1923: Ruhrkampf, Hyperinflation und Revolution

Das 20. Jahr­hun­dert: Kri­sen­jahr 1923

1923: Vom Ruhrkampf zum Deutschen Oktober


1923. Reichs­kanz­ler Wil­helm Cuno und sei­ne Regie­rung der Wirt­schaft ver­su­chen, die Wei­ma­rer Repu­blik trotz Ruhr­kampf und Gene­ral­streik auf Kurs zu hal­ten, indem sie Geld dru­cken las­sen.

Sehr viel Geld. Mit kata­stro­pha­len Fol­gen für das zer­ris­se­ne Land: Eine nie dage­we­se­ne Hyper­in­fla­ti­on bringt Deutsch­land an den Rand des end­gül­ti­gen Kollaps. 

Krisenjahr 1923: Menschen in Deutschland während Ruhrkampf und Hyperinflation in der Weimarer Republik

Krisenjahr 1923: Deutschland am Rand des Zusammenbruchs

1923 wird für die jun­ge Wei­ma­rer Repu­blik zum Schick­sals­jahr.
Fran­zö­si­sche Trup­pen beset­zen das Ruhr­ge­biet, die Reichs­re­gie­rung finan­ziert den Wider­stand mit frisch gedruck­tem Geld — und löst damit eine der schlimms­ten Infla­tio­nen der Geschich­te aus, die Hyper­in­fla­ti­on.

Wäh­rend Mil­lio­nen Deut­sche inner­halb weni­ger Mona­te ihre Erspar­nis­se ver­lie­ren, wächst auf den Stra­ßen die Angst vor Hun­ger, Revo­lu­ti­on und Bür­ger­krieg. Rech­te und lin­ke Extre­mis­ten hof­fen auf den Zusam­men­bruch der Demo­kra­tie und schmie­den Umsturz­plä­ne.

Ruhr­kampf, Hyper­in­fla­ti­on, poli­ti­sche Unru­hen und Revo­lu­ti­ons­plä­ne brach­ten Deutsch­land damals an den Rand des Zusammenbruchs.

Der Versailler Vertrag und die explosive Reparationsfrage

Der Ham­mer fällt im Janu­ar 1921.
269 Mil­li­ar­den Gold­mark — das wären heu­te umge­rech­net rund 1 Bil­li­on Euro — for­dern die Alli­ier­ten von Deutsch­land als Repa­ra­ti­ons­zah­lung für den ver­lo­re­nen Krieg.

Für den Aus­bruch des 1. Welt­kriegs wird außer­dem ein­zig und allein das Deut­sche Kai­ser­reich ver­ant­wort­lich gemacht, was his­to­risch nicht der Wahr­heit entspricht.

Woodrow Wilson 1919: US-Präsident während der Friedensverhandlungen nach dem Ersten Weltkrieg und Rückzug der USA aus der europäischen Politik

Mit Schlag­an­fall zu den Frie­dens­ver­hand­lun­gen in Ver­sailles: Tho­mas Wood­row Wil­son Prä­si­dent der USA 1913 bis 1921

Sogar die Bri­ten hal­ten die Bedin­gun­gen des Ver­sailler Ver­trags für zu hart, kön­nen sich aber gegen Frank­reich nicht durch­set­zen.

Der drit­te gro­ße Geg­ner des unter­ge­gan­ge­nen deut­schen Kai­ser­reichs, die eigent­li­chen Kriegs­ge­win­ner USA, haben nach Ver­sailles genug von den inner­eu­ro­päi­schen Querelen.

Ihr Prä­si­dent Wood­row Wil­son ist zwar ein ambi­tio­nier­ter Mann, aber auch ein sehr kran­ker: Bei den Frie­dens­ver­hand­lun­gen feh­len ihm nach einem Schlag­an­fall Kraft und Durch­set­zungs­ver­mö­gen, um einen Revan­chefrie­den zu ver­hin­dern.

Nach einem Schlag­an­fall im Okto­ber 1919 ver­schwin­det der ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent mehr und mehr in der Ver­sen­kung und die USA zie­hen sich aus dem poli­ti­schen Cha­os zurück, in das sich Euro­pa gestürzt hat.

Reichskanzler Wilhelm Cuno und seine „Regierung der Wirtschaft“

Die hohen Repa­ra­ti­ons­for­de­run­gen ver­bun­den mit der Kriegs­schuld­fra­ge zün­den in der jun­gen und tief gespal­te­nen Wei­ma­rer Repu­blik die nächs­te Eska­la­ti­ons­stu­fe.

Neue Unru­hen flam­men in einem Land auf, das sich seit dem Ende des gro­ßen Krie­ges nur mit knap­per Not an einem offe­nen Bür­ger­krieg vor­bei­la­viert hat.

Wilhelm Cuno und Reichspräsident Friedrich Ebert bei der Verfassungsfeier 1923 vor dem Reichstag in der Weimarer Republik

Wil­helm Cuno (links) mit Reichs­prä­si­dent Ebert bei der Ver­fas­sungs­fei­er vor dem Reichs­tag (1923).
Bild: Bun­des­ar­chiv, Bild 146‑1973-076–58 / CC-BY-SA 3.0

Seit Novem­ber 1922 ist die „Regie­rung der Wirt­schaftunter Reichs­kanz­ler Wil­helm Cuno (der vor­her HAPAG-Gene­ral­di­rek­tor war) an der Macht.
Sie bemüht sich, das Nach­kriegs­cha­os im Land und gleich­zei­tig die ehe­ma­li­gen Kriegs­geg­ner Deutsch­lands in Schach zu hal­ten.

