Mythos Mutter: Die Hand an der Wiege bewegt die Welt

Artemis, die griechische Göttin der Jagd, des Mondes, der Gebärendenen und der Mütter und Kinder

Arte­mis bricht mit den Nym­phen zur Jagd auf. Von Peter Paul Rubens — The Yorck Pro­ject. Gemein­frei.


In der Wie­ge unse­rer Zivi­li­sa­ti­on, im alten Grie­chen­land, hielt man von müt­ter­li­chen Gefüh­len nicht viel, bei den alten Römern auch nicht, und im Mit­tel­al­ter wur­de es für Frau­en wegen der Erb­sün­de beson­ders fins­ter. Erfun­den wur­de
unser heu­ti­ger Begriff von “Mut­ter­lie­be” erst im 18. Jahr­hun­dert, dann aber mit vol­ler Wucht: Gute Mut­ter – schlech­te Mut­ter – gar kei­ne Mut­ter – schei­nen seit­dem die Mög­lich­kei­ten eines Frau­en­le­bens zu sein, inklu­si­ve Kul­tur­kampf und Sinn­kri­sen.

 


babycastings und Kopfgeburten

In der Wie­ge unse­rer Zivi­li­sa­ti­on, im alten Grie­chen­land, gab es kei­ne Dop­pel­be­las­tung für Müt­ter und von einer weib­li­chen Sinn­kri­se konn­te auch kei­ne Rede sein: Auf müt­ter­li­che Gefüh­le wur­de schlicht und ergrei­fend ver­zich­tet.

Neu­ge­bo­re­ne  muss­ten kurz nach der Geburt dem Patri­ar­chen zur Begut­ach­tung prä­sen­tiert wer­den, der dann über ihr Wei­ter­le­ben oder ihren Tod ent­schied.

Galt beim alt­grie­chi­schen Baby-Cas­ting ein Kind als „nicht lebens­wert“ – meist waren das Mäd­chen – wur­de es weg­ge­ge­ben, aus­ge­setzt oder getö­tet. Die Sit­ten waren rau und nicht nur in der Mytho­lo­gie wim­mel­te es von klei­nen Grie­chen und Grie­chin­nen, die sich selbst über­las­sen her­um­irr­ten oder ein­fach an Ver­wahr­lo­sung star­ben.

Kopf einer Statue von Athene

Kopf einer Sta­tue der Athe­na (Lie­bieg­haus, Frank­furt am Main) Von Dont­wor­ry — Eige­nes Werk, CC BY-SA 3.0

Bild oben: Arte­mis ist in der grie­chi­schen Mytho­lo­gie die (jung­fräu­li­che) Göt­tin der Jagd, des Wal­des, des Mon­des und die Hüte­rin der Gebä­ren­den, der Frau­en und Kin­der. Ihr römi­sches Pen­dant ist Dia­na. Arte­mis hat den Ruf einer grau­sa­men und stren­gen Göt­tin. Ihr Ver­hält­nis zum männ­li­chen Geschlecht ist gespannt, da sie Män­ner für die Geburts­we­hen der Frau­en ver­ant­wort­lich macht. Arte­mis wird als wil­de, unbe­zähm­ba­re Göt­tin beschrie­ben, die Leben nicht nur gibt, son­dern auch nimmt.

Bild rechts: Athe­ne oder Athe­na ist die Göt­tin der Weis­heit, der Stra­te­gie und des Kamp­fes, der Kunst, des Hand­werks und der Hand­ar­beit; ihr römi­sches Pen­dant ist Miner­va. In der Mytho­lo­gie ent­springt sie in vol­ler Rüs­tung dem Kopf ihres Vaters Zeus; sie ist streit­lus­tig und eben­so wie Arte­mis jung­fräu­lich.


Die, die blei­ben durf­ten – vor allem die Kna­ben – muss­ten dem Vater über­ge­ben wer­den, der sich, unter­stützt von männ­li­chen Skla­ven, lie­ber selbst um die adäqua­te Erzie­hung sei­nes Nach­wuch­ses küm­mer­te.

