Vor 100 Jahren: Die Hölle von Verdun

Ver­dun, east bank of the Meu­se, 21–26 Febru­ary 1916, Staff wri­ters — The Times Histo­ry of the War VI. Lon­don: The Times. 1914–1921. OCLC 642276. Dia­gram sho­wing the east bank of the Meu­se at Ver­dun, 21–26 Febru­ary 1916, Public Domain

Ver­dun ist eine klei­ne Stadt ohne gro­ße Bedeu­tung. Es ist eine Fes­tungs­stadt in Loth­rin­gen mit noch nicht ein­mal 20.000 Ein­woh­nern, an einer Fluss­schlei­fe der Maas (Meu­se) gele­gen und mit einer schma­len Durch­gangs­stra­ße als ein­zi­ger Ver­bin­dung zum Rest der Welt. Eigent­lich ist sie kaum der Rede wert. Doch dann beginnt am Mor­gen des 21. Febru­ar 1916 die deut­sche Ope­ra­ti­on „Gericht“ und lässt die beschau­li­che Klein­stadt zum Syn­onym für die Grau­sam­keit und Sinn­lo­sig­keit von Krie­gen wer­den.

” … Jetzt tra­ten mili­tä­ri­sche Impe­ra­ti­ve an die Stel­le poli­ti­scher Initia­ti­ven. Der Kai­ser, der Molt­kes Ana­ly­se pha­sen­wei­se bei­zu­pflich­ten schien, war, bei all sei­nem Kriegs­ge­pol­ter, ein Zau­de­rer; er bekam, als die Kri­se sich ent­fal­te­te, kal­te Füße, in letz­ter Minu­te noch woll­te er vom Krieg zurück­wei­chen. Aber der Kai­ser war fak­tisch nicht in der Lage, Kräf­te zu kon­trol­lie­ren, die weit mäch­ti­ger waren als er selbst. Die deut­sche mili­tä­ri­sche Pla­nung war rigi­de auf die seit lan­gem bestehen­de Stra­te­gie fest­ge­legt, zuerst die Fran­zo­sen rasch zu besie­gen und sich dann gegen die Rus­sen zu wen­den.”

Aus: Ian Kers­haw, Höl­len­sturz: Euro­pa 1914 bis 1949


Die Bedeu­tungs­lo­sig­keit Ver­duns endet in den frü­hen Mor­gen­stun­den des 21. Febru­ars 1916.

Zwölf Stun­den lang wer­den die Ver­tei­di­gungs­stel­lun­gen der Stadt mit rund zwei Mil­lio­nen Gra­na­ten beschos­sen. Drei Tage spä­ter, am 24. Febru­ar 1916, durch­bricht die deut­sche Fünf­te Armee die fran­zö­si­sche Haupt­ab­wehr­li­nie, nimmt Tau­sen­de fran­zö­si­sche Sol­da­ten gefan­gen und erbeu­tet Dut­zen­de Geschüt­ze.

Der Angriff hat­te die Fran­zo­sen kalt erwischt.

Gan­ze Ein­hei­ten lösen sich auf und flie­hen. Das mör­de­ri­sche Sperr­feu­er der Deut­schen und der unver­mit­tel­te Angriff rei­ßen tie­fe Lücken in die Ver­tei­di­gungs­stel­lun­gen. Die gesam­te Ver­tei­di­gung der Stadt steht auf der Kip­pe.

Dabei galt die Stadt als unein­nehm­bar; ein Jahr zuvor war das von einer fran­zö­si­schen Hee­res­kom­mis­si­on noch amt­lich fest­ge­stellt wor­den. Ein fran­zö­si­scher Gene­ral, der das anders sah, wur­de ent­las­sen.

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An der Höhe 304 wäh­rend einer Gefechts­pau­se (bei Malan­court-Hau­court) Unbe­kannt — Ver­öf­fent­licht in: “Die Gro­ße Zeit. Illus­trier­te Kriegs­ge­schich­te”. Zwei­ter Band. Ber­lin 1920. S. 212., Gemein­frei



Als am 25. Febru­ar 1916 die wich­ti­ge Ver­tei­di­gungs­stel­lung Fort Douau­mont den Deut­schen in die Hän­de fällt, scheint das Schick­sal der Stadt besie­gelt zu sein. Nach nur weni­gen Tagen, so sieht es zumin­dest im Moment aus, wird Ver­dun den Deut­schen aller Vor­aus­sicht in die Hän­de fal­len. Der Plan der bei­den deut­schen Chef­stra­te­gen – der Ober­kom­man­die­ren­de Gene­ral Erich von Fal­ken­hayn und Kron­prinz Wil­helm, ältes­ter Sohn von Kai­ser Wil­helm II. – scheint auf­zu­ge­hen.