Das bedeu­tet auch: Die deso­la­ten Finan­zen der jun­gen Repu­blik sta­bi­li­sie­ren.

Eine Mam­mut-Auf­ga­be, an der bis­lang alle kurz­le­bi­gen Vor­gän­ger-Regie­run­gen Cunos in der Wei­ma­rer Repu­blik geschei­tert sind.

Cuno und sei­ne Minis­ter gehö­ren zu den soge­nann­ten „Erfül­lungs­po­li­ti­kern“ –Ver­tre­ter des libe­ra­len bis lin­ken Spek­trums (SPD, Zen­trum, DDP) –, die das Unmög­li­che zu tun ver­su­chen und die Schul­den­last der jun­gen Repu­blik durch die Repa­ra­ti­ons­for­de­run­gen irgend­wie beglei­chen wol­len.

Ihnen gegen­über ste­hen die „Kata­stro­phen­po­li­ti­ker“ vor allem aus dem rech­ten Spek­trum, die die absurd hohe Sum­me ableh­nen und weder zah­len noch ver­han­deln wol­len. Für sie blei­ben die Deut­schen „auf dem Schlacht­feld unbe­siegt”. Einen neu­en Krieg wegen Repa­ra­tio­nen und Kriegs­schuld­fra­ge wür­den sie in Kauf neh­men.

Mehr schlecht als recht behal­ten die Erfül­lungs­po­li­ti­ker in wech­seln­den Koali­tio­nen im Reichs­tag die Ober­hand und ver­su­chen, wenigs­tens die diplo­ma­ti­sche Äch­tung Deutsch­lands am Kat­zen­tisch der Welt­po­li­tik durch Wohl­ver­hal­ten zu durchbrechen.

Januar 1923: Der Ruhrkampf beginnt

Die nächs­te Kata­stro­phe beginnt am Mor­gen des 11. Janu­ar 1923.
Unge­ach­tet des wack­li­gen inne­ren Frie­dens in Deutsch­land tut Frank­reich das, was schon lan­ge auf der Agen­da sei­ner Poli­ti­ker und Mili­tärs stand: Fran­zö­si­sche und bel­gi­sche Trup­pen beset­zen gemein­sam das Ruhr­ge­biet, das indus­tri­el­le Herz­stück der Republik.

Französische Truppen marschieren 1923 im Ruhrkampf in Essen ein und besetzen das Ruhrgebiet

Ein­zug fran­zö­si­scher Trup­pen in Essen, 1923
Von Bain News Ser­vice, publisher — Libra­ry of Con­gress Prints and Pho­to­graphs Divi­si­on Washing­ton, D.C.

Angeb­lich dient die Besat­zung dazu, den Repa­ra­ti­ons­for­de­run­gen Nach­druck zu ver­lei­hen — aber tat­säch­lich geht es wohl mehr dar­um, Deutsch­land mit dem Ruhr­ge­biet end­lich den Reiß­zahn zu zie­hen, der sie 1870 und 1914 zum gefähr­li­chen Kriegs­geg­ner Frank­reichs wer­den ließ.

Denn Koh­le und Erz aus dem Ruhr­pott haben Deutsch­land reich und mäch­tig gemacht — und gefähr­lich für sei­ne Nach­barn. Jetzt scheint für Frank­reich der rich­ti­ge Zeit­punkt gekom­men zu sein, um sich die­ser stän­di­gen Bedro­hung zu ent­le­di­gen. Außer­dem kann man in Frank­reich Koh­le und Stahl gra­tis selbst gut gebrauchen.

Hyperinflation 1923: Als das Geld wertlos wurde

Die Regie­rung unter Reichs­kanz­ler Cuno kann sich die frans­ö­si­sche Beset­zung des Ruhr­ge­bie­tes weder wirt­schaft­lich noch poli­tisch leis­ten und ruft die Bevöl­ke­rung zum pas­si­ven Wider­stand auf.

Der soge­nann­te Ruhr­kampf beginnt: weder Arbei­ter noch Ange­stell­te oder Beam­te sol­len mit den Fran­zo­sen zusam­men­ar­bei­ten; von Ber­lin aus wird ein Gene­ral­streik ange­ord­net, um zu ver­hin­dern, dass sich Frank­reich aus den Zechen und Stahl­wer­ken des Ruhr­ge­biets bedient.

Um die Kos­ten die­ses Streiks finan­zie­ren zu kön­nen — die Löh­ne der strei­ken­den Arbei­ter, Ange­stell­ten und Beam­ten müs­sen bezahlt wer­den -, set­zen Cuno und sein Exper­ten-Kabi­nett auf ein alt­be­währ­tes Mit­tel, das man bereits zu Kai­sers Zei­ten genutzt hat, um liqui­de zu blei­ben: Man druckt ein­fach fri­sches Geld.

Ein ein­fa­cher Plan.
Fri­sches Geld ohne Gegen­wert. Es wird der bereits ange­schla­ge­nen deut­schen Nach­kriegs-Wirt­schaft den Rest geben.

Denn aus der bereits vor­han­de­nen Infla­ti­on wird durch das unge­brems­te Geld­dru­cken im Lau­fe des Jah­res eine Hyper­in­fla­ti­on — die schon vor­her geschwäch­te Gold­mark fällt ins Boden­lo­se.

Das Geld ist bald das Papier nicht mehr wert, auf dem es gedruckt wird. Es als Klo­pa­pier zu benut­zen ist güns­ti­ger, als sich Klo­pa­pier davon zu kaufen.

