Das große Sterben: Die Spanische Grippe 1918/19

Irgend­wann im Win­ter 1917/1918 springt ein neu­ar­ti­ges Influ­en­za-Virus ver­mut­lich von einem Schwein (der klas­si­schen „Brut­stät­te“ neu­er Virus­ty­pen) auf einen Men­schen.
In einem US-Mili­tär­la­ger in Kan­sas brei­tet es sich aus, aber da bei den infi­zier­ten Sol­da­ten nicht mehr als eine hef­ti­ge Erkäl­tung mit hohem Fie­ber auf­tre­ten, wer­den kei­ne Vor­sichts­maß­nah­men getrof­fen. Und so kann das neue Virus unge­stört mit Trup­pen­trans­por­tern zu den Kriegs­schau­plät­zen Euro­pas und sei­nen Todes­marsch begin­nen.  

Der Auslöser der Spanischen Grippe am Ende des 1. Weltkriegs

Anfang März 2018 regis­trier­ten US-Mili­tär­ärz­te ein unge­wöhn­lich hohes Anstei­gen von Grip­pe­er­kran­kun­gen bei ihren Rekru­ten, die nach dem Kriegs­ein­tritt der USA 1917 in Mili­tär­la­gern auf den bevor­ste­hen­den Kampf gegen die Deut­schen vor­be­rei­tet wer­den.

Gro­ße Bedeu­tung misst man der Grip­pe­epi­de­mie in der Trup­pe nicht bei, denn die Sol­da­ten, die sich ange­steckt haben, bekom­men zwar Hus­ten und hohes Fie­ber, erho­len sich aber schnell und sind nach weni­gen Tagen wie­der auf den Bei­nen.

Was war schon ein biss­chen Fie­ber und tro­cke­ner Hus­ten in der Mann­schaft im Ver­gleich zur Früh­jahrs­of­fen­si­ve der Deut­schen ab dem 21. März 1918 – ihr letz­ter ver­zwei­fel­ter Ver­such, das Kriegs­glück an der West­front doch noch auf ihre Sei­te zu zwin­gen?

Die Welt hat­te in die­sem Früh­jahr 1918 ganz ande­re Pro­ble­me, und Fran­zo­sen und Eng­län­der sind heil­froh, dass ihnen die USA in die­sem Krieg end­lich zu Hil­fe kommt.

Eine merk­wür­di­ge Krank­heit mit epi­de­mi­schem Cha­rak­ter ist in Madrid auf­ge­tre­ten, Die Epi­de­mie ist von mil­der Natur, Todes­fäl­le wur­den bis­lang kei­ne gemel­det“, heißt es im Mai 1918 lapi­dar in einer Mel­dung der bri­ti­schen Nach­rich­ten­agen­tur Reu­ters, die im all­ge­mei­nen Kriegs­cha­os fast unter­ging.

Die Grip­pe war zusam­men mit der US-Army in Euro­pa ange­kom­men, als Bedro­hung wur­de sie von nie­man­dem wahr­ge­nom­men. Aber immer­hin hat­te sie jetzt einen Namen. Einen, der der Welt kur­ze Zeit spä­ter das Fürch­ten bei­brin­gen soll­te: Die Spa­ni­sche Grip­pe.

Es hat­ten sich natür­lich nicht nur Spa­ni­er ange­steckt, son­dern vor allem vie­le Sol­da­ten auf bei­den Sei­ten der Schüt­zen­grä­ben ent­lang der fran­zö­si­schen West­front.
Aller­dings hielt man die neue Epi­de­mie zwar für ärger­lich, aber harm­los. Nicht der Rede wert, trotz­dem höchs­te Geheim­hal­tungs­stu­fe, schließ­lich ist Krieg.

Nur in Spa­ni­en, das neu­tral ist und nicht am Welt­krieg teil­nimmt, ist die Pres­se­zen­sur weni­ger strikt und eine offe­ne Bericht­erstat­tung mög­lich, des­halb der Name „Spa­ni­sche Grip­pe“. Es wur­de sogar bekannt, dass sich der spa­ni­sche König Alfons der 13. und eini­ge Regie­rungs­mit­glie­der ange­steckt hat­ten.

