Marquise de Pompadour: Die mächtigste Mätresse Frankreichs

Das 18. Jahrhundert

Die Marquise de Pompadour


Die Gelieb­te eines mäch­ti­gen Man­nes zu wer­den, war vie­le Jahr­hun­der­te lang die ein­zi­ge Mög­lich­keit für Frau­en, poli­ti­sche Macht und Ein­fluss zu bekom­men.

Die berühm­tes­te und ein­fluss­reichs­te Gelieb­te, die offi­zi­el­le Mätres­se — „maî­tres­se en tit­re“ - des Uren­kels des Son­nen­kö­nigs, war die Mar­qui­se de Pom­pa­dour. Am Ende ihres Lebens schei­ter­te sie trotzdem

Marquise de Pompadour am Hof von Versailles – berühmte Mätresse von Ludwig XV. und einflussreiche Frau des französischen Absolutismus

Der Sonnenkönig Ludwig XIV.

Was für ein Mann!
L’é­tat c’est moi in voll­ende­ter Gestalt. Ein pracht­vol­ler Staat und ein Pracht­kerl, der selbst­be­wusst Bein zeigt.

Ein weiß­be­strumpf­tes Bein, das den Ein­blick fast bis in den Schritt erlaubt — ein Zei­chen höchs­ten Adels.

Ludwig XIV. im Krönungsornat – Absolutismus in Versailles vor der Revolution und der Entstehung der großen Liebe

Lud­wig der 14. im Krönungsornat 

Die blut­ro­ten Absät­ze und Ver­zie­run­gen an den Schu­hen sind kein modi­scher Schnick­schnack des 17. Jahr­hun­derts, son­dern Zei­chen sei­ner Macht und Stel­lung.

Und dann die­se wal­len­de Haar­pracht, ganz der­nier cri sei­ner Zeit, die mit der Potenz und Vita­li­tät ihres Trä­gers nur so protzt, und ihn end­gül­tig zu einem Brad Pitt des 17. Jahr­hun­derts macht.

Ein König. Und was für einer!

Als ob das nicht schon genug für Schnapp­at­mung sor­gen wür­de, schmückt sich Lou­is XIV. — Lud­wig der Vier­zehn­te - mit Prunk­schwert, dem üppi­gen her­me­lin­ge­füt­ter­te Herr­scher­man­tel mit dem Blau und den Lili­en der Bour­bo­nen, dem Königs­zep­ter und der läs­sig zur Sei­te geleg­ten fran­zö­si­schen Königs­kro­ne.

Er ist der Son­nen­kö­nig, von den Fran­zo­sen auch Lou­is le Grand genannt: der Erfin­der des Abso­lu­tis­mus und der Mätres­sen­wirt­schaft.

Unglaub­li­che 72 Jah­re lang, vom Klein­kind bis zu sei­nem Tod 1715, saß die­ser Lud­wig als Son­nen­kö­nig auf sei­nem Thron und hat der Welt ein neu­es Gesicht gegeben.

Létat, c’est moi: Die Erfindung der Höflingswirtschaft

Als Lou­is 4 Jah­re alt ist, damals, im Jahr 1643, sieht es nicht so aus, als ob er jemals so selbst­be­wusst Bein zei­gen könn­te, wie er es auf dem Bild von Hya­c­in­the Rigaud spä­ter getan hat.

In einem Alter, in dem Kin­der­gar­ten­kin­der nor­ma­ler­wei­se sich selbst und die Welt ent­de­cken, hat er nach dem frü­hen Tod sei­nes Vaters den fran­zö­si­schen Thron inklu­si­ve Her­me­lin­man­tel und eine der mäch­tigs­ten Kro­nen der Welt geerbt.

Sei­ne Mut­ter Anna von Öster­reich führ­te, unter­stützt durch den Pre­mier­mi­nis­ter ihres ver­stor­be­nen Man­nes Kar­di­nal Maza­rin, die Regent­schaft für ihren Sohn.

Eine Öster­rei­che­rin als de fac­to Herr­sche­rin Frank­reichs?
Das ruft in Frank­reich den Adel auf den Plan. Der fran­zö­si­sche Hoch­adel revol­tier­te gegen ihren neu­en, schwa­chen klei­nen König und sei­ne ein­ge­hei­ra­te­te öster­rei­chi­sche Mut­ter.