Das Prinzip des modernen Krieges

In frü­he­ren Krie­gen hat­te der gesiegt, der eine feind­li­che Armee auf dem Schlacht­feld schlug oder Schlüs­sel­stel­lun­gen wie bei­spiels­wei­se die Haupt­stadt besetz­te (oder zu beset­zen droh­te).

Doch der Ers­te Welt­krieg ist anders.
Es scheint, als ob die Mili­tärs jener Zeit das Prin­zip des „moder­nen“ Krie­ges erst wäh­rend sei­nes Ver­laufs begrei­fen.


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Das, was Bis­marck mit sei­ner aus­ge­klü­gel­ten Bünd­nis­po­li­tik immer ver­hin­dern woll­te, war 1914 ein­ge­tre­ten: Das deut­sche Kai­ser­reich ist zwei Jahr­zehn­te nach dem Abgang des Kanz­lers ein­ge­kes­selt und von Fein­den umzin­gelt.

Frank­reich ist und bleibt der Erb­feind, aber die Rus­sen fürch­tet man.
Im Ver­gleich zum Rest der Welt ist das rie­si­ge Zaren­reich – noch – ein rück­stän­di­ges Land, aller­dings eines mit einem gewal­ti­gen Poten­zi­al an Men­schen und Res­sour­cen.

Des­we­gen will man die Rus­sen so gut es geht klein­hal­ten, auch wenn Wil­helm und der Zar Cou­sins sind und einen freund­schaft­li­chen Umgang pfle­gen. Und Groß­bri­tan­ni­en steht spä­tes­tens mit sei­ner „Dre­ad­nought“-Flot­te den impe­ria­len Groß­macht­träu­men im Weg.

Als im Juli 1914 die töd­li­chen Schüs­se in der bos­ni­schen Haupt­stadt Sara­je­vo fal­len, wird Krieg als Aus­weg, als „Flucht nach vor­ne“ oder als „rei­ni­gen­des Gewit­ter“ von Mili­tärs und arri­vier­ten Bür­gern im deut­schen Kai­ser­reich schon lan­ge dis­ku­tiert.

Der Ser­be Gavri­lo Princip (und sei­ne Hin­ter­män­ner) zün­det mit der Ermor­dung des öster­rei­chisch-unga­ri­sche Thron­fol­ger­paars die Lun­te am hoch­ex­plo­si­ven Pul­ver­fass Euro­pa, das über vie­le Jah­re hin­weg durch feh­len­de Kom­mu­ni­ka­ti­on, Aggres­si­on und einem euro­pa­wei­ten Welt­bild à laViel Feind’, viel Ehr” ent­stan­den ist.

Nie­mand will den Krieg wirk­lich, aber die meis­ten wol­len ihn auch nicht ver­hin­dern.

Es sind aber nicht nur die neu­en Waf­fen, die den einst „rit­ter­li­chen“ Kampf Mann gegen Mann durch anony­mes Artil­le­rie-Sperr­feu­er und Dau­er­be­schuss feind­li­cher Stel­lun­gen ablö­sen.
Es sind auch Eisen­bah­nen, Tele­fo­ne, Funk und Gulasch­ka­no­nen, die Logis­tik und Orga­ni­sa­ti­on des Krie­ges kom­plett ver­än­dern, die Flug­zeu­ge und Zep­pe­li­ne, die zunächst zur Luft­auf­klä­rung, spä­ter auch zum Bom­ben­wer­fen ein­ge­setzt wer­den.

Die Tech­no­lo­gie hat sich wei­ter­ent­wi­ckelt, die mili­tä­ri­sche Stra­te­gi­en dage­gen nicht.


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In den Köp­fen von Mili­tärs und Zivi­lis­ten ist der “rit­ter­li­che” Kampf noch tief ver­an­kert — wer wür­de sonst auf die Idee kom­men, Kaval­le­rie mit Säbeln und zu Pfer­de und Infan­te­ris­ten zu Fuß ins geg­ne­ri­sche Trom­mel­feu­er lau­fen zu las­sen? Eine übli­che Pra­xis  in den ers­ten Schlach­ten des Jah­res 1914, die zum Blut­bad wer­den.

