Was heißt schon Mutterliebe?

Madonna mit Kind

„Andrea Solario 002“ von The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei

Mutterliebe sorgt dafür, dass Frauen über sich hinauswachsen und Dinge tun, die sie normalerweise für andere Menschen nicht tun würden.
Fehlt Mutterliebe, muss ein Kind also „mutterseelenallein“ aufwachsen, wird es diesen Mangel ein Leben lang spüren.
Aber was ist Mutterliebe, und wie lässt sie sich erklären?

Aus wissenschaftlicher Sicht ist Mutterliebe ein biologischer Trick, um Frauen dazu zu bringen, sich permanent um ihren Nachwuchs zu kümmern.

Sie ist ein genialer Einfall der Natur, der uns und unsere zwischenmenschlichen Beziehungen entscheidend prägt: Mitleid, Mitempfinden, romantische Liebe und Geselligkeit könnten wir ohne Mutterliebe als Basis nicht so leben, wie wir es tun.

DEr Luxus der großen Gehirne

Menschenbabys werden wegen ihrer Kopfgröße in einem sehr unreifen Zustand geboren.

Der „Luxus der großen Gehirne“, wie es die US-amerikanische Anthropologin Sarah Hdry ausdrückt, führt bei Homo sapiens zu einem im Vergleich zum Körper relativ umfangreichen Kopf, so dass Neugeborene zwar viel Hirn aber nur wenige Fähigkeiten zum Überleben mitbringen, wenn sie geboren werden.
Söhne

Es braucht viel Fürsorge und Entwick-lungszeit, bis aus dem zarten Menschensäugling ein überlebens-fähiges Individuum wird.
Im Tierreich gibt es keine ver- gleichbar lange Kindheit wie bei Menschenkindern.

Noch bis weit ins 18. Jahrhundert wurden diesem Umstand wenig Beachtung geschenkt, die Wiegen dieser Welt  eher nebenbei bewegt. Dafür wurde eine sehr hohe Kinder-sterblichkeit als Folge in Kauf genommen.

Die Kindheit als besonderer Lebensabschnitt wurde erst in der Epoche der Aufklärung entdeckt, dann aber ziemlich schnell zur Lebensaufgabe (und wenig später: einzigem Lebenssinn) von Frauen stilisiert.
So selbstverständlich Mütter ihre Kinder in der Regel nach der Geburt annehmen und lieben, so groß ist auch die Bürde, die ihnen damit von Gesellschaft und Wissenschaft mit auf den Weg gegeben wird: An ihnen hängt Wohl und Wehe des weiteren Lebensweges ihres Kindes, sie sind schuld, wenn etwas schief läuft.

Drogenflash und positive Vorbilder: Wie Mutterliebe entsteht

Die meisten Frauen können dem Anblick eines Babys kaum widerstehen; die meisten Mütter sind schlichtweg überwältigt, wenn sie ihren eigenen kleinen Säugling das erste Mal in den Armen halten.

Aus neurobiologischer Sicht beginnt die Initialzündung für eine intakte Mutter-Kind-Beziehung während der Geburt: Sobald die Wehen einsetzen, wird unter anderem das sogenannte Liebeshormon Oxytocin in sehr hoher Konzentration ausgeschüttet, um die Niederkunft für die werdende Mutter überhauptWas heißt schon Mutterliebe-Agentur für Bildbiographien erträglich zu machen.

Eine zweite Hormondosis verpasst Mutter Natur der frischgebackenen Mama, sobald sie ihr Neugeborenes das erste Mal stillen darf.
(Die jahrelange Praxis, Mutter und Kind sofort nach der Niederkunft zu trennen, war das verkehrteste, was man tun konnte. Bereits in den 1920er Jahren gab es die entsprechenden Erkenntnisse und einige wenige fortschrittliche Geburtskliniken boten erste Formen des ‚Rooming-In‘ an. Viele andere Kliniken ignorierten die Hinweise und hielten an ihren veralteten Methoden fest – zum Teil bis in die 1970er Jahre.)

