Warum Väter abwesend sind: Der Mann in der Krise? 

Kind­heit & Erziehung

Der Mann in der Krise? Warum Väter abwesend sind


Wenn Väter abwe­send sind, hat das Fol­gen: Für Män­ner, die sich zurück­zie­hen, sobald es emo­tio­nal wird. Für Frau­en, die sich nach Nähe seh­nen und immer wie­der auf Distanz sto­ßen. Und am meis­ten für die Söh­ne und Töch­ter, die oft ein Leben lang mit dem abwe­sen­den Vater kämp­fen.

Doch was steckt wirk­lich dahin­ter?
Und: Was braucht der „Mann in der Kri­se”, damit aus alten Mus­tern neue, trag­fä­hi­ge Bezie­hun­gen ent­ste­hen können?

Väter abwesend Familie Beziehungskrise emotionale Distanz zwischen Mann Frau und Kind

Wenn Väter abwesend sind — und Mütter alles tragen

Ein Kind ver­än­dert eine Bezie­hung – das wis­sen wir alle.
Was vie­le unter­schät­zen: Es ver­än­dert nicht nur den All­tag, son­dern auch das gesam­te Gleich­ge­wicht eines Paa­res zwi­schen Nähe, Ver­ant­wor­tung und Erwar­tun­gen.

Was man aus den Daten des Euro­pean Social Sur­vey weiß — einer groß­an­ge­leg­ten Stu­die, die seit 2002 regel­mä­ßig 350.000 Euro­pä­er und Euro­päe­rin­nen befragt: Väter sind immer glück­li­cher als kin­der­lo­se Män­ner.

Bei Müt­tern hängt das Glück durch eige­ne Kin­der im Ver­gleich zu kin­der­lo­sen Frau­en sehr davon ab, ob es ihnen gelingt, Job, Part­ner­schaft, Kin­der und Haus­halt unter einen Hut zu bringen.

Zitat von Roseanne Barr über Selbstverantwortung von Frauen und ihre Rolle in Beziehungen

Das ist nicht immer leicht, denn die meis­ten Frau­en stel­len an sich selbst hohe Ansprü­che: Die meis­ten wol­len ihre Auf­ga­ben nicht nur gut machen, son­dern per­fekt.

Und das auch noch sou­ve­rän und stets lächelnd — schließ­lich scha­det eine gran­ti­ge Mut­ter bekannt­lich ihren Kindern.

Für Müt­ter kann die­ser Balan­ce­akt schnell zur Zer­reiß­pro­be wer­den.
Denn für die meis­ten Müt­ter steht fest: Wer sein Kind liebt, erzieht es selbst und stellt eige­ne Inter­es­sen und Bedürf­nis­se zurück.

Was nach Für­sor­ge klingt, kann jedoch schnell in eine Dyna­mik kip­pen, die die Bezie­hung zum Kinds­va­ter schwer belas­tet: Die weib­li­che Abwärts­spi­ra­le des  „Auf­op­ferns”. Je mehr eine Mut­ter über­nimmt, kon­trol­liert und per­fek­tio­niert, des­to weni­ger Raum bleibt für den Vater, sei­nen eige­nen Weg zu fin­den.

Er zieht sich zurück. Erst aus Unsi­cher­heit, dann aus Gewohn­heit.
Und irgend­wann wirkt es, als wären Väter abwe­send – obwohl sie eigent­lich (noch) da sind.

Der Weg in die Krise: Beziehungsthema Hausarbeit

Damit gewinnt ein The­ma an Gewicht, das eben­so alt wie ner­vig ist.
Aber in einer Zeit, in der Frau­en neben Haus­halt und Kind auch für ihr eige­nes Ein­kom­men sor­gen müs­sen, ist der Dau­er­bren­ner „Bezie­hung und Haus­ar­beit wich­ti­ger denn je — wie Stu­di­en immer wie­der zeigen:


Beziehung und Hausarbeit

Das Ungleich­ge­wicht beim The­ma Haus­ar­beit hat nicht (nur) etwas mit Kin­dern zu tun: Auch bei kin­der­lo­sen Paa­ren, in denen bei­de Part­ner Voll­zeit arbei­ten, bleibt der größ­te Teil der Haus­ar­beit an den Frau­en hän­gen.