Beson­ders bedroh­lich für ihn war die soge­nann­te Fron­de, der Auf­stand des Prin­zen von Con­dé und sei­nes Bru­ders von 1648 bis 1653, der dazu führ­te, dass Lou­is nebst Mut­ter und Hof­staat sogar aus Paris flie­hen mussten.

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Zwi­schen Fron­de-Kämp­fen, höfi­schen Macht­spie­len und gro­ßer Lei­den­schaft wird das Frank­reich des Son­nen­kö­nigs zur Büh­ne für Aben­teu­er, Herz­schmerz und jede Men­ge Dra­ma.

Alt, aber sehr sehenswert!

Die auf­rüh­re­ri­schen Aris­to­kra­ten kön­nen mit knap­per Not besiegt und befrie­det wer­den, aber Lou­is’ Kind­heits­trau­ma vom Adel, der ihm an den Her­me­lin­kra­gen will, bleibt.

Nach dem Tod von Kar­di­nal Maza­rin erklärt der mitt­ler­wei­le 22 Jah­re jun­ge König, dass er von nun an selbst sein eige­ner Minis­ter wer­de, und über­nimmt die abso­lu­te Macht im Land.

Die Idee des könig­li­chen L’é­tat c’est moi - der Staat bin ich! — ist gebo­ren.
Her­zö­ge, Baro­ne und Gra­fen haben in Frank­reich ab da poli­tisch nichts mehr zu sagen.

Und weil der jun­ge König seit sei­ner Flucht Paris nicht mehr mag, lässt er sich sein Schloss Ver­sailles lie­ber außer­halb der Tore sei­ner Haupt­stadt bauen.

Absolutismus: Schäferspiele statt Politik

Lou­is’ Idee von der abso­lu­tis­ti­schen Allein­herr­schaft des Königs ver­brei­te­te sich wie ein Lauf­feu­er und wur­de begeis­tert von den ande­ren euro­päi­schen Königs­häu­sern auf­ge­nom­men und kopiert.

Der Adel wird zu aris­to­kra­ti­schen Höf­lin­gen degra­diert, die man am könig­li­chen Hof beschäf­tigt, amü­siert, mit Sex bespaßt und opu­lent durch­füt­tert. So kommt nie­mand mehr auf dum­me Gedan­ken und zet­telt eine Revo­lu­ti­on an.

Das abso­lu­tis­ti­sche Sys­tem funk­tio­niert für den Son­nen­kö­nig und sei­ne Nach­fol­ger (die natür­lich auch alle Lud­wig — Lou­is — hie­ßen) groß­ar­tig.

Bis zur Revo­lu­ti­on 1789, das Jahr, in dem der Drit­te Stand zurück­schlug.
Denn die ein­fa­chen Leu­te waren es, die den Adels­spaß bezah­len muss­ten, und dafür wie Zitro­nen aus­ge­presst und immer ärmer wur­den.

Bis es soweit war, hat­te der jewei­li­ge Lou­is durch die Annehm­lich­kei­ten der abso­lu­tis­ti­schen Stän­de­ge­sell­schaft sei­ne Ruhe vor dem Adel.

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Über Kindererziehung, die Baulust der Könige

den Puder­pe­rü­cken-Knall des Abso­lu­tis­mus und die Sor­gen und Nöte der klei­nen Leu­te, die das leich­te Leben der obe­ren Zehn­tau­send finan­zie­ren muss­ten.

Bill Bry­sons groß­ar­ti­ger Streif­zug durch die Kul­tur­ge­schich­te Euro­pas. Lesens­wert! (Sehr hörens­wert ist übri­gens auch die Audio-Ver­si­on, gele­sen von Rufus Beck) 

Mätressenwirtschaft: Sex und Politik

Nicht ganz so begeis­tert befolgt wur­de außer­halb Frank­reichs die Mätres­sen­wirt­schaft, auch eine Erfin­dung Lud­wigs, um die zum Nichts­tun ver­don­ner­te Aris­to­kra­tie des Lan­des mit Schä­fer­spiel­chen bei Lau­ne zu hal­ten.

Das traf den Zeit­geist, denn beson­ders in den vor­neh­men Häu­sern war man seit Jahr­hun­der­ten dar­an gewöhnt, aus poli­ti­schen, wirt­schaft­li­chen oder dynas­ti­schen Erwä­gun­gen ver­hei­ra­tet zu wer­den; natür­lich unge­fragt und oft noch mit­ten in der Puber­tät.