Die Müt­ter hielt man so gut es ging fern.

Frau­en? Die meis­ten nerv­ten oder lang­weil­ten bis auf weni­ge Aus­nah­men: Hetä­ren (so etwas wie die Urahn­in­nen der spä­te­ren Mätres­sen), Flö­ten­spie­le­rin­nen oder hoch­be­gab­te Töch­ter. Zeus‘ Lieb­lings­toch­ter Athe­ne war bei­spiels­wei­se sei­nem Kopf ent­sprun­gen, was kein medi­zi­ni­sches Wun­der war, son­dern vor allem eine alt­grie­chi­sche Män­ner­phan­ta­sie — sozu­sa­gen als Vater des Gedan­ken.


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Die alten Griechen : Keine Spur von Mutterliebe

Auch wenn wir es nicht ger­ne hören: Die alten Grie­chen emp­fan­den Frau­en eher als läs­ti­ges, aber not­wen­di­ges Übel.

Ihre Kin­der — Söh­ne — hät­ten sie am liebs­ten gleich selbst bekom­men, und “wah­re Lie­be” konn­te es nach ihrer Auf­fas­sung sowie­so nur zwi­schen Män­nern geben. Die grie­chi­sche Kul­tur war eine Män­ner­kul­tur, Homo­phi­lie war weit ver­brei­tet und en vogue.

Und über­haupt – die alten Grie­chen!

Was wir heu­te dar­un­ter ver­ste­hen, ist nichts wei­ter als ein bun­ter Hau­fen oft sogar kon­kur­rie­ren­der indo­ger­ma­ni­scher Volks­stäm­me – bei­spiels­wei­se die der Ioni­er, Dorer und Äolier –, die sich gemein­sam auf­ge­macht hat­ten, den öst­li­chen Mit­tel­meer­raum zu besie­deln.

Neben ihrem kolo­nia­len Tagess­ge­schäf­ten (Krieg, Odys­see und Kampf – und dar­über reden und dich­ten) schu­fen sie in ihrer Män­ner­welt die Grund­la­gen unse­rer heu­ti­gen Zivi­li­sa­ti­on: Sport, Thea­ter, Päd­ago­gik, Demo­kra­tie, Phi­lo­so­phie, Öko­no­mie, Medi­zin und Kri­tik.

Fast alle wich­ti­gen Bestand­tei­le unse­res Zusam­men­le­bens heu­te wur­den in Grie­chen­land zumin­dest in Ansät­zen erdacht und erfun­den.
Bis auf: Mut­ter­lie­be. Die gab’s bei den alten Grie­chen weder im Him­mel noch auf der Erde geschwei­ge denn in der Unter­welt.

Götter, Halbgötter und Helden. Aber keine Mütter.

Ein Bei­spiel für ein unge­trüb­tes Mut­ter-Kind Ver­hält­nis bei den alten Grie­chen? Fehl­an­zei­ge. Weder in alten Über­lie­fe­run­gen noch in Homers Epen oder bei den Göt­tern und Halb­göt­tern der grie­chi­schen Mytho­lo­gie zu fin­den.

Zeus und Hera

Jupi­ter und Juno auf dem Ber­ge Ida. Detail eines Gemäl­des von James Bar­ry (Öl, 1789–1799, Art Gal­le­ries, Shef­field), Von James Bar­ry — The Yorck Pro­ject. Gemein­frei.


Hera (ihr römi­sches Pen­dant ist Juno) ist die Schwes­ter und Ehe­frau von Zeus. Sie ist die Hüte­rin der ehe­li­chen Sexua­li­tät, der Ehe und der Nie­der­kunft.
Hera beob­ach­tet eifer­süch­tig die zahl­rei­chen Lieb­schaf­ten ihres Gat­ten und bekun­det ihren Ärger durch Schmol­len und Gezänk. Der Mut zur Gegen­wehr fehlt ihr, aber sie ver­folgt Zeus’ außer­ehe­li­che Kin­der und stürzt vie­le von ihnen in Rase­rei und Tod.


