1933 — Das Ende der Republik. Hitlers Aufstieg zur Macht

1933 Hitlers Aufstieg zur Macht www.generationengespräch.de

Ende 1932 scheint Hit­lers Auf­stieg zur Macht end­gül­tig gestoppt zu sein.: Die NSDAP ist plei­te, zer­strit­ten und hat am 6. Novem­ber 1932 – das ers­te Mal seit zwei Jah­ren – Wäh­ler­stim­men ver­lo­ren.

Und trotz­dem ernennt der Prä­si­dent der Wei­ma­rer Repu­blik, Paul von Hin­den­burg, Adolf Hit­ler am 30. Janu­ar 1933 zum Reichs­kanz­ler.
Wie konn­te das passieren?

Reichskanzler Kurt von Schleicher

Der neue Reichs­kanz­ler, Gene­ral Kurt von Schlei­cher, ist erleich­tert: Das Jahr 1932 endet viel bes­ser, als es am Anfang zu befürch­ten war.

Die Stim­mung in der Wirt­schaft hellt sich gegen Jah­res­en­de spür­bar auf und der Ver­sailler Ver­trag — „Schand­ver­trag”, wie ihn vie­le zu nen­nen pfle­gen — ist in wei­ten Tei­len bald nur noch Geschichte.

Ein schwe­rer Schlag für alle Rechts­po­pu­lis­ten im Land, denn ihnen geht damit eines ihrer Lieb­lings­kampf­the­men ver­lo­ren, mit dem man beson­ders gut mit dem Fin­ger auf das angeb­li­che Staats­ver­sa­gen und die „deut­schen­feind­li­che Repu­blik” zei­gen kann.

  • Fast noch beru­hi­gen­der ist aller­dings die Wahl­schlap­pe, die die NSDAP bei der Novem­ber­wahl 1932 ein­ge­fah­ren hat, 2 Mil­lio­nen Wäh­ler­stim­men hat die „Hit­ler-Par­tei” ver­lo­ren.

Zwar ist sie nach wie vor im Reichs­tag die stärks­te Frak­ti­on, aber Schlei­cher ist sich sicher, dass er die Rechts- und Links­extre­men, die nichts lie­ber wol­len, als die­se Repu­blik zu zer­schla­gen, zu zäh­men ver­mag. Viel­leicht sogar zu spal­ten. Bei Hit­ler zumin­dest sol­len die Ner­ven blank lie­gen, wie man hört.

Zum Jah­res­wech­sel sehen vie­le Deut­sche vor­sich­tig-opti­mis­tisch dem neu­en Jahr 1933 entgegen.

Kurt von Schleicher Das Ende der Republik
Kurt von Schlei­cher
Von Bun­des­ar­chiv, Bild 136-B0228 / CC-BY-SA 3.0

Nun macht sich Reichs­kanz­ler Schlei­cher dar­an, das zar­te Pflänz­chen Hoff­nung auf bes­se­re Zei­ten zu sta­bi­li­sie­ren. Wirt­schaft­lich mit staat­lich finan­zier­ten Arbeits­be­schaf­fungs­maß­nah­men wie zum Bei­spiel dem Auto­bahn­bau; die Plä­ne dafür lie­gen schon fer­tig in der Schublade.

Den Sumpf aus Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit, bit­te­rer Armut und Hoff­nungs­lo­sig­keit, die vor allem der NSDAP und der KPD in den ver­gan­ge­nen Jah­ren regen Zulauf beschert haben, aus­trock­nen. Das ist der Plan.

Poli­tisch will Schlei­cher eine Quer­front schmie­den, eine Ach­se der Wil­li­gen quer durch alle poli­ti­schen Lager für eine Art Burg­frie­den, um die Zeit zu über­brü­cken, bis die Wirt­schaft sich erholt hat.

Alles Gute für 1933!

Schlei­cher ver­han­delt mit Gewerk­schafts­bos­sen eben­so wie mit allen wich­ti­gen Par­tei­funk­tio­nä­ren von der SPD übers Zen­trum bis zu den Deutsch­na­tio­na­len. Schlei­cher spricht auch mit Hit­ler, der will aber nicht. Schlei­cher bricht die Ver­hand­lung mit ihm ab.

Statt­des­sen spricht er mehr­mals mit Hit­lers NSDAP-Vize Gre­gor Stras­ser, dem er eine Regie­rungs­be­tei­li­gung als Minis­ter vor­schlägt, um sei­ne Quer­front den Unzu­frie­de­nen in der Par­tei schmack­haft zu machen. Und die NSDAP mög­li­cher­wei­se sogar zu spal­ten. Nur mit der KPD spricht Schlei­cher nicht.

  • Der Akti­ons­plan zur Ret­tung der Repu­blik wird miss­trau­isch beäugt. Vie­le wol­len erst­mal abwar­ten, wer noch bei die­ser Quer­front mit­macht. Bei man­chen kommt Schlei­chers Kon­zept auch über­haupt nicht gut an, bei­spiels­wei­se bei Schlei­chers Duz­freund und Vor­gän­ger im Kanz­ler­amt, Franz von Papen.

Ob der Schlei­chers Neu­jahrs­grü­ße als freund­li­che Ges­te oder doch als höh­ni­sches Nach­tre­ten aufnimmt? 

Schlei­cher schickt ein Neu­jah­res­te­le­gramm nach Wal­l­er­fan­gen an Franz von Papen. Alles Gute für 33 und herz­li­chen Dank dem Ban­ner­trä­ger in ent­schei­den­den Kämp­fen des alten Jah­res. Sei­nem lie­ben Fränz­chen und sei­ner Fami­lie viel Lie­bes. Schlei­cher.‘ Schickt man einem Riva­len, des­sen Rache man fürch­ten muss, ein sol­ches Telegramm? …“

Aus: Rüdi­ger Barth, Hau­ke Fried­richs, Die Toten­grä­ber: Der letz­te Win­ter der Wei­ma­rer Repu­blik*

Kampf ums Kanzleramt: Franz von Papen

Franz von Papen 1933
Franz von Papen, 1933
Von Bun­des­ar­chiv, Bild 183‑1988–0113–500 / CC-BY-SA 3.0

Es ist nicht bekannt, wie Franz „Fränz­chen“ von Papen auf Schlei­chers Neu­jahrs­glück­wün­sche reagiert hat, aber nach allem, was man weiß, wird er das Tele­gramm zuhau­se in Wal­l­er­fan­gen nicht auf den Kamin­sims gestellt haben.

