Konrad Henlein: Biedermann oder Brandstifter? I Sudetenkrise

Das 20. Jahrhundert

Biedermann oder Brandstifter: Konrad Henlein


Kon­rad Hen­lein, Sude­ten­deut­scher mit tsche­chi­schem Groß­va­ter, war Turn­leh­rer und woll­te nach eige­nem Bekun­den auch nie etwas ande­res sein. Er wur­de zum Aus­hän­ge­schild natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Sude­ten­deut­scher, die in den 1930er Jah­re kräf­tig am Welt­frie­den zün­del­ten und die Sude­ten­kri­se 1938 anzet­tel­ten.

War Hen­lein nur Hit­lers Mario­net­te und Brand­stif­ter — oder auch Bie­der­mann mit einem eigent­lich ernst­haf­ten Anliegen?

Konrad Henlein und die Sudetenkrise 1938: Einwohner von Eger begrüßen deutsche Truppen

Ein Land aus Fetzen und Flicken: Die Tschechoslowakei 1918

Am Ende war es schnell vor­bei mit der eins­ti­gen Pracht und Herr­lich­keit.
Rund 640 Jah­re wur­de der Bal­kan durch das Rie­sen­reich der Habs­bur­ger beherrscht, dann lös­te sich die k.u.k Dop­pel­mon­ar­chie im Herbst 1918 über Nacht in Nichts auf.

Aus der Kon­kurs­mas­se Öster­reich-Ungarns, dem Viel­völ­ker­staat, der von vie­len auch als ‚Völ­ker­ker­ker’ bezeich­net wur­de, ent­stan­den neue Natio­nal­staa­ten; von denen die meis­ten vor­her noch nie exis­tiert hat­ten.

Zu den Natio­nen, die nach dem Ende des Ers­ten Welt­krie­ges neu „erfun­den” wur­den, gehör­te auch die Repu­blik Tsche­cho­slo­wa­kei.

Die trei­ben­de Kraft hin­ter der bis 1918 völ­lig unbe­kann­ten Nati­on waren der tsche­chi­sche Phi­lo­so­phie-Pro­fes­sor, Poli­ti­ker und spä­te­re Staats­prä­si­dent Tomáš Gar­ri­gue Masa­ryk und sein engs­ter Mit­ar­bei­ter Edvard Beneš.

Tomáš Garrigue Masaryk, erster Präsident der Tschechoslowakei, 1918

Der ers­te Prä­si­dent der Tsche­cho­slo­wa­kei, Tomáš Gar­ri­gue Masa­ryk, 1918

Masa­ryk und Beneš emi­grie­ren bei Kriegs­aus­bruch im August 1914 und leben wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs abwech­selnd in Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en im Exil.

Mit viel Zähig­keit und diplo­ma­ti­schem Geschick errei­chen sie schließ­lich, dass die bei den Kriegs­geg­nern Öster­reich-Ungarns eigent­lich unbe­deu­ten­de ‚tsch­echo-slo­wa­ki­sche Fra­ge’ auf die Tages­ord­nung kommt und nach Kriegs­en­de gelöst wer­den soll.

Slowaken, Tschechen und Deutsche – ein brüchiges Fundament

Unter­mau­ert wird ihr Plan mit Hil­fe einer tsche­cho­slo­wa­ki­sche Exilar­mee (Tsche­cho­slo­wa­ki­sche Legi­on), die auf den Schlacht­fel­dern des Ers­ten Welt­krie­ges gegen Öster­reich-Ungarn und das Deut­sche Reich kämpft.

Es ist eine Geburt mit gro­ßen Schön­heits­feh­lern.

Die Slo­wa­ken, die nach dem Wil­len Masa­ryks und Beneš unbe­dingt ein Teil der neu­zu­grün­den­den Repu­blik sein soll­ten, hat­ten sich lan­ge geziert und ihre Freu­de, ein Teil der Tsche­cho­slo­wa­kei sein zu sol­len, hält sich in Gren­zen.

Slo­wa­ken spre­chen eine ande­re Spra­che, haben ande­re Wur­zeln und Tra­di­tio­nen und fühl­ten sich gegen­über den moder­nen und auf­ge­schlos­se­nen Tsche­chen als Hin­ter­wäld­ler — als klei­ne, häss­li­che Brü­der.

Ein Gefühl, das Jahr­zehn­te über­dau­ern wird und spä­ter maß­geb­lich am Ende der Repu­blik betei­ligt ist.


Land aus Fetzen und Flicken

„ … Die Tsche­cho­slo­wa­kei ist eine Ver­bin­dung von Fet­zen und Fli­cken, für die kein bri­ti­scher Sol­dat ster­ben soll.”

Neville Cham­ber­lain, bri­ti­scher Pre­mier­mi­nis­ter 1937 — 1940


Aber man brauch­te sie zur Staats­grün­dung, denn es gab auf dem Ter­ri­to­ri­um, auf dem die Tsche­cho­slo­wa­kei ent­ste­hen soll­te, zu vie­le Deutsch­stäm­mi­ge und zu weni­ge Tsche­chen.

Für die jun­ge Repu­blik muss eine genü­gend gro­ße Bevöl­ke­rungs­zahl geschaf­fen wer­den, um drei Mil­lio­nen deutsch­spra­chi­ge Bür­ger als Min­der­heit dekla­rie­ren zu kön­nen.

Das, was als neue jun­ge Nati­on ent­steht, ist wie das unter­ge­gan­ge­ne Reich der Habs­bur­ger ein Viel­völ­ker­staat mit gro­ßen Min­der­hei­ten und klei­nen Mehr­hei­ten, die sich gegen­sei­tig nicht beson­ders mögen.

