Pains and Penalities: Scheidung auf britisch

König George der Vierte oder: Scheidung auf britisch www.generationengespräch.de

Außer der Stil­epo­che Regen­cy und sei­ner unge­lieb­ten Ehe­frau Caro­li­ne von Braun­schweig hat der bri­ti­sche König Geor­ge IV (1762 — 1830) nicht viel vor­zu­wei­sen.

Das Leben eines der meist­ge­hass­ten Köni­ge Eng­lands, der sein hal­bes Leben lang damit ver­bracht hat, sich schei­den zu lassen.

Scheidung auf britisch

Wäh­rend man sich auf dem Kon­ti­nent zu Beginn des 19. Jahr­hun­derts erst müh­sam an das von Napo­le­on in ganz Euro­pa ver­brei­te­te neue Schei­dungs­recht gewöhnt, gibt es für Bri­ten schon seit dem 16. Jahr­hun­dert einen Aus­weg, falls es mit der oder dem Ange­trau­ten nicht klappt.

Zu ver­dan­ken haben sie die libe­ra­le Ein­stel­lung zur Ehe aller­dings kei­ner wei­sen Ein­ge­bung, son­dern den pri­va­ten Ehe­pro­ble­men des gewich­tigs­ten Lady­kil­lers ihrer Geschich­te, König Hein­rich VIII. (1491 – 1547).

Ins­ge­samt sechs Mal war er ver­hei­ra­tet, das Schei­dungs-Thea­ter hat er aber nur zwei­mal mit­ge­macht. Viel Freu­de hat­te König Hein­rich an sei­nem Schei­dungs­recht aller­dings nicht.

Für sei­ne ers­te Tren­nung muss­te er Him­mel und Höl­le in Bewe­gung setzen. 

Das heißt: sich mit dem Papst anle­gen, die Staats­re­li­gi­on ändern und dar­auf­hin Rebel­lio­nen nie­der­knüp­peln, weil vie­le sei­ner Unter­ta­nen lie­ber katho­lisch blei­ben und nicht angli­ka­nisch wer­den woll­ten, nur damit der König sei­ne Ex Katha­ri­na von Ara­gon los­wer­den konnte.

Für wei­te­re Tren­nun­gen, bei­spiels­wei­se dem legen­dä­ren Schluss­ma­chen mit sei­ner zwei­ten Gat­tin Anne Boleyn, bevor­zug­te Hein­rich dann lie­ber ganz klas­sisch den schnel­le­ren und ein­fa­che­ren Weg: den Henker.

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Bei sei­ner Thron­be­stei­gung 1509 galt Hein­rich übri­gens als Hoff­nungs­trä­ger — er war cha­ris­ma­tisch, gebil­det und fortschrittlich.

  • Doch im Lau­fe sei­ner knapp 40jährigen Herr­schaft, sei­ner ver­zwei­fel­ten Hoff­nung auf wah­re Lie­be, ech­te Freund­schaft und einen legi­ti­men Sohn als recht­mä­ßi­gen Thron­er­ben, sei­nen unglück­li­chen Ehen und chro­ni­schen Krank­hei­ten wur­de er zum miss­traui­schen Tyran­nen, der unzäh­li­ge Men­schen fol­tern und umbrin­gen ließ.

Doppeltes Unglück: Zwei Ehefrauen für George IV.

Hein­richs Nach­fah­re und Bru­der im Geis­te was Lei­bes­fül­le und Frau­en­ver­schleiß angeht, ist der Thron­er­be Geor­ge, Prin­ce of Wales (1762 — 1830). Der hat ganz ähn­li­che Pro­ble­me wie König Blau­bart. Aller­dings ist das Köp­fen einer unge­lieb­ten Gat­tin zu sei­ner Zeit bei Tren­nun­gen kei­ne Opti­on mehr. 

Statt­des­sen sieht Geor­ge sich mit der unan­ge­neh­men Tat­sa­che kon­fron­tiert, dass sich im König­reich nach bri­ti­schem Recht zwar Kre­thi und Ple­thi schei­den las­sen konn­te, er aber nicht. 

Den Ärger hat er sich aller­dings selbst zuzu­schrei­ben: Als jun­ger Prinz hat­te er ohne Geneh­mi­gung durch König und Par­la­ment eine ers­te Ehe geschlos­sen.

