Mythos Mutter: Die Hand an der Wiege bewegt die Welt

Mythos Mutterliebe

In der Wie­ge unse­rer Zivi­li­sa­ti­on, im alten Grie­chen­land, hielt man von müt­ter­li­chen Gefüh­len nicht viel.
Bei den alten Römern auch nicht und im Mit­tel­al­ter wur­de es dann für Frau­en beson­ders fins­ter. Erfun­den wur­de unser heu­ti­ger Begriff von “Mut­ter­lie­be” erst im 18. Jahr­hun­dert. Ab dann aber mit vol­ler Wucht: Gute Mut­ter – schlech­te Mut­ter – gar kei­ne Mut­ter – schei­nen seit­dem die Mög­lich­kei­ten eines Frau­en­le­bens zu sein, inklu­si­ve Kul­tur­kampf und Sinn­kri­sen.

Babycastings und Kopfgeburten

In der Wie­ge unse­rer Zivi­li­sa­ti­on, im alten Grie­chen­land, gab es kei­ne Dop­pel­be­las­tung für Müt­ter und von einer weib­li­chen Sinn­kri­se konn­te auch kei­ne Rede sein: Auf müt­ter­li­che Gefüh­le wur­de schlicht und ergrei­fend ver­zich­tet.

Neu­ge­bo­re­ne  muss­ten kurz nach der Geburt dem Patri­ar­chen zur Begut­ach­tung prä­sen­tiert wer­den, der dann nach Augen­maß über Leben oder Tod ent­schied.

Galt beim alt­grie­chi­schen Baby-Cas­ting ein Kind als „nicht lebens­wert“ – meist waren das Mäd­chen – wur­de es weg­ge­ge­ben, aus­ge­setzt oder getö­tet. Die Sit­ten waren rau und nicht nur in der Mytho­lo­gie wim­mel­te es von klei­nen Grie­chen und Grie­chin­nen, die sich selbst über­las­sen her­um­irr­ten oder ein­fach an Ver­wahr­lo­sung star­ben.

Artemis, die griechische Göttin der Jagd, des Mondes, der Gebärendenen und der Mütter und Kinder
Arte­mis bricht mit den Nym­phen zur Jagd auf. Von Peter Paul Rubens — The Yorck Pro­ject. Gemein­frei.

Arte­mis ist in der grie­chi­schen Mytho­lo­gie die (jung­fräu­li­che) Göt­tin der Jagd, des Wal­des, des Mon­des und die Hüte­rin der Gebä­ren­den, der Frau­en und Kin­der. Ihr römi­sches Pen­dant ist Dia­na.

Arte­mis hat den Ruf einer grau­sa­men und stren­gen Göt­tin. Ihr Ver­hält­nis zum männ­li­chen Geschlecht ist gespannt, da sie Män­ner für die Geburts­we­hen der Frau­en ver­ant­wort­lich macht. Arte­mis wird als wil­de, unbe­zähm­ba­re Göt­tin beschrie­ben, die Leben nicht nur gibt, son­dern auch nimmt.

Die, die blei­ben durf­ten – vor allem die Kna­ben – muss­ten dem Vater über­ge­ben wer­den, der sich, unter­stützt von männ­li­chen Skla­ven, lie­ber selbst um die adäqua­te Erzie­hung sei­nes Nach­wuch­ses küm­mer­te.

Die Müt­ter hielt man so gut es ging fern.

Frau­en?
Die meis­ten nerv­ten oder lang­weil­ten bis auf weni­ge Aus­nah­men: Hetä­ren (so etwas wie die Urahn­in­nen der spä­te­ren Mätres­sen), Flö­ten­spie­le­rin­nen oder hoch­be­gab­te Töch­ter.
Zeus‘ Lieb­lings­toch­ter Athe­ne war bei­spiels­wei­se sei­nem Kopf ent­sprun­gen, was kein medi­zi­ni­sches Wun­der war, son­dern vor allem eine alt­grie­chi­sche Män­ner­phan­ta­sie — sozu­sa­gen als Vater des Gedan­ken.

