Das Zeitalter der Narzissten?

 

Das Zeitalter der Narzissten:Die Selbstsucht besteht nicht darin, dass man lebt, wie man will, sondern dass man von anderen verlangt, sie sollen leben, wie man will.

Wer Nar­ziss begeg­net, trifft auf eine ein­neh­men­de, intel­li­gen­te und glän­zen­de Per­sön­lich­keit, die auf ande­re sehr ver­füh­re­risch wirkt. Aber sobald man einen nar­ziss­tisch ver­an­lag­ten Men­schen näher ken­nen­lernt, zei­gen sich Ris­se in sei­ner per­fek­ten Fas­sa­de: sei­ne Ego­zen­trik, sei­ne tie­fe Über­zeu­gung, allen ande­ren über­le­gen zu sein, sei­ne Wut, — kurz­um eine Per­sön­lich­keit, die vor allem ihren Mit­men­schen das Leben schwer macht.
Kann man Nar­ziss ent­kom­men?

Lesen Sie auch: Es gibt kaum eine absur­de­re Auf­for­de­rung als „Sei spon­tan!“ oder „Sei fröh­lich!“Weder das Eine noch das Ande­re lässt sich erfül­len, berei­tet sei­nen Emp­fän­gern aber nach­hal­tig ein schlech­tes Gewis­sen. Leicht dahin­ge­sagt und eigent­lich nett gemeint, wer­den Kind oder Kegel immer wie­der ger­ne damit trak­tiert. Aber: DIESE Wün­sche gehö­ren wirk­lich ersatz­los gestri­chen .
Sei spon­tan!

Nar­ziss­tisch gepräg­te Men­schen haben eine Lebens­ein­stel­lung, die das Leben ihrer Umge­bung, vor allem aber das ihrer Part­ne­rin­nen und Part­ner zum Alb­traum wer­den lässt.

Foto: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en

Ein Mär­chen­prinz, ver­füh­re­risch, char­mant, auf­merk­sam. So prä­sen­tiert sich Nar­ziss beim ers­ten Ken­nen­ler­nen.
Doch der schö­ne Schein trügt. Sobald die ers­te Pha­se der Bekannt­schaft oder des Ver­liebt­seins vor­über ist und der Bezie­hungs­all­tag beginnt, wird es für einen nar­ziss­tisch ver­an­lag­ten Men­schen schnell zu lang­wei­lig oder zu eng.
Jetzt zeigt sich sei­ne ande­re, sei­ne nar­ziss­ti­sche Sei­te: Eine Lie­bes­be­zie­hung mit einem Nar­ziss bedeu­tet immer, dass nur einer von bei­den geliebt wird und der ande­re liebt.

In der grie­chi­schen Mytho­lo­gie ist Nar­ziss der schö­ne Sohn des Fluss­got­tes Kephis­sos, der beim Ver­such, sein Spie­gel­bild in einem Teich zu küs­sen, ertrinkt.
Auch im Hier und Heu­te sind Nar­ziss­ten meis­tens Män­ner und man defi­niert Nar­ziss­mus als ‚krank­haf­te Eigen­lie­be’. Im Unter­schied zur grie­chi­schen Mytho­lo­gie sind es aber nicht die moder­nen Nar­ziss­ten, die baden gehen, son­dern die Men­schen, die das Pech haben, einen Nar­ziss zu mögen oder zu lie­ben.

Kann man Nar­ziss­ten ent­kom­men?

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Wer mit Nar­ziss zu tun (und zu kämp­fen) hat,
ergreift am bes­ten die Flucht. Umber­ta Tel­fe­ner erklärt anhand vie­ler Fall­bei­spie­le, wie Nar­ziss­ten ‘ticken’ und zeigt Wege aus ver­korks­ten Situa­tio­nen, wenn Flie­hen kei­ne Opti­on ist. Umber­ta Tel­fe­ner, Hil­fe, ich lie­be einen Nar­ziss­ten!*, Taschen­buch, Gold­mann Ver­lag, 2017

Narziss: Vom Verführer zum Manipulator

Nar­ziss­ten sind Mani­pu­la­to­ren.

