Vom Ruhrkampf zum Deutschen Oktober

Ein­zug fran­zö­si­scher Trup­pen in Essen, 1923, Von Bain News Ser­vice, publisher — Libra­ry of Con­gress Prints and Pho­to­graphs Divi­si­on Washing­ton, D.C., Gemein­frei

1923. Reichs­kanz­ler Wil­helm Cuno und sei­ne “Regie­rung der Wirt­schaft” ver­su­chen, die Fran­zo­sen aus dem Ruhr­ge­biet zu ver­trei­ben und las­sen dafür Geld dru­cken. Sehr viel Geld. Mit kata­stro­pha­len Fol­gen für die gebeu­tel­te Wei­ma­rer Repu­blik. Es scheint nur noch eine Fra­ge der Zeit bis zum Kol­laps zu sein. Bis zum rech­ten oder lin­ken Kol­laps, das ist auch noch nicht so ganz klar …

Lesen Sie im vor­her­ge­hen­den Bei­trag: Ver­dun ist eine klei­ne Stadt ohne gro­ße Bedeu­tung. Eigent­lich ist sie kaum der Rede wert. Doch dann beginnt am Mor­gen des 21. Febru­ar 1916 die deut­sche Ope­ra­ti­on „Gericht“ und lässt die beschau­li­che Klein­stadt Ver­dun — wie 27 Jah­re spä­ter auch Sta­lin­grad — zum Syn­onym für die Grau­sam­keit und Sinn­lo­sig­keit von Krie­gen wer­den.
Vor 100 Jah­ren: Die Höl­le von Ver­dun

Der Ham­mer fällt im Janu­ar 1921: 269 Mil­li­ar­den Gold­mark, das sind umge­rech­net rund 1 Bil­li­on Euro, for­dern die Alli­ier­ten von Deutsch­land als Repa­ra­ti­ons­zah­lung für den ver­lo­re­nen Krieg.

Sogar die Bri­ten hal­ten die­se Bedin­gung des Ver­sail­ler Ver­trags für zu hart, kön­nen sich aber gegen die Fran­zo­sen nicht durch­set­zen. Der drit­te gro­ße Kriegs­geg­ner des unter­ge­gan­ge­nen deut­schen Kai­ser­reichs, die USA, hat von den euro­päi­schen Que­re­len genug und zieht sich nach und nach aus dem poli­ti­schen Cha­os, in das sich „good old euro­pe“ manö­vriert hat, zurück.


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In Deutsch­land bricht Streit aus. Wie in die­ser Zeit üblich eska­liert er schnell und stellt alles in Fra­ge.

Auf der einen Sei­te ste­hen die soge­nann­ten „Erfül­lungs­po­li­ti­ker“ – Ver­tre­ter des libe­ra­len bis lin­ken Spek­trums (SPD, Zen­trum, DDP) –, die das Unmög­li­che tun und die immens hohe Schul­den­last beglei­chen wol­len.
Auf der ande­ren Sei­te gibt es die „Kata­stro­phen­po­li­ti­ker“ vor allem aus dem rech­ten Spek­trum, die die absurd hohe Sum­me ableh­nen und weder zah­len noch ver­han­deln wol­len. Deutsch­land ist und bleibt für sie auf dem Schlacht­feld unbe­siegt, einen neu­en Krieg wür­den sie in Kauf neh­men.

Mehr schlecht als recht behal­ten Erfül­lungs­po­li­ti­ker in wech­seln­den Koali­tio­nen im Reichs­tag die Ober­hand und ver­su­chen, wenigs­tens die diplo­ma­ti­sche Äch­tung Deutsch­lands am Kat­zen­tisch der Welt­po­li­tik durch Wohl­ver­hal­ten zu durch­bre­chen.

1923: die Besetzung des RUhrgebiets

Wil­helm Cuno (links) mit Reichs­prä­si­dent Ebert bei der Ver­fas­sungs­fei­er vor dem Reichs­tag (1923). Von Bun­des­ar­chiv, Bild 146‑1973-076–58 / CC-BY-SA 3.0

Seit Novem­ber 1922 ist der HAPAG-Gene­ral­di­rek­tor Wil­helm Cuno als Reichs­kanz­ler an der Macht und bemüht sich mit sei­ner „Regie­rung der Wirt­schaft“, das Nach­kriegs­cha­os im Land und die ehe­ma­li­gen Kriegs­geg­ner Deutsch­lands in Schach zu hal­ten.