Mieterhöhung während der Hyperinflation 1923: Explodierende Preise in der Weimarer Republik nach dem Ruhrkampf

Miet­erhö­hung wäh­rend der Zeit der Hyper­in­fla­ti­on: Von 579,50 Mark (31. Sep­tem­ber 1922) auf 9004 Mark (1. April 1923) und schließ­lich auf 154.913.000 Mark (2. Okto­ber 1923).
Foto: Agen­tur für Bildbiographie 

Ein Stück But­ter kos­tet zeit­wei­se meh­re­re Mil­lio­nen, wer Brot oder Milch kau­fen will, trans­por­tiert sei­ne fast wert­lo­sen Geld­bün­del mit Schub­kar­ren zum nächs­ten Ein­kaufs­la­den.

Am Zahl­tag fan­gen Frau­en und Kin­der die Väter an den Fabrik­to­ren ab und ren­nen mit dem Lohn zum nächs­ten Krä­mer, um schnell alles aus­zu­ge­ben, bevor sich ein paar Stun­den spä­ter die Prei­se wei­ter ver­viel­facht haben.

Angst, Hunger und Radikalisierung der Gesellschaft

Noch mehr Hun­ger, Armut und Elend sind die Fol­gen des Ruhr­kampfs — und tref­fen eine Bevöl­ke­rung, die bereits im Ers­ten Welt­krieg uner­mess­lich gelit­ten hat.

Fünf Jah­re nach dem Kriegs­en­de scheint sich für die Deut­schen nichts ver­bes­sert zu haben. Statt Hoff­nung wächst das Gefühl, in die nächs­te Kata­stro­phe zu tau­meln. Vie­le Men­schen haben längst das Ver­trau­en in Poli­tik, Wirt­schaft und Zukunft verloren.

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Buch Deutschland 1923 Das Jahr am Abgrund von Volker Ullrich über Hyperinflation Ruhrkampf und politische Krisen der Weimarer Republik

Am Abgrund

Hyper­in­fla­ti­on, Ruhr­kampf, Hit­ler­putsch und poli­ti­sche Gewalt: Vol­ker Ull­rich erzählt das Kri­sen­jahr 1923 span­nend wie einen Thril­ler — und zeigt, wie nah Deutsch­land damals am Abgrund stand.

Ein fas­zi­nie­ren­der Blick auf ein Jahr vol­ler Angst, Radi­ka­li­sie­rung und extre­mer gesell­schaft­li­cher Span­nun­gen, die bis heu­te erstaun­lich aktu­ell wirken.

Der Ruhr­kampf zehrt nicht nur an den letz­ten Kräf­ten der Deut­schen, immer mehr setzt sich auch der Ein­druck durch, dass er weder zu gewin­nen noch zu finan­zie­ren ist. Die Mark ver­liert buch­stäb­lich stünd­lich an Wert.

Die fran­zö­si­schen Besat­zer zei­gen sich davon wenig beein­druckt.
Weil deut­sche Arbei­ter strei­ken, wer­den fran­zö­si­sche Berg­leu­te ins Ruhr­ge­biet gebracht, die unter mili­tä­ri­schem Schutz Koh­le und Roh­stof­fe nach Frank­reich trans­por­tie­ren. Für vie­le Deut­sche wird die Besat­zung damit end­gül­tig zum Sym­bol natio­na­ler Demü­ti­gung.

Die jun­ge Demo­kra­tie gerät immer stär­ker unter Druck.
Streiks, Plün­de­run­gen und Hun­ger­un­ru­hen erschüt­tern das Land. Rech­te Poli­ti­ker, Unter­neh­mer und Mili­tärs spre­chen offen über die Errich­tung einer „natio­na­len Dik­ta­tur“ und begin­nen bereits mit kon­kre­ten Pla­nun­gen für einen Umsturz­ver­such am 9. Novem­ber. Gleich­zei­tig über­le­gen auch die Kom­mu­nis­ten, ob die Zeit für eine Revo­lu­ti­on gekom­men ist — zögern jedoch noch.

Sta­lin, mitt­ler­wei­le mäch­ti­ger Gene­ral­se­kre­tär der rus­si­schen KP und Mit­glied der „Troi­ka“, einem Drei­er­gre­mi­um, das die Regie­rungs­ge­schäf­te für den tod­kran­ken Lenin über­nom­men hat, hält Deutsch­land noch nicht reif für eine Revo­lu­ti­on und mahnt zum Abwarten:


„ … Wenn heu­te in Deutsch­land die Macht sozu­sa­gen stürzt und die Kom­mu­nis­ten sie auf­he­ben, dann wer­den sie mit Pau­ken und Trom­pe­ten schei­tern. Im bes­ten Fal­le. Im schlech­tes­ten wird man sie in Stü­cke hau­en und weit zurück­wer­fen.“

Sta­lin, 1923


Stalins Hoffnung auf eine „zweite proletarische Revolution“

Im August 1923, ein hal­bes Jahr nach Beginn des Ruhr­kampfs, ist Reichs­kanz­ler Wil­helm Cuno mit sei­ner „Regie­rung der Wirt­schaft“ poli­tisch am Ende.

Mas­sen­pro­tes­te erschüt­tern das Land, die Hyper­in­fla­ti­on gerät völ­lig außer Kon­trol­le und das Ver­trau­en der Bevöl­ke­rung in Staat und Demo­kra­tie zer­bricht immer schnel­ler. Schließ­lich tre­ten Cuno und sein gesam­tes Kabi­nett geschlos­sen zurück.

