Mutterliebe: Wie Jean-Jacques Rousseau sie zufällig erfand

Kind­heit und Erziehung

Die Erfindung der Mutterliebe

Mit „Mut­ter­lie­be” hat der fran­zö­si­sche Phi­lo­soph Jean-Jac­ques Rous­se­au nichts im Sinn, als er 1762 sei­nen Roman „Emi­le oder über die Erzie­hung” ver­öf­fent­licht.

Rund 40 Jah­re spä­ter ist er post­hum zum Hel­den der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on gewor­den und sein Roman „Emi­le” zur Grund­la­ge unse­rer moder­nen Erzie­hung und der Idee der Mutterliebe.

Porträt von Jean-Jacques Rousseau – Erfinder der modernen Idee der Mutterliebe im 18. Jahrhundert

Jean-Jacques Rousseau und die Mutterliebe

Eigent­lich ist Jean-Jac­ques Rous­se­aus Erfin­dung der Mut­ter­lie­be ein Ver­se­hen, denn per­sön­lich hat­te der Phi­lo­soph mit Müt­tern und Kin­dern nichts am Hut. Die fünf gemein­sa­men Babys, die sei­ne Lebens­ge­fähr­tin The­re­se im Lauf ihrer Bezie­hung zur Welt brach­te, gab er gleich nach der Geburt in ein Fin­del­haus — wo sie elend zugrun­de gin­gen.

Um zuhau­se unge­stört arbei­ten zu kön­nen, lau­te­te sei­ne Begrün­dung.

Rous­se­aus Ver­hält­nis zu Kin­dern ent­sprach damit haar­ge­nau dem der bes­se­ren gesell­schaft­li­chen Krei­se, die er eigent­lich ver­ach­te­te: Wer es sich leis­ten konn­te, wahr­te so gut wie mög­lich Distanz zum eige­nen Nach­wuchs.

Ein Grund für das küh­le Eltern-Kind-Ver­hält­nis war sicher­lich die hohe Kin­der­sterb­lich­keit in allen Gesell­schafts­schich­ten, die man vie­le Jahr­hun­der­te lang aus­hal­ten muss­te. Denn wer möch­te sein Herz schon an ein Kind bin­den, das mit einer Wahr­schein­lich­keit von mehr als 50 Pro­zent das Krab­bel­al­ter nicht überlebt?

Sein Kind selbst zu stil­len, war nur etwas für arme Müt­ter; wer genug Geld hat­te, gab sei­ne Kin­der im Säug­lings­al­ter zur Amme aufs Land, die über eigens ein­ge­rich­te­te Agen­tu­ren ver­mit­telt wurde.

Nur bei sehr rei­chen Städ­tern leb­te die Amme mit im Haus.

Nach der Zeit bei der Amme wur­den die Kin­der gut­si­tu­ier­ter Eltern im Alter von sie­ben bis 16 Jah­ren ins Klos­ter oder zu den Jesui­ten geschickt, wo man ihre Erzie­hung mit der Maß­ga­be, ihre „tie­ri­sche Natur“durch Stren­ge zu zäh­men, fort­setz­te.

Mut­ter­lie­be als beson­de­re und inten­si­ve Bin­dung zwi­schen Mut­ter und Kind?
Wahr­schein­lich konn­te ein Kind froh sein, wenn „maman“ es nach sei­ner monate‑, manch­mal jah­re­lan­gen Abwe­sen­heit über­haupt wiedererkannte.

WERBUNG

Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge – Kulturgeschichte von Wohnen, Alltag und Gewohnheiten

Über Kindererziehung,

die Bau­lust der Köni­ge, den Puder­pe­rü­cken-Knall des Abso­lu­tis­mus und die Sor­gen und Nöte der klei­nen Leu­te, die den Adels­spaß der obe­ren Zehn­tau­send finan­zie­ren muss­ten.
Sehr lesens- bzw. in der Audio­fas­sung gele­sen von Rufus Beck abso­lut hörenswert! 

Erziehung im 18. Jahrhundert: Eine Kindheit in Preußen

Wie bru­tal die Erzie­hungs­maß­nah­men waren, beschreibt das Bei­spiel eines Zeit­ge­nos­sen Rous­se­aus, König Fried­rich II. von Preu­ßen (1712 — 1786), der auch als „der Gro­ße” bekannt ist.