Aus­ge­rech­net auch noch mit einer bür­ger­li­chen und katho­li­schen Wit­we.

George IV von England Lithographie 1821
Geor­ge IV (1821) by G. Atkin­son, Brigh­ton, UKIm­me­dia­te source: Samm­lung de Salis

Als er dann wegen sei­ner Geld­nö­te ein zwei­tes Mal in einer arran­gier­ten Ehe mit sei­ner Cou­si­ne Caro­li­ne von Braun­schweig stan­des­ge­mäß vom Par­la­ment ver­hei­ra­tet wird, erwähnt er die ers­te, inof­fi­zi­el­le Ehe­frau vor­sichts­hal­ber nicht. 

Sie wird sein Bume­rang, der ihn in sei­ner Ehe-Fal­le festhält.

Denn nach Recht und Gesetz ist Geor­ge ein Biga­mist.
Und wer so viel Dreck am Ste­cken hat, kann sich als Thron­er­be nicht schei­den las­sen — fin­det zumin­dest die obers­te Instanz für könig­li­che Lie­bes­an­ge­le­gen­hei­ten, das bri­ti­sche Parlament. 

Soll­te her­aus­kom­men, dass er in Sachen Ehe zwei­glei­sig gefah­ren ist, dürf­te sein Thron­an­spruch Schnee von ges­tern sein, das Par­la­ment hät­te gegen­über dem Volk größ­te Erklä­rungs­nö­te und müss­te außer­dem einen neu­en Thron­fol­ger suchen, was schwie­rig ist, wie die spä­te­re Geschich­te noch zei­gen wird. 

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Armer Geor­ge, sein Leben mit Wut und Frust(essen) zu ver­brin­gen, ist eine schlech­te Opti­on.

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Delicate Investigation

Als Geor­ge trotz­dem beschließt, nicht mehr mit Caro­li­ne ver­hei­ra­tet sein zu wol­len, bringt er die wacke­ren Par­la­men­ta­ri­er, die in Groß­bri­tan­ni­en bei den Lie­bes- und Hei­rats­an­ge­le­gen­hei­ten des Königs­hau­ses immer ein Wort mit­zu­re­den haben, ziem­lich ins Schwitzen. 

Geor­ges Biga­mie ist ein The­ma, aber es gibt noch einen wei­te­ren Aspekt, der gegen eine Schei­dung spricht: Die bri­ti­sche Gesetz­ge­bung jener Zeit erlaubt zwar die Schei­dung eines über alle Tadel erha­be­nen Man­nes von sei­ner sich unmo­ra­lisch ver­hal­ten­den Ehe­frau, nicht aber eine Tren­nung, weil einer der bei­den kei­ne Lust mehr auf den ande­ren hat. 

Soll­te es zu einem Schei­dungs­pro­zess kom­men, wür­de unwei­ger­lich schmut­zi­ge Wäsche gewa­schen werden. 

Und – so viel ist allen klar – davon gibt es im Leben des Thron­fol­gers deut­lich mehr als in dem sei­ner Frau. 

Nach lan­gem Hin und Her wird 1806 auf Geor­ges Drän­gen schließ­lich doch eine hoch­ka­rä­tig besetz­te vier­köp­fi­ge Kom­mis­si­on unter der Lei­tung des Pre­mier­mi­nis­ters ein­ge­setzt, um Caro­li­nes Ver­hält­nis­se mög­lichst ohne öffent­li­ches Auf­se­hen zu unter­su­chen und ihr soweit mög­lich einen las­ter­haf­ten Lebens­wan­del nachzuweisen. 

Eigent­lich hat das Land ande­re Pro­ble­me.
Napo­le­ons Armeen über­ren­nen gera­de halb Euro­pa und weil sie auf der bri­ti­schen Insel nicht lan­den kön­nen, ver­hän­gen die Fran­zo­sen über Groß­bri­tan­ni­ens Wirt­schaft eine Blo­cka­de – die Kon­ti­nen­tal­sper­re – die bri­ti­schen Öko­no­men die Knie schla­ckern lässt.