Karte der Sprachverteilung in der Tschechoslowakei um 1930

His­to­ri­sche Kar­te der Sprach­ver­tei­lung in der Tsche­cho­slo­wa­kei um 1930, basie­rend auf einer Gra­fik von Mari­usz Pazdzio­ra. Die farb­lich mar­kier­ten Gebie­te zei­gen die sprach­li­chen Mehr­hei­ten im Land – dar­un­ter gro­ße deutsch­spra­chi­ge Regio­nen im Sude­ten­land sowie tsche­chi­sche und slo­wa­ki­sche Kern­ge­bie­te. Die Dar­stel­lung macht sicht­bar, wie kom­plex die eth­ni­sche Zusam­men­set­zung des jun­gen Staa­tes war und wel­che Kon­flikt­li­ni­en spä­ter zur Sude­ten­kri­se 1938 bei­tru­gen.
Bild­nach­weis: Hen­ry Mühl­pfordt (Bear­bei­tung), nach Mari­usz Paźd­zio­ra, „Cze­chos­lo­va­kia 1930: lin­gu­i­stic“, 2008. Lizenz: CC BY 3.0, via Wiki­me­dia Commons.

Das Selbstbestimmungsrecht der Völker

Die Wür­fel sind längst gefal­len, als im Okto­ber 1918 die deutsch­spra­chi­ge Bevöl­ke­rung in Böh­men und Mäh­ren auf­wacht und sich als Bür­ger und gleich­zei­tig Min­der­heit der neu gegrün­de­ten Repu­blik Tsche­cho­slo­wa­kei wie­der­fin­det.

Auch die Deutsch­stäm­mi­gen pochen auf das Maß aller Din­ge jener Zeit — das Ver­spre­chen des ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten Wil­son über das Selbst­be­stim­mungs­recht der Völ­ker — und möch­ten sich der gera­de ent­ste­hen­den Repu­blik Deutsch­ös­ter­reich anschlie­ßen.

Aber es ist zu spät.

Bei den Frie­dens­ver­hand­lun­gen in Ver­sailles und den ande­ren “Vor­ort­ver­hand­lun­gen” sit­zen die Tsche­cho­slo­wa­ken mit den Sie­gern am Tisch, Kriegs­ver­lie­rer wie Öster­reich und Deutsch­land fin­den kein Gehör und müs­sen drau­ßen blei­ben.

Als wäh­rend der Ver­hand­lun­gen immer deut­li­cher wird, dass die Chan­cen auf ein ver­ei­nig­tes Deutsch-Öster­reich unge­fähr genau­so groß sind wie Kolat­schen ohne Mehl, wer­den pro-öster­rei­chi­schen Demons­tra­tio­nen orga­ni­siert.

Das über­for­der­te und ner­vö­se tsche­chi­sche Mili­tär schießt in die wüten­de Men­ge. Es gibt meh­re­re Tote — es sind die ers­ten deutsch­spra­chi­gen Mär­ty­rer.

Ein wei­te­rer Geburts­feh­ler der jun­gen Nation.

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TV-Serie „Krieg der Träume“ über Europa zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg

Die Zwischenkriegszeit 1918 bis 1939

„Krieg der Träu­me“ erzählt nach wah­ren Bege­ben­hei­ten die Schick­sa­le von Men­schen, die 1918 in Euro­pa das Ende des Ers­ten Welt­kriegs erle­ben und vol­ler Hoff­nung und Sor­gen in die Zukunft bli­cken.
Sehr sehens­wert!

Plötzlich Minderheit: Die Enttäuschung der Deutschböhmen

Zwar garan­tie­ren die neu­en Herr­scher in Prag ihren zwangs­re­kru­tier­ten deutsch­spra­chi­gen Neu­bür­gern umfas­sen­de Min­der­hei­ten­rech­te, in der Rea­li­tät hand­ha­ben sie aber vie­les wie ihre Vor­gän­ger, nur mit umge­kehr­ten Vor­zei­chen, manch­mal sogar noch härter.

Hat­te das alte Regime in Wien sei­nen Unter­ta­nen unter­schied­lichs­ter Natio­na­li­tä­ten bis 1918 noch klei­ne­re Zuge­ständ­nis­se gemacht, um sie fried­lich zu stim­men (oder es zumin­dest ver­sucht), gab es unter der neu­en Regie­rung kein Par­don mehr.

Die tsche­cho­slo­wa­ki­sche Regie­rung in Prag ver­langt bei­spiels­wei­se von ihren deutsch­spra­chi­gen Staats­be­diens­te­ten per­fek­tes Tsche­chisch — und zwar von allen, vom Brief­trä­ger bis zum Hochschulprofessor.

Die Sprach­prü­fung ist schwer und wird von den Deut­schen gefürch­tet.

Latein­leh­rer müs­sen bei­spiels­wei­se Goe­thes ‚Faust’ auf Tsche­chisch rezi­tie­ren kön­nen, um zu bestehen. Ein gro­ßer Teil der wacke­ren deutsch­spra­chi­gen Beam­ten und Behör­den­ver­tre­tern schei­tert und ver­liert dadurch nicht nur die alte Hei­mat, son­dern auch Brot­er­werb und Pos­ten.

Man fühlt sich nicht nur wirt­schaft­lich abge­hängt, son­dern auch drang­sa­liert und unnö­tig gepie­sackt — und als Frem­de im eige­nen Land, in dem vie­le deutsch­spra­chi­ge Fami­li­en schon seit Gene­ra­tio­nen leben.

Die zweite Schweiz Europas: Wirtschaftlicher Aufschwung als sozialer Kitt

Deutsch­böh­men und Deutschmäh­ren sind die Filet­stück­chen aus der Kon­kurs­mas­se der k.u.k. Dop­pel­mon­ar­chie und für die jun­ge Repu­blik Tsche­cho­slo­wa­kei ein uner­mess­lich wert­vol­ler Gewinn.