Nach der Geburt: Baby da, Mama high!
Wer in dieser Ausnahmesituation seinen Nachwuchs präsentiert bekommt, kann wahrscheinlich gar nicht anders, als ihn ein Leben lang zu lieben


Die ersten Wochen entscheiden (fast) alles

Doch der körpereigene Drogenflash während und kurz nach der Entbindung reicht für das Entstehen echter und lebenslanger Mutterliebe bei Weitem noch nicht aus.
Das erklärt auch, warum uns antike und mittelalterliche Mütter aus heutiger Sicht wie kaltherzige Rabenmütter vorkommen.
Das waren sie nicht – sie hatten nur keine Gelegenheit, die nächste Stufe mütterlicher Gefühle zu erreichen.

Denn Oxytocin und Co. machen nur den Anfang, um Mutter und Baby positiv aufeinander zu spuren.

Für die wirkliche Mutterliebe sind viele weitere Prozesse notwendig, vor allem: Zeit und ein glückliches Miteinander. Nimmt man beispielsweise einer Schafmutter gleich nach der Geburt ihr Lamm weg und bringt es ihr einige Zeit später wieder zurück, verscheucht sie es wie einen kleinen Fremdling. Ähnliches lässt sich auch bei Menschenmüttern beobachten.

Der Kinderarzt Marshall Klaus hat folgenden sehr tragischen Zufallsbefund beschrieben: In einem israelischen Krankenhaus ereignete sich der Albtraum aller Eltern, Babys wurden vertauscht. Die Mütter hatten die falschen Kinder etwa zwei Wochen bei sich, bevor die Verwechslung bei einer Nachuntersuchung auffiel, und die Säuglinge eilig wieder zurückgetauscht werden sollten.
Doch dann kam die Überraschung: Die beiden betroffenen Mütter tauschten nur sehr widerwillig das fremde Baby gegen ihr eigenes. Zwei Wochen hatten genügt, um eine intensive Mutter-Kind Bindung zum „falschen“ Säugling aufzubauen.

Man vermutet, dass sich eine Mutter und ihr Baby durch immer wiederkehrende schöne gemeinsame Momente gegenseitig (hormonell) belohnen und dadurch positiv verstärken. Doch nur wenn dieser Kreislauf gut und ungestört verlaufen kann, kann sich „echte“ Mutterliebe entwickeln, die ein Leben lang hält.


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Wenn Mutterliebe fehlt

Mutterliebe entsteht aber nicht nur durch Hormone, neuronale Netze  und Instinkt, sie muss zum Teil auch gelernt werden.

Erste Hinweise auf diesen Lernprozess fand man bei Beobachtungen von Affenmüttern im Zoo. Unerfahrene Gorillamütter, die als Jungtiere gefangen wurden und damit keine Möglichkeit hatten, von ihren Müttern zu lernen, wie man mit Babys umgeht, springen vor Panik fast an die Decke, wenn sich nach der Niederkunft ihr Junges nach Gorillababyart an ihnen festkrallen will.
Andere Affenmütter lassen sich ihr Baby wegnehmen und sehen teilnahmslos zu, wenn es von Mitgliedern ihrer Gruppe als Fußball benutzt wird. Kaum vorstellbar, denn in freier Wildbahn sind Gorillaweibchen sehr zärtliche und fürsorgliche Mütter, doch Instinkt und Hormone allein reichen nicht aus, um ohne positive eigene Erfahrungen und Vorbilder liebevoll mit den Nachkommen umgehen zu können.

Keine Liebe ohne Mutterliebe
Zärtlichkeiten zwischen Erwachsenen gibt es nur bei Arten, die sich um ihre Kinder kümmern.
Die These, dass Mutterliebe der Ursprung für alle anderen Formen von Liebe ist, stützen Forscher darauf, dass sich viele Verhaltensmuster zwischen Müttern und ihren Kindern bei Erwachsenen wiederfinden, meistens im Zusammenhang mit Liebe und Sex: Das Flügelzittern von Spatzen – als Küken zum Betteln um Nahrung, später beim Werben um ein Weibchen – oder die höhere Tonlage der Stimme, die Mütter beim Sprechen mit ihrem Baby einnehmen, viele Erwachsene aber auch unbewusst beim Umschmeicheln des oder der Liebsten einsetzen.