Män­ner in einer Bezie­hung arbei­ten in der Regel deut­lich weni­ger im Haus­halt als männ­li­che Sin­gles.
Umge­kehrt brin­gen Frau­en in einer Part­ner­schaft — auch ohne Kin­der — durch­schnitt­lich sehr viel mehr Zeit für Put­zen, Ein­kau­fen und Kochen auf als allein­le­ben­de Frau­en.

Das ist scha­de, denn eine fai­re Auf­tei­lung lohnt sich für bei­de: Je gerech­ter Zeit und Auf­ga­ben im Haus­halt ver­teilt sind, des­to weni­ger Ärger gibt es und bei­de Part­ner sind zufrie­de­ner mit ihrer Bezie­hung.


Zitiert nach: Roh­mann, Schmohr, Bier­hoff: Haus­ar­beit, Erwar­tun­gen und Beziehungsqualität


Was zunächst wie ein „klei­nes All­tags­pro­blem“ daher­kommt, hat Spreng­kraft: Spä­tes­tens nach der Geburt eines Kin­des birgt die Schief­la­ge beim The­ma Haus­ar­beit ein enor­mes Frus­tra­ti­ons­po­ten­zi­al — und kann für Bezie­hun­gen zur Spreng­fal­le wer­den.

Kann die Lie­be blei­ben, wenn sie immer sei­ne Socken weg­räu­men muss?”, ist dabei das gerings­te Problem.

Die Mütterfalle: Aufopfern — und die Folgen für die Partnerschaft

Dop­pel­be­las­tung” ist ein Schlag­wort, das man(n) eigent­lich nicht mehr hören kann, aber es ist wich­tig — und bis heu­te unge­löst.

Denn wäh­rend vie­le Paa­re ihren gemein­sa­men Haus­halt und All­tag meis­tens noch irgend­wie aus­ba­lan­ciert bekom­men, gerät mit der Geburt des ers­ten Babys fast alles aus dem Gleich­ge­wicht.

Denn es kommt ein Fak­tor ins Spiel, den man nicht weg­dis­ku­tie­ren kann: Bio­lo­gie.
Müt­ter haben von Anfang ein viel fei­ne­res Gespür für ihr Baby; sie reagie­ren schnel­ler und sen­si­bler – und sind immer die ers­ten am Baby­bett­chen, auch wenn der Kinds­va­ter die bes­ten Absich­ten hat.

Egal, wie wil­lig ein frisch­ge­ba­cke­ner Papa ist — Mama wird immer vor ihm beim Baby sein.

Denn Rest erle­digt die Zeit.
Ein Baby bin­det sich am stärks­ten an sei­ne wich­tigs­te Bezugs­per­son, also an die Mama, die vor allem nachts immer viel schnel­ler da ist als der Papa. Ein win­zi­ger bio­lo­gi­scher Unter­schied zwi­schen Män­nern und Frau­en wird zur rie­sen­gro­ßen Asym­me­trie in den Lebens­ver­hält­nis­sen.

Das allein wäre noch kein Pro­blem – es lie­ße sich aus­glei­chen.
Zum Bei­spiel mit Oro­pax, wie die bekann­te Anthro­po­lo­gin Sarah Blaf­fer Hrdy vor­schlägt.

Kri­tisch wird es dann, wenn zur bio­lo­gi­schen Nähe ein psy­cho­lo­gi­sches Mus­ter hin­zu­kommt: das müt­ter­li­che Auf­op­fern.
Typi­sche Mus­ter sind:

  • Wenn sie nicht nur immer die ers­te am Bett­chen ist, son­dern auch die Zäh­ne zusam­men­beißt und ver­sucht, den Balan­ce­akt zwi­schen Kind, Haus­halt und Job allei­ne hin­zu­be­kom­men. Selbst­ver­ständ­lich auch dann noch lächelnd, wenn sie schon längst an ihre Gren­ze gekom­men ist.
  • Wenn sie stän­dig eige­ne Wün­sche und Bedürf­nis­se zurück­stellt, „es” allein schaf­fen will (oder muss), und sich kei­ne Aus­zeit nimmt, obwohl sie die bit­ter nötig hätte.
  • Wenn sie Ver­ant­wor­tung über­nimmt und sämt­li­che Ter­mi­ne vom Kin­der­arzt bis zum Eltern­abend im Kopf hat.
    Sie kennt die Namen der Erzie­he­rin­nen und hält den Kon­takt zu den Müt­tern der bes­ten Freun­din­nen und Freun­de ihrer Kin­der. (Vätern rutscht sowas schon mal durch. Beson­ders dann, wenn’s gera­de nicht in den Ter­min­ka­len­der passt.)

