toch­ter, Kron­prin­zes­sin Char­lot­te und ihr unge­bo­re­ner Enkel­sohn star­ben 1817 völ­lig erschöpft nach über fünf­zig Stun­den erfolg­lo­ser Wehen im Wochen­bett, weil ihr behan­del­der Arzt, der unglück­li­che Sir Richard Croft, den Ein­satz der noch rela­tiv unbe­kann­ten Geburts­zan­ge ver­bo­ten hat­te.

Sowohl Char­lot­tes Mann Leo­pold als auch ihr Vater Geor­ge, spra­chen Croft von jeg­li­cher Mit­schuld an ihrem Tod frei. Doch die Nati­on war scho­ckiert – es sei, als ob jeder Haus­halt Groß­bri­tan­ni­ens ein Kind ver­lo­ren hät­te, notiert eine auf­ge­wühl­te bri­ti­sche Tage­buch­schrei­be­rin.

Ob Caro­li­ne Croft ver­zie­hen hat­te, ist nicht bekannt. Er selbst konn­te es nicht.
Ein Jahr nach dem Tod der Thron­er­bin, 1818, fand man ihn tot mit einer Kugel im Kopf.
Neben ihm lag ein Exem­plar von Shake­speares frü­her Komö­die Ver­lo­re­ne Lie­bes­müh, auf­ge­schla­gen im 5. Akt, 2. Sze­ne bei der bedeu­tungs­schwe­ren Pas­sa­ge: Fair Sir, God save you! Whe­re is the Princess?

Der Tod der Thron­er­bin änder­te vie­les, vor allem aber den Lauf der Geschich­te:
Hät­ten Char­lot­te und ihr Baby über­lebt, hät­te es kein vik­to­ria­ni­sches Zeit­al­ter gege­ben und vor allem: kei­ne Köni­gin Vic­to­ria.

König George IV von England
Geor­ge IV (1816) By Tho­mas Law­rence, Public domain

Doch noch ist es nicht soweit.

Weni­ge Mona­te nach dem Ende der Pains and Pen­al­ties Anhö­rung, im Juli 1821, wird Caro­li­nes Immer­noch-Ehe­mann Geor­ge in der West­mins­ter Abbey mit einer pom­pö­sen Zere­mo­nie zum König gekrönt.

Caro­li­ne ist zu den Fei­er­lich­kei­ten nicht ein­ge­la­den, erscheint aber trotz­dem. Sie wird nicht ein­ge­las­sen.
Drei Wochen spä­ter ist sie tot.

Noch Jah­re spä­ter hält sich das Gerücht, dass man ihren frü­hen Tod mit nur 53 Jah­ren mit einem ver­gif­te­ten Glas Limo­na­de her­bei­ge­führt habe. Die wahr­schein­li­che­re Todes­ur­sa­che ist aller­dings eine schon län­ge­re Zeit bestehen­de Unter­leibs­er­kran­kung.

Als Caro­li­nes Sarg in aller Heim­lich­keit durch abge­le­ge­ne Vor­or­te Lon­dons zur Küs­te und von dort aus zur letz­ten Ruhe­stät­te nach Braun­schweig über­führt wer­den soll, stür­men Demons­tran­ten den Lei­chen­zug ihrer ver­sto­ße­nen Köni­gin und zwin­gen die Gar­den, einen Weg mit­ten durch die City of Lon­don zu neh­men.
Bei den Aus­schrei­tun­gen und Tumul­ten im Anschluss wer­den zwei Men­schen getö­tet und meh­re­re ver­letzt.

König Geor­ge IV. stirbt neun Jah­re spä­ter als einer der meist­ge­hass­ten Köni­ge in der Geschich­te Groß­bri­tan­ni­ens. Er hin­ter­lässt kei­nen legi­ti­men Thron­er­ben als Nach­fol­ger.

Viel mehr als die Mode, kei­ne gepu­der­ten Perü­cken mehr zu tra­gen, die Stil­epo­che Regen­cy und eini­ge Gebäu­de und Parks in Lon­don hat er nicht zustan­de gebracht. Kein Wun­der, denn schließ­lich hat er sein hal­bes Leben damit ver­bracht, sich schei­den zu las­sen. Oder es zumin­dest ver­sucht.

Ein eit­les Leben. Auch ein ver­lo­re­nes?.
Oder, wie es die Lon­do­ner Times anläss­lich sei­nes fünf­zigs­ten Geburts­tags for­mu­liert hat:

[… Ein] Wort­brü­chi­ger, ein bis über die Ohren ver­schul­de­ter und mit Schan­de bedeck­ter Wüst­ling, ein Ver­äch­ter ehe­li­cher Bin­dun­gen, ein Kum­pan von Spie­lern und Halb­welt­ge­stal­ten, ein Mann, der gera­de ein hal­bes Jahr­hun­dert voll­endet hat, ohne den gerings­ten Anspruch auf die Dank­bar­keit sei­nes Lan­des oder den Respekt nach­fol­gen­der Genera­tio­nen ver­dient zu haben.“

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www​.bild​bio​gra​phi​en​.de, 2017 (über­ar­bei­tet 2019)

Lesen Sie im drit­ten Teil: Queen Vic­to­ria (1819 – 1901) drück­te dem 19. Jahr­hun­dert ihren Stem­pel auf und bestimm­te als „Groß­mutter Euro­pas“ auch die Geschich­te des 20. Jahr­hun­derts. Ihr Leben fing mehr als beschei­den an, als Not­lö­sung für die ver­stor­be­ne Thron­er­bin, vater­los und mit einer Mut­ter, die sie als eine Art Faust­pfand für die eige­ne Zukunft betrach­tet. Die Groß­mutter Euro­pas