Aber egal, die Wün­sche des Kron­prin­zen haben Vor­rang und die Deli­ca­te Inves­ti­ga­ti­on (deli­ka­te Unter­su­chung) wird durch­ge­zo­gen.
Trotz aller Bemü­hun­gen fin­det sie nichts Anstö­ßi­ges im Leben von Geor­ges ver­sto­ße­ner Gemah­lin Caro­li­ne.

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Scheidung mit Hindernissen

Ab 1811 regiert Geor­ge als Prinz­re­gent anstel­le sei­nes geis­tig völ­lig umnach­te­te Vaters Geor­ge III. Groß­bri­tan­ni­en.
Viel bei­zu­tra­gen für Volk und Vater­land hat er nicht. Aber er baut gerne. 

In Geor­ges Zeit als Prinz­re­gent wird Lon­don neu sor­tiert und es ent­ste­hen kost­spie­li­ge Bau­wer­ke, Parks und öffent­li­che Plät­ze wie dem Regent’s Park, der Regent Street und dem Tra­fal­gar Squa­re, die er als stei­ner­ne Denk­mä­ler für sich errich­ten lässt. Die Stil­epo­che Regen­cy ist des­halb nach ihm benannt.

Regent Street, Lon­don 2012. Von foto­goo­com, CC BY 3.0

Die ver­sto­ße­ne Caro­li­ne ist der­weil klug genug, im Jahr 1814 Eng­land frei­wil­lig zu ver­las­sen, nach­dem Napo­le­on besiegt und der Krieg in Euro­pa nach 15 Jah­ren been­det ist. 

Im Alter von 46 Jah­ren ver­sucht sie der Tris­tesse ihrer eng­li­schen Ehe zu ent­flie­hen und – viel­leicht – doch noch ein biss­chen Spaß im Leben zu haben. 

Sie reist zunächst nach Deutsch­land, Grie­chen­land, Kai­ro und Jeru­sa­lem und lässt sich schließ­lich in Cern­ob­bio am Comer See nie­der. Doch ihr stil­les Glück ist schnel­ler vor­bei, als ihr lieb ist.

  • Denn nach­dem sein Vater, der alte und ver­wirr­te König Geor­ge III., 1820 stirbt und der Prinz­re­gent end­lich zum neu­en König Geor­ge IV. pro­kla­miert wird, scheint der Zeit­punkt güns­tig zu sein, sich auch end­lich von sei­ner unge­lieb­ten Gat­tin zu befreien.

Zunächst ver­wei­gert Geor­ge sei­ner Noch-Ehe­frau die ihr zuste­hen­de Aner­ken­nung als Köni­gin Groß­bri­tan­ni­ens, dann ver­folgt er kurz­fris­tig sogar die Idee, sie wegen Hoch­ver­rats ankla­gen zu las­sen. Mit viel Mühe kön­nen ihn Ange­hö­ri­ge der bri­ti­schen Regie­rung von die­sem Plan abbringen.

Pains and Penalties

Den Aus­weg aus der unglück­li­chen Zwangs­ehe soll schließ­lich ein neu­es Gesetz brin­gen, das Pains and Pen­al­ties Bill (in etwa: Sor­gen und Sank­tio­nen Gesetz). 

Geor­ges Hoff­nung ist, Caro­li­ne ohne Gerichts­ver­hand­lung und mit ein­fa­cher Mehr­heit im Par­la­ment los­zu­wer­den.
Die Geset­zes­vor­la­ge ist bereits in Vorbereitung.

Bevor das könig­li­che Schei­dungs­ge­setz rechts­kräf­tig wer­den kann, muss aller­dings die Vor­la­ge von den Lords des bri­ti­schen Ober­hau­ses abge­nickt wer­den.
Das erscheint ein­fach, denn die Dukes, Baro­nets, Earls und Vis­counts waren noch nie von der unkon­ven­tio­nel­len und gele­gent­lich auch auf­müp­fi­gen Caro­li­ne begeistert.