Das gelingt ihm nur mäßig.
Die Kata­stro­phe beginnt, als Frank­reich am 11. Janu­ar 1923 unge­ach­tet des wack­li­gen inne­ren Frie­dens in Deutsch­land das tut, was schon lan­ge auf der Agen­da fran­zö­si­scher Poli­ti­ker und Mili­tärs stand: Gemein­sam mit bel­gi­schen Trup­pen beset­zen die Fran­zo­sen das indus­tri­el­le Herz­stück Deutsch­lands, das Ruhr­ge­biet.

Angeb­lich dient die Besat­zung dazu, den Repa­ra­ti­ons­for­de­run­gen Nach­druck zu ver­lei­hen, aber eigent­lich hofft man, Deutsch­land mit dem Ruhr­ge­biet end­lich sei­nen Reiß­zahn zie­hen zu kön­nen. Koh­le und Erz aus dem Ruhr­pott haben Deutsch­land reich und mäch­tig gemacht  — und gefähr­lich für sei­ne Nach­barn, vor allem den „Erb­feind“ Frank­reich. Jetzt scheint den Fran­zo­sen ein güns­ti­ger Zeit­punkt zu sein, um sich die­ser stän­di­gen Bedro­hung zu ent­le­di­gen. Außer­dem kann man Koh­le und Stahl selbst gut gebrau­chen.

Ruhrkampf und Hyperinflation

Die Regie­rung unter Reichs­kanz­ler Cuno kann und will die Beset­zung des Ruhr­ge­bie­tes nicht hin­neh­men und ruft zum pas­si­ven Wider­stand auf, der soge­nann­te Ruhr­kampf beginnt.
Kein Arbei­ter, kein Ange­stell­ter, kein Beam­ter, kein Gewer­be­trei­ben­der und kein Unter­neh­mer soll mit den Besat­zern zusam­men­ar­bei­ten; ein Gene­ral­streik wird ange­ord­net, um zu ver­hin­dern, dass sich Frank­reich aus den Zechen und Stahl­wer­ken des Ruhr­ge­biets bedient.

Um die Kos­ten des Gene­ral­streiks finan­zie­ren zu kön­nen, set­zen Cuno und sein Exper­ten-Kabi­nett auf ein alt­be­währ­tes Mit­tel, das man bereits zu Kai­sers Zei­ten genutzt hat, um liqui­de zu blei­ben: Man druckt ein­fach fri­sches Geld.
Ein ein­fa­cher Plan. Er wird der ange­schla­ge­nen deut­schen Nach­kriegs-Wirt­schaft den Rest geben.


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Durch das unge­brems­te Geld­dru­cken wird aus der bereits galop­pie­ren­den Infla­ti­on im Lau­fe des Jah­res eine Hyper­in­fla­ti­on, die schon geschwäch­te Gold­mark fällt ins Boden­lo­se.
Das neu­ge­druck­te Geld ist bald das Papier nicht mehr wert, auf dem es steht. Ein Stück But­ter kos­tet zeit­wei­se meh­re­re Mil­lio­nen, wer Brot oder Milch kau­fen will, trans­por­tiert sei­ne fast wert­lo­sen Geld­bün­del mit Schub­kar­ren zum nächs­ten Krä­mer. Am Zahl­tag fan­gen Frau­en und Kin­der die Väter an den Fabrik­to­ren ab und ren­nen mit dem Lohn zum nächs­ten Laden, um schnell alles aus­zu­ge­ben, bevor sich ein paar Stun­den spä­ter die Prei­se wei­ter ver­viel­facht haben.

Miet­erhö­hung wäh­rend der Zeit der Hyper­in­fla­ti­on: Von 579,50 Mark (31. Sep­tem­ber 1922) auf 9004 Mark (1. April 1923) und schließ­lich auf 154.913.000 Mark (2. Okto­ber 1923). Foto: Agen­tur für Bild­bio­gra­phie


Hun­ger, Armut, Krank­hei­ten. Schon wäh­rend des 1. Welt­krie­ges litt die deut­sche Zivil­be­völ­ke­rung. Nur 5 Jah­re nach Kriegs­en­de hat sich nichts ver­bes­sert. Die Lage scheint aus­sichts­los zu sein und direkt in die nächs­te Kata­stro­phe zu füh­ren.