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French train hor­ses res­ting in a river on their way to Ver­dun. 300 ppi scan of the Natio­nal Geo­gra­phic Maga­zi­ne, Volu­me 31 (1917), page 338: RESERVES CROSSING A RIVER ON THE WAY TO VERDUN.


Erst als das Schlach­ten schon wochen­lang tobt, gegen Ende des ers­ten Kriegs­jah­res 1914, hat man die­se neue Art von Krieg schmerz­haft und mit gro­ßem Blut­zoll begrif­fen.

Der einst von vie­len beju­bel­te “Denk­zet­tel für Ser­bi­en ist zum Wel­ten­brand gewor­den und ent­setz­li­cher als sich vie­le jemals vor­ge­stellt hat­ten. Doch ein Zurück gibt es nicht mehr: An der West­front ist er zum Stel­lungs­krieg erstarrt.

Warum Verdun?

Ein knap­pes hal­bes Jahr nach Kriegs­be­ginn ist es bei­den feind­li­chen Lagern unmög­lich, die geg­ne­ri­schen Stel­lun­gen zu durch­bre­chen, den Feind vom Schlacht­feld zu ver­trei­ben und wich­ti­ge stra­te­gi­sche Zie­le ein­zu­neh­men.

Logis­tik wird zum größ­ten Pro­blem, denn man muss schnell genug Sol­da­ten, Kriegs­ge­rät, Muni­ti­on und Pro­vi­ant von einem Kriegs­schau­platz zum nächs­ten brin­gen, bevor der Feind einen erfolg­rei­chen Gegen­an­griff begin­nen kann.

Der “Spa­zier­gang” nach Paris, den man in den hei­ßen Augs­ut­ta­gen des Jah­res 1914 den jubeln­den Unter­ta­nen ver­spro­chen hat, ist völ­lig aus dem Ruder gelau­fen. Einen Sieg, das ist vie­len mitt­ler­wei­le klar­ge­wor­den, wird in die­sem Krieg nur der errin­gen, der sei­ne Geg­ner zer­mürbt oder die Kriegs­kos­ten so in die Höhe treibt, dass das feind­li­che Lager nicht mehr mit­hal­ten kann und einen Frie­den um jeden Preis akzep­tiert.


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Wer war Wil­helm II.?
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Zer­mür­ben” ist die Stra­te­gie, die von Fal­ken­hayn und Kron­prinz Wil­helm im Sinn haben als sie im Febru­ar 1916 die deut­sche Fünf­te Armee gegen die Klein­stadt Ver­dun mar­schie­ren las­sen. Mit die­ser Schlacht sol­len fran­zö­si­sche Reser­ven gebun­den, am bes­ten ver­nich­tet wer­den — Frank­reich soll „aus­blu­ten“ und zum Frie­den gezwun­gen wer­den.

An der Stadt selbst hat man kein Inter­es­se, aber sie liegt stra­te­gisch güns­tig in einem rela­tiv ruhi­gen Front­ab­schnitt; zudem hat­ten fran­zö­si­sche Mili­tärs sich in fal­scher Sicher­heit gewo­gen und zahl­rei­che schwe­re Geschüt­ze abge­zo­gen — die Gar­ni­son umfasst nur noch drei Divi­sio­nen.

Für die Ver­tei­di­ger ist Ver­dun wegen sei­ner schlech­ten Ver­kehrs­an­bin­dung ein Desas­ter; für die deut­schen Angrei­fer dage­gen güns­tig, denn nur 20 Kilo­me­ter ent­fernt liegt ein gro­ßer Bahn­hof, mit dem der Nach­schub an Muni­ti­on, Men­schen, Gerät und Pro­vi­ant orga­ni­siert wer­den kann.

Die Knochenmühle

Aus stra­te­gi­scher Sicht ist der Plan der Deut­schen nicht unver­nünf­tig: Eine Stadt angrei­fen, die der Feind ver­tei­di­gen muss, und dann sei­ne Res­sour­cen durch Artil­le­rie­bom­bar­de­ments erschöp­fen und ihn zum Auf­ge­ben zwin­gen.