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Leon­hard Horow­ski, Das Euro­pa der Köni­ge*, Rowohlt Buch­ver­lag, März 2017, 1120 Sei­ten

Nach wie vor die bes­te Emp­feh­lung für alle, die Spaß an ‘Geschich­te durch Geschich­ten’ haben.
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Bet­ti­na Mus­all (Her­aus­ge­ber), Eva-Maria Schnurr (Her­aus­ge­ber), Eng­lands Kro­ne — die bri­ti­sche Mon­ar­chie im Wan­del der Zeit*, Ein SPIE­GEL-Buch, Deut­sche Ver­lags-Anstalt, März 2015

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Wei­ter­füh­ren­de Bei­trä­ge:

Das Dra­ma beginnt: Der Prince of Wales Geor­ge kann sei­ne Finan­zen nicht in Ord­nung hal­ten. Von sei­nem auf­wän­di­gen Lebens­stil fast rui­niert, wil­ligt er schließ­lich in einen Hei­rats­han­del mit dem Par­la­ment ein: Sei­ne Schul­den wer­den bezahlt, dafür hei­ra­tet er sei­ne Cou­si­ne Caro­li­ne von Braun­schweig. Das ein­zi­ge Pro­blem: Das Braut­paar kann sich nicht aus­ste­hen …
Sze­nen einer arran­gier­te Ehe

Lie­be: Wer kennt es nicht, wenn sich nach weni­gen Wochen gro­ßer Lie­be, in denen See­len­ver­wandt­schaf­ten ent­deckt und Zukunfts­plä­ne geschmie­det wer­den, der ange­him­mel­te Liebs­te plötz­lich rar­macht, um Bedenk­zeit bit­tet, selt­sa­me Erklä­run­gen stam­melt und schließ­lich zu einer ande­ren ent­schwin­det? Ist das Psy­cho­lo­gie oder doch wie­der nur ein mise­ra­bler männ­li­cher Hor­mon­haus­halt?
Ist Fremd­ge­hen ange­bo­ren?

Die fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on, Napo­le­on und ganz neue Gefüh­le: Mut­ter­lie­be, wah­re Lie­be und das Schei­dungs­recht kamen in Kon­ti­nen­tal-Euro­pa als Fol­ge der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on und mit Napo­le­on in Mode. Mehr über die “neu­en” gro­ßen Gefüh­le:
Mätres­sen­wirt­schaft, Revo­lu­ti­on und die gro­ße Lie­be

Kind­heit & Erzie­hung: Mit “Mut­ter­lie­be” hat­te der fran­zö­si­sche Phi­lo­soph Jean-Jac­ques Rous­se­au nichts im Sinn, als er 1762 sei­nen Roman “Emi­le oder über die Erzie­hung” ver­öf­fent­lich­te. Eigent­lich woll­te er mit sei­nem Roman ein Zei­chen gegen die abso­lu­tis­ti­sche Stän­de­ge­sell­schaft set­zen, die ihn anwi­der­te. Doch dann kommt die Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on, Mut­ter­lie­be wird zum neu­en Trend und bald zum ein­zi­gen Lebens­in­halt von Frau­en.
Die Erfin­dung der Mut­ter­lie­be

Das Genera­tionengs­präch über ein Jahr­hun­dert der Auf- und Umbrü­che, der Revo­lu­tio­nen und der Erfin­dung von Mut­ter- und roma­ti­scher Lie­be. Das Jahr­hun­dert der Auf­klä­rung und der “Aus­gang des Men­schen aus sei­ner selbst­ver­schul­de­ten Unmün­dig­keit”.
Das 18. Jahr­hun­dert

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Span­nen­de Blog-Lek­tü­re über Queen Vic­to­ria und ihre Vor- und Nach­fah­ren:
https://​www​.nord​kom​plott​.de/​a​l​s​-​d​i​e​-​r​o​y​a​l​s​-​a​u​s​-​h​a​n​n​o​v​e​r​-​k​a​m​e​n​-​3​0​0​-​j​a​h​r​e​-​p​e​r​s​o​n​a​l​u​n​i​on/

Schei­dung: “Im Gesetz steht von Lie­be kein Wort” — lesens­wer­tes Inter­view mit der Schei­dungs­an­wäl­tin Hele­ne Kla­ar, erschie­nen 2016 im Süd­deut­sche Zei­tung Maga­zin
https://​sz​-maga​zin​.sued​deut​sche​.de/​l​i​e​b​e​-​u​n​d​-​p​a​r​t​n​e​r​s​c​h​a​f​t​/​i​m​-​g​e​s​e​t​z​-​s​t​e​h​t​-​v​o​n​-​l​i​e​b​e​-​k​e​i​n​-​w​o​r​t​-​8​2​190

Bild­nach­wei­se:

Geor­ge IV (1821) by G. Atkin­son, Brigh­ton, UKIm­me­dia­te source: Samm­lung de Salis), Public Domain
Por­trait of Caro­li­ne of Brunswick (1804), By Sir Tho­mas Law­rence, Natio­nal Por­trait Gal­le­ry, Public Domain
Regent Street, Lon­don 2012. Von foto­goo­com, CC BY 3.0, https://​com​mons​.wiki​me​dia​.org/​w​/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​c​u​r​i​d​=​5​9​0​9​8​348
Geor­ge IV (1816) By Tho­mas Law­rence — File:George IVcoronation.jpg from Roy­al Collec­tion object 405918, Public domain

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