Quer­flö­te spie­len, phi­lo­so­phi­sche Plau­de­rei­en mit Vol­taire, Schloss Sans­sou­cis in Pots­dam etc. — Sie wis­sen schon.

Fried­rich war der bedau­erns­wer­te Sohn des „Sol­da­ten­kö­nigs” Fried­rich Wil­helm I., der vor allem für sei­ne „preu­ßi­schen Tugen­den” — Dis­zi­plin, Fleiß und Pünkt­lich­keit — bekannt gewor­den ist. (Der alte Fried­rich lieb­te sei­ne Armee, war aller­dings weit weni­ger krie­ge­risch als sein Quer­flö­te spie­len­der und mit Vol­taire plau­dern­der Sohn …)

Friedrich II. von Preußen mit seiner Schwester Wilhelmine von Bayreuth – Kindheit und Erziehung im 18. Jahrhundert in Preußen

Fried­rich mit sei­ner Lieb­lings­schwes­ter Wil­hel­mi­ne – ihre Kind­heit war geprägt von Stren­ge, Drill und emo­tio­na­ler Härte.

Als Vater war der Sol­da­ten­kö­nig aller­dings ein har­ter Kno­chen.

Das offen­bart sich in einer fürch­ter­li­chen Geschich­te, die sich ereig­net hat, nach­dem Fried­rich als Teen­ager ver­sucht hat, gemein­sam mit sei­nem bes­ten Freund der väter­li­chen Knu­te zu ent­flie­hen.

Der Flucht­ver­such miss­lang und die bei­den jun­gen Män­ner wur­den auf Befehl des Sol­da­ten­kö­nigs in den Ker­ker geworfen.

Das reich­te dem erbos­ten Vater und Sol­da­ten­kö­nig als Stra­fe aller­dings noch nicht.
Für die beson­ders har­te Bestra­fung befahl er, vor der Zel­le sei­nes Soh­nes einen Exe­ku­ti­ons­platz zu errich­ten. Dort ließ er Fried­richs bes­ten Freund hin­rich­ten, Fried­rich wur­de gezwun­gen, zuzu­schau­en.

Die­ses ein­schnei­den­de, für die­se Zeit aber nicht unge­wöhn­li­che Erzie­hungs­trau­ma und auch sei­ne sehr wahr­schein­li­che homo­se­xu­el­le Nei­gung, mach­ten Fried­rich den Gro­ßen zu einem sicher­lich geist­rei­chen, ver­mut­lich aber auch zu einem sehr unglück­li­chen Men­schen.

Wie so vie­le sei­ner Zeit­ge­nos­sen, egal, ob von ein­fa­cher oder blau­blü­ti­ger Herkunft.

Von der Antike bis zum Mittelalter: Keine Spur von Mutterliebe

Die distan­zier­te und oft auch bru­ta­le Hal­tung gegen­über den eige­nen Kin­dern hat­te Sys­tem. Denn schon in der Wie­ge unse­rer Zivi­li­sa­ti­on, im alten Grie­chen­land, ver­zich­te­te man auf müt­ter­li­che Gefüh­le.

Alt­grie­chi­sche Neu­ge­bo­re­ne muss­ten kurz nach der Geburt dem Vater vor­ge­führt wer­den, der dann nach Augen­maß ent­schied, ob ein Baby blei­ben durf­te oder getö­tet oder aus­ge­setzt wur­de. Am liebs­ten hät­ten die grie­chi­schen Patri­ar­chen, für die die Lie­be zwi­schen Män­nern das höchs­te ihrer Gefühls­welt war, ihre Kin­der (Söh­ne) sowie­so selbst zur Welt gebracht.

Wie so vie­les Ande­re über­nah­men die Römer das sehr schnör­kel­lo­se Ver­hält­nis der Grie­chen zu Kin­dern und Frau­en (die Män­ner­lie­be dage­gen nicht) und sorg­ten für sei­ne Ver­brei­tung. Bis weit ins Mit­tel­al­ter spiel­te Mut­ter­lie­be kei­ne beson­de­re Rol­le in Euro­pa.

Hat­ten Frau­en in der Anti­ke schon kei­nen leich­ten Stand, so geba­ren Chris­ten­tum und Kir­che im Früh­mit­tel­al­ter ein Kon­zept, das ihnen das Leben noch schwe­rer mach­te: die Erb­sün­de.