Reif für die Revolution?

Der Ruhr­kampf zehrt nicht nur an den letz­ten Kräf­ten der Deut­schen, mehr und mehr setzt sich der Ein­druck durch, dass der Ruhr­kampf zum einen nicht zu gewin­nen ist, zum ande­ren nicht zu finan­zie­ren. Das Geld ver­liert buch­stäb­lich stünd­lich an Wert. Man druckt neu­es.
Weil die deut­schen Arbei­ter im Ruhr­kampf strei­ken, kar­ren die Fran­zo­sen eige­ne Berg­leu­te her­an, die unter mili­tä­ri­schem Schutz die Koh­le aus den Zechen im Ruhr­ge­biet schau­feln und nach Frank­reich trans­por­tie­ren.

Streiks, Plün­de­run­gen und Hun­gerun­ru­hen erschüt­tern die jun­ge, von allen Sei­ten ange­fein­de­te Wei­ma­rer Repu­blik. Rech­te Poli­ti­ker, Mili­tärs und Unter­neh­mer den­ken über die Errich­tung einer „natio­na­len Dik­ta­tur“ nach.

Auch die Kom­mu­nis­ten den­ken nach, zögern aber noch. Josef W. Sta­lin, inzwi­schen Gene­ral­se­kre­tär der rus­si­schen KP und Mit­glied der „Troi­ka“, einem Dreier­gre­mi­um, das die Regie­rungs­ge­schäf­te für den tod­kran­ken Lenin über­nom­men hat, hält Deutsch­land noch nicht reif für eine Revo­lu­ti­on und mahnt zum Abwar­ten:

„Wenn heu­te in Deutsch­land die Macht sozu­sa­gen stürzt und die Kom­mu­nis­ten sie auf­he­ben, dann wer­den sie mit Pau­ken und Trom­pe­ten schei­tern. Im bes­ten Fal­le. Im schlech­tes­ten wird man sie in Stü­cke hau­en und weit zurück­wer­fen.“
Sta­lin, 1923

Die zweite, wirklich proletarische Revolution

Es dau­ert ein hal­bes Jahr, dann sind am 13. August 1923 Reichs­kanz­ler Cuno und sei­ne „Regie­rung der Wirt­schaft“ poli­tisch am Ende. Nach Mas­sen­pro­tes­ten tre­ten er und sein Kabi­nett der Exper­ten geschlos­sen zurück.

Die Lage in Deutsch­land hat sich durch zähen Ruhr­kampf und die Tal­fahrt der Gold­mark so ver­schlim­mert, dass Gri­gorij Sino­wjew, Vor­sit­zen­der der „Kom­mu­nis­ti­schen Inter­na­tio­na­le“ (Kom­in­tern) und eben­falls Mit­glied der „Troi­ka“, davon aus­geht, die „zwei­te, wirk­lich pro­le­ta­ri­sche Revo­lu­ti­on“ in Deutsch­land stün­de unmit­tel­bar bevor.

Eine „Sowjet­re­pu­blik Deutsch­land“ käme den Rus­sen sehr gele­gen.
Die Sowjet­uni­on gibt es gera­de ein­mal seit sechs Jah­ren, das Land ist bit­ter­arm und vom Bür­ger­krieg gezeich­net, man steht selbst unter gro­ßem wirt­schaft­li­chen Druck, um das rie­si­ge sowje­ti­sche Reich aus sei­nem rück­stän­di­gen Zustand zwi­schen „Kaker­la­ken und Iko­nen“ end­lich ins indus­tri­el­le 20. Jahr­hun­dert zu holen.
Deutsch­land ist nach wie vor die mäch­tigs­te Indus­trie­na­ti­on des Kon­ti­nents, wäre es kom­mu­nis­tisch geführt, könn­te das auch bei der sowje­ti­schen Indus­tria­li­sie­rung hel­fen und zudem ande­re west­eu­ro­päi­sche Staa­ten auf den Weg zur Welt­re­vo­lu­ti­on füh­ren.