Denn natür­lich hat­te er fest damit gerech­net, dass er nach der Novem­ber­wahl Reichs­kanz­ler blei­ben wür­de und auch schon Plä­ne geschmiedet.

Aber Schlei­cher hat­te ihn nicht nur als Kanz­ler kalt­schnäu­zig aus­ge­boo­tet, son­dern ihn auch öffent­lich bloß­ge­stellt und düpiert.

Für ihn, Franz Joseph Her­mann Micha­el Maria von Papen, Erb­säl­zer zu Werl und Neu­werk, Spröss­ling eines alten west­fä­li­schen Adels­ge­schlechts, eine tie­fe Krän­kung, die er so schnell nicht vergisst.

  • Papens Kanz­ler­plä­ne nach der Novem­ber­wahl sahen vor, dass er wie bereits im Sep­tem­ber 1932 das zu erwar­ten­de gemein­sa­me Miss­trau­ens­vo­tum von NSDAP und KPD gegen ihn als Kanz­ler durch eine von Hin­den­burg unter­schrie­be­ne Auf­lö­se-Order ele­gant umschif­fen und das gera­de eben gewähl­te Par­la­ment ein­fach wie­der auf­lö­sen und nach Hau­se schi­cken würde.

Das lie­ße sich pro­blem­los wie­der­ho­len. Die­ses Mal aber, so Papens Plan, ohne einen Ter­min für die nächs­te Reichs­tags­wahl fest­zu­set­zen.

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Die letz­ten 10 Wochen der Repu­blik Die Intri­gen und Rän­ke­spie­le hin­ter den Kulis­sen der Macht, die zum kata­stro­pha­len Ende der Wei­ma­rer Repu­blik führ­ten — ver­packt in einem sehr lesens­wer­ter Geschichts-Thril­ler. Ein Lehr­stück, wie es nicht geht, das jeder ken­nen soll­te. Emp­feh­lens­wert!

Rüdi­ger Barth, Hau­ke Fried­richs, Die Toten­grä­ber: Der letz­te Win­ter der Wei­ma­rer Repu­blik*, FISCHER Taschen­buch, 2019

Das wür­de genau genom­men einem Staats­streich gleich­kom­men, denn die Wei­ma­rer Ver­fas­sung sieht vor, dass Neu­wah­len inner­halb von 8 Wochen nach einer Reichs­tags­auf­lö­sung statt­fin­den müssen. 

Aber wen kümmert’s?
Seit 1930 ende­te jede Reichs­tags­wahl mit dem Ergeb­nis, dass das Land durch den Wäh­ler­zu­lauf von NSDAP und KPD noch unre­gier­ba­rer gewor­den ist. Statt dem Par­la­ment regiert letz­ten Endes der­je­ni­ge, der Hin­den­burgs Ver­trau­en genießt und von ihm die Unter­schrif­ten unter die Not­ver­ord­nun­gen bekommt.

  • Hin­den­burgs Ver­trau­en hat er, das weiß Papen. Und eine Ein­la­dung für ein gehei­mes Tref­fen mit Adolf Hit­ler Anfang Janu­ar auch.

Beim Jah­res­es­sen des erz­kon­ser­va­ti­ven ‚Her­ren­klub‘ kurz vor Weih­nach­ten 1932 hat­te ihn der Köl­ner Ban­kier und Hit­ler-Sym­pa­thi­sant Kurt Frei­herr von Schrö­der gefragt, ob er Inter­es­se an einem per­sön­li­chen Gespräch mit Hit­ler habe. 

Papen ist inter­es­siert — und sagt sei­nem Riva­len Schlei­cher erst­mal nichts davon.

Die Stunde der Strippenzieher und Intriganten

Aus­ge­rech­net Papen will die Wei­ma­rer Ver­fas­sung bre­chen und als Reichs­kanz­ler mit Hin­den­burgs Hil­fe und de fac­to dik­ta­to­ri­schen Befug­nis­sen durch­re­gie­ren? Die weni­gen, die von die­sem Plan erfah­ren, sind entsetzt. 

Denn Papen ist in allen poli­ti­schen Lagern unge­fähr so popu­lär wie Magen-Darm mit Brech­durch­fall. So zer­ris­sen das Land auch ist: Nie­mand kann Papen leiden. 

Er hat weder eine poli­ti­sche Haus­macht, nicht ein­mal in sei­ner eige­nen Par­tei, noch kann er die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger von sich überzeugen.

Gro­ßes Zutrau­en in sei­ne poli­ti­schen Fähig­kei­ten hat nie­mand. Mit Aus­nah­me Hin­den­burgs, was wich­tig ist. In den Hin­ter­zim­mern des Reichs­kanz­ler­am­tes ent­brennt der Kampf um die Macht. 

Es ist die gro­ße Stun­de der Strip­pen­zie­her der Wei­ma­rer Repu­blik, vor allem die von Schleicher.

Denn es ist vor allem er, der sei­nen alten Kame­ra­den „Fränz­chen“ im Juni 1932 per­sön­lich ins Kanz­ler­amt gehievt hat und in Papens Kabi­nett als par­tei­lo­ser Reichs­wehr­mi­nis­ter fun­giert, der jetzt kräf­tig an sei­nem Stuhl sägt, um zu ver­hin­dern, dass er noch ein­mal Kanz­ler wird. 

Schlei­cher befürch­tet sogar einen Volks­auf­stand, soll­te Papen erneut Reichs­kanz­ler werden.

Deutschland im Winter 1932: Bedingt abwehrbereit

Nach­dem KPD und NSDAP gemein­sam den Streik der Ber­li­ner Ver­kehrs­be­trie­be (BVG) vom 3. bis 7. Novem­ber 1932 orga­ni­siert und dadurch den gesam­ten öffent­li­chen Nah­ver­kehr in Ber­lin zum Still­stand gebracht haben, gibt Schlei­cher in sei­ner Eigen­schaft als Reichs­wehr­mi­nis­ter ein „Plan­spiel“ in Auftrag.

Sei­ne Mili­tär­stra­te­gen sol­len her­aus­fin­den, ob die Reichs­wehr einem gemein­sa­men repu­blik­wei­ten Gene­ral­streik von KPD und NSDAP und einen gleich­zei­tig statt­fin­den­den Angriff Polens stand­hal­ten könn­ten. Ein ziem­lich schrä­ges Sze­na­rio – aber man weiß ja nie.

