Einzig oder artig? Die Marke “Ich”

Jeder Mensch möch­te als Indi­vi­du­um wahr­ge­nom­men wer­den. Einer­seits. Ande­rer­seits haben wir alle auch den mehr oder weni­ger star­ken Drang, zu einer Grup­pe zu gehö­ren, und sind bereit, unse­re Indi­vi­dua­li­tät dafür zurück­zu­stel­len. Eine Zwick­müh­le zwi­schen zwei star­ken Bedürf­nis­sen, die viel über unse­re Per­sön­lich­keit sagt.

Wie uns unse­re “Mar­ke Ich” prägt — und wor­auf Unter­neh­mer und Ver­käu­fer dabei ach­ten soll­ten.

Die Marke Ich - Need for uniqueness

Warum Heino Sonnenbrille trägt
und Lady Gaga seltsame Kostüme

Wer bin ich?  ist die indi­vi­du­el­les­te aller Fra­gen, die sich Men­schen stel­len. Das tun sie übri­gens schon seit Men­schen­ge­den­ken.

Der Grund: Jeder von uns möch­te als Indi­vi­du­um wahr­ge­nom­men wer­den.
Des­we­gen pfle­gen wir unse­re Beson­der­hei­ten, die uns von den ande­ren unter­schei­den; des­we­gen trägt Hei­no Son­nen­bril­le und Lady Gaga schril­le Kos­tü­me

Unser “Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit(Need for Uni­queness — NfU) macht uns zu dem, was wir sind.
Es ist die Grund­la­ge unse­rer Mar­ke Ich.
Einer­seits.

Ande­rer­seits möch­ten wir aber auch “dazu­ge­hö­ren” und sind bereit, dafür einen Teil unse­rer Indi­vi­dua­li­tät zu opfern.
Denn die Zuge­hö­rig­keit zu einer Grup­pe bedeu­tet Schutz und Sicher­heit, ihr ver­dan­ken wir schö­ne Din­ge wie Lie­be, Fami­lie und Freund­schaf­ten.

Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit gibt uns außer­dem das gute Gefühl, mit unse­rer Mei­nung und unse­ren Wert­vor­stel­lun­gen nicht allei­ne dazu­ste­hen schließ­lich kann das, was alle ande­ren tun oder den­ken, so falsch nicht sein.

Nicht zuletzt des­we­gen ist das Mehr­heits­prin­zip der Grund­pfei­ler unse­res demo­kra­ti­schen Sys­tems.

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Unse­ren unbe­kann­ten Stär­ken und Talen­ten auf der Spur. Das Begleit­buch zum Gal­lup-Strengths­fin­der Test 2.0 kann eine Offen­ba­rung für alle sein, die das Gefühl haben, beruf­lich oder pri­vat auf der Stel­le zu tre­ten. Denn oft wis­sen wir gar nicht, wel­ches Poten­zi­al in uns steckt und dar­auf war­tet, gebor­gen zu wer­den …
Tom Rath: Ent­wick­le Dei­ne Stär­ken mit dem Strengths­Fin­der 2.0 *, Red­li­ne Ver­lag, 2014


Einzig oder artig?

Indi­vi­dua­li­tät einer­seits, der Wunsch nach Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit ande­rer­seits — wie passt bei­des zusam­men?
Die Lösung: Bei­de Bedürf­nis­se las­sen sich mit­ein­an­der kom­bi­nie­ren, müs­sen aber in einer indi­vi­du­el­len “Kom­fort­zo­ne” gut aus­ba­lan­ciert sein.

Das per­sön­li­che Gleich­ge­wicht zwi­schen Indi­vi­dua­li­tät und Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit ist von Mensch zu Mensch unter­schied­lich und bestimmt unser Leben und unse­ren All­tag.

Für vie­le Fuß­ball­fans ist bei­spiels­wei­se das Schlach­ten­bum­meln am Sams­tag mit den Kum­peln aus dem Fan­club in ein­heit­li­chen Kut­ten und gleich­far­bi­gen Schals, mit Bier und gemein­sa­men wil­den Gesän­gen ein Wochen­hö­he­punkt.
Oft ist für sie die Gemein­schaft mit Gleich­ge­sinn­ten, ein­heit­li­chen Ritua­len und Klei­dung wich­ti­ger als der Sport selbst.

