Die Erlaubnis zu hassen

Warum folgten Menschen Adolf Hitler? www.generationengesprhc.de


Schläge und Schweigen, Verdrängen und Neu-Inszenieren sind die Muster, mit denen die ‚Erziehung mit harter Hand‘ von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.

Über Alice Miller, Hitlers Mitläufer und Mörder und über schwarze Pädagogik, die aus Opfern Täter macht.
Die Erlaubnis zu hassen.

Volksgemeinschaft und Mitläufer

Hitler ist der Mann der Stunde, der innerhalb weniger Jahre ein zerrissenes Land vom Rande eines Bürgerkriegs in eine blühende Volksgemeinschaft verwandelt.

Ein Führer, der die chaotischen Verhältnisse der Weimarer Systemzeit abschafft (mit Gewalt, Folter und Terror – und der Abschaffung der Demokratie) und stattdessen Struktur, (scheinbare) Ordnung und Arbeit schafft.

Und dabei immer zu gewinnen scheint. Ist er der Heilsbringer und neuer Messias, für den ihn viele halten? Die Bewunderung im In- und Ausland hat scheinbar gute Gründe.

Aufmarschgelände Nürnberg, nationalsozialistischer Aufmarsch SA. Von Bundesarchiv
SA-Aufmarsch, Reichsparteitag 1933. Von Bundesarchiv, Bild 183-1987-0410-501 / CC-BY-SA 3.0

Über die fürchterlichen Kehrseiten des braunen Regimes sprach man nicht.
Offenbar bemerkt niemand, dass jüdische Nachbarn, unliebsame Politiker, Journalisten und Künstler einfach „verschwinden“?

Sei still, sonst kommst du nach Dachau!

Sei still, sonst kommst du nach Dachau, ruft man in den 1930er Jahren unartigen Kindern hinterher, aber von den Menschen, die nach Dachau und in andere KZs verschwanden, wieder zurückkamen und über die fürchterlichen „Umerziehungsmaßnahmen“ im Lager berichteten, wollte man nichts wissen.

Wen scherte es, dass nicht nur der Reichstag, sondern auch Bücher brannten?

Das war der Preis, den der Großteil der Deutschen zu zahlen bereit war, um Teil der glücklichen Volksgemeinschaft zu sein.

Viele nahmen Diktatur und Verfolgung einfach hin – schließlich gehörte man zu den guten Deutschen, war weder Kommunist oder Sozialist und hatte keine jüdischen Großeltern im Stammbaum.

Wer brav ist, dem passiert auch nichts, war die Stimmung im Volk.

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Einer der größten Justizskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte verpackt in einen ebenso spannenden wie emotionalen Thriller.
Müssen wir uns immer noch mit diesen „alten Geschichten“ beschäftigen? Ja, müssen wir – weil es die Eltern- und Großelterngeneration nicht getan haben.

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Das Phänomen Hitler

Aus der Sicht jener Zeit gab es viele gute Gründe, Adolf Hitler und den Nationalsozialisten zu folgen.

Sebastian Haffner beschreibt in seinem Buch ‚Anmerkungen zu Hitler‘ (1978) eine Stimmung unter den Deutschen vom Frühjahr 1938 bis zum Frühjahr 1939, in der sich Hitler-Gegner fragten, ob sie nicht im Unrecht wären und die Millionen Hitler-Anhänger recht hätten.

In dieser Zeit scheint dem Führer alles zu gelingen.

Ende der 1930er Jahre sollen mehr als 90 Prozent der Deutschen begeisterte Anhänger des nationalsozialistischen Regimes gewesen sein.

„Wenn Hitler Ende 1938 einem Attentat zum Opfer gefallen wäre, würden nur wenige zögern, ihn einen der größten Staatsmänner der Deutschen zu nennen.“

Aus: Joachim Fest, Hitler Eine Biographie*

Der wichtigste Grund für viele: Jeder, der arbeiten wollte und konnte, hatte Arbeit (bis auf die, die ermordet oder verhaftet worden waren oder fliehen mussten).

