Marke Ich: Warum wir einzigartig sein wollen

Psy­cho­lo­gie

Unsere Marke Ich: Zwischen Individualität und Zugehörigkeit


Unse­re Mar­ke Ich.
Wie uns unser Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit beein­flusst — und wel­che Fol­gen das wach­sen­de Stre­ben nach Indi­vi­dua­li­tät für Gesell­schaft, Unter­neh­men und Ver­käu­fer hat.

Marke Ich: Psychologie der Individualität, Einzigartigkeit und Selbstinszenierung in der modernen Gesellschaft

Unsere Marke Ich: Warum Heino Sonnenbrille trägt und Lady Gaga seltsame Kostüme

Wer bin ich? … ist die indi­vi­du­el­les­te aller Fra­gen, die sich Men­schen stel­len.

Das tun wir schon seit Men­schen­ge­den­ken. Denn jeder von uns möch­te als ein­zig­ar­ti­ges Indi­vi­du­um wahr­ge­nom­men wer­den. Des­we­gen pfle­gen wir unse­re Beson­der­hei­ten, die uns von den ande­ren unter­schei­den.

Des­halb trägt Hei­no Son­nen­bril­le und Lady Gaga schril­le Kos­tü­me. Denn unser Out­fit ist eine von vie­len Mög­lich­keit, mit der wir uns unver­wech­sel­bar machen. Es kann dafür sor­gen, dass wir sofort als die erkannt wer­den, die wir sind oder sein wol­len.

Unser „Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit(Need for Uni­que­ness — NfU) macht den Unter­schied zu den ande­ren. Es ist die Grund­la­ge unse­rer Mar­ke Ich und macht uns zu etwas Beson­de­rem.
Einer­seits.

Ande­rer­seits möch­ten wir aber auch „dazu­ge­hö­ren und sind bereit, dafür einen Teil unse­rer Indi­vi­dua­li­tät auf­zu­ge­ben, um uns anzu­pas­sen. Denn Zuge­hö­rig­keit zu einer Grup­pe bedeu­tet Schutz und Sicher­heit, ihr ver­dan­ken wir schö­ne Din­ge wie Lie­be, Fami­lie und Freund­schaf­ten.

Populismus-einfach-erklärt Psychologie Generationengespräch

Popu­lis­mus lebt von Feind­bil­dern — die „out­group” hilft dabei, die Grup­pen­iden­ti­tät nach innen zu stär­ken. Mehr lesen: Popu­lis­mus: Was Popu­lis­ten mei­nen, wenn sie sagen …

Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit gibt uns außer­dem das gute Gefühl, mit unse­rer Mei­nung und unse­ren Wert­vor­stel­lun­gen nicht allei­ne dazu­ste­hen.

Schließ­lich kann das, was alle ande­ren tun oder den­ken, so falsch nicht sein.

Unser Bedürf­nis, einer Grup­pe anzu­ge­hö­ren, wird manch­mal von ande­ren scham­los für eige­ne Zwe­cke ausgenutzt …

Einzig oder artig? Warum wir dazugehören wollen

Indi­vi­dua­li­tät einer­seits, der Wunsch nach Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit ande­rer­seits — wie passt bei­des zusam­men?

Die Lösung: Bei­de Bedürf­nis­se las­sen sich mit­ein­an­der kom­bi­nie­ren, müs­sen aber in einer indi­vi­du­el­len Kom­fort­zo­ne” gut aus­ba­lan­ciert sein. Das per­sön­li­che Gleich­ge­wicht zwi­schen Indi­vi­dua­li­tät und Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit ist von Mensch zu Mensch unter­schied­lich und bestimmt unser Leben und unse­ren All­tag.

Für vie­le Fuß­ball­fans ist bei­spiels­wei­se das Schlach­ten­bum­meln am Sams­tag mit den Kum­peln aus dem Fan­club in ein­heit­li­chen Kut­ten und gleich­far­bi­gen Schals, mit Bier und gemein­sa­men wil­den Gesän­gen ein Wochen­hö­he­punkt. Die Gemein­schaft mit Gleich­ge­sinn­ten, ein­heit­li­chen Ritua­len und Klei­dung sind für vie­le sogar wich­ti­ger als der Sport selbst.