Men­schen, denen eine star­ke Ver­bun­den­heit mit einer Grup­pe wich­tig ist, haben im Ver­gleich ein nied­ri­ge­res Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit (nied­ri­ge NfU).
Sie defi­nie­ren sich stär­ker über ihre Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit und weni­ger über ihre indi­vi­du­el­len Beson­der­hei­ten.

-> Die Grup­pe wird durch gemein­sa­me Ver­hal­tens­re­geln und Nor­men zur Grup­pe.
Als beson­ders sinn­stif­tend kann für sie eine Fremd­grup­pe („out­group“) von „Ande­ren“ oder „Anders­ar­ti­gen“ sein, die als „schlech­ter“ wahr­ge­nom­men wird: “Wir sind St. Pau­li und Ihr nur HSV”, ist eine Form von out­group; Ihr Flücht­lin­ge eine ande­re.

Die Fremd­grup­pe ist ein Weg, um die eige­ne Grup­pe zu defi­nie­ren. “Wir” (St. Pau­li) sind die Guten, die “Ande­ren” (HSV) stei­gen völ­lig ver­dient ab — mit die­ser Ein­tei­lung lässt sich nicht nur das Selbst­wert­ge­fühl der Grup­pe stei­gern, son­dern auch das jedes ein­zel­nen Grup­pen­mit­glieds.

Auch Men­schen mit einem hohen Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit (hohe NfU) kön­nen St. Pau­li (oder HSV) ‑Fans sein — aber die Vor­stel­lung, sams­tags mit Tau­sen­den ande­ren in ein­heit­li­cher Kluft im Fan­block ste­hen zu müs­sen, ist für sie ein Graus.

Selbst wenn sie ein­ge­fleisch­te Fans eines Ver­eins sind, wer­den sie weit­ge­hend jeder Form von Ver­eins­meie­rei — Grup­pen­dy­na­mik und ‑kon­for­mi­tät — aus dem Weg gehen.
Wer ein hohes Maß an “NfU” hat, wird mit allen mög­li­chen (und manch­mal auch unmög­li­chen) Mit­teln ver­su­chen, aus der „grau­en Mas­se“ her­vor­zu­ste­chen und sich von der Her­de sei­ner Mit­men­schen abzu­he­ben.

-> Her­vor­ste­chen geht bei­spiels­wei­se durch extra­va­gan­te Klei­dung, einem ris­kan­ten Hob­by oder den Neu­wa­gen der Extra­klas­se. (Wer sich den nicht leis­ten kann, ver­schö­nert wenigs­tens sein altes Auto mit indi­vi­du­el­len Abzieh­bild­chen und Ral­ly­e­strei­fen.)

Pier­cings und Tat­toos, lan­ge Zeit Kör­per­schmuck har­ter See­män­ner und Knast­brü­der, sind auch ein Aus­druck des Bedürf­nis­ses nach Ein­zig­ar­tig­keit und schon längst in der Mit­te unse­rer Gesell­schaft ange­kom­men — bei­spiels­wei­se auf Schul­tern und Schen­kel rei­fe­rer Damen.


Die Marke “Ich”

Die indi­vi­du­el­le Kom­fort­zo­ne zwi­schen “ein­zig” und “artig” ist eine sta­bi­le Eigen­schaft, die sich im Lau­fe des Lebens kaum oder nur sehr lang­sam ver­än­dert.

Wer sich in sei­ner Indi­vi­dua­li­tät nicht rich­tig wahr­ge­nom­men fühlt — “zu auf­fäl­lig” oder “zu unauf­fäl­lig” -, fühlt sich nicht wohl und wird unbe­wusst ver­su­chen, sein per­sön­li­ches Gleich­ge­wicht wie­der her­zu­stel­len.

Ein Mensch mit einem star­ken Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit bei­spiels­wei­se, indem er ver­sucht, mit einer unge­wöhn­li­chen Mei­nung anzu­ecken oder durch sei­nen Klei­dungs­stil auf­zu­fal­len, wenn er sich sich zu sehr als “graue Maus” wahr­ge­nom­men fühlt.