Das Ergeb­nis: Könn­te sie nicht.
Die Repu­blik wäre bei einer gleich­zei­ti­gen Bedro­hung von innen durch Kom­mu­nis­ten und Natio­nal­so­zia­lis­ten und von außen, bei­spiels­wei­se durch Polen, nur bedingt abwehrbereit.

Das ernüch­tern­de Ergeb­nis sei­nes „Plan­spiels“ lässt Schlei­cher dem geschäfts­füh­ren­den Kabi­nett vor­tra­gen, das wie erwar­tet fas­sungs­los ist.

  • Mit unan­ge­neh­men Fol­gen für Papens Kanz­ler-Plä­ne.
    Als der am 2. Dezem­ber 1932 sei­nen geschäfts­füh­ren­den Minis­tern freu­dig eröff­net, dass er von Hin­den­burg nun end­lich auch offi­zi­ell den Auf­trag erhal­ten habe, erneut als Kanz­ler eine Regie­rung zu bil­den, ver­wei­gern ihm die Minis­ter sei­nes Schat­ten­ka­bi­netts die Gefolgschaft.

Nie­mand reagiert. Schwei­gen. Da spricht Kon­stan­tin von Neu­r­a­th, der Ältes­te im Raum, grau­me­lier­te Haa­re, grau­er, kur­zer Schnurr­bart, Schmiss auf der Wan­ge. Er redet lang­sam, als kos­te es ihn Über­win­dung, sagt, dass er ein zwei­tes Kabi­nett Papen sehr skep­tisch sehe, ja dass er sogar vor der erneu­ten Betrau­ung des aktu­el­len Kanz­lers war­nen müs­se. Wie­der senkt sich Schwei­gen über den Raum, bis der Finanz­mi­nis­ter Schwe­rin von Kro­sigk die Stim­me erhebt. Er bit­tet Papen, den Reichs­prä­si­den­ten dar­über zu infor­mie­ren, dass die meis­ten, wenn nicht alle Kabi­netts­mit­glie­der, die Mei­nung Neu­r­a­ths teilten …“

Aus: Rüdi­ger Barth, Hau­ke Fried­richs, Die Toten­grä­ber: Der letz­te Win­ter der Wei­ma­rer Repu­blik*

Nach die­sem Deba­kel bleibt Hin­den­burg nichts ande­res übrig, als Kanz­ler­kan­di­dat Papen gleich wie­der zu entlassen. 

Spä­ter lässt er ihm ein Foto von sich mit sei­ner Unter­schrift zustel­len und einer per­sön­li­chen Wid­mung: „Ich hatt‘ einen Kameraden!“

  • Am 3. Dezem­ber ernennt er Schlei­cher zum neu­en Reichs­kanz­ler, sein „letz­tes Pferd im Stall“, wie er sagt.

Jenen Schlei­cher, das hat der 85-jäh­ri­ge Hin­den­burg sehr wohl ver­stan­den, der Franz von Papen soeben aus dem Kanz­ler­amt intri­giert hat.

Reichspräsident Paul von Hindenburg - das Ende der Republik
Gene­ral­feld­mar­schall Paul v. Hin­den­burg“ von Bun­des­ar­chiv, Bild 183-S51620 / CC BY-SA 3.0.

Es sitzt sich schlecht auf der Spitze der Bajonette!”

Nun macht es also Schlei­cher doch selbst. Er ist der 12. Reichs­kanz­ler in der knapp 14-jäh­ri­gen Geschich­te der Wei­ma­rer Republik.

Uner­müd­lich macht er sich an die Arbeit und zunächst läuft es gut für ihn: Am spä­ten Abend des 4. Dezem­ber ist klar, dass die NSDAP auch bei der Thü­rin­ger Kom­mu­nal­wahl deut­lich an Stim­men ver­lo­ren hat und den Nega­tiv-Trend der Reichs­tags­wahl trotz des mas­si­ven Ein­sat­zes sämt­li­cher NSDAP-Grö­ßen im Wahl­kampf nicht stop­pen konnte.

Reichskanzler Kurt von Schleicher 1932 Hitlers Aufstieg zue Macht Generationengespräch

Am 6. Dezem­ber tritt der neu­ge­wähl­te Reichs­tag das ers­te Mal zusam­men.
Ein Miss­trau­ens­an­trag der KPD gegen die neue Regie­rung Schlei­cher schei­tert, weil die NSDAP den Antrag nicht unterstützt.

  • Nicht unter­stüt­zen kann.
    Hit­ler und sei­ne NSDAP kön­nen sich eine erneu­te Auf­lö­sung des Reichs­tags, die einem erfolg­rei­chen Miss­trau­ens­vo­tum so sicher fol­gen wür­de wie das Amen in der Kir­che, schlicht­weg nicht mehr leis­ten. Die finan­zi­el­len Mit­tel für noch einen Wahl­kampf fehlen.

Außer­dem ist sich nie­mand in der Füh­rungs­rie­ge der NSDAP sicher, ob eine erneu­te Wahl nicht doch wie­der in einem Deba­kel für Hit­ler enden wür­de. Seit der Novem­ber­wahl haben weder der „Füh­rer“ noch sei­ne Par­tei einen Lauf. Wer weiß schon, ob die NSPAP bei der nächs­ten Wahl nicht noch mehr Stim­men verliert?

Nach zwei wei­te­ren Sit­zungs­ta­gen des neu­ge­wähl­ten Reichs­tags, bei denen sogar Beschlüs­se gefasst und Geset­ze ver­ab­schie­det wer­den, ver­tagt sich das Par­la­ment auf unbe­stimm­te Zeit in die Weih­nachts­fe­ri­en. Der Ältes­ten­rat und das Reichs­tags­prä­si­di­um sol­len ent­schei­den, wann es im neu­en Jahr weitergeht. 

Weih­nachts­frie­den für die Repu­blik. Und für Schleicher.

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Das Lebens­ge­fühl der Deut­schen Ende der 1920er Jah­re, die Zer­ris­sen­heit der Wei­ma­rer Repu­blik zwi­schen Links und Rechts und ein packen­der Kri­mi nach Vol­ker Kut­schers Gere­on-Rath-Kri­mi­rei­he* per­fekt in Sze­ne gesetzt. Eine sehens­wer­te Serie für alle, die sich für die Zwan­zi­ger Jah­re begeis­tern — und für die, die Zeit­ge­schich­te vor allem durch die Men­schen, die damals gelebt haben, begrei­fen wol­len.