Die Abwe­sen­heit jeg­li­cher Form von Mut­ter­lie­be in der grie­chi­schen Göt­ter­welt ist beson­ders ver­stö­rend, denn dort spiel­te sich das pral­le Leben ab. Das war für die alten Grie­chen wich­tig, denn die Göt­ter waren ihr ein­zi­ger gemein­sa­mer kul­tu­rel­ler Über­bau, der den gesam­ten grie­chi­schen Laden mit sei­nen ver­schie­de­nen Volks­stäm­men und Inter­es­sen­grup­pen zusam­men­hielt.

Nichts war den Göt­tern, Halb­göt­tern, Nym­phen und Hel­den fremd. Es ist nicht ver­wun­der­lich, dass sich Jahr­hun­der­te spä­ter die Väter der Psy­cho­lo­gie bei den Mythen und Epen der alten Grie­chen bedien­ten und vie­le psy­cho­lo­gi­sche Fach­be­grif­fe noch heu­te deren Namen tra­gen: Nar­ziss­mus zum Bei­spiel, oder Ödi­pus-Kom­plex.


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Bei den Göt­tern ging‘s zu, wie im rich­ti­gen Leben:
Man ver­führ­te sich – oder ver­such­te es wenigs­tens –, belog, hin­ter­ging und ver­stieß sich; wenn gar nichts mehr half, wur­de auch ent­führt, erschla­gen und ver­ge­wal­tigt.

Man ent­brann­te in ver­zeh­ren­der Lie­be zuein­an­der, ent­fes­sel­te Tra­gö­di­en und Krie­ge. Gele­gent­lich hei­ra­te­te ein Sohn ver­se­hent­lich sei­ne Mut­ter oder ein Vater sei­ne Toch­ter (das dann aber mit Absicht).
Die Fami­li­en­ver­hält­nis­se neig­ten dazu, chao­tisch zu sein – wie das Leben damals und heu­te halt so spielt.

Der alte Auf­rei­ßer Zeus und sei­ne ewig nör­geln­de „kuh­äu­gi­ge“ Gat­tin Hera beka­men weder sich selbst noch ihre Ras­sel­ban­de aus Göt­tern, Halb­göt­tern und Men­schen in den Griff (übri­gens sind mit „kuh­äu­gig“ bei Homer Heras schö­ne gro­ßen Augen gemeint).

Aber Mut­ter­lie­be gab es nicht.

Mütter im  Mittelalter: Die Erbsünde

Das eher schnör­kel­lo­se Ver­hält­nis alt­grie­chi­scher Eltern zu ihrem Nach­wuchs wur­de wie fast alles ande­re auch von den alten Römern kopiert.

Kin­der wur­de gebo­ren und in jeder Fami­lie, die es sich leis­ten konn­te, gab’s für sie Ammen und im Anschluss Haus­skla­ven als Erzie­her, meis­tens hoch­ge­bil­de­te Grie­chen.

Und da das Sys­tem prak­tisch und bewährt war, über­leb­te es auch den Zer­fall des Römi­schen Rei­ches und hielt sich – wie­der­um wie vie­les ande­re auch – bis weit ins Mit­tel­al­ter.

Ursünde und Vertreibung aus dem Paradies, Deckenfresko Michelangelo

Decken­fres­ko zur Schöp­fungs­ge­schich­te in der Six­ti­ni­schen Kapel­le, Haupt­sze­ne: Ursün­de und Ver­trei­bung aus dem Para­dies (1508 — 1512), Michel­an­ge­lo, Vati­kan, Six­ti­ni­sche Kapel­le: The Yorck Pro­ject: 10.000 Meis­ter­wer­ke der Male­rei. Gemein­frei.