Doch je län­ger der Angriff dau­ert, des­to mehr ver­lie­ren sie ihre Stra­te­gie aus den Augen; ihre Zie­le ver­la­gern sich, und schließ­lich zer­fleischt sich die deut­sche Armee für eine Stadt, die sie weder will noch braucht.

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Fort Doau­mont 1916 befo­re the batt­le (Ger­man aeri­al pho­to­graph) By “Pho­to­gra­phi­sches Bild- und Film-Amt” — Ger­man Government, Depart­ment of pho­tos and film, Public Domain

Als am 25. Febru­ar 1916 die wich­ti­ge fran­zö­si­sche Ver­tei­di­gungs­stel­lung Fort Douau­mont von nur 300 deut­schen Sol­da­ten ein­ge­nom­men wird und die Ver­tei­di­gung Ver­duns kurz vor dem Kol­laps steht, wird Gene­ral Phil­ip­pe Pétain mit der Ver­tei­di­gung der Stadt betraut.

Pétain, nach dem 1. Welt­krieg als Natio­nal­held gefei­ert, spä­ter wegen sei­ner Kol­la­bo­ra­ti­on mit den Nazis wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges als Ver­rä­ter zu lebens­lan­ger Haft ver­ur­teilt, ergreift zunächst die in die­ser ver­zwei­fel­ten Situa­ti­on aus stra­te­gi­scher Sicht ein­zi­ge rich­ti­ge Maß­nah­me: Er kom­man­diert Tau­sen­de von Män­nern zum Stra­ßen­bau ab und lässt die ein­spu­ri­ge Durch­gangs­stra­ße, die Ver­dun mit der Außen­welt ver­bin­det, zum Voie Sacrée (Hei­li­ger Weg) aus­bau­en.

Dank die­ser muti­gen Ent­schei­dung kön­nen kur­ze Zeit spä­ter täg­lich 6000 LKWs auf der Stra­ße fah­ren, mehr als eine hal­be Mil­li­on Sol­da­ten gelan­gen auf ihr mit Muni­ti­on und Ver­pfle­gung in die Stadt und wie­der her­aus.
Pétain beschließt auch, dass die Sol­da­ten nach 15 Tagen im Schüt­zen­gra­ben eine Ruhe­pau­se brau­chen, so dass sich täg­lich ein end­lo­ser Pend­ler­strom auf dem Voie Sacrée bewegt.

Nach einer kur­zen Pha­se rela­ti­ver Ruhe flam­men vor Ver­dun am 5. März 1916 die Kämp­fe wie­der auf. Die neue deut­sche Offen­si­ve zielt nun auf das west­li­che Ufer der Maas, genau ins Zen­trum einer vor­be­rei­te­ten Abwehr. Pétain hat sei­ne bes­ten Trup­pen auf­ge­stellt und lässt sie durch das mas­si­ve Sperr­feu­er eines rie­si­gen Auf­ge­bots an Geschüt­zen unter­stüt­zen.

Die Ver­lus­te der Deut­schen sind ver­hee­rend.

Bis Mit­te April hat von Fal­ken­hayns Fünf­te Armee nicht nur Tau­sen­de Sol­da­ten, son­dern auch vie­le schwe­re Geschüt­ze ver­lo­ren, zudem bringt ein fran­zö­si­sches Geschoss ein Muni­ti­ons­la­ger mit fast einer hal­ben Mil­li­on Artil­le­rie­gra­na­ten zur Explo­si­on.

Bereits im März hat­te von Fal­ken­hayn erkannt, dass eine Fort­set­zung der Offen­si­ve zu vie­le Opfer for­dern wür­de und dar­auf bestan­den, die “Ope­ra­ti­on” zu been­den — eine Ent­schei­dung, die vie­len Sol­da­ten das Leben geret­tet hät­te.

Gegen Kron­prinz Wil­helm kann er sich aller­dings nicht durch­set­zen.

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By Unknown — Ger­man post­card with post stamp 5.8.1916 found at http://greatwarpostcards.blogspot.com/2013/08/a-row-of-french-155mm-cannons-mle-1877.html, Public Domain


Die Hölle von Verdun

Das Blut­bad geht wei­ter.

Zwar füh­ren die deut­schen Angrif­fe unter fürch­ter­li­chen Ver­lus­ten von Men­schen­le­ben nur zu mini­ma­len Gelän­de­ge­win­nen, trotz­dem läuft vie­les nach Plan: Der Feind wird gebun­den und zer­mürbt, die fran­zö­si­sche Armee droht — im schreck­lich-wah­ren Sinn des Wor­tes — aus­zu­blu­ten.