Den eigent­li­chen Spaß, so war es vie­le Jahr­hun­der­te lang üblich, hol­te man sich außer Haus.

Die nun auch offi­zi­ell erwünsch­te Mätres­sen­wirt­schaft bekam dank Lou­is eine so gro­ße Bedeu­tung, dass die jeweils aktu­ell wich­tigs­te Gelieb­te des Königs dem Königs­hof offi­zi­ell als maî­tres­se en tit­re vor­ge­stellt wur­de.

Für Frau­en mit Ambi­tio­nen war es DIE Gele­gen­heit.
Denn die Gelieb­te eines mäch­ti­gen Man­nes zu sein, war vie­le Jahr­hun­der­te lang die ein­zi­ge Mög­lich­keit für Frau­en, poli­ti­sche Macht und Ein­fluss zu bekom­men.

Und weil vie­len Köni­gen und Aris­to­kra­ten das poli­ti­sche Tages­ge­schäft zu müh­sam war, hat die Mätres­sen­wirt­schaft des Abso­lu­tis­mus die Welt­ge­schich­te maß­geb­lich beeinflusst.

Ludwig, der 15.: Der Erbe des Sonnenkönigs

Auch der Uren­kel des Son­nen­kö­nigs, Lud­wig der Fünf­zehn­te (frz.: Lou­is quin­ze, 1710 – 1774), war ein gut­aus­se­hen­der Mann, aller­dings mit einem Hang zur Melancholie.

Ludwig XV. von Frankreich im Porträt von Maurice Quentin de La Tour aus dem Jahr 1748

Lud­wig XV., der „Viel­ge­lieb­te“, führ­te Frank­reich durch Glanz, Luxus und den lang­sa­men Nie­der­gang des Abso­lu­tis­mus. (Por­trät 1748)

Lan­ge Zeit galt er beim Volk als „der Viel­ge­lieb­te”.

Aller­dings beginnt wäh­rend sei­ner Regent­schaft der Abstieg des abso­lu­tis­ti­schen Frank­reichs, was sei­nem Enkel, dem unglück­li­chen 16. Lud­wig, 1792 in den Wir­ren der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on den Kopf kos­ten wird.

Das hat auch etwas mit Lud­wigs Wahl sei­ner offi­zi­el­len Mätres­se, der maî­tres­se en tit­re, zu tun.

Mit sei­ner Frau, Köni­gin Maria Leszc­zyns­ka, hält der viel­ge­lieb­te Lou­is schon lan­ge kei­nen Bei­schlaf mehr — das ist bei Hofe eine öffent­li­che Ange­le­gen­heit, des­we­gen weiß es auch jeder.

Die Thron­fol­ge ist gesi­chert, und so hat Lud­wig freie Bahn und ver­gnügt sich mit sei­nen Favo­ri­tin­nen, allen vor­an sei­ner lang­jäh­ri­gen offi­zi­el­len Mätres­se Marie Anne de Mail­ly, und ihren Schwes­tern.

Wenn eine sei­ner Mätres­sen stirbt oder er selbst krank dar­nie­der­liegt, schwört Lud­wig aus Sor­ge um sein See­len­heil für kur­ze Zeit der Mätres­sen­wirt­schaft ab, denn eigent­lich ist man bei Hofe katho­lisch.

Wenn er nicht krank ist, hält es Lou­is so wie alle ande­ren gesell­schaft­lich hoch­ge­stell­ten Herren.

Madame de Pompadour alias Jeanne Antoinette Poisson – berühmte Mätresse von Ludwig XV. am Hof von Versailles

Jean­ne Antoi­net­te Pois­son (1721–1764) wur­de als Madame de Pom­pa­dour zu einer der mäch­tigs­ten Frau­en Europas.

Umge­kehrt ist es für die Damen der Gesell­schaft sehr attrak­tiv, die Gelieb­te eines ein­fluss­rei­chen Man­nes zu sein; sie bekom­men dadurch selbst viel Ein­fluss, wenn sie klug genug sind und ihre Posi­ti­on nut­zen.

Genau das will Jean­ne Antoi­net­te Pois­son errei­chen, eine jun­ge Dame der nicht-so-fei­nen-Gesell­schaft und von zwei­fel­haf­ter Herkunft.