Eines änder­te sich aller­dings. Hat­ten Frau­en in der Anti­ke schon kei­nen leich­ten Stand, so gebar die Kir­che im christ­li­chen Früh­mit­tel­al­ter ein Kon­zept, das ihnen das Leben zusätz­lich schwer mach­te: das der Erb­sün­de.

Das Prin­zip geht auf den Kir­chen­leh­rer Augus­ti­nus zurück (354 – 430), und eig­ne­te sich als vor­züg­li­ches Druck­mit­tel, um die Kin­der Got­tes mit Welt­ge­richt und Apo­ka­lyp­se bei der Stan­ge zu hal­ten. Sün­der sein ab dem ers­ten Schrei, und wehe dem, der kein gott­ge­fäl­li­ges Leben füh­ren und stän­dig Buße tun woll­te.

Die Erb­sün­de war für die mäch­ti­ge Kir­che eine her­vor­ra­gen­dee (und lukra­ti­ve) Repres­sa­lie, die vie­le Jahr­hun­der­te lang läs­ti­ge Fra­gen und Über­le­gun­gen ver­hin­der­te. Frau­en traff sie beson­ders hart, denn es war Eva, die Adam den ver­gif­te­ten Apfel reich­te und damit den Raus­wurf aus dem Para­dies ver­schul­det hat­te.

Von nun an waren Frau­en nicht nur ein biss­chen läs­tig, son­dern stan­den unter Gene­ral­ver­dacht für alles Sün­di­ge und Schlech­te.

Ein Platz im Himmel …

Kein Wun­der also, dass weder um Müt­ter noch um Kin­der viel Getö­se gemacht wur­de. Kin­der kamen, waren da, wuch­sen auf oder gin­gen wie­der. Die Kin­der­sterb­lich­keit lag jahr­hun­der­te­lang bei etwa 50 Pro­zent, um die Müt­ter­sterb­lich­keit stand es nicht viel bes­ser.

Kin­der gal­ten im Mit­tel­al­ter als klei­ne Erwach­se­ne.

Mäd­chen wur­den mit 13 Jah­ren ver­hei­ra­tet, Jun­gen muss­ten in die­sem Alter den Hof über­neh­men oder ihre Aus­bil­dung zum Schild­knap­pen bei einem Rit­ter begin­nen. (Ob tat­säch­lich Tau­sen­de Kin­der bei den soge­nann­ten Kin­der­kreuz­zü­gen in einem Mas­sen­rausch in ihren siche­ren Tod mar­schiert sind, ist bis heu­te nicht geklärt – denk­bar wäre es.)

Man nahm ein kar­ges Leben und einen frü­hen Tod hin, denn nie­mand hat­te jemals etwas Ande­res gekannt, oder konn­te sich vor­stel­len, dass es ein anders Leben geben könn­te.

Das Para­dies lag in jener christ­li­chen Zeit sowie­so irgend­wo im Him­mel­reich, die Erde war zum Pla­gen: Wer viel litt und wenig sün­dig­te (und sich per Ablass von sei­nen Sün­den frei­kauf­te), sicher­te sich nach ein­stim­mi­ger Über­zeu­gung sei­nen Platz im Him­mel und muss­te nicht in der Höl­le schmo­ren.

Marienkult und Hexenverbrennungen

Madonna mit Kind

Andrea Sola­rio 002“ von The Yorck Pro­ject: 10.000 Meis­ter­wer­ke der Male­rei. Gemein­frei.

Erst im Hoch­mit­tel­al­ter, zu Beginn des 13. Jahr­hun­derts, änder­te sich die Ein­stel­lung zu Mut­ter und Kind.
Der christ­li­che Mari­en­kult zeig­te Wir­kung.

Kunst und Kul­tur ver­narr­ten sich nach und nach in die Madon­na mit ihrem Jesus­kind, Maria wur­de zum Ide­al der selbst­los lie­ben­den und auf­op­fe­rungs­vol­len Mut­ter, an dem sich welt­li­che Müt­ter ori­en­tie­ren soll­ten.

