Die Marquise de Pompadour

Sex und Politik: Die Mätressenwirtschaft

Die Gelieb­te eines mäch­ti­gen Man­nes zu wer­den, war vie­le Jahr­hun­der­te lang die ein­zi­ge Mög­lich­keit für Frau­en, poli­ti­sche Macht und Ein­fluss zu bekom­men.
Beson­ders gut funk­tio­nier­ten Sex und Poli­tik im Abso­lu­tis­mus, des­sen Mätres­sen­wirt­schaft die Welt­ge­schich­te maß­geb­lich bestimm­te.

Die berühm­tes­te und ein­fluss­reichs­te „maî­tres­se en tit­re“ war die Gelieb­te des Uren­kels des Son­nen­kö­nigs, die Mar­qui­se de Pom­pa­dour, die Köni­gin der Mätres­sen. Am Ende ihres Lebens schei­ter­te sie trotz­dem


Was für ein Mann!
L’état c’est moi in voll­ende­ter Gestalt.
Ein pracht­vol­ler Staat und ein Pracht­kerl, der selbst­be­wusst Bein zeigt, ein weiß­be­strumpf­tes Bein, das den Ein­blick fast bis in den Schritt erlaubt — ein Zei­chen höchs­ten Adels.

Der französische Sonnenkönig Ludwig 14.

Die blut­ro­ten Haken an den hoch­ha­cki­gen Schu­hen sind kein modi­scher der­nier cri des 17. Jahr­hun­derts, son­dern ech­te Rang­ab­zei­chen, genau wie alles ande­re, was den Son­nen­kö­nig, oder auch Lou­is le Grand wie in die Fran­zo­sen nen­nen (fran­zö­sisch Lou­is XIV.) schmückt:
das Prunk­schwert, der her­me­lin­ge­füt­ter­te Herr­scher­man­tel, mit dem Blau und den Lili­en der Bour­bo­nen, das Königs­zep­ter und die läs­sig zur Sei­te geleg­te fran­zö­si­sche Königs­kro­ne.

Und dann die­se Haar­pracht, die mit der Potenz und Vita­li­tät ihres Trä­gers nur so protzt, und ihn end­gül­tig zum ’sexiest man ali­ve’ des 17. Jahr­hun­derts wer­den lässt.

Unglaub­li­che 72 Jah­re lang, bis zu sei­nem Tod 1715, saß der Son­nen­kö­nig auf sei­nem Thron.

In die­ser Zeit hat er der Welt ein neu­es Gesicht gege­ben.

L’état c’est moi” oder: Die Erfindung der Höflingswirtschaft

1643, Lou­is war gera­de ein­mal 4 Jah­re alt, sah es nicht so aus, als ob er jemals so selbst­be­wusst Bein zei­gen könn­te, wie er es auf dem Bild von Hyacin­the Rigaud spä­ter getan hat.
Nach­dem sein Vater gestor­ben war, hat­te er in einem Alter, in dem ande­re klei­ne Jungs gera­de sich und die Welt ent­de­cken, den fran­zö­si­schen Thron, den Her­me­lin­man­tel und eine der mäch­tigs­ten Kro­nen der Welt geerbt.

Sei­ne Mut­ter Anna von Öster­reich führ­te, unter­stützt durch den Pre­mier­mi­nis­ter ihres ver­stor­be­nen Man­nes Kar­di­nal Maza­rin, die Regent­schaft für ihren Sohn, was vie­le Adli­ge des Lan­des auf den Plan rief.

Der frans­ö­si­sche Hoch­adel revol­tier­te gegen ihren neu­en, schwa­chen klei­nen König und sei­ne ein­ge­hei­ra­te­te Mut­ter. Beson­ders bedroh­lich für ihn war die soge­nann­te Fron­de, der Auf­stand des Prin­zen von Con­dé und sei­nes Bru­ders von 1648 bis 1653, der dazu führ­te, dass Lou­is sogar aus Paris flie­hen muss­ten.