Millionen neuer Arbeitsplätze waren in Rekordzeit entstanden – eine unermesslich große Erleichterung nach den Jahren des Hungers, der Unsicherheit und beispielloser Armut.

Dafür werden die Deutschen einen hohen Preis bezahlen, denn bereits 1936 steht fest, dass es Krieg geben wird. Anders wären die vielen neuen Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie und im Straßenbau, die auf Pump finanziert werden, nicht möglich gewesen.

Die Staatsverschuldung und das Haushaltsdefizit des Dritten Reiches schießen in astronomische Höhen und können – realistisch gesehen – nur mit einem gewonnenen Krieg bezahlt werden. Hitlers Reich stand von Anfang an auf sehr wackeligen ökonomischen Beinen.

Hitlers Bewunderer

Aber davon bekommen die meisten nichts mit.
Verblüfft reibt sich Deutschland die Augen und sieht, wie es sich wie Phönix aus der Asche aufschwingt.

Ab Mitte der 1930er Jahre jagt eine Erfolgsmeldung die nächste: Autobahnbau, Vollbeschäftigung – und sonntags gibt es Kuchen nicht nur auf der Kaffeetafel der Wohlhabenden, sondern auch bei Arbeiterfamilien. Das kannten die bislang noch nicht.

Auch außenpolitisch feiert Hitlers Regime einen Erfolg nach dem anderen.
Österreich und das Sudetenland kehren „Heim in Reich„; in Spanien reißen faschistische Nationalisten unter General Francisco Franco die Macht an sich.

Alle Drohgebärden und Erpressungen Hitlers, mit denen der Weltgemeinschaft ein Zugeständnis nach dem anderen abtrotzt, gelingen.

Plötzlich stehen die Deutschen nicht mehr als Kriegsverlierer da. Jetzt sind sie eine Nation von Siegern (zumindest die, die sich zur Volksgenmeinschaft zählen dürfen.)

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Mann des Jahres 1939

Der „Führer“ lässt Briten, Franzosen und den Rest der Welt mit ihrer Appeasement- und Nicht-Einmischungs-Politik einfach schlecht aussehen.

Das beeindruckt sogar im Ausland.
Der Rest der Welt schielt neidisch auf Hitlers Drittes Reich, denn fast alle Nationen haben viel länger als Deutschland mit den Folgen der Weltwirtschaftskrise zu kämpfen.

Politiker in Europa und in den USA bestaunten das Phänomen ‚Hitler‘ halb sorgenvoll, aber auch halb bewundernd.

In den Nachbarstaaten Deutschlands sind der Führer und seine Bewegung vor allem bei jungen Menschen außerordentlich populär und Faschismus wird als neue und vielversprechende Bewegung in vielen Ländern der Erde salonfähig.

Noch im Jahr 1939 erklärt das amerikanische Nachrichtenmagazin Time Hitler zum „Mann des Jahres“. Als Begründung führt man an, dass Hitler 1938 den Gang der Ereignisse am stärksten beeinflusst und für die meisten Schlagzeilen gesorgt habe – mit der „Sudetenkrise“ und dem Münchner Abkommen.

Mit der gleichen Begründung hätte man auch Osama bin Laden im Jahr 2001 zum  „Mann des Jahres“ wählen können.