Erbsünde Fresko Sixtinische Kapelle – Mythos Mutterliebe und Frauenbild im Mittelalter

Decken­fres­ko zur Schöp­fungs­ge­schich­te in der Six­ti­ni­schen Kapel­le
Haupt­sze­ne: Ursün­de und Ver­trei­bung aus dem Para­dies
Michel­an­ge­lo, Vati­kan, Six­ti­ni­sche Kapelle

Dem Kir­chen­leh­rer Augus­ti­nus (354 – 430) und ande­ren Kle­ri­kern war auf­ge­fal­len, dass es Eva war, die Adam den ver­gif­te­ten Apfel gereicht hat­te ‑und damit schuld war an der Ver­trei­bung aus dem Para­dies.

Man schloss dar­aus, dass Men­schen von Geburt an schlecht und Sün­der sein müs­sen, Frau­en aber wegen der Erb­sün­de noch sün­di­ger als alle ande­ren und eine ech­te Bedro­hung für Mann und Mensch­heit.

Ab da war es um das See­len­heil von Frau­en und Müt­tern end­gül­tig gesche­hen.
Alles, was mit Weib­lich­keit, Sexua­li­tät und Geburt zu tun hat­te, galt fort­an als Teu­fels­zeug und ekel­er­re­gen­des ‘Igitt’, von dem sich Kir­che und Män­ner soweit wie mög­lich fern­hal­ten soll­ten.

Erst im Hoch­mit­tel­al­ter, zu Beginn des 13. Jahr­hun­derts, änder­te sich die Ein­stel­lung zu Mut­ter und Kind lang­sam; der christ­li­che Mari­en­kult begann, Wir­kung zu zei­gen.

Kunst und Kul­tur ver­knall­ten sich in die Madon­na mit ihrem Jesus­kind und Maria wur­de zum Ide­al der selbst­los lie­ben­den und auf­op­fe­rungs­vol­len Mut­ter.

Ab da lag Mut­ter­lie­be im Trend und alle welt­li­chen Müt­ter soll­ten sich an Maria ori­en­tie­ren.

Doch am kur­zen, ent­beh­rungs­rei­chen Leben der mit­tel­al­ter­li­chen Durch­schnitts­mut­ter änder­te auch die­ser Kult nichts.
Die meis­ten Müt­ter konn­ten froh sein, wenn sie im Schnitt etwa zehn Gebur­ten über­leb­ten und wenigs­ten jedes zwei­te ihrer Kin­der das Baby­al­ter eini­ger­ma­ßen überstand.

Jean-Jacques Rousseau und die Erfindung der Mutterliebe

Nach Augus­ti­nus und der ‘Erb­sün­de’ war es eini­ge Jahr­hun­der­te spä­ter wie­der ein Mann, der das Leben von Frau­en und Kin­dern nach­hal­tig ver­än­dern soll­te.

Und zwar erst in der Epo­che der Auf­klä­rung, einem Zeit­al­ter der Eman­zi­pa­ti­on, in dem sich die Men­schen immer weni­ger mit dem lie­ben Gott und immer mehr mit ihrem irdi­schen Dasein beschäf­ti­gen.

Ich den­ke, also bin ichwird zum Leit­ge­dan­ke einer neu­en Zeit, die an Ver­nunft, Tole­ranz und per­sön­li­che Hand­lungs­frei­heit glaubt.

Bis zur fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on wer­den zwar noch drei Jahr­zehn­te abso­lu­tis­ti­scher Ruhe ver­ge­hen, aber die Vor­den­ker und Phi­lo­so­phen jener Zeit rei­ben sich bereits hef­tig an der zemen­tier­ten und unge­rech­ten Stän­de­ge­sell­schaft und lau­fen sich warm für den kom­men­den Sturm.

Die fei­ne Gesell­schaft des Abso­lu­tis­mus — eitel, selbst­süch­tig und unehr­lich, mit turm­ho­hen Puder­pe­rü­cken und sei­de­nen Plu­der­ho­sen, bringt den Phi­lo­so­phen und Päd­ago­gen Jean-Jac­ques Rous­se­au (1712 – 1778) zur Weiß­glut.
Er will ein Zei­chen dage­gen setzen.

Zitat von Jean-Jacques Rousseau: „Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten“ – Kritik an Gesellschaft und Erziehung

Das tut er mit zahl­rei­chen Ver­öf­fent­li­chun­gen. 1762 erscheint schließ­lich sein wich­tigs­tes Werk, der Erzie­hungs­ro­man „Emi­le oder über die Erzie­hung.