Athe­ne oder Athena ist die Göt­tin der Weis­heit, der Stra­te­gie und des Kamp­fes, der Kunst, des Hand­werks und der Hand­ar­beit. Ihr römi­sches Pen­dant ist Miner­va.

In der Mytho­lo­gie ent­springt sie in vol­ler Rüs­tung dem Kopf ihres Vaters Zeus; sie ist streit­lus­tig und eben­so wie Arte­mis jung­fräu­lich

Kopf einer Statue von Athene
Kopf einer Sta­tue der Athena (Lie­bieg­haus, Frank­furt am Main) Von Dont­wor­ry — Eige­nes Werk, CC BY-SA 3.0

Die alten Griechen: Keine Spur von Mutterliebe

Auch wenn wir es nicht ger­ne hören: Die alten Grie­chen emp­fan­den Frau­en eher als läs­ti­ges, aber not­wen­di­ges Übel.
Ihre Kin­der — Söh­ne — hät­ten die Män­ner am liebs­ten selbst bekom­men, denn “wah­re Lie­be” konn­te es nach ihrer Auf­fas­sung sowie­so nur zwi­schen Män­nern geben.

Die grie­chi­sche Kul­tur war eine Män­ner­kul­tur, Homo­phi­lie war weit ver­brei­tet und en vogue.

Und über­haupt – die alten Grie­chen!
Was wir heu­te dar­un­ter ver­ste­hen, ist nichts wei­ter als ein bun­ter Hau­fen oft sogar kon­kur­rie­ren­der indo­ger­ma­ni­scher Volks­stäm­me – bei­spiels­wei­se die der Ioni­er, Dorer und Äolier –, die sich gemein­sam auf­ge­macht hat­ten, den öst­li­chen Mit­tel­meer­raum zu besie­deln.

Neben ihrem kolo­nia­len Tagess­ge­schäf­ten (Krieg, Odys­see und Kampf – und dar­über reden und dich­ten) schu­fen sie in ihrer Män­ner­welt die Grund­la­gen unse­rer heu­ti­gen Zivi­li­sa­ti­on: Sport, Thea­ter, Päd­ago­gik, Demo­kra­tie, Phi­lo­so­phie, Öko­no­mie, Medi­zin und Kri­tik.

Fast alle wich­ti­gen Bestand­tei­le unse­res Zusam­men­le­bens heu­te wur­den in Grie­chen­land zumin­dest in Ansät­zen erdacht und erfun­den.
Bis auf: Mut­ter­lie­be. Die kommt bei den alten Grie­chen weder im Him­mel noch auf der Erde geschwei­ge denn in der Unter­welt vor.

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Götter, Halbgötter und Helden — aber keine Mütter

Ein Bei­spiel für ein unge­trüb­tes Mut­ter-Kind Ver­hält­nis bei den alten Grie­chen? Fehl­an­zei­ge. Weder in alten Über­lie­fe­run­gen noch in Homers Epen oder bei den Göt­tern und Halb­göt­tern der grie­chi­schen Mytho­lo­gie zu fin­den.

Die Abwe­sen­heit jeg­li­cher Form von Mut­ter­lie­be in der grie­chi­schen Göt­ter­welt ist beson­ders ver­stö­rend, denn dort spiel­te sich das pral­le Leben ab.
Die grie­chi­sche Mytho­lo­gie war wich­tig, denn die Göt­ter waren ihr ein­zi­ger gemein­sa­mer kul­tu­rel­ler Über­bau, der den gesam­ten grie­chi­schen Laden mit sei­nen ver­schie­de­nen Volks­stäm­men und Inter­es­sen­grup­pen zusam­men­hielt.