Seit der Zeit der Habs­bur­ger Mon­ar­chie lie­fern die hoch­in­dus­tria­li­sier­ten Pro­vin­zen mit ihren gut aus­ge­bil­de­ten Arbeits­kräf­ten rund zwei Drit­tel aller Indus­trie­pro­duk­te.

Nach 1918 ermög­li­chen sie der tsche­cho­slo­wa­ki­schen Wirt­schaft, der es nach dem Krieg ähn­lich schlecht wie der im besieg­ten Deutsch­land oder Öster­reich geht, her­aus­ra­gend gute Start­be­din­gun­gen.

Ohne Repa­ra­ti­ons­for­de­run­gen, mit einer leis­tungs­fä­hi­gen Indus­trie — vor allem in den dazu­ge­won­ne­nen deutsch­spra­chi­gen Gebie­ten — , gut aus­ge­bil­de­ten Fach­ar­bei­tern, aber auch einer sehr geschick­ten Wirt­schafts­po­li­tik gelingt es dem jun­gen Staat, inner­halb kur­zer Zeit sein Wirt­schafts­le­ben anzu­kur­beln.

Die Tsche­cho­slo­wa­kei ent­wi­ckelt sich schnell zu einer der stärks­ten Volks­wirt­schaf­ten Euro­pas, sie gilt bald als „zwei­te Schweiz Euro­pas“.

Der wach­sen­de Wohl­stand und eine für die­se Zeit bemer­kens­wer­te Sozi­al­ge­setz­ge­bung mit Ein­füh­rung des Acht-Stun­den-Tages, umfas­sen­den Sozi­al­ver­si­che­run­gen und einem Pro­gramm für sozia­len Woh­nungs­bau bil­den den Kitt für das neue Zusam­men­le­ben von Tsche­chen, Deut­schen und Slo­wa­ken.

Die gute öko­no­mi­sche Ent­wick­lung beru­higt die Gemü­ter  – auch wenn der Groll der Min­der­hei­ten bleibt.

Die Weltwirtschaftskrise 1929: Porzellan, Pleiten und Perspektivlosigkeit

Ver­spä­tet, aber mit vol­ler Wucht trifft die Welt­wirt­schafts­kri­se ab 1929 auch die Tsche­cho­slo­wa­kei und sorgt dafür, dass — wie in vie­len ande­ren Län­dern auch — das Pul­ver­fass aus lan­ge kaum ver­deck­ten Miss­mut explo­diert. 

Die Export-Pro­duk­te, die die Wirt­schaft bis­lang stark gemacht haben – ver­edel­ter Stahl, Autos, Flug­zeu­ge und hoch­ent­wi­ckel­te Waf­fen — kann nie­mand mehr bezah­len, Absatz und Pro­duk­ti­on sin­ken rapide.

Im März 1933 erreicht die Kri­se ihren Höhe­punkt.
Wie über­all auf der Welt ste­hen immer mehr Men­schen am Ran­de des exis­ten­zi­el­len Abgrun­des. Noch schlim­mer als die wirt­schaft­li­che Not, sind die Span­nun­gen zwi­schen den Natio­na­li­tä­ten, die jetzt wie­der auf­bre­chen.

Der sozia­le Kitt des Wohl­stands, der die Tsche­cho­slo­wa­kei bis­her zusam­men­ge­hal­ten hat, zerbröselt.

Vor allem die Deut­schen, immer­hin mit 3 Mil­lio­nen Men­schen im Ver­gleich zu 7 Mil­lio­nen Tsche­chen und 2 Mil­lio­nen Slo­wa­ken eine sehr gro­ße Min­der­heit, füh­len sich benach­tei­ligt.

Die Kri­se trifft die sude­ten­deut­schen Gebie­te wesent­lich här­ter als den Rest der Repu­blik.

Beson­ders die Leicht- und Kon­sum­gü­ter­in­dus­trie im Sude­ten­land lei­det stär­ker unter man­geln­dem Absatz als die Schwer- und Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie im tsche­chi­schen Lan­des­in­ne­ren.

Das Eger­land lebt bei­spiels­wei­se vor allem von sei­ner Por­zel­lan­in­dus­trie. Aber wer kauft schon Por­zel­lan, wenn das Geld kaum fürs täg­li­che Brot reicht?

Konrad Henlein

Meh­re­re Koali­ti­ons­re­gie­run­gen in Prag bemü­hen sich, die Fol­gen des Wirt­schafts­ein­bruchs durch Arbeits­be­schaf­fungs­maß­nah­men, Staats­auf­trä­gen und Agrar­zöl­le zu mil­dern, aber die Zahl der Arbeits­lo­sen steigt trotz­dem rasant an, beson­ders bei den Sude­ten­deut­schen.

Im März 1933 ist jeder fünf­te von ihnen arbeits­los, wobei die Arbeits­lo­sen­quo­te der Deut­schen in der Tsche­cho­slo­wa­kei weit über dem Lan­des­durch­schnitt liegt. Die Not ist so groß, dass Kin­der und Alte ver­hun­gern.

Die deutsch­spra­chi­ge Min­der­heit beginnt, auf­zu­be­geh­ren: gegen Hun­ger, gegen die hohe Arbeits­lo­sig­keit, gegen Tsche­chisch als ein­zi­ge offi­zi­el­le Amts­spra­che.

Sie füh­len sich unge­recht behan­delt, und zum Teil ist das wohl auch so.

Zu die­ser Zeit betritt Kon­rad Hen­lein die Bühne.

Konrad Henlein in Karlsbad 1937

Kon­rad Hen­lein in Kar­l­o­vy Vary (Karls­bad) 1937, unbe­kann­ter Fotograf

Hen­lein ist ein ehe­ma­li­ger Bank­an­ge­stell­ter, der 1925 das Tur­nen zu sei­nem Beruf macht, eine Leh­rer­stel­le beim Turn­ver­ein in Asch über­nimmt und — nach eige­nem Bekun­den — nie etwas ande­res als Turn­leh­rer sein woll­te.