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Der Beginn der moder­nen Medi­zin.
Sön­ke Wort­manns sehens­wer­te Serie über den Beginn des 20. Jahr­hun­derts im Deut­schen Kai­ser­reich. Der rapi­de medi­zi­ni­schen Fort­schritt dank Robert Koch, Rudolf Virchow und Paul Ehr­lich, aber auch Wil­helm II. und die wil­hel­mi­ni­sche Epo­che zwi­schen alten Vor­stel­lun­gen und moder­nen Zei­ten.

Sön­ke Wort­mann (Regie), Cha­rité*, Uni­ver­sum Film GmbH, 2017


Das Flandern-Fieber

Auch wegen der höchs­ten Geheim­hal­tungs­stu­fe auf bei­den Sei­ten der Front konn­te sich die neue Grip­pe­wel­le unge­bremst in Euro­pa aus­brei­ten; im Früh­som­mer 1918 stieg die Zahl der fie­bern­den und hus­ten­den Sol­da­ten in den klam­men Schüt­zen­grä­ben des Kriegs­jahrs 1918 – Deut­sche eben­so wie Fran­zo­sen, Eng­län­der und Ame­ri­ka­ner – rapi­de an.

Noch hieß die Spa­ni­sche Grip­pe bei den Deut­schen „Flan­dern-Fie­ber“ oder „Blitz-Katarrh“ und war vor allem ein Ärger­nis, das Män­ner wie Erich Luden­dorff umtrieb, Hin­den­burgs Gene­ral­quar­tier­meis­ter und rech­te Hand, weil er nun jeden Mor­gen die Her­ren Stab­chefs der Obers­ten Hee­res­lei­tung infor­mie­ren muss­te, wie vie­le Zehn‑, bald Hun­dert­tau­sen­de Grip­peaus­fäl­le es zu ver­zeich­nen gab

French train hor­ses res­ting in a river on their way to Ver­dun. 300 ppi scan of the Natio­nal Geo­gra­phic Maga­zi­ne, Volu­me 31 (1917), page 338: RESERVES CROSSING A RIVER ON THE WAY TO VERDUN.

Lan­ge blieb die rät­sel­haf­te Epi­de­mie unter Sol­da­ten aller­dings nicht an der Front, son­dern reis­te als neu­ar­ti­ge „Kriegs­seu­che“ mit den Ver­wun­de­ten in Rich­tung Hei­mat wei­ter.
So erreich­te sie auch Ber­lin und die ande­ren gro­ßen und hun­gern­den deut­schen Städ­te, wo sich nicht nur Ange­hö­ri­ge des Mili­tärs ansteck­ten, son­dern auch immer mehr Zivi­lis­ten in jedem noch so klei­nen Win­kel des unter­ge­hen­den deut­schen Kai­ser­reichs.

Verbreitung aus Mangel an Hygiene

Ein Grund für die schnel­le Aus­brei­tung war nicht nur der Krieg, son­dern auch die desas­trö­sen Hygie­ne-Maß­nah­men, die man traf – bezie­hungs­wei­se nicht getrof­fen hat­te.

In einer Zeit, in der es für vie­le Men­schen noch all­täg­lich war, an Infek­ti­ons­krank­hei­ten wie Diph­te­rie, Typhus oder Tuber­ku­lo­se zu ster­ben, lagen in den über­füll­ten Laza­ret­ten an der Front und in den Kran­ken­häu­sern in der Hei­mat Grip­pe- und Typhus-Kran­ke, Ver­wun­de­te und Tote Sei­te an Sei­te.
Es gab weder Schutz­maß­nah­me für Ärz­te und Pfle­ge­per­so­nal noch sau­be­re Wäsche, und auf die Idee, die Grip­pe-Kran­ken von den ande­ren Pati­en­ten zu iso­lie­ren, ist auch nie­mand gekom­men.

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Selbst das Hän­de­wa­schen und –des­in­fi­zie­ren war in gro­ßen Tei­len der Ärz­te­schaft – mehr als 50 Jah­re nach Ignaz Sem­mel­weis, dem „Ret­ter der Frau­en“ – noch nicht ange­kom­men.
Sem­mel­weis‘ Erkennt­nis­se, dass das von Bak­te­ri­en ver­ur­sach­te und von Medi­zi­nern durch man­geln­de Hygie­ne über­tra­ge­ne Kind­bett­fie­ber allein durch gründ­li­ches Hän­de­wa­sche wirk­sam bekämpft wer­den kann, wur­de immer noch von vie­len ener­gisch abge­strit­ten.

Sogar Wis