Fazit: Sobald unser Wunsch nach per­sön­li­cher und indi­vi­du­el­ler Anspra­che nicht erfüllt ist, wer­den wir irgend­et­was unter­neh­men, um unse­re Kom­fort­zo­ne wie­der zu errei­chen.

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Der Sozi­al­psy­cho­lo­ge Robert Levi­ne über die psy­cho­lo­gi­schen Mecha­nis­men, die hin­ter erfolg­rei­chem (Sich-)Verkaufen ste­cken. Sehr gut ver­ständ­lich geschrie­ben und mit vie­len Bei­spie­len aus All­tag und Geschäfts­welt, die jeder von uns kennt — und bis­her nicht inter­pre­tiert hat. Lesens­wert!
Robert Levi­ne, Die gro­ße Ver­füh­rung. Wie die Regeln der Mani­pu­la­ti­on funk­tio­nie­ren*. Piper Taschen­buch, Piper Ver­lag GmbH, Mün­chen, 2005


Einzigartigkeit für Unternehmer

Für ein Unter­neh­men kann ein Mit­ar­bei­ter mit star­kem Drang nach Indi­vi­dua­li­tät von unschätz­ba­rem Wert sein, denn er kann durch bewuss­tes Abwen­den von herr­schen­den Nor­men und Ein­stel­lun­gen unge­wöhn­li­che Lösungs­mög­lich­kei­ten auf den Weg brin­gen.

Die Glüh­bir­ne, die Rela­ti­vi­täts­theo­rie oder Face­book wur­den von Quer­den­kern gegen die herr­schen­de Mei­nung ge- oder erfun­den.

” … Wer alte Zöp­fe abschnei­det und schein­bar Alt­be­währ­tes “schöp­fe­risch zer­stört”, rich­tet zunächst ein­mal Cha­os an. Doch des­halb ist man noch lan­ge kein Cha­ot, son­dern im Ide­al­fall der Schöp­fer einer neu­en Ord­nung — im Gro­ßen oder ganz beschei­den im Detail.
Aller­dings bedarf es schon einer gewis­sen Por­ti­on Mut und Durch­set­zungs­fä­hig­keit, denn “schöp­fe­ri­sche Zer­stö­rer” sind nicht über­all beliebt. Bei vie­len Kol­le­gen nicht, aber auch bei man­chen Chefs nicht, die Ver­än­de­run­gen nicht gou­tie­ren, weil sie mit Risi­ken behaf­tet sind. Und die fata­ler­wei­se nicht bemer­ken, wenn das Fest­hal­ten an alten metho­den und Pro­duk­ten naht­los in Schlaf­müt­zig­keit über­geht. Schlaf­müt­zen aber ver­pen­nen den gesell­schaft­li­chen Wan­del und künf­ti­ge Chan­cen des Mark­tes.“

Aus: Micha­el Brück­ner, Die Geset­ze der Erfolg­rei­chen. Von den Bes­ten ler­nen*


Beson­ders wich­tig ist “NfU” aber auch bei der Kun­den­an­spra­che.
Nach­ge­wie­sen ist, dass in den letz­ten Jahr­zehn­ten der Wunsch nach Indi­vi­dua­li­tät gestie­gen ist. Immer mehr Men­schen haben ein aus­ge­präg­tes Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit. Das soll­te von Unter­neh­men, Par­tei­en und Orga­ni­sa­tio­nen berück­sich­tigt wer­den

Kun­den mit hoher NfU wün­schen sich ein­ma­li­ge, mög­lichst exklu­si­ve oder sogar indi­vi­dua­li­sier­te Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen.

Wich­tig ist dabei: Kun­den­zu­frie­den­heit ent­steht nicht allein durch das Pro­dukt oder die Dienst­leis­tung, son­dern auch durch den Ent­schei­dungs­pro­zess, der zum Kauf führt, also durch Mar­ke­ting­stra­te­gi­en und Ver­kaufs­ge­sprä­che.