Sie schaf­fen es, Herz und Ver­stand eines Men­schen so zu beein­flus­sen, dass er Din­ge tut, die ihm selbst fremd sind und viel­leicht sogar scha­den. Sie ver­än­dern sich Nar­ziss zulie­be, ohne Zwang und ohne Kon­trol­le, statt­des­sen mit dem Gefühl, sich aus frei­en Stü­cken dazu ent­schlos­sen zu haben.

Die Selbst­sucht besteht nicht dar­in, dass man lebt, wie man will, son­dern dass man von ande­ren ver­langt, sie sol­len leben, wie man will.”
Oscar Wil­de


Mani­pu­la­ti­on ist ein klu­ger Schach­zug, wenn man etwas von ande­ren will.

Man kann Men­schen dazu brin­gen, ihr Ver­hal­ten zu ändern, wenn man ihnen bei­spiels­wei­se eine Pis­to­le an den Kopf hält oder eine genü­gend gro­ße Geld­sum­me anbie­tet. Kurz­fris­tig kann man mit Druck oder Beloh­nung bei ande­ren eine Ver­hal­tens­än­de­rung bewir­ken, aber sobald der Druck oder die Beloh­nung weg­fällt, tun Men­schen wie­der das, was sie selbst wol­len.

Wer wirk­lich das Herz und den Ver­stand eines Men­schen gewin­nen will und des­sen Ver­hal­ten dau­er­haft (zuguns­ten des eige­nen Vor­teils) ver­än­dern möch­te, muss sein Gegen­über mani­pu­lie­ren, ohne zu sehr zu drän­gen.
Denn wir Men­schen has­sen es, kon­trol­liert oder gedrängt zu wer­den. Ist der Druck zu groß,
wer­den wir miss­trau­isch, füh­len uns beläs­tigt, ärgern uns und pochen dar­auf, unse­re Wahl­mög­lich­keit zu behal­ten.

Auf Zwang und Kon­trol­le reagie­ren wir sehr sen­si­bel.
Mani­pu­la­tio­nen kön­nen wir dage­gen in der Regel nicht ein­mal erken­nen.

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Wie funk­tio­nie­ren Ver­füh­rung und Mani­pu­la­ti­on im Pri­va­ten, aber auch im Geschäfts­le­ben? Der Sozi­al­psy­cho­lo­gen Robert Levi­ne gibt sehr anschau­lich und anhand vie­ler Bei­spie­le einen guten Über­blick über die Kunst der Ver­füh­rens und Mani­pu­lie­rens. Robert Levi­ne, Die gro­ße Ver­füh­rung. Wie die Regeln der Mani­pu­la­ti­on funk­tio­nie­ren* Piper Ver­lag GmbH, Mün­chen, 2005

Wir Manipulatoren

Wir alle sind gebo­re­ne Mani­pu­la­to­ren und jeder Mensch trägt nar­ziss­ti­sche Züge in sich.

Das ist auch gut so und eine gesun­de Über­le­bens­stra­te­gie: Babys haben bei ihrer Geburt zwar viel Hirn und Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al, aber nicht vie­le Fähig­kei­ten, um zu über­le­ben. Sie müs­sen Mama und Papa dazu brin­gen, ihr Leben auf sie abzu­stim­men, andern­falls könn­ten sie die ers­ten hilf­lo­sen Baby- und Todd­ler­jah­re nicht über­ste­hen.

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Jeder, der eige­ne Kin­der hat, weiß, wie gut die­se Mani­pu­la­ti­on funk­tio­niert: Durch­wach­te Näch­te, nicht mal Zeit für eine Dusche, ganz abge­se­hen von frei­en Aben­den zu zweit für Kino- oder Kon­zert­be­su­che.
In den ers­ten Lebens­jah­ren ist jedes Kind sein eige­nes klei­nes „Ego-Zen­trum“, um das alle ande­ren – vor allem: Mama! – krei­sen sol­len.