Men­schen, denen eine star­ke Ver­bun­den­heit mit einer Grup­pe wich­ti­ger ist als ihre Indi­vi­dua­li­tät, haben im Ver­gleich mit ande­ren ein nied­ri­ge­res Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit (nied­ri­ge NfU). Sie defi­nie­ren sich stär­ker über ihre Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit und weni­ger über ihre indi­vi­du­el­len Besonderheiten.

  • Gemein­sa­me Ver­hal­tens­re­geln und Nor­men legen die Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit fest.

    Als beson­ders sinn­stif­tend kann für sie eine Fremd­grup­pe („out­group“) von „Ande­ren“ oder „Anders­ar­ti­gen“ sein, die als „schlech­ter“ wahr­ge­nom­men wird: Wir sind St. Pau­li und Ihr nur HSV, ist eine Form von out­group; Ihr Flücht­lin­ge eine andere.
  • Die „Fremd­grup­pe” ist eine Mög­lich­keit um die eige­ne Grup­pe zu defi­nie­ren.

    Wir (St. Pau­li) sind die Guten, die ande­ren (HSV) stei­gen völ­lig ver­dient ab! Mit die­ser Ein­tei­lung lässt sich nicht nur das Selbst­wert­ge­fühl der Grup­pe stei­gern, son­dern auch das jedes ein­zel­nen Gruppenmitglieds.

Individualität: Raus aus der grauen Masse

Auch Men­schen mit einem hohen Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit (hohe NfU) kön­nen begeis­ter­te Fans von St. Pau­li (oder dem HSV) sein. Aber die Vor­stel­lung, sams­tags mit Tau­sen­den ande­ren in ein­heit­li­cher Kluft im Fan­block ste­hen zu müs­sen, ist für sie ein Graus.

Selbst wenn sie ein­ge­fleisch­te Anhän­ger eines Ver­eins sind, wer­den sie so gut es geht jeder Form von Ver­eins­meie­rei — Grup­pen­dy­na­mik und ‑kon­for­mi­tät — aus dem Weg gehen.

Wer ein hohes Maß an NfU hat, wird mit allen mög­li­chen Mit­teln ver­su­chen, aus der „grau­en Mas­se“ her­vor­zu­ste­chen und sich von der „Her­de” sei­ner Mit­men­schen abzu­he­ben.
Bei­spiels­wei­se durch extra­va­gan­te Klei­dung, einem ris­kan­ten Hob­by oder einem Auto der Extra­klas­se. (Wer sich das nicht leis­ten kann, ver­schö­nert wenigs­tens sein altes Auto mit indi­vi­du­el­len Abzieh­bild­chen und Ral­ly­e­strei­fen.)

Pier­cings und Tat­toos, lan­ge Zeit Kör­per­schmuck har­ter See­män­ner und Knast­brü­der, sind mitt­ler­wei­le schon längst in der Mit­te unse­rer Gesell­schaft ange­kom­men. Sie wer­den oft von Men­schen getra­gen, die ein hohes Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit haben, und sich so von der Mas­se abhe­ben wollen.

Die Marke Ich: Zwischen Individualität und Gruppenzugehörigkeit

Unse­re indi­vi­du­el­le Kom­fort­zo­ne zwi­schen „ein­zig” und „artig” ist eine sta­bi­le Eigen­schaft, die sich im Lau­fe des Lebens kaum (oder nur sehr lang­sam) verändert.

