Epigenetik und transgenerationale Vererbung: Wenn Mütter nicht lieben

Epigenetik: Warum Mütter nicht lieben www.generationengespräch.de

Feh­len­de Mut­ter­lie­be und psy­chi­sche Trau­ma­ta wer­den oft über vie­le Genera­tio­nen ver­erbt: unse­re Gene und unse­re Psy­che hän­gen viel enger zusam­men, als man lan­ge Zeit glaub­te. Win­zi­ge Ver­än­de­run­gen an unse­rem Erb­gut kön­nen bei­spiels­wei­se dar­über ent­schei­den, ob Müt­ter für­sorg­lich sind oder ihre Babys ver­nach­läs­si­gen.

Die erstaun­li­chen Ergeb­nis­se der Epi­ge­ne­tik.

Traditionen, Erwartungen und Verhaltensmuster: Unser transgenerationales Erbe

War­um wie­der­ho­len wir als Erwach­se­ne so oft unbe­wusst die Ver­hal­tens­wei­sen unse­rer Eltern, die wir eigent­lich nicht rich­tig fin­den? Und: War­um scheint es ein Natur­ge­setz zu sein, dass unglück­li­che, über­for­der­te oder ver­nach­läs­si­gen­de Müt­ter häu­fig Töch­ter groß­zie­hen, die ihrer­seits kei­ne glück­li­che Hand mit ihren Kin­dern haben?

Es ist bekannt, dass die Art, wie wir als Erwach­se­ne lie­ben und wel­che Bezie­hun­gen wir auf­bau­en (kön­nen), viel mit den Bin­dungs­mus­tern zu tun hat, die wir in unse­rer Kind­heit gelernt haben.

Mamas Hand (oder die der wich­tigs­ten Bezugs­per­son in den ers­ten Mona­ten nach der Geburt) ent­schei­det schon im ers­ten Baby­jahr mit dar­über, wie wir in unse­rem spä­te­ren Leben lie­ben und ob wir uns ange­nom­men und sicher fühlen.

Aber nicht nur die Art, wie wir Bezie­hun­gen füh­ren, son­dern auch vie­le ande­re Ver­hal­tens­mus­ter und Erfah­run­gen aus Kin­der­ta­gen hin­ter­las­sen ein Leben lang tie­fe Spu­ren: aus Kin­dern, die nicht geliebt wer­den, wer­den Erwach­se­ne, die nicht lie­ben kön­nen.
Und wer als Kind regel­mä­ßig geschla­gen wur­de, hat ein gro­ßes Risi­ko, als Erwach­se­ner eben­falls zu prügeln.

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Die Psy­cho­lo­gin San­dra Kon­rad
über unser fami­liä­res Erbe, das manch­mal dazu führt, dass man sich immer wie­der den oder die Falsche*n aus­sucht. Über Trau­ma­ta, Bin­dungs­mus­ter und unse­re unsicht­ba­re Loya­li­tät gegen­über ver­gan­ge­nen Genera­tio­nen, die zu Fall­stri­cken im Leben wer­den kön­nen. Emp­feh­lens­wert!

San­dra Kon­rad, Das bleibt in der Fami­lie: Von Lie­be, Loya­li­tät und uralten Las­ten*, Piper Taschen­buch, 2014


Ein Teu­fels­kreis­lauf, für den Karl Valen­tin die tref­fen­de Bemer­kung fand: Sie brau­chen Ihr Kind nicht zu erzie­hen, es macht Ihnen sowie­so alles nach“.

Denn wir alle haben die Ten­denz, als Erwach­se­ne immer das zu wie­der­ho­len, was wir in Kin­der­ta­gen gelernt haben.
Auch dann, wenn es uns nicht guttut.

Unser Platz in der Welt, unser Selbst­wert­ge­fühl und das, was uns wich­tig ist, aber auch unser Ver­hält­nis zu Geld, unse­re Art, Kon­flik­te zu lösen – oder aus­zu­sit­zen –, und vie­les ande­re hat maß­geb­lich mit dem zu tun, was wir in unse­rer Her­kunfts­fa­mi­lie erlebt haben.

Es ist die Wei­ter­ga­be von Erleb­nis­sen und Erfah­run­gen von Genera­ti­on zu Genera­ti­on, oft ohne es zu wol­len oder zu merken:

Oft wird die­se fami­liä­re Last erst deut­lich, wenn wir dro­hen, unter deren Gewicht zusam­men­zu­bre­chen. Wenn schmerz­li­che und unge­lös­te Lebens­the­men der Ahnen mas­siv im eige­nen Leben auf­tau­chen und uns belas­ten: Opas Exis­tenz­ängs­te, Omas Ver­lus­te, und Papas Ver­sa­gens­ängs­te wer­den genau­so trans­por­tiert wie Mamas tie­fe Selbst­zwei­fel oder ihr Hang zur Melan­cho­lie. … Egal, wie gra­vie­rend die unver­ar­bei­te­ten The­men sind, jede Fami­lie gibt ein indi­vi­du­el­les Päck­chen wei­ter, unter des­sen Last die Nach­kom­men unter­schied­lich stark leiden.“

AUS: San­dra Kon­rad,
Das bleibt in der Fami­lie: Von Lie­be, Loya­li­tät und uralten Las­ten*

Aber es sind nicht nur Tra­di­tio­nen, das Nach­ah­men elter­li­chen Ver­hal­tens und der Ver­such, ihre – häu­fig unbe­wuss­ten und unaus­ge­spro­che­nen – Erwar­tun­gen zu erfül­len, die unser trans­ge­nera­tio­na­les Erbe ausmachen.