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Bill Bry­son über die Bau­lust bri­ti­scher Köni­ge, den selt­sa­men Gebräu­chen der fei­nen abso­lu­tis­ti­schen Gesell­schaft und den Sor­gen und Nöte der klei­nen Leu­te, die den Spaß der obe­ren Zehn­tau­send finan­zie­ren muss­ten.
Ein sehr lesens­wer­ter Streif­zug durch die Kul­tur­ge­schich­te Euro­pas. Sehr hörens­wert: die Audio-Ver­si­on*, gele­sen von Rufus Beck (kos­ten­los im Pro­be­mo­nat)

Bill Bry­son, Eine kur­ze Geschich­te der all­täg­li­chen Din­ge*, Gold­mann Taschen­buch, 2013

No Queen, no King!

Am ers­ten Tag der Anhö­rung der Geset­zes­vor­la­ge vor dem Ober­haus, im August 1820, sind die Stra­ßen rund um das Par­la­ment mit Men­schen verstopft.

Die Mit­glie­der des Ober­hau­ses, die zur Anhö­rung ins Par­la­ments­ge­bäu­de eilen, müs­sen sich durch eine rie­si­ge Men­schen­men­ge drän­geln und wer­den dabei aus­ge­pfif­fen und aus­ge­buht, denn vie­le ver­mu­ten — zurecht -, dass das Ober­haus für das Gesetz und damit gegen die ver­sto­ße­ne Köni­gin stim­men werden.

No Queen, no King“ (Ohne Köni­gin kein König), ist der Schlacht­ruf der Massen.

  • Vor­der­grün­dig geht es um die Auf­lö­sung einer seit Jahr­zehn­ten nicht mehr voll­zo­ge­nen Ehe, doch Caro­li­ne ist schon längst zur Volks­hel­din und zur Gal­li­ons­fi­gur des Wider­stan­des gegen den ver­hass­ten Geor­ge und das fast eben­so ver­hass­te Estab­lish­ment geworden.

Die Not­wen­dig­keit der Ehe­schei­dung und damit des Pains and Pen­al­ties Bill soll – mal wie­der – mit dem Ehe­bruch der Ehe­frau belegt werden. 

Geor­ges nach wie vor exis­tie­ren­de inof­fi­zi­el­le ers­te Gat­tin und sei­ne zahl­rei­chen Neben­bei-Affä­ren sol­len selbst­ver­ständ­lich nicht zur Spra­che kommen.

Die Anhö­rung vor dem fei­nen bri­ti­schen Ober­haus gerät trotz­dem zur Schlamm­schlacht.
Die­ses Mal hat man einen ita­lie­ni­schen Baron als poten­zi­el­len Lieb­ha­ber Caro­li­nes aus­fin­dig gemacht, der in ihrem Haus­halt am Comer See lebt und ihr – so sagt man – als eine Art Kurier zu Diens­ten ist.

Schmutzige Wäsche und geschmiertes Personal

Tage­lang wer­den ihre ita­lie­ni­schen Bediens­te­ten befragt; man erör­tert die Lage ihres Schlaf­zim­mer zu dem des ita­lie­ni­schen Barons (nah bei­ein­an­der­lie­gend), den Zustand der Bet­ten (das des Barons manch­mal unbe­nutzt), und den Zustand der Bett­la­ken Caro­li­nes (manch­mal mit Flecken). 

  • Fast sieht es aus, als ob Caro­li­nes Ehe­bruch durch erdrü­cken­de Indi­zi­en nach­ge­wie­sen wer­den kann – beim Spa­zie­ren­ge­hen hat sie sich bei ihrem Baron ein­ge­hakt! Mehrmals!

Doch dann kon­tert Caro­li­nes Anwalt und presst im Kreuz­ver­hör eini­gen Haus­an­ge­stell­ten das Geständ­nis ab, dass ihre Aus­sa­gen im Vor­feld gekauft wor­den waren.

Non mi ricordo“ – „ich kann mich nicht erin­nern“, ist das Ein­zi­ge, was der Haupt­be­las­tungs­zeu­ge, der ita­lie­ni­sche But­ler Caro­li­nes, noch stam­meln kann, als Caro­li­nes Anwalt mit ihm fer­tig ist

  • Non mi ricordo“ höh­nen in den kom­men­den Tagen die Schlag­zei­len vie­ler Zei­tun­gen und Gazet­ten, denn die meis­ten ste­hen auf Caro­li­nes Seite.