Er gilt als red­li­che und gewin­nen­de Per­sön­lich­keit, die leicht zu beein­flus­sen ist, und wird trotz­dem – oder viel­leicht gera­de des­halb – im Jahr 1931 zum Füh­rer des Sude­ten­deut­schen Turn­ver­ban­des in der ČSR gewählt.

Vom Turnlehrer zur Stimme der Sudetendeutschen

Wie so oft in jener Zeit gehen auch beim sude­ten­deut­schen Turn­ver­band Sport und Poli­tik Hand in Hand, und Hen­lein beginnt, tief ent­täuscht von den gerin­gen bis­he­ri­gen Erfol­gen (eigent­lich: Miss­erfol­gen) sude­ten­deut­scher Par­tei­en in Prag, sei­ne Tur­ner­be­we­gung zur poli­ti­schen Kraft aus­zu­bau­en.

In Prag beob­ach­tet man sowohl Hit­lers Auf­stieg zur Macht im benach­bar­ten Deutsch­land als auch das Trei­ben der hei­mi­schen deutsch­spra­chi­gen Min­der­heit mit wach­sen­der Sor­ge und ver­bie­tet schließ­lich zwei rechts­ra­di­ka­le sude­ten­deut­sche Par­tei­en.

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Buchcover „Deutschland unter dem Hakenkreuz 1933–1936“

Die ersten 1000 Tage der NS-Diktatur

Wirt­schaft­lich sah es für das NS-Regime nach 1933 weit weni­ger rosig aus, als häu­fig dar­ge­stellt.

Die­ses Heft gibt einen span­nen­den Ein­blick hin­ter die Kulis­sen der ers­ten 1000 Tage des „1000-jäh­ri­gen Reichs”: Über den Mythos Auto­bahn­bau, dem Röhm-Putsch, die Idee der Volks­ge­mein­schaft und vie­les mehr, sehr gut recher­chiert und span­nend geschrieben.

Dar­auf­hin sieht Hen­lein sei­ne Chan­ce gekom­men und grün­det die „Sude­ten­deut­sche Hei­mat­front” als neu­es rech­tes Sam­mel­be­cken für alle Wüten­den und Frus­trier­ten.

Nur eine Ein­heits­front aller nicht-sozia­lis­ti­scher Par­tei­en, so lau­tet sein Cre­do, kön­ne eine gerech­te­re Min­der­hei­ten­po­li­tik in der Tsche­cho­slo­wa­kei vorantreiben.

Prag blockt, Berlin lockt: Beneš’ Starrsinn und Henleins verpasste Chance

Zunächst will Hen­lein vor allem eines: reden.
Die „Hei­mat­front“, spä­ter in SdP – Sude­ten­deut­sche Par­tei – umbe­nannt, fei­ert einen Wahl­sieg nach dem ande­ren und stellt schließ­lich die stärks­te Frak­ti­on im Pra­ger Par­la­ment.

Hen­lein und vie­le sei­ner Anhän­ger hof­fen, dass sich die Wahl­er­fol­ge in der Min­der­hei­ten­po­li­tik der tsche­cho­slo­wa­ki­schen Regie­rung bemerk­bar machen.

Edvard Benes, zweiter Präsident der Tschechoslowakei

Der tsche­cho­slo­wa­ki­sche Staats­prä­si­dent Edvard Beneš zur Zeit der Sude­ten­kri­se 1938

Aber es pas­siert — nichts.

Staats­ober­haupt der Tsche­cho­slo­wa­kei ist mitt­ler­wei­le Edvard Beneš, Mit­be­grün­der der Repu­blik, Dau­er-Außen­mi­nis­ter und nach Masa­ryks alters­be­ding­tem Rück­zug aus der Poli­tik Staats­prä­si­dent.

Beneš schal­tet auf stur und lehnt jede Ver­hand­lung mit dem rechts­las­ti­gen, aber zunächst nicht natio­nal­so­zia­lis­tisch gesinn­ten Hen­lein und sei­ner Par­tei ab.

Beneš ver­wei­gert jedes Gesprächs­an­ge­bot Hen­leins.
Er traut ihm nicht – und unter­schätzt ihn zugleich.

Mit Zuckerbrot und Peitsche Heim ins Reich

Auch in Ber­lin ist man mitt­ler­wei­le auf den ambi­tio­nier­ten Sport­leh­rer Hen­lein auf­merk­sam gewor­den, schließ­lich steht die hoch­ent­wi­ckel­te Tsche­cho­slo­wa­kei mit ihrer moder­nen Auto­mo­bil- und Waf­fen­in­dus­trie schon lan­ge ganz oben auf Hit­lers Agen­da und spielt in sei­nen All­machts­phan­ta­sien eine tra­gen­de Rol­le.

Außer­dem ist klar, dass die hoch­ge­rüs­te­te und moder­ne Tsche­cho­slo­wa­kei Hit­lers Kriegs­plä­nen im Osten im Weg ist und des­we­gen weg muss.

Ein Über­fall auf die mit Frank­reich ver­bün­de­te Repu­blik erscheint ris­kant.
Man weiß nicht, wie die Fran­zo­sen reagie­ren. Zudem weiß Hit­ler nicht, wie die Füh­rung der Wehr­macht reagie­ren wird, denn die ist bei wei­tem (noch) nicht bereit, für den „Füh­rer” in einen neu­en Krieg zu zie­hen.

Hen­lein und die von ihm orga­ni­sier­ten wüten­den Sude­ten­deut­schen kom­men daher gera­de recht, um Hit­lers tsche­cho­slo­wa­ki­sches Dilem­ma zu lösen.