Viele Homepages verbarrikadieren sich hinter Worthülsen und haben deswegen nur wenig mit guten Texten zu tun

Aus Angst, irgend­et­was falsch zu machen und Kun­den zu ver­prel­len, ver­bar­ri­ka­die­ren sich Home­pages ger­ne hin­ter Wort­hül­sen, die alles, nur nicht ein­zig­ar­tig sind.
Vor­sichts­hal­ber wird Ein­heits­brei fabri­ziert, der Leser ist nach dem Lesen nicht schlau­er und bleibt mit sei­nen indi­vi­du­el­len Wün­schen und Bedürf­nis­sen auf der Stre­cke.
Wie Sie “Bull­shit-Bin­go auf der Home­page” ver­mei­den, lesen Sie hier: Ein­fach gute Tex­te schrei­ben


Ein guter Ver­käu­fer erkennt nicht nur die Moti­ve sei­nes Kun­den, son­dern auch sei­ne emo­tio­na­len Bedürf­nis­se.

Einen Inter­es­sen­ten mit hohem Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit mit dem Argu­ment: “Das ist bewährt, das haben schon vie­le gekauft” locken zu wol­len, wird nicht erfolg­reich sein; bei einem Kun­den mit gerin­gem Maß an “NfU” ist es dage­gen genau das rich­ti­ge Ver­kaufs­ar­gu­ment.

Kun­den­an­spra­che und das per­sön­li­che Maß an NfU müs­sen zusam­men­pas­sen.

Erst dann kann sich ein Kun­de gut auf die Argu­men­te, die für den Kauf spre­chen, ein­las­sen. Außer­dem wird er den Nut­zen sei­nes Kaufs, den er sich im Geist schon aus­malt, als höher bewer­ten und auch nach dem Kauf zufrie­de­ner sein.

Storytelling - Werben ohne Werbung

Außer­dem wich­tig für erfolg­rei­che Ver­kaufs­ge­sprä­che: Das Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit hängt eng mit ande­ren Per­sön­lich­keits­ei­gen­schaf­ten zusam­men: So weiß man, dass Men­schen mit hohem “NfU” bei­spiels­wei­se eher extro­ver­tiert sind und auf ande­re zuge­hen, sie sind offen für neue Erfah­run­gen und in der Regel krea­ti­ver und risi­ko­freu­di­ger als Men­schen mit nied­ri­ger NfU.

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War­um man den Bären erst erle­gen soll­te, bevor man sein Fell ver­teilt, und wes­halb Reden manch­mal Sil­ber und Schwei­gen Gold ist. Zeit­lo­se Stra­te­gi­en für die Kehrt­wen­den und Hin­der­nis­se, die das Leben nun mal hat — und wie man lang­fris­tig und erfolg­reich mit ihnen umge­hen kann.
Ryan Holi­day, Dein Ego ist dein Feind: So besiegst du dei­nen größ­ten Geg­ner*. Finanz­Buch Ver­lag, 2017. (Dein Ego ist dein Feind Gra­tis-Down­load im Audi­ble-Pro­be­mo­nat)


Gesellschaft und Einzigartigkeit

Unter bestimm­ten Bedin­gun­gen kann Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit auch zu Hem­mungs­ver­lust und Gewalt füh­ren.
Die­ses Phä­no­men hat­te Gust­ave Le Bon bereits 1895 erkannt und in sei­ner Arbeit „Psy­cho­lo­gie der Mas­sen“ beschrie­ben. Eine wis­sen­schaft­li­che Meis­ter­leis­tung war sei­ne Ver­öf­fent­li­chung nicht, trotz­dem gilt er heu­te noch zurecht als Begrün­der der Mas­sen­psy­cho­lo­gie.

Einer­seits schwa­dro­nier­te Le Bon Selt­sa­mes über den Ver­lust der ‘edlen Ras­sen­see­le’, ande­rer­seits stell­te er die ent­schei­den­de, bis heu­te gül­ti­ge Fra­ge: War­um beneh­men sich fried­lie­ben­de und zivi­li­sier­te Men­schen in Grup­pen manch­mal völ­lig dane­ben, näm­lich — wie bei­spiels­wei­se Hoo­li­gans — enhemmt und gewalt­tä­tig?