Es hilft nichts: Dem Pains and Pen­al­ties Bill fehlt die recht­li­che Grundlage.

Die Geset­zes­vor­la­ge schei­tert im Novem­ber 1820 vor dem Ober­haus; die bri­ti­sche Regie­rung zieht sie weni­ge Tage spä­ter zurück. Geor­ges und Caro­li­nes Ehe kann nicht geschie­den werden.

Als die Ent­schei­dung bekannt­ge­ge­ben wird, tan­zen die Men­schen auf den Stra­ßen und fei­ern tage­lang eupho­risch den Fort­be­stand einer Ehe, die es eigent­lich seit Jahr­zehn­ten nicht mehr gibt. 

Der frühe Tod der Kronprinzessin

Doch Caro­li­ne, vom Volk geliebt und beju­belt, vom Ehe­mann gehasst, hat­te zu die­sem Zeit­punkt schon längst ihren Lebens­mut ver­lo­ren: Ihr ein­zi­ges Kind ist tot, ihr Ehe­mann hasst sie und sie ist einsam.

Ihre und Geor­ges ein­zi­ge Toch­ter, Kron­prin­zes­sin Char­lot­te, und deren klei­ner Sohn star­ben 1817 völ­lig erschöpft nach über fünf­zig Stun­den erfolg­lo­ser Wehen im Wochen­bett, weil ihr behan­del­der Arzt, der unglück­li­che Sir Richard Croft, den Ein­satz der noch rela­tiv unbe­kann­ten Geburts­zan­ge ver­bo­ten hatte.

Sowohl Char­lot­tes Mann Leo­pold als auch ihr Vater Geor­ge, spra­chen Croft von jeg­li­cher Mit­schuld an ihrem Tod frei.

  • Die Nati­on ist am Boden zer­stört. Es sei, als ob jeder Haus­halt Groß­bri­tan­ni­ens ein Kind ver­lo­ren hät­te, notiert eine auf­ge­wühl­te bri­ti­sche Tagebuchschreiberin.

Ob Caro­li­ne Croft ver­zei­hen konn­te, ist nicht bekannt.
Er selbst konn­te es nicht.

Ein Jahr nach dem Tod der Thron­er­bin fand man ihn tot mit einer Kugel im Kopf.
Neben ihm lag ein Exem­plar von Shake­speares frü­her Komö­die Ver­lo­re­ne Lie­bes­müh, auf­ge­schla­gen im 5. Akt, 2. Sze­ne bei der bedeu­tungs­schwe­ren Pas­sa­ge: Fair Sir, God save you! Whe­re is the Prin­cess?

König George IV.: Ein mit Schande bedeckter Wüstling?

Der Tod der Thron­er­bin änder­te vie­les, vor allem aber den Lauf der Geschich­te:
Hät­ten Kron­prin­zes­sin Char­lot­te und ihr Baby über­lebt, hät­te es kein vik­to­ria­ni­sches Zeit­al­ter gege­ben und vor allem: kei­ne Köni­gin Vic­to­ria.

König George IV von England
Geor­ge IV (1816) By Tho­mas Law­rence, Public domain 

Doch noch ist es nicht soweit.

  • Weni­ge Mona­te nach dem Ende der Pains and Pen­al­ties Anhö­rung, im Juli 1821, wird Caro­li­nes Immer-noch-Ehe­mann Geor­ge in der West­mins­ter Abbey mit einer pom­pö­sen Zere­mo­nie zum König gekrönt.

Caro­li­ne ist zu den Fei­er­lich­kei­ten nicht ein­ge­la­den, erscheint aber trotz­dem. Sie wird nicht eingelassen.

Drei Wochen spä­ter ist sie tot. 

Noch Jah­re spä­ter hält sich das Gerücht, dass man ihren frü­hen Tod mit nur 53 Jah­ren mit einem ver­gif­te­ten Glas Limo­na­de her­bei­ge­führt habe.
Die wahr­schein­li­che­re Todes­ur­sa­che ist aller­dings eine schon län­ge­re Zeit bestehen­de Unterleibserkrankung. 