Zeus und Hera

Jupi­ter und Juno auf dem Ber­ge Ida. Detail eines Gemäl­des von James Bar­ry (Öl, 1789–1799, Art Gal­le­ries, Shef­field)

Hera (ihr römi­sches Pen­dant ist Juno) ist die Schwes­ter und Ehe­frau von Zeus. Sie ist die Hüte­rin der ehe­li­chen Sexua­li­tät, der Ehe und der Nie­der­kunft.
Hera beob­ach­tet eifer­süch­tig die zahl­rei­chen Lieb­schaf­ten ihres Gat­ten und bekun­det ihren Ärger durch Schmol­len und Gezänk. Der Mut zur Gegen­wehr fehlt ihr, aber sie ver­folgt Zeus’ außer­ehe­li­che Kin­der und stürzt vie­le von ihnen in Rase­rei und Tod.

Nichts war den Göt­tern, Halb­göt­tern, Nym­phen und Hel­den fremd.
Es ist nicht ver­wun­der­lich, dass sich Jahr­hun­der­te spä­ter die Väter der Psy­cho­lo­gie bei den Mythen und Epen der alten Grie­chen bedien­ten und vie­le psy­cho­lo­gi­sche Fach­be­grif­fe noch heu­te deren Namen tra­gen: Nar­ziss­mus zum Bei­spiel, oder Ödi­pus-Kom­plex.

Bei den Göt­tern ging‘s zu, wie im rich­ti­gen Leben: Man ver­führ­te sich – oder ver­such­te es wenigs­tens –, belog, hin­ter­ging und ver­stieß sich; wenn gar nichts mehr half, wur­de auch ent­führt, erschla­gen und ver­ge­wal­tigt.

Mutterliebe in Antike und Mittelalter

Man ent­brann­te in ver­zeh­ren­der Lie­be zuein­an­der, ent­fes­sel­te Tra­gö­di­en und Krie­ge. Gele­gent­lich hei­ra­te­te ein Sohn ver­se­hent­lich sei­ne Mut­ter oder ein Vater sei­ne Toch­ter (das dann aber mit Absicht).

Die Fami­li­en­ver­hält­nis­se neig­ten dazu, chao­tisch zu sein – wie das Leben damals und heu­te halt so spielt.

Der alte Auf­rei­ßer Zeus und sei­ne ewig nör­geln­de „kuh­äu­gi­ge“ Gat­tin Hera beka­men weder sich selbst noch ihre Ras­sel­ban­de aus Göt­tern, Halb­göt­tern und Men­schen in den Griff (übri­gens sind mit „kuh­äu­gig“ bei Homer Heras schö­ne gro­ßen Augen gemeint).

Aber Mut­ter­lie­be gab es nicht.

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Mütter im Mittelalter: Die Erbsünde

Das eher schnör­kel­lo­se Ver­hält­nis alt­grie­chi­scher Eltern zu ihrem Nach­wuchs wur­de wie fast alles ande­re auch von den alten Römern kopiert.
Kin­der wur­de gebo­ren und in jeder Fami­lie, die es sich leis­ten konn­te, gab es für ihre ers­ten Lebens­jah­re Ammen, die sie groß­zo­gen, und spä­ter Erzie­her, meis­tens hoch­ge­bil­de­te Grie­chen, die als Haus­s­kla­ven fun­gier­ten.

Und da das Sys­tem prak­tisch und bewährt war, über­leb­te es auch den Zer­fall des Römi­schen Rei­ches und hielt sich – wie­der­um wie vie­les ande­re auch – bis weit ins Mit­tel­al­ter.

Eines änder­te sich aller­dings.
Hat­ten Frau­en in der Anti­ke schon kei­nen leich­ten Stand, so gebar die Kir­che im christ­li­chen Früh­mit­tel­al­ter ein Kon­zept, das ihnen das Leben zusätz­lich schwer mach­te: das der Erb­sün­de.

Das Prin­zip geht auf den Kir­chen­leh­rer Augus­ti­nus (354 – 430) zurück und eig­ne­te sich her­vor­ra­gend als Druck­mit­tel, um die Kin­der Got­tes mit Welt­ge­richt und Apo­ka­lyp­se bei der Stan­ge zu hal­ten. Die Idee der Erb­sün­de mach­te jeden Men­schen ab dem ers­ten Schrei zum Sün­der — und wehe dem, der kein gott­ge­fäl­li­ges Leben füh­ren und stän­dig Buße tun woll­te.