Biografisches Schreiben Proustscher Fragebogen Was möchtest du sein - Generationengespräch

Der “Proust’sche Fra­ge­bo­gen” ist ein sehr hilf­rei­cher Fra­gen­ka­ta­log für’s bio­gra­fi­sche Schrei­ben, aber auch sehr wert­voll für die Defi­ni­ti­on eige­ner Zie­le und Wer­te. Mehr lesen: 11 Tipps, die man beim bio­gra­fi­schen Schrei­ben beach­ten sollten

Außer­dem ist unse­re Kom­fort­zo­ne zwi­schen Indi­vi­dua­li­tät und dem Wunsch nach Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit eine Eigen­schaft, für die wir immer wie­der unse­re eige­ne, sehr per­sön­li­che Balan­ce suchen.

Wer sich in sei­ner Indi­vi­dua­li­tät nicht rich­tig wahr­ge­nom­men fühlt — „zu auf­fäl­lig” oder „zu unauf­fäl­lig” -, fühlt sich nicht wohl und wird unbe­wusst ver­su­chen, sein indi­vi­du­el­les Gleich­ge­wicht wie­der herzustellen.

Ein Mensch mit einem star­ken Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit, der sich zu sehr als „graue Maus” wahr­ge­nom­men fühlt, wird ver­su­chen, sei­ne Indi­vi­dua­li­tät zu beto­nen: Indem er/sie bei­spiels­wei­se mit einer unge­wöhn­li­chen Mei­nung aneckt oder durch sei­nen Klei­dungs­stil (oder ein beson­de­res Tat­too) auf­fällt.

Sobald unser Wunsch nach per­sön­li­cher und indi­vi­du­el­ler Anspra­che nicht erfüllt ist, wer­den wir irgend­et­was unter­neh­men, um unse­re Kom­fort­zo­ne zwi­schen ein­zig und artig wie­der zu erreichen.

Warum Unternehmen Einzigartigkeit und Individualität verstehen müssen

Für ein Unter­neh­men kann ein Mit­ar­bei­ter mit star­kem Drang nach Indi­vi­dua­li­tät von unschätz­ba­rem Wert sein.
Denn nur durch bewuss­tes Abwen­den von herr­schen­den Nor­men und Ein­stel­lun­gen kön­nen unge­wöhn­li­che und krea­ti­ve Lösungs­mög­lich­kei­ten erdacht und auf den Weg gebracht wer­den.

Die Glüh­bir­ne, die Rela­ti­vi­täts­theo­rie oder Face­book wur­den gegen herr­schen­de Mei­nun­gen und Ansich­ten ge- oder erfun­den. Das setzt ein hohes Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit und die Bereit­schaft anzu­ecken voraus.


Schöpferische Zerstörer

… Wer alte Zöp­fe abschnei­det und schein­bar Alt­be­währ­tes „schöp­fe­risch zer­stört”, rich­tet zunächst ein­mal Cha­os an. Doch des­halb ist man noch lan­ge kein Cha­ot, son­dern im Ide­al­fall der Schöp­fer einer neu­en Ord­nung — im Gro­ßen oder ganz beschei­den im Detail.

Aller­dings bedarf es schon einer gewis­sen Por­ti­on Mut und Durch­set­zungs­fä­hig­keit, denn „schöp­fe­ri­sche Zer­stö­rer” sind nicht über­all beliebt. Bei vie­len Kol­le­gen nicht, aber auch bei man­chen Chefs nicht, die Ver­än­de­run­gen nicht gou­tie­ren, weil sie mit Risi­ken behaf­tet sind. Und die fata­ler­wei­se nicht bemer­ken, wenn das Fest­hal­ten an alten Metho­den und Pro­duk­ten naht­los in Schlaf­müt­zig­keit über­geht. Schlaf­müt­zen aber ver­pen­nen den gesell­schaft­li­chen Wan­del und künf­ti­ge Chan­cen des Mark­tes.”


Aus: Micha­el Brück­ner, Die Geset­ze der Erfolg­rei­chen. Von den Bes­ten ler­nen*


Beson­ders wich­tig ist das Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit bei der Kun­den­an­spra­che.

Nach­ge­wie­sen ist, dass in den letz­ten Jahr­zehn­ten der Wunsch nach Indi­vi­dua­li­tät gestie­gen ist und immer mehr Men­schen ein aus­ge­präg­tes Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit haben. Dar­auf müs­sen sich Mar­ke­ting und Wer­bung einstellen.