Die auf­rüh­re­ri­schen Aris­to­kra­ten konn­ten mit knap­per Not besiegt und befrie­det wer­den, Lou­is’ Kind­heits­trau­ma blieb.
Nach dem Tod von Kar­di­nal Maza­rin erklär­te der damals 22jährige, dass er von nun an selbst sein eige­ner Minis­ter wer­de und über­nahm die abso­lu­te Macht im Land.

Die Idee des könig­li­chen L’état c’est moi war gebo­ren, Her­zö­ge, Baro­ne und Gra­fen hat­ten poli­tisch nichts mehr zu sagen. Und weil der jun­ge König seit sei­ner Flucht Paris nicht mehr moch­te, ließ er sich sein Schloß Ver­sailles lie­ber außer­halb der Tore sei­ner Haupt­stadt bau­en.

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Schön kit­schig,
aber ein sehr sehens­wer­ter Man­tel-und-Degen-Spaß für ver­reg­ne­te Sonn­tag­nach­mit­ta­ge.
Sieht man sich natür­lich nur aus his­to­ri­schem Inter­es­se an, denn die Hand­lung spielt zur Zeit der Fron­de-Kämp­fe und der präch­ti­gen Kulis­se der fran­zö­si­schen Königs­zeit des 17. Jahr­hun­derts … 😉

Ber­nard Bor­de­rie (Regie), Angé­li­que, 5 DVD — Die kom­plet­te Film­rei­he*,490 Minu­ten, FSK: 16


Schäferspiele statt Politik

Lou­is Idee von der abso­lu­tis­ti­schen Allein­herr­schaft des Königs ver­brei­te­te sich wie ein Lauf­feu­er und wur­de begeis­tert von den meis­ten euro­päi­schen Königs­häu­sern auf­ge­nom­men und kopiert.
Nicht ganz so begeis­tert befolgt wur­de außer­halb Frank­reichs die Mätres­sen­wirt­schaft, auch eine Erfin­dung Lud­wigs, um die zum Nichts­tun ver­don­ner­te Aris­to­kra­tie des Lan­des mit Schä­fer­spiel­chen bei Lau­ne zu hal­ten.

Denn natür­lich gehör­te zum Amü­se­ment bei Hofe auch und vor allem Sex.
Das traf den Zeit­geist, denn beson­ders in den vor­neh­men Häu­sern war man seit Jahr­hun­der­ten dar­an gewöhnt, aus poli­ti­schen, wirt­schaft­li­chen oder dynas­ti­schen Erwä­gun­gen ver­hei­ra­tet zu wer­den; natür­lich unge­fragt und oft noch mit­ten in der Puber­tät.

Den eigent­li­chen Spaß, so war es vie­le Jahr­hun­der­te lang üblich, hol­te man sich außer Haus.
Die nun auch offi­zi­ell erwünsch­te Mätres­sen­wirt­schaft bekam dank Lou­is eine so gro­ße Bedeu­tung, dass die jeweils aktu­ell wich­tigs­te Gelieb­te des Königs dem Königs­hof offi­zi­ell als maî­tres­se en tit­re vor­ge­stellt wur­de.

Ein wei­te­rer Vor­teil von Sex und Poli­tik: den Köni­gen und Aris­to­kra­ten war das poli­ti­sche Tages­ge­schäft oft zu müh­sam — sehr zur Freu­de ihrer Gelieb­ten, die manch­mal viel Ver­gnü­gen an Macht, Ein­fluss und am Regie­ren hat­ten.

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Über Kin­der­er­zie­hung, die Bau­lust der Köni­ge,
den Puder­pe­rü­cken-Knall des Abso­lu­tis­mus und die Sor­gen und Nöte der klei­nen Leu­te, die den Adels­spaß der obe­ren Zehn­tau­send finan­zie­ren muss­ten. Bill Bry­sons groß­ar­ti­ger Streif­zug durch die Kul­tur­ge­schich­te Euro­pas. Lesens­wert!
Und sehr hörens­wert: die Audio-Ver­si­on, gele­sen von Rufus Beck.