Ver­hal­tens- und Bin­dungs­mus­ter sind das eine, das wir auf unse­ren Lebens­weg mit­be­kom­men und an denen man­che ein Leben lang schwer zu schlep­pen haben. Denn ganz unten in unse­rem Ruck­sack liegt noch ein zusätz­li­ches Gepäck­stück, das uns noch weni­ger bewusst ist, als das, was wir von unse­ren Eltern und unse­rer Her­kunfts­fa­mi­lie über­nom­men haben: unse­re Gene.

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Die Vererbung mütterlicher Fürsorge

Rat­ten­müt­ter sind in der Regel sehr für­sorg­li­che Müt­ter.
In den ers­ten drei Wochen nach der Geburt küm­mern sie sich inten­siv um ihre nack­ten und blin­den Babys und put­zen und schle­cken sie bei jeder Gele­gen­heit aus­gie­big ab.

Aller­dings gibt es auch unter Rat­ten Raben­müt­ter, denen der eige­ne Nach­wuchs ziem­lich egal ist.
Wie bei Men­schen­kin­dern haben auch die ver­nach­läs­sig­ten Baby­rat­ten schlech­te­re Start­chan­cen als ihre betüd­del­ten Art­ge­nos­sen und sind als erwach­se­ne Tie­re viel ängst­li­cher und anfäl­li­ger für Stress. Die Weib­chen wie­der­ho­len als Müt­ter den distan­zier­ten Umgang mit ihrem eige­nen Nach­wuchs, den sie als Baby selbst leid­voll erfah­ren haben. Ein klas­si­scher trans­ge­nera­tio­na­ler Weg eben.

Inter­es­san­ter­wei­se ist das Lecken und die inten­si­ve Fell­pfle­ge durch die Mut­ter nicht mit der zeit­li­chen Dau­er kor­re­liert, die die Weib­chen mit ihren Jun­gen ver­brin­gen. Es gibt also Rat­ten­müt­ter, die lan­ge bei ihren Babys ver­wei­len, ohne sich um sie zu küm­mern, und ande­re, die viel unter­wegs sind, die rela­tiv kur­ze Zeit im Nest aber dazu ver­wen­den, die Jun­gen aus­gie­big zu lecken und zu put­zen. Und nur dar­auf kommt es an.“

AUS: Bern­hard Kegel,
Epi­ge­ne­tik: Wie unse­re Erfah­run­gen ver­erbt werden*

Ende der 1990er Jah­re mach­te sich ein kana­di­sches For­scher­team dar­an, die Ursa­chen für die unter­schied­li­chen Bemut­te­rungs-Stra­te­gien bei Rat­ten und deren Ver­er­bung von einer Genera­ti­on auf die nächs­te zu untersuchen.

Dafür nah­men sie einen Müt­ter-Tausch vor: Die Babys von Rat­ten-Raben­müt­ter wur­den in die Obhut inten­siv pfle­gen­der Rat­ten­müt­ter gege­ben, die Kin­der von für­sorg­li­chen Müt­tern wur­den Rat­ten­weib­chen unter­ge­scho­ben, die mit Nach­wuchs distan­ziert und nach­läs­sig umgingen.

Das Ergeb­nis war ver­blüf­fend, denn die ver­tausch­ten Rat­ten­kin­der blie­ben nicht bei ihrem „ange­bo­re­nen“ Ver­hal­ten, son­dern über­nah­men das ihrer Pflegemütter: 

  • Rat­ten­ba­bys, die das Glück hat­ten, von ihrer distan­zier­ten leib­li­chen Mut­ter zu einer für­sorg­lich pfle­gen­den Adop­tiv­mut­ter getauscht zu wer­den, ent­wi­ckel­ten sich zu muti­gen und resi­li­en­ten Erwach­se­nen, die sich selbst inten­siv um ihren Nach­wuchs kümmerten.
  • Ihre unglück­li­chen Art­ge­nos­sen, die umge­kehrt von ihren für­sorg­li­chen leib­li­chen Müt­tern zu Raben­rat­ten­müt­tern in Pfle­ge gege­ben wur­den, wuch­sen zu stress­an­fäl­li­gen Erwach­se­nen her­an und zeig­ten als Müt­ter das glei­che distan­zier­te Ver­hal­ten gegen­über ihren Jun­gen wie ihre unfreund­li­chen Pflegemütter.

Ein ver­wir­ren­des Resul­tat, denn einer­seits schien das Für­sor­ge­ver­hal­ten von Rat­ten­müt­tern etwas mit Ver­er­bung zu tun zu haben – die Töch­ter behan­deln ihre Babys genau­so wie ihre Müt­ter sie behan­delt haben – und ande­rer­seits wie­der nicht, denn ihr Grad an Für­sorg­lich­keit änder­te sich durch den Müt­ter­tausch, schien also eine Lern­er­fah­rung zu sein.

Ein erlern­tes Ver­hal­ten wird wei­ter­ver­erbt – gibt es sowas?
Eigent­lich nicht. Der fran­zö­si­sche Zoo­lo­ge und Bota­ni­ker Jean-Bap­tis­te de Lamarck hat­te zu Beginn des 19. Jahr­hun­derts einen ähn­li­chen Mecha­nis­mus vor­ge­schla­gen, aber die­ser galt, dar­in war sich die Wis­sen­schafts-Com­mu­ni­ty zwei Jahr­hun­der­te lang einig, als Holzweg.