Fast jeder fran­zö­si­sche Sol­dat, der im Ers­ten Welt­krieg kämpft, durch­läuft min­des­tens ein­mal die „Kno­chen­müh­le“ Ver­dun.
Das Ende im Dezem­ber 1916 ist grau­sam: auf fran­zö­si­scher Sei­te sind 555.000 Sol­da­ten tot oder ver­misst, auf deut­scher 450.000.

Mit ins­ge­samt 1 Mil­li­on Gefal­le­ner und Ver­miss­ter ist Ver­dun die ver­lust­reichs­te Schlacht des Ers­ten Welt­krie­ges.

Verdun_and_Vincinity_-_Map.jpg : Gemein­frei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=188781


Gene­ral Pétain wird von Gene­ral Robert Nivel­le abge­löst. Der lei­tet die Wen­de ein, die Fran­zo­sen ent­de­cken ihren Offen­siv­geist wie­der.
„Ils ne pas­se­ront pas!“ (Sie wer­den nicht durch­kom­men), war Péta­ins Stra­te­gie, doch Nivel­le will mehr; er will nicht nur die Tür ver­rie­geln, son­dern die Deut­schen kom­plett hin­aus­wer­fen.


Die Geschich­te in Bil­dern: ZDF „Wel­ten­brand“ —  Die Höl­le von Ver­dun
https://www.youtube.com/watch?v=–gDhlsJAQU


Zunächst rücken die Deut­schen aller­dings wei­ter vor, zwar in win­zi­gen Etap­pen, aber sie haben die Ober­hand. Ihr Marsch auf Ver­dun ist ver­lust­reich und unend­lich lang­sam, aber schein­bar nicht auf­zu­hal­ten.

Im Juni 1916 fällt Fort Vaux, eine wei­te­re wich­ti­ge Ver­tei­di­gungs­stel­lung der Fran­zo­sen.

Zwi­schen den Groß­of­fen­si­ven sit­zen Tau­sen­de jun­ge Deut­sche und Fran­zo­sen in ihren Schüt­zen­grä­ben und der Höl­le aus Hun­ger, Hoff­nungs­lo­sig­keit, Unge­zie­fer und Krank­hei­ten. Die Sol­da­ten, die meis­ten von ihnen kei­ne Berufs­sol­da­ten, son­dern „Bür­ger in Uni­form“, hocken in Matsch und Kugel­ha­gel und wün­sche sich nichts sehn­li­cher, als wie­der nach Hau­se zu dür­fen.

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French 87th Regi­ment Cote 34 Ver­dun 1916, Public Domain

Die Lage ist ver­zwei­felt. Irgend­et­was muss gesche­hen, man kann aus fran­zö­si­scher Sicht nicht län­ger in der Defen­si­ve ver­har­ren und hof­fen, dass die bri­ti­sche See­blo­cka­de die Ver­sor­gungs­la­ge der Deut­schen — und damit ihre Kriegs­be­reit­schaft -irgend­wann in die Knie zwin­gen wer­de.

Etwas geschieht.

Am 1. Juli 1916 begin­nen Bri­ten und Fran­zo­sen ihre seit Janu­ar geplan­te Offen­si­ve an der Som­me, um das Schlacht­feld Ver­dun zu ent­las­ten.
Das Grau­en soll mit einem wei­te­ren Grau­en bekämpft wer­den.

Das Ende

Trotz des neu­en zwei­ten Kriegs­schau­plat­zes zwi­schen den nord­fran­zö­si­schen Flüs­sen Som­me und Anc­re bleibt die Situa­ti­on vor Ver­dun zunächst in der Schwe­be.

Bis Ende Juni rücken deut­sche Ver­bän­de in win­zi­gen Etap­pen an die Stadt her­an. Doch ihr nächs­ter gro­ßer Angriff am 11. Juli 1916 schei­tert und zwingt sie erst zum Rück­zug, spä­ter in die Defen­si­ve.

Ende August 1916 wird Gene­ral von Fal­ken­hayn das Kom­man­do über die neu­en rumä­ni­schen Trup­pen über­tra­gen, was einer Degra­die­rung gleich­kommt.
Sei­nen Pos­ten über­nimmt der „Tannenberg“-Held Gene­ral­feld­mar­schall Paul von Hin­den­burg zusam­men mit sei­nem Stra­te­gen und Gene­ral­quar­tier­meis­ter Luden­dorff.