Kin­der haben ein natür­li­ches nar­ziss­ti­sches Bedürf­nis nach Auf­merk­sam­keit und Zuwen­dung.
Von klein auf möch­ten sie als das Zen­trum der eige­nen Akti­vi­tät gese­hen, beach­tet und ernst genom­men wer­den. Im Ide­al­fall ist die Mut­ter der Spie­gel ihrer Gefüh­le. Bei ihr soll­ten sie  ohne Ver­lustangst auch nega­ti­ve Stim­mun­gen wie Angst, Zorn oder Trau­er aus­le­ben dür­fen.
Für die glück­li­che Ent­wick­lung eines Kin­des ist gar nicht viel nötig, spe­zi­el­le Erzie­hungs­kon­zep­te scha­den mehr, als das sie nüt­zen:
  • Es genügt, wenn ein Kind als eige­nes Wesen wahr­ge­nom­men wird und so, wie es ist, gestützt und geför­dert wird.
  • Ein Kind muss die Mög­lich­keit haben, sei­ne Eigen­art und Beson­der­heit aus­le­ben zu dür­fen (mit Respekt, aber auch mit Anlei­tung: Vie­le Exper­ten waren und sind erklär­te Geg­ner der „anti­au­to­ri­tä­ren Erzie­hung“).
  • Erst das Aus­pro­bie­ren der eige­nen Bedürf­nis­se und Gefüh­le, för­dert beim Klein­kind ein gesun­des Selbst­emp­fin­den und im spä­te­ren Leben ech­tes sozia­les Ver­hal­ten.

Ein klei­nes Kind, das sich unsi­cher, schwach oder unter­le­gen fühlt, wird zum Schrei­hals, Auf­schnei­der oder Ange­ber, um auf sich und sei­ne Bedürf­nis­se auf­merk­sam zu machen.

Das ist eine sinn­vol­le und bei Kin­dern akzep­tier­te Stra­te­gie, die ver­hin­dert, dass sie sich ver­schreckt zurück­zie­hen, anstatt sich hin­aus­zu­wa­gen, um von ihrer Umwelt zu ler­nen.
Unan­ge­nehm und zur Per­sön­lich­keits­stö­rung wird die­se Art von Nar­ziss­mus erst, wenn Men­schen in die­ser Pha­se ste­cken blei­ben; wenn sich Ego­zen­trik und Eigen­lie­be ins Gren­zen­lo­se stei­gern und zur ein­zi­gen Form des Wohl­be­fin­dens wer­den. Und genau das scheint bei nar­ziss­tisch ver­an­lag­ten Men­schen der Fall zu sein.

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Narziss und die Liebe

Nar­ziss­ten sind geüb­te Mani­pu­la­to­ren und beherr­schen das Spiel von “Zucker­brot und Peit­sche” per­fekt.

Für die Bedürf­nis­se, Vor­lie­ben und Nöte ihrer Mit­men­schen haben sie kein Ohr.
Sie kön­nen weder gut zuhö­ren noch ist ihr Ver­hal­ten dar­auf aus­ge­legt, eine posi­ti­ve “Win-Win” Situa­ti­on für sich und ihre Part­ner zu erzeu­gen: Sie wol­len von ande­ren pro­fi­tie­ren und ver­schaf­fen sich durch Ver­füh­rung und Mani­pu­la­ti­on Auf­merk­sam­keit und Aner­ken­nung.
Zu ihren Guns­ten — nur zu ihren Guns­ten.

In einer Bezie­hung hält Nar­ziss nach den Regeln der Mani­pu­la­ti­on die Flam­me auf der nied­rigs­ten Stu­fe und gibt gera­de so viel, dass die Part­ne­rin nicht ent­täuscht das Hand­tuch wirft.
Im Gegen­zug voll­bringt sie selbst Höchst­leis­tun­gen, um ihren ver­meint­li­chen Prin­zen gnä­dig zu stim­men. Denn den “Feh­ler” in ihrer Bezie­hung — das ist das Fata­le sol­cher Ver­bin­dun­gen — sucht sie immer bei sich selbst.

“… das grund­le­gen­de Pro­blem von Men­schen mit einer nar­ziss­ti­schen Stö­rung liegt an ihrem Man­gel an ech­ter Selbst­lie­be.
Die­se feh­len­de Lie­be bewirkt, dass sie auf emo­tio­na­ler Ebe­ne so ange­spannt und hilf­los sind, so wehr­los ange­sichts auch nur des gerings­ten Wider­spruchs, dass sie sich äußerst unwohl füh­len — in sol­chem Maße, dass sie ihre Schat­ten­an­tei­le und/oder Span­nun­gen auf die Umge­bung abwäl­zen oder pro­ji­zie­ren müs­sen; oder aber sie machen sich selbst etwas vor und stel­len sich auf ein Podest, um eine Pseu­do-Selbst­ach­tung zu wah­ren.”
Anne van Stap­pen, Das klei­ne Übungs­heft: Mit schwie­ri­gen Zeit­ge­nos­sen umge­hen