Hen­lein wird nach Ber­lin zitiert und dort mit Hit­lers übli­cher Stra­te­gie aus „Zucker­brot und Peit­sche” gedrängt, sei­ne ‚Hen­lein-Par­tei’ zur „Fünf­ten Kolon­ne” des Reichs aus­zu­bau­en, straff orga­ni­siert und zu allem bereit.

1937–1938: Wut, Hoffnung – und die Sehnsucht nach dem „Reich”

Ab 1937 bro­delt es in den deutsch­spra­chi­gen Gebie­ten der Tsche­cho­slo­wa­kei. Nach wie vor sind beson­ders vie­le Sude­ten­deut­sche ohne Arbeit und füh­len sich von der Regie­rung in Prag allein­ge­las­sen, zurück­ge­setzt, benach­tei­ligt, bes­ten­falls gleich­gül­tig behan­delt.

Vie­le bli­cken mitt­ler­wei­le sehn­süch­tig auf den ver­meint­li­chen Wohl­stand und die schein­ba­ren wirt­schaft­li­chen Erfol­ge im Drit­ten Reich, von dem vie­le glau­ben, es hät­te als ein­zi­ges Land Euro­pas die Fol­gen der Welt­wirt­schafts­kri­se über­wun­den.

Immer mehr Men­schen sym­pa­thi­sie­ren mit der nach außen so glanz­voll und glück­lich wir­ken­den benach­bar­ten „Volks­ge­mein­schaft“ und ihrem „Füh­rer“ Adolf Hit­ler.
Im „Reich” scheint es Arbeit und Brot für alle reich­lich zu geben — das lässt sie die eige­ne Mise­re noch bewuss­ter wer­den.

Die Ers­ten wol­len „Heim ins Reich“.
Und im Gegen­satz zur eige­nen Regie­rung in Prag ver­mit­telt Hit­ler ganz offen­kun­dig das Gefühl, sie auch haben zu wollen.

Einwohner von Eger beim Einrücken deutscher Truppen im Oktober 1938

His­to­ri­sche Auf­nah­me vom 5. Okto­ber 1938: Ein­woh­ner von Eger beim Ein­rü­cken der deut­schen Wehr­macht.
Foto: Scherl / Welt­bild, Bun­des­ar­chiv, Bild 183-H13160, CC BY-SA 3.0.

Das Karlsbader Programm

In bewähr­ter Manier wird Stim­mung gemacht.

SdP ‑Drü­cker­ko­lon­nen zie­hen in sude­ten­deut­schen Städ­ten und Dör­fern von Tür zu Tür und “wer­ben” neue Mit­glie­der — offen­siv und mit frag­wür­di­gen Metho­den: Deutsch­spra­chi­ge Gast­wir­te und Laden­be­sit­zer, die eine Mit­glied­schaft ver­wei­gern, wer­den bei­spiels­wei­se öffent­lich ange­pran­gert und sol­len boy­kot­tiert wer­den.

Vie­le Sude­ten­deut­sche hal­ten sich an sol­che Boy­kott­auf­for­de­run­gen, denn es gilt: Ent­we­der, Du bist für uns, oder Du bist rui­niert.

Die Lage wird durch orga­ni­sier­te Kund­ge­bun­gen und Auf­mär­sche wei­ter ange­heizt, sude­ten­deut­sche SdP-Schlä­ger­trupps lie­fern sich ers­te Stra­ßen­schlach­ten mit der tsche­chi­schen Poli­zei.

Die Lage eska­liert end­gül­tig nach dem Anschluss Öster­reichs im März 1938, der von vie­len Sude­ten­deut­schen als Vor­zei­chen ihrer eige­nen „Heim ins Reich“-Bewegung gese­hen wird.

Im April 1938 eröff­net Kon­rad Hen­lein schließ­lich mit dem Karls­ba­der Pro­gramm den Fron­tal­an­griff auf die tsche­cho­slo­wa­ki­sche Regie­rung, streng nach Hit­lers Mot­to, immer so viel zu for­dern, dass man nicht zufrie­den gestellt wer­den kann.

Das Münchner Abkommen 1938

Hit­lers Stra­te­gie, die Tsche­cho­slo­wa­kei mit Hil­fe der Sude­ten­deut­schen zu zer­schla­gen, ist für alle, die genau hin­se­hen, sehr durch­schau­bar.

Auch Staats­prä­si­dent Beneš ist sich der Bedro­hung bewusst und ver­sucht zu ret­ten, was noch zu ret­ten ist.

Mit har­ten Ban­da­gen: Er ver­hängt in den sude­ten­deut­schen Gebie­ten das Stand­recht, mobi­li­siert sei­ne Armee und hofft auf sei­nen Bünd­nis­part­ner Frank­reich.

Aber es nützt nichts.

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Buchcover von „München: Das Abkommen“ von Robert Harris

München 1938

Wenn Geschich­te zum Polit­thril­ler wird: Nach Vater­land* ver­wan­delt Robert Har­ris auch die dra­ma­ti­schen Stun­den der Münch­ner Kon­fe­renz 1938 in einen hoch­span­nen­den Polit­thril­ler, der psy­cho­lo­gisch tief geht und gleich­zei­tig his­to­risch fun­diert ist. Sehr span­nend und lesenswert!

Wie bereits in den Jah­ren zuvor, sind weder Frank­reich noch Groß­bri­tan­ni­en bereit, eine offe­ne Kon­fron­ta­ti­on mit Hit­ler zu wagen.

Statt­des­sen wird im Sep­tem­ber 1938 im Münch­ner Abkom­men ohne Betei­li­gung der Tsche­cho­slo­wa­ken die Abtre­tung des Sude­ten­lands an das Deut­sche Reich beschlos­sen, um den Welt­frie­den zu ret­ten.