    Sie bringt zu jedem Kin­der­gar­ten­fest selbst­ver­ständ­lich einen selbst­ge­ba­cke­nen Kuchen mit — auch wenn sie den tod­mü­de um Mit­ter­nacht geba­cken hat.

Vie­le Frau­en sind nicht nur Mut­ter — sie glau­ben, eine per­fek­te Mut­ter sein zu müs­sen.

Und lau­fen gera­de des­halb Gefahr, ihre Bezie­hung zum Kinds­va­ter, ihr eige­nes Glück und das ihrer Kin­der zu zerstören.

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Buchcover „Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest“ von Eva-Maria Zurhorst – Selbstliebe und Partnerschaft als Entwicklungsweg

Wie groß ist unser eigener Anteil an einer gescheiterten Liebe?

Ein span­nen­der Bezie­hungs­rat­ge­ber, der den Blick vom “bösen” Part­ner auf eige­ne Mus­ter und Bedürf­nis­se lenkt:

Nörgeln ist der Tod der Liebe: Wie weibliches Aufopfern Männer in die Krise stürzt

Geben sich Müt­ter selbst ein „Lebens­läng­lich“?
Blei­ben sie dau­er­haft in ihrer Mut­ter­rol­le gefan­gen – und ver­lie­ren dabei die Ver­bin­dung zu sich selbst und zu ihrem Part­ner?

Denn wenn eige­ne Bedürf­nis­se immer wei­ter zurück­ge­stellt wer­den, ent­steht ein inne­rer Druck.
Vie­le Frau­en hof­fen, dass ihr Part­ner die­sen Druck erkennt und sie ent­las­tet. Doch wenn das nicht pas­siert, ent­steht Frus­tra­ti­on – und dar­aus kann ein Mus­ter wer­den, das Bezie­hun­gen lang­sam, aber sicher unter­gräbt.

Der Psy­cho­lo­ge und Best­sel­ler­au­tor Robert Betz beschreibt die­sen Pro­zess so:


Was die Liebe zum Sterben bringt

… Sie wech­seln aus dem Mut­ter-Sein nicht mehr zurück in die Rol­le der Frau und zer­stö­ren auf die­se Wei­se die Lie­bes­be­zie­hung zum Mann. Zwi­schen der Ener­gie und Aus­strah­lung einer »Mut­ter« und der einer »Frau« lie­gen Wel­ten.“

Aus: Robert Betz, Wahr­haf­tig Mann sein: Män­ner ent­de­cken sich selbst*


Wer das ungu­te Gefühl hat, dass alles an ihm hän­gen bleibt, fin­det sich schnell in einer Opfer­rol­le wie­der — und fängt an zu nör­geln. Das ist eine äußerst schwie­ri­ge Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form, denn sie gibt der Umwelt Rät­sel auf.

Vor allem ein Rät­sel für Män­ner, denn in der männ­li­chen (Kommunikations-)Welt sagt man das, was man will — oder nimmt es sich ein­fach.

Das heißt: Reiß­lei­ne zie­hen, wenn es zuviel wird, auf den Tisch hau­en und Hil­fe ein­for­dern — für vie­le Frau­en war das zumin­dest frü­her dank ihrer eige­nen „guten Erzie­hung” ein Weg, den sie eher nicht gegan­gen sind.

Sie hoff­ten (und erwar­te­ten), dass man(n) ihre Not erkennt und ihr hilft, ohne dass sie um Hil­fe bit­ten muss.

War das nicht der Fall, ent­stand häu­fig ein Ver­hal­ten, das für Außen­ste­hen­de nur schwer greif­bar ist: Rück­zug, Ent­täu­schung, unter­schwel­li­ge Kritik.

Zitat von Marlene Dietrich Nörgeln ist der Tod der Liebe Beziehung Kommunikation Konflikt Muster

Eine lei­den­de, jam­mern­de, sich auf­op­fern­de und wüten­de Frau ist vie­len Män­nern ein­fach nicht geheu­er.