In Mos­kau ver­folgt man die Ent­wick­lung mit gro­ßer Auf­merk­sam­keit.
Die Lage in Deutsch­land hat sich durch den zer­mür­ben­den Ruhr­kampf und den Absturz der Mark der­art ver­schärft, dass Gri­go­rij Sino­wjew, Vor­sit­zen­der der Kom­mu­nis­ti­schen Inter­na­tio­na­le (Kom­in­tern) und Mit­glied der sowje­ti­schen „Troi­ka“, glaubt, die „zwei­te, wirk­li­che pro­le­ta­ri­sche Revo­lu­ti­on“ ste­he unmit­tel­bar bevor.

Eine kom­mu­nis­ti­sche Revo­lu­ti­on in Deutsch­land käme der Sowjet­uni­on äußerst gele­gen.
Sechs Jah­re nach der Okto­ber­re­vo­lu­ti­on ist das Land selbst bit­ter­arm, vom Bür­ger­krieg gezeich­net und wirt­schaft­lich erschöpft. Lenin liegt nach meh­re­ren Schlag­an­fäl­len im Ster­ben, wäh­rend Sta­lin, Sino­wjew und Kamen­ew unter enor­mem Druck ste­hen, die rück­stän­di­ge Sowjet­uni­on zwi­schen „Kaker­la­ken und Iko­nen“ end­lich ins indus­tri­el­le Zeit­al­ter zu füh­ren.

Eine kom­mu­nis­ti­sche Revo­lu­ti­on in Deutsch­land wür­de bedeu­ten, die nach wie vor mäch­tigs­te Indus­trie­na­ti­on des Kon­ti­nents in die Sphä­re der Kom­mu­nis­ti­sche Inter­na­tio­na­le zu brin­gen.

Es wäre ein enor­mer Schub für die sowje­ti­sche Indus­tria­li­sie­rung und man hofft, dass danach auch ande­re west­eu­ro­päi­sche Staa­ten dem deut­schen Bei­spiel fol­gen und wie Domi­no­stei­ne in Rich­tung Welt­re­vo­lu­ti­on kip­pen.

Nach­dem sich die Lage in Deutsch­land durch den Rück­tritt der Regie­rung dra­ma­tisch zuge­spitzt hat, beginnt man des­halb in gro­ßer Eile mit den Vor­be­rei­tun­gen für einen kom­mu­nis­ti­schen Umsturz, der für den his­to­ri­schen 9. Novem­ber geplant ist, aber als „Deut­scher Okto­ber“ bezeich­net wird.

Ende August 1923 setzt die KPD mit „Unter­stüt­zung” sowje­ti­scher Mili­tär­be­ra­ter ein Revo­lu­ti­ons­ko­mi­tee ein, im Sep­tem­ber reist eine Dele­ga­ti­on deut­scher Revo­lu­tio­nä­re zu wei­te­ren Bespre­chun­gen nach Mos­kau.

Die Erwar­tun­gen der Kom­in­tern an die deut­schen Genos­sen sind riesig.

Die KPD steht so unter Erfolgs­druck, dass sich KPD-Chef Hein­rich Brand­ler bei sei­ner Visi­te in Mos­kau zu der Bemer­kung hin­rei­ßen lässt, „jeder Thü­rin­ger Arbei­ter hat ein Gewehr hin­term Ofen ste­hen” und sei bereit für die Revo­lu­ti­on.

253.000 deut­sche Kom­mu­nis­ten stün­den zum Kampf bereit, Waf­fen sei­en genü­gend vor­han­den, im Lau­fe von 6 bis 8 Wochen könn­ten fünf­zehn rote Divi­sio­nen gebil­det wer­den.
Er irrt sich.


„ … Ent­we­der schei­tert die Revo­lu­ti­on in Deutsch­land und erschlägt uns, oder die Revo­lu­ti­on gelingt dort, alles läuft gut, und unse­re Lage ist gesi­chert.“

Sta­lin, 1923


Gustav Stresemann und die Rettung der Republik

Als das Cha­os am größ­ten ist, die Wei­ma­rer Repu­blik sowohl wirt­schaft­lich als auch poli­tisch kurz vor ihrem Kol­laps steht und rechts und links eif­rig Umsturz­plä­ne geschmie­det wer­den, tritt Gus­tav Stre­se­mann sein Amt als neu­er Reichs­kanz­ler an.

Im Welt­krieg war Stre­se­mann noch ein über­zeug­ter Mon­ar­chist, mitt­ler­wei­le ist er Ver­nunft­re­pu­bli­ka­ner und Versöhner.

Gustav Stresemann beim Gartenfest für ausländische Journalisten 1923 während der Krise der Weimarer Republik

Gar­ten­fest für Ver­tre­ter der Aus­län­di­schen Pres­se beim Reichs­kanz­ler Dr. [Gus­tav] Stre­se­mann. Der Reichs­kanz­ler inmit­ten aus­län­di­scher Jour­na­lis­ten.
Von Bun­des­ar­chiv, Bild 102–00169 / CC-BY-SA 3.0

Er macht sich zunächst (fast) alle Par­tei­en und Par­la­men­ta­ri­er zum Feind, als er am 26. Sep­tem­ber den Abbruch des rui­nö­sen „Ruhr­kampfs“ ver­kün­det.

Außer­dem wagt Stre­se­mann es, den Abwärts­stru­del der von vie­len unge­lieb­ten Wei­ma­rer Repu­blik zu durch­bre­chen: Mit sei­ner Gro­ßen Koali­ti­on aus SPD, DDP, Zen­trum und DVP berei­tet er eine Wäh­rungs­re­form vor, die im Novem­ber 1923 in Kraft tritt.