In die­sem Roman räumt Rous­se­au mit dem uralten Kon­zept der „Erb­sün­de” auf, das immer noch in den Köp­fen Euro­pas her­um­geis­tert, und pos­tu­liert statt­des­sen den „natur­haft guten Zustand“ des Men­schen bei sei­ner Geburt, der erst durch Erzie­hung ins Schlech­te ver­kehrt wird.

Das ist eine gedank­li­che Revo­lu­ti­on.
Denn Men­schen wer­den in den Augen sei­ner Zeit­ge­nos­sen mit einer Erb­schuld gebo­ren — und Kin­der ent­we­der als klei­ne Erwach­se­ne oder klei­ne wil­de Tier­chen wahr­ge­nom­men, die erst durch die Erzie­hung mit har­ter Hand zu ordent­li­chen Men­schen geformt wer­den müssen.


Alles ist gut, 

wenn es aus den Hän­den des Schöp­fers her­vor­geht; alles ent­ar­tet unter den Hän­den des Men­schen.“

Jean-Jac­ques Rousseau


Emile oder über die Erziehung

Wie nicht anders zu erwar­ten war, fiel Rous­se­aus päd­ago­gi­sches Kon­zept vom „natur­haft guten Zustand” von Kin­dern, die erst durch Erzie­hung ver­dor­ben wer­den, mit Pau­ken und Trom­pe­ten durch.

Kir­chen­ver­tre­ter wet­tern gegen dieneu­en Wil­den“, aber auch die auf­ge­klär­ten Den­ker und Phi­lo­so­phen sei­ner Zeit haben viel Hohn und Spott für Rous­se­aus merk­wür­di­gen neu­en Denk­an­satz übrig: Nach der Lek­tü­re des Romans habe er Lust bekom­men, auf allen vie­ren zu gehen, spöt­tel­te Rous­se­aus Zeit­ge­nos­se Vol­taire.

Doch alle Auf­klä­rer glau­ben an die Ver­nunft und an eine bes­se­re Welt mit bes­se­ren und ver­nünf­ti­ge­ren Men­schen.

Rous­se­aus Idee, die Kind­heit als eigen­stän­di­gen und voll­wer­ti­gen Lebens­ab­schnitt anzu­se­hen, in der Kin­der wich­ti­ge posi­ti­ve Erfah­run­gen machen soll­ten und ohne Drill, son­dern mit Ver­nunft auf ihr Erwach­se­nen­le­ben vor­be­rei­tet wer­den, passt eigent­lich sehr gut ins Kon­zept einer auf­ge­klär­ten Welt.

Die­ser Aspekt in Rous­se­aus neu­em Denk­an­satz  gefiel dann doch ganz gut und setz­te sich nach und nach durch.

Die deut­schen Auf­klä­rer Schil­ler und Goe­the waren bei­spiels­wei­se sehr lie­be­vol­le Väter, die sich Zeit für ihre Kin­der nah­men, mit ihnen spiel­ten und weit davon ent­fernt waren, sie zu igno­rie­ren oder zu drillen.

Ein Paradox: Der Vater der Mutterliebe

Doch obwohl es zur Zeit Rous­se­aus nicht nur fort­schritt­lich den­ken­de Phi­lo­so­phen gab, son­dern auch eman­zi­pier­te Schrift­stel­le­rin­nen und Phi­lo­so­phin­nen, hat sei­ne neue Idee von der Kind­heit nichts mit Mäd­chen, Frau­en oder Müt­tern zu tun.

Im Roman „Emi­le oder über die Erzie­hung” über­neh­men Haus­leh­rer Emi­les Erzie­hung.
Mäd­chen und jun­gen Frau­en ord­net Rous­se­au dage­gen ein klas­si­sches Rol­len­mus­ter zu, das heißt sie sol­len sich wie bis­her um die Fami­lie küm­mern und sich nicht in die Män­ner­welt da drau­ßen ein­mi­schen.

Rous­se­au emp­fiehlt sogar, die natür­li­che Neu­gier klei­ner Mäd­chen „abzu­tö­ten“, um spä­ter ihre Män­ner vor zu vie­len weib­li­chen Fra­gen und Gedan­ken zu bewah­ren.