Michelangelo Schöpfungsgeschichte Sixtinische Kapelle
Decken­fres­ko zur Schöp­fungs­ge­schich­te in der Six­ti­ni­schen Kapel­le, Haupt­sze­ne: Ursün­de und Ver­trei­bung aus dem Para­dies (1508 — 1512), Michel­an­ge­lo, Vati­kan, Six­ti­ni­sche Kapel­le

Die Erb­sün­de war für die mäch­ti­ge Kir­che eine her­vor­ra­gen­des (und durch den Ablass­han­del auch sehr lukra­ti­ves) Druck­mit­tel, das vie­le Jahr­hun­der­te lang läs­ti­ge Fra­gen und Über­le­gun­gen ver­hin­der­te.
Die mit­tel­al­ter­li­chen Frau­en traf sie beson­ders hart, denn bekann­ter­wei­se war es Eva, die Adam den ver­gif­te­ten Apfel reich­te und damit den Raus­wurf aus dem Para­dies ver­schul­det hat­te.

Von nun an waren Frau­en nicht nur ein biss­chen läs­tig, son­dern stan­den unter Gene­ral­ver­dacht für alles Sün­di­ge und Schlech­te.

Ein Platz im Himmel …

Kein Wun­der also, dass weder um Müt­ter noch um Kin­der viel Getö­se gemacht wur­de.
Kin­der wur­den gebo­ren, wuch­sen auf oder star­ben eben: Die Kin­der­sterb­lich­keit lag jahr­hun­der­te­lang bei etwa 50 Pro­zent. Um die Müt­ter­sterb­lich­keit stand es nicht viel bes­ser.

Kin­der gal­ten im Mit­tel­al­ter als klei­ne Erwach­se­ne.
Mäd­chen wur­den mit 13 Jah­ren ver­hei­ra­tet, Jun­gen muss­ten in die­sem Alter den Hof über­neh­men oder ihre Aus­bil­dung zum Schild­knap­pen bei einem Rit­ter begin­nen.
(Ob tat­säch­lich Tau­sen­de Kin­der bei den soge­nann­ten Kin­der­kreuz­zü­gen in einem Mas­sen­rausch in ihren siche­ren Tod mar­schiert sind, ist bis heu­te nicht geklärt – denk­bar wäre es.)

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Preis: EUR 10,00

Das Leben, die Lie­be, der Glau­be und die Grau­sam­keit des Mit­tel­al­ters groß­ar­tig beschrie­ben und dicht ver­packt in einem Roman, der unter die Haut geht. Ein tol­les Buch, weil es das Lebens­ge­fühl der Men­schen in jener fins­te­ren Zeit her­vor­ra­gend beschreibt. 585 Sei­ten, die sich loh­nen!
Don­na W. Cross, Die Päps­tin*, Auf­bau Ver­lag, 2009


Man nahm ein kar­ges Leben und einen frü­hen Tod hin, denn nie­mand hat­te jemals etwas Ande­res gekannt oder konn­te sich vor­stel­len, dass es ein anders Leben geben könn­te.

Das Para­dies lag in jener christ­li­chen Zeit irgend­wo im Him­mel­reich, die Erde war zum Pla­gen: Wer viel litt und wenig sün­dig­te (und sich per Ablass von sei­nen Sün­den frei­kauf­te), sicher­te sich nach ein­stim­mi­ger Über­zeu­gung sei­nen Platz im Him­mel und muss­te nicht in der Höl­le schmo­ren. Das galt beson­ders für Müt­ter und ihre Kin­der.

Marienkult und Hexenverbrennung

Erst im Hoch­mit­tel­al­ter, zu Beginn des 13. Jahr­hun­derts, änder­te sich die Ein­stel­lung zu Mut­ter und Kind.
Der christ­li­che Mari­en­kult zeig­te Wir­kung.

Kunst und Kul­tur ver­narr­ten sich nach und nach in die Madon­na mit ihrem Jesus­kind, Maria wur­de zum Ide­al der selbst­los lie­ben­den und auf­op­fe­rungs­vol­len Mut­ter, an dem sich welt­li­che Müt­ter ori­en­tie­ren soll­ten.