Kompromissbereitschaft als Tugend

… Unter Prin­zi­pi­en­rei­tern galt Kom­pro­miss­be­reit­schaft nicht als Tugend, son­dern als Schwä­che, Stre­se­mann hin­ge­gen mach­te sie zu sei­ner Lei­den­schaft. Per­sön­lich eher kon­ser­va­tiv, zähl­te er zu den ‘Ver­nunft­re­pu­bli­ka­nern’, die dem Plu­ra­lis­mus viel abge­wan­nen, auch wenn ihr Herz eher für die Mon­ar­chie schlug.

Ele­gant und prag­ma­tisch waren sei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men. Der ‘Stre­se­mann’ genann­te Look — gestreif­te Hose, schwar­zes Jackett, Wes­te, hoch­ge­schla­ge­ner Hemd­kra­gen — ersetz­te den abend­li­chen Wech­sel zwi­schen Büro­an­zug und fest­li­chem Cut: Man konn­te gleich vom Amt zum Emp­fang eilen. Stre­se­mann lieb­te es, fest­ge­fah­re­ne Fron­ten auf­zu­lö­sen, indem er sich in einen Gegen­spie­ler hin­ein­ver­setz­te, des­sen Sicht­wei­se teil­te und mit der eige­nen abglich. Für die Mili­ta­ris­ten galt schon das als Hoch­ver­rat … “


Aus: Harald Jäh­ner, Höhen­rausch: Das kur­ze Leben zwi­schen den Krie­gen*


Der Deutsche Oktober 1923

Nur drei­ein­halb Mona­te bleibt Gus­tav Stre­se­mann Reichs­kanz­ler — doch in die­ser kur­zen Zeit gelingt ihm etwas, wor­an vie­le sei­ner Vor­gän­ger geschei­tert sind: Er bringt die schwer erschüt­ter­te Repu­blik zumin­dest vor­läu­fig wie­der in ruhi­ge­res Fahr­was­ser. Mit dem Abbruch des rui­nö­sen Ruhr­kampfs und der Vor­be­rei­tung der Wäh­rungs­re­form stoppt sei­ne Regie­rung den wirt­schaft­li­chen Absturz Deutsch­lands.

Nach sei­nem Rück­tritt als Reichs­kanz­ler bleibt Stre­se­mann bis zu sei­nem Tod 1929 Außen­mi­nis­ter in allen fol­gen­den Kabi­net­ten. Mit gro­ßem diplo­ma­ti­schem Geschick bemüht er sich um die Aus­söh­nung mit den ehe­ma­li­gen Kriegs­geg­nern des Ers­ten Welt­kriegs. Für sei­ne Ver­stän­di­gungs­po­li­tik erhält er 1926 gemein­sam mit dem fran­zö­si­schen Außen­mi­nis­ter Aris­ti­de Bri­and den Frie­dens­no­bel­preis.

Das ist die gute Nach­richt.

Die schlech­te ist: Obwohl der Ruhr­kampf been­det ist, bleibt die poli­ti­sche Lage in Deutsch­land explo­siv.
Die SPD kann sich nicht ent­schei­den, ob sie staats­tra­gend oder revo­lu­tio­när sein will und die rechts­kon­ser­va­ti­ve baye­ri­sche Staats­re­gie­rung putscht.

Die baye­ri­sche Staats­re­gie­rung ernennt Gus­tav Rit­ter von Kahr, den ehe­ma­li­gen Minis­ter­prä­si­den­ten und Regie­rungs­prä­si­den­ten von Ober­bay­ern, zum „Gene­ral­staats­kom­mis­sar“ mit weit­rei­chen­den Son­der­voll­mach­ten. Kahr und sei­ne Unter­stüt­zer lieb­äu­geln offen mit einem auto­ri­tä­ren Umsturz und einem „Marsch auf Ber­lin“ — nach dem Vor­bild von Beni­to Mus­so­li­nis erfolg­rei­chem faschis­ti­schen Marsch auf Rom im Jahr zuvor.

Reichs­prä­si­dent Fried­rich Ebert reagiert alar­miert und ver­hängt den Aus­nah­me­zu­stand über Deutsch­land.

Gleich­zei­tig kommt es in Sach­sen und wenig spä­ter auch in Thü­rin­gen zu einem poli­ti­schen Tabu­bruch: Dort tritt die KPD erst­mals in SPD-geführ­te Lan­des­re­gie­run­gen ein. Offi­zi­ell geschieht dies als „repu­bli­ka­nisch-pro­le­ta­ri­sche Ver­tei­di­gung“ gegen die dro­hen­de Gefahr eines rech­ten Put­sches aus Bay­ern.

Vor allem die lin­ken Sozi­al­de­mo­kra­ten in Sach­sen und Thü­rin­gen hof­fen, gemein­sam mit den Kom­mu­nis­ten end­lich die tie­fe Spal­tung der Arbei­ter­be­we­gung über­win­den zu kön­nen. Nach Jah­ren gegen­sei­ti­ger Feind­schaft träu­men vie­le von einer gemein­sa­men Front gegen Natio­na­lis­ten, Mili­ta­ris­ten und Put­schis­ten.

Doch hin­ter den Kulis­sen ver­folgt die KPD längst eige­ne revo­lu­tio­nä­re Ziele.

Die Revolution wird abgeblasen

Wäh­rend die Sozi­al­de­mo­kra­ten in Sach­sen und Thü­rin­gen auf ein fried­li­che­res Mit­ein­an­der mit der KPD als Regie­rungs­frak­ti­on hof­fen, treibt die KPD ein dop­pel­tes Spiel.