Berlin, Olympiade, Siegerehrung Fünfkampf Olympische Spiele 1936 Sieger-Ehrung im Fünfkampf auf der Sieger-Tribüne von rechts nach links: Oberleutnant Abba-Italien (II.) Hauptmann Handrick-Deutschland (I.) Leutnant Leonard-USA (III.) Fot. Stempka. Bundesarchiv, Bild 183-G00825 / Stempka / CC-BY-SA 3.0
Berlin, Olympiade, Siegerehrung Fünfkampf Olympische Spiele 1936 Sieger-Ehrung im Fünfkampf auf der Sieger-Tribüne von rechts nach links: Oberleutnant Abba-Italien (II.) Hauptmann Handrick-Deutschland (I.) Leutnant Leonard-USA (III.) Fot. Stempka. Bundesarchiv, Bild 183-G00825 / Stempka / CC-BY-SA 3.0

Am Anfang war Erziehung

Aber wie werden aus braven Mitläufern Mörder?

In ihrem Buch Am Anfang war Erziehung beschreibt die Schweizer Autorin und Psychoanalytikerin Alice Miller die Kindheit und Jugend Adolf Hitlers als „erzogenes Kind“ eines tief gestörten und prügelnden Vaters und einer liebevollen, aber hilflosen Mutter: Vom verborgenen zum manifesten Grauen

Adolf Hitlers Kindheit war weder ungewöhnlich noch unterschied sie sich von der, die Millionen andere erleben und erdulden mussten.

In dieser „Erziehung“ durch schwarze Pädagogik – so wie sie in dieser Zeit von vielen Eltern (und Lehrern) praktiziert wurde –  sieht Miller den eigentlichen Grund für das millionenfache Schweigen und Mitmachen.

Zitat Alice Miller Wenn man einem Kind Moral predigt lernt es Moral predigen www.generationengespräch.de

„ … Denn jedes Kind lernt durch Nachahmung.
Sein Körper lernt nicht das, was wir ihm mit Worten beibringen wollten, sondern das, was dieser Körper erfahren hat. Daher lernt ein geschlagenes, verletztes Kind zu schlagen und zu verletzen, während das beschützte und respektierte Kind lernt, Schwächere zu respektieren und zu beschützen.
Weil es nur diese Erfahrung kennt.“

Aus: Alice Miller, Dein gerettetes Leben

Schläge, Demütigungen und die millionenfach erlittenen Kindheitserfahrungen der ‚Erziehung mit harter Hand‚ sieht Miller als eigentliche Ursache dafür, dass die meisten Deutschen ihrem Führer bedingungslos folgten.

Sie kannten es nicht anders.

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Alice Millers Klassiker „Am Anfang war Erziehung“.
Die Psychoanalytikerin über Kindheit, Erziehung und „schwarze Pädagogik“ – und ihre Folgen. Heute aktueller denn je gesellschaftlich, für viele aber auch sehr persönlich.

Alice Miller, Am Anfang war Erziehung*. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, Taschenbuch, ungekürzte Ausgabe,1980

Schläge und Schweigen

Schläge und Beschimpfungen als alltägliche Erziehungsmaßnahmen – also alles, was man bis weit ins 20. Jahrhundert für „gute“ und „sinnvolle“ Erziehung hielt – haben fatale Folgen.

Viele Menschen hatten in ihrer Kindheit gelernt, dass aufmucken hart bestraft wird.

Doch schlimmer als Schläge und Härte ist ein zweiter Aspekt, der die Wirkung von Prügelei und Demütigungen potenziert: Die Opfer müssen schweigen.

Das „Gebot zur Schonung der Eltern“, wie es Alice Miller nennt, verbietet dem ‚erzogenen‘ Kind, an der Haltung und den Maßnahmen seiner Erzieher zu leiden oder gar zu zweifeln.

Kinder wachsen dadurch im Glauben auf, dass das, was ihnen an Strafe widerfährt, völlig rechtens und von ihnen selbst durch ‚Unartigkeit‘ provoziert worden wäre.

Erlittenes Unrecht wird deshalb nicht als Unrecht empfunden.
Ein Grund, weshalb viele Deutsche Hitlers Gräueltaten auch nach dem Krieg noch entschuldigten: von „Davon hat der Führer bestimmt nichts gewusst!“ bis „Die Juden hatten selbst schuld.“

Es ist eine der Ursachen, die aus Mitläufern Verfolger werden ließ.