In den 1950er Jah­ren wur­de in der sozi­al­psy­cho­lo­gi­schen For­schung dafür der Begriff der „Deindi­vi­du­ie­rung“ geprägt.
Man geht davon aus, dass das Tra­gen von Uni­for­men, Trach­ten, gleich­far­bi­gen T‑Shirts oder Schals in den Ver­eins­far­ben bis zu einem gewis­sen Grad das Abtau­chen in einer gro­ßen Men­schen­men­gen bewirkt und dadurch unbe­wuss­ten auch die unge­schrie­be­nen Geset­ze und Ver­hal­tens­wei­sen die­ser Grup­pe über­nom­men wer­den

Der Vor­teil einer Grup­pe besteht dar­in, dass die Mit­glied­schaft sta­bil ist und nicht ver­lo­ren gehen kann. Man ist deutsch und nicht pol­nisch oder dänisch, und man bleibt es, auch wenn man sei­nen Job ver­liert.

Heu­te weiß man, dass nicht jede Grup­pie­rung not­wen­di­ger­wei­se die Gefahr von Ent­hem­mung und Gewalt in sich trägt: Ent­schei­dend sind letzt­lich immer die Wer­te und Regeln, die die jewei­li­ge Grup­pe hat.

Fuß­ball-Hoo­li­gans gehö­ren Grup­pie­run­gen an, die Le Bons Mut­ma­ßun­gen bestä­ti­gen, denn ihre Grup­pen­norm beinhal­tet Aus­gren­zung und Gewalt­be­reit­schaft.

Bei Kran­ken­schwes­tern wirkt sich die Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit genau umge­kehrt aus: Sie ver­hal­ten sich bei­spiels­wei­se allein durch das Tra­gen ihres Schwes­tern­kit­tels hilfs­be­rei­ter als ohne. In ihrem Kit­tel mani­fes­tiert sich ihre Zuge­hö­rig­keit zur Grup­pe der Kran­ken­schwes­tern, deren Norm nun ein­mal „Hilfs­be­reit­schaft“ ist.

FAZIT:
Men­schen brau­chen bei­des – wir kom­men nicht ohne „unse­re Her­de“ aus, wol­len aber auch nicht so sein, wie alle ande­ren.
Unse­re Mar­ke Ich ist unse­re ganz per­sön­li­che Kom­fort­zo­ne zwi­schen Indi­vi­dua­li­tät einer­seits und unse­rem Bedürf­nis nach Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit ande­rer­seits, in der wir uns wohl füh­len und die sich im Lau­fe des Lebens — wenn über­haupt — kaum und nur sehr lang­sam ver­än­dert.

  • Unser sub­jek­tiv als ange­nehm emp­fun­de­nes Gleich­ge­wicht zwi­schen Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit und Indi­vi­dua­li­tät ist ange­bo­ren, kann aber durch Lebens­um­stän­de und Situa­tio­nen beein­flusst bzw. mani­pu­liert wer­den
  • Grup­pen geben Men­schen Schutz, Sicher­heit und Ori­en­tie­rung.
    Das ist an sich nichts Schlech­tes, je nach Grup­pen­norm kann es aber dazu wer­den.
  • Die Angst vor Job­ver­lust ist kon­tra­pro­duk­tiv für Wirt­schafts­un­ter­neh­men, die von der Inno­va­ti­ons­kraft ihrer Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter leben.
    Es fällt leich­ter, neue Wege zu gehen, wenn ein Gefühl der Sicher­heit herrscht, denn das Risi­ko des Schei­terns besteht gera­de bei Inno­va­tio­nen immer. Wer Angst hat, fügt sich eher der Grup­pen­mei­nung und denkt sel­te­ner quer.
  • Unter­neh­men und Geschäfts­leu­te müs­sen sich dar­auf ein­stel­len, dass immer mehr ihrer Kun­den ein stär­ke­res Bedürf­nis nach Ein­zig­ar­tig­keit haben — und die­se Kun­den “rich­tig” anspre­chen.