Für sie ist die Regie­rungs­be­tei­li­gung in bei­den Län­dern ein wich­ti­ger Bau­stein in ihren Pla­nun­gen für die Welt­re­vo­lu­ti­on, denn als Regie­rungs­par­tei kön­nen sie — so die Erwar­tung — noch mehr Arbei­ter für den „Deut­sche Okto­ber” und damit für die zwei­te, wirk­lich pro­le­ta­ri­sche Revo­lu­ti­on in Deutsch­land mobi­li­sie­ren.
(Als ers­te Revo­lu­ti­on gilt die — geschei­ter­te — Novem­ber­re­vo­lu­ti­on 1918.)

Hamburger Aufstand 1923 mit Barrikadenkämpfen in Barmbek während des kommunistischen KPD-Aufstands

1923: Ham­burg auf den Bar­ri­ka­den.
Mehr lesen: Sta­lin und Thälmann

Aber es kommt anders.
Stre­se­mann und Ebert schi­cken die Reichs­wehr, die am 20. Okto­ber in Sach­sen, eini­ge Tage spä­ter auch in Thü­rin­gen ein­mar­schiert.

Per „Reichs­exe­ku­ti­onwer­den bei­de rot-rote Län­der­par­la­men­te auf­ge­löst und alle kom­mu­nis­ti­schen Lan­des­mi­nis­ter ihrer Ämter ent­ho­ben.
Bei den fol­gen­den Demons­tra­tio­nen kommt es zu Stra­ßen­schlach­ten; es gibt meh­re­re Dut­zend Tote und Verletzte.

Das sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Hin und Her — mit den Kom­mu­nis­ten in den Län­dern, gegen sie in Ber­lin — nimmt die KPD den Sozi­al­de­mo­kra­ten aus­ge­spro­chen übel. Mit fata­len Fol­gen für den wei­te­ren Lauf der Geschich­te.

Doch zunächst wird als Reak­ti­on eine kom­mu­nis­ti­sche Betriebs- und Arbei­ter­kon­fe­renz ein­be­ru­fen, die den mona­te­lang geplan­ten „deut­schen Okto­ber” jetzt end­gül­tig ein­läu­ten und zum bewaff­ne­ten Kampf auf­ru­fen soll.

Womit aller­dings nie­mand gerech­net hat: Die Revo­lu­tio­nä­re sind müde.
Oder ein­ge­schüch­tert durch das har­te Vor­ge­hen Eberts und Stre­se­manns in Thü­rin­gen und Sach­sen.

Denn anders als von KPD-Chef Hein­rich Brand­ler behaup­tet, sind die „Pro­le­ta­ri­schen Hun­dert­schaf­ten“ nicht zum bewaff­ne­ten Wider­stand gegen die Reichs­re­gie­rung bereit, sie wol­len nicht ein­mal strei­ken. Die Mehr­heit der 450 Dele­gier­ten ent­schei­det sich gegen jeg­li­che Aktio­nen.

Die Revo­lu­ti­on wird abge­bla­sen.

Nur in Ham­burg erfährt man nichts davon und geht auf die Bar­ri­ka­den.
Für kur­ze Zeit gibt es eine Sowjet­re­pu­blik Stor­marn und in Barm­bek Straßenschlachten.

Mehr lesen:

1923. Fünf Jah­re sind seit dem Ende des Welt­krie­ges ver­gan­gen, aber Deutsch­land kommt nicht zur Ruhe. In Ham­burg üben die Kom­mu­nis­ten Welt­re­vo­lu­ti­on und für weni­ge Stun­den gibt es eine „Sowjet­re­pu­blik Stor­marn“. Ernst Thäl­mann, Ham­burgs cha­ris­ma­ti­scher KPD-Füh­rer, bringt sich für sei­ne wei­te­re Kar­rie­re in Stel­lung, Sta­lin, Hit­ler und die berüch­tig­te “Sozi­al­fa­schis­mus­theo­rie” mischen auch mit.
Ham­burg auf den Barrikaden

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Buch- und Filmempfehlungen

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TV-Serie „Krieg der Träume“ über Europa zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg

Genia­les Doku-Dra­ma über die Zwi­schen­kriegs­zeit 1918–1939

Als ich die­se Serie ent­deckt habe, konn­te ich nicht mehr auf­hö­ren zu gucken! Sie erzählt die Zwi­schen­kriegs­zeit nicht aus der Sicht von Poli­ti­kern, son­dern direkt aus dem Leben ech­ter Men­schen der dama­li­gen Zeit.
Kei­ne Theo­rie, son­dern ihre Zie­le, Träu­me und Lebens­um­stän­de direkt und haut­nah. Mein Tipp für alle, die sich für Geschich­te inter­es­sie­ren und mehr über die­se Zeit wis­sen wol­len.

Auch als Prime Video*


Höhenrausch – Das kurze Leben zwischen den Kriegen von Harald Jähner, Buch über die Weimarer Republik und die 1920er Jahre

Das kur­ze auf­re­gen­de Leben in der Wei­ma­rer Republik

Der Tanz auf dem Vul­kan zwi­schen Auf­bruch und Unter­gang. Ein groß­ar­tig und span­nend geschrie­be­nes Pan­ora­ma einer Zeit, in der alles neu war: Demo­kra­tie, Kör­per­kult, Lie­be, Archi­tek­tur, Mode, Eman­zi­pa­ti­on und vie­les mehr. Sehr lesens- bzw. hörenswert!