Das Bedürfnis nach Einzigartigkeit in Marketing und Werbung

Kun­den mit hoher NfU wün­schen sich ein­ma­li­ge, mög­lichst exklu­si­ve oder sogar indi­vi­dua­li­sier­te Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen.

Wich­tig ist dabei: Kun­den­zu­frie­den­heit ent­steht nicht allein durch das Pro­dukt oder die Dienst­leis­tung, son­dern auch durch den Ent­schei­dungs­pro­zess, der zum Kauf führt, also durch die Mar­ke­ting­stra­te­gien und das Verkaufsgespräch.

Storytelling lernen: Mit diesen 7 Tipps schreibst du spannendere Geschichten, gewinnst das Vertrauen deiner Leser und verbesserst dein Content Marketing.

Kun­den kau­fen kei­ne Bohr­ma­schi­ne, son­dern das Loch in der Wand. Mehr lesen: Sto­rytel­ling: 7 Tricks für bes­se­re Geschichten

Ein guter Ver­käu­fer erkennt nicht nur die Moti­ve sei­nes Kun­den, son­dern auch sei­ne emo­tio­na­len Bedürf­nis­se.

Einen Interessenten/eine Inter­es­sen­tin mit hohem Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit mit dem Argu­ment: „Das ist bewährt, das haben schon vie­le gekauft” locken zu wol­len, wird nicht erfolg­reich sein; bei einem Kun­den mit gerin­gem Maß an NfU ist es dage­gen genau das rich­ti­ge Verkaufsargument.

Kun­den­an­spra­che und das per­sön­li­che Maß an NfU müs­sen zusam­men­pas­sen — erst dann kann sich ein Kunde/eine Kun­din gut auf die Argu­men­te, die für den Kauf spre­chen, ein­las­sen.

Außer­dem wird er den Nut­zen sei­nes Kaufs, den er sich im Geist schon aus­malt, als höher bewer­ten und auch nach dem Kauf zufrie­de­ner sein, wenn die Argu­men­ta­ti­on im Ver­kaufs­ge­spräch auf sei­ne Bedürf­nis­se zuge­schnit­ten ist.

Erfolg­rei­che Verkäufer*innen sind in der Lage, das Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit ihrer Kun­den zu erken­nen, denn es hängt eng mit ande­ren Per­sön­lich­keits­ei­gen­schaf­ten zusam­men.

Men­schen mit hohem NfU, also einem star­ken Bedürf­nis nach Einzigartigkeit:

  • sind meis­tens extravertiert
  • gehen auf ande­re zu
  • sind offen für neue Erfahrungen
  • sind in der Regel krea­ti­ver und risi­ko­freu­di­ger als Men­schen mit einem gerin­ge­ren Bedürf­nis nach Einzigartigkeit

Die „Psychologie der Massen”: Kann Gruppenzugehörigkeit gefährlich sein?

Der Vor­teil einer Grup­pe ist, dass die Mit­glied­schaft sta­bil ist und nicht ver­lo­ren gehen kann.

Beson­ders in unsi­che­ren Zei­ten ist das für vie­le ein lebens­not­wen­di­ger Anker: Man ist deutsch und nicht pol­nisch oder dänisch, und man bleibt es, auch wenn man sei­nen Job verliert.

Die Erlaubnis zu hassen Hitler schwarze Pädagogik Alice Miller Generationengespräch

Über die Fas­zi­na­ti­on des Bösen, Ali­ce Mil­ler, Hit­lers Mit­läu­fer und Mör­der und über schwar­ze Päd­ago­gik, die aus Opfern Täter macht. Mehr lesen: Die Erlaub­nis zu hassen

Unter bestimm­ten Umstän­den kann Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit aller­dings auch zu Hem­mungs­ver­lust und Gewalt füh­ren.