Nur eine unüber­wind­ba­re Hür­de gibt es: Jean­ne Antoi­net­te ist eine Bür­ger­li­che und kein König Frank­reichs hat sich bis­lang mit einer aus dem Drit­ten Stand ein­ge­las­sen.
Bis­lang.

Die Marquise de Pompadour: Der Aufstieg einer Bürgerlichen

Jean­ne Antoi­net­te wur­de 1721 in Paris in etwas unkla­ren Fami­li­en­ver­hält­nis­sen gebo­ren.
Jean­nes Mut­ter ist eine stadt­be­kann­te Mätres­se, die mit Ein­wil­li­gung ihres Man­nes Affä­ren mit zahl­rei­chen wich­ti­gen Män­nern hat. Einer davon ist ver­mut­lich Jean­nes leib­li­cher Vater.

Jean­nes offi­zi­el­ler Vater Pois­son (Pois­son zu Deutsch: Fisch) ist ein Finanz­mann, der durch nicht immer ganz sau­be­re Finanz­ge­schäf­te den pom­pö­sen Lebens­stil des über­schul­de­ten fran­zö­si­schen Hof­staats mit­fi­nan­ziert.

Als jun­ges Mäd­chen muss Jean­ne mit­er­le­ben, wie ihr Zieh­va­ter Pois­son wegen sei­ner Geld­ge­schäf­te in Miss­kre­dit gerät und nach Ham­burg flie­hen muss, um einer dro­hen­den Todes­stra­fe zu ent­kom­men.

Die Flucht des Vaters bedeu­tet für sie und ihre Mut­ter den finan­zi­el­len Absturz und eine Zeit lang leben bei­de in ver­gleichs­wei­se beschei­de­nen Ver­hält­nis­sen.

Aber Jean­ne Antoi­net­te ist hübsch, intel­li­gent, ehr­gei­zig und begabt, und ihr mut­maß­li­cher bio­lo­gi­scher Vater beginnt, sich für sie zu inter­es­sie­ren. Sie erhält eine gute Schul­bil­dung, außer­dem Gesangs‑, Schau­spiel- und Tanz­un­ter­richt, und wird zu einer Art Kin­der­star der fei­nen Pari­ser Gesellschaft.

Marquise de Pompadour in ihrem Salon auf einer Chaiselongue – Porträt von François Boucher aus dem Jahr 1756

Mar­qui­se de Pom­pa­dour in ihrem Salon auf der Chai­se­longue, Por­trät von Fran­çois Boucher 

Schließ­lich arran­giert Jean­nes Ver­mut­lich-Vater die Hoch­zeit mit sei­nem Nef­fen.

Die Ehe bringt ihr zwar immer noch nicht den ersehn­ten Adels­ti­tel (und damit die Ein­tritts­kar­te in die bes­se­re Gesell­schaft), aber immer­hin das Schlöss­chen Etiol­les, das in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft von Schloss Choi­sy liegt, dem Jagd­schloss des Königs.

Jean­ne hat einen Plan: Sie will nicht ihr Leben lang bra­ve Ehe­frau und Mut­ter sein, das liegt ihr nicht.

Wie ihre Mut­ter will sie die Mätres­se eines ein­fluss­rei­chen Man­nes wer­den, wobei die B‑Liga für sie nicht in Betracht kommt Das Objekt ihrer Wün­sche: der König. Ein ver­we­ge­ner Plan für eine Bürgerliche.

Wie man einen König erobert

Als Jean­ne Antoi­net­te erfährt, dass sich König Lou­is und sei­ne Gesell­schaft zur Jagd in Choi­sy auf­hal­tend, ‘parkt’ sie ihre Kut­sche auf einem Wald­weg so, dass sie der könig­li­chen Jagd­ge­sell­schaft den Weg ver­sperrt.
Sie dra­piert ihre auf­fäl­li­ge Robe und war­tet.

Das War­ten lohnt sich.

Der König, durch die Kut­sche am Wei­ter­rei­ten in sein Jagd­re­vier gehin­dert, hält an, sieht sie und ist sofort Feu­er und Flam­me. Man plau­dert und Jean­ne Antoi­net­te erhält eine Ein­la­dung für den nächs­ten Hof­ball in Ver­sailles.

Weni­ge Bäl­le spä­ter wird sie die Gelieb­te Lud­wigs.