Buchcover „Schicksalsstunden einer Demokratie“ von Volker Ullrich über das Scheitern der Weimarer Republik

Von Wei­mar bis heute

Die Wei­ma­rer Repu­blik schei­ter­te nicht an einem ein­zi­gen Tag, son­dern an Angst, Radi­ka­li­sie­rung und poli­ti­schen Fehl­ent­schei­dun­gen.

Der His­to­ri­ker Vol­ker Ull­rich beschreibt sehr lesens­wert, wie Demo­kra­tien ins Wan­ken gera­ten – und war­um die Par­al­le­len zur Gegen­wart so beklem­mend sind. Ein hoch­ak­tu­el­les Buch über die Fra­ge, wie Gesell­schaf­ten ihre Frei­heit verlieren.


Buch „Im Rausch des Aufruhrs“ über Hyperinflation und Krisenjahr 1923 in Deutschland

1923: Das Jahr, in dem Deutsch­land den Boden unter den Füßen verlor

Im Febru­ar 1923 kos­tet ein Brot 2200 Mark, eine Schrip­pe 90 Mark und ein Stück Blech­ku­chen 150 Mark.

Im Rausch des Auf­ruhrs — Deutsch­land 1923 macht das Jahr des Ruhr­kampfs, der Hyper­in­fla­ti­on und der Umsturz­ver­su­che von Rechts und Links greif­bar. Man liest gebannt von Monat zu Monat — bis zum Brot­preis von 399 Mili­ar­den Mark. Sehr lesenswert!


Buchcover von „1918 – Die Welt im Fieber“ über die Spanische Grippe und ihre gesellschaftlichen Folgen

Eine Pan­de­mie, die die Welt veränderte

Die Spa­ni­sche Grip­pe for­der­te mehr Todes­op­fer als der Ers­te Welt­krieg – und geriet den­noch lan­ge fast in Ver­ges­sen­heit.

Lau­ra Spin­ney erzählt span­nend, wie die Pan­de­mie von 1918 Gesell­schaft, Poli­tik und Den­ken ver­än­der­te – und war­um ihre Geschich­te heu­te so aktu­ell ist. Span­nend wie ein Thril­ler und gleich­zei­tig ein Schlüs­sel zum Ver­ständ­nis moder­ner Krisenzeiten.


Weiterführende Beiträge Geschichte des 20. Jahrhunderts

In den 1920er Jah­ren wird die Mode nicht nur trag- und tanz­ba­rer, son­dern auch demo­kra­ti­scher.
Mit Strumpf­ho­sen aus Kunst­sei­de und ande­ren neue Mate­ria­li­en wie Kunst­wol­le und Vis­ko­se konn­ten sich auch Frau­en mit klei­nem Geld­beu­tel modi­sche Klei­dung leis­ten. Die span­nen­de Geschich­te der Mode zwi­schen 1900 bis 1930 als Spie­gel ihrer Zeit
Hum­pel­rock und Vater­mör­der: Die Geschich­te der Mode von 1900 bis 1930

Oft reicht das Gerücht, eine Bank wäre duch Akti­en­ver­lus­te in Schief­la­ge gera­ten — und die Spa­rer ste­hen Schlan­ge, um ihr Erspar­tes zu ret­ten. Nach dem Bör­sen­krach an der Wall Street am 24. Okto­ber 1929 kommt die Plei­te­wel­le von Ban­ken und Unter­neh­men und schließ­lich die schlimms­te Welt­wirt­schafts­kri­se seit Men­schen­ge­den­ken.
Der „Schwar­ze Frei­tag“: Vom Bör­sen­krach zur Weltwirtschaftskrise

Pan­de­mie: Mit einem Trup­pen­trans­por­ter reist ein neu­ar­ti­ges Influ­en­za-Virus aus den USA zu den Schlacht­fel­dern des 1. Welt­kriegs, ver­brei­tet sich in rasen­der Geschwin­dig­keit und beginnt in den Jah­ren 1918 und 1919 sei­nen Todes­marsch rund um die Welt.
Das gro­ße Ster­ben: Die Spa­ni­sche Grip­pe 1918/19

Ame­ri­kas kran­ke Prä­si­den­ten: Wil­son, Roo­se­velt, Ken­ne­dy – vie­le ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­den­ten waren so krank, dass sie eigent­lich nicht mehr in der Lage waren, die Amts­ge­schäf­te fort­zu­füh­ren. Aber das hat man in der Öffent­lich­keit immer erst hin­ter­her erfah­ren.
Ame­ri­kas kran­ke Präsidenten

Krieg als „rei­ni­gen­des Gewit­ter”? Für Wil­helm II. gibt es gute Grün­de, war­um sich die Deut­schen nach der Ermor­dung des öster­rei­chisch-unga­ri­schen Thron­fol­ger­paars an einem „Denk­zet­tel für Ser­bi­en“ betei­li­gen sol­len. Ist das deut­sche Kai­ser­reich des­we­gen schuld am 1. Welt­krieg, der „Urka­ta­stro­phe des 20. Jahr­hun­derts”?
Ein Platz an der Son­ne oder: Wil­helm, das Großmaul

Die rus­si­sche Revo­lu­ti­on: Ios­seb Wis­sa­ri­o­no­witsch Dschu­g­aschwi­li, genannt Sta­lin, gilt neben Adolf Hit­ler als einer der grau­sams­ten Dik­ta­to­ren in der Geschich­te der Mensch­heit. Als Lenins „Mann fürs Gro­be“ beginnt er sei­ne Kar­rie­re mit Intel­li­genz und Skru­pel­lo­sig­keit. Durch men­schen­ver­ach­ten­de Här­te wird er ab 1924 zum all­mäch­ti­gen KP-Gene­ral­se­kre­tär, zum gefürch­te­ten Allein­herr­scher über die Sowjet­uni­on und zum Dik­ta­tor mit welt­wei­tem “Sen­dungs­be­wusst­sein”.
Wer war eigent­lich Sta­lin? Teil 1