Doch weder von Hin­den­burg noch sein “Kopf” Luden­dorff kön­nen ver­hin­dern, dass die Ent­las­tungs-Offen­si­ve von Bri­ten und Fran­zo­sen an der Som­me Wir­kung zeigt: Die Deut­schen müs­sen immer mehr Men­schen und Mate­ri­al an den neu­en Kriegs­schau­platz schi­cken, das Blatt in Ver­dun wen­det sich. In zähen Gegen­of­fen­si­ven gelingt es Nivel­le, Stück für Stück ver­lo­re­nen Boden zurück­zu­er­obern.

Am 24. Okto­ber 1916 beset­zen die Fran­zo­sen mit einem Groß­auf­ge­bot von 170.000 Infan­te­ris­ten, 700 Geschüt­zen und 150 Flug­zeu­gen ihre ver­lo­ren gegan­ge­ne Ver­tei­di­gungs­stel­lung Fort Douau­mont, Anfang Novem­ber ist auch Fort Vaux wie­der fran­zö­sisch.

Am 18. Dezem­ber 1916 zie­hen sich deut­sche Trup­pen vom Schlacht­feld vor der Klein­stadt Ver­dun zurück.

Die fast ein­jäh­ri­ge Höl­le von Ver­dun ist been­det, doch der Krieg, die „Urka­ta­stro­phe des 20. Jahr­hun­derts“, wird noch fast zwei fürch­ter­li­che wei­te­re Jah­re dau­ern.

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By Oeu­vre per­son­nel­le — Pho­to­gra­phie per­son­nel­le pri­se près de l’ossuaire de Douau­mont, Public Domain



Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www.bildbiographien.de, 2016 (über­ar­bei­tet 2018)


Lesen Sie im nächs­ten Bei­trag: Im Janu­ar 1923 beset­zen Fran­zo­sen das öko­no­mi­sche Herz­stück Deutsch­lands, das Ruhr­ge­biet, und brin­gen damit Wirt­schaft und Poli­tik der kri­sen­ge­schüt­tel­ten Wei­ma­rer Repu­blik an den Rand des Zusam­men­bruchs.
Vom Ruhr­kampf zum deut­schen Okto­ber

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Wei­ter­füh­ren­de Links:


In Ber­lin hat man mit Ser­bi­en und dem Bal­kan eigent­lich nichts am Hut, sei­ne Majes­tät, der 55-Jäh­ri­ge Kai­ser Wil­helm II — auch „Wil­helm das Großmaul”´genannt — sucht den “Platz an der Son­ne” in Über­see. Trotz­dem gibt es für ihn und sei­ne Entou­ra­ge gute Grün­de, war­um die Deut­schen auf die Ermor­dung des öster­rei­chisch-unga­ri­schen Thron­fol­ger­paars mit einem “Denk­zet­tel für Ser­bi­en” ant­wor­ten sol­len.
Ein Platz an der Son­ne oder: Wil­helm, das Groß­maul


Ein alter Kai­ser, ein Viel­völ­ker­staat, von vie­len auch als “Völ­ker­ker­ker” bezeich­net, und jugend­li­che Ver­schwö­rer, die bereit sind, für ihre Über­zeu­gung zu mor­den. Das ist der Stoff, aus dem Alb­träu­me sind. Oder Welt­ge­schich­te.
Ein Hin­ter­grund­be­richt über die Aus­lö­ser des Ers­ten Welt­krie­ges.
Sis­sis Franzl und der gro­ße Knall


Am 28. Juni 1942 beginnt der “Fall Blau”, eines der gefähr­lichs­ten Vaban­que-Spie­le Hit­lers. Es endet am 2. Febru­ar 1943 nach der Schlacht um Sta­lin­grad, in der 100.000 deut­sche Sol­da­ten star­ben und eben­so­vie­le in rus­si­sche Kriegs­ge­fan­gen­schaft gerie­ten. 6000 von ihnen kehr­ten zurück.
Sie star­ben, damit Deutsch­land lebe