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www​.bild​bio​gra​phi​en​.de, 2016 (über­ar­bei­tet 2018)

Autoren:
Hans-Peter Erb ist Pro­fes­sor der Sozi­al­psy­cho­lo­gie mit den For­schungs­schwer­punk­ten Sozia­ler Ein­fluss und Urteils­bil­dung. Seit 2007 lehrt er an der Hel­mut-Schmidt Uni­ver­si­tät in Ham­burg, seit 2017 betreibt er einen eige­nen You­Tube-Kanal mit sozi­al­psy­cho­lo­gi­schen The­men.
Susan­ne Gebert arbei­tet als Ghost­wri­te­rin und ist Inha­be­rin der Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en
https://​www​.bild​bio​gra​phi​en​.de

Lesen Sie im nächs­ten Bei­trag: Wie unse­re Stein­zeit­re­lik­te im Kopf aus Frem­den Freun­de machen und uns Vor­bil­der besche­ren, die wir nicht wol­len. Und wie die dann unser Leben beein­flus­sen, ohne dass wir es bemer­ken, geschwei­ge denn auch nur ansatz­wei­se Herr (oder Frau) der Lage sind.
Rich­ti­ge und fal­sche Vor­bil­der

Buch­emp­feh­lun­gen zur “Mar­ke Ich”:

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Ein groß­ar­ti­ger Rat­ge­ber und “Must-Have” für alle, die sich inten­siv mit dem Hand­werk Schrei­ben beschäf­ti­gen.
Von ‘mur­der your dar­lings’ bis zu nütz­li­chen Gewohn­hei­ten ist alles dabei — span­nend geschrie­ben, über­sicht­lich, kom­pe­tent und mit vie­len Übungs­bei­spie­len. Emp­feh­lens­wert!
Roy Peter Clark, Die 50 Werk­zeu­ge für gutes Schrei­ben. Hand­buch für Autoren, Jour­na­lis­ten und Tex­ter*, Auto­ren­haus Ver­lag GmbH 2008

Ein tol­les Buch für den Ein­stieg ins Sto­ry­tel­ling, klar, über­sicht­lich und sehr gut struk­tu­riert. Von der Wir­kung über Bau­plä­ne bis zum Ent­ste­hungs­pro­zess guter Geschich­ten ist alles dabei. Ein span­nen­der Über­blick über Hel­den­rei­sen & Co. Emp­feh­lens­wert!
Tho­mas Pyc­zak, Tell me! Wie Sie mit Sto­ry­tel­ling über­zeu­gen*, Rhein­werk Com­pu­ting, Mai 2017

Über Sto­ry­tel­ling gibt es lei­der nur weni­ge gute Bücher, was ange­sichts des The­mas ver­blüf­fend ist. Des­we­gen als 2. Tipp ein Buch, das es lei­der nur in eng­li­scher Spra­che gibt, sich dafür aber wie But­ter liest, wit­zig und mit vie­len hilf­rei­chen Hin­wei­sen und Übun­gen (Leit­man ist auch kei­ne Mar­ke­ting­frau, son­dern Stand-Up Come­di­an). Abso­lut emp­feh­lens­wert!
Mar­got Leit­man, Long Short Sto­ry: The Only Sto­ry­tel­ling Gui­de You’ll ever need*, Sas­quatch Books, Okto­ber 2015

Ein tol­les Buch für alle, die das Gefühl haben, auf der Stel­le zu tre­ten. Buch und Test (Gal­lup-Strengths­fin­der Test 2.0) kos­ten gemein­sam unter 100 Euro (Rabatt­code im Buch), kön­nen aber vie­le Coa­ching-Stun­den spa­ren und zur ech­ten Inves­ti­ti­on in die Zukunft wer­den. Lohnt sich für alle, die her­aus­fin­den wol­len, wel­che Zie­le, Stär­ken und Talen­te in ihnen ste­cken, und wie sie sie nut­zen können.Tom Rath: Ent­wick­le Dei­ne Stär­ken mit dem Strengths­Fin­der 2.0 *, Red­li­ne Ver­lag, 2014

Rang & Revier ver­sus ‘hori­zon­ta­ler’ — weib­li­cher- Kom­mu­ni­ka­ti­on. Ein sehr lesens­wer­tes Buch für Frau­en UND Män­ner, mit tol­len Bei­spie­len aus der Pra­xis, um zu ver­ste­hen, wie die ande­re Sei­te tickt. Nicht nur für ‘AHA’-Erlebnisse, son­dern auch sehr kon­kret mit Hand­lungs­emp­feh­lun­gen für einen bes­se­ren Umgang mit­ein­an­der. Emp­feh­lens­wert! Peter Mod­ler: Das Arro­ganz-Prin­zip*, FISCHER Taschen­buch, 2. Auf­la­ge, Okto­ber 2018