Vom Buhmann zum späten Helden: Lamarcks Erbe

Der Grund, wes­halb Lamarck nicht als „Vater“ der Evo­lu­ti­ons­for­schung, son­dern als Buh­mann in die Geschich­te ein­ging, lag in sei­nem 1809 ver­öf­fent­lich­ten drei­bän­di­gen Werk Phi­lo­so­phie zoo­lo­gi­que, in der er in einem win­zi­gen Abschnitt dar­über spe­ku­lier­te, wie afri­ka­ni­sche Giraf­fen zu ihren lan­gen Häl­sen gekom­men sein könn­ten:
Sei­ner Auf­fas­sung nach, indem sie ihre Häl­se beson­ders lang streck­ten, um an das lecke­re und unbe­rühr­te Laub ganz oben in den Bäu­men zu kommen.

porträt jean baptiste de lamarck
Por­trait de Jean-Bap­tis­te Lamarck, Gemeinfrei

Weil ‚Hals lang­stre­cken‘ für die Giraf­fen sehr nahr­haft ist und sie nicht wie alle ande­ren nur Gras und nied­ri­ges Busch­werk fres­sen, geben sie, so Lamarcks Theo­rie, die­se Erfah­rung an ihre Kin­der weiter.

Durch bestän­di­ges und eif­ri­ges Stre­cken wach­sen des­halb die Giraf­fen­häl­se und wer­den von Genera­ti­on zu Genera­ti­on immer länger.

Die Evolution des Giraffenhalses ist ein beliebtes Beispiel zur Illustration des Lamarckismus Sandritaverooka - Eigenes Werk CC BY-SA 4.0
Die Evo­lu­ti­on des Giraf­fen­hal­ses ist ein belieb­tes Bei­spiel zur Illus­tra­ti­on des Lamar­ckis­mus
Sandri­ta­ver­oo­ka — Eige­nes Werk, CC BY-SA 4.0

Lamarcks Idee klang zunächst ganz plau­si­bel, wur­de aber rund 50 Jah­re spä­ter, um genau zu sein: 1859, durch Charles Dar­wins epo­cha­lem Werk Über die Ent­ste­hung der Arten entthront.

Nach Dar­wins Theo­rie ist der Motor der Evo­lu­ti­on nicht die Wei­ter­ga­be von Erfah­run­gen und erlern­ten Fähig­kei­ten, son­dern Selek­ti­on: Inner­halb einer Art gibt es immer ver­schie­de­ne und zufäl­li­ge Varia­tio­nen; also bei­spiels­wei­se Giraf­fen mit etwas län­ge­ren und ande­re Giraf­fen mit etwas kür­ze­ren Häl­sen.

Die Giraf­fen mit den län­ge­ren Häl­sen kom­men an mehr und bes­se­re Nah­rung her­an, kön­nen sich des­halb bes­ser fort­pflan­zen, haben des­halb mehr (lang­hal­si­gen) Nach­wuchs, der sich sei­ner­seits bes­ser ver­mehrt und Nach­kom­men mit lan­gen Häl­sen zeugt.

Sur­vi­val of the fit­testdie­je­ni­gen einer Art, die am bes­ten an ihre Umwelt ange­passt sind, haben die größ­ten Über­le­bens­chan­cen, kön­nen sich des­halb bes­ser fort­pflan­zen und geben damit die Rich­tung vor, in die sich die nach­fol­gen­den Genera­tio­nen entwickeln.

Bis heu­te gilt Dar­win völ­lig zurecht als Super­star der Evo­lu­ti­ons­for­schung, wäh­rend Kol­le­ge Lamarck mit­samt sei­nen lan­gen Giraf­fen­häl­sen ein­ge­mot­tet wurde. 

Seit­dem ver­ström­te er das muf­fi­ge Odeur des Irr­wegs und lan­ge Zeit kleb­te in Wis­sen­schaft­ler­krei­sen ein ech­ter Bäh-Fak­tor an ihm, vor denen vie­le Genera­tio­nen von For­sche­rin­nen und For­schern zurück­ge­schreck­ten.

Ver­er­bung von erwor­be­nen Fähig­kei­ten oder erlern­tem Ver­hal­ten?
Bloß nicht anfas­sen – stinkt!

Blöd nur, dass der Viel­ge­schmäh­te offen­bar doch nicht so falsch lag. Aber das zu akzep­tie­ren, dau­er­te eine Weile.

Wie Stress vererbt wird

Bei den Rat­ten­ba­bys, die das Labor-Schick­sal ereilt hat­te, als leib­li­che oder adop­tier­te Kin­der bei nach­läs­si­gen Rat­ten­müt­tern auf­wach­sen zu müs­sen, fand man durch­gän­gig stark erhöh­te Kon­zen­tra­tio­nen des Stress­hor­mons Kor­ti­sol im Blut; eine Dia­gno­se, die man auch bei gestress­ten und/oder ver­nach­läs­sig­ten Men­schen­kin­dern findet.

Kor­ti­sol ist kein „schlech­tes“ Hor­mon; es hilft uns viel­mehr, stres­si­ge Situa­tio­nen gut zu über­ste­hen, und spielt auch beim Ler­nen eine wich­ti­ge Rol­le.
Aller­dings nur in Maßen. Sobald die Stress-Arbeit getan ist, müs­sen die Kor­ti­sol-Wer­te schnellst­mög­lich wie­der sin­ken, alles ande­re macht auf Dau­er krank.

Um die Kor­ti­sol-Wer­te in Schach zu hal­ten, gibt es einen sehr hilf­rei­chen Mecha­nis­mus in Form einer nega­ti­ven Feed­back-Schlei­fe: Kor­ti­sol schwappt mit dem Blut durch den gesam­ten Orga­nis­mus und erreicht damit auch einen Hirn­be­reich namens Hip­po­cam­pus (… sieht aus wie ein See­pferd­chen und heißt des­halb auch so …).

Dort gibt es spe­zi­el­le Kor­ti­sol-Rezep­to­ren, an die es bin­det, was dazu führt, dass nach meh­re­ren Zwi­schen­schrit­ten die Kor­ti­sol-Pro­duk­ti­on in den Neben­nie­ren­rin­den gedros­selt wird.

Wäh­rend die­ser Kreis­lauf für den Stress­ab­bau bei den lie­be­voll gepfleg­ten und beleck­ten Rat­ten­ba­bys ein­wand­frei funk­tio­niert, haben die ver­nach­läs­sig­ten Rat­ten­kin­der ein Pro­blem: näm­lich so gut wie kei­ne Kor­ti­sol-Rezep­to­ren am Hippocampus.

Man­gels Rezep­to­ren konn­te des­halb die Kor­ti­sol-Kon­zen­tra­ti­on im Blut nicht gedros­selt wer­den, wes­halb sie im stän­di­gen Alarm­mo­dus leben mussten.

Psychischer Stress blockiert das Ablesen der DNA

Die durch Ver­nach­läs­si­gung gestress­ten Rat­ten­ba­bys haben zwar ein völ­lig intak­tes Gen für den hilf­rei­chen Kor­ti­sol-Rezep­tor, das aber stumm bleibt. Offen­bar ver­hin­dert irgend­et­was, dass es abge­le­sen wird.

Um die auf unse­rer DNA gespei­cher­te Erb­infor­ma­ti­on in Pro­te­ine über­set­zen zu kön­nen, müs­sen zunächst Tran­skrip­ti­ons­fak­to­ren an die jewei­li­gen Gen-Abschnit­te bin­den. Im Fall der ver­nach­läs­sig­ten Rat­ten­kin­der geschieht das nicht.
Offen­bar wer­den die Tran­skrip­ti­ons­fak­to­ren am Gen für den Kor­ti­sol-Rezep­tor durch irgend­et­was blockiert.

Was das ist, wur­de wenig spä­ter her­aus­ge­fun­den: Win­zi­ge Methyl­grup­pen, die wie klei­ne Ruck­sä­cke an der Ober­flä­che der DNA hän­gen (epi“ = grie­chisch für „an der Ober­flä­che“), behin­dern das Ando­cken der Tran­skrip­ti­ons­fak­to­ren und ver­hin­dern dadurch das Able­sen des Gens für den Kortisol-Rezeptor.

Wenig müt­ter­li­che Für­sor­ge sorgt also dafür, dass das Kor­tisol­re­zep­tor- Gen nicht abge­le­sen wer­den kann.
Dadurch kann die Men­ge des Stress­hor­mons Kor­ti­sol im Kör­per über die nega­ti­ve Feed­back-Schlei­fe nicht zurück­ge­fah­ren wer­den, was im Ergeb­nis bei den ver­nach­läs­sig­ten Rat­ten­ba­bys zu Dau­er­stress führt.

Die Fol­gen der Ver­nach­läs­si­gung sind aller­dings eine gan­ze Zeit lang rever­si­bel, also umkehr­bar: Sobald die Kin­der in die Obhut einer für­sorg­li­chen Mut­ter gebracht wer­den, löst sich die Blo­cka­de und die Kor­tisol­wer­te im Blut sin­ken auf ein ent­spann­tes Niveau.

Blei­ben die Rat­ten­kin­der aller­dings bei der nach­läs­si­gen Mama, blei­ben die Kor­ti­sol-Wer­te hoch und stö­ren auch noch das Gen für einen Östro­gen-Rezep­tor, was dazu führt, dass sie selbst zu ver­nach­läs­si­gen­den Müt­tern aufwachsen.

Wenn “schlechte Gene” dick machen

Über vie­le Jah­re hat­te man ver­sucht, sich über Genera­tio­nen ver­er­ben­de Mus­ter inner­halb von Fami­li­en aus­schließ­lich psy­cho­lo­gisch zu erklä­ren:
Man­geln­de Mut­ter­lie­be, bei­spiels­wei­se, aber auch die Fol­gen von Kriegs­t­rau­ma­ta und Flucht­er­fah­run­gen der Groß­el­tern, die sich bis in die Gefühls­welt der Enkel­kin­der nach­wei­sen las­sen, wie Anne-Ev Ustorf in ihrem lesens­wer­ten Buch Wir Kin­der der Kriegs­kin­der* berich­tet.

Jean-Bap­tis­te de Lamarck war in den Köp­fen vie­ler Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler so ver­pönt, dass anfangs nie­mand glau­ben moch­te, dass in sei­nem Ansatz von der Wei­ter­ga­be von Erfah­run­gen und Erlern­tem von einer Genera­ti­on auf die nächs­te doch ein Fünk­chen Wahr­heit ste­cken könnte.

So glaub­ten vie­le auch an einen sta­tis­ti­schen Feh­ler, als 1997 ein schwe­di­sches Team sei­ne Ergeb­nis­se zu den Groß­vä­tern aus Över­ka­lix ver­öf­fent­lich­ten:
Zwei Sozi­al­me­di­zi­ner hat­ten die alten, peni­bel geführ­ten Gemein­de­re­gis­ter des nord­schwe­di­schen 800-See­len-Dörf­chens Över­ka­lix sta­tis­tisch aus­ge­wer­tet und her­aus­ge­fun­den, dass der Gesund­heits­zu­stand der Enkel­ge­nera­ti­on dra­ma­tisch vom Ernäh­rungs­zu­stand ihrer Groß­vä­ter in jun­gen Jah­ren abhing.

Hat­ten sich die männ­li­chen Ein­woh­ner aus Över­ka­lix um 1900 im zar­ten Alter von neun bis zwölf Jah­ren die Bäu­che voll­schla­gen kön­nen, weil die Ern­te­jah­re gut waren, lit­ten ihre Enkel spä­ter hoch­si­gni­fi­kant häu­fi­ger an Dia­be­tes als die Enkel jener Groß­vä­ter, die weni­ge Jah­re älter oder jün­ger waren und wegen schlech­ter Ern­ten hun­gern mussten.

Vie­le Enkel der schlem­men­den Groß­vä­ter hat­ten einen deut­lich erhöh­ten BMI, tru­gen aber nicht nur schwer am eige­nen Kör­per­ge­wicht, son­dern ent­wi­ckel­ten auch die dazu­ge­hö­ri­gen Erkran­kun­gen. Sie besa­ßen eine signi­fi­kant nied­ri­ge­re Lebens­er­war­tung als die Nach­kom­men der hun­gern­den Groß­vä­ter – und zwar kei­ne Klei­nig­keit, son­dern sat­te 32 Jahre.

Das Ergeb­nis, das spä­ter in wei­te­ren Stu­di­en veri­fi­ziert und ver­fei­nert wur­de, ließ nicht nur vie­len Män­nern den Bur­ger mit Pom­mes rot-weiß im Hals ste­cken blei­ben — schließ­lich scha­det jeder, der sich unver­dros­sen eine Wam­pe anfut­tert, nicht nur sich selbst, son­dern auch sei­nen zukünf­ti­gen Enkeln.

Denn wir Men­schen sind nun mal von Natur aus für län­ge­re Hun­ger­pha­sen kon­zi­piert und nicht für den stän­di­gen Über­fluss an Nah­rung, vor allem nicht für den aus Fett und Zucker.

Zitat-Paul-Watzlawick: In-der-Wahl-seiner-Eltern-kann-man-nicht-vorsichtig-genug-sein www.generationengespräch.de

Kön­nen die Ernäh­rungs­ge­wohn­hei­ten vor­an­ge­gan­ge­ner Genera­tio­nen den Gesund­heits­zu­stand ihrer Kin­der bzw. Enkel beein­flus­sen?

Genau das scheint der Fall zu sein.
Wie die Infor­ma­tio­nen über den Ernäh­rungs­zu­stand ins groß­vä­ter­li­che Sper­ma schlüp­fen kön­nen, wes­halb der Effekt nur in der männ­li­chen Linie auf­tritt und war­um er eine Genera­ti­on über­springt und erst bei den Enkeln zum Tra­gen kommt, ist noch nicht rest­los geklärt. Aber es gibt ein Gen für einen Insu­lin­re­zep­tor, dass offen­bar epi­ge­ne­tisch ver­än­dert wird.

Unse­re Mus­ter sind nicht nur in unse­rem Kopf, son­dern auch in unse­ren Genen.


Vererbung durch Epigenetik

Was man heu­te weiß, ist, dass die Abfol­ge der Basen­paa­re Adenin, Thymi­din, Guanin und Cyto­sin in unse­rem Erb­gut nur einen Teil unse­rer gene­ti­schen Infor­ma­tio­nen ausmachen.


Unse­re DNA ist nicht mehr als ein mit allen Schi­ka­nen aus­ge­stat­te­ter Com­pu­ter – aller­dings ohne Betriebssystem.

Die Kür, also das Betriebs­sys­tem und damit der end­gül­ti­ge Infor­ma­ti­ons­ge­halt, kommt erst durch ihre Struk­tur zustan­de.

Es gibt DNA-Berei­che, die auf­ge­lo­ckert sind und abge­le­sen und in Pro­te­ine über­setzt wer­den kön­nen, und ande­re, die – zumin­dest im Moment – dafür zu fest ver­schnürt sind. Auch die Ver­pa­ckung der DNA kann von äuße­ren Umstän­den beein­flusst werden.

Eine Star­rol­le unter den epi­ge­ne­ti­schen Pro­zes­sen spielt wie im Fall der Rat­ten­kin­der die DNA-Methy­lie­rung.

Wenn in bestimm­ten DNA-Berei­chen Methyl­grup­pen am Cyto­sin hän­gen, kön­nen die­se Gene nicht abge­le­sen und damit auch nicht in Pro­te­ine über­setzt wer­den.
Durch die Methy­lie­rung wer­den die Gen­be­rei­che de fac­to abgeschaltet.

Die Gene sind wie die Kla­via­tur eines Kla­viers. Aber wel­che Musik dar­auf gespielt wird – das ent­schei­det nicht zuletzt auch die Epigenetik.“

AUS: Bern­hard Kegel,
Epi­ge­ne­tik: Wie unse­re Erfah­run­gen ver­erbt werden*

Warum Mütter ihre Kinder vernachlässigen

Jean-Bap­tis­te de Lamarck hat­te also doch recht: Die Wei­ter­ga­be erwor­be­ner Fähig­kei­ten und Erfah­run­gen gibt es.
Zwar nicht bei Giraf­fen, aber nach­ge­wie­se­ner­ma­ßen bei Rat­ten, Groß­vä­tern und vie­len ande­ren Fäl­len. Was für ein Revival!

Die drän­gen­de Fra­ge, die sich jetzt stell­te, war die nach dem War­um.
War­um soll­te es für Rat­ten­müt­ter sinn­voll sein, ihre Kin­der zu ver­nach­läs­si­gen und sie so zu stress­an­fäl­li­gen Ner­ven­bün­deln großzuziehen? 

Wo bleibt da Dar­wins Grund­satz von Sur­vi­val oft he fit­test – kann Ängst­lich­keit und Stress ein Über­le­bens­vor­teil sein?

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Die The­ra­peu­tin Dr.Susan For­ward
über Ursa­chen und die fata­len Fol­gen feh­len­der Mut­ter­lie­be — und über die Mög­lich­kei­ten, dem Teu­fels­kreis aus Schuld­zu­wei­sun­gen und schlech­tem Gewis­sen zu ent­kom­men.
Emp­feh­lens­wert!

Sus­an For­ward, Wenn Müt­ter nicht lie­ben: Töch­ter erken­nen und über­win­den die lebens­lan­gen Fol­gen *
Gold­mann Ver­lag, 2015


Setzt man für­sorg­li­che Rat­ten­weib­chen kurz vor der Geburt unter Stress, lässt ihre Pfle­ge­be­reit­schaft gegen­über ihren Jun­gen deut­lich nach.

Bei Bon­net-Maka­ken ver­schlech­tert sich das Mut­ter-Kind-Ver­hält­nis zuse­hends, wenn die Mut­ter gestresst ist, weil bei­spiels­wei­se die Nah­rungs­be­schaf­fung erschwert wird.
Dau­ert der müt­ter­li­che Stress an, wer­den die Kin­der zuneh­mend ängst­lich und schüch­tern, zei­gen Anzei­chen einer Depres­si­on und wach­sen zu unter­wür­fi­gen und furcht­sa­men Erwach­se­nen heran.


Die Ver­nach­läs­si­gung der Kin­der ist immer die Fol­ge von Stress bei den Müttern.


Aus Sicht der Evo­lu­ti­on kann das durch­aus sinn­voll sein. Denn Müt­ter müs­sen immer davon aus­ge­hen, dass ihre Kin­der im glei­chen Umfeld leben wer­den wie sie selbst.

Wenn die Lebens­um­stän­de schwie­rig sind, es wenig Nah­rung, dafür aber vie­le Bedro­hun­gen und Fress­fein­de gibt, sind neu­gie­ri­ge, ver­spiel­te und vor Selbst­ver­trau­en strot­zen­de Nach­kom­men fehl am Platz.
In einer lebens­feind­li­chen Umge­bung sind sie viel stär­ker gefähr­det als der Nach­wuchs, der ängst­lich ist und schnell die Flucht ergreift.

Im Tier­reich berei­ten Müt­ter ihre Nach­kom­men immer opti­mal auf das Leben vor, das sie aller Wahr­schein­lich­keit zu erwar­ten haben.
Damit ist müt­ter­li­che Nach­läs­sig­keit ein Anpas­sungs­me­cha­nis­mus an die Lebens­wirk­lich­keit, die sie vor­fin­den, und könn­te des­halb sogar als eine Art Für­sorg­lich­keit durch­rut­schen – wenn auch kei­ne schöne.

Transgenerationale Vererbung und Epigenetik: Nichts ist in Stein gemeißelt

Was sich da psy­cho­lo­gisch und gene­tisch über unse­ren Köp­fen (und denen unse­rer Nach­kom­men) wie eine Gewit­ter­wol­ke zusam­men­braut, scheint mehr als bedroh­lich zu sein.

Sind wir über­haupt in der Lage, ein selbst­be­stimm­tes Leben zu füh­ren — oder sind wir die zwi­schen methy­lier­ten Genen und fami­liä­ren Tra­di­tio­nen und Erwar­tun­gen ein­ge­quetsch­ten Buletten?

Die Ant­wort: Wir sind weder ein­ge­quetscht noch Fleisch­klops.
Denn die gute Nach­richt ist, dass alle epi­ge­ne­ti­schen Expe­ri­men­te gezeigt haben, wie wenig bei die­sen Mecha­nis­men in Stein gemei­ßelt sind.
Die aller­meis­ten Pro­zes­se, egal ob epi­ge­ne­tisch oder psy­cho­lo­gisch, sind lan­ge Zeit umkehrbar.

Der Müt­ter­tausch im Rat­ten­ex­pe­ri­ment hat bei­spiel­haft gezeigt, dass das Ver­hal­ten epi­ge­ne­tisch gestress­ter Baby­rat­ten sich kom­plett ändern kann, wenn sie zu für­sorg­li­chen Pfle­ge­müt­tern gebracht werden.

Eine Beob­ach­tung übri­gens, die man schon lan­ge aus der – psy­cho­lo­gi­schen – Resi­li­enz­for­schung kennt. Der „Vater der Resi­li­enz­for­schung“, Boris Cyrul­nik, konn­te bei­spiels­wei­se in auf­wän­di­gen Expe­ri­men­ten zei­gen, dass man vie­le schwer trau­ma­ti­sier­te Kin­der hei­len kann, wenn man sie sich nicht selbst überlässt.

Mitt­ler­wei­le weiß man, dass bis zu einem bestimm­ten Grad auch Erwach­se­ne von Stress und Trau­ma befreit wer­den kön­nen. Um das zu errei­chen, braucht es wie bei Kin­dern Auf­merk­sam­keit, das rich­ti­ge sozia­le Umfeld, Ein­sicht – und vie­le Streicheleinheiten.

Acht­sam­keit, Für­sor­ge und Selbst­für­sor­ge sind des­halb weder lang­wei­li­ger Eso­te­rik-Kram noch lee­re Wort­hül­sen, son­dern etwas, das wir sehr ernst neh­men soll­ten, wenn wir uns und unse­re Nach­kom­men ernst nehmen …


Lesen sie im nächs­ten Bei­trag: Resi­li­enz — Schwä­chen repa­rie­ren oder Stär­ken stär­ken? War­um es oft bes­ser ist, sich auf das zu kon­zen­trie­ren, was gut läuft.
Die Ener­gie folgt der Aufmerksamkeit

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Der Bio­lo­ge und Che­mi­ker Bern­hard Kegel
beschreibt die vie­len span­nen­den epi­ge­ne­ti­schen Wege, mit denen wir außer unse­ren Genen auch Erfah­run­gen, Stress und Trau­ma­ta an nach­fol­gen­de Genera­tio­nen wei­ter­ge­ben. Kegel geht dabei in eini­gen Pas­sa­gen sehr detail­liert in die wis­sen­schaft­li­che Tie­fe, daher Top-Emp­feh­lung für alle, die nicht nur popu­lär­wis­sen­schaft­li­ches Fast Food lesen wol­len.
Bern­hard Kegel, Epi­ge­ne­tik: Wie unse­re Erfah­run­gen ver­erbt wer­den*, ‎ DuMont Buch­ver­lag GmbH & Co. KG; 4.Edition, 2018


Kein Lob anneh­men kön­nen, sich immer für alles “schul­dig” füh­len, nicht zur Ruhe kom­men und in der Lie­be unglück­lich sein — vie­les, was uns in schlech­ten Pha­sen zu schaf­fen macht, hat sei­ne Wur­zeln in längst ver­ges­se­nen Kind­heits­er­leb­nis­sen.
Die Trau­ma-The­ra­peu­tin Dami Charf beschreibt in ihrem Buch, wel­che Mecha­nis­men uns immer wie­der in alte Mus­ter zurück­fal­len las­sen. Und wie man dar­aus wie­der her­aus­kommt. Lesens­wert!
Dami Charf, Auch alte Wun­den kön­nen hei­len: Wie Ver­let­zun­gen aus der Kind­heit unser Leben bestim­men und wie wir uns davon lösen kön­nen* Kösel Ver­lag, 2018


Ob Vor­fah­ren sich an der Gesell­schaft oder an der Fami­lie schul­dig gemacht haben — das Leben der Nach­kom­men wird von die­ser Hypo­thek belas­tet sein”.Die Psy­cho­lo­gin San­dra Kon­rad über unser unsicht­ba­res trans­ge­nera­tio­na­les Erbe, das unser Leben beein­flusst. Ein sehr lesens­wer­tes Buch über Lie­be, Loya­li­tät und die Aus­wir­kun­gen alter Belas­tun­gen — und wie man sie über­win­den kann. Emp­feh­lens­wert!

San­dra Kon­rad, Das bleibt in der Fami­lie: Von Lie­be, Loya­li­tät und uralten Las­ten*, Piper Taschen­buch, 2014


Resi­li­enz kann man üben:
Ein sehr lie­be­voll gestal­te­tes Heft aus der Rei­he “Biblio­thek der guten Gefüh­le” , mit kur­zen prä­gnan­ten Tex­ten über unse­re Fähig­keit zur Resi­li­enz und vie­len ein­fach zu befol­gen­den Übun­gen. Für alle, die gera­de mit einem The­ma beschäf­tigt sind, oder zum Ver­schen­ken.

Isa­bel­le Fil­lio­z­at, Das klei­ne Übungs­heft: Stark durch Resi­li­enz*, Tri­ni­ty Ver­lag, 2016


Paul Watz­la­wicks uner­reicht guter Klas­si­ker übers Glück­lich­sein.
Ein wun­der­ba­res Buch über die Stra­te­gien und Fal­len, mit denen wir uns selbst ins Unglück stür­zen. Vie­le “Aha”-Erlebnisse, in denen man sich (lei­der) wie­der­erkennt, aber auch ein ech­tes Lese­ver­gnü­gen.

Paul Watz­la­wick: Anlei­tung zum Unglück­lich­sein*, Piper Ver­lag GmbH, Mün­chen, 2009


Ein sehr ein­fühl­sa­mes Buch 
zum The­ma Kriegs­kin­der und Kriegs­en­kel, mit vie­len Fall­bei­spie­len und her­vor­ra­gend beschrie­be­nen Unter­su­chungs­er­geb­nis­sen. Denn es sind nicht nur Bom­ben, Flucht und Ver­trei­bung, die zum Teil bis heu­te Aus­wir­kun­gen haben, son­dern auch die Erzie­hungs­me­tho­den jener Zeit.

Anne-Ev Ustorf, Wir Kin­der der Kriegs­kin­der*, Ver­lag Her­der GmbH, 2010


Ali­ce Mil­lers Klas­si­ker „Am Anfang war Erzie­hung“ ist heu­te aktu­el­ler denn je –
gesell­schaft­lich, für vie­le aber auch sehr per­sön­lich. Die Psy­cho­ana­ly­ti­ke­rin über Kind­heit, Erzie­hung und “schwar­ze Päd­ago­gik” und ihre Fol­gen.

Ali­ce Mil­ler, Am Anfang war Erzie­hung*. Suhr­kamp Ver­lag, Frank­furt am Main, Taschen­buch, unge­kürz­te Ausgabe,1980


Weiterführende Artikel:

Bin­dungs­mus­ter: Rasen­de Eifer­sucht, uner­träg­li­che Ver­lust­ängs­te, schein­ba­re Gleich­gül­tig­keit und emo­tio­na­le Distanz — oder die lie­be­vol­le Balan­ce zwi­schen Nähe und Unab­hän­gig­keit: Die Art, wie wir als Erwach­se­ne lie­ben, hat viel mit Bin­dungs­mus­tern zu tun, die wir in unse­rer Kind­heit gelernt haben.
Bin­dungs­mus­ter: Nicht mit dir und nicht ohne dich

Schwar­ze Päd­ago­gik: Es war wäh­rend des Drit­ten Rei­ches ein Best­sel­ler und galt als d e r Leit­fa­den zur Kin­der­er­zie­hung. Über die NS-Päd­ago­gik und Johan­na Haa­rers Mach­werk.
Zwi­schen Drill und Miss­hand­lung: Johan­na Haa­rers “Die deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind”

Anti­ke Müt­ter: In der Wie­ge unse­rer Zivi­li­sa­ti­on, im alten Grie­chen­land, gab es kei­ne Dop­pel­be­las­tung für Müt­ter und von einer weib­li­chen Sinn­kri­se konn­te auch kei­ne Rede sein: Auf müt­ter­li­che Gefüh­le wur­de schlicht und ergrei­fend ver­zich­tet. Das schnör­kel­lo­se Ver­hält­nis anti­ker Eltern zu ihrem Nach­wuchs änder­te sie erst lang­sam im Hoch­mit­tel­al­ter; unser heu­ti­ger Begriff von “Mut­ter­lie­be” ent­stand im 18. Jahr­hun­dert.
Mythos Mut­ter: Die Hand an der Wie­ge bewegt die Welt

Geschwis­ter­lie­be: Geschwis­ter sind die Men­schen, mit denen wir die längs­te Bezie­hung unse­res Lebens füh­ren. Gro­ßer Bru­der, klei­ne Schwes­ter, Nest­häk­chen oder Ein­zel­kind — nicht nur der Cha­rak­ter unse­rer Geschwis­ter­be­zie­hun­gen, son­dern auch unser Platz in der Geschwis­ter-Rei­hen­fol­ge kann von gro­ßer Bedeu­tung für unser spä­te­res Leben sein.
Klei­ne Schwes­ter, gro­ßer Bru­der. Geschwisterkonstellationen

Vor­bil­der: Wie unse­re Stein­zeit­re­lik­te im Kopf aus Frem­den Freun­de machen und uns Vor­bil­der besche­ren, die wir nicht wol­len. Und wie die dann unser Leben beein­flus­sen, ohne dass wir es bemer­ken, geschwei­ge denn auch nur ansatz­wei­se Herr oder Frau der Lage sind.
Rich­ti­ge und fal­sche Vorbilder

Kind­heit: Die Kind­heit ist die prä­gends­te Zeit in unse­rem Leben. Über Müt­ter und Väter, Geschwis­ter­lie­be, trans­ge­nera­tio­na­le Ver­er­bung und Kind­heits­mus­ter, die uns unser gesam­tes Leben beglei­ten.
Kin­der, Kinder

Bildnachweise:

Jules Piz­zet­ta — Gale­rie des natu­ra­lis­tes de J. Piz­zet­ta, Paris: Ed. Hen­nuy­er, 1893 Por­trait de Jean-Bap­tis­te Lamarck, Gemein­frei
Die Evo­lu­ti­on des Giraf­fen­hal­ses ist ein belieb­tes Bei­spiel zur Illus­tra­ti­on des Lamar­ckis­mus
Sandri­ta­ver­oo­ka — Eige­nes Werk, CC BY-SA 4.0


Geschichte und Psychologie Vergangenheit verstehen um mit der Zukunft besser klar zu kommen
Geschich­te & Psy­cho­lo­gie:

Vergangenes verstehen,
um mit der Zukunft besser klar zu kommen.

Ich brin­ge mit mei­nem Team Lebens‑, Fami­li­en- und Unter­neh­mens­ge­schich­ten ins Buch und schrei­be als Ghost­wri­te­rin Bücher mit den Schwer­punk­ten Geschich­te und Psy­cho­lo­gie.

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