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Schwarze Pädagogik und die Erziehung mit harter Hand waren nach 1945 nicht plötzlich vorbei.
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Verdrängen und neu inszenieren

Das Verbot, an den Erziehungsmaßnahmen der schwarzer Pädagogik zu leiden und das gleichzeitige Gebot, den Vollstrecker als „gerecht“ wahrnehmen zu müssen, kann bei den Betroffenen zu Verdrängung und Leidens-Unfähigkeit führen:

Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ wird zur Lebensmaxime.

Hitler-Biograf J. Toland schreibt beispielsweise:

„Viele Jahre später erzählte Hitler einer seiner Sekretärinnen, er habe einmal in einem Abenteuerroman gelesen, es sei ein Zeichen von Mut, seinen Schmerz nicht zu zeigen.
Und so ’nahm ich mir vor, bei der nächsten Tracht Prügel keinen Laut von mir zu geben. Und als dies soweit war – ich weiß noch, meine Mutter stand draußen ängstlich vor der Tür –, habe ich jeden Schlag mitgezählt. Die Mutter dachte, ich sei verrückt geworden, als ich ihr stolz strahlend berichtete: ‚Zweiunddreißig Schläge hat mir der Vater gegeben!“

John Toland, zitiert nach Alice Miller*

Was macht ein Kind, das den Maßnahmen seiner Erzieher hilflos ausgeliefert ist und außerdem noch darüber schweigen muss?

Es gibt unzählige ‚Techniken‘, damit umzugehen“, schreibt Alice Miller, doch oft bleibe dem Kind keine andere Wahl, als das Trauma zu verdrängen (Abspaltung) und die Täter zu idealisieren.

Der jähzornige und prügelnde Vater wird in der Erinnerung zum harten, aber gerechten und wohlmeinenden Patriarchen.

Die Wiederholung und Neu-Inszenierung der bekannten Kindheitsmuster, ist ein weiterer Versuch, mit Erfahrungen und Verletzungen aus der Kindheit umzugehen.

Dieses Mal allerdings mit anders besetzten Rollen: Misshandelte Kinder demütigen und misshandeln als Eltern oft ihre eigenen Kinder, Mütter, die als Kind nicht geliebt wurden, sind häufig nicht oder kaum in der Lage, ihre eigenen Kinder zu lieben.

Das ist der tragische Weg, mit dem die Methoden und Prinzipien der Schwarzen Pädagogik von einer Generation auf die nächste übertragen und neu inszeniert werden kann – aus Opfern werden Täter.

Die Erlaubnis zu hassen

Hitlers Neuinszenierung bestand in seiner Rolle als „Führer“ und gleichzeitig Vaterersatz. Er und sein Regime zwangen das „Volk“ in einen totalitären Staat, in dem das Schicksal der Schwächeren von den Stimmungen und Launen eines unumstrittenen Herrschers abhängig war.

Die Wurzeln für Hitlers Aufstieg und seine Popularität sieht Alice Miller vor allem in den  Methoden der Schwarzen Pädagogik, die weit verbreitet waren: Viele  taten einfach das, was sie in ihren Kinderjahren gelernt hatten – sie gehorchten.

Aber viele Anhänger Hitlers gehorchten nicht nur, sondern wurden selbst zu Verfolgern.

Verfolgen beruht auf abgewehrtem Opfersein“, ist eine weitere wichtige These von Alice Miller.
Hitler gab seinen Anhängern die Opfer, die sie brauchten. Und er gab ihnen die Erlaubnis zu hassen.

Auch die Diskriminierung und schließlich die Verfolgung von Juden diente der Beschaffung von ‚frischem Geld‘ für den bevorstehenden Krieg.
Aber gleichzeitig lieferte das Regime Hitlers Anhängern mit der Verfolgung von Juden, Homosexuellen und anderen Minderheiten, das Ventil, um Demütigungen und Misshandlungen aus ihrer Kindheit neu zu inszenieren.