Kurz dar­auf, im Jahr 1744, ist sie mit 23 Jah­ren sei­ne offi­zi­el­le „maî­tres­se en tit­reund als Mar­qui­se de Pom­pa­dour die wich­tigs­te und ein­fluss­reichs­te Gelieb­te der Weltgeschichte.

Abnehmen mit ätherischen Ölen – natürliche Unterstützung für mehr Energie, weniger Heißhunger und Wohlbefinden

Eine Taille wie die Pompadour … braucht kein Mensch.

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Madame de Pompadour

Mit den Wor­ten „Bes­ser die als eine ande­re“ hat sich Lud­wigs Ehe­frau mit der neu­en Mätres­se ihres Man­nes — und ihrer neu­en Hof­da­me als beson­de­re Aner­ken­nung für die Gelieb­te — abge­fun­den.

Lud­wigs adli­ge Höf­lin­ge sehen das weni­ger ent­spannt, denn als Bür­ger­li­che ist Jean­ne Antoi­net­te in eine der letz­ten Bas­tio­nen der Aris­to­kra­tie ein­ge­bro­chen.

Als Lou­is sei­ne Jagd­er­obe­rung, der er zuvor vor­sorg­lich noch den Titel einer Mar­qui­se ver­passt hat, dem Hof­staat als sei­ne neue offi­zi­el­le „maî­tres­se en tit­re vor­stellt, gera­ten die Aris­to­kra­ten bei Hofe in hel­le Auf­re­gung und es kommt fast zur Palast-Revol­te.

Dazu kommt es nicht, bleibt also nur die Hoff­nung auf eine mög­lichst kur­ze Affä­re zwi­schen dem König und sei­ner neu­en Mätres­se bür­ger­li­cher Her­kunft.

Dem ist nicht so.
Zwi­schen dem König und sei­ner 23jährigen Madame de Pom­pa­dour scheint es ech­te Lie­be zu sein. Zumin­dest gutes Team­work.

Als offi­zi­el­le Mätres­se lebt sie in Gemä­chern, die nahe bei denen des Königs lie­gen, unter­hält ihn, umschifft alle höfi­schen Intri­gen, die sie bloß­stel­len sol­len, und arbei­tet sich mit Fleiß und Akri­bie nicht nur in die Fein­hei­ten des Hof­staa­tes, son­dern auch in die Staats­ge­schäf­te Frank­reichs ein.

Friedrich der Große: Von mächtigen Frauen umzingelt

Wer etwas vom König will, wen­det sich lie­ber gleich an sei­ne Madame de Pom­pa­dour und nicht an sei­ne Minis­ter.

Das gilt auch für Köni­ge und Staats­män­ner, ein Umstand, über den sich Preu­ßens König Fried­rich II. — Fried­rich der Gro­ße — maß­los ärgert, und der dazu führt, dass er sich bei sei­nem Ver­trau­ten Vol­taire bit­ter über sie beklagt.

Aus­ge­rech­net bei dem.

Denn die Pom­pa­dour ist nicht nur klug und char­mant, son­dern auch eine ein­fluss­rei­che und wohl­ha­ben­de Mäze­nin: Vor­aus­schau­end, wie sie ist, unter­stützt sie natür­lich die gro­ßen Künst­ler und Den­ker ihrer Zeit finan­zi­ell, dar­un­ter selbst­ver­ständ­lich auch Rous­se­au und Vol­taire.

Friedrich der Große beim Flötenkonzert in Sanssouci – Gemälde von Adolph Menzel mit Bezug zur Marquise de Pompadour und den mächtigen Frauen Europas
Fried­rich der Gro­ße Quer­flö­te spie­lend inmit­ten sei­ner Zuhö­rer in Schloss Sans­sou­ci
Gemäl­de von Adolph Men­zel gemeinfrei

Kur­ze Zeit spä­ter bekommt Fried­rich Ärger mit Frank­reich, und das liegt ver­mut­lich auch dar­an, dass er sich über die Pom­pa­dour so laut geär­gert und beklagt hat.

Der gro­ße Fried­rich kann ein­fach nicht mit Frau­en, schon gar nicht mit mäch­ti­gen.

It’s a man’s world?
Nicht zu die­ser Zeit und vor allem nicht für Fried­rich.