Die meis­ten Deut­schen atmen auf — es wird kei­nen Krieg geben.
Glau­ben sie.

Heim ins Reich – und was danach kam

Am 1. Okto­ber 1938 zie­hen sich tsche­cho­slo­wa­ki­sche Grenz­pos­ten aus den sude­ten­deut­schen Gebie­ten zurück. Die ers­ten Ver­bän­de der deut­schen Wehr­macht tau­chen hin­ter der ehe­ma­li­gen deutsch-tsche­cho­slo­wa­ki­schen Gren­ze auf.

Die sude­ten­deut­sche Bevöl­ke­rung jubelt. (Zumin­dest der größ­te Teil — wer sich zu den sude­ten­deut­schen Sozi­al­de­mo­kra­ten, Kom­mu­nis­ten oder Juden zählt, tat gut dar­an, jetzt schleu­nigst zu ver­schwin­den.)

Dies sei nun die letz­te For­de­rung, die er an die Welt zu stel­len habe, ver­kün­det Hit­ler kurz nach der Beset­zung.
Es ist wie­der eine Lüge.

Konrad Henlein und Wilhelm Frick im Sudetenland am 23. September 1938

His­to­ri­sches Foto vom 23. Sep­tem­ber 1938: Staats­be­such des Reichs- und Preu­ßi­schen Innen­mi­nis­ters Dr. Wil­helm Frick im Sude­ten­land (ohne Orts­an­ga­be), beglei­tet von Kon­rad Hen­lein (2. v. r.), Dr. Stuck­art, Adolf von Bom­hard und wei­te­ren NS-Funk­tio­nä­ren. Foto­graf unbe­kannt. Bun­des­ar­chiv, Bild 121‑0009, CC BY-SA 3.0.

Konrad Henlein nach 1938: Zwischen Macht und Abgrund

Der 1. Okto­ber 1938 war der Beginn der Auf­lö­sung der tsche­cho­slo­wa­ki­schen Repu­blik, denn auch ande­re Staa­ten beglei­chen jetzt alte offe­ne Rech­nun­gen.

Einen Tag nach der Beset­zung des Sude­ten­lan­des mar­schiert die pol­ni­sche Armee – ohne Man­dat der Welt­ge­mein­schaft – in das seit lan­gem umstrit­te­ne Olsa­ge­biet ein. Kur­ze Zeit spä­ter muss ein Teil der Slo­wa­kei an das mit dem Deut­schen Reich ver­bün­de­te Ungarn abge­tre­ten wer­den.

Die Slo­wa­kei ernennt eine Teil­re­gie­rung, die beim nächs­ten Coup Hit­lers – der „Zer­schla­gung der Rest-Tsche­chei” im März 1939 behilf­lich ist. Zu die­sem Zeit­punkt ist Prä­si­dent Beneš längst zurück­ge­tre­ten und ins Lon­do­ner Exil geflüch­tet.

Nach 1945 kehrt er zurück und spielt mit sei­nen Dekre­ten eine maß­geb­li­che Rol­le bei der Ver­trei­bung der Sude­ten­deut­schen nach 1945.

Zum Dank für sei­nen Ein­satz als Brand­stif­ter wird Hen­lein zum Reichstatt­hal­ter und Gau­lei­ter ernannt, tritt aber kaum noch in Erschei­nung.

1945 nimmt er sich im Alter von 47 Jah­ren das Leben

Mehr lesen:

Am 7. Novem­ber 1938 ver­übt der 17jährige pol­ni­sche Jude Her­schel Grynszpan in Paris ein Atten­tat auf den deut­schen Diplo­ma­ten Ernst Edu­ard vom Rath. Rath ist das Opfer, auf das man als Beweis für die jüdi­sche Welt­ver­schwö­rung schon lan­ge war­tet, um end­lich den geplan­ten „Volks­zorn“ zu ent­fes­seln. Der 9. Novem­ber 1938 und sei­ne Hin­ter­grün­de.
9. Novem­ber 1938: „Kris­tall­nacht“

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Buchempfehlungen

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Buchcover Die Macht der Geografie von Tim Marshall über Weltpolitik und geopolitische Konflikte

Geo­gra­fie, Krieg und Macht

Der renom­mier­te BBC-Jour­na­list Tim Mar­shall zeigt anhand von zehn Welt­re­gio­nen, wie Gebir­ge, Roh­stof­fe, Mee­re und Gren­zen die glo­ba­le Poli­tik ent­schei­dend beein­flus­sen.
Ein span­nen­der Blick hin­ter die Kulis­sen von Geo­po­li­tik, der ver­ste­hen lässt, war­um Russ­land, Chi­na und die USA so gehan­delt haben und heu­te han­deln, wie sie es tun — span­nend zu lesen und hochaktuell.


Buchcover „Hitlerwetter“ von Tillmann Bendikowski über den Alltag im Nationalsozialismus

Das ganz nor­ma­le Leben in der Diktatur

Der Jour­na­list und His­to­ri­ker Till­mann Ben­di­kow­ski beschreibt in einem sehr lesens­wer­ten Buch die Mona­te kurz vor und nach Beginn des 2. Welt­kriegs aus der Sicht der „klei­nen” Leu­te: Das nor­ma­le Leben, wenn man zur „Volks­ge­mein­schaft” gehör­te, der All­tag zwi­schen Pro­pa­gan­da, Ein­topf­sonn­tag und Füh­rer­kult. Sehr infor­ma­tiv und unter­halt­sam zu lesen!