Sind Frau­en die bes­se­ren Kol­le­gin­nen, Che­fin­nen … und Men­schen? Wohl eher nicht. Dass Frau­en fried­fer­ti­ger, team­fä­hi­ger und kom­mu­ni­ka­ti­ver als Män­ner sei­en, ist eine schö­ne Legen­de, die Peter Mod­ler in sei­nem zwei­ten Buch eben­so prag­ma­tisch wie lesens­wert zer­pflückt. Weib­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on scheut häu­fig die offe­ne Kon­fron­ta­ti­on, kann aber genau­so böse enden wie männ­li­che … Peter Mod­ler: Die freund­li­che Fein­din: Weib­li­che Macht­stra­te­gi­en im Beruf*, Piper Ver­lag, März 2017


Ein­zig­ar­ti­ge — aber vor allem wei­ter­füh­ren­de Bei­trä­ge:

Sto­ry­tel­ling: Es ist das Schei­tern und Wie­der­auf­ste­hen, das Men­schen inter­es­siert und inspi­riert. Wie man mit 7 ein­fa­chen Tricks durch Sto­ry­tel­ling Ver­trau­en schaf­fen und Kun­den gewin­nen kann.
Wer­ben ohne Wer­bung. 7 Tricks für bes­se­res Con­tent Mar­ke­ting

Män­ner & Frau­en: Män­ner sind seit Jahr­tau­sen­den dar­auf getrimmt, die Bes­ten zu sein, und ande­ren — auch unge­fragt — die Welt zu erklä­ren. Frau­en wol­len tief in ihrem Inne­ren vor allem eins: bloß nicht anecken. Alles nur blö­de Kli­schees? Oder ist der ‘Dia­log der Geschlech­ter’ doch ein ‘Kampf der Geschlech­ter’?
Da röhrt der Hirsch. Über die schwie­ri­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Män­nern und Frau­en

Schrei­ben & Tex­ten: Wie Sie die Angst vor dem wei­ßen Papier über­win­den, Ihre Tex­te struk­tu­rie­ren, kon­kret for­mu­lie­ren, pas­sen­de Über­schrif­ten und den roten Faden fin­den. Und wel­ches Ziel die Quä­le­rei eigent­lich hat.
Ein­fach gute Tex­te schrei­ben

Zie­le: Wer immer ALLES haben will, und das SOFORT, wird es mit dem Ankom­men schwer haben. Es hilft nichts: Wenn wir wirk­lich vor­an­kom­men wol­len, müs­sen wir — ech­te — Zie­le defi­nie­ren, los­lau­fen und uns mit der “Poli­tik der klei­nen Schrit­te” unse­ren Zie­len nähern. Klingt ein­fach, ist in der Pra­xis aber manch­mal ganz schön schwie­rig.
Vor Ankom­men wird gewarnt

Der nor­ma­le Wahn­sinn: Tipps und Tricks, psy­cho­lo­gi­sche Denk­fal­len und viel Wis­sens­wer­tes für ein bewuss­tes Leben fin­den Sie in unse­rer Kate­go­rie:
Tipps für den All­tag

Link­emp­feh­lung:

Psy­cho­lo­gi­sche Mecha­nis­men und Fall­stri­cke — von Prof. Erb auf You­Tube wöchent­lich erklärt:
https://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​F​B​w​A​h​r​m​I​b​x​o​#​a​c​t​i​o​n​=​s​h​are


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2 Gedanken zu „Einzig oder artig? Die Marke “Ich”

  1. was ich sehr wich­tig fin­de fürs Ver­ste­hen: dass Sta­lin und Hit­ler bei­de nach 3 früh ver­stor­be­nen Geschwis­tern gebo­ren wur­den, d.h. von tief trau­ern­den Müt­tern, die wenig Kraft gehabt haben dürf­ten, ihre klei­nen Söh­ne vor der Bru­ta­li­tät eines sinn­los prü­geln­den Vaters zu schüt­zen und ihnen weder Lie­be noch Ver­ständ­nis ent­ge­gen­brach­ten. Die­se ” Erzie­hung” bot den idea­len Boden für Mas­sen­mör­der.

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