Auch mit den bei­den ande­ren gro­ßen Herr­sche­rin­nen sei­ner Zeit ver­scherzt er es sich: Die rus­si­sche Zarin Katha­ri­na die Gro­ße ver­grätzt er damit, dass er sie öffent­lich als „wol­lüs­tig“ bezeich­net, und mit Öster­reichs Kai­se­rin Maria The­re­sia gibt es sowie­so stän­dig Zoff wegen Schle­si­en.

Mög­li­cher­wei­se ist es kein Zufall, dass Fried­richs Sol­da­ten wäh­rend des Sie­ben­jäh­ri­gen Kriegs gegen die Armeen der drei mäch­tigs­ten Frau­en der Welt jener Zeit kämp­fen mussten.

Der Siebenjährige Krieg

Doch auch die Pom­pa­dour ist nicht unan­greif­bar.
1754 stirbt ihr ein­zi­ges Kind Alex­an­dri­ne, das klei­ne Mäd­chen aus ihrer Ehe, im Alter von zehn Jah­ren.

Jean­ne Antoi­net­te hat­te ihre klei­ne Toch­ter, die zeit­ge­mäß in einem Klos­ter unter­ge­bracht war und dort erzo­gen wur­de, fast nie gese­hen, soll aller­dings sehr an ihr gehan­gen haben und betrau­ert ihren Tod.

Das umso mehr, weil sie offen­bar kei­ne wei­te­ren Kin­der bekom­men kann.
Nach meh­re­ren Fehl­ge­bur­ten muss sie sich damit abfin­den, dass sie von Lud­wig kein Kind haben wird, was ihre Posi­ti­on unge­mein schwächt.

1756 beginnt der Sie­ben­jäh­ri­ge Krieg, eine Art inof­fi­zi­el­ler Welt­krieg, in dem Öster­reich, Frank­reich und Russ­land — die drei mäch­tigs­ten Frau­en jener Zeit — und außer­dem Schwe­den, Spa­ni­en und Sach­sen gegen Bri­ten, Preu­ßen, Han­no­ver, Hes­sen-Kas­sel, Braun­schweig und Gotha kämpf­ten.

Eine der wich­tigs­ten Kriegs­trei­be­rin­nen ist die Mar­qui­se de Pom­pa­dour, die die­sen Krieg will und mas­siv unter­stützt.

Ein Krieg, der für Frank­reich zum Deba­kel wird, das Land schwächt, die Staats­kas­se leert und den Fran­zo­sen die Posi­ti­on als Welt­macht nimmt.

Im Volk rumort es.
Lud­wig der 15., einst der „Viel­ge­lieb­te”, ver­liert an Anse­hen.
Der eigent­li­che Volks­zorn trifft aller­dings sie, denn nicht ohne Grund gilt sie als Strip­pen­zie­he­rin am Hof.

Das Ende der Pompadour

Die stän­di­gen Anfein­dun­gen set­zen ihr zu.
Aber am meis­ten ver­letzt sie, dass es mit ihrem König nicht mehr gut läuft.

Der wirft ihr vor, sie habe nicht mehr das „Feu­er”, das er brau­che.

Ver­mut­lich wegen einer Geschlechts­krank­heit lei­det sie stän­dig unter Schmer­zen, ver­sucht aber tap­fer, ihr Feu­er durch Sel­le­rie­süpp­chen, Trüf­fel und ande­re aphro­di­sie­ren­de Spei­sen erneut zu ent­fa­chen.

Es nützt nichts.
Sie ist vier­zig Jah­re alt, ihre Schön­heit beginnt zu wel­ken, ver­mut­lich lei­det sie auch an Tuber­ku­lo­se.

Doch ihr größ­tes Unglück ist, dass sie schließ­lich die Lie­be ihres Königs ganz ver­liert: Er wird Vater eines Soh­nes, in den und in des­sen Mut­ter Lou­is ver­narrt ist. Er lässt für sei­ne neue Flam­me, der zwan­zig­jäh­ri­gen Anne Cou­pier, die wie die Pom­pa­dour eine Bür­ger­li­che ist, ein Haus außer­halb des Palas­tes bau­en und ver­bringt nun haupt­säch­lich dort sei­ne Zeit.

Jean­ne Antoi­net­te beob­ach­tet ihre Riva­lin und deren klei­nen Sohn eifer­süch­tig.
Ihre Eifer­sucht ist exis­ten­zi­ell: Mit gro­ßer Sor­ge fürch­tet sie, ihren Titel als „maî­tres­se en tit­re“ aberkannt zu bekom­men und vom Hof gejagt zu wer­den.