Die­ses Phä­no­men hat­te der fran­zö­si­sche Arzt, Psy­cho­lo­ge und Anthro­po­lo­ge Gust­ave Le Bon bereits 1895 erkannt und in sei­ner Arbeit „Psy­cho­lo­gie der Mas­sen“ beschrie­ben.

Eine wis­sen­schaft­li­che Meis­ter­leis­tung ist sei­ne Ver­öf­fent­li­chung nicht, trotz­dem gilt Le Bon heu­te noch zurecht als Begrün­der der Massenpsychologie.

Einer­seits schwa­dro­nier­te Le Bon Selt­sa­mes über den Ver­lust der ‘edlen Ras­sen­see­le’, ande­rer­seits stell­te er die ent­schei­den­de, bis heu­te gül­ti­ge Fra­ge: War­um beneh­men sich fried­lie­ben­de und zivi­li­sier­te Men­schen in Grup­pen manch­mal völ­lig dane­ben, näm­lich — wie bei­spiels­wei­se Hoo­li­gans — enhemmt und gewalt­tä­tig?

In den 1950er Jah­ren wur­de in der sozi­al­psy­cho­lo­gi­schen For­schung dafür der Begriff der „Deindi­vi­du­ie­rung“ geprägt.

Man geht davon aus, dass das Tra­gen von Uni­for­men, Trach­ten, gleich­far­bi­gen T‑Shirts oder Schals in den Ver­eins­far­ben — und das Ver­hal­ten von Grup­pen in sozia­len Medi­en — bis zu einem gewis­sen Grad das Abtau­chen in einer gro­ßen Men­schen­men­gen bewirkt und dadurch unbe­wusst auch die unge­schrie­be­nen Geset­ze und Ver­hal­tens­wei­sen die­ser Grup­pe über­nom­men wer­den.
Wenn Gewalt zur Grup­pen­norm gehört, wer­den so auch eigent­lich fried­lie­ben­de Grup­pen­mit­glie­der von den ande­ren „infi­ziert”.

Heu­te weiß man, dass nicht jede Grup­pie­rung not­wen­di­ger­wei­se die Gefahr von Ent­hem­mung und Gewalt in sich trägt: Ent­schei­dend sind letzt­lich immer die Wer­te und Regeln, die die jewei­li­ge Grup­pe hat.

  • Fuß­ball-Hoo­li­gans gehö­ren Grup­pie­run­gen an, die Le Bons Mut­ma­ßun­gen bestä­ti­gen, denn ihre Grup­pen­norm beinhal­tet Aus­gren­zung und Gewaltbereitschaft.
  • Bei Kran­ken­schwes­tern wirkt die Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit genau das Gegen­teil: Sie ver­hal­ten sich bei­spiels­wei­se hilfs­be­rei­ter, sobald sie ihren Schwes­tern­kit­tel ange­zo­gen haben: In ihrem Kit­tel mani­fes­tiert sich ihre Zuge­hö­rig­keit zur Grup­pe der Kran­ken­schwes­tern, deren Norm nun ein­mal „Hilfs­be­reit­schaft“ ist.

Unsere Marke Ich: Zwischen Individualität und Zugehörigkeit

Jeder Mensch bewegt sich sein Leben lang zwi­schen zwei grund­le­gen­den Bedürf­nis­sen: Wir möch­ten dazu­ge­hö­ren – und gleich­zei­tig ein­zig­ar­tig sein.

Unse­re Mar­ke Ich ent­steht genau in die­sem Span­nungs­feld, denn wir brau­chen bei­des: Wir kom­men nicht ohne „unse­re Her­de“ aus, wol­len aber auch nicht so sein, wie alle ande­ren. Unser sub­jek­tiv als ange­nehm emp­fun­de­nes Gleich­ge­wicht zwi­schen Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit und Indi­vi­dua­li­tät ist ange­bo­ren, kann aber durch Lebens­um­stän­de und Situa­tio­nen beein­flusst bzw. mani­pu­liert wer­den.