Buchcover von Katja Hoyer: Weimar – Glanz und Grauen der deutschen Geschichte

Wirt­schaft­li­che Not und die Heils­ver­spre­chen des „Füh­rers”

Die His­to­ri­ke­rin Kat­ja Hoyer geht in ihrem Buch der Fra­ge nach, war­um sich auch völ­lig unpo­li­ti­sche Men­schen für den „Füh­rer” begeis­tern.
Sie erzählt die „gro­ße” Geschich­te, die ver­wo­ben ist mit den Schick­sa­len und Lebens­we­gen nor­ma­ler Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, ihre Erschöp­fung nach vie­len Jah­ren der Dau­er­kri­sen und ihre Hoff­nung, dass mit Hit­ler alles wie­der gut wird … 


Buchcover von „Winter der Welt“ von Ken Follett

Wie es sich anfühlt, wenn die Welt aus den Fugen gerät

„Win­ter der Welt” ist der zwei­te Teil der Jahr­hun­dert-Tri­lo­gie von Ken Fol­lett, in dem er den Weg der Welt in den Abgrund des 2. Welt­kriegs schil­dert.
Eine span­nen­de Fami­li­en-Saga, die von poli­ti­schen Umbrü­chen, Natio­nal­so­zia­lis­mus, Wider­stand und dem Zwei­ten Welt­krieg aus der Per­spek­ti­ve mit­ein­an­der ver­bun­de­ner Fami­li­en erzählt. Sehr lesenswert!


Buchempfehlung „Höllensturz: Europa 1914 bis 1949“ von Ian Kershaw über die Katastrophen des 20. Jahrhunderts

Die gewal­ti­gen Tur­bu­len­zen in der euro­päi­schen Geschich­te von 1914 bis 1949

meis­ter­haft, fun­diert und fes­selnd erzählt von einem der bes­ten His­to­ri­ker unse­rer Zeit.
Ein span­nen­des Buch für alle, die etwas tie­fer in Zeit­ge­schich­te, Stim­mun­gen und Hin­ter­grün­de ein­stei­gen wol­len. Ein sehr lesens­wer­ter Über­blick über eine Epo­che, die unser Leben bis heu­te ent­schei­dend beeinflusst. 


Weiterführende Beiträge Geschichte & Psychologie

Am 30. Sep­tem­ber 1938 wird nach mona­te­lan­ger Kri­se das „Münch­ner Abkom­men“ zwi­schen Eng­land, Frank­reich, Ita­li­en und Deutsch­land geschlos­sen. Die Welt und vie­le Deut­sche hof­fen, dass durch die Abtre­tung der sude­ten­deut­schen Gebie­te Hit­lers Gier end­lich gestoppt und der Frie­den in Euro­pa geret­tet wäre.
Ein Zeit­zeu­gen­be­richt.
Trom­meln in der Nacht: Der 30. Sep­tem­ber 1938

Ers­ter Welt­krieg: Ein alter Kai­ser, ein aus­ein­an­der­bre­chen­der Viel­völ­ker­staat und jugend­li­che Atten­tä­ter, die bereit sind, für ihre Über­zeu­gung zu mor­den. Das ist der Stoff, aus dem Alb­träu­me sind. Oder Welt­ge­schich­te. Ein Hin­ter­grund­be­richt über die Aus­lö­ser des Ers­ten Welt­krie­ges.
Sis­is Franzl und der gro­ße Knall: Krieg oder Frieden?

Kran­ke Män­ner im wei­ßen Haus: Wood­row Wil­son, John F. Ken­ne­dy, aber auch Frank­lin D. Roo­se­velt waren schwer krank, als sie Ent­schei­dun­gen tref­fen muss­ten, die den Lauf der Welt­ge­schich­te ver­än­dert haben:
Ame­ri­kas kran­ke Prä­si­den­ten — die schwa­chen Sei­ten der Män­ner im Wei­ßen Haus

Blü­hen­de Volks­ge­mein­schaft? Wirt­schaft­lich stand das Drit­te Reich 12 Jah­re lang auf töner­nen Füßen. Die Öko­no­mie im Natio­nal­so­zia­lis­mus war von Anfang an auf Täu­schung und Expan­si­on – Krieg – gebaut. Über Auto­bah­nen, Arbeits­schlach­ten, MeFo-Wech­sel, Lügen und Täu­schun­gen – ohne die Hit­lers Weg von Anfang an nie funk­tio­niert hät­te.
Auto­bahn und Mefo-Wech­sel: Adolf Hit­ler, die deut­sche Wirt­schaft und der Weg in den 2. Weltkrieg 

Hit­ler und die Bri­ten: In den 1930er Jah­ren wirbt der „Füh­rer“ für ein deutsch-bri­­­ti­­­sches Bünd­nis und ganz abge­neigt ist man zumin­dest in Tei­len der bri­ti­schen Upper­class nicht. Über blau­blü­ti­ge Hit­­­ler-Fans in Groß­bri­tan­ni­en, die bri­ti­sche Appease­­­ment-Poli­­­tik und wes­halb Beschwich­ti­gung meis­tens nicht die bes­te Ant­wort auf Erpres­sung ist.
Appease­ment: Hit­ler und die Briten

Hit­lers Krieg: Der „Gröfaz“ (größ­ter Feld­herr aller Zei­ten) war ein lau­si­ger Mili­tär­stra­te­ge, dem Wet­ter, Weg­stre­cken und Boden­be­schaf­fen­heit völ­lig egal waren. Im 2. Welt­krieg trifft er meh­re­re schwer­wie­gen­de Fehl­ent­schei­dun­gen und ver­zockt dadurch sein anfäng­li­ches Kriegs­glück.
Hit­lers Krieg: Größ­ter Feld­herr aller Zeiten?