Eine Frau, die sich in ihre Opfer­rol­le zurück­zieht, hin­ter­lässt bei ihrem Part­ner eine tie­fe Ver­un­si­che­rung, mit der er nicht umge­hen kann.

Das hat Fol­gen: Sie lei­det, er ver­steht nicht, war­um — und lei­det auch.
Sie jam­mert — und er geht schließ­lich.
Zumin­dest emotional.

Unglückliche Mütter, abwesende Väter — und die Folgen für die Kinder

Die meis­ten Lie­bes­be­zie­hun­gen zer­bre­chen nicht an der einen gro­ßen Kri­se, dem schlim­men Betrug oder dem Auf­tau­chen eines anderen/einer ande­ren.

Bevor die Gelieb­te vor der Tür steht, ist die Lie­be meis­tens schon längst lei­se und still an der offe­nen Zahn­pas­ta-Tube gestor­ben, an den klei­nen All­tags-Ner­ve­rei­en und Unge­rech­tig­kei­ten, mit denen sich ent­zwei­te (Eltern-) Paa­re gegen­sei­tig oft bis auf’s Blut quä­len.
Und an Nör­ge­lei.

Robert Betz schreibt dazu:


Generationen unglücklicher Mütter

… Von Gene­ra­ti­on zu Gene­ra­ti­on prä­sen­tier­ten sich vie­le Müt­ter ihren Kin­dern als jam­mern­de, lei­den­de und im Kern unglück­li­che Frau­en, ohne befrie­di­gen­de oder beglü­cken­de Bezie­hung.“

Aus: Robert Betz, Wahr­haf­tig Mann sein: Män­ner ent­de­cken sich selbst*


Für die Kin­der hat das dra­ma­ti­sche Fol­gen.
Denn sie spü­ren, ob es ihrer Mut­ter gut geht, ob sie mit ihrem Leben und ihrer Part­ner­schaft glück­lich ist.

Lei­det sie, so fühlt sich ein Kind ver­pflich­tet, dar­auf zu reagie­ren: Es beginnt, mit­zu­lei­den, will hel­fen und ver­sucht auf irgend­ei­ne Wei­se ihr Leid zu lin­dern, wenn der Vater bereits gegan­gen oder emo­tio­nal abwe­send ist.

Gleich­zei­tig gerät es in einen schwe­ren Gewis­sens­kon­flikt, denn es hängt auch an sei­nem Papa, hat Sehn­sucht nach ihm und wünscht sich sei­ne Zunei­gung. Vie­le Kin­der ent­wi­ckeln die Vor­stel­lung, dass sie „schuld” am Unglück ihrer Eltern wären.

Abwesende Väter und die Suche nach männlicher Orientierung

Ein abwe­sen­der Vater ist für alle Kin­der eine Her­aus­for­de­rung. Für Söh­ne wird sie beson­ders kom­plex, wenn zusätz­lich männ­li­che Vor­bil­der feh­len – etwa Groß­vä­ter, Trai­ner, Leh­rer oder ande­re sta­bi­le Bezugs­per­so­nen.

Beson­ders betrof­fen kön­nen klei­ne Söh­ne sein, die sich rit­ter­lich als Ersatz­part­ner anbie­ten: „Ich wäre der bes­se­re Part­ner für Mama. Ich will ihr hel­fen“:


Wie Söhne ihre Mütter retten wollen

… Der Mann hat als klei­ner Jun­ge gelernt, dass er kei­nen Vater hat­te, oder einen abwe­sen­den Vater oder einen schwa­chen Vater. Das führt dazu, dass der klei­ne Jun­ge beginnt, uni­so­no mit der Mut­ter sei­nen Vater als Loo­ser, als Ver­sa­ger, als nicht gut genug oder als nicht lieb und nett genug zu ver­ur­tei­len. Denn eben­so haben sich ja vie­le Väter auch ver­hal­ten.“

Aus: Robert Betz, Wahr­haf­tig Mann sein: Män­ner ent­de­cken sich selbst*


Aber wie soll ein Sohn ler­nen, was einen rich­ti­gen, einen „guten” Mann aus­macht, wenn sein Vater nicht da ist? 