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Da sich das Par­la­ment im ver­län­ger­ten Weih­nachts­ur­laub befin­det, hält Schlei­cher sei­ne Regie­rungs­er­klä­rung als Rund­funk­an­spra­che. Er sehe sich als „über­par­tei­li­cher Sach­ver­wal­ter der Inter­es­sen aller Bevöl­ke­rungs­schich­ten“, sagt er, und das hof­fent­lich nur für kur­ze Zeit.

Sein Ziel: Arbeit schaf­fen! Was er nicht will: eine Mili­tär­dik­ta­tur errichten.

  • Es sitzt sich schlecht auf der Spit­ze der Bajo­net­te, das heißt, man kann auf Dau­er nicht ohne eine brei­te Volks­stim­mung hin­ter sich regie­ren“, sagt er in sei­ner Anspra­che, in der er sich selbst als „sozia­len Gene­ral“ bezeich­net, was ihm viel Spott ein­bringt, zuneh­mend aber auch Wertschätzung.

Nur die Quer­front, die ihn als Kanz­ler stüt­zen soll, will Schlei­cher nicht so recht gelin­gen; man signa­li­siert Inter­es­se, ohne sich fest­le­gen zu wollen.

Vor allem miss­lingt ihm die beab­sich­tig­te Spal­tung der ange­schla­ge­nen NSDAP: Nach vie­len Ver­hand­lun­gen, heim­li­chen Tref­fen und laut­star­ken Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit Hit­ler wirft Gre­gor Stras­ser hin, gibt alle Par­tei­äm­ter ab und zieht sich ins Pri­va­te zurück.

Brü­ning, Papen, Schlei­cher — die letz­ten Reichs­kanz­ler der Repu­blik
In 14 Jah­ren hat­te die Wei­ma­rer Repu­blik 12 Reichs­kanz­ler.
Die letz­ten drei waren:

„Hun­ger­kanz­ler“ Hein­rich Brü­ning: 28. März 1930 bis 30. Mai 1932
Franz von Papen: 1. Juni 1932 bis 2. Dezem­ber 1932
Kurt von Schlei­cher: 3. Dezem­ber 1932 bis 28. Janu­ar 1933

Hitlers Aufstieg zur Macht

Am 4. Janu­ar 1933 tref­fen sich Papen und Hit­ler wie ver­ab­re­det kon­spi­ra­tiv in Schrö­ders Vil­la in Köln zu einem mehr­stün­di­gen per­sön­li­chen Gespräch.

Trotz aller Geheim­hal­tung wird das Tref­fen bekannt und steht am nächs­ten Mor­gen in allen Zei­tun­gen. Schlei­cher nimmt die Nach­richt vom Papen-Hit­ler-Tref­fen gelas­sen:Ich sag‘ ihm ein­fach: ‚Mein Fränz­chen, du hast schon wie­der einen Schnit­zer began­gen“, äußert er in einem infor­mel­len Gespräch gegen­über dem fran­zö­si­schen Bot­schaf­ter André François-Poncet.

Weni­ge Tage spä­ter kommt es dann zu einer lan­gen Aus­spra­che zwi­schen Schlei­cher und Papen. 

Bei dem Tref­fen in Köln, so ver­kauft es Papen an Schlei­cher, sei es ein­zig und allein dar­um gegan­gen aus­zu­lo­ten, unter wel­chen Umstän­den Hit­ler bereit wäre, die Regie­rung Schlei­cher zu unterstützen.

  • Nach dem Gespräch mit Schlei­cher spa­ziert Papen schnur­stracks die paar Meter zu Hin­den­burgs Büro, zu dem er jeder­zeit und ohne Ter­min Zugang hat. Dem Reichs­prä­si­den­ten erzählt Papen eine ande­re Geschich­te: Der „Füh­rer“ sei erst­mals bereit, an einer Regie­rungs­ko­ali­ti­on mit kon­ser­va­ti­ven Kräf­ten teilzunehmen.

Hindenburg verhört sich

Und dann pas­siert das Unfass­ba­re: Im Glau­ben, „sein“ Papen kön­ne erneut Reichs­kanz­ler wer­den und Hit­ler wäre jetzt auf ein­mal mit dem Pos­ten des Vize­kanz­lers zufrie­den, gibt Hin­den­burg sein Ein­ver­ständ­nis für wei­te­re, selbst­ver­ständ­lich streng ver­trau­li­che Gesprä­che mit Herrn Hitler.

Dar­auf­hin fol­gen meh­re­re kon­spi­ra­ti­ve Tref­fen zwi­schen Papen und Hit­ler in der Ber­li­ner Vil­la des Sekt­händ­lers Joa­chim von Rib­ben­trop, einem ehe­ma­li­gen Kriegs­ka­me­ra­den Papens, und des­sen Frau Anne­lie­se, einer gebo­re­nen Henkell.

Hit­ler redet in stun­den­lan­gen Mono­lo­gen auf Papen ein, um ihn zu über­zeu­gen, dass die neue Regie­rung nur mit ihm als Reichs­kanz­ler zustan­de kom­men kön­ne; Papen kön­ne ja Vize­kanz­ler werden.

Nach wei­te­ren Zusam­men­künf­ten wird auch Oskar von Hin­den­burg hin­zu­ge­zo­gen, der in der Ver­fas­sung nicht vor­ge­se­he­ne Sohn des Reichs­prä­si­den­ten (Kurt Tuchol­sky), weil der die Auf­ga­be über­neh­men soll, sei­nem Vater einen zukünf­ti­gen Kanz­ler Hit­ler an der Sei­te von Vize­kanz­ler Papen schmack­haft zu machen.

Trotz aller Geheim­nis­tue­rei blei­ben die Gesprä­che zwi­schen Papen und Hit­ler im Hau­se Rib­ben­trop nicht geheim, son­dern lan­den in den Zei­tun­gen. Schlei­cher muss hilf­los mit anse­hen, wie ihm sei­ne Fel­le davonschwimmen. 

Per­sön­lich infor­miert wird er von sei­nem düpier­ten „Fränz­chen“ nicht mehr, schließ­lich han­delt der ja jetzt im höchs­ten prä­si­dia­len Auftrag.

Es wird eng für Kanz­ler Schleicher.

Gerüchte und Schleichers Rücktritt

Obwohl Schlei­cher nach wie vor mit sei­nem Quer­front-Kon­zept durch alle Lager hau­sie­ren geht, schwin­den die Chan­cen, dass er auf die­se Wei­se Unter­stüt­zer für sei­ne Kanz­ler­schaft fin­det: Stras­ser ist kalt­ge­stellt, die kri­ti­schen Stim­men inner­halb der NSDAP ver­stum­men und alle ande­ren Par­tei- und Gewerk­schafts­füh­rer sind misstrauisch.

Mehr­mals spricht Schlei­cher bei Hin­den­burg vor, denn ohne Quer­front braucht er für die nächs­te Reichs­tags­sit­zung drin­gend eine von Hin­den­burg unter­zeich­ne­te Auflöse-Order. 

  • Denn so wie die Din­ge ste­hen, wer­den KPD und NSDAP bei der nächs­ten Reichs­tags­sit­zung die Gele­gen­heit nut­zen, um nun doch wie­der ein gemein­sa­mes Miss­trau­ens­vo­tum gegen die amtie­ren­de Regie­rung auf den Weg zu brin­gen. Ohne Unter­stüt­zung durch eine Quer­front und ohne Auf­lö­se-Order — das wäre die logi­sche Fol­ge — wäre das Kabi­nett Schlei­cher dann abgewählt.

Hin­den­burg zögert.

Er will es sich überlegen. 

Schon wie­der ein auf­ge­lös­ter Reichs­tag in die­sen unru­hi­gen Zeiten. 

Und jetzt will Schlei­cher auch nach der Auf­lö­sung des Reichs­tags die Ver­fas­sung bre­chen und den Ter­min für Neu­wah­len hin­aus­zö­gern. Das war doch Papens Plan!

Bis in den Herbst 1933 soll der Reichs­tag nicht mehr tagen; in der Hoff­nung, dass dann Schlei­chers Arbeits­be­schaf­fungs­maß­nah­men grei­fen und weni­ger Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler für die KPD oder die NSDAP stimmen.

Das ver­stimmt den alten Reichs­prä­si­den­ten, der sich ange­sichts sei­ner 85 Jah­re vor allem eins wünscht: Ruhe und Ord­nung. Ein geord­ne­tes Reich will er hin­ter­las­sen, nicht die­sen Scherbenhaufen.

Dann tau­chen in den Zei­tun­gen auch noch Schlag­zei­len auf, dass die Kri­se der Repu­blik eine vom Reichs­prä­si­den­ten gemach­te Kri­se sei.

Das ist wenig hilf­reich für Schleicher. 

Dazu kommt, dass Hin­den­burgs Sohn Oskar das Gerücht streut, Schlei­cher wol­le den Reichs­prä­si­den­ten aus Alters­grün­den in Ehren abset­zen und sich selbst zum Reichs­prä­si­den­ten machen. Anschlie­ßend wol­le der Büro­ge­neral dann Hit­ler zum Reichs­kanz­ler ernen­nen, um das Volk zu beruhigen.

Oskar von Hindenburg Hitlers Aufstieg zur Macht Generationengespräch

Es ist ein halt­lo­ses Gerücht — eins unter vie­len in die­sen Tagen. Aber eins, das bei Hin­den­burg hän­gen bleibt.

Als der Ältes­ten­rat den 31. Janu­ar 1933 als neu­en Ter­min für die Zusam­men­kunft des Reichs­tag bestä­tigt, ver­sucht Schlei­cher ein aller­letz­tes Mal, den Reichs­prä­si­den­ten umzustimmen.

Am Sams­tag, dem 28. Janu­ar 1933 ist er bei sei­ner letz­ten Audi­enz bei Hindenburg:

Ich erbit­te die Auf­lö­sungs­or­der, sagt Schlei­cher. ‘Nee’. sagt Hin­den­burg, ‘die krie­ge­ne­se nich.’ Genau so sagt er das. So schnodd­rig. Das Urteil über Kurt von Schleicher. …“

Aus: Rüdi­ger Barth, Hau­ke Fried­richs, Die Toten­grä­ber: Der letz­te Win­ter der Wei­ma­rer Repu­blik*

Dar­auf­hin tritt Schlei­cher als Kanz­ler zurück. 

Das Rück­tritts­ge­such hat Hin­den­burgs Büro­lei­ter Otto Meiss­ner schon auf­ge­setzt; der Herr Gene­ral möge als Kanz­ler doch bit­te im Amt blei­ben, bis sich das neue Kabi­nett for­miert hat.

Freie Fahrt für Papen und Hit­ler: Hit­lers Auf­stieg zur Macht scheint unab­wend­bar zu sein.

Hitlers Weg an die Macht Zitat Carl von Ossietzky Generationengespräch

30. Januar 1933: Hitler wird Reichskanzler

Das Kanz­ler-Karu­sell dreht sich wei­ter. Drei Kanz­ler hat die Repu­blik inner­halb von nur sechs Mona­ten ver­schlis­sen: „Wie­der einer futsch”, schreibt Carl von Ossietz­ky, Her­aus­ge­ber der Welt­büh­ne, Trä­ger des Frie­dens­no­bel­prei­ses 1936, gestor­ben 1938 an den Fol­gen sei­ner KZ-Haft. 

Am 30. Janu­ar 1933 ver­ei­digt Hin­den­burg das neue Kabi­nett.
Reichs­kanz­ler Hit­ler soll von Vize­kanz­ler Papen und den ande­ren rechts­kon­ser­va­ti­ven Minis­tern ein­ge­rahmt und ent­schärft werden. 

  • In zwei Mona­ten haben wir Hit­ler in die Ecke gedrückt, dass er quietscht, ver­sucht Papen Par­tei­kol­le­gen zu beru­hi­gen, die ihn warnen.
Hitlers Aufstieg zur Macht Zitat Christopher Isherwood Generationengespräch
Das Kabi­nett Hit­ler: die Natio­nal­so­zia­lis­ten Hit­ler, Göring und Frick (2. Rei­he, 4. von links), „ein­ge­rahmt“ von kon­ser­va­ti­ven Minis­tern, in der Alten Reichs­kanz­lei, 30. Janu­ar 1933

Wäh­rend am Abend des 30. Janu­ar ein Kar­ne­val aus uni­for­mier­ten SA- und SS-Män­nern mit Fackeln bewaff­net und im Stech­schritt die Macht­er­grei­fung fei­ert, glau­ben vie­le Deut­sche an ein rasches Ende des Hitler-Papen-Spuks.

Die Halb­werts­zeit sei­ner Vor­gän­ger war kurz, wes­halb soll­te es Hit­ler als Kanz­ler bes­ser ergehen? 

Vie­le rech­nen damit, dass der Füh­rer der NSDAP bei der kom­men­den Reichs­tags­wahl am 5. März 1933 eine kra­chen­de Nie­der­la­ge ein­fah­ren und als Kanz­ler durch den nächs­ten Zen­trums-Mann ersetzt wird. Nie­mand ahnt, wie brand­ge­fähr­lich Hit­ler tat­säch­lich ist — und was er dem Land und den Men­schen anzu­tun gedenkt.

…, dass ein Mensch von sol­chem Feder­ge­wicht einen kur­zen Augen­blick lang Welt­ge­schich­te machen und ent­schei­den konnte.“

His­to­ri­ker Golo Mann über Franz von Papen

Hitlers Aufstieg zur Macht: Die “Machtergreifung”

  • 30. Janu­ar 1933
    Hit­ler wird von Hin­den­burg als Reichs­kanz­ler ver­ei­digt, Vize­kanz­ler ist Franz von Papen
  • 1. Febru­ar 1933
    Auf Wunsch Hit­lers löst Hin­den­burg den Reichs­tag auf
  • 2. Febru­ar 1933
    Der kom­mis­sa­risch ein­ge­setz­te preu­ßi­sche Innen­mi­nis­ter Göring ver­bie­tet alle Demons­tra­tio­nen der KPD
  • 3. Febru­ar 1933
    Hit­ler spricht vor Befehls­ha­bern der Reichs­wehr und legt sei­ne Zie­le in der Außen­po­li­tik dar: Lebens­raum im Osten und des­sen rück­sichts­lo­se Germanisierung
  • 4. Febru­ar 1933
    Per Not­ver­ord­nung wird die Ver­samm­lungs- und Pres­se­frei­heit wei­ter eingeschränkt
  • 6. Febru­ar 1933
    Auf Betrei­ben Hit­lers ver­leiht Hin­den­burg von Papen die Voll­macht zur Auf­lö­sung des preu­ßi­schen Land­tags. Damit ist der Weg frei für Neu­wah­len auch in Preußen
  • 10. Febru­ar 1933
    Mit der Über­tra­gung ihrer Kund­ge­bung zum Wahl­kampf­auf­takt benutzt die NSDAP erst­mals den Rund­funk gezielt als Propagandamittel
  • 20. Febru­ar 1933
    Göring lädt 25 füh­ren­de Wirt­schafts­ver­tre­ter zu einem Geheim­tref­fen mit Hit­ler ins Palais des Reichs­tags­prä­si­den­ten. Die Teil­neh­mer sind begeis­tert von Hit­lers Rede und spen­den 3 Mil­lio­nen Reichs­mark für den Wahl­kampf der NSDAP
  • 22. Febru­ar 1933
    Göring bil­det in Preu­ßen eine Hilfs­po­li­zei, deren Mit­glie­der aus SA, SS und “Stahl­helm” rekru­tiert wer­den. Ab sofort gilt für Preu­ßens Poli­zei ein Schieß­be­fehl — erst schie­ßen, dann fragen
  • 27. Febru­ar 1933
    Der Reichs­tag brennt. Gleich nach dem Brand erklärt Göring, der fest­ge­nom­me­ne Nie­der­län­der Mari­nus van der Lub­be habe im Auf­trag der KPD das Feu­er gelegt. Es fol­gen zahl­rei­che poli­tisch moti­vier­te Ver­haf­tun­gen; vor allem Mit­glie­der der KPD und Juden wer­den verfolgt
  • 28. Febru­ar 1933
    Hin­den­burg unter­zeich­net die Not­ver­ord­nung „Zum Schutz von Volk und Staat“. Mit sofor­ti­ger Wir­kung wird die Meinungs‑, Pres­se- und Ver­samm­lungs­frei­heit noch wei­ter ein­ge­schränkt und der Poli­zei weit­rei­chen­de Befug­nis­se ein­ge­räumt. Die Jagd auf Kom­mu­nis­ten, Oppo­si­tio­nel­le und Juden nimmt Fahrt auf. Die ers­ten “wil­den Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger” entstehen
  • 5. März 1933
    Trotz Ter­ror und Pro­pa­gan­da, der Ein­schrän­kung von Pres­se- und Ver­samm­lungs­frei­heit und der Ver­fol­gung Oppo­si­tio­nel­ler ver­fehlt die NSDAP die sicher geglaub­te abso­lu­te Mehr­heit im Reichs­tag: Sie erhält 43,9 Pro­zent der Stim­men, auf die SPD ent­fal­len 18,3 Pro­zent der Stim­men, auf die KPD 12,3 Pro­zent, das Zen­trum 11,2 Pro­zent und die als Kampf­front Schwarz-Weiß-Rot ange­tre­te­ne DNVP 8 Pro­zent. Die gleich­zei­ti­gen Wah­len zum preu­ßi­schen Land­tag haben ein ähn­li­ches Ergebnis.
  • 8. März 1933
    Auf der Basis der Not­ver­ord­nun­gen wer­den die KPD-Sit­ze im Reichs­tag annul­liert. Der KPD-Vor­sit­zen­de Ernst Thäl­mann wur­de bereits am 3. März in sei­nem Ver­steck in Ber­lin gefun­den und verhaftet.
  • 13. März 1933
    Joseph Goeb­bels wird Minis­ter für “Volks­auf­klä­rung und Propaganda”
  • 21. März 1933
    Vor der Eröff­nung des neu­en Reichs­tags in der Kroll­oper gegen­über des aus­ge­brann­ten Reichs­tags­ge­bäu­de insze­nie­ren die Natio­nal­so­zia­lis­ten den “Tag von Pots­dam”, auf dem sich Hit­ler gemein­sam mit Hin­den­burg zeigt, was die Ver­bin­dung vom “alten und neu­en Deutsch­land” sym­bo­li­sie­ren und so das Anse­hen der Regie­rung Hit­ler erhö­hen soll. Anschlie­ßend legt Hit­ler dem neu­ge­wähl­ten Reichs­tag das “Gesetz zur Behe­bung der Not von Volk und Reich” (Ermäch­ti­gungs­ge­setz) vor, für das er eine Zwei­drit­tel­mehr­heit braucht.
  • 23. März 1933
    Der Reichs­tag bil­ligt in nament­li­cher Abstim­mung mit den Stim­men aller Abge­ord­ne­ten der Zen­trums­par­te das Ermäch­ti­gungs­ge­setz, was einer Selbst­en­haup­tung des Par­la­ments gleich­kommt. Ab sofort kann die Regie­rung ohne Par­la­ment und Reichs­prä­si­den­ten Geset­ze erlas­sen — auch, wenn sie ver­fas­sungs­wid­rig sind. Die Legis­la­ti­ve ist damit aus­ge­he­belt, Deutsch­land ist eine Dik­ta­tur. Nur die 94 Abge­ord­ne­ten der SPD stim­men trotz mas­si­ver Ein­schüch­te­rung dage­gen; die Abge­ord­ne­ten der KPD — die, die noch leben, nicht ver­haf­tet oder unter­ge­taucht sind — erhal­ten kei­ne Par­la­ments­aus­wei­se mehr.

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Lesen Sie im nächs­ten Bei­trag: Deutsch­land 1934: Die wirt­schaft­li­che Lage ist mise­ra­bel, die Unzu­frie­den­heit in der Bevöl­ke­rung hoch. Franz von Papen zün­delt mit sei­ner Mar­bur­ger Rede und Hit­lers alter Kampf­ge­fähr­te Ernst Röhm for­dert eine zwei­te Revo­lu­ti­on. Kol­la­biert das „Drit­te Reich“?
Deutsch­land 1934: Die Nacht der lan­gen Messer

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Zehn Wochen dau­ert die Höl­len­fahrt der Wei­ma­rer Repu­blik in den Abgrund und nur einen Febru­ar braucht es, bis Hit­ler über das Schick­sal der Deut­schen ent­schie­den hat. Der Lite­ra­tur­kri­ti­ker und Autor Uwe Witt­stock über die schick­sal­haf­ten Tage im Febru­ar 1933, in dem es Reichs­kanz­ler Hit­ler trotz natio­nal­kon­ser­va­ti­ver „Ein­rah­mung” gelingt, die Macht an sich zu rei­ßen. Hoch­ak­tu­ell und sehr, sehr lesens­wert!

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Das Ende der Repu­blik: Das zähe Rin­gen aller Akteu­re — Hin­den­burg, Hit­ler, Papen, Schlei­cher, Goeb­bels — um die Macht, aber auch das Lebens­ge­fühl der “klei­nen Leu­te” zu Beginn der 1930er Jah­re span­nend und auf­schluss­reich mit Zeit­zeu­gen­be­rich­ten, Anek­do­ten und Epi­so­den erzählt.

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Ber­lin 1933: Gere­on Raths fünf­ter Fall führt sei­ne Leser direkt in die Zeit der ‘Macht­er­grei­fung’: Reichs­tags­brand, Kom­mu­nis­ten­het­ze, die letz­te Reichs­tags­wahl im März 1933. Hit­ler-Geg­ner, sei­ne Befür­wor­ter und die gro­ße schwei­gen­de Mehr­heit, die hofft, dass die­ser Spuk bald vor­bei sein wird. Ein groß­ar­ti­ger Kri­mi­nal­ro­man vor his­to­ri­schem Hin­ter­grund — sehr lesens­wert!

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Wei­ter­füh­ren­de Beiträge:

Wirt­schaft im “Drit­ten Reich”: Wirt­schaft­lich stand das “Drit­te Reich” nie auf sta­bi­len Bei­nen. Die Öko­no­mie im Natio­nal­so­zia­lis­mus war von Anfang an auf Täu­schung und Expan­si­on – Krieg – gebaut. Über Hit­lers Auto­bah­nen, MeFo-Wech­sel, Lügen und Täu­schun­gen – ohne die Hit­lers Weg in den Krieg nie funk­tio­niert hät­te.
Auto­bahn und Mefo-Wech­sel: Adolf Hit­ler, die deut­sche Wirt­schaft und der Weg in den 2. Weltkrieg

SPD und NSDAP sind Zwil­lin­ge! In den 1920er Jah­ren tobt ein hef­ti­ger Macht­kampf zwi­schen den bei­den Arbei­ter­par­tei­en SPD und KPD: Die Sozi­al­de­mo­kra­ten ver­su­chen, die Repu­blik zu stüt­zen, die Kom­mu­nis­ten arbei­ten an der Sowjet­re­pu­blik Deutsch­land. Eine der Fol­gen ist die soge­nann­te Sozi­al­fa­schis­mus­theo­rie”, die besagt, dass der eigent­li­che Feind der KPD die SPD und nicht die NSDAP ist. Eine wir­kungs­vol­le Koope­ra­ti­on bei­der Arbei­ter­par­tei­en, um Hit­ler zu ver­hin­dern, ist damit aus­ge­schlos­sen.
Ham­burg auf den Bar­ri­ka­den

Am Sil­ves­ter­abend 1932 liegt Mag­da Goeb­bels in Ber­lin im Kran­ken­haus und ringt mit dem Tod, wäh­rend Goeb­bels den Abend bei Hit­ler auf dem Ober­salz­berg ver­bringt und sei­nem „Füh­rer“ um Mit­ter­nacht fest die Hand drückt: „Ich wün­sche Ihnen die Macht!“. Über Joseph und Mag­da Goeb­bels und ihre gemein­sa­me „amour fou” zu Hit­ler:
Mag­da Goeb­bels (2): Der Bock von Babelsberg

Das Ende der Repu­blik: Es ist nicht das Wäh­ler­vo­tum, das den roten Tep­pich für Adolf Hit­ler aus­rollt, son­dern das kata­stro­pha­le Agie­ren von mehr oder min­der demo­kra­ti­schen Poli­ti­kern, die mit einer Mischung aus Igno­ranz, Dumm­heit und Selbst­sucht die ers­te Demo­kra­tie auf deut­schem Boden gegen die Wand fah­ren. 
1932: Das Ende der Repu­blik. Brü­ning, der Hun­ger­kanz­ler

Hit­lers Auf­stieg zur Macht: Wäh­rend Brü­ning als Hun­ger­kanz­ler und Papen als Steig­bü­gel­hal­ter Hit­lers in die Geschich­te ein­ge­gan­gen sind, ist sei­ne Rol­le beim Ende der Wei­ma­rer Repu­blik bis heu­te nicht klar. Ist er die dunk­le Macht, die hin­ter den Kulis­sen der Repu­blik absicht­lich den Todes­stoß ver­setzt — oder ver­sucht er zu ret­ten, was noch zu ret­ten ist?
1932: Das Ende der Repu­blik. Papen und Schleicher