Die Erkennt­nis, dass das Jesus­kind auch eine Mut­ter hat­te, kam nicht von unge­fähr: Kir­che und Fürs­ten hat­ten die ers­ten Ide­en von Bevöl­ke­rungs­wachs­tum für sich und ihre Zwe­cke – Ablass­han­del und Krie­ge – ent­deckt.

Für mehr Unter­ta­nen, Sol­da­ten und zah­len­de Sün­der­lein pass­te die Ver­herr­li­chung der Madon­na mit Kind gut ins neue Kon­zept.

Die Gebur­ten­ra­te soll­te stei­gen. Des­we­gen begann man vor­sichts­hal­ber auch, heil- und kräu­ter­kun­di­ge Frau­en, die sich mit Ver­hü­tung und Abtrei­bun­gen aus­kann­ten, als Hexen zu ver­bren­nen.
(Der Vor­wurf der Hexe­rei oder Ket­ze­rei war so prak­tisch, dass man ihn spä­ter auf alle unlieb­sa­me Per­so­nen aus­dehn­te: So ver­brann­ten die Eng­län­der 1431 bei­spiels­wei­se Jean­ne d’Arc als Hexe. Mit Dul­dung der Fran­zo­sen, denn ihre Jung­frau von Orléans war ihnen ein­fach zu mäch­tig gewor­den. Spä­ter ver­klär­ten sie Jean­ne dann zur Natio­nal­hel­din)

Tod im Kindbett

Erb­sün­de und Mari­en­kult lie­ßen der mit­tel­al­ter­li­che Durch­schnitts­mut­ter genau zwei Optio­nen für ihre Lebens­ge­stal­tung. Ent­we­der die damals ein­zig siche­re Ver­hü­tungs­me­tho­de – Ent­halt­sam­keit –, oder sich dem Schick­sal von durch­schnitt­lich neun bis zehn Ent­bin­dun­gen in einem kur­zen und ent­beh­rungs­rei­chen Leben fügen.

Gebur­ten wohl­ge­merkt, die aus heu­ti­ger Sicht unter kata­stro­pha­len Bedin­gun­gen statt­fan­den: in der Regel allein und im Dreck, ohne sau­be­res Was­ser und meis­tens auch ohne den Bei­stand einer Heb­am­me, eines Arz­tes oder wenigs­tens einer heil­kun­di­gen Frau.

Jede Geburt war für Mut­ter und Kind lebens­ge­fähr­lich, der Tod im Kind­bett Nor­ma­li­tät, fast jedes zwei­te Kind starb.

Die über­le­ben­den Babys wur­den in aris­to­kra­ti­schen Fami­li­en wei­ter­hin gegen Bezah­lung von Ammen groß­ge­zo­gen.
Wer sich kei­ne Amme leis­ten konn­te, hat­te ande­re Sor­gen und das drin­gen­de Pro­blem, die vie­len hung­ri­gen Mäu­ler der Kin­der satt zu bekom­men, die Geburt und Krab­bel­al­ter über­lebt hat­ten.
Für „Gedöns“ mit den Klei­nen hat­ten mit­tel­al­ter­li­che Müt­ter ein­fach kei­ne Zeit.

Säug­lin­ge, die an Ver­nach­läs­si­gung star­ben, ver­wahr­los­te und allein gelas­se­ne Kin­der, über­füll­te Fin­del­häu­ser und mut­ter­lo­se Klein­kin­der, die ein­fach ihrem Schick­sal über­las­sen wur­den, waren der nicht-idyl­li­sche All­tag bis weit ins 18. Jahr­hun­dert hin­ein.

Mut­ter­lie­be? Trotz Madon­na mit Jesus­kind – Fehl­an­zei­ge.

Lesen Sie im zwei­ten Teil: Mit “Mut­ter­lie­be” hat der fran­zö­si­sche Phi­lo­soph Jean-Jac­ques Rous­seau nichts im Sinn, als er 1762 sei­nen Roman “Emi­le oder über die Erzie­hung” ver­öf­fent­lich­te. Eigent­lich woll­te er mit sei­nem Roman ein Zei­chen gegen die abso­lu­tis­ti­sche Stän­de­ge­sell­schaft set­zen, die ihn anwi­der­te. Doch dann kommt die Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on, Rous­seau wird post­hum zum Hel­den und “Emi­le” zur Grund­la­ge moder­ner Erzie­hung.
Die Erfin­dung der Mut­ter­lie­be

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www.bildbiographien.de, 2014 (über­ar­bei­tet 2018)


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Über Müt­ter, Väter und Erzie­hung, den Puder­pe­rü­cken-Knall des Abso­lu­tis­mus — und die Sor­gen und Nöte der klei­nen Leu­te, die den Adels­spaß der obe­ren Zehn­tau­send finan­zie­ren muss­ten. Bill Bry­sons sehr lesens­wer­ter Streif­zug durch die Kul­tur­ge­schich­te Euro­pas. Sehr hörens­wert: die Audio-Ver­si­on, gele­sen von Rufus Beck. Bill Bry­son, Eine kur­ze Geschich­te der all­täg­li­chen Din­ge*, Gold­mann Taschen­buch, 2013

5000 Jah­re Welt­ge­schich­te: bril­lan­te zusam­men­ge­fasst von Hans-Chris­ti­an Huf und Gero von Boehm, wun­der­bar und augen­zwin­kernd gespro­chen von Hape Ker­ke­ling. Urko­misch und uner­reicht hörens­wert!
Hans-Chris­ti­an Huf, Gero von Boehm, Unter­wegs in der Welt­ge­schich­te*, Ran­dom Hou­se Audio, 2011

Kar­rie­re im Eimer­chen? Nina Puris wun­der­bar geschrie­be­ne Pole­mik über Müt­ter, die Kas­ta­ni­en­männ­chen statt Kar­rie­re bas­teln. Unter­halt­sam, wit­zig, gründ­lich recher­chiert — lohnt sich!
Nina Puri: Kar­rie­re im Eimer­chen? War­um Müt­ter nicht zum Arbei­ten kom­men*, Knaur Taschen­buch, 2014

Die Kunst des “Nein-Sagens”: Ein lie­be­voll gestal­te­tes Heft aus der Rei­he “Biblio­thek der guten Gefüh­le” , mit kur­zen prä­gnan­ten Tex­ten über’s Nein­sa­gen und vie­len ein­fach zu befol­gen­den Übun­gen. Für alle, die gera­de mit einem The­ma beschäf­tigt sind, oder zum Ver­schen­ken. Anne van Stap­pen, Das klei­ne Übungs­heft: Gren­zen set­zen, nein sagen*, Tri­ni­ty Ver­lag, 2012

Wei­ter­füh­ren­de Bei­trä­ge zum The­ma Erzie­hung und Lebens­glück:


Mut­ter­lie­be sorgt dafür, dass Frau­en über sich hin­aus­wach­sen und Din­ge tun, die sie nor­ma­ler­wei­se für ande­re Men­schen nicht tun wür­den.
Fehlt Mut­ter­lie­be, muss ein Kind also „mut­ter­see­len­al­lein“ auf­wach­sen, wird es die­sen Man­gel ein Leben lang spü­ren. Hängt also doch alles an den Müt­tern?
Was heißt schon Mut­ter­lie­be?


Lie­be: Das 18. Jahr­hun­dert ent­deckt die Lie­be. 1762 erfin­det der fran­zö­si­sche Phi­lo­soph Jean-Jac­ques Rous­seau ver­se­hent­lich die Mut­ter­lie­be, rund 30 Jah­re spä­ter fegt die fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on das „Anci­en Régime“ aus sei­nen Paläs­ten. Damit hat auch die Mätres­sen­wirt­schaft aus­ge­dient, denn ab sofort kön­nen Ehe­paa­re sich schei­den las­sen. Ange­sichts sol­cher Aus­sich­ten ent­de­cken vie­le ein bis­lang unbe­kann­tes Gefühl: die „wah­re“ Lie­be.
Mätres­sen­wirt­schaft, Revo­lu­ti­on und die gro­ße Lie­be


Män­ner: Geben sich Frau­en als Müt­ter selbst ein “Lebens­läng­lich”? Opfern sie sich auf, wer­den dadurch unglück­lich und nör­geln schließ­lich ihre Män­ner aus dem Haus? Über den schwie­ri­gen Spa­gat zwi­schen Kind und Kegel, Auf­op­fern, Haus­ar­beit, Oro­pax und die müt­ter­li­chen Qua­li­tä­ten von Vätern.
Der Mann in der Kri­se?


Der nor­ma­le Wahn­sinn: Tipps und Tricks, psy­cho­lo­gi­sche Denk­fal­len und viel Wis­sens­wer­tes für ein bewuss­tes Leben fin­den Sie in unse­rer Kate­go­rie:
Tipps für den All­tag


Link­emp­feh­lun­gen:


Ame­lie Fried in „Cice­ro“:
http://www.cicero.de/salon/frau-fried-fragt-sich-wann-der-gute-mutter-mythos-endlich-ausstirbt/53172
Hei­de Oes­te­reich in der „taz“:
http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2006/03/08/a0126
Die kom­plet­te Enzy­klo­pä­die müt­ter­li­cher Erzie­hung in Sprü­chen: Mamas Klas­si­ker
http://www.mamas-klassiker.de/Die_Klassiker/die_klassiker.html


Wir müssten das alles mal aufschreiben Die Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en bringt seit 2012 Lebens-. Fami­li­en- und Unter­neh­mens­bio­gra­fi­en als Bild­bio­gra­phi­en ins Buch und bie­tet außer­dem einen Ghost­wri­ting-Ser­vice mit den Schwer­punk­ten Geschich­te und Psy­cho­lo­gie an.
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Bild­nach­wei­se:

  1. Arte­mis bricht mit den Nym­phen zur Jagd auf. Von Peter Paul Rubens — The Yorck Pro­ject: 10.000 Meis­ter­wer­ke der Male­rei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Dis­tri­bu­t­ed by DIRECTMEDIA Publi­shing GmbH., Gemein­frei
  2. Kopf einer Sta­tue der Athe­na (Lie­bieg­haus, Frank­furt am Main) Von Dont­wor­ry — Eige­nes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8863066.
  3. Jupi­ter und Juno auf dem Ber­ge Ida. Detail eines Gemäl­des von James Bar­ry (Öl, 1789–1799, Art Gal­le­ries, Shef­field), Von James Bar­ry — The Yorck Pro­ject: 10.000 Meis­ter­wer­ke der Male­rei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Dis­tri­bu­t­ed by DIRECTMEDIA Publi­shing GmbH., Gemein­frei
  4. Decken­fres­ko zur Schöp­fungs­ge­schich­te in der Six­ti­ni­schen Kapel­le, Haupt­sze­ne: Ursün­de und Ver­trei­bung aus dem Para­dies (1508 — 1512), Michel­an­ge­lo, Vati­kan, Six­ti­ni­sche Kapel­le: The Yorck Pro­ject: 10.000 Meis­ter­wer­ke der Male­rei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Dis­tri­bu­t­ed by DIRECTMEDIA Publi­shing GmbH, Gemein­frei
  5. Andrea Sola­rio 002“ von The Yorck Pro­ject: 10.000 Meis­ter­wer­ke der Male­rei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Dis­tri­bu­t­ed by DIRECTMEDIA Publi­shing GmbH. Lizen­ziert unter Gemein­frei


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