In gro­ßer Eile beginnt man mit den Vor­be­rei­tun­gen für einen Umsturz, der für den his­to­ri­schen 9. Novem­ber geplant ist, aber als „Deut­scher Okto­ber“ bezeich­net wird.
Ende August 1923 setzt die KPD mit Unter­stüt­zung sowje­ti­scher Mili­tär­be­ra­ter ein Revo­lu­ti­ons­ko­mi­tee ein, im Sep­tem­ber reist eine Dele­ga­ti­on deut­scher Revo­lu­tio­nä­re zu wei­te­ren Bespre­chun­gen nach Mos­kau.

Die Erwar­tun­gen an die Deut­schen sind hoch. Die KPD steht unter Erfolgs­druck und KPD-Chef Hein­rich Brand­ler lässt sich bei sei­ner Visi­te in Mos­kau zu der Bemer­kung hin­rei­ßen, jeder Thü­rin­ger Arbei­ter habe ein Gewehr hin­term Ofen ste­hen. 253.000 Kom­mu­nis­ten stün­den zum Kampf bereit, Waf­fen sei­en genü­gend vor­han­den, im Lau­fe von 6 bis 8 Wochen könn­ten fünf­zehn Divi­sio­nen gebil­det wer­den.
Er irrt sich.

„Ent­we­der schei­tert die Revo­lu­ti­on in Deutsch­land und erschlägt uns, oder die Revo­lu­ti­on gelingt dort, alles läuft gut, und unse­re Lage ist gesi­chert.“
Sta­lin, August 1923

Der „Deutsche Oktober“

Als das Cha­os am größ­ten ist, die Wei­ma­rer Repu­blik sowohl wirt­schaft­lich als auch poli­tisch kurz vor einem Kol­laps steht und das rech­te und lin­ke Lager eif­rig Umsturz­plä­ne schmie­den, tritt Gus­tav Stre­se­mann als neu­er Reichs­kanz­ler auf den Plan, im Welt­krieg noch über­zeug­ter Mon­ar­chist, mitt­ler­wei­le “Ver­nunft­re­pu­bli­ka­ner” und Ver­söh­ner.

Gar­ten­fest für Ver­tre­ter der Aus­län­di­schen Pres­se beim Reichs­kanz­ler Dr. [Gus­tav] Stre­se­mann. Der Reichs­kanz­ler inmit­ten aus­län­di­scher Jour­na­lis­ten. Von Bun­des­ar­chiv, Bild 102–00169 / CC-BY-SA 3.0

Stre­se­mann macht sich sowohl rechts als auch links vie­le Fein­de, als er am 26. Sep­tem­ber den Abbruch des „Ruhr­kampfs“ ver­kün­det.
Außer­dem ist er der Ers­te, der es wagt, den Abwärts­stru­del der von vie­len unge­lieb­ten Wei­ma­rer Repu­blik zu durch­bre­chen und berei­tet mit sei­ner Gro­ßen Koali­ti­on aus SPD, DDP, Zen­trum und DVP eine Wäh­rungs­re­form vor, die im Novem­ber 1923 in Kraft tre­ten soll.

Das ist die gute Nach­richt. Die schlech­te ist, dass sich die SPD nicht ent­schlie­ßen kann, ob sie staats­tra­gend oder revo­lu­tio­när sein will.


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In Bay­ern putscht der­weil die rechts­kon­ser­va­ti­ve Staats­re­gie­rung und ernennt Gus­tav Rit­ter von Kahr, Ex-Minis­ter­prä­si­dent und bis zum Putsch Regie­rungs­prä­si­dent von Ober­bay­ern, zum „beson­de­ren Gene­ral­staats­kom­mis­sar”. In Ana­lo­gie zu Mus­so­li­nis erfolg­rei­chen faschis­ti­schen „Marsch auf Rom“ kün­di­gen die Bay­ern einen „Marsch auf Ber­lin” an.

Reichs­prä­si­dent Ebert ver­hängt den Aus­nah­me­zu­stand über Deutsch­land.