Herz­li­che Ges­ten oder Hand­lun­gen Nar­ziss­ten in der Regel Angst, emo­tio­na­le Nähe birgt für sie das Risi­ko des Kon­troll­ver­lus­tes.
Die Kon­trol­le zu behal­ten, ist für Nar­ziss­ten außer­or­dent­lich wich­tig. Jede Situa­ti­on muss unter allen Umstän­den im Griff behal­ten wer­den; sich zu öff­nen bedeu­tet für sie Schwä­che und schürt ihre Sor­ge, in die Defen­si­ve gera­ten zu kön­nen.

Eige­ne Feh­ler zuzu­ge­ben, fällt Nar­ziss­ten unge­mein schwer, statt­des­sen nei­gen sie dazu, ihre inne­re Unru­he und Lee­re auf ande­re zu pro­ji­zie­ren, um sich bes­ser zu füh­len.
Falls es not­wen­dig ist, insze­nie­ren sie Kri­sen, um die Ober­hand zu behal­ten, sich ihrer eige­nen Macht über den ande­ren zu ver­si­che­ren und als Ven­til für eige­ne Sor­gen und Ängs­te.


Nar­ziss …

  • ist auf den ers­ten Blick fas­zi­nie­rend, intel­li­gent und ver­füh­re­risch.
  • urteilt schnell und pro­vo­ziert ger­ne.
  • ist unbe­re­chen­bar. Ihm macht es Spaß, ande­re zu über­ra­schen.
  • möch­te unent­behr­lich und ein­zig­ar­tig sein. Wird ihm die­ses Gefühl nicht zuge­stan­den, macht jemand mög­li­cher­wei­se sogar Anstal­ten, ihn zu beur­tei­len, oder auch nur einem Hauch von Kri­tik zu üben, reagiert ein nar­ziss­tisch ver­an­lag­ter Mensch mit Ableh­nung und Wut.
  • kann sich über Klei­nig­kei­ten maß­los auf­re­gen.
  • wer­tet ande­re ab, um sich selbst auf­zu­wer­ten. Nar­ziss­ten erken­nen intui­tiv die Schwach­stel­len ihres Gegen­übers und hacken ger­ne dar­auf her­um.
  • mag es, wenn sich ande­re schwach zei­gen, damit er ihnen zur Hil­fe eilen und sich als unent­behr­lich und über­le­gen prä­sen­tie­ren kann.
  • hält sei­nen Besitz, sei­ne Hob­bys und sei­ne Vor­lie­ben für nicht zu über­tref­fen, allein weil sie ‚seins‘ sind. Alles, was er hat und ist, wird zur Erwei­te­rung sei­nes Ichs; des­halb gibt es in sei­nen Augen auch kei­ne ande­re, gleich­wer­ti­ge oder sogar bes­se­re Alter­na­ti­ve, auch wenn objek­ti­ve Grün­de dafür spre­chen.
  • gibt sich ger­ne kri­tisch. Auf Part­ne­rin­nen, die ihm zu stark sind, geht er los, um sie zu schwä­chen. Wird die Frau an sei­ner Sei­te aller­dings zu schwach, inter­es­siert er sich nicht mehr für sie und ver­lässt sie.
  • hat Angst vor Nähe. Mit­un­ter bricht er eine Bezie­hung schlag­ar­tig ab, weil sie ihm zu eng wird. Bleibt er in einer Bezie­hung, möch­te er umsorgt und umhegt wer­den und erwar­tet, dass sei­ne Part­ne­rin sich sei­nen Wün­schen anpasst. All­tag lang­weilt und frus­triert ihn, zur Not insze­niert er Kri­sen, um über­haupt etwas emp­fin­den zu kön­nen. Wenn Nar­ziss kei­ne Anre­gung hat und er sich gelang­weilt fühlt, wird es für sei­ne Mit­men­schen schwie­rig.
  • schafft es, sei­ne Partnerin(nen) in einer soge­nann­ten „Dou­ble-Bind-Situa­ti­on“ fest­zu­hal­ten: „Egal, was Du tust – es ist das Fal­sche!

Kann man Narziss ändern, „heilen” oder „retten”?

Nar­ziss­tisch ver­an­lag­te Men­schen sind in ihrem Inne­ren tief ver­letzt, wol­len davon aber nichts wis­sen.