Die Erkennt­nis, dass das Jesus­kind auch eine Mut­ter hat­te, kam nicht von unge­fähr.

Kir­che und Fürs­ten hat­ten die ers­ten Ide­en von Bevöl­ke­rungs­wachs­tum für sich und ihre Zwe­cke – Ablass­han­del und Krie­ge – ent­deckt. Für mehr Unter­ta­nen, Sol­da­ten und Ablass zah­len­de Sün­der pass­te die Ver­herr­li­chung der Madon­na mit Kind gut ins neue Kon­zept.

Madonna mit Kind
Madon­na mit Kind
„Andrea Sola­rio 002“ von The Yorck Pro­ject

Die Gebur­ten­ra­te soll­te stei­gen.
Des­we­gen begann man vor­sichts­hal­ber auch, heil- und kräu­ter­kun­di­ge Frau­en, die sich mit Ver­hü­tung und Abtrei­bun­gen aus­kann­ten, als Hexen zu ver­bren­nen. (Der Vor­wurf der Hexe­rei oder Ket­ze­rei war so prak­tisch, dass man ihn spä­ter auf alle unlieb­sa­me Per­so­nen aus­dehn­te: So ver­brann­ten die Eng­län­der 1431 bei­spiels­wei­se Jean­ne d’Arc als Hexe. Mit Dul­dung der Fran­zo­sen, denen ihre Jung­frau von Orléans ein­fach zu mäch­tig gewor­den war. Spä­ter ver­klär­ten sie Jean­ne dann zur Natio­nal­hel­din)

Tod im Kindbett

Erb­sün­de und Mari­en­kult lie­ßen der mit­tel­al­ter­li­che Durch­schnitts­mut­ter genau zwei Optio­nen für ihre Lebens­ge­stal­tung.
Ent­we­der die damals ein­zig siche­re Ver­hü­tungs­me­tho­de – Ent­halt­sam­keit –, oder sich dem Schick­sal von durch­schnitt­lich neun bis zehn Ent­bin­dun­gen in einem kur­zen und ent­beh­rungs­rei­chen Leben fügen.

Gebur­ten wohl­ge­merkt, die aus heu­ti­ger Sicht unter kata­stro­pha­len Bedin­gun­gen statt­fan­den: in der Regel allein und im Dreck, ohne sau­be­res Was­ser und meis­tens auch ohne den Bei­stand einer Heb­am­me, eines Arz­tes oder wenigs­tens einer heil­kun­di­gen Frau.

Jede Geburt war für Mut­ter und Kind lebens­ge­fähr­lich, der Tod im Kind­bett Nor­ma­li­tät, fast jedes zwei­te Kind starb.

Mütter halten ihrer Kinder Hände für eine Weile und ihre Herzen für immer

Die über­le­ben­den Babys wur­den in aris­to­kra­ti­schen Fami­li­en wei­ter­hin gegen Bezah­lung von Ammen groß­ge­zo­gen.

Wer sich kei­ne Amme leis­ten konn­te, hat­te ande­re Sor­gen und das drin­gen­de Pro­blem, die vie­len hung­ri­gen Mäu­ler der Kin­der satt zu bekom­men, die Geburt und Krab­bel­al­ter über­lebt hat­ten.

Für „Gedöns“ mit den Klei­nen hat­ten mit­tel­al­ter­li­che Müt­ter ein­fach kei­ne Zeit.

Säug­lin­ge, die an Ver­nach­läs­si­gung star­ben, ver­wahr­los­te und allein gelas­se­ne Kin­der, über­füll­te Fin­del­häu­ser und mut­ter­lo­se Klein­kin­der, die ein­fach ihrem Schick­sal über­las­sen wur­den, waren der nicht-idyl­li­sche All­tag bis weit ins 18. Jahr­hun­dert hin­ein.

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Mut­ter­lie­be? Trotz Madon­na mit Jesus­kind – Fehl­an­zei­ge.


Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www​.bild​bio​gra​phi​en​.de, 2014 (über­ar­bei­tet 2019)

Lesen Sie im nächs­ten Bei­trag: Die Geburts­zan­ge war seit Jahr­hun­der­ten die ers­te Erfin­dung, die bei einer Geburt Leben ret­ten konn­te. Sie war bereits im 17. Jahr­hun­dert von einem huge­not­ti­schen Chir­ur­gen erfun­den wor­den, trotz­dem trak­tier­te man wer­den­de Müt­ter wei­ter­hin mit Ader­lass und kochend­hei­ßen Brei­um­schlä­gen, und brach­te allein dadurch vie­le zu Tode. Das Ster­ben im Wochen­bett ging wei­ter — und ver­än­der­te auch die Welt­ge­schich­te.
Queen Vic­to­ria (I): Die Groß­mutter Euro­pas

Lese- und Hör­emp­feh­lun­gen:

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Frank Schwie­ger (Autor), Ramo­na Wult­sch­ner (Illus­tra­to­rin): Ich, Zeus, und die Ban­de vom Olymp. Göt­ter und Hel­den erzäh­len grie­chi­sche Sagen*, dtv Ver­lags­ge­sell­schaft , 2017

Über Müt­ter, Väter und Erzie­hung, den Puder­pe­rü­cken-Knall des Abso­lu­tis­mus — und die Sor­gen und Nöte der klei­nen Leu­te, die den Adels­spaß der obe­ren Zehn­tau­send finan­zie­ren muss­ten. Bill Bry­sons sehr lesens­wer­ter Streif­zug durch die Kul­tur­ge­schich­te Euro­pas. Sehr hörens­wert ist übri­gens auch die Audio-Ver­si­on, gele­sen von Rufus Beck. Bill Bry­son, Eine kur­ze Geschich­te der all­täg­li­chen Din­ge*, Gold­mann Taschen­buch, 2013

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Yuval Noah Hara­ri: Eine kur­ze Geschich­te der Mensch­heit*, Pan­the­on Ver­lag, 23. Auf­la­ge, 2015

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Wei­ter­füh­ren­de Bei­trä­ge über Mut­ter­lie­be:

Rous­se­au: Mit “Mut­ter­lie­be” hat der fran­zö­si­sche Phi­lo­soph Jean-Jac­ques Rous­se­au nichts im Sinn, als er 1762 sei­nen Roman “Emi­le oder über die Erzie­hung” ver­öf­fent­lich­te. Eigent­lich woll­te er mit sei­nem Roman ein Zei­chen gegen die abso­lu­tis­ti­sche Stän­de­ge­sell­schaft set­zen, die ihn anwi­der­te. Doch dann kommt die Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on, Rous­se­au wird post­hum zum Hel­den und “Emi­le” zur Grund­la­ge moder­ner Erzie­hung.
Die Erfin­dung der Mut­ter­lie­be

Lie­be: Das 18. Jahr­hun­dert ent­deckt die Lie­be. 1762 erfin­det der fran­zö­si­sche Phi­lo­soph Jean-Jac­ques Rous­se­au ver­se­hent­lich die Mut­ter­lie­be, rund 30 Jah­re spä­ter fegt die fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on das „Anci­en Régime“ aus sei­nen Paläs­ten. Damit hat auch die Mätres­sen­wirt­schaft aus­ge­dient, denn ab sofort kön­nen Ehe­paa­re sich schei­den las­sen. Ange­sichts sol­cher Aus­sich­ten ent­de­cken vie­le ein bis­lang unbe­kann­tes Gefühl: die „wah­re“ Lie­be.
Mätres­sen­wirt­schaft, Revo­lu­ti­on und die gro­ße Lie­be

Män­ner: Geben sich Frau­en als Müt­ter selbst ein “Lebens­läng­lich”? Opfern sie sich auf, wer­den dadurch unglück­lich und nör­geln schließ­lich ihre Män­ner aus dem Haus? Über den schwie­ri­gen Spa­gat zwi­schen Kind und Kegel, Auf­op­fern, Haus­ar­beit, Oro­pax und die müt­ter­li­chen Qua­li­tä­ten von Vätern.
Der Mann in der Kri­se?