Bild­nach­wei­se

Tho­mas Wood­row Wil­son, Har­ris & Ewing, 1919 – gemein­frei
Quel­le: Wiki­me­dia Com­mons – Har­ris & Ewing (Public Domain)
Wil­helm Cuno (links) mit Reichs­prä­si­dent Ebert bei der Ver­fas­sungs­fei­er vor dem Reichs­tag (1923). Von Bun­des­ar­chiv, Bild 146‑1973-076–58 / CC-BY-SA 3.0

Ein­zug fran­zö­si­scher Trup­pen in Essen, 1923, Von Bain News Ser­vice, publisher — Libra­ry of Con­gress Prints and Pho­to­graphs Divi­si­on Washing­ton, D.C., Gemein­frei
Miet­erhö­hung wäh­rend der Zeit der Hyper­in­fla­ti­on nach der fran­zö­si­schen Besetzng des Ruhr­ge­biets im Janu­ar 1923: Von 579,50 Mark (31. Sep­tem­ber 1922) auf 9004 Mark (1. April 1923) und schließ­lich auf 154.913.000 Mark (2. Okto­ber 1923). Agen­tur für Bild­bio­gra­phie
Gar­ten­fest für Ver­tre­ter der Aus­län­di­schen Pres­se beim Reichs­kanz­ler Dr. [Gus­tav] Stre­se­mann. Der Reichs­kanz­ler inmit­ten aus­län­di­scher Jour­na­lis­ten. Von Bun­des­ar­chiv, Bild 102–00169 / CC-BY-SA 3.0
Ver­haf­tung eines Mit­glieds der Pro­le­ta­ri­schen Hun­dert­schaf­ten durch Reichswehr-Truppen.Bundesarchiv, Bild 102–00191 / CC-BY-SA 3.0


Generationengespräch

Geschich­te und Psy­cho­lo­gie
Ver­gan­ge­nes ver­ste­hen, um mit der Zukunft bes­ser klar zu kommen.


Geschichte und Psychologie Vergangenheit verstehen um mit der Zukunft besser klar zu kommen
Dr. Susanne Gebert

Gene­ra­tio­nen­ge­spräch
Agen­tur für Bild­bio­gra­phien
Geschen­ke made for Mama

Geschich­te & Psy­cho­lo­gie
Die Ver­gan­gen­heit ver­ste­hen, um mit der Zukunft bes­ser klar zu kommen

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Susan­ne Autorin bei Gene­ra­tio­nen­ge­spräch & Agen­tur für Bildbiographien
Dr. Susan­ne Gebert schreibt über Psy­cho­lo­gie, Fami­li­en­ge­schich­te und emo­tio­na­le Prä­gun­gen. In ihrem Blog „Gene­ra­tio­nen­ge­spräch“ zeigt sie, wie unse­re Kind­heit uns formt – und wie wir uns von alten Mus­tern lösen können. 

2 Kommentare zu „1923: Ruhrkampf, Hyperinflation und Revolution“

  1. Max Rudolf Schneider

    Hal­lo Susanne,
    die “Gold­mark” war schon seit 1914 nicht mehr durch Gold gedeckt und hieß ganz ein­fach Reichs­mark, sie­he auch den Wiki­pe­dia-Arti­kel zur Rentenmark:
    “1914 war die Gold­de­ckung jedoch auf­ge­ho­ben wor­den; aus der „Gold­mark“ wur­de die Papiermark.”
    Inter­es­sant auch daß alle drei Wäh­run­gen (Gold­mark, Reichs­mark und Ren­ten­mark) bis zur Wäh­rungs­re­form 1948 par­al­lel wei­ter exis­tier­ten, nur ab Kriegs­en­de noch ergänzt durch die “Ziga­ret­ten­wäh­rung”.
    Also alles schon mal da gewe­sen wenn man nun von Bit­co­in und digi­ta­len Zen­tral­bank­wäh­run­gen CBCD spricht.
    In Gold­mark wird ja noch bis heu­te der Ver­si­che­rungs­wert von Gebäu­den im ehe­ma­li­gen West­deutsch­land angegeben.
    Bin ges­tern durch Zufall auf Dei­ne Web­sei­ten gestos­sen und aus dem Lesen nicht mehr her­aus gekom­men. Es ist das Bes­te zu Poli­tik und Psy­cho­lo­gie was ich bis­her gese­hen habe. 

    Vie­len Dank und freund­li­che Grüße
    Max Rudolf Schneider

    1. Lie­ber Max Rudolf, herz­li­chen Dank für dei­ne Ergän­zun­gen — und dein Lob! 🙂 Für Kor­rek­tu­ren und Ergän­zun­gen brau­che ich mei­ne Lese­rin­nen und Leser, des­halb an die­ser Stel­le ganz, ganz lie­ben Dank für die­sen (und alle ande­ren) Kommentar/e, die das Bild schär­fen. Uns alle eint das Wis­sen, dass Geschich­te eben nicht aus drö­gen Fak­ten und Zah­len besteht, son­dern von Men­schen aus Fleisch und Blut ‘gemacht’ wird. Also auch von uns. Denn: Wer aus sei­ner Geschich­te nicht lernt, ist gezwun­gen, sie zu wie­der­ho­len. Und das muss in vie­len Fäl­len nicht sein … Herz­li­chen Dank und lie­be Grü­ße Susanne

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