Es sind Grün­der wie Albert Bal­lin, die den Rei­chen und Schö­nen im aus­ge­hen­den 19. Jahr­hun­dert das Leben schwer machen. Empor­kömm­lin­ge aus klei­nen Ver­hält­nis­sen, die eige­ne Unter­neh­men grün­den und sich mit eiser­nem Wil­len und vor allem viel Biss Wohl­stand und Ein­fluss erkämp­fen. Bal­lin steigt nicht nur zum Gene­ral­di­rek­tor der HAPAG auf, son­dern wird auch enger Ver­trau­ter und “Ree­der des Kai­sers”, was man bei Hofe in Ber­lin nicht ger­ne sieht.
Die Welt ist fried­los gewor­den. Albert Bal­lin, der Ree­der des Kai­sers


Das Gene­ra­tio­nen­ge­spräch über ein Jahr­hun­dert mit Dik­ta­tu­ren, Welt­krie­gen, Mil­lio­nen Kriegs­to­ten, Ver­letz­ten, Flücht­lin­gen und Ver­trie­be­nen, das uns heu­te noch in den Kno­chen steckt.
Das 20. Jahr­hun­dert


Opa twit­tert aus dem Schüt­zen­gra­ben: Mehr Infos zum Grim­me-Preis-nomi­nier­ten Pro­jekt von Chris­ti­an Mack lesen Sie im Gene­ra­tio­nen­ge­spräch-Bei­trag:
Opas Krieg


ZDF „Wel­ten­brand“: Die Höl­le von Ver­dun
https://www.youtube.com/watch?v=–gDhlsJAQU


Spie­gel ONLINE: „Erschieß mich Kame­rad. Die Augen­zeu­gen von Ver­dun“
http://www.spiegel.de/einestages/verdun-augenzeugen-berichte-erschiess-mich-kamerad-a-1075468.html

Wir müssten das alles mal aufschreibenDie Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en bringt seit 2012 Lebens-. Fami­li­en- und Unter­neh­mens­bio­gra­fi­en als Bild­bio­gra­phi­en ins Buch und bie­tet außer­dem einen Ghost­wri­ting-Ser­vice mit den Schwer­punk­ten Geschich­te und Psy­cho­lo­gie an.
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Bild­nach­wei­se:

1) Ver­dun, east bank of the Meu­se, 21–26 Febru­ary 1916, Staff wri­ters — The Times Histo­ry of the War VI. Lon­don: The Times. 1914–1921. OCLC 642276. Dia­gram sho­wing the east bank of the Meu­se at Ver­dun, 21–26 Febru­ary 1916, Public Domain
2) An der Höhe 304 wäh­rend einer Gefechts­pau­se (bei Malan­court-Hau­court) Unbe­kannt — Ver­öf­fent­licht in: “Die Gro­ße Zeit. Illus­trier­te Kriegs­ge­schich­te”. Zwei­ter Band. Ber­lin 1920. S. 212., Gemein­frei
3) French train hor­ses res­ting in a river on their way to Ver­dun. 300 ppi scan of the Natio­nal Geo­gra­phic Maga­zi­ne, Volu­me 31 (1917), page 338: RESERVES CROSSING A RIVER ON THE WAY TO VERDUN. “They shall not pass” is a phra­se which for all time will be asso­cia­ted with the heroic defen­se of Ver­dun. To future gene­ra­ti­ons of French peop­le it will bring a thrill of pri­de even sur­pas­sing that enkind­led by the glo­rious “The Old Guard dies, it never sur­ren­ders.” The guar­di­ans of the gre­at for­t­ress on the Meu­se have pro­ved them­sel­ves invin­ci­ble in attack, invul­nerable in defen­se. Public Domain
4) Fort Doau­mont 1916 befo­re the batt­le (Ger­man aeri­al pho­to­graph) By “Pho­to­gra­phi­sches Bild- und Film-Amt” — Ger­man Government, Depart­ment of pho­tos and film, Public Domain
5) By Unknown — Ger­man post­card with post stamp 5.8.1916 found at http://greatwarpostcards.blogspot.com/2013/08/a-row-of-french-155mm-cannons-mle-1877.html, Public Domain
6) Verdun_and_Vincinity_-_Map.jpg : Gemein­frei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=188781
7) French 87th Regi­ment Cote 34 Ver­dun 1916, Public Domain
8) By Oeu­vre per­son­nel­le — Pho­to­gra­phie per­son­nel­le pri­se près de l’ossuaire de Douau­mont, Public Domain



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