Grup­pen geben uns Halt, Sicher­heit und Ori­en­tie­rung. Das ist grund­sätz­lich etwas Posi­ti­ves. Gleich­zei­tig kön­nen Grup­pen­nor­men unser Den­ken und Han­deln beein­flus­sen – manch­mal sogar so stark, dass wir unse­re eige­nen Wer­te oder Über­zeu­gun­gen aus Angst vor Ableh­nung zurück­stel­len.

Das gilt nicht nur im pri­va­ten Leben, son­dern auch in Unter­neh­men.
Inno­va­ti­on ent­steht dort, wo Men­schen den Mut haben, neue Ideen ein­zu­brin­gen und Feh­ler machen dür­fen. Wer stän­dig Angst vor Kri­tik oder Job­ver­lust hat, passt sich eher an, statt krea­tiv — und ein­zig­ar­tig — zu den­ken. Psy­cho­lo­gi­sche Sicher­heit ist des­halb eine der wich­tigs­ten Vor­aus­set­zun­gen für Fort­schritt.

Auch Unter­neh­men und Mar­ken müs­sen ver­ste­hen, dass vie­le Men­schen heu­te nicht ein­fach ein Pro­dukt kau­fen möch­ten. Sie suchen etwas, das zu ihrer Per­sön­lich­keit passt und ihre eige­ne Mar­ke Ich wider­spie­gelt. Indi­vi­dua­li­sie­rung, Authen­ti­zi­tät und Iden­ti­fi­ka­ti­on sind des­halb wich­ti­ge Erfolgs­fak­to­ren.

Die eigent­li­che Her­aus­for­de­rung besteht dar­in, sich weder in der Mas­se zu ver­lie­ren noch sich aus­schließ­lich über Anders­sein zu defi­nie­ren, son­dern sei­ne indi­vi­du­el­le Kom­fort­zo­ne zu fin­den und sich selbst treu zu blei­ben. Wer sei­ne eige­nen Wer­te kennt, muss weder jedem Trend fol­gen noch um jeden Preis auf­fal­len.

Denn wah­re Indi­vi­dua­li­tät bedeu­tet nicht, anders zu sein als alle ande­ren – son­dern immer mehr man selbst zu werden.

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Der Begriff „Vor­bild” ist in unse­rer Vor­stel­lung etwas Gutes. Aber das stimmt nicht. Unse­re Vor­bil­der kön­nen uns auch in die Irre füh­ren und dafür sor­gen, dass wir uns selbst oder ande­ren scha­den — das oft unbe­wusst und ohne, dass wir’s mer­ken.
Wer unse­re Vor­bil­der sind und wie sie uns in unse­rem All­tag und in der Wer­bung beein­flus­sen.
Vor­bil­der: Wie sie unser Den­ken und Han­deln beeinflussen

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phien, www​.bild​bio​gra​phien​.de 2016, über­ar­bei­tet 2026


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Susan­ne Autorin bei Gene­ra­tio­nen­ge­spräch & Agen­tur für Bildbiographien
Dr. Susan­ne Gebert schreibt über Psy­cho­lo­gie, Fami­li­en­ge­schich­te und emo­tio­na­le Prä­gun­gen. In ihrem Blog „Gene­ra­tio­nen­ge­spräch“ zeigt sie, wie unse­re Kind­heit uns formt – und wie wir uns von alten Mus­tern lösen können. 

2 Kommentare zu „Marke Ich: Warum wir einzigartig sein wollen“

  1. was ich sehr wich­tig fin­de fürs Ver­ste­hen: dass Sta­lin und Hit­ler bei­de nach 3 früh ver­stor­be­nen Geschwis­tern gebo­ren wur­den, d.h. von tief trau­ern­den Müt­tern, die wenig Kraft gehabt haben dürf­ten, ihre klei­nen Söh­ne vor der Bru­ta­li­tät eines sinn­los prü­geln­den Vaters zu schüt­zen und ihnen weder Lie­be noch Ver­ständ­nis ent­ge­gen­brach­ten. Die­se ” Erzie­hung” bot den idea­len Boden für Massenmörder.

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