Aber der Tod kommt allem zuvor.

Im April 1764 stirbt sie an einer Lun­gen­ent­zün­dung und hat die zwei­fel­haf­te Ehre, als ers­te Mätres­se in der Geschich­te Frank­reichs aus den könig­li­chen Gemä­chern von Ver­sailles zu Gra­be getra­gen zu wer­den. Die berühm­tes­te Mätres­se der Welt­ge­schich­te, die Mar­qui­se de Pom­pa­dour, wur­de 43 Jah­re alt.

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Sze­nen einer arran­gier­te Ehe

Rous­se­au: Mit „Mut­ter­lie­be” hat der fran­zö­si­sche Phi­lo­soph Jean-Jac­ques Rous­se­au über­haupt nichts im Sinn, als er 1762 sei­nen Roman „Emi­le oder über die Erzie­hung” ver­öf­fent­licht, eigent­lich um gegen die fest­ze­men­tier­te abso­lu­tis­ti­sche Stän­de­ge­sell­schaft zu wet­tern.
Rund 40 Jah­re spä­ter ist Rous­se­au zum Hel­den der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on gewor­den und sein „Emi­le” das Vor­bild moder­ner Erzie­hung, wie wir sie heu­te ken­nen.
Die Erfin­dung der Mutterliebe

Fremd­ge­hen: Wer kennt es nicht, wenn sich der Liebs­te nach weni­gen Wochen plötz­lich rar­macht, um Bedenk­zeit bit­tet, selt­sa­me Erklä­run­gen stam­melt und schließ­lich zu einer ande­ren ent­schwin­det? Fremd­ge­hen hat nicht immer etwas mit Lie­be zu tun: For­scher sind einem Casa­no­va-Gen auf der Spur, das Men­schen anfäl­lig für Affä­ren macht.
Ist Fremd­ge­hen angeboren?

It’s a man’s world? Wer schon ein­mal in die Müh­len von weib­li­chem Minus Talk oder sogar Kill Talk gera­ten ist, weiß, dass auch Frau­en nicht immer har­mo­nisch und fried­fer­tig sind. Über weib­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on, Frau­en in Füh­rung und die Sache mit der glä­ser­nen Decke.
Im Land des Lächelns: Weib­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on und ihre Tücken

Ham­burg: Ein Streif­zug durch die Geschich­te der bekann­ter­ma­ßen schöns­ten Stadt der Welt
Ham­burg historisch


Bild­nach­wei­se:

Lud­wig XIV. im Krö­nungs­or­nat (Por­trät von Hya­c­in­the Rigaud, 1701) Von Unbe­kannt – wart​burg​.edu, Gemein­frei
Por­trait of Lou­is XV of France (1710–1774), Mau­rice Quen­tin de La Tour (1748), Lou­vre Muse­um, Gemein­frei
Madame de Pom­pa­dour, détail du visa­ge (1721–1764), Wal­lace Coll­ec­tion
Mar­qui­se de Pom­pa­dour, Fran­çois Bou­ch­er, 1756 – Unbe­kannt, Gemein­frei
Flö­ten­kon­zert Fried­richs II. in Sans­sou­ci (Gemäl­de von Adolph Men­zel, 1850–52) Von Adolph Men­zel, Gemeinfrei


Generationengespräch

Geschich­te und Psy­cho­lo­gie
Ver­gan­ge­nes ver­ste­hen, um mit der Zukunft bes­ser klar zu kommen.


Geschichte und Psychologie Vergangenheit verstehen um mit der Zukunft besser klar zu kommen
Dr. Susanne Gebert

Gene­ra­tio­nen­ge­spräch
Agen­tur für Bild­bio­gra­phien
Geschen­ke made for Mama

Geschich­te & Psy­cho­lo­gie
Die Ver­gan­gen­heit ver­ste­hen, um mit der Zukunft bes­ser klar zu kommen

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Susan­ne Autorin bei Gene­ra­tio­nen­ge­spräch & Agen­tur für Bildbiographien
Dr. Susan­ne Gebert schreibt über Psy­cho­lo­gie, Fami­li­en­ge­schich­te und emo­tio­na­le Prä­gun­gen. In ihrem Blog „Gene­ra­tio­nen­ge­spräch“ zeigt sie, wie unse­re Kind­heit uns formt – und wie wir uns von alten Mus­tern lösen können. 

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