Die abwesenden Väter: Wenn emotionale Distanz zur Familiengeschichte wird

Feh­len star­ke männ­li­che Vor­bil­der, an denen er sich ori­en­tie­ren kann, bleibt einem klei­nen Jun­gen nichts ande­res übrig, als sich an sei­ne Mut­ter zu hal­ten. Er wird ver­su­chen, ihre Erwar­tun­gen und Wün­sche zu erfül­len — und läuft damit Gefahr, als erwach­se­ner Mann „Mut­ter­er­fah­run­gen” zu wiederholen:


Wenn Söhne zu „Ersatzpartnern“ werden

… Da der Vater meist mehr abwe­send als anwe­send ist, braucht der Sohn unbe­dingt die Auf­merk­sam­keit und Zuwen­dung der Mut­ter für sein eige­nes psy­chi­sches Über­le­ben, wenn nie­mand sonst da ist.“

Aus: Robert Betz, Wahr­haf­tig Mann sein: Män­ner ent­de­cken sich selbst*


Was ursprüng­lich Schutz war, kann spä­ter zur Bezie­hungs­dy­na­mik in sei­nen eige­nen Part­ner­schaf­ten wer­den.
Ein Klas­si­ker ist bei­spiels­wei­se dasMut­ter­söhn­chen“, also ein erwach­se­ner Mann, der in sei­ner Frau eine Art Ersatz­mut­ter sucht.

Ande­re Män­ner ver­su­chen, durch „Frau­en­ret­ten” unbe­wusst ihr „rich­ti­ges“ Mann-Sein unter Beweis zu stel­len, laut Betz eines der „teu­ers­ten und auf Dau­er frus­trie­rends­ten »Hob­bys« von Män­nern.“

Peter Pan lässt grü­ßen — und immer mit dem Bestre­ben, eine (oder meh­re­re Frau­en par­al­lel oder nach­ein­an­der) von ihrem Leid zu befrei­en und ihren Wunsch­bil­dern zu fol­gen.

Das Ergeb­nis ist nur sehr sel­ten Sta­bi­li­tät.
Son­dern meis­tens Wie­der­ho­lung.
Mit dem Ergeb­nis, dass die nächs­te Gene­ra­ti­on wie­der in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wird.

Der Weg aus der Krise: Warum weniger Perfektion zu mehr Nähe führt

Vie­le Frau­en glau­ben, stark zu sein bedeu­tet, alles im Griff zu haben. Doch in Bezie­hun­gen kann genau das zum Pro­blem wer­den.
Denn Kon­trol­le ver­hin­dert Ent­wick­lung.

Für Müt­ter ist es also Zeit, Ver­ant­wor­tung abzu­ge­ben.
Die Anthro­po­lo­gin Sarah Blaf­fer Hrdy, die vie­le Jah­re lang Eltern-Kind-Bezie­hun­gen unter­sucht hat, sieht bei­spiels­wei­se ein „gewal­ti­ges Poten­zi­al an väter­li­cher Für­sor­ge“ — und emp­fiehlt für das fei­ne müt­ter­li­che Gehör von Anfang an Oro­pax.

Denn auch Väter kön­nen ech­te Mut­ter­qua­li­tä­ten ent­wi­ckeln.
Wenn sie wol­len. Und wenn man sie lässt.

Denn wenn sich Müt­ter ein­fach taub stel­len und den Vätern den Vor­tritt las­sen, wer­den auch männ­li­che Anten­nen mit der Zeit emp­find­li­cher für’s Kind.

Müt­ter soll­ten nicht ver­su­chen, per­fekt zu sein, son­dern glück­lich.

Das bedeu­tet auch: sich nicht in eine Opfer­rol­le zu ver­stri­cken.
Nicht per­fekt sein, sich Aus­zei­ten neh­men und eige­ne Inter­es­sen und Bedürf­nis­se nicht zu ver­ges­sen — und klar zu for­mu­lie­ren, so dass auch Män­ner sie ver­ste­hen …

Denn nur eine glück­li­che und aus­ge­gli­che­ne Mut­ter kann ihren Kin­der das geben, was sie zu geben hat.

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Mental Load und Dauerstress durch People Pleasing im Alltag – ätherische Öle zur Entlastung, Entspannung und emotionalen Balance

Mental Load …

ist das Gefühl, stän­dig für alles ver­ant­wort­lich zu sein.