Hitler und das NS-Regime gaben ihnen Sündenböcke.
Und die Erlaubnis, ihre Wut und ihren Frust über Demütigungen und Schläge in der Kindheit freien Lauf zu lassen.

Die Erlaubnis zu hassen.

“ … Vielleicht wird jemand sagen: Nicht jeder, der als Kind geschlagen wurde, muss ein Mörder werden, sonst würden doch fast alle Menschen zu Mördern.
Das ist in gewissem Sinn richtig.
Doch so friedlich ist es heute nicht um die Menschheit bestellt, und wir wissen nie, was ein Kind aus dem ihm gegenüber begangenen Unrecht machen wird und muss, es gibt unzählige ‚Techniken‘, damit umzugehen.
Aber vor allem wissen wir noch nicht, wie die Welt aussehen könnte, wenn Kinder ohne Demütigung, von ihren Eltern als Mensch geachtet und ernstgenommen, aufwachsen würden.

Mir ist jedenfalls kein Mensch bekannt, der als Kind diese Achtung genossen und später als Erwachsener das Bedürfnis gehabt hätte, andere Menschen umzubringen.“

Aus: Alice Miller, Am Anfang war Erziehung*

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Über Alice Miller

Die Schweizer Autorin und Psychoanalytikerin wurde 1923 als älteste Tochter einer jüdisch-orthodoxen Familie im polnischen Piotrków geboren, ihr eigentlicher Name lautete Alicija Englard
Die deutsche Besatzung Polens während des Zweiten Weltkrieges überlebte sie mit falscher Identität in Warschau, später studierte sie Literaturgeschichte und Philosophie an der Universität Basel, wo sie im Fach Philosophie ihren Doktortitel erlangte. Nach Abschluss des geisteswissenschaftlichen Studiums begann Miller in Zürich eine Ausbildung in freudianischer Psychoanalyse.

1980 gab Alice Miller nach über 20 Jahren ihre Arbeit als Psychoanalytikerin und Lehranalytikerin auf, um sich systematisch der Erforschung der Kindheit zu widmen. Mehr und mehr setzte sie sich kritisch mit der Psychoanalyse auseinander, die ihrer Meinung nach zu sehr auf den Prinzipien der „Schwarze Pädagogik“ basiere: „Bisher schützte die Gesellschaft die Erwachsenen und beschuldigte die Opfer“, lautet eine ihrer Thesen.
1984 erklärte sie ihre Abkehr von der Psychoanalyse und wollte auch nicht mehr als Psychoanalytikerin bezeichnet werden.

Wie schwierig es ist, die eigenen Erfahrungen als ‚gut erzogenes‘ Kind im Erwachsenenalter abzulegen und alte, überkommene Muster nicht an die eigenen Kinder weiterzugeben, hat Alice Millers Sohn Martin beschrieben: Drei Jahre nach Tod seiner Mutter im Jahr 2010 veröffentlichte er seinen Lebensbericht als eigenes Buch mit dem Titel: „Das wahre Drama des begabten Kindes“, Untertitel: „Die Tragödie Alice Millers – wie verdrängte Kriegstraumata in der Familie wirken“.

Copyright: Agentur für Bildbiographien, www.bildbiographien.de, 2016 (aktualisiert 2022)

Lesen Sie im nächsten Beitrag: Es war während des Dritten Reiches ein Bestseller und galt als d e r Leitfaden zur Kindererziehung. Über die NS-Pädagogik und Johanna Haarers Machwerk.
Zwischen Drill und Misshandlung: Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind

Buch- und Filmempfehlungen:

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Ein bewegender Film über die „Schwarze Pädagogik“,
die viele Jahrhunderte lang ganz selbstverständlich für viele Kindheit und Erziehung prägte.