Das traurige Fazit dieser Beobachtungen ist: Wer als Kind ohne oder mit nur wenig Mutterliebe aufwachsen musste, wird es möglicherweise mit der eigenen Mutterrolle schwer haben und nicht so ohne Weiteres eine enge Bindung zu den eigenen Kindern aufbauen können – das ist der tragische Weg, auf dem der Mangel an Mutterliebe von Generation zu Generation weitergegeben werden kann.

Mütter ohne Liebe – Frauen, die ihre Babys auf Autobahntoiletten liegenlassen, sie in Mülleimer werfen, in Blumenkästen verscharren oder in Tiefkühltruhen verstecken, handeln vermutlich in größter Not und sind wahrscheinlich nur die Spitze eines Eisberges, über den in der Regel nicht gesprochen wird: Mütter, die ihre Kinder nicht lieben können, die sie verletzen oder sogar töten.

Copyright: Agentur für Bildbiographien, www.bildbiographien.de, 2017


Artemis, die griechische Göttin der Jagd, des Mondes, der Gebärendenen und der Mütter und Kinder

Lesen Sie im ersten Teil die Geschichte der Mutterliebe von der Antike bis ins Mittelalter: Mythos Mutter: Die Hand an der Wiege bewegt die Welt


 

Weiterführende Links:
Tina Baier in „Spiegel-Online“:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/mutterliebe-das-staerkste-gefuehl-entschluesselt-a-415306.html


Buch- und Filmempfehlungen:
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Ein bewegender Film über die „Schwarze Pädagogik“, die viele Jahrhunderte lang Kindheit und Erziehung prägte:

Michael Haneke, Das weisse Band, 2010. DVD
FSK: ab 12 Jahren

 



Ein großartiges Übersichtsbuch über alle psychologischen Disziplinen, kurz, prägnant und verständlich erklärt, zum Einlesen und für den Überblick:
Das Psychologie-Buch. Wichtige Theorien einfach erklärt*, Dorling Kindersley Verlag GmbH, München, 2012

 



Alice Millers Klassiker „Am Anfang war Erziehung“ ist zu sehr in Vergessenheit geraten. Millers Denkansätze und Thesen sind heute aktueller denn je – gesellschaftlich, für viele aber auch sehr persönlich.

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Weiterführende Links zum Thema Mütter und Erziehung:


Geschwister sind die Menschen, mit denen wir die längste Beziehung unseres Lebens führen.
Egal, ob wir ewige Rivalität oder immerwährende Liebe pflegen, nicht nur der Charakter unserer Geschwisterbeziehung, sondern auch der Platz in der Geschwister-Reihenfolge ist von Bedeutung.

Kleine Schwester, großer Bruder: Geschwisterkonstellationen


Die „Bibel“ junger Mütter in der Zeit des Nationalsozialismus‘ und ihre Folgen:
Zwischen Drill und Misshandlung: Johanna Haarers „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“


Frauen haben’s echt schwer. Keine(r) macht’s so gut wie wir, und deshalb machen wir’s lieber gleich selbst. Sind Frauen zu gut für diese Welt? Oder … zu perfektionistisch?
Mama macht’s sich selber


„Die Freiheit, nach der sich jedes Männerherz zutiefst sehnt, entsteht zuallererst durch die Befreiung von der Mutter der Kindheit. Darum rate ich jedem Mann zwischen achtzehn und einundachtzig, sich diese Aufgabe beherzt vorzunehmen“, schreibt der Buchautor und Psychologe Robert Betz. Hängt es (wieder) an den Müttern?
Der Mann in der Krise?


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Bildnachweise:

  1. „Andrea Solario 002“ von The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH.. Lizenziert unter Gemeinfrei
  2. Archiv Buschmann/Hintsches
  3. Archiv Buschmann/Hintsches
  4. Artemis bricht mit den Nymphen zur Jagd auf. Von Peter Paul Rubens – The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH., Gemeinfrei

 

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