Bill Bry­son, Eine kur­ze Geschich­te der all­täg­li­chen Din­ge*, Gold­mann Taschen­buch, 2013


Das abso­lu­tis­ti­sche Sys­tem funk­tio­nier­te für den Son­nen­kö­nig und alle sei­ne Nach­fol­ger (die natür­lich auch alle Lud­wig — Lou­is — hie­ßen) groß­ar­tig.
Bis zur Revo­lu­ti­on 1789, als der Drit­te Stand zurück­schlug, ver­elen­det und aus­ge­presst wie eine Zitro­ne, weil er den Adels­spaß bezah­len muss­te.

Bis es soweit war, hat­te der jewei­li­ge Lou­is durch die Annehm­lich­kei­ten der abso­lu­tis­ti­schen Stän­de­ge­sell­schaft sei­ne Ruhe vor dem Adel, die aris­to­kra­ti­schen Höf­lin­ge wur­den beschäf­tigt, amü­siert und durch­ge­füt­tert, und die eine oder ande­re Dame genoss poli­ti­sche Macht und Ein­fluss, den sie zu die­ser Zeit auf nor­ma­len Wege nie­mals erreicht hät­te.

Die Erben des Sonnenkönigs

So hand­hab­te es auch der Uren­kel des Son­nen­kö­nigs, Lud­wig XV. (Lud­wig 15., frz.: Lou­is quin­ze, 1710 – 1774), der vom Volk lan­ge Zeit als “der Viel­ge­lieb­te” bezeich­net wur­de.

Porträt Ludwig, der 15. von Frankreich (1748), Portrait of Louis XV of France (1710-1774), Maurice Quentin de La Tour (1748), Louvre Museum, Gemeinfrei

Lou­is war wie sein Urgroß­va­ter ein gut aus­se­hen­der Mann mit einem leich­ten Hang zur Melan­cho­lie — und der Groß­va­ter jenes unglück­li­chen 16. Lud­wigs, der 1792 in den Wir­ren der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on sei­nen Kopf ver­lie­ren wird. 
Mit sei­ner Frau, Köni­gin Maria Les­z­c­zyns­ka, hält der viel­ge­lieb­te Lou­is schon lan­ge kei­nen Bei­schlaf mehr — das ist bei Hofe eine öffent­li­che Ange­le­gen­heit, des­we­gen weiß es auch jeder.

Die Thron­fol­ge ist gesi­chert, und Lud­wig ver­gnügt sich mit sei­nen Favo­ri­tin­nen, allen vor­an sei­ner lang­jäh­ri­gen offi­zi­el­len Mätres­se Marie Anne de Mail­ly, und ihren Schwes­tern.
Nur wenn eine sei­ner Mätres­sen stirbt oder er selbst krank dar­nie­der­liegt, schwört Lud­wig für kur­ze Zeit der “Mätres­sen­wirt­schaft” ab — schließ­lich ist er wie alle Bour­bo­nen streng katho­lisch und der Kle­rus — die Geist­lich­keit — ist nicht nur der Ers­te Stand im Staat, son­dern äußert gele­gent­lich lei­ses Unbe­ha­gen über die geleb­te Untreue­pra­xis bei Hofe (wobei die meis­ten Bischö­fe und Kar­di­nä­le per­sön­lich nichts gegen ein, zwei Mätres­sen ein­zu­wen­den hat­ten).

Wenn er nicht krank ist, hält es Lou­is so wie alle ande­ren gesell­schaft­lich hoch­ge­stell­ten Her­ren.
Umge­kehrt ist es für die Damen der Gesell­schaft sehr attrak­tiv, die Gelieb­te eines ein­fluss­rei­chen Man­nes zu sein; sie bekom­men dadurch selbst viel Ein­fluss, wenn sie klug genug sind, ihre Posi­ti­on zu nut­zen

Die Marquise de Pompadour, Madame de Pompadour, détail du visage (1721-1764), Wallace Collection
Madame de Pom­pa­dour, détail du visa­ge (1721–1764), Wal­lace Collec­tion

Genau das will Jean­ne Antoi­net­te Pois­son errei­chen, eine jun­ge Dame der nicht-so-fei­nen-Gesell­schaft und von zwei­fel­haf­ter Her­kunft.
Bei­des ist prin­zi­pi­ell kein Pro­blem, wenn man die Gelieb­te des Königs wer­den will.