Bild­nach­wei­se

Beset­zung der Tsche­cho­slo­wa­kei durch die deut­schen Trup­pen, Okto­ber 1938, Bun­des­ar­chiv, Bild 183-H13160 / unbe­kann­ter Foto­graf; Scherl / Welt­bild. Lizenz: CC BY-SA 3.0. Bear­bei­tung: Gene­ra­tio­nen­ge­spräch.
Tomáš Gar­ri­gue Masa­ryk, 1918, unbe­kann­ter Foto­graf, gemein­frei (Public Domain). Quel­le: Wiki­me­dia Com­mons.
Hen­ry Mühl­pfordt (Bear­bei­tung), nach Mari­usz Paźd­zio­ra, „Cze­chos­lo­va­kia 1930: lin­gu­i­stic“, 2008. Lizenz: CC BY 3.0, via Wiki­me­dia Com­mons.
Kon­rad Hen­lein in Kar­l­o­vy Vary (Karls­bad), 1937, unbe­kann­ter Foto­graf, gemein­frei.
Edvard Beneš, um 1942, unbe­kann­ter Foto­graf, Libra­ry of Con­gress, Prints and Pho­to­graphs Divi­si­on, Digi­tal ID fsa.8e00866. Gemein­frei (Public Domain).
Beset­zung der Tsche­cho­slo­wa­kei durch die deut­schen Trup­pen, Okto­ber 1938, UBz: Ein­woh­ner von Eger beim Ein­rü­cken deut­scher faschis­ti­schen Ver­bän­de. Her­aus­ga­be­da­tum: 5. Okto­ber 1938, Bun­des­ar­chiv, Bild 183-H13160 / unbe­kann­ter Foto­graf; Scherl / Welt­bild. Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE.
Bun­des­ar­chiv, Bild 121‑0009 / unbe­kann­ter Foto­graf. „Sude­ten­land, Besuch Wil­helm Frick“, 23. Sep­tem­ber 1938. Lizenz: CC BY-SA 3.0. Ori­gi­nal­be­schrei­bung: Staats­be­such des Reichs- und Preu­ßi­schen Minis­ters des Innern Dr. Frick in Süd­deutsch­land (ohne Orts­an­ga­ben), 23 Sep­tem­ber 1938, unbe­kann­ter Foto­graf. Abge­bil­det: ? , v. Bom­hard, Krebs, Dr. Stuck­art, Hen­lein (2.v.r.), Frick ( 1.v.r.); Frick, Wil­helm Dr.: NSDAP, MdR, Reichs­in­nen­mi­nis­ter, 1946 hin­ge­rich­tet, Hen­lein, Kon­rad: Reichs­kom­mis­sar, Gau­lei­ter im Sude­ten­land, Bom­hard, Adolf von: Gene­ral­leut­nant, Chef der Ord­nungs­po­li­zei, Bür­ger­meis­ter Prien am Chiem­see; Bun­des­ar­chiv, Bild 121‑0009 / CC-BY-SA 3.0


Generationengespräch

Geschich­te und Psy­cho­lo­gie
Ver­gan­ge­nes ver­ste­hen, um mit der Zukunft bes­ser klar zu kommen.


Geschichte und Psychologie Vergangenheit verstehen um mit der Zukunft besser klar zu kommen
Dr. Susanne Gebert

Gene­ra­tio­nen­ge­spräch
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Geschich­te & Psy­cho­lo­gie
Die Ver­gan­gen­heit ver­ste­hen, um mit der Zukunft bes­ser klar zu kommen

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Susan­ne Autorin bei Gene­ra­tio­nen­ge­spräch & Agen­tur für Bildbiographien
Dr. Susan­ne Gebert schreibt über Psy­cho­lo­gie, Fami­li­en­ge­schich­te und emo­tio­na­le Prä­gun­gen. In ihrem Blog „Gene­ra­tio­nen­ge­spräch“ zeigt sie, wie unse­re Kind­heit uns formt – und wie wir uns von alten Mus­tern lösen können. 

3 Kommentare zu „Konrad Henlein: Biedermann oder Brandstifter? I Sudetenkrise“

  1. Till Konrad Dehmel

    Kon­rad Hen­lein war mein Tauf­pa­te. Lei­der habe ich das erst erfah­ren, als er und auch mei­ne Eltern gestor­ben waren. Ich hät­te ger­ne mehr über ihn erfah­ren. Wenn noch Nach­kom­men leben, wür­de ich ger­ne Kon­takt mit die­sen aufnehmen.
    T.D. geb. 21.08.1938 in Dresden

  2. In dem Satz, in dem von Wohl­stand, wirt­schaft­li­chen Erfol­gen u. fast Voll­be­schäf­ti­gung im deut­schen Reich die Rede ist, müss­te jeweils das Wort “schein­bar” ein­ge­fügt wer­den. Der Satz zeigt so, dass die Nazi-Pro­pa­gan­da immer noch wirk­sam ist. Zwar ist in den Wochen unmit­tel­bar nach der Macht­er­grei­fung die Arbeits­lo­sig­keit stark zurück­ge­gan­gen, was aber wohl kaum das ver­dienst der neu­en Regie­rung war, aber danach ist die Arbeits­lo­sig­keit bis zum Kriegs­aus­bruch immer noch hoch geblie­ben, obwohl 3 Jahr­gän­ge jun­ger Män­ner und ein Jahr­gang jun­ger Frau­en vom Arbeits­markt genom­men waren. Im März 1939 konn­te das Deut­sche Reich die Zah­lungs­un­fä­hig­keit nur durch die Ein­nah­me der tsche­chi­schen Gold- u. Devi­sen­re­ser­ven vermeiden.
    Die Sol­da­ten aus dem Reich kehr­ten reich­be­packt nach Hau­se zurück, denn sie konn­ten in der Tsche­chei vie­le Waren kau­fen, die es zu Hau­se gar nicht oder nur ein­ge­schränkt oder viel teu­rer gab.
    “Die einen kamen heim ins Reich, die ande­ren reich ins Heim”

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