Die Gelieb­te eines mäch­ti­gen Man­nes zu wer­den, war vie­le Jahr­hun­der­te lang die ein­zi­ge Mög­lich­keit für Frau­en, poli­ti­sche Macht und Ein­fluss zu bekom­men. Beson­ders gut funk­tio­nier­ten Sex und Poli­tik im Abso­lu­tis­mus, des­sen Mätres­sen­wirt­schaft die Welt­ge­schich­te maß­geb­lich beein­flusst hat. Die berühm­tes­te und ein­fluss­reichs­te „maî­tres­se en tit­re“ war die Gelieb­te des Uren­kels des Son­nen­kö­nigs, die Mar­qui­se de Pom­pa­dour.
Die Mar­qui­se de Pom­pa­dour

Kind­heit im Drit­ten Reich: Erfun­den haben die Natio­nal­so­zia­lis­ten die ‘Erzie­hung mit har­ter Hand’ nicht, aber sie haben sie wie so vie­les ande­res per­ver­tiert und unters Volk gebracht. Über d e n Leit­fa­den des Drit­ten Reichs zur Kin­der­er­zie­hung und die NS-Päd­ago­gik, die uns heu­te noch prägt
Zwi­schen Drill und Miss­hand­lung: Johan­na Haa­rers “Die deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind”

Der nor­ma­le Wahn­sinn: Tipps und Tricks, psy­cho­lo­gi­sche Denk­fal­len und viel Wis­sens­wer­tes für ein bewuss­tes Leben fin­den Sie in unse­rer Kate­go­rie:
Tipps für den All­tag

Link­emp­feh­lun­gen:

Ame­lie Fried in „Cice­ro“:
https://​www​.cice​ro​.de/​s​a​l​o​n​/​f​r​a​u​-​f​r​i​e​d​-​f​r​a​g​t​-​s​i​c​h​-​w​a​n​n​-​d​e​r​-​g​u​t​e​-​m​u​t​t​e​r​-​m​y​t​h​o​s​-​e​n​d​l​i​c​h​-​a​u​s​s​t​i​r​b​t​/​5​3​172

Hei­de Oes­te­reich in der „taz“:
https://​www​.taz​.de/​1​/​a​r​c​h​i​v​/​a​r​c​h​i​v​/​?​d​i​g​=​2​0​0​6​/​0​3​/​0​8​/​a​0​126

Die kom­plet­te Enzy­klo­pä­die müt­ter­li­cher Erzie­hung in Sprü­chen: Mamas Klas­si­ker
https://​www​.mamas​-klas​si​ker​.de/​D​i​e​_​K​l​a​s​s​i​k​e​r​/​d​i​e​_​k​l​a​s​s​i​k​e​r​.​h​tml

Bild­nach­wei­se:

Arte­mis bricht mit den Nym­phen zur Jagd auf. Von Peter Paul Rubens — The Yorck Pro­ject. Gemein­frei.
Kopf einer Sta­tue der Athena (Lie­bieg­haus, Frank­furt am Main) Von Dont­wor­ry — Eige­nes Werk, CC BY-SA 3.0
Jupi­ter und Juno auf dem Ber­ge Ida. Detail eines Gemäl­des von James Bar­ry (Öl, 1789–1799, Art Gal­le­ries, Shef­field), Von James Bar­ry — The Yorck Pro­ject. Gemein­frei.
Decken­fres­ko zur Schöp­fungs­ge­schich­te in der Six­ti­ni­schen Kapel­le, Haupt­sze­ne: Ursün­de und Ver­trei­bung aus dem Para­dies (1508 — 1512), Michel­an­ge­lo, Vati­kan, Six­ti­ni­sche Kapel­le: The Yorck Pro­ject: 10.000 Meis­ter­wer­ke der Male­rei. Gemein­frei.
Madon­na mit Kind „Andrea Sola­rio 002“ von The Yorck Pro­ject: 10.000 Meis­ter­wer­ke der Male­rei. Gemein­frei.


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