Nur eine unüber­wind­ba­re Hür­de gibt es:
Jean­ne Antoi­net­te ist eine Bür­ger­li­che und kein König Frank­reichs hat sich bis­lang mit einer aus dem Drit­ten Stand ein­ge­las­sen.
Bis­lang.

Wie man einen König erobert

Jean­ne Antoi­net­te wur­de 1721 in Paris in etwas unkla­ren Fami­li­en­ver­hält­nis­sen gebo­ren.
Jean­nes Mut­ter ist eine stadt­be­kann­te Mätres­se, die mit Ein­wil­li­gung ihres Man­nes Affä­ren mit zahl­rei­chen wich­ti­gen Män­nern hat. Einer davon ist ver­mut­lich Jean­nes leib­li­cher Vater.

Marquise de Pompadour, François Boucher

Ihr offi­zi­el­ler Vater Pois­son (Pois­son zu Deutsch: Fisch) ist ein Finanz­mann, der durch nicht immer ganz sau­be­re Finanz­ge­schäf­te den pom­pö­sen Lebens­stil des über­schul­de­ten fran­zö­si­schen Hof­staats mit­fi­nan­ziert.

Als jun­ges Mäd­chen erlebt Jean­ne, wie ihr offi­zi­el­ler Vater Pois­son wegen sei­ner Geld­ge­schäf­te in Miss­kre­dit gerät und nach Ham­burg flie­hen muss, um einer dro­hen­den Todes­stra­fe zu ent­kom­men.

Die Flucht des Vaters bedeu­tet für sie und ihre Mut­ter den finan­zi­el­len Absturz und eine Zeit lang leben bei­de in ver­gleichs­wei­se beschei­de­nen Ver­hält­nis­sen.
Aber Jean­ne Antoi­net­te ist hübsch, intel­li­gent, ehr­gei­zig und begabt, und ihr bio­lo­gi­scher Vater beginnt, sich für sie zu inter­es­sie­ren. Sie erhält eine gute Schul­bil­dung, außer­dem Gesangs-, Schau­spiel- und Tanz­un­ter­richt, und wird zu einer Art Kin­der­star der fei­nen Pari­ser Gesell­schaft.

Schließ­lich arran­giert Jean­nes Ver­mut­lich-Vater die Hoch­zeit mit sei­nem Nef­fen.
Die Ehe bringt ihr zwar immer noch kei­nen Adels­ti­tel (und damit die Ein­tritts­kar­te in die bes­se­re Gesell­schaft), aber immer­hin das Schlöss­chen Etiol­les, das in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft von Schloss Choi­sy liegt, dem Jagd­schloss des Königs.

Jean­ne hat einen Plan: Trotz Ehe und klei­ner Toch­ter will sie kei­ne bra­ve Ehe­frau und Mut­ter sein, das liegt ihr nicht. Wie ihre Mut­ter will sie die Mätres­se eines ein­fluss­rei­chen Man­nes wer­den, aber nur in der B-Liga möch­te sie nicht spie­len.
Das Objekt ihrer Wün­sche: der König. Ein ver­we­ge­ner Plan für eine Bür­ger­li­che.

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… braucht kein Mensch.
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Als Jean­ne Antoi­net­te erfährt, dass König Lou­is und sei­ne Gesell­schaft zur Jagd nach Choi­sy gekom­men sind, ‘parkt’ sie ihre Kut­sche auf einem Wald­weg so, dass sie der köng­li­chen Jagd­ge­sell­schaft den Weg ver­sperrt. Sie dra­piert sich in eine auf­fäl­li­ge Robe und war­tet.

Das War­ten lohnt sich. Der König, durch die Kut­sche am Wei­ter­rei­ten in sein Jagd­re­vier gehin­dert, hält an, sieht sie und ist sofort Feu­er und Flam­me.
Man plau­dert und Jean­ne Antoi­net­te erhält eine Ein­la­dung für den nächs­ten Hof­ball in Ver­sailles.

Weni­ge Bäl­le spä­ter wird sie die Gelieb­te Lud­wigs, kurz dar­auf, im Jahr 1744, mit 23 Jah­ren sei­ne offi­zi­el­le „maî­tres­se en tit­reund als Mar­qui­se de Pom­pa­dour die wich­tigs­te und ein­fluss­reichs­te Mätres­se der Welt­ge­schich­te.

Von mächtigen Frauen umzingelt: Friedrich der Große

Zwan­zig Jah­re lang bleibt die Mar­qui­se de Pom­pa­dour die Haupt­ge­lieb­te und engs­te Bera­te­rin des Königs.
Mit den Wor­ten „Bes­ser die als eine ande­re“ hat sich Lud­wigs Ehe­frau mit der neu­en Mätres­se ihres Man­nes — und ihrer neu­en Hof­da­me als beson­de­re Aner­ken­nung für die Gelieb­te — abge­fun­den; anders als die adli­gen Höf­lin­ge, denn als Bür­ger­li­che ist sie in eine der letz­ten Bas­tio­nen der Aris­to­kra­tie ein­ge­bro­chen.

Als Lou­is sei­ne Jagd­e­r­obe­rung, der er zuvor vor­sorg­lich noch den Titel einer Mar­qui­se ver­passt hat, dem Hof­staat als sei­ne neue offi­zi­el­le „maî­tres­se en tit­re vor­stellt, gera­ten die fei­nen Höf­lin­ge in hel­le Auf­re­gung und es kommt fast zur Palast-Revol­te.

Zwi­schen dem König und sei­ner 23jährigen Madame de Pom­pa­dour scheint es ech­te Lie­be zu sein.
Zumin­dest gutes Team­work. Als offi­zi­el­le Mätres­se lebt sie in Gemä­chern, die nahe bei denen des Königs lie­gen, unter­hält ihn, umschifft alle höfi­schen Intri­gen, die sie bloß­stel­len sol­len, und arbei­tet sich mit Fleiß und Akri­bie nicht nur in die Fein­hei­ten des Hof­staa­tes, son­dern auch in die Staats­ge­schäf­te Frank­reichs ein.

Wer etwas von ihm will, wen­det sich lie­ber gleich an sie und nicht an sei­ne Minis­ter.
Das gilt auch für Köni­ge und Staats­män­ner, ein Umstand, über den sich Preu­ßens König Fried­rich II. — Fried­rich der Gro­ße — maß­los ärgert und der dazu führt, dass er sich bei sei­nem Ver­trau­ten Vol­taire bit­ter über beklagt.

Aus­ge­rech­net bei dem. Die Pom­pa­dour ist nicht nur klug und char­mant, son­dern auch eine ein­fluss­rei­che und wohl­ha­ben­de Mäze­nin: Vor­aus­schau­end, wie sie ist, unter­stützt sie natür­lich die gro­ßen Künst­ler und Den­ker ihrer Zeit finan­zi­ell, dar­un­ter selbst­ver­ständ­lich auch Rous­se­au und Vol­taire.

Flötenkonzert Friedrichs II. in Sanssouci (Gemälde von Adolph Menzel, 1850–52)
Flö­ten­kon­zert Fried­richs II. in Sans­sou­ci (Gemäl­de von Adolph Men­zel, 1850–52) Von Adolph Men­zel, Gemein­frei



Kur­ze Zeit spä­ter bekam Fried­rich Ärger mit Frank­reich, und das lag wohl auch dar­an, dass er sich über die Pom­pa­dour so laut geär­gert und beklagt hat­te.

Der gro­ße Fried­rich kann ein­fach nicht mit Frau­en, schon gar nicht mit mäch­ti­gen.
Auch mit den ande­ren bei­den Herr­sche­rin­nen sei­ner Zeit ver­scherzt er es sich: Die rus­si­sche Zarin Katha­ri­na die Gro­ße ver­grätz­te er damit, dass er sie öffent­lich als „wol­lüs­tig“ bezeich­net, und mit Öster­reichs Kai­se­rin Maria The­re­sia gibt es sowie­so stän­dig Zoff.

Mög­li­cher­wei­se ist es kein Zufall, dass Fried­richs Arme­en wäh­rend des Sie­ben­jäh­ri­gen Krie­ges gegen die Sol­da­ten der drei mäch­tigs­ten Frau­en der Welt jener Zeit kämp­fen muss­ten.

Das Ende der Pompadour

Doch auch die Pom­pa­dour ist nicht unan­greif­bar.
1754 stirbt ihr ein­zi­ges Kind Alex­an­dri­ne, das klei­ne Mäd­chen aus ihrer Ehe, im Alter von zehn Jah­ren. Jean­ne Antoi­net­te hat ihre Toch­ter, die zeit­ge­mäß in einem Klos­ter unter­ge­bracht war und dort erzo­gen wur­de, fast nie gese­hen, hing aller­dings an ihr und betrau­ert ihren Tod.

Das umso mehr, weil sie offen­bar kei­ne wei­te­ren Kin­der bekom­men kann.
Nach meh­re­ren Fehl­ge­bur­ten muss sie sich damit abfin­den, dass sie von Lud­wig kein Kind haben wird, was ihre Posi­ti­on unge­mein schwächt.

1756 beginnt der Sie­ben­jäh­ri­ge Krieg, eine Art inof­fi­zi­el­ler Welt­krieg, in dem Öster­reich, Frank­reich, Russ­land, Schwe­den, Spa­ni­en und Sach­sen gegen Bri­ten, Preu­ßen, Han­no­ver, Hes­sen-Kas­sel, Braun­schweig und Gotha kämpf­ten, und der von der Pom­pa­dour poli­tisch gewollt und mas­siv unter­stützt wur­de.

Er wird für Frank­reich zum Deba­kel, schwächt das Land, nimmt ihm die Posi­ti­on als Welt­macht und leert die Staats­kas­sen.
Im Volk rumort es, und Lud­wig der 15., einst der “Viel­ge­lieb­te”, ver­liert an Anse­hen. Der eigent­li­che Volks­zorn trifft aller­dings sie, denn nicht ohne Grund gilt sie als Strip­pen­zie­he­rin am Hof.

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Welt­ge­schich­te zum Anhö­ren
Eben­so wit­zig wie infor­ma­tiv ist die­ses Hör­buch zur bril­lan­ten sechs­tei­li­gen ZDF-Rei­he von Hans-Chris­ti­an Huf und Gero von Boehm, wun­der­bar und augen­zwin­kernd gespro­chen von Hape Ker­ke­ling.
Uner­reicht hörens­wert!

Hans-Chris­ti­an Huf, Gero von Boehm, Unter­wegs in der Welt­ge­schich­te*, Ran­dom House Audio, 2011, März 2015


Die stän­di­gen Anfein­dun­gen set­zen ihr zu, außer­dem wirft ihr der König vor, ihr feh­le das Feu­er, das er brau­che.
Ver­mut­lich wegen einer Geschlechts­krank­heit lei­det sie unter Schmer­zen, ver­sucht aber tap­fer, ihr Feu­er durch Sel­le­rie­süpp­chen, Trüf­fel und ande­re aphro­di­sie­ren­de Spei­sen erneut zu ent­fa­chen.

Es nützt nichts.
Sie ist vier­zig Jah­re alt, ihre Schön­heit beginnt zu wel­ken, ver­mut­lich lei­det sie auch an Tuber­ku­lo­se.

Doch ihr größ­tes Unglück ist, dass sie schließ­lich die Lie­be ihres Königs ver­liert: Er wird Vater eines Soh­nes — dem Kind einer ande­ren.
Lou­is hat sich in die zwan­zig­jäh­ri­ge Anne Cou­pier ver­liebt, wie die Pom­pa­dour eine Bür­ger­li­che, der er ein Haus außer­halb des Palas­tes bau­en lässt.

Eifer­süch­tig beob­ach­tet Jean­ne Antoi­net­te ihre Riva­lin und deren klei­nen Sohn.
Ihre Eifer­sucht ist exis­ten­zi­ell: Mit gro­ßer Sor­ge fürch­tet sie, ihren Titel als „maî­tres­se en tit­re“ aberkannt zu bekom­men und vom Hof gejagt zu wer­den.

Der Tod kommt allem zuvor: Im April 1764 stirbt sie an einer Lun­gen­ent­zün­dung und hat die zwei­fel­haf­te Ehre, als ers­te Mätres­se in der Geschich­te Frank­reichs aus den könig­li­chen Gemä­chern von Ver­sailles zu Gra­be getra­gen zu wer­den.

Sie wur­de 43 Jah­re alt.


Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www​.bild​bio​gra​phi​en​.de, 2017, über­ar­bei­tet 2019

Lesen Sie im nächs­ten Bei­trag: Mut­ter­lie­be, wah­re Lie­be und das Schei­dungs­recht kamen in Euro­pa als Fol­ge der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on und mit Napo­le­on in Mode. Mehr über die “neu­en” gro­ßen Gefüh­le:
Mätres­sen­wirt­schaft, Revo­lu­ti­on und die gro­ße Lie­be

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Nach wie vor die bes­te Emp­feh­lung für alle, die Spaß an ‘Geschich­te durch Geschich­ten’ haben.
Unter­halt­sam und wit­zig geschrie­ben, mit vie­len Details, durch die man ein­fach bes­ser ver­steht, war­um “es so ist, wie es ist.” Sehr hörens­wert ist übri­gens auch die Audio-Ver­si­on, gele­sen von Rufus Beck.

Bill Bry­son, Eine kur­ze Geschich­te der all­täg­li­chen Din­ge*, Gold­mann Taschen­buch, 2013

Intri­gen bei Hofe, die wun­der­ba­ren Gär­ten von Ver­sailles,
groß­ar­ti­ge Kos­tü­me und tol­le Schau­spie­ler. Ein Film, der hin­ter den Kulis­sen einen span­nen­den Ein­blick in die Sit­ten und Gebräu­che des Hof­staats des Son­nen­kö­nigs bie­tet.
Sehens­wert!

Alan Rick­mann (Regie), Die Gärt­ne­rin von Ver­sailles*,Uni­ver­sal Pic­tures Ger­ma­ny GmbH, 2015 FSK: 6

Eine sehens­wer­te Ver­fil­mung der 18 Roma­ne von Anne Golon.
Ero­tik, Aben­teu­er, ein biss­chen Herz-Schmerz, die präch­ti­ge Kulis­se der fran­zö­si­schen Königs­zeit des 17. Jahr­hun­derts — und Miche­le Mer­cier! — machen aus Angé­li­que einen Ever­green, der ein ver­reg­ne­tes Wochen­en­de oder einen trü­ben Tag wun­der­bar auf­hel­len kann.

Ber­nard Bor­de­rie (Regie), Angé­li­que, 5 DVD — Die kom­plet­te Film­rei­he*,490 Minu­ten, FSK: 16

Ein span­nen­des Buch
über die Zeit, als alle, die in Euro­pa Rang und Namen hat­ten (… und etwas zu sagen …) mit­ein­an­der ver­wandt waren.
Sehr unter­halt­sam und mit fei­ner Iro­nie geschrie­ben — infor­ma­tiv und lesens­wert!

Leon­hard Horow­ski, Das Euro­pa der Köni­ge*, Rowohlt Buch­ver­lag, März 2017, 1120 Sei­ten

5000 Jah­re Welt­ge­schich­te:
Das bril­lan­te Begleit­buch der sechs­tei­li­gen ZDF-Rei­he von Hans-Chris­ti­an Huf und Gero von Boehm, wun­der­bar und augen­zwin­kernd gespro­chen von Hape Ker­ke­ling. Uner­reicht hörens­wert!

Hans-Chris­ti­an Huf, Gero von Boehm, Unter­wegs in der Welt­ge­schich­te*, Ran­dom House Audio, 2011, März 2015

Die fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on der Jah­re 1789 bis 1794
in tol­len Bil­dern und eben­so span­nend wie authen­tisch erzählt.
Fängt man ein­mal damit an, kann man nicht mehr auf­hö­ren — sehens­wert!

Klaus Maria Bran­dau­er, Jane Sey­mour und vie­le mehr, Die Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on — Jah­re des Zorns*, Ali­ve — Ver­trieb und Marketing/DVD, Juli 2017, FSK: 12


Wei­ter­füh­ren­de Bei­trä­ge:

Arran­gier­te Ehen: Der Prince of Wales Geor­ge kann sei­ne Finan­zen nicht in Ord­nung hal­ten. Von sei­nem auf­wän­di­gen Lebens­stil fast rui­niert, wil­ligt er schließ­lich in einen Hei­rats­han­del mit dem Par­la­ment ein: Sei­ne Schul­den wer­den bezahlt, dafür hei­ra­tet er sei­ne Cou­si­ne Caro­li­ne von Braun­schweig. Der ein­zi­ge Makel: Das Braut­paar kann sich nicht aus­ste­hen.
Sze­nen einer arran­gier­te Ehe

Rous­se­au: Mit “Mut­ter­lie­be” hat der fran­zö­si­sche Phi­lo­soph Jean-Jac­ques Rous­se­au nichts im Sinn, als er 1762 sei­nen Roman “Emi­le oder über die Erzie­hung” ver­öf­fent­lich­te, eigent­lich woll­te er ein Zei­chen gegen die fest­zemen­tier­te abso­lu­tis­ti­sche Stän­de­ge­sell­schaft set­zen.
Rund 40 Jah­re spä­ter ist Rous­se­au post­hum zum Hel­den der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on gewor­den und “Emi­le” zur Grund­la­ge moder­ner Erzie­hung.
Die Erfin­dung der Mut­ter­lie­be

Lie­be: Wer kennt es nicht, wenn sich nach weni­gen Wochen gro­ßer Lie­be, in denen See­len­ver­wandt­schaf­ten ent­deckt und Zukunfts­plä­ne geschmie­det wer­den, der ange­him­mel­te Liebs­te plötz­lich rar­macht, um Bedenk­zeit bit­tet, selt­sa­me Erklä­run­gen stam­melt und schließ­lich zu einer ande­ren ent­schwin­det? Ist das Psy­cho­lo­gie oder doch wie­der nur ein mise­ra­bler männ­li­cher Hor­mon­haus­halt?
Ist Fremd­ge­hen ange­bo­ren?

Das Genera­tionengs­präch über ein Jahr­hun­dert der Auf- und Umbrü­che, der Revo­lu­tio­nen und der Erfin­dung von Mut­ter- und roma­ti­scher Lie­be. Das Jahr­hun­dert der Auf­klä­rung und der “Aus­gang des Men­schen aus sei­ner selbst­ver­schul­de­ten Unmün­dig­keit”.
Das 18. Jahr­hun­dert

Kind­heit & Lebens­glück: Die Kind­heit ist die prä­gends­te Zeit in unse­rem Leben. Über Müt­ter und Väter, Geschwis­ter­lie­be, trans­ge­nera­tio­na­le Ver­er­bung und Kind­heits­mus­ter, die uns unser gesam­tes Leben beglei­ten.
Kin­der, Kin­der

Bild­nach­wei­se:

Lud­wig XIV. im Krö­nungs­or­nat (Por­trät von Hyacin­the Rigaud, 1701) Von Unbe­kannt – wart​burg​.edu, Gemein­frei

Por­trait of Lou­is XV of Fran­ce (1710–1774), Mau­rice Quen­tin de La Tour (1748), Lou­vre Muse­um, Gemein­frei

Madame de Pom­pa­dour, détail du visa­ge (1721–1764), Wal­lace Collec­tion

Mar­qui­se de Pom­pa­dour, François Bou­cher, 1756 – Unbe­kannt, Gemein­frei

Flö­ten­kon­zert Fried­richs II. in Sans­sou­ci (Gemäl­de von Adolph Men­zel, 1850–52) Von Adolph Men­zel, Gemein­frei

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