Beschwing­te Zei­ten zwi­schen zwei Kata­stro­phen: Die Gol­de­nen Zwan­zi­ger Jah­re sind ein Tanz auf dem Vul­kan, der direkt ins wirt­schaft­li­che Desas­ter des 24. Okto­ber 1929 führt. Über die Vor­ge­schich­te der Welt­wirt­schafts­kri­se vom Jetzt-kau­fen-spä­ter-zah­len bis zur Gold­fal­le
Der “Schwar­ze Frei­tag”: Vom Bör­sen­krach zur Welt­wirt­schafts­kri­se

Das Gene­ra­tio­nen­ge­spräch im Über­blick: Bio­gra­fien, Lie­be, Opfer, Mord, Krieg und ande­re Geschich­ten der letz­ten 300 Jah­re, die unse­re Welt zu dem gemacht haben, die sie heu­te ist.
Das Gene­ra­tio­nen­ge­spräch: Geschichte(n) im Über­blick

Link­emp­feh­lung:

Bun­des­ar­chiv: Die Rund­funk­an­spra­che des Reichs­kanz­lers Kurt von Schlei­cher vom 15. Dezem­ber zum Nach­le­sen:
https://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919–1933/0p20/vsc/vsc1p/kap1_2/para2_25.html

Bild­nach­wei­se:

Bun­des­ar­chiv, Bild 183-H28422 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de,
Das Kabi­nett Hit­ler: die Natio­nal­so­zia­lis­ten Hit­ler, Göring und Frick (2. Rei­he, 4. von links), „ein­ge­rahmt“ von kon­ser­va­ti­ven Minis­tern, in der Alten Reichs­kanz­lei, 30. Janu­ar 1933
Es folgt die his­to­ri­sche Ori­gi­nal­be­schrei­bung, die das Bun­des­ar­chiv aus doku­men­ta­ri­schen Grün­den über­nom­men hat. Die­se kann aller­dings feh­ler­haft, ten­den­zi­ös, über­holt oder poli­tisch extrem sein. Zen­tral­bild Die deut­schen Faschis­ten bil­den nach der Macht­er­grei­fung am 30.1.1933 ihr ers­tes Kabi­nett unter Adolf Hit­ler. UBz: vlnr, sit­zend: Her­mann Göring, Reichs­kom­mis­sar für Luft­fahrt und das preus­si­sche Innen­mi­nis­te­ri­um, Adolf Hit­ler, Reichs­kanz­ler, Franz von Papen, Vize­kanz­ler ste­hend: Franz Sel­dte, Arbeits­mi­nis­ter, Dr. Dr. Gün­ther Gere­ke, Lutz Graf Schwe­rin von Kro­sigk, Reichs­fi­nanz­mi­nis­ter, Wil­helm Frick, Reichs­in­nen­mi­nis­ter, Wer­ner von Blom­berg, Reichs­wehr­mi­nis­ter, Alfred Hugen­berg, Wirt­schafts- und Ernäh­rungs­mi­nis­ter 3633–33

Bun­des­ar­chiv Bild 183-S51620, Gene­ral­feld­mar­schall Paul v. Hin­den­burg“ von Bun­des­ar­chiv, Bild 183-S51620 / CC BY-SA 3.0. Lizen­ziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wiki­me­dia Com­mons

Bun­des­ar­chiv, Bild 136-B0228 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0. Lizen­ziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wiki­me­dia Com­mons.
Es folgt die his­to­ri­sche Ori­gi­nal­be­schrei­bung, die das Bun­des­ar­chiv aus doku­men­ta­ri­schen Grün­den über­nom­men hat. Die­se kann aller­dings feh­ler­haft, ten­den­zi­ös, über­holt oder poli­tisch extrem sein. Kurt von Schlei­cher Reichs­mi­nis­ter Gene­ral Kurt von Schlei­cher (erschos­sen 1934 bei Röhm-Revol­te) in Uni­form, Por­trät Abge­bil­de­te Per­so­nen: Schlei­cher, Kurt von: Reichs­kanz­ler, Reichs­wehr­mi­nis­ter, Gene­ral, 1934 ermor­det, Deutsch­land (GND 118608037)

Von Bun­des­ar­chiv, Bild 183‑1988-0113–500 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Lizen­ziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wiki­me­dia Com­mons
Es folgt die his­to­ri­sche Ori­gi­nal­be­schrei­bung, die das Bun­des­ar­chiv aus doku­men­ta­ri­schen Grün­den über­nom­men hat. Die­se kann aller­dings feh­ler­haft, ten­den­zi­ös, über­holt oder poli­tisch extrem sein. Geburts­tag des Vize­kanz­lers. Der Stell­ver­tre­ter des Reichs­kanz­lers, Vize­kanz­ler Franz von Papen, wird am 29.10. 54 Jah­re alt. Herr von Papen, der sich um die Eini­gung des natio­na­len Deutsch­land ein his­to­ri­sches Ver­dienst erwor­ben hat, ist gebür­ti­ger West­fa­le und war zunächst akti­ver Offi­zier, 1913 Haupt­mann im Gros­sen Gene­ral­stab, 1914–16 Mili­tär-Attac­hè in Washing­ton und in Mexi­ko. In den bei­den letz­ten Kriegs­jah­ren nahm Herr von Papen am Feld­zug teil und war zuletzt Oberst­leut­nant und Chef des Sta­bes der 4. Osma­ni­schen Armee. Als Mit­glied des Zen­trums hat er dem Preus­si­schen Land­tag von 1920 bis 1928 und von 1930 — 1932 ange­hört. Am 1. Juni 1932 über­nahm Herr von Papen auf Wunsch des Reichs­prä­si­den­ten das Reichs­kanz­ler­amt, das er bis zum 2. Dezem­ber inne­hat­te. Seit dem 30. Janu­ar 33 , dem Tag der Amts­über­nah­me der Regie­rung Hit­ler, ist Herr von Papen Stell­ver­tre­ter des Reichs­kanz­lers. 37161–33

Bun­des­ar­chiv, Bild 102–09560 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 Lizen­ziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wiki­me­dia Com­mons https://​com​mons​.wiki​me​dia​.org/​w​/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​c​u​r​i​d​=​5​4​8​0​2​0​2​O​b​e​r​s​t​l​e​u​t​n​ant von Hin­den­burg, der Sohn des Reichs­prä­si­den­ten ver­un­glückt ! Oberst­leut­nant von Hin­den­burg ver­un­glück­te beim Rei­ten im Tier­gar­ten. Er hat eini­ge Rip­pen­brü­che davon­ge­tra­gen, sodass er meh­re­re Wochen das Bett hüten muss.

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