In einem klei­nen Teil sei­nes Romans beschreibt Rous­se­auSophie“, die spä­te­re Ehe­frau sei­nes fik­ti­ven Zög­lings Emi­le.

Zwar gesteht er Sophie zu, ähn­lich begabt zu sein wie Emi­le, doch im Gegen­satz zu ihm erhält sie kei­ne Aus­bil­dung, son­dern lernt Sin­gen, Kla­vier­spie­len, Nähen und Kochen. Eben alles, was sie braucht um ihrem zukünf­ti­gen Mann zu gefal­len und ihm das Leben ange­nehm zu machen.

Zitat von Jean-Jacques Rousseau über Frauen und Männer: „Die Frau hat mehr Geist, der Mann mehr Genie“ – Rollenbilder im 18. Jahrhundert

Mütter, macht bloß alles richtig!

Erst 30 Jah­re spä­ter, mit dem Beginn der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on 1789, beginnt auch der Sie­ges­zug von Rous­se­aus neu­em Kon­zept.

Nach­dem der drit­te Stand auf die Bar­ri­ka­den gegan­gen war, König und Köni­gin geköpft, Kle­rus und Adel aus ihren gol­de­nen Paläs­ten ver­jagt waren, mach­te man sich auch dar­an, das öffent­li­che Bil­dungs­sys­tem zu erneu­ern. Genau­er gesagt: Über­haupt erst ein­mal Schu­len für die brei­te Öffent­lich­keit — erst­mals auch für Mäd­chen — zu schaf­fen.

Als weg­wei­send galt dabei der von vie­len Revo­lu­tio­nä­ren der ers­ten Stun­de geschätz­te Rous­se­au, der post­hum mit sei­ner Leh­re vom frei­en, wil­den und guten Urzu­stand des Men­schen zu einer Art päd­ago­gi­scher Super­held der Revo­lu­ti­on auf­ge­stieg.

Die Kind­heit als eigen­stän­di­ger und beson­de­rer Lebens­ab­schnitt und Erzie­hung als wich­ti­ge Grund­la­ge für die posi­ti­ve Ent­wick­lung eines Kin­des wur­de zum all­ge­mei­nen gesell­schaft­li­chen Kon­sens.

Eine für Mensch und Staat so immens wich­ti­ge Auf­ga­be wie Erzie­hung irgend­wel­chen Ammen, Haus­leh­rern oder Dienst­bo­ten zu über­las­sen (die für den größ­ten Teil der Bevöl­ke­rung sowie­so unbe­zahl­bar waren), galt mehr und mehr als ris­kant.

Und so ent­deck­te man die Müt­ter, in deren natür­li­chen Zustän­dig­keits­be­reich die Erzie­hung ihrer Kin­der zukünf­tig fal­len soll­te. Damit war die neue Lebens­auf­ga­be von Frau­en defi­niert, und es dau­er­te nicht lan­ge, bis sie zum ein­zi­gen Sinn eines Frau­en­le­bens erklärt wurde.

Geschenke für Mama mit ätherischen Ölen liebevolle Geschenkideen für Mütter und Lieblings-Tanten

Mütter, macht bloß alles richtig!

Auch ohne Erb­sün­de kann das Leben manch­mal ganz schön anstren­gend sein.

Für alle, die weder ihren Fokus noch ihre gute Lau­ne ver­lie­ren wol­len, gibt es hoch­wer­ti­ge äthe­ri­sche Öle für Kör­per, Geist und See­le. Denn: Nur ein aus­ge­ruh­ter Geist fin­det gute Argumente 

Der Begriff Mut­ter­lie­be ent­stand – und damit ver­bun­den die unaus­ge­spro­che­nen For­de­rung: „Müt­ter, macht bloß alles rich­tig, sonst kriegt euer Kind einen Scha­den fürs gan­ze Leben!

Mehr lesen:

Mut­ter­lie­be sorgt dafür, dass Frau­en über sich hin­aus­wach­sen und Din­ge tun, die sie nor­ma­ler­wei­se für ande­re Men­schen nicht tun wür­den. Fehlt Mut­ter­lie­be, muss ein Kind also „mut­ter­see­len­al­lein“ auf­wach­sen, wird es die­sen Man­gel ein Leben lang spü­ren. Aber was ist Mut­ter­lie­be und wie lässt sie sich erklä­ren?
Was heißt schon Mutterliebe?