Es ist die men­ta­le und emo­tio­na­le Dau­er­be­las­tung durch eine nie enden­de Lis­te an Auf­ga­ben und To-Dos.
Wie Men­tal Load ent­steht – und was man dage­gen tun kann:

Abwesende Väter: Warum die Krise ein Systemproblem ist

Selbst­ver­ständ­lich ist es nicht allein die Auf­ga­be von Frau­en, ihre Män­ner „aus der Kri­se zu holen“.
Wenn Väter abwe­send sind, liegt das nicht nur an Bezie­hungs­mus­tern – son­dern auch an Ver­ant­wor­tung.

Und die gehört auf meh­re­re Schul­tern.
Män­ner müs­sen bereit sein, sich ein­zu­brin­gen, prä­sent zu sein und Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men – nicht nur orga­ni­sa­to­risch, son­dern auch emo­tio­nal.

Gleich­zei­tig braucht es aber auch ein Umfeld, das Fami­li­en nicht über­for­dert.

Denn die Rea­li­tät ist oft eine ande­re: Müt­ter stem­men Kin­der, Haus­halt und Beruf – häu­fig gleich­zei­tig und oft am Limit.
Und genau die­se Über­las­tung ist der Nähr­bo­den für die Dyna­mi­ken, die spä­ter zu Distanz, Frust und Rück­zug füh­ren.

Anthro­po­lo­gin Hrdy geht noch einen Schritt wei­ter – und stellt unser gesam­tes Fami­li­en­mo­dell infra­ge.
Aus ihrer Sicht ist die klas­si­sche Klein­fa­mi­lie kein „natür­li­cher“ Zustand, son­dern eine ver­gleichs­wei­se jun­ge Ent­wick­lung. Über Jahr­tau­sen­de hin­weg leb­ten Men­schen in grö­ße­ren Gemein­schaf­ten, in denen Ver­ant­wor­tung geteilt wur­de.

Kin­der hat­ten meh­re­re Bezugs­per­so­nen.
Müt­ter waren nicht allein zustän­dig.
Und Für­sor­ge war kei­ne Ein­zel­leis­tung.

Stu­di­en und anthro­po­lo­gi­sche Beob­ach­tun­gen zei­gen: Kin­der ent­wi­ckeln sich oft sta­bi­ler, sozi­al kom­pe­ten­ter und emo­tio­nal siche­rer, wenn sie in ein Netz­werk ein­ge­bun­den sind – statt in ein Sys­tem, das auf zwei Men­schen begrenzt ist.

Die Vor­stel­lung, dass ein ein­zel­nes Paar – unter hohem Druck und mit begrenz­ten Res­sour­cen – dau­er­haft alles leis­ten soll, wäre unter den Bedin­gun­gen unse­rer evo­lu­tio­nä­ren Ver­gan­gen­heit kaum denk­bar gewe­sen. Oder anders gesagt: Die Über­for­de­rung, die heu­te vie­le Fami­li­en erle­ben, ist kein per­sön­li­ches Ver­sa­gen.
Son­dern ein struk­tu­rel­les Pro­blem.

Viel­leicht ist die ent­schei­den­de Fra­ge also nicht nur: War­um sind Väter abwe­send?
Son­dern auch, ob es nicht an der Zeit ist, Fami­lie wie­der wei­ter zu den­ken — und ent­spre­chend zu unterstützen.

Mehr lesen:

Affä­re: Wer kennt es nicht, wenn sich der Liebs­te nach weni­gen Wochen plötz­lich rar­macht, um Bedenk­zeit bit­tet, selt­sa­me Erklä­run­gen stam­melt und schließ­lich zu einer ande­ren ent­schwin­det? Fremd­ge­hen hat aber nicht immer etwas mit Lie­be zu tun: For­scher sind einem Casa­no­va-Gen auf der Spur, das Men­schen anfäl­lig für Affä­ren macht.
Ist Fremd­ge­hen angeboren?

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phien, www​.bild​bio​gra​phien​.de, 2015, über­ar­bei­tet 2026


Buch- und Hörempfehlungen

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Das bleibt in der Familie von Sandra Konrad – wie alte Lasten unserer Familie unser Leben prägen

Die Psy­cho­lo­gin San­dra Kon­rad über unser fami­liä­res Erbe,

das manch­mal dazu führt, dass man sich immer wie­der den oder die Falsche*n aus­sucht. Über Trau­ma­ta, Bin­dungs­mus­ter und unse­re unsicht­ba­re Loya­li­tät gegen­über ver­gan­ge­nen Gene­ra­tio­nen, die zu Fall­stri­cken im Leben wer­den kön­nen. Empfehlenswert! 