  • Als Caro­li­nes Sarg in aller Heim­lich­keit durch abge­le­ge­ne Vor­or­te Lon­dons zur Küs­te und von dort aus zur letz­ten Ruhe­stät­te nach Braun­schweig über­führt wer­den soll, stür­men Demons­tran­ten den Lei­chen­zug ihrer ver­sto­ße­nen Köni­gin und zwin­gen die Gar­den, einen Weg mit­ten durch die City of Lon­don zu nehmen.

Bei den Aus­schrei­tun­gen und Tumul­ten im Anschluss wer­den zwei Men­schen getö­tet und meh­re­re verletzt. 

König Geor­ge IV. starb 1820, neun Jah­re nach sei­ner unge­lieb­ten Ehe­frau Caro­li­ne von Braun­schweig als einer der meist­ge­hass­ten Köni­ge in der Geschich­te Großbritanniens. 

Er hin­ter­ließ kei­nen legi­ti­men Thron­er­ben als Nachfolger. 

  • Viel mehr als die Mode, kei­ne gepu­der­ten Perü­cken mehr zu tra­gen, die Stil­epo­che Regen­cy und eini­ge Gebäu­de und Parks in Lon­don hat er nicht zustan­de gebracht. Was nicht ver­wun­der­lich ist, schließ­lich hat er sein hal­bes Leben damit ver­bracht, sich schei­den zu las­sen. Oder es zumin­dest versucht.

Ein eit­les Leben. Auch ein verlorenes?.

Oder, wie es die Lon­don Times anläss­lich sei­nes fünf­zigs­ten Geburts­tags for­mu­liert hat:

„ [… Ein] Wort­brü­chi­ger, ein bis über die Ohren ver­schul­de­ter und mit Schan­de bedeck­ter Wüst­ling, ein Ver­äch­ter ehe­li­cher Bin­dun­gen, ein Kum­pan von Spie­lern und Halb­welt­ge­stal­ten, ein Mann, der gera­de ein hal­bes Jahr­hun­dert voll­endet hat, ohne den gerings­ten Anspruch auf die Dank­bar­keit sei­nes Lan­des oder den Respekt nach­fol­gen­der Gene­ra­tio­nen ver­dient zu haben.“ 

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phien, www​.bild​bio​gra​phien​.de, 2017 (über­ar­bei­tet 2024) 

Lesen Sie im drit­ten Teil: Das Leben der legen­dä­ren Queen Vic­to­ria (1819 – 1901) fing mehr als beschei­den an. Sie war die Not­lö­sung für die ver­stor­be­ne Thron­er­bin, vater­los und mit einer Mut­ter, die sie als eine Art Faust­pfand für die eige­ne Zukunft betrach­tet.
Die Groß­mutter Europas

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Wei­ter­füh­ren­de Beiträge:

Das Dra­ma beginnt: Der Prin­ce of Wales Geor­ge kann sei­ne Finan­zen nicht in Ord­nung hal­ten. Von sei­nem auf­wän­di­gen Lebens­stil fast rui­niert, wil­ligt er schließ­lich in einen Hei­rats­han­del mit dem Par­la­ment ein: Sei­ne Schul­den wer­den bezahlt, dafür hei­ra­tet er sei­ne Cou­si­ne Caro­li­ne von Braun­schweig. Das ein­zi­ge Pro­blem: Das Braut­paar kann sich nicht aus­ste­hen …
Sze­nen einer arran­gier­te Ehe

Sei­ten­sprung: Wenn sich der Liebs­te plötz­lich rar­macht, um Bedenk­zeit bit­tet, selt­sa­me Erklä­run­gen stam­melt und schließ­lich zu einer ande­ren ent­schwin­det? Fremd­ge­hen hat nicht immer etwas mit Lie­be zu tun: For­scher sind einem Casa­no­va-Gen auf der Spur, das Men­schen anfäl­lig für Affä­ren macht.
Ist Fremd­ge­hen angeboren?