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phien, www​.bild​bio​gra​phien​.de 2014, über­ar­bei­tet 2026


Buchempfehlungen

Die mit * gekenn­zeich­ne­ten Links sind soge­nann­te Affi­la­te-Links, die hel­fen, den Blog Gene­ra­tio­nen­ge­spräch zu finan­zie­ren. Wenn Ihnen eine der ange­ge­be­nen Emp­feh­lun­gen gefällt und Sie das Buch (oder ein ande­res Pro­dukt) über die­sen Link bestel­len, erhält der Blog dafür eine klei­ne Pro­vi­si­on, ohne dass für Sie Mehr­kos­ten ent­ste­hen. Für Ihren Klick: Herz­li­chen Dank im Voraus!


Die Päpstin Roman – Frauenrolle im Mittelalter zwischen Kirche, Macht und Unterdrückung

Erb­sün­de

Das Leben, die Lie­be und der Glau­be, die Grau­sam­keit des Mit­tel­al­ters­groß­ar­tig erzählt und dicht ver­packt in einem Roman, der unter die Haut geht. Ein span­nen­des Buch, das das Lebens­ge­fühl der Men­schen im Mit­tel­al­ter her­vor­ra­gend beschreibt. Sehr lesenswert!


Wenn Mütter nicht lieben Buch über Bindungsmuster und die Auswirkungen auf Beziehungen im Erwachsenenalter

Müt­ter ohne Liebe

Was, wenn Mut­ter­lie­be kein Selbst­läu­fer ist?
Die­ses Buch zeigt scho­nungs­los, wel­che Fol­gen eine emo­tio­nal kal­te Mut­ter hat — und Wege, die­se unsicht­ba­ren Fes­seln zu erken­nen und sich dar­aus zu befreien.


Blutige Antike Griechen und Römer – wahre Geschichte hinter Mythos und Idealen

Blu­ti­ge Antike

Macht­kämp­fe, Intri­gen, Ver­rat – und Gewalt als ganz nor­ma­les Mit­tel zum Zweck — und so gut wie kei­ne Mut­ter­lie­be.
Ein amü­san­tes Buch über die Geschich­te hin­ter gro­ßen Mythen, Hel­den und Halb­göt­tern. Lesenswert!


SAPIENS von Yuval Noah Harari – Geschichte der Menschheit und Evolution

100.000 Jah­re tur­bu­len­te Geschichte

Vor 100.000 Jah­ren war der Mensch nur eine unbe­deu­ten­de Spe­zi­es unter vie­len – heu­te bestimmt er das Schick­sal des gesam­ten Pla­ne­ten. Die­ses Buch zeigt ein­drucks­voll, wie aus dem Homo sapi­ens der Herr der Welt wur­de — und wel­che Ideen ihn dort­hin gebracht haben. Und es stellt die ent­schei­den­de Fra­ge: Sind wir auf die­sem Weg Schöp­fer unse­rer Zukunft – oder deren Zerstörer?


Weiterführende Beiträge zur Geschichte der Mutterliebe

In der Wie­ge unse­rer Zivi­li­sa­ti­on, im alten Grie­chen­land, gab es kei­ne Dop­pel­be­las­tung für Müt­ter und von einer weib­li­chen Sinn­kri­se konn­te auch kei­ne Rede sein: Auf müt­ter­li­che Gefüh­le wur­de schlicht und ergrei­fend ver­zich­tet. Über das schnör­kel­lo­se Ver­hält­nis anti­ker Eltern bis zum Hoch­mit­tel­al­ter mit Maria und dem Jesus­kind.
Mythos Mut­ter: Die Hand an der Wie­ge bewegt die Welt

Die gro­ße Lie­be? Mut­ter­lie­be, wah­re Lie­be und das Schei­dungs­recht kamen in Kon­ti­nen­tal-Euro­pa als Fol­ge der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on und mit Napo­le­on in Mode. Mehr über die “neu­en” gro­ßen Gefüh­le:
Mätres­sen­wirt­schaft, Revo­lu­ti­on und die gro­ße Liebe