Der größ­te Unter­schied zwi­schen einem „nor­ma­len“ Men­schen und einem neu­ro­ti­schen Nar­ziss­ten liegt in ihrer Kri­tik- und Lern­fä­hig­keit.
Neu­ro­ti­ker – zu denen auch Nar­ziss­ten gehö­ren – reagie­ren stur mit immer ein und dem­sel­ben Ver­hal­tens­mus­ter, wäh­rend „Nor­ma­le“ situa­ti­ons­an­ge­passt agie­ren und ihr Ver­hal­ten ändern, sobald ihre her­kömm­li­chen Ver­hal­tens­wei­sen sie nicht wei­ter­brin­gen.

Wir alle ler­nen ein Leben lang durch Imi­ta­ti­on “rich­ti­ges” sozia­les Ver­hal­ten.
Nur durch Dazu­ler­nen kön­nen wir uns auf neue Situa­tio­nen und Her­aus­for­de­run­gen ein­stel­len. Men­schen suchen sich ande­re Men­schen als Vor­bil­der und ahmen deren Ver­hal­tens­wei­sen nach, wenn sie in schwie­ri­gen oder unkla­ren Situa­tio­nen unsi­cher sind.

Um über­haupt dazu­ler­nen zu kön­nen, müs­sen wir bereit sein, uns mit uns selbst und unse­rer Umwelt kri­tisch aus­ein­an­der­zu­set­zen. Wir müs­sen ler­nen anzu­er­ken­nen, dass nicht immer „die Ande­ren“ schuld sind, wenn etwas schief läuft – unterm Strich also: Ehr­lich­keit, Selbst­re­flek­ti­on und auch Selbst­kri­tik da, wo sie ange­mes­sen ist.

Und genau das kön­nen Nar­ziss­ten nicht. Sie sind unbe­lehr­bar und emo­tio­nal in ihrer Kind­heit ste­cken­ge­blie­ben.


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In der Regel haben Nar­ziss­ten kei­nen Lei­dens­druck. Der bleibt ersatz­los gestri­chen, denn “schuld” sind bekannt­lich immer die ande­ren.

Nar­ziss wird sich daher kei­ne Gedan­ken dar­über machen, war­um eine Bezie­hung nach der ande­ren schei­tert, oder wes­halb vie­le Men­schen sich von ihm abwen­den.
Denn nur, wenn wir an einer Situa­ti­on lei­den, über­den­ken wir unse­re Ent­schei­dun­gen und Hand­lun­gen, neh­men sie  noch­mal kri­tisch unter die Lupe und über­le­gen, wel­chen Anteil wir selbst an unse­rem Unglück haben.

Nar­ziss’ Lebens­ein­stel­lung bleibt bequem.
Sie lässt die Ande­ren baden gehen, er selbst laviert sich weit­ge­hend unbe­scha­det durch unan­ge­neh­me Situa­tio­nen. Ohne Lei­dens­druck muss er auch nichts ändern. War­um auch? Schließ­lich sind es sei­ne Mit­men­schen, die sei­nen Ansprü­chen und Erwar­tun­gen nicht genü­gen.

Der Ausweg: Zu einer Beziehung gehören immer zwei

In einer mani­pu­la­ti­ven Bezie­hung sind die Rol­len im Dreh­buch klar beschrie­ben: einer, der han­delt, und einer, der sich behan­deln lässt; ein Mani­pu­lie­ren­der und ein Mani­pu­lier­ter.

Es gibt aber kei­ne Not­wen­dig­keit, sich an die­ses Dreh­buch zu hal­ten, denn zu einer (Liebes-)Beziehung gehö­ren bekannt­lich immer zwei. Um (s)ein Dra­ma stri­cken zu kön­nen, braucht Nar­ziss ein Opfer.
Aber wenn es kein Opfer mehr gibt, kann es auch kei­ne nar­ziss­ti­schen Mani­pu­la­tio­nen mehr geben.

“Mit Men­schen, die Sie als schwie­rig erle­ben, zusam­men sein und — gera­de wenn Sie Ihnen nahe­ste­hen — , ein offe­nes Herz für sie bewah­ren, das ist eine ech­te Her­aus­for­de­rung! Die­se Her­aus­for­de­rung kann Sie ent­we­der erschöp­fen und zer­stö­ren — oder Sie wach­sen an Ihr! Für die, deren täg­li­ches Los das Zusam­men­le­ben mit solch schwie­ri­gen Men­schen ist, ist es nun an der Zeit, sich von zwei recht ver­brei­te­ten mensch­li­chen Nei­gun­gen zu ver­ab­schie­den: der Nei­gung, sich zu einem Opfer zu machen, das jam­mert und sich ver­tei­digt, oder der, sich zum rache­durs­ti­gen Hen­ker auf­zu­schwin­gen.”
Anne van Stap­pen, Das klei­ne Übungs­heft: Mit schwie­ri­gen Zeit­ge­nos­sen umge­hen


Nar­ziss­mus ist eine Chan­ce.
Nicht für Nar­ziss, der sich nur äußerst sel­ten von sei­nem Weg abrin­gen lässt, son­dern für die­je­ni­gen, die an Nar­ziss lei­den.

Denn jede und jeder darf das schein­bar vor­ge­ge­be­ne Dreh­buch ver­las­sen, um zu wach­sen.
Dafür muss man nie­man­den um Erlaub­nis bit­ten — auch wenn Nar­ziss das sicher­lich ger­ne hät­te.


Lesen sie im nächs­ten Bei­trag: Wer kennt es nicht, wenn sich nach weni­gen Wochen gro­ßer Lie­be, in denen See­len­ver­wandt­schaf­ten ent­deckt und Zukunfts­plä­ne geschmie­det wer­den, der ange­him­mel­te Liebs­te plötz­lich rar­macht, um Bedenk­zeit bit­tet, selt­sa­me Erklä­run­gen stam­melt und schließ­lich zu einer ande­ren ent­schwin­det? Ist das Psy­cho­lo­gie und die viel­zi­tier­te ‚Kri­se des Man­nes‘? Oder doch wie­der nur Bio­lo­gie: ein “Casa­no­va-Gen” und ein mise­ra­bler männ­li­cher Hor­mon­haus­halt?
Ist Fremd­ge­hen ange­bo­ren?:

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www.bildbiographien.de, 2016 (über­ar­bei­tet 2018)


Buch­emp­feh­lun­gen
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Wie groß ist unser Anteil an einer geschei­ter­ten Lie­be? Ein inter­es­san­ter Bezie­hungs­ratge­ber, der den Blick vom “bösen” Part­ner auf unse­re eige­nen Mus­ter und Bedürf­nis­se lenkt. Eva-Maria Zur­horst, Lie­be dich selbst und es ist egal, wen du hei­ra­test*, Gold­mann Ver­lag, 2009

Freund­schaft schlie­ßen mit unse­rem „inne­ren Kind“ , Glau­bens­sät­ze erken­nen – und sie ver­än­dern, wenn es not­wen­dig ist. Ein hilf­rei­ches Buch, klar geschrie­ben mit vie­len guten Ansät­zen und Gedan­ken. Ste­fa­nie Stahl, Das Kind in dir muss Hei­mat fin­den*, Kailash Ver­lag, 2015


Wer mit Nar­ziss zu tun (und zu kämp­fen) hat, ergreift am bes­ten die Flucht. Umber­ta Tel­fe­ner erklärt anhand vie­ler Fall­bei­spie­le, wie Nar­ziss­ten ‘ticken’ und zeigt Wege aus ver­korks­ten Situa­tio­nen, wenn Flie­hen kei­ne Opti­on ist. Umber­ta Tel­fe­ner, Hil­fe, ich lie­be einen Nar­ziss­ten!*, Taschen­buch, Gold­mann Ver­lag, 2017

Die Rei­he “Biblio­thek der guten Gefüh­le” hält genau das, was sie ver­spricht: Sehr lie­be­voll gestal­te­te Hef­te, mit kur­zen prä­gnan­ten Tex­ten zum jewei­li­gen The­ma und vie­len klei­nen und ein­fach zu befol­gen­den Übun­gen. Für alle, die gera­de mit einem The­ma beschäf­tigt sind, oder zum Ver­schen­ken. Anne van Stap­pen, Das klei­ne Übungs­heft: Mit schwie­ri­gen Zeit­ge­nos­sen umge­hen*, Tri­ni­ty Ver­lag, 2014

Schwie­ri­ge Bezie­hun­gen sind oft das Ergeb­nis von Ver­hal­tens­mus­tern, die von Gene­ra­ti­on zu Gene­ra­ti­on wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Wer immer wie­der in die glei­chen Fal­len tappt, wird in die­sem sehr lesens­wer­ten Sach­buch vie­le wert­vol­le Infor­ma­tio­nen über „trans­ge­ne­ra­tio­na­le“ Ver­er­bung fin­den. Sehr infor­ma­tiv und fun­diert geschrie­ben mit vie­len anschau­li­chen Bei­spie­len berühm­ter Fami­li­en und Per­sön­lich­kei­ten. Moni­ca McGold­rick, Wie­der heim­kom­men. Auf Spu­ren­su­che in Fami­li­en­ge­schich­ten*, Carl-Auer-Ver­lag, 2013

Wei­ter­füh­ren­de Links zum The­ma Glück und Unglück:


Stein­zeit I: Män­ner sind seit Jahr­tau­sen­den dar­auf getrimmt, die Bes­ten sein zu wol­len und ande­ren — auch unge­fragt — die Welt zu erklä­ren. Und Frau­en wol­len tief in ihrem Inne­ren vor allem eins: bloß nicht anecken. Das hat nichts mit Erzie­hung zu tun, son­dern mit Evo­lu­ti­on, einem uralten psy­cho­lo­gi­schen Pro­gramm, das eigent­lich über vie­le tau­send Jah­re gut funk­tio­niert hat. Heut­zu­ta­ge sorgt es für Miss­ver­ständ­nis­se und Rei­be­rei­en.
Da röhrt der Hirsch. Über den schwie­ri­gen Dia­log zwi­schen Män­nern und Frau­en


Stein­zeit II: Wie unse­re Stein­zeit­re­lik­te im Kopf aus Frem­den Freun­de machen, uns Vor­bil­der besche­ren und unser Leben beein­flus­sen, ohne dass wir es bemer­ken, geschwei­ge denn auch nur ansatz­wei­se Herr (oder Frau) der Lage sind.
Rich­ti­ge und fal­sche Vor­bil­der


Müt­ter und Söh­ne: Nichts ist für Män­ner so unse­xy wie eine lei­den­de, jam­mern­de, sich auf­op­fern­de oder wüten­de Frau. Geben sich Müt­ter in ihrer Mut­ter­rol­le selbst ein “Lebens­läng­lich” und ver­trei­ben damit ihre Män­ner? Ste­cken Män­ner — Söh­ne — des­halb in der Kri­se? Ist es Zeit für die Eman­zi­pa­ti­on von der Mut­ter ihrer Kind­heit?
Der Mann in der Kri­se


Kind­heit: Die Kind­heit ist die prä­gends­te Zeit in unse­rem Leben. Das Gene­ra­tio­nen­ge­spräch über Müt­ter und Väter, Geschwis­ter­lie­be, trans­ge­ne­ra­tio­na­le Ver­er­bung und Kind­heits­mus­ter, die uns unser gesam­tes Leben beglei­ten.
Kin­der, Kin­der


Geheim­nis­se: Wenn dunk­le Geheim­nis­se ans Licht kom­men, stel­len sie alles infra­ge. Nichts kann so blei­ben wie es war, weder für den Geheim­nis­trä­ger noch für den Belo­ge­nen. Aber Ent­de­ckung und Ent­hül­lung zer­stö­ren nicht nur, sie bie­ten auch eine Chan­cen zur Neu­ord­nung. Soll man Geheim­nis­se ent­hül­len oder ver­schwei­gen?
Dunk­le Geheim­nis­se


Psy­cho­lo­gie im All­tag: Tipps und Tricks, psy­cho­lo­gi­sche Denk­fal­len und viel Wis­sens­wer­tes für ein bewuss­tes Leben.
Tipps für den All­tag


Bild­nach­weis:
Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, 2016


Wir müssten das alles mal aufschreibenDie Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en bringt seit 2012 Lebens-. Fami­li­en- und Unter­neh­mens­bio­gra­fi­en als Bild­bio­gra­phi­en ins Buch und bie­tet außer­dem einen Ghost­wri­ting-Ser­vice mit den Schwer­punk­ten Geschich­te und Psy­cho­lo­gie an.
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den Sie auch auf unse­rer Home­page www.bildbiographien.de


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