Nicht ohne meine Eltern von Sandra Konrad – Buch über Ablösung von den Eltern und Prägung durch Erziehung früher

Alte Wun­den auf­de­cken, Ver­pflich­tun­gen und gegen­sei­ti­ge Erwar­tun­gen über­den­ken

und gege­be­nen­falls auf­ge­ben. In ihrem neu­en, sehr lesens­wer­ten Buch beleuch­tet die Psy­cho­lo­gin San­dra Kon­rad die Bezie­hung zwi­schen Eltern und ihren erwach­se­nen Kin­dern. Was man ändern kann und was man ändern soll­te, um einen neu­en, lie­be­vol­le­ren Umgang mit­ein­an­der — und auch mit sich selbst — zu finden.


Papa weg Mama müde Ich laut Buch von Parshad Esmaeili über Alleinerziehende und Familienalltag

Papa­ki­nd ohne Papa

Ein scho­nungs­los ehr­li­ches Buch über das Auf­wach­sen ohne prä­sen­ten Vater – und die Wucht, die das im Fami­li­en­all­tag ent­fal­ten kann. Par­shad Esmaei­li erzählt roh, direkt und berüh­rend von Über­for­de­rung, Sehn­sucht und dem Ver­such, trotz­dem wei­ter­zu­ge­hen. Kein per­fek­tes Buch – aber eines, das unter die Haut geht und lan­ge nachwirkt.


Wo ein Fuck it da ein Weg Buch von Andrea Weidlich über Selbstbestimmung und Grenzen setzen

Wer bist du? Wer möch­test du sein? Und was wür­dest du tun, wenn alles mög­lich wäre?

Die Best­sel­ler­au­torin Andrea Weid­lich über das, was mög­lich ist, wenn wir nicht mehr ver­su­chen, ande­ren alles recht zu machen. Denn die haben sehr viel mehr Mei­nung als Ahnung davon, wer wir wirk­lich sind, wie Andrea Weid­lich tref­fend bemerkt. Ein sehr inspi­rie­ren­des Buch, das sich leicht und unter­halt­sam liest. Sehr lesenswert!


Buchcover „Das Übungsheft für gute Gefühle – Grenzen setzen, Nein sagen“ – Selbstbehauptung lernen, Nein sagen und eigene Grenzen stärken

Die Kunst des “Nein-Sagens”

Ein lie­be­voll gestal­te­tes Heft aus der Rei­he “Biblio­thek der guten Gefüh­le” mit kur­zen prä­gnan­ten Tex­ten über’s Nein­sa­gen und vie­len, ein­fach zu befol­gen­den Übun­gen. Für alle, die zu oft “Ja” sagen, obwohl sie “Nein” meinen.


Das Arroganz Prinzip Buch von Peter Modler über Durchsetzungskraft und Kommunikation für Frauen

Selbst­be­haup­tung statt Aufopferung

Ein klu­ges Buch für alle, die genug davon haben, sich anzu­pas­sen und zu erklä­ren. Peter Mod­ler zeigt, wie kla­re Spra­che, Hal­tung und „stra­te­gi­sche Arro­ganz“ hel­fen kön­nen, sich end­lich durch­zu­set­zen. Kein Kuschel­kurs – son­dern ein wirk­sa­mes Werk­zeug für mehr Selbst­be­stim­mung im Alltag.


Weiterführende Beiträge über Männer, Frauen, Kinder und Lebensglück:

Frau­en ver­ste­hen: Wer schon ein­mal in die Müh­len von weib­li­chem Minus Talk oder sogar Kill Talk gera­ten ist, weiß, dass auch Frau­en nicht immer har­mo­nisch und fried­fer­tig sind. Über weib­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on, Frau­en in Füh­rung und die Sache mit der glä­ser­nen Decke.
Im Land des Lächelns: Weib­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on und ihre Tücken