Die Gelieb­te eines mäch­ti­gen Man­nes zu wer­den, war vie­le Jahr­hun­der­te lang die ein­zi­ge Mög­lich­keit für Frau­en, poli­ti­sche Macht und Ein­fluss zu bekom­men. Beson­ders gut funk­tio­nier­ten Sex und Poli­tik im Abso­lu­tis­mus, des­sen Mätres­sen­wirt­schaft die Welt­ge­schich­te maß­geb­lich beein­flusst hat. Die berühm­tes­te und ein­fluss­reichs­te „maî­tres­se en tit­re“ war die Gelieb­te des Uren­kels des Son­nen­kö­nigs, die Mar­qui­se de Pom­pa­dour.
Die Mar­qui­se de Pompadour

Kin­der­drill: Erfun­den haben die Natio­nal­so­zia­lis­ten die ‘Erzie­hung mit har­ter Hand’ nicht, aber sie haben sie wie so vie­les ande­res per­ver­tiert und unters Volk gebracht. Über d e n Leit­fa­den des Drit­ten Reichs zur Kin­der­er­zie­hung und die NS-Päd­ago­gik, die uns heu­te noch prägt
Zwi­schen Drill und Miss­hand­lung: Johan­na Haa­r­ers “Die deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind”

His­to­ri­sche Müt­ter: Es war das bri­ti­sche Schei­dungs­dra­ma vor Charles und Dia­na: Prinz­re­gent Geor­ge und sei­ne deut­sche Frau Caro­li­ne von Braun­schweig. Über eine bemer­kens­wer­te, aber unbe­kann­te Frau und Mut­ter im 19. Jahr­hun­dert.
Pains and Pen­al­ties: Schei­dung auf britisch


Bild­nach­wei­se

Jean-Jac­ques Rous­se­au, Pas­tell von Mau­rice Quen­tin de La Tour, 1753, Gemein­frei
Fried­rich mit sei­ner Lieb­lings­schwes­ter Wil­hel­mi­ne, Gemäl­de von Antoine Pes­ne (La bil­do estas kopii­ta de wikipedia:nl), Gemein­frei,
Decken­fres­ko zur Schöp­fungs­ge­schich­te in der Six­ti­ni­schen Kapel­le, Haupt­sze­ne: Ursün­de und Ver­trei­bung aus dem Para­dies (1508 — 1512), Michel­an­ge­lo, Vati­kan, Six­ti­ni­sche Kapel­le: Ursün­de und Ver­trei­bung aus dem Paradies,The Yorck Pro­ject: 10.000 Meis­ter­wer­ke der Male­rei. Dis­tri­bu­ted by DIRECTMEDIA Publi­shing GmbH, Gemeinfrei 


Generationengespräch

Geschich­te und Psy­cho­lo­gie
Ver­gan­ge­nes ver­ste­hen, um mit der Zukunft bes­ser klar zu kommen.


Geschichte und Psychologie Vergangenheit verstehen um mit der Zukunft besser klar zu kommen
Dr. Susanne Gebert

Gene­ra­tio­nen­ge­spräch
Agen­tur für Bild­bio­gra­phien
Geschen­ke made for Mama

Geschich­te & Psy­cho­lo­gie
Die Ver­gan­gen­heit ver­ste­hen, um mit der Zukunft bes­ser klar zu kommen

Autoren-Avatar
Susan­ne Autorin bei Gene­ra­tio­nen­ge­spräch & Agen­tur für Bildbiographien
Dr. Susan­ne Gebert schreibt über Psy­cho­lo­gie, Fami­li­en­ge­schich­te und emo­tio­na­le Prä­gun­gen. In ihrem Blog „Gene­ra­tio­nen­ge­spräch“ zeigt sie, wie unse­re Kind­heit uns formt – und wie wir uns von alten Mus­tern lösen können. 

1 Kommentar zu „Mutterliebe: Wie Jean-Jacques Rousseau sie zufällig erfand“

  1. Sehr inter­es­sant. Möch­te gleich wei­ter lesen . Als Mut­ter und Omi ‚die ihre Kin­der über alles liebt , kann man sich das schwer vor­stel­len, dass es sowas gab.Dies alles nur .damit die Män­ner­welt ihren Spaß , Macht und Bequem­lich­keit hat­ten. Doch lei­der ist es auch in der heu­ti­gen Zeit noch nicht selbst­ver­ständ­lich dass Frau­en gleich­ge­stellt sind . Wir müs­sen auf­pas­sen und dafür kämp­fen ‚dass es nicht wie­der rück­läu­fig wird .
    Es ist lei­der in vie­len Län­dern noch so ‚dass Frau­en kei­ne Rech­te haben , es ist noch ein lan­ger Weg .

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen