Schreib’s auf! Die wunderbare Kraft des Schreibens

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Foto: Agentur für Bildbiographien

Wer schreibt, muss nachdenken, auswählen, sammeln, gewichten. Eine Anstrengung, die sich lohnt: Je lauter der Krach um uns herum wird, desto notwendiger ist ein stiller Rückzugsort nur für uns selbst, um einen klaren Kopf zu behalten.

Goethe vertraute ihm minutiös seine Spazierwege an, Beethoven seine Herzens-angelegenheiten.
Anne Frank hat sich mit ihm unsterblich in unser Gedenken geschrieben.
Das Führen eines Tagebuchs ist auch in unserer Zeit für viele Menschen ein fester Bestandteil ihres Lebens, andere finden immer wieder dann zur Kladde zurück, wenn es ihnen so richtig schlecht geht.

Lesen Sie noch oder schreiben Sie schon?
Schreiben entlastet die Seele und kann Heilungsprozesse fördern.
In der Psychologie gilt biografisches, therapeutisches oder poetisches Schreiben als bewährte Therapieunterstützung. Aber auch ohne psychologische Hintergedanken bleibt Aufschreiben das, was es ist: eine wunderbare Art des inneren Monologes, des Nachdenkens und des Erinnerns.


Das Tagebuch ist geduldiger Hüter unserer Lebensbanalitäten, hilft aber auch beim Sortieren intimster Gedanken und Gefühle.
Das stille „Für-sich-selbst-Schreiben wirkt im Zeitalter sozialer Netzwerke vielleicht ein bisschen altbacken und retro, aus der Mode gekommen ist es nicht. Im Gegenteil: Je lauter und hektischer es um uns herum wird, desto notwendiger ist ein stiller Rückzugsort nur für uns selbst, um einen klaren Kopf zu behalten.

Erinnern – Wiederholen – Durcharbeiten

Was versierte Schreiber schon lange wissen, wird jetzt mehr und mehr auch Gegenstand wissenschaftlicher Forschung: Psychologie und Medizin entdecken das Aufschreiben als „neue“ Therapieform, die hilft, Schmerzhaftes erträglicher zu machen oder Ungedachtes (und Unausgesprochenes)  für sich selbst festzuhalten.

Erinnern – wiederholen – durcharbeiten“ ist das, was dem Schreiben seine besondere Kraft verleiht. Gedanken allein sind gerne flüchtig – vor allem dann, wenn sie unangenehm oder schmerzhaft sind –; wenn wir sie dagegen zu Papier bringen, setzen wir uns noch einmal in besonderer Weise mit dem auseinander, was uns im Kopf herumschwirrt und unser Herz bewegt.


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Schreiben sei „Möglichkeitsraum“, „Schutzraum“ oder „Freiraum“, heißt es in der Expertensprache, was nichts anderes bedeutet, als dass wir uns beim Schreiben neu erfinden.

Wir können beim Schreiben Umstände und Perspektiven wechseln, Für und Wider abwägen und vor allem: Wir müssen so ehrlich wie selten zu uns selbst sein.
Der Rückzug in den eigenen inneren Monolog tut gut – wann sonst im Leben können wir unseren eigenen Rhythmus und unsere eigene Melodie finden?

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Schreiben löst sicherlich keine Probleme, lässt sie aber oft in einem anderen Licht erscheinen. Abstand gewinnen und Gedanken neu sortieren – darin liegt sicherlich die größte Magie des (Auf-)Schreibens.


Einstieg ins kreative Schreiben

Nicht für jeden ist ein leeres Blatt Papier oder ein blinkender Cursor auf jungfräulich weißem Bildschirm Anlass zu echter Freude, schließlich haben Generationen ambi- tionierter „Lehrmeister“ versucht, uns ihre Vorstellungen davon einzutrichtern, wie ein guter Text auszusehen hat .

Thema verfehlt, setzen, sechs!“ ist für einige das Schülertrauma schlechthin, mit dem der Spaß am Schreiben langfristig verloren gegangen sein kann.
Doch die gute Nachricht ist, dass die Freude am Schreiben wiederkommt, wenn man sich überwindet, anfängt und erst einmal nur sich selbst und keinen Nobelpreis im Sinn hat.

Schreibcoaches empfehlen allen, die für sich das Schreiben wiederentdecken möchten, wie beim Sport mit kleinen Aufwärm- und Lockerungsübungen anzufangen.
„Mäßig aber regelmäßig“ ist wie so oft im Leben die zielführendste Devise.
Das bedeutet, dass sich niemand stundenlang mit leeren Blättern herumschlagen sollte, sondern seine Schreibzeit zunächst auf 15 bis 20 Minuten begrenzen kann. Das Schreib-Viertelstündchen – gerne auch in Form eines Tagebuches – ist dann aber regelmäßig einzuhalten, am besten täglich.

Freewriting

Für diejenigen, die Mühe haben, überhaupt in den Schreibfluss zu kommen, empfiehlt sich als Einstieg die Methode des „Freewriting“ (automatisches Schreiben):
Eine bestimmte Zeit lang (fünf bis 20 Minuten) wird nur geschrieben, ohne abzusetzen, ohne Pause und ohne über Formulierungen oder Inhalt nachzudenken.
Wer sich darauf einlässt, wird in kürzester Zeit seinen inneren Zensor verabschiedet haben und sich später wundern, was da so alles hervorgesprudelt ist.

Clustering

Wer sein Thema, über das er schreiben möchte, prinzipiell kennt, aber noch auf der Suche nach Ideen und Zusammenhängen ist, wird von der Methode des „Clustering“ (Gruppierung) profitieren:
Ausgangswort oder -satz werden als „Cluster-Kern“ in der Mitte eines Blattes geschrieben, anschließend werden alle Assoziationen dazu und deren Assoziationen notiert und durch Striche miteinander verbunden. Alles wird aufgeschrieben, eine Zensur findet nicht statt. So entsteht nach und nach ein Netzwerk aus Ideen, mit Verbindungen und Verknüpfungen, an die man vorher vielleicht gar nicht gedacht hatte.

„Freewriting“ und „Clustering“ sind Techniken des sogenannten Kreativen Schreibens, das in den USA schon lange bekannt und populär ist.

Es geht dabei vor allem um Spaß.
Darum, die Lust am Schreiben (wieder-) zu finden und Blockaden abzubauen.
Weitere Übungsvarianten sind: Lieblingspassagen aus fremden Texten umzuschreiben, sie beispielsweise aus einer anderen Perspektive darzustellen, oder auch das „Leben“ und die „Gedanken“ eines Gegenstandes – zum Beispiel die Ihrer Sitzgelegenheit – zu schildern.

Wer an einem größeren Projekt arbeitet und sich verheddert hat, dem ist oft geholfen, wenn er einen komplexen Inhalt beispielsweise in ein Haiku verpacken muss.
Die Vorgabe ist lediglich, drei Zeilen mit fünf, sieben und fünf Silben zu füllen. Ein nicht ganz einfaches Schreibprojekt, aber eins, mit dem sich Unwichtiges sehr einfach von Wichtigem trennen lässt, und Schreibblockaden sich wie von selbst lösen
.

Last but not least: Wem Tagebuch und stilles Kämmerlein zu still sind, der hat die Wahl zwischen vielerlei Schreibwerkstätten, diversen Internetforen oder auch Schreib-Coaches.

Fazit:

Nicht in jedem steckt ein verkannter Goethe, Brecht oder Joyce; trotzdem ist es sinnvoll, seine Erlebnisse, Gedanken und Gefühle zumindest gelegentlich zu Papier zu bringen. Denn bei allem wohlbegründeten germanistischen Respekt vor bedeutenden Dichtern und Denkern ist Schreiben eben auch eine grundlegende Fähigkeit, mit der fast jeder Mensch sich mitteilen kann und sollte. Fähigkeiten sollten trainiert werden, egal, ob sie zur Meisterschaft führen oder nicht.
Schließlich stellt auch niemand das Kochen ein, nur weil er in der Küche kein Mälzer oder Lafer ist.

Noch nicht! Denn Übung macht bekanntlich den Meister …

Lesen Sie im nächsten Beitrag: Einstieg ins biografische Schreiben – Fotos – Layout, Druck und Veröffentlichung – Zuschussverlage – Ein eBook erstellen
11 Tipps, die Sie beim biografischen Schreiben beachten sollten

Copyright: Agentur für Bildbiographien, 2015: www.bildbiographien.de

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Noch mehr Schreibtipps:


„Kreatives Schreiben beginnt dort, wo du dich traust, deinen Kopf aus der grauen Masse zu stecken.“ Schreibsuchti – Walther Epp – über:
Kreatives Schreiben: Die besten 25 Übungen


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Einfach gute Texte schreiben


„Wer schreibt, möchte meistens Leser haben. Aber es wird unendlich viel mehr geschrieben als gelesen“, sagt Wolf Schneider, „Sprachpapst“, Stilkritiker und langjähriger Leiter der Hamburger Journalistenschule. Deswegen hier: Noch mehr Tipps, damit Sie gelesen werden.
Tipps für’s Schreiben


Tipps und Tricks, psychologische Denkfallen und viel Wissenswertes für ein bewusstes Leben
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Podcast übers biografische Schreiben zum Nachhören.
„Der Genealoge“ von und mit Timo Kracke


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Weitere Infos finden Sie auch im Generationengespräch-Beitrag: Wurzeln und Flügel


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Bildnachweise: Agentur für Bildbiographien


 

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