Kaiser Wilhelm II: Großmaul, Größenwahn und Weltkrieg

Zeit­ge­schich­te: Das 20. Jahrhundert

Kaiser Wilhelm II: Ein Platz an der Sonne 


Unter Wil­helm II. erlebt das Deut­sche Kai­ser­reich eine Zeit von tech­ni­schem Fort­schritt, wirt­schaft­li­chem Boom und impe­ria­lem Glanz.
Ande­rer­seits füh­ren Grö­ßen­wahn und poli­ti­sche Selbst­über­schät­zung Euro­pa Schritt für Schritt näher an die Kata­stro­phe des Ers­ten Welt­kriegs.

Über den letz­ten deut­schen Kai­ser Wil­helm II. (auch „das Großmaul”´genannt): Licht und Schat­ten der wil­hel­mi­ni­schen Epo­che — und die Suche nach einem Platz an der Sonne.

Kaiser Wilhelm II., letzter deutscher Kaiser, während der wilhelminischen Epoche

Der Kaiser mit dem verletzten Ego

Kai­ser Wil­helm II. war laut, impul­siv, eitel — und zutiefst unsi­cher.
Der letz­te deut­sche Kai­ser lieb­te Uni­for­men, gro­ße Auf­trit­te und mar­tia­li­sche Reden. Doch hin­ter der Fas­sa­de aus Pomp, Macht und Grö­ßen­wahn ver­barg sich ein Mann, der zeit­le­bens gegen sei­ne eige­nen Min­der­wer­tig­keits­ge­füh­le kämpf­te.

Es wäre bes­ser gewe­sen, Du wärest nie gebo­ren wor­den“, soll ihm sei­ne Mut­ter Vic­to­ria, die ältes­te Toch­ter der legen­dä­ren bri­ti­schen Queen Vic­to­ria, an den Kopf gewor­fen haben.

Ob die­ser müt­ter­li­che Wut­aus­bruch tat­säch­lich so statt­ge­fun­den hat, ist his­to­risch nicht ein­deu­tig belegt, aber eine glück­li­che Kind­heit hat­te Kai­ser Wil­helm II, in spä­te­ren Jah­ren auch „Wil­helm das Groß­maulgenannt, mit Sicher­heit nicht.

Sein per­sön­li­cher Kampf seit Kin­der­ta­gen galt aber weni­ger sei­ner Mut­ter, son­dern vor allem sei­nem ver­kürz­ten lin­ken Arm. Der spiel­te ver­mut­lich eine wesent­li­che Rol­le für den wei­te­ren Lauf der Geschichte.

Kaiser Wilhelm II: Zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt

Wil­helms Arm ist von Geburt an zu kurz und zu unbe­weg­lich gera­ten.
Der behin­der­te Arm ist ver­mut­lich die Fol­ge eines Geburtsfehlers.

Victoria Princess Royal 1857 Gemälde von Franz Xaver Winterhalter

Vic­to­ria, Prin­cess Roy­al (1857), Mut­ter von Kai­ser Wil­helm II, von Franz Xaver Winterhalter

Der wäre ver­meid­bar gewe­sen, hät­te sich der behan­deln­de Arzt getraut, wäh­rend der Nie­der­kunft Wil­helms Mut­ter unter die Röcke zu schau­en.

Das tat er — ganz Zeit­geist — natür­lich nicht.
Statt­des­sen muss­te er sich durch die Röcke der wer­den­den Mut­ter durch eine schwie­ri­ge Geburt mit einem gro­ßen und falsch plat­zier­ten Baby hin­durch­tas­ten.

Der klei­ne Jun­ge über­lebt die Geburt, aber der lin­ke Arm war in Mit­lei­den­schaft gezo­gen und blieb es auch.

Es wird alles ver­sucht, um den unglück­se­li­ge Arm mit diver­sen schmerz­haf­ten Pro­ze­du­ren wie Streck­ver­bän­den, Strom­stö­ßen oder auch „ani­ma­li­schen“ Bädern in Hasen­blut zu kurie­ren. Ohne durch­schla­gen­den Erfolg.

Der klei­ne Thron­fol­ger bringt Schmer­zen und Maß­nah­men fast trä­nen­los hin­ter sich. Aber der Arm bleibt trotz aller Anwen­dun­gen ver­kürzt. Ein schwe­rer Makel zu jener Zeit, vor allem für einen zukünf­ti­gen Regen­ten und Kai­ser.

Wil­helm ent­wi­ckelt sich zu einem lau­ni­schen Kai­ser; er ist impul­siv, oft unüber­legt und erschre­ckend unin­for­miert, dabei von einer uner­schüt­ter­li­chen Groß­mäu­lig­keit.

Sei­ne Lau­nen sind gefürch­tet. Aber vor allem glänzt er dadurch, dass er von den Din­gen, über die er ent­schei­det, in der Regel kei­ne Ahnung hat.

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Skandale und Intrigen an Europas Königs- und Kaiserhäusern im 19 und 20 Jahrhundert

Skandale und Intrigen an Europas Königs- und Kaiserhäusern

Ein fas­zi­nie­ren­der Blick hin­ter die Kulis­sen des euro­päi­schen Adels – vol­ler Glanz, Macht­spie­le, bru­ta­ler Erzie­hung und mensch­li­cher Schwächen.

Prunk und Pomp als Selbsttherapie?

Mehr­ma­li­ger Kos­tüm­wech­sel pro Tag – vor allem jede Art von Uni­form — ste­hen hoch im Kurs; außer­dem Pomp, Eitel­keit und der Ver­such, den ver­kürz­ten und schwa­chen lin­ken Arm unter irgend­wel­chen Jacken und Über­wür­fen zu ver­ste­cken.

Sei­nen in der dama­li­gen Zeit als Miss­bil­dung emp­fun­de­nen Arm ver­sucht er durch Groß­spu­rig­keit, beson­ders robus­tes Auf­tre­ten und dem hohen Anspruchs­den­ken inner­lich unsi­che­rer Men­schen wett­zu­ma­chen.

Wider bes­se­ren Wis­sens schreibt er bei­spiels­wei­se in einem Brief an den Prin­ce of Wales, sei­nem Onkel und spä­te­ren König Edu­ard VII.: „Ich bin der allei­ni­ge Herr der deut­schen Poli­tik und mein Land muss mir fol­gen, wo immer ich hin­ge­he.”