Resi­li­enz: Sich sei­ner Stär­ken bewusst sein, sei­ne Glücks­quel­len fin­den, gute Bezie­hun­gen zu ande­ren haben, eige­ne Wer­te defi­nie­ren und Akzep­tanz: Das sind die 7 “DOs” der Resi­li­enz, die wir brau­chen, um unser Leben posi­tiv gestal­ten zu kön­nen.
Die Ener­gie folgt der Aufmerksamkeit

Peo­p­le Plea­sing ist der Drang, es allen ande­ren recht zu machen. Peo­p­le Plea­ser sind sehr empa­thi­sche und hilfs­be­rei­te Men­schen, die alles tun, damit es ande­ren gut­geht – bis sie nicht mehr kön­nen. Woher die Nei­gung zum Peo­p­le Plea­sing kommt, wel­che Fol­gen es für Betrof­fe­ne hat und wel­che Stra­te­gien hel­fen kön­nen, öfter „Nein“ zu sagen.
Peo­p­le Plea­sing: Es allen ande­ren recht machen


Link­emp­feh­lung:

Advent, Advent, die Mut­ter rennt: War­um Müt­ter beson­ders in der Vor­weih­nachts­zeit immer so gestresst sind — und was MANN dage­gen tun kann:
https://​www​.spie​gel​.de/​g​e​s​u​n​d​h​e​i​t​/​p​s​y​c​h​o​l​o​g​i​e​/​f​a​m​i​l​i​e​-​w​a​r​u​m​-​m​u​e​t​t​e​r​-​i​m​m​e​r​-​a​l​l​e​s​-​i​m​-​k​o​p​f​-​h​a​b​e​n​-​m​u​e​s​s​e​n​-​a​-​1​2​9​6​2​1​1​.​h​tml


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Generationengespräch

Geschich­te und Psy­cho­lo­gie
Ver­gan­ge­nes ver­ste­hen, um mit der Zukunft bes­ser klar zu kommen.


Geschichte und Psychologie Vergangenheit verstehen um mit der Zukunft besser klar zu kommen
Dr. Susanne Gebert

Gene­ra­tio­nen­ge­spräch
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Geschich­te & Psy­cho­lo­gie
Die Ver­gan­gen­heit ver­ste­hen, um mit der Zukunft bes­ser klar zu kommen

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Susan­ne Autorin bei Gene­ra­tio­nen­ge­spräch & Agen­tur für Bildbiographien
Dr. Susan­ne Gebert schreibt über Psy­cho­lo­gie, Fami­li­en­ge­schich­te und emo­tio­na­le Prä­gun­gen. In ihrem Blog „Gene­ra­tio­nen­ge­spräch“ zeigt sie, wie unse­re Kind­heit uns formt – und wie wir uns von alten Mus­tern lösen können. 

4 Kommentare zu „Warum Väter abwesend sind: Der Mann in der Krise? “

  1. Dan­ke für die Bei­spie­le in dem Arti­kel. Ich beob­ach­te auch, dass sich Frau­en mehr auf­op­fern. Ich habe sogar noch den Vater mei­nes Man­nes mit gepflegt. Nun auch noch das Home­schoo­ling für die Kin­der und Arbeit und der Haus­halt. Ich schaf­fe das nicht mehr. Ich habe für mei­nen Schwie­ger­va­ter nun eine per­sön­li­che Assis­tenz gefun­den, die auch im Haus­halt aus­hilft und den Kin­dern Essen kocht. Anders wäre es nicht mehr gegangen.

    1. … so ner­vig Home­schoo­ling für betrof­fe­ne Eltern ist, so sehr hof­fe ich ganz per­sön­lich, dass das Bezie­hungs­the­ma Haus­ar­beit jetzt auch gesell­schaft­lich und poli­tisch dis­ku­tiert wird. Klar, wir wol­len alle, dass Frau­en Kar­rie­re machen und gutes Geld ver­die­nen kön­nen — aber über das, was vie­le auch in nor­ma­len Zei­ten nach Fei­er­abend mit Haus­halt, Kin­dern und — wie in Ihrem Fall — Schwie­ger­el­tern oder Eltern leis­ten, fällt der Man­tel des Schwei­gens. Das muss sich ändern.
      Und bevor sich das ändert (… das wird laaaan­ge dau­ern …), müs­sen Frau­en eben ihre eige­nen krea­ti­ven Lösun­gen und Wege fin­den, so wie Sie es getan haben!

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