Michael Haneke, Das weiße Band*
2010. DVD, FSK: ab 12 Jahren

„Ob Vorfahren sich an der Gesellschaft oder an der Familie schuldig gemacht haben – das Leben der Nachkommen wird von dieser Hypothek belastet sein.“
Die Psychologin Sandra Konrad über unser unsichtbares transgenerationales Erbe, das unser Leben beeinflusst. Ein sehr lesenswertes Buch über Liebe, Loyalität und die Auswirkungen alter Belastungen – und wie man sie überwinden kann. Empfehlenswert!
Sandra Konrad, Das bleibt in der Familie: Von Liebe, Loyalität und uralten Lasten*, Piper Taschenbuch, 2014

Ein spannendes Buch über die Frauen der Nazigrößen,
das einen hervorragenden Blick hinter die Kulissen der NS-Highsociety gewährt, durch den man vieles viel besser verstehen und nachvollziehen kann. Gut geschrieben und sehr lesenswert!

Anna Maria Sigmund, Die Frauen der Nazis*. Wilhelm Heyne Verlag, München, 2013

Wirtschaftlich sah es für das Regime nach 1933 weit weniger rosig aus
als es dargestellt wurde.
Der Mythos ‚Autobahnbau‘, aber auch Röhm-Putsch, Volksgemeinschaft und vieles mehr in einem sehr gut recherchierten Heft spannend und informativ beschrieben. Ein lesenswerter Blick hinter die Kulissen der ersten 1000 Tage des Nazi-Regimes.

GEO Epoche, Deutschland unter dem Hakenkreuz, Teil 1: 1933 – 1936. Die ersten 1000 Tage der Diktatur*, Gruner + Jahr, 2013

Die Historikerin Heike Görtemaker
in einem Buch über Hitlers ‚inner circle‘. Wer gehörte dazu? Wie lebte es sich als High-Society der Nationalsozialisten? Und welche Seilschaften überlebten den Krieg und funktionierten noch in der Bundesrepublik? Spannend zu lesen – sehr empfehlenswert!

Heike B. Görtemaker: Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach*, C.H.Beck Verlag, 2019

Verschwörungstheorien sind nicht notwendigerweise die Meinung einer Minderheit, wie Anisemitismus und Judenverfolgung im „Dritten Reich“ zeigen.
Die Sozialpsychologin Pia Lamberty und die Politikwissenschaftlerin Katharina Nocun in ihrer spannenden und sehr lesenswerten Analyse über Verschwörungserzählungen heute, die zwar keine neue Erfindung sind, aber durch soziale Medien potenziert werden. Lesenswert!

Katharina Nocun, Pia Lamberty, Fake Facts: Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen*. Quadriga, 2020

Weiterführende Beiträge:

Wirtschaft im Dritten Reich: Wirtschaftlich stand das Dritte Reich nie auf stabilen Beinen.
Die Ökonomie im Nationalsozialismus war von Anfang an auf Täuschung und Expansion – Krieg – gebaut. Über Hitlers Autobahnen, MeFo-Wechsel, Lügen und Täuschungen. 
Autobahn und Mefo-Wechsel: Adolf Hitler, die deutsche Wirtschaft und der Weg in den 2. Weltkrieg

80 Jahre Wannseekonferenz: Das Dritte Reich benötigt dringend das jüdische Vermögen für seine Kriegswirtschaft. Die Besitzer dieses Vermögens benötigt man nicht. Außerdem sollen ’nutzlose‘ Esser beseitigt werden, um die Versorgung im Reich zu gewährleisten.
Hitlers Kriegswirtschaft: sparen, plündern, morden.
Krieg, Hunger und Vernichtung: Adolf Hitler, die deutsche Wirtschaft und der 2. Weltkrieg