Die Revolution wird abgeblasen

In Sach­sen, spä­ter auch in Thü­rin­gen, tritt am 10. Okto­ber die KPD in die SPD-geführ­ten Lan­des­re­gie­rung ein. Die bei­den SPD-KPD Koali­tio­nen der „repu­bli­ka­ni­schen-pro­le­ta­ri­schen Ver­tei­di­gung“ sol­len den ange­kün­dig­ten „Marsch auf Ber­lin“ der baye­ri­schen Put­schis­ten stop­pen, außer­dem hof­fen die links­ge­rich­te­ten säch­si­schen und thü­rin­gi­schen Sozi­al­de­mo­kra­ten, end­lich die alte Feind­schaft zwi­schen den Arbei­ter­par­tei­en zu über­win­den.

Für die KPD bedeu­tet die Regie­rungs­be­tei­li­gung in Sach­sen und Thü­rin­gen aber noch viel mehr: Sie ist einer ihrer wich­tigs­ten stra­te­gi­schen Aus­gangs­punk­te für den „Deut­sche Okto­ber” und soll zusätz­lich zur Mobi­li­sie­rung der Arbei­ter­schaft die­nen.

Es kommt anders. Am 20. Okto­ber mar­schiert die Reichs­wehr in Sach­sen, eini­ge Tage spä­ter auch in Thü­rin­gen ein. Spä­ter wer­den per „Reichs­exe­ku­ti­on“ bei­de Län­der­par­la­men­te auf­ge­löst und kom­mu­nis­ti­sche Minis­ter ihrer Ämter ent­ho­ben. Bei Demons­tra­tio­nen und Stra­ßen­schlach­ten gibt es meh­re­re Dut­zend Tote und Ver­letz­te.
Das sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Hin und Her nimmt die KPD aus­ge­spro­chen übel. Mit fata­len Fol­gen.

Vor­ge­hen der Reichs­wehr gegen die kom­mu­nis­ti­schen Hun­dert­schaf­ten in Sach­sen.
Ver­haf­tung eines kom­mu­nis­ti­schen Rädels­füh­rers durch Reichs­wehr.

Als Reak­ti­on auf den Ein­marsch der Reichs­wehr soll am 21. Okto­ber eine kom­mu­nis­ti­sche Betriebs- und Arbei­ter­kon­fe­renz zum Gene­ral­streik auf­ru­fen, der den mona­te­lang geplan­ten “deut­schen Okto­ber” ein­läu­ten soll.
Aber die Revo­lu­tio­nä­re sind müde.

Anders als von KPD-Chef Hein­rich Brand­ler behaup­tet, sind die „Pro­le­ta­ri­schen Hun­dert­schaf­ten“ nicht zum bewaff­ne­ten Wider­stand gegen die Reichs­re­gie­rung bereit, sie wol­len nicht ein­mal gegen den Angriff der Reichs­wehr auf die bei­den unlieb­sa­men, aber legi­ti­men Län­der­par­la­men­te in Sach­sen und Thü­rin­gen strei­ken. Die Mehr­heit der 450 Dele­gier­ten ent­schei­det sich gegen jeg­li­che Aktio­nen.
Die Revo­lu­ti­on wird abge­bla­sen.

Nur in Ham­burg erfährt man nichts davon.
Oder man will dort nichts davon wis­sen?

Lesen Sie im zwei­ten Teil: Ham­burg auf den Bar­ri­ka­den — War­um gera­de Ham­burg? — Der Auf­stand und sei­ne Fol­gen — Die Sozi­al­fa­schis­mus­theo­rie
Ham­burg auf den Bar­ri­ka­den

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Natio­nal­so­zia­lis­mus in Deutsch­land: Ein sehr lesens­wer­ter Geschichts-Thril­ler über das Ende der Wei­ma­rer Repu­blik. Rüdi­ger Barth, Hau­ke Fried­richs, Die Toten­grä­ber: Der letz­te Win­ter der Wei­ma­rer Repu­blik*, S. FISCHER Ver­lag, 2018

Welt­ge­schich­te zum Anfas­sen: Deut­sche Geschich­te als Film, span­nend auf­be­rei­tet und sehr gut erklärt. Sehr sehens­wert in Staf­fel 2 ist der Bei­trag über Gus­tav Stre­se­mann, den es z.B. über Ama­zon prime auch als Ein­zel­epi­so­de gibt. Die Deut­schen, Staf­fel 2*, Kom­plett-Media, 2010