Schul­dig!?: Der Schau­spie­ler Ben Affleck bekann­te vor Kur­zem, dass sei­ne Ehe mit Jen­ni­fer Gar­ner der Grund für sei­ne Alko­hol­sucht gewe­sen sei. Er habe sich wie in einer Fal­le gefühlt und wür­de heu­te noch trin­ken, wenn die Ehe fort­be­stan­den hät­te. Ob er sich mit die­ser Beich­te einen Gefal­len getan hat?
Wenn emo­tio­na­le Wun­den nicht hei­len: War­um Ben Affleck nicht glück­lich wer­den wird und wes­halb wir uns in einer Kri­se lie­ber auf uns selbst und nicht auf unse­re Sün­den­bö­cke kon­zen­trie­ren soll­ten.
Wenn emo­tio­na­le Wun­den nicht heilen

Die fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on, Napo­le­on und ganz neue Gefüh­le: Das 18. Jahr­hun­dert ent­deckt die gro­ße Lie­be, die mit Napo­le­on nicht nur in Mode, son­dern über ganz Kon­ti­nen­tal-Euro­pa kommt. Die Epo­chen vom Abso­lu­tis­mus bis zum Bie­der­mei­er
Mätres­sen­wirt­schaft, Revo­lu­ti­on und die gro­ße Liebe

Kind­heit & Erzie­hung: Mit “Mut­ter­lie­be” hat­te der fran­zö­si­sche Phi­lo­soph Jean-Jac­ques Rous­se­au nichts im Sinn, als er 1762 sei­nen Roman “Emi­le oder über die Erzie­hung” ver­öf­fent­lich­te. Eigent­lich woll­te er mit sei­nem Roman ein Zei­chen gegen die abso­lu­tis­ti­sche Stän­de­ge­sell­schaft set­zen, die ihn anwi­der­te. Doch dann kommt die Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on, Mut­ter­lie­be wird zum neu­en Trend und bald zum ein­zi­gen Lebens­in­halt von Frau­en.
Die Erfin­dung der Mutterliebe

Wie wir wur­den, wer wir sind: His­to­ri­sche Ent­wick­lun­gen und Gegen­sät­ze, die unser Leben bis heu­te beein­flus­sen, Auf- und Umbrü­che, Revo­lu­tio­nen und die Auf­klä­rung — der “Aus­gang des Men­schen aus sei­ner selbst­ver­schul­de­ten Unmün­dig­keit”.
Histo­ry: 18. und 19. Jahr­hun­dert I Generationengespräch

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Span­nen­de Blog-Lek­tü­re über Queen Vic­to­ria und ihre Vor- und Nach­fah­ren:
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Schei­dung: “Im Gesetz steht von Lie­be kein Wort” — lesens­wer­tes Inter­view mit der Schei­dungs­an­wäl­tin Hele­ne Kla­ar, erschie­nen 2016 im Süd­deut­sche Zei­tung Maga­zin
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Bild­nach­wei­se:

Geor­ge IV (1821) by G. Atkin­son, Brigh­ton, UKIm­me­dia­te source: Samm­lung de Salis), Public Domain
Por­trait of Caro­li­ne of Bruns­wick (1804), By Sir Tho­mas Law­rence, Natio­nal Por­trait Gal­lery, Public Domain
Regent Street, Lon­don 2012. Von foto­goo­com, CC BY 3.0, https://​com​mons​.wiki​me​dia​.org/​w​/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​c​u​r​i​d​=​5​9​0​9​8​348
Geor­ge IV (1816) By Tho­mas Law­rence — File:George IVcoronation.jpg from Roy­al Coll­ec­tion object 405918, Public domain 

Geschichte und Psychologie Vergangenheit verstehen um mit der Zukunft besser klar zu kommen
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39560coo­kie-checkPains and Pena­li­ties: Schei­dung auf bri­tisch

2 Kommentare zu „Pains and Penalities: Scheidung auf britisch“

  1. Das war sicher­lich nicht ein­fach, sich an das neue Schei­dungs­recht zu gewöh­nen. Davon habe ich im Geschichts­un­ter­richt gehört. Die Bri­ten haben da offen­sicht­lich eine gute Opti­on gefunden.

  2. Sehr inter­es­san­ter Arti­kel zu Schei­dun­gen durch die His­to­rie! Wenigs­tens brauch­te man als König kei­nen Rechts­an­walt für Schei­dung. Nein im Ernst, ich fin­de es fas­zi­nie­rend, wie Kul­tur sich, mit den Men­schen bil­det und für spä­te­re Gene­ra­tio­nen Inno­va­tio­nen so nor­mal sind.

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