Da Dr. Paul Joseph Goebbels nicht nur ein fanatischer Tagebuchschreiber war, sondern auch sein Liebesleben akribisch notiert (und durchnummeriert) hat, weiß man heute sehr genau über die Romanze zwischen dem Gauleiter von Berlin und der schönen Magda Quandt Bescheid.
Wie alles begann — der 1. Teil der Lebensgeschichte von Magda Goebbels:
Magda Goebbels (1): “Eine schöne, schöne Frau”

Hitler und die Frauen: “Wir nannten sie die dänische Kuh, weil sie so groß, stark und dumm war.“ Nachdem Unity Valkyrie Mitford den “Führer” kennengelernt hat, wird hinter ihrem Rücken bald über “Hitlers neuer First Lady” getuschelt. Und dass es da eigentlich schon eine andere gibt, wird ihr auch bald zugetragen …
Vom It-Girl zur Walküre: Die Welt der Unity Mitford

Vorbild? „Fremd“ ist uns nicht geheuer. Tief in unserem Inneren sind wir immer noch auf eine gefährliche Umwelt ausgelegt und da ist jeder, den wir nicht kennen, ein potenzielles Risiko. Wie aus Fremden Freunde und eventuell sogar Vorbilder werden können – und weshalb ein Vorbild nicht immer etwas Positives ist:
Richtige und falsche Vorbilder

Das Generationengespräch im Überblick: Biografien, Liebe, Opfer, Mord, Krieg und andere Geschichten der letzten 3 Jahrhunderte, die unsere Welt zu dem gemacht haben, die sie heute ist.
Das Generationengespräch: Geschichte(n) im Überblick

Linkempfehlungen:

Spiegel Online: Die deutsche Katastrophe. Georg Bönisch über Joachim Fests Meisterwerk „Hitler. Eine Biographie“
https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-50828283.html

Über das Buch „Das wahre ,Drama des begabten Kindes’“ von Martin Miller. Der Tagesspiegel: „Die Maske der Kinderrechtlerin“:
https://www.tagesspiegel.de/kultur/martin-millers-buch-ueber-seine-mutter-alice-die-maske-der-kinderrechtlerin/8793762.html

Bildnachweise:

Am Scheideweg. Foto: Agentur für Bildbiographien

ADN-ZB/Archiv Deutschland Berlin: Wohltätigkeitsspeisung armer Leute durch die evangelische Kirchengemeinde In Berlin Niederschönhausen werden durch die evangelische Kirchengemeinde arme Leute gespeist. Die Reichswehr hat eine Goulaschkanone und 2 Mann zur Verfügung gestellt. Die Kosten der Speisung bringt die Kirchengemeinde durch freiwillige Spenden auf. Jedes Mitglied zahlt pro Tag 10 Pfennige vorläufig für die Dauer von 3 Monaten. Von Bundesarchiv, Bild 183-T0706-501 / CC-BY-SA 3.0 (Aufnahme: 1931) 5417-31

Berlin, Olympiade, Siegerehrung Fünfkampf Olympische Spiele 1936 Sieger-Ehrung im Fünfkampf auf der Sieger-Tribüne von rechts nach links: Oberleutnant Abba-Italien (II.) Hauptmann Handrick-Deutschland (I.) Leutnant Leonard-USA (III.) Fot. Stempka. Bundesarchiv, Bild 183-G00825 / Stempka / CC-BY-SA 3.0

SA-Aufmarsch, Reichsparteitag 1933. Von Bundesarchiv, Bild 183-1987-0410-501/ CC-BY-SA 3.0

Geschichte und Psychologie Vergangenheit verstehen um mit der Zukunft besser klar zu kommen
Geschichte & Psychologie:

Vergangenes verstehen,
um mit der Zukunft besser klar zu kommen.

Ich bringe mit meinem Team Lebens-, Familien- und Unternehmensgeschichten ins Buch und schreibe als Ghostwriterin Bücher mit den Schwerpunkten Geschichte und Psychologie.

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