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Ein tol­les Buch, nach des­sen Lek­tü­re man die Welt bes­ser ver­steht. Karl Schlö­gel, Das sowje­ti­sche Jahr­hun­dert: Archäo­lo­gie einer unter­ge­gan­ge­nen Welt*, C.H.Beck Ver­lag, 2018

Wei­ter­füh­ren­de Links zum The­ma:


Ios­seb Wis­sa­ri­o­no­witsch Dschu­gaschwi­li, genannt Sta­lin, gilt neben Adolf Hit­ler als einer der grau­sams­ten Dik­ta­to­ren in der Geschich­te der Mensch­heit. Als Lenins „Mann fürs Gro­be“ beginnt er sei­ne Kar­rie­re mit Intel­li­genz und Skru­pel­lo­sig­keit. Durch men­schen­ver­ach­ten­de Här­te wird er ab 1924 zum all­mäch­ti­gen KP-Gene­ral­se­kre­tär, zum gefürch­te­ten Allein­herr­scher über die Sowjet­uni­on und zum Dik­ta­tor mit welt­wei­tem “Sen­dungs­be­wusst­sein”.
Wer war eigent­lich Sta­lin? Teil 1


1923. Fünf Jah­re sind seit dem Ende des Welt­krie­ges ver­gan­gen, aber Deutsch­land kommt nicht zur Ruhe. In Ham­burg üben die Kom­mu­nis­ten Welt­re­vo­lu­ti­on und für weni­ge Stun­den gibt es eine „Sowjet­re­pu­blik Stor­marn“. Ernst Thäl­mann, Ham­burgs cha­ris­ma­ti­scher KPD-Füh­rer, bringt sich für sei­ne wei­te­re Kar­rie­re in Posi­ti­on, Sta­lin und Hit­ler mischen auch schon mit, aber das eigent­li­che Desas­ter ist, dass die KPD wie­der mal von der SPD ent­täuscht wird und in der Fol­ge mit dem Begriff „Sozi­al­fa­schis­mus“ eine The­se in die Welt gesetzt wird, die brand­ge­fähr­lich ist.
Ham­burg auf den Bar­ri­ka­den


Für Wil­helm II. gibt es gute Grün­de, war­um sich die Deut­schen nach der Ermor­dung des öster­rei­chisch-unga­ri­schen Thron­fol­ger­paars an einem „Denk­zet­tel für Ser­bi­en“ betei­li­gen sol­len. Ist das deut­sche Kai­ser­reich des­we­gen schuld am 1. Welt­krieg, der “Urka­ta­stro­phe des 20. Jahr­hun­derts”? Mit Sicher­heit nicht:
Ein Platz an der Son­ne oder: Wil­helm, das Groß­maul


Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung: Der Kampf um die Repu­blik 1919 — 1923.
http://www.bpb.de/izpb/55958/kampf-um-die-republik-1919–1923?p=all


 Wir müssten das alles mal aufschreibenDie Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en bringt seit 2012 Lebens-. Fami­li­en- und Unter­neh­mens­bio­gra­fi­en als Bild­bio­gra­phi­en ins Buch und bie­tet außer­dem einen Ghost­wri­ting-Ser­vice mit den Schwer­punk­ten Geschich­te und Psy­cho­lo­gie an.
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Bild­nach­wei­se:
1. Ein­zug fran­zö­si­scher Trup­pen in Essen, 1923, Von Bain News Ser­vice, publisher — Libra­ry of Con­gress Prints and Pho­to­graphs Divi­si­on Washing­ton, D.C., Gemein­frei
2. Wil­helm Cuno (links) mit Reichs­prä­si­dent Ebert bei der Ver­fas­sungs­fei­er vor dem Reichs­tag (1923). Von Bun­des­ar­chiv, Bild 146‑1973-076–58 / CC-BY-SA 3.0
3. “Miets-Quit­tun­gen” 1922/23, Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en

4. Stre­se­mann 1923 mit Jour­na­lis­ten. Von Bun­des­ar­chiv, Bild 102–00169 / CC-BY-SA 3.0
5. Ver­haf­tung eines Mit­glieds der Pro­le­ta­ri­schen Hun­dert­schaf­ten durch Reichs­wehr-Trup­pen.Bun­des­ar­chiv, Bild 102–00191 / CC-BY-SA 3.0

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