Wechselnde Intentionen

… Wenn Wil­helm eine kla­re und in sich stim­mi­ge Visi­on ver­folgt hät­te, könn­te man die Wir­kung ein­fach am Ergeb­nis mes­sen, aber sei­ne Inten­tio­nen waren stets unbe­stimmt, und der Brenn­punkt sei­ner Auf­merk­sam­keit wech­sel­te stän­dig.

Ende der neun­zi­ger Jah­re schwärm­te der Kai­ser von dem Pro­jekt, ein „Neu­deutsch­land” in Bra­si­li­en zu grün­den, und „ver­lang­te unge­dul­dig”, die Ein­wan­de­rung in die­se Regi­on zu för­dern und so schnell wie mög­lich zu stei­gern — wie man sich den­ken kann, wur­de nichts dar­aus. Im Jahr 1899 teil­te er Cecil Rho­des mit, er habe die Absicht „Meso­po­ta­ni­en” als deut­sche Kolo­nie zu erwer­ben. Und ein Jahr spä­ter, zur Zeit des Boxer­auf­stands, kam von ihm der Vor­schlag, ein gan­zes deut­sches Armee­korps nach Chi­na zu ent­sen­den, mit dem Auf­trag, das Land zu tei­len.“


Aus: Chris­to­pher Clark, Die Schlaf­wand­ler. Wie Euro­pa in den 1. Welt­krieg zog*


Wilhelm, das Großmaul

Kai­ser Wil­helm II. gibt zwar ger­ne den abso­lu­tis­ti­schen Allein­herr­scher, aber alle wis­sen, dass das nicht der Rea­li­tät im Kai­ser­reich ent­spricht. Sein Reichs­kanz­ler, sei­ne Minis­ter und vor allem der Reichs­tag haben immer ein Wort mit­zu­re­den, beson­ders wenn es um die Finan­zie­rung von Pro­jek­ten geht.

Trotz­dem ist Wil­helm weit mehr als nur ein pom­pös aus­ge­stat­te­ter Ope­ret­ten­kai­ser zu rein reprä­sen­ta­ti­ven Zwe­cken: Wer etwas von ihm will, bricht mit ihm nach dem Mit­tag­essen zu einem aus­ge­dehn­ten Wald­spa­zier­gang auf, um mit ihm zu plau­dern.

Traf man beim Spa­zie­ren­ge­hen den rich­ti­gen Ton, traf der Kai­ser anschlie­ßend die „rich­ti­ge“ Ent­schei­dung. Ohne gro­ßes Nach­den­ken oder Zögern, son­dern spon­tan aus dem Bauch heraus.


Grabenkämpfe und persönliche „Lieblinge”

Wie Niko­laus II. umging auch Wil­helm (vor allem in den ers­ten Jah­ren sei­ner Herr­schaft) häu­fig die zustän­di­gen Minis­ter, indem er sich mit ‘Lieb­lin­gen’ beriet, för­der­te Gra­ben­kämp­fe zwi­schen den Grup­pen, um die Ein­heit der Regie­rung zu schwä­chen, und ver­trat öffent­li­che Anschau­un­gen, die ent­we­der nicht mit den betrof­fe­nen Minis­tern abge­spro­chen waren oder der domi­nie­ren­den poli­ti­schen Linie wider­spra­chen.“

Aus: Chris­to­pher Clark, Die Schlaf­wand­ler. Wie Euro­pa in den 1. Welt­krieg zog*


Das tiefe Bedürfnis nach Bewunderung: Hunnenrede und die Daily-Telegraph-Affäre

Min­des­tens genau­so pro­ble­ma­tisch wie vie­le sei­ner Ent­schei­dun­gen und Ideen sind sei­ne Reden. Er schwingt sie oft unüber­legt und unbe­darft und bringt dadurch Volk und Vater­land nicht sel­ten in die Bre­douil­le.

Mit Sicher­heit gehört sei­ne berüch­tig­te Hun­nen­re­de zu einem sei­ner vie­len frag­wür­di­gen Auf­trit­te, aller­dings war für sei­ne Zeit­ge­nos­sen die soge­nann­ten „Dai­ly Tele­graph-Affä­reaus dem Jahr 1908 noch wesent­lich unan­ge­neh­mer.

In die­sem (nicht frei­ge­ge­be­nen) Inter­view für die bri­ti­sche Zei­tung Dai­ly Tele­graph erklärt sich Kai­ser Wil­helm zum ein­zig wah­ren Freund der Bri­ten im ansons­ten anti-bri­tisch gesinn­ten Deut­schen Reich und behaup­tet außer­dem, er habe sei­ner Groß­mutter Queen Vic­to­ria wich­ti­ge Tipps im Buren­krieg gege­ben, die Groß­bri­tan­ni­en letzt­end­lich zum Sieg ver­hol­fen hätten.

Queen Victoria am Tag ihres goldenen Thronjubiläums 1887, fotografiert von Alexander Bassano

Queen Vic­to­ria (1819–1901), Groß­mutter von Kai­ser Wil­helm II., zum Thron­ju­bi­lä­um 1887

Tipps und Tricks für’s Krieg­füh­ren vom deut­schen Kai­ser, dem selt­sa­men Enkel ihrer damals schon legen­dä­ren Queen Vic­to­ria?

Die Bri­ten, die zu die­ser Zeit ein Empire beherr­schen, in dem die Son­ne nie unter­geht, sind not amu­sed.

Aber sie neh­men des Kai­sers Behaup­tun­gen erstaun­lich gelas­sen hin, auch wenn sie deut­sche Rat­schlä­ge weder damals will­kom­men heißen.

Im deut­schen Kai­ser­reich wird das Inter­view zur Affä­re.

Nach einer hit­zi­gen Debat­te im Reichs­tag for­dern alle Abge­ord­ne­ten ein­schließ­lich der kai­ser­treu­en Kon­ser­va­ti­ven, sei­ne Majes­tät möge sich zukünf­tig in sei­nen Äuße­run­gen etwas zurück­neh­men.

Sei­ne Reichs­kanz­ler, Minis­ter und hohe Mili­tärs ver­su­chen spä­tes­tens nach die­sem Aus­rut­scher Sei­ner Majes­tät ihren Kai­ser so gut es geht aus der Tages­po­li­tik herauszuhalten.

Zitat über Kaiser Wilhelm II und seine Rolle als Repräsentant des Deutschen Kaiserreichs

Es sei denn, man braucht ihn für eige­ne Inter­es­sen. Dann geht man mit ihm spazieren …

Die wilhelminische Epoche: Glanz und Elend eines Kaiserreichs

Die „wil­hel­mi­ni­sche“ Epo­che ist das Spie­gel­bild eines Kai­sers, der nur die bei­den See­len­zu­stän­de „him­mel­hoch jauch­zend“ oder „zu Tode betrübt“ kann­te.

Kai­ser Wil­helms Regent­schaft ab 1888 ist einer­seits geprägt von einem bis dahin nie gekann­ten Fort­schritt in den Berei­chen Tech­nik, Ver­kehr und Medi­zin, ande­rer­seits durch eine eben­falls nie gekann­te Ver­elen­dung brei­ter Bevöl­ke­rungs­schich­ten.

Auf der Schat­ten­sei­te des tech­ni­schen und wirt­schaft­li­chen Auf­schwungs Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts ent­steht als neue Bevöl­ke­rungs­schicht in ganz Euro­pa das Pro­le­ta­ri­at.

Die „Pro­le­ten” sind die Indus­trie­ar­bei­ter und Zechen­kum­pel, die ihre Arbeits­kraft, ihre Gesund­heit und oft genug ihr Leben geben, um die Schif­fe, Eisen­bahn­glei­se und Waf­fen zu bau­en, die der Wirt­schafts­boom jener Jah­re braucht, oder die Koh­le aus der Erde zu holen, den Treib­stoff der Indus­tria­li­sie­rung.

Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter hau­sen mit ihren Fami­li­en unter unwür­digs­ten Bedin­gun­gen auf engs­tem Raum in schä­bi­gen Miets­ka­ser­nen. Trotz 12-Stun­den-Schich­ten fehlt den meis­ten das Nötigs­te zum Leben. Krank­hei­ten wie die Tuber­ku­lo­se gras­sie­ren, die Kin­der­sterb­lich­keit ist hoch, Armut und Ver­zweif­lung ebenso.

Jeder ist seines Glückes Schmied“ – Sozialdarwinismus und moralische Kälte

In den Städ­ten und Indus­trie­ge­bie­ten leben im Kai­ser­reich um 1900 min­des­tens 50 bis 60 Pro­zent der Bevöl­ke­rung in Schmutz, Elend und immer am Ran­de des Hun­gers. In einer Zeit, in der das Mot­to „Jeder ist sei­nes Glü­ckes Schmied“ zum geflü­gel­ten Wort wird, sind Elend und Armut ein sozia­ler Makel.

Die noch rela­tiv jun­ge Evo­lu­ti­ons­theo­rie „sur­vi­val if the fit­test” von Charles Dar­win wird als „Über­le­bens­kampf der Stär­ke­ren” miss­ver­stan­den und umin­ter­pre­tiert, um die sozia­le Unge­rech­tig­keit in der Bevöl­ke­rung zu recht­fer­ti­gen.

Wer „unten” ist und mit mise­ra­blen Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen zu kämp­fen hat, ist ein­fach „selbst schuld“ am eige­nen Elend. Wil­helms Epo­che ist in ganz Euro­pa die Hoch-Zeit des Sozi­al­dar­wi­nis­mus.

Doch es for­miert sich Wider­stand.

Vie­le Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter wol­len nicht län­ger hin­neh­men, sich für einen Hun­ger­lohn in dre­cki­gen, lau­ten und oft gefähr­li­chen Fabri­ken oder Berg­wer­ken abra­ckern zu müs­sen, wäh­rend ande­re in Wohl­stand und Luxus leben.

Arme Familie um 1900 im Deutschen Kaiserreich während der wilhelminischen Epoche

Fami­lie um 1900: Wäh­rend die wil­hel­mi­ni­sche Epo­che tech­ni­schen Fort­schritt und Wohl­stand fei­er­te, leb­ten Mil­lio­nen Men­schen im Deut­schen Kai­ser­reich in Armut und sozia­len Elendsvierteln.

Ein Gespenst geht um in Euro­pa – das Gespenst des Kom­mu­nis­mus” (Mani­fest der kom­mu­nis­ti­schen Par­tei, 1848)

Das Gespenst des Kom­mu­nis­mus” geht in Euro­pa um und berei­tet Regie­ren­den und Mon­ar­chen eben­so viel Kopf­zer­bre­chen wie die zuneh­mend schwie­ri­ge welt­po­li­ti­sche Lage.

Bismarck geht über Bord: Der Sturz des „Eisernen Kanzlers“

Sozi­al­dar­wi­nis­tisch wird in jener Zeit nicht nur innen­po­li­tisch, son­dern auch außen­po­li­tisch gedacht.

Allen vor­an in Groß­bri­tan­ni­en, das sich mit sei­ner Insel­la­ge und der dafür not­wen­di­gen Schiffs­flot­te ein Kolo­ni­al­reich auf­ge­baut hat, in dem die Son­ne tat­säch­lich nie­mals unter­geht.

Das deut­sche Kai­ser­reich betei­ligt sich vie­le Jah­re nicht am kolo­nia­len Wett­ren­nen der Groß­mäch­te.

Der alles beherr­schen­de Reichs­kanz­ler Bis­marck will sei­ne fein aus­ta­rier­te inner­eu­ro­päi­sche Bünd­nis­po­li­tik, die Deutsch­land vor der Gefahr eines Zwei- oder sogar Mehr­fron­ten­krie­ges schüt­zen soll, nicht durch Strei­tig­kei­ten wegen Kolo­nien gefähr­den.

Er gibt die Losung aus, dass das Deut­sche Kai­ser­reich sich „kei­ne ver­wund­ba­ren Punk­te in fer­nen Welt­tei­len“ leis­ten dür­fe.

Als Bis­marck sich ab 1884 doch noch umori­en­tiert, ist es reich­lich spät.
Die ande­ren Natio­nen sind alle schon längst unter­wegs und haben sich in Über­see die Filet­stü­cke gesichert.

Karikatur „Dropping the Pilot“ von Sir John Tenniel: Kaiser Wilhelm II entlässt Otto von Bismarck 1890

Drop­ping the Pilot“ – Kari­ka­tur von Sir John Ten­ni­el (1890): Kai­ser Wil­helm II. ent­lässt Reichs­kanz­ler Otto von Bis­marck. Es ist der Beginn einer neu­en, ris­kan­ten Ära deut­scher Außenpolitik.

Bis­marcks Tage als Dau­er­kanz­ler sind gezählt, als der 29-jäh­ri­ge Wil­helm im „Drei­kai­ser­jahr“ 1888 nach dem Tod sei­nes Groß­va­ters und kur­ze Zeit spä­ter den Tod sei­nes Vaters die Regent­schaft im deut­schen Kai­ser­reich über­nimmt.

1890 muss der Lot­se von Bord gehen.

Er wird vom jun­gen Wil­helm II. in den Ruhe­stand geschickt und zieht sich empört auf sein Land­gut in Nord­deutsch­land zurück. Wil­helm ver­kün­det, er wol­le nun sein eige­ner Bis­marck sein”.

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Kurzzeit-Kaiser Friedrich III.

Wil­helms libe­ral den­ken­der Vater stirbt 1888 nach nur 90 Tagen Regent­schaft an Kehl­kopf­krebs.
Wie wäre die Geschich­te ohne sei­nen frü­hen Tod ver­lau­fen?

Der Medi­zin­his­to­ri­ker Roland Gers­te über die oft ver­blüf­fen­den Fol­gen von gro­ßen Seu­chen und den Krank­hei­ten der Mäch­ti­gen auf die Weltgeschichte.

Ein Platz an der Sonne: Die Deutschen im Kolonialfieber

Es ist aller­dings nicht allein Wil­helms Idee, Bim­arcks Bünd­nis­se aus­lau­fen und einen eige­nen „Platz an der Son­ne“ für das Kai­ser­reich zu sichern; schon lan­ge hat­te die deut­sche Mit­tel­schicht und die natio­na­le Pres­se Bis­marcks Bünd­nis­po­li­tik als obstruk­tiv und läh­mend emp­fun­den.

Pas­send zum Zeit­geist der wil­hel­mi­ni­schen Epo­che will man aus­bre­chen aus alten Zwän­gen und Kon­ven­tio­nen und auf der Welt­büh­ne der Groß­mäch­te eine wich­ti­ge­re Rol­le als bis­lang spielen.


Wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne!”

Die Zei­ten, wo der Deut­sche dem einen sei­ner Nach­barn die Erde über­ließ, dem ande­ren das Meer und sich selbst den Him­mel reser­vier­te, wo die rei­ne Dok­trin thront — die­se Zei­ten sind vor­über … Wir wol­len nie­man­den in den Schat­ten stel­len, aber wir ver­lan­gen auch unse­ren Platz an der Son­ne.“

Bern­hard von Bülow, Staats­se­kre­tär des Äuße­ren, am 6. Dezem­ber 1897
Zitiert nach: Chris­to­pher Clark, Die Schlaf­wand­ler. Wie Euro­pa in den 1. Welt­krieg zog*


Kaiser Wilhelms neue Flotte

Wer einen Platz an der Son­ne haben und beim impe­ria­len Spiel der ande­ren Groß­mäch­te mit­ma­chen will, braucht Schif­fe. Und die hat das Kai­ser­reich nicht, geschwei­ge denn Werf­ten, die sol­che Schif­fe hät­ten bau­en oder auch nur repa­rie­ren kön­nen.

Benö­tig­te eines der Kriegs­schif­fe sei­ner Majes­tät – ein paar ält­li­che Pan­zer­schif­fe, die im Win­ter vor­sichts­hal­ber im Hafen blie­ben – eine Werft zum Kes­sel­fli­cken, so muss­te es das eng­li­sche Ports­mouth anlau­fen.

Kai­ser Wil­helm ändert das.
Im Jahr 1891 lernt er den Mari­ne­of­fi­zier Alfred von Tirpitz ken­nen – den „bösen Geis­te der deut­schen Außen­po­li­tik“, wie eini­ge His­to­ri­ker ihn nen­nen.

In den kom­men­den Jah­ren peit­schen der Kai­ser und sein Admi­ral meh­re­re Rüs­tungs­pro­gram­me durch den Reichs­tag, der anfangs skep­tisch auf das Flot­ten­pro­gramm reagiert.

Ein Imperium auf Sand gebaut: Flottenwahn und Weltpolitik

Zunächst pro­fi­tie­ren alle: Die Han­dels­ma­ri­ne und die deut­sche Wirt­schaft, denn mit den Werf­ten für Groß­schif­fe ent­steht ein völ­lig neu­er Indus­trie­zweig im boo­men­den Deut­schen Kai­ser­reich.

1895 wird der Kai­ser-Wil­helm-Kanal (Nord­ost­see­ka­nal) ein­ge­weiht, der die Weg­stre­cke zwi­schen Nord- und Ost­see um 85 Pro­zent für Han­dels- und Kriegs­schif­fe glei­cher­ma­ßen ver­kürzt.

Bes­ser noch: Der neue deut­sche Schiffs-Enthu­si­as­mus wirkt anste­ckend.
Alle lie­ben die Mari­ne, die Kin­der tra­gen stolz ihre Mari­ne­an­zü­ge und Mari­ne­kleid­chen und die Erwach­se­nen wer­den, gleich­gül­tig wel­cher Klas­se sie ange­hö­ren, zu Fähn­chen-schwin­gen­den Flot­ten­lieb­ha­bern, die loy­al zu Kai­ser und Vater­land (und sei­nen Schif­fen) ste­hen.

Die Kriegs­ma­ri­ne wird zum klas­sen­über­grei­fen­den sozia­len Schmier­mit­tel der Gesell­schaft. Nur weni­ge Nörg­ler stö­ren das fried­li­che Bild mit der Behaup­tung, dass die­se Flot­te nicht nur sehr teu­er, son­dern auch viel zu groß ist, um die spär­li­chen deut­schen Kolo­nien zu schützen.

Kaisermanöver und Kaiserwetter — und dann der Absturz

Bis etwa 1905 wer­den die deut­schen Flot­ten-Anstren­gun­gen, die kolo­nia­len Träu­me und das all­jähr­lich statt­fin­den­de „Kai­ser­ma­nö­ver“ (am liebs­ten bei „Kai­ser­wet­ter“) von den Bri­ten mil­de belä­chelt.

Doch mit der Zeit wird der Ton rau­er und die ent­spre­chen­de bri­ti­sche Reak­ti­on bleibt nicht aus. 1906 sticht in Groß­bri­tan­ni­en das ers­te Schiff der „Dre­ad­nought“-Klas­se (frei über­setzt etwa „Fürch­te­nichts“) in See, ein völ­lig neu­es Schlacht­schiff mit über­le­ge­ner Pan­ze­rung und Bewaffnung.

HMS Dreadnought 1906 – britisches Schlachtschiff als Symbol des maritimen Wettrüstens zwischen Deutschland und Großbritannien

Die HMS Dre­ad­nought (1906) war ein revo­lu­tio­nä­res bri­ti­sches Schlacht­schiff, das alle bis­he­ri­gen Kriegs­schif­fe in Pan­ze­rung, Geschwin­dig­keit und Feu­er­kraft über­traf. Ihr Bau mar­kier­te den Beginn eines mas­si­ven Wett­rüs­tens zwi­schen Groß­bri­tan­ni­en und dem Deut­schen Kai­ser­reich – ein ent­schei­den­der Schritt auf dem Weg in den Ers­ten Weltkrieg.

Sektsteuer und das Wettrüsten mit Großbritannien

Nach dem Sta­pel­lauf der ers­ten „Dre­ad­nought“ hat­ten der Kai­ser und sein Admi­ral das mari­ne Wett­rüs­ten gegen Groß­bri­tan­ni­en eigent­lich ver­lo­ren.

Die bri­ti­schen “Fürch­te­nicht­se” sind eine schwim­men­de Revo­lu­ti­on, eine völ­lig neue Kate­go­rie von Schlacht­schif­fen, die die gesam­te, sorg­sam auf­ge­bau­te deut­sche Flot­te mit einem Schlag alt aus­se­hen lässt.

Wil­helm möch­te jetzt sei­ne eige­nen „Fürchtenichts“-Schiffe bau­en und lässt das nächs­te Rüs­tungs­pro­gramm auf­le­gen.

Zu einem hohen Preis: 1908 beträgt das Haus­halts­de­fi­zit des Kai­ser­rei­ches eine hal­be Mil­li­ar­de Mark. Es müs­sen neue Geld­quel­len erschlos­sen wer­den, um die nächs­te Run­de des gigan­ti­schen Rüs­tungs­pro­gramms zu finan­zie­ren: Die eigens für den Schlacht­schiff­bau erfun­de­ne Sekt­steu­er bei­spiels­wei­se (die uns bis heu­te erhal­ten geblie­ben ist).

Doch trotz aller Anstren­gun­gen ist die bri­ti­sche Über­le­gen­heit zur See nicht ein­zu­ho­len.

Im Jahr 1913 ver­zich­tet die deut­sche See­kriegs­lei­tung offi­zi­ell auf ein deutsch-bri­ti­sches Wett­rüs­ten und Tirpitz erklärt, dass er mit den von Groß­bri­tan­ni­en gefor­der­ten Men­gen­ver­hält­nis­sen zufrie­den sei.

Koloniale Fehlschläge und politische Isolation

Ähn­lich kläg­lich wie das Flot­ten­pro­gramm ver­läuft die ver­spä­te­te impe­ria­le Ein­kaufs­tour für den Platz an der Son­ne”.

Egal, wo die Deut­schen Fuß fas­sen wol­len, irgend­ei­ne ande­re Groß­macht — Groß­bri­tan­ni­en, Frank­reich, Russ­land oder die USA - ist schon da oder hat bereits ein Auge auf das jewei­li­ge Gebiet gewor­fen.

Die Ver­tei­lung der kolo­nia­len Sah­ne­stück­chen auf der Land­kar­te führt im Zeit­al­ter des Impe­ria­lis­mus (= das Stre­ben von Staa­ten, ihre Macht weit über die eige­nen Lan­des­gren­zen aus­zu­deh­nen) zu unzäh­li­gen schwe­ren Kri­sen und Krie­gen mit wech­seln­der Beset­zung.
Jeder gegen jeden.

Hochrufe für Kaiser Wilhelm II in Duala Kamerun 1901 während der deutschen Kolonialzeit

Hoch­ru­fe für Kai­ser Wil­helm II. anläss­lich sei­nes Geburts­tags am 27. Janu­ar 1901 in Dua­la, Kame­run.
Quel­le: Bun­des­ar­chiv, Bild 163–161 / Carl Hohl / CC-BY-SA 3.0

Einig ist man sich eigent­lich nur bei einer Sache: Das deut­sche Kai­ser­reich als kolo­nia­len New­co­mer will nie­mand mit am Tisch haben.

Kai­ser Wil­helm II. und sei­ne kolo­ni­al gestimm­ten Unter­ta­nen müs­sen sich mit dem begnü­gen, was übrigbleibt.


Auf dem Pfad zu Weltmacht, Größe und Ruhm?

… Als dage­gen Bülow begeis­tert Kai­ser Wil­helm II. zu einer neu­en kolo­nia­len Besit­zung beglück­wünsch­te und davon schwärm­te, dass die­ser Erwerb die Bevöl­ke­rung und die Flot­te anre­gen wer­de, dem Kai­ser wei­ter auf dem Pfad zu Welt­macht, Grö­ße und ewi­gem Ruhm zu fol­gen, sprach er von den öko­no­misch und stra­te­gisch wert­lo­sen Karo­li­nen­in­seln!

Es ist kein Wun­der, dass man­che His­to­ri­ker zu dem Schluss gelang­ten, Deutsch­lands Welt­po­li­tik sei vor allem mit Blick auf die ein­hei­mi­schen Ver­brau­cher kon­zi­piert wor­den: als Mit­tel, die natio­na­le Soli­da­ri­tät zu stär­ken, den Reichs­tag lang­fris­ti­ge, hohe Belas­tun­gen des Haus­halts auf­zu­bür­den, abwei­chen­den poli­ti­schen Mei­nun­gen wie denen der Sozi­al­de­mo­kra­ten den Reiz zu neh­men und so die Domi­nanz der bestehen­den indus­tri­el­len und poli­ti­schen Eli­ten zu kon­so­li­die­ren.“


Aus: Chris­to­pher Clark, Die Schlaf­wand­ler. Wie Euro­pa in den 1. Welt­krieg zog*


Julikrise 1914: „Viel Feind, viel Ehr’ “?

Lan­ge Zeit ist das deut­sche Kai­ser­reich durch die vie­len Strei­tig­kei­ten, Kri­sen und Krie­ge um Kolo­nien und Vor­herr­schaf­ten, die die ande­ren Groß­mäch­te unter­ein­an­der aus­fech­ten, stra­te­gisch gut geschützt.

Aber dann setzt eine Ent­wick­lung ein, die Bis­marck durch sei­ne Bünd­nis­po­li­tik immer ver­hin­dern woll­te und die sich in der Julikri­se 1914 als fatal erwei­sen wird: Frank­reich und das rus­si­sche Zaren­reich nähern sich an, eben­so Groß­bri­tan­ni­en und Russ­land und Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en.

Die Tri­ple Entente zwi­schen Groß­bri­tan­ni­en, Frank­reich und Russ­land wird geschmie­det — und das deut­sche Kai­ser­reich ist plötz­lich wie­der von poten­zi­el­len Fein­den umzin­gelt.

Es ist Kai­ser Wil­helm II. selbst, der in der Julikri­se 1914 sämt­li­che Beden­ken vom Tisch wischt und sei­nem letz­ten ver­blie­be­nen Ver­bün­de­ten Öster­reich-Ungarn (dass Ita­li­en ein unsi­che­rer Kan­di­dat ist, rea­li­siert man zu die­ser Zeit sogar in Ber­lin) jenen ver­häng­nis­vol­len „Blan­ko­scheck” aus­stellt, der die gefähr­li­che Rutsch­bahn in den Abgrund des ers­ten Welt­kriegs eröff­net.

Danach begibt sich sei­ne Majes­tät wie auch sei­ne Minis­ter und hohen Mili­tärs in den Som­mer­ur­laub, weil man erwar­tet, dass auch die­se Kri­se wie die vie­len ande­ren zuvor vor­rü­ber­zie­hen wird.

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Die Natio­nen Euro­pas schlit­ter­ten über den Rand, hin­ein in den bro­deln­den Hexen­kes­sel des Krie­ges ohne eine Spur von Ver­ständ­nis oder Bestür­zung.“

David Lloyd George

Mitten im Frieden überfällt uns der Feind“: Als aus der Krise Krieg wurde

Doch die Kri­se zieht nicht vor­über, son­dern nimmt Fahrt auf.
Russ­land macht als Ers­ter mobil, auch wenn Wil­helm II. sei­nem Cou­sin Zar Niko­laus II. (Nicky) noch ein ver­zwei­fel­tes Tele­gramm schickt, um ihn davon abzu­hal­ten.

Durch Auf­rüs­tung (wie alle ande­ren Groß­mäch­te auch), Mili­ta­ris­mus, einer oft außer­or­dent­lich unge­schick­ten Diplo­ma­tie, aber auch Groß­manns­sucht und Prah­le­rei hat­ten allen vor­an Kai­ser Wil­helm II. und sei­ne Bera­ter das deut­sche Kai­ser­reich in eine aus­weg­lo­se Situa­ti­on manö­vriert.

Aber anders als spä­ter im Ver­sailler Ver­trag fest­ge­schrie­ben, trifft die Schuld an der Ur-Kata­stro­phe des 20. Jahr­hun­derts nicht Wil­helm, sei­ne Regie­rung oder das deut­sche Kai­ser­reich allein, son­dern alle euro­päi­schen Akteure.


Wilhelms verzweifelte Suche nach Beifall, Anerkennung und Zuneigung

… Aber das Gan­ze hat­te mit Sicher­heit auch eine psy­cho­lo­gi­sche Dimen­si­on: In Eng­land hat­te Wil­helm ver­zwei­felt, aller­dings sel­ten erfolg­reich, Bei­fall, Aner­ken­nung und Zunei­gung gesucht.

Das Land stand für einem gro­ßen Teil von dem, was er bewun­der­te: eine mit den bes­ten Kano­nen und der moderns­ten Aus­rüs­tung aus­ge­stat­te­te Flot­te, Wohl­stand, Kul­ti­viert­heit, Welt­of­fen­heit und (zumin­dest in den Krei­sen, in denen er bei sei­nen Besu­chen ver­kehr­te) ein gewis­ses aris­to­kra­ti­sches, selbst­si­che­res Auf­tre­ten, das ihm impo­nier­te, das er aber nicht nach­ah­men konn­te.

Es war die Hei­mat sei­ner ver­stor­be­nen Groß­mutter, über die Wil­helm spä­ter ein­mal sag­te, dass sie, wenn sie noch gelebt hät­te, es Nicky und Geor­ge nie­mals erlaubt hät­te, sich auf die­se Art gegen ihn zu ver­bün­den. Es war das König­reich sei­nes benei­de­ten und ver­hass­ten Onkels Edu­ard VII., dem es (im Gegen­satz zu Wil­helm) gelun­gen war, das inter­na­tio­na­le Anse­hen sei­nes Lan­des auf­zu­bes­sern.

Und natür­lich war es das Geburts­land sei­ner Mut­ter, die inzwi­schen seit 13 Jah­ren tot war und zu der er ein so schwie­ri­ges und unge­klär­tes Ver­hält­nis gehabt hat­te. Ein wah­res Wirr­warr an Gefüh­len und Asso­zia­tio­nen beglei­te­te ihn stets, wenn Wil­helm ver­such­te, die bri­ti­sche Poli­tik zu inter­pre­tie­ren.“


Aus: Chris­to­pher Clark, Die Schlaf­wand­ler. Wie Euro­pa in den 1. Welt­krieg zog*


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Ver­dun ist eine klei­ne Stadt ohne gro­ße Bedeu­tung. Eigent­lich ist sie kaum der Rede wert. Doch dann beginnt am Mor­gen des 21. Febru­ar 1916 die deut­sche Ope­ra­ti­on „Gericht“ und lässt die beschau­li­che Klein­stadt — wie 27 Jah­re spä­ter auch Sta­lin­grad — zum Syn­onym für die Grau­sam­keit und Sinn­lo­sig­keit von Krie­gen wer­den.
Die Fra­ge ist: war­um?
Die Höl­le von Ver­dun — Der Krieg, der See­len fraß

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Buch- und Filmempfehlungen

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Wilhelm II – Christopher Clark über den letzten deutschen Kaiser und seine Herrschaft

Ein Kai­ser zwi­schen Grö­ßen­wahn und Tragik

War Wil­helm II. wirk­lich der gro­ße Brand­stif­ter Euro­pas — oder eine tra­gi­sche, über­schätz­te Figur sei­ner Zeit?
Chris­to­pher Clark zeich­net ein fas­zi­nie­rend viel­schich­ti­ges Por­trät des letz­ten deut­schen Kai­sers zwi­schen Unsi­cher­heit, Macht­an­spruch und poli­ti­schem Cha­os. Packend geschrie­ben, klug ana­ly­siert und ide­al für alle, die hin­ter die Fas­sa­de der wil­hel­mi­ni­schen Epo­che bli­cken möchten.


Die Schlafwandler von Christopher Clark – Standardwerk über die Ursachen des Ersten Weltkriegs und Kaiser Wilhelm II

Wie Euro­pa in den 1. Welt­krieg taumelte

Das viel­fach aus­ge­zeich­ne­te Stan­dard­werk von Chris­to­pher Clark erklärt span­nend und dif­fe­ren­ziert die poli­ti­schen Macht­spie­le, Bünd­nis­se und Fehl­ent­schei­dun­gen, die Euro­pa 1914 in den Ers­ten Welt­krieg führ­ten.
Beson­ders lesens­wert für alle, die sich für Kai­ser Wil­helm II., die wil­hel­mi­ni­sche Epo­che und die Vor­ge­schich­te des Welt­kriegs interessieren.


1913 Der Sommer des Jahrhunderts von Florian Illies – Bestseller über Europa vor dem Ersten Weltkrieg

Der letz­te Som­mer vor dem Untergang

Der Best­sel­ler von Flo­ri­an Illies ver­bin­det Kul­tur­ge­schich­te, Poli­tik und Gesell­schaft kurz vor dem Ers­ten Welt­krieg zu einem fas­zi­nie­ren­den Pan­ora­ma der euro­päi­schen Vor­kriegs­zeit.
Ein Meis­ter­werk über Köni­ge und Kai­ser, Ril­ke, Kaf­ka, Sta­lin, Hit­ler und alle ande­ren, die 1913 wich­tig waren. Her­vor­ra­gend recher­chiert und mit fei­ner Iro­nie geschrie­ben — ein Buch, das mit klei­nen Epi­so­den eine gan­ze Welt erklärt.


Charité Staffel 1 – Historienserie über Medizin und das Deutsche Kaiserreich

Zwi­schen Hasen­blut­bä­dern, Elek­tro­schocks und den Beginn der moder­nen Medizin

Die preis­ge­krön­te His­to­ri­en­se­rie „Cha­ri­té“ ver­bin­det Medi­zin­ge­schich­te, Gesell­schafts­kri­tik und per­sön­li­che Schick­sa­le im Deut­schen Kai­ser­reich. Zwi­schen Tra­di­ti­on und Moder­ne zeigt Staf­fel 1 ein­drucks­voll die wil­hel­mi­ni­sche Epo­che, die Anfän­ge moder­ner Medi­zin dank Robert Koch, Rudolf Virch­ow und Paul Ehr­lich und den All­tag an der Ber­li­ner Cha­ri­té.

Auch als Prime Video*


GEO Epoche Das deutsche Kaiserreich 1871 bis 1914 über Kaiser Wilhelm II und die wilhelminische Epoche

Die ner­vö­se Großmacht

Eine sehr lesens­wer­te GEO-Epo­che-Aus­ga­be mit span­nen­den Repor­ta­gen über die ruhe­lo­se Kai­ser­zeit 1871 bis 1914.
Wie das wil­hel­mi­ni­sche Kai­ser­reich wur­de, was es wur­de — vom umstrit­te­nen eiser­nen” Kanz­ler Otto von Bis­marck, Grün­der­zeit und Grün­der­krach und die Zer­reiß­pro­be zwi­schen Auf­bruch in die Moder­ne und Traditition.


Die Hohenzollern und die Nazis – Buch über die Verbindung zwischen Kaiserhaus und Nationalsozialismus

Zwi­schen Pomp und Phantomschmerz

Wie der Ex-Kai­ser Wil­helm II., sei­ne Söh­ne und sei­ne zwei­te Ehe­frau die Repu­blik bekämpf­ten und auf eine Rück­kehr auf den Thron mit­hil­fe der Nazis hoff­ten.
Ein span­nen­der, kon­tro­ver­ser Blick auf Macht und Adel — und eine sehr gelun­ge­nen Mischung aus poli­ti­scher Zeit­ge­schich­te, Fami­li­en­por­trät und Milieustudie.


Von Bismarck zu Hitler von Sebastian Haffner – deutsche Geschichte von 1871 bis 1945

Der Weg Deutsch­lands vom Kai­ser­reich zur NS-Diktatur

Wie konn­te aus dem deut­schen Kai­ser­reich weni­ge Jahr­zehn­te spä­ter Hit­lers Dik­ta­tur ent­ste­hen?
Sebas­ti­an Haff­ner erzählt die deut­sche Geschich­te von 1871 bis 1945 bril­lant, ver­ständ­lich und erschre­ckend aktu­ell — klug ana­ly­siert, packend geschrie­ben und vol­ler über­ra­schen­der Ein­sich­ten. Ein Klas­si­ker für alle, die die poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Abgrün­de hin­ter dem deut­schen Weg ins 20. Jahr­hun­dert ver­ste­hen wollen.


Weiterführende Beiträge zu Kaiser Wilhelm II.

Das 19. Jahr­hun­dert: Queen Vic­to­ria drückt dem 19. Jahr­hun­dert ihren Stem­pel auf und bestimmt als „Groß­mutter Euro­pas“ auch die Geschich­te des 20. Jahr­hun­derts. Über Kai­ser Wil­helm II bri­ti­sche Groß­mutter und das vik­to­ria­ni­sche Zeit­al­ter:
Die Groß­mutter Euro­pas (3): Vic­to­ria und Albert

Der 1. Welt­krieg: Ein alter Kai­ser, ein Viel­völ­ker­staat und jugend­li­che Ver­schwö­rer, die bereit sind, für ihre Über­zeu­gung zu mor­den. Das ist der Stoff, aus dem Alb­träu­me sind. Oder Welt­ge­schich­te. Ein Hin­ter­grund­be­richt über die Aus­lö­ser des Ers­ten Welt­krie­ges.
Sis­is Franzl und der gro­ße Knall

Die Grün­der­zeit: Es sind auf­stre­ben­de “No-Names” wie Albert Bal­lin, die den Rei­chen und Schö­nen im aus­ge­hen­den 19. Jahr­hun­dert das Leben schwer machen. Empor­kömm­lin­ge aus klei­nen Ver­hält­nis­sen, die eige­ne Unter­neh­men grün­den und sich mit eiser­nem Wil­len und Biss Wohl­stand und Ein­fluss erkämp­fen. Bal­lin steigt nicht nur zum Gene­ral­di­rek­tor der HAPAG auf, son­dern wird auch enger Ver­trau­ter und “Ree­der des Kai­sers”. Bei Hofe in Ber­lin sieht man das nicht ger­ne.
Die Welt ist fried­los gewor­den. Albert Bal­lin, der Ree­der des Kaisers

Steif, unbe­quem und unprak­tisch – je mehr das begin­nen­de 20. Jahr­hun­dert sei­ne Fas­sung zu ver­lie­ren droht, des­to stär­ker müs­sen Mode und die Klei­der­ord­nung dafür sor­gen, dass Män­ner, Frau­en und Kin­der ihre Façon behiel­ten. Die Geschich­te der Damen- und Her­ren­mo­de von 1900 bis 1930 als Spie­gel der Zeit
Hum­pel­rock und Vater­mör­der: Die Geschich­te der Mode von 1900 bis 1930

Zeit­zeu­gen: Mit dem 20. Jahr­hun­dert beginnt auch deut­sche Auto­mo­bil­ge­schich­te. Vie­le gro­ße Namen wie Wan­de­rer, Horch, NSU und ande­re kennt man heu­te gar nicht mehr. Trotz­dem lohnt sich ein Blick zurück:
Pupp­chen, Du bist mein Augen­stern. Das Geheim­nis in alten Fotografien

Opa twit­tert aus dem Schüt­zen­gra­ben: Chris­ti­an Macks Fami­li­en­for­schung „Opas Krieg“
Opas Krieg


Link­emp­feh­lun­gen

Blut muss flie­ßen, viel Blut. Die bizarrs­ten Zita­te von Kai­ser Wil­helm II.:
https://www.sueddeutsche.de/politik/die-bizarrsten-zitate-von-kaiser-wilhelm-ii-blut-muss-fliessen-viel-blut‑1.470594

ZDF „Wel­ten­brand“: Die Höl­le von Ver­dun
https://www.youtube.com/watch?v=–gDhlsJAQU


Bild­nach­wei­se

Kai­ser Wil­helm II zwi­schen 1910 und 1914, E. Bie­ber, Hof­pho­to­graph, Libra­ry of Con­gress, Prints and Pho­to­graphs Divi­si­on, Washing­ton, D.C. 20540 USA
Kai­ser Wil­helms II Mut­ter Vic­to­ria: „Vic­to­ria Prin­cess Roy­al , 1857“ von Franz Xaver Win­ter­hal­ter — Win­ter­hal­ter and the courts of Euro­pe. Trans­fe­red from de:Image:Victoria Prin­cess Roy­al , 1857.jpg. Lizen­ziert unter Gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons.
Agen­tur für Bild­bio­gra­phien
Köni­gin Vic­to­ria am Tag ihres gol­de­nen Thron­ju­bi­lä­ums 1887, von Alex­an­der Bass­a­no — https://www.royalcollection.org.uk/collection/2105818/portrait-photograph-of-queen-victoria-1819–1901
„Fami­lie um 1900“ von Ori­gi­nal uploa­der was St.Krekeler at de. Lizen­ziert unter Gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons
Hoch­ru­fe anläss­lich des Geburts­tags Kai­ser Wil­helm II., 27. Janu­ar 1901, Carl Hohl. Bun­des­ar­chiv Bild 163–161, Kame­run, Dua­la, Poli­zei­trup­pe“ von Bun­des­ar­chiv, Bild 163–161 / CC-BY-SA 3.0
“Drop­ping the Pilot”. Kar­ri­ka­tur von Sir John Ten­ni­el (1820–1914), März 1890 im bri­ti­schen Maga­zin “Punch”.Lizenziert unter Gemein­frei über Wiki­me­dia
Die “Dre­ad­nought” (frei über­setzt: Fürch­te­nichts) war ein revo­lu­tio­när neu­es Schlacht­schiff , das sowohl in Pan­ze­rung wie auch in Bewaff­nung alles bis­her Dage­we­se­ne in den Schat­ten stellt. Das ers­te Schiff die­ser Art sticht 1906 in Eng­land in See. „HMS Dre­ad­nought 1906“ von not sta­ted — US Navy His­to­ri­cal Cen­ter Pho­to # NH 63367. Lizen­ziert unter Gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons
Hoch­ru­fe für Kai­ser Wil­helm II. anläss­lich sei­nes Geburts­tags am 27. Janu­ar 1901 in Dua­la, Kame­run.
Quel­le: Bun­des­ar­chiv, Bild 163–161 / Carl Hohl / CC-BY-SA 3.0


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Ver­gan­ge­nes ver­ste­hen, um mit der Zukunft bes­ser klar zu kommen.


Geschichte und Psychologie Vergangenheit verstehen um mit der Zukunft besser klar zu kommen
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Susan­ne Autorin bei Gene­ra­tio­nen­ge­spräch & Agen­tur für Bildbiographien
Dr. Susan­ne Gebert schreibt über Psy­cho­lo­gie, Fami­li­en­ge­schich­te und emo­tio­na­le Prä­gun­gen. In ihrem Blog „Gene­ra­tio­nen­ge­spräch“ zeigt sie, wie unse­re Kind­heit uns formt – und wie wir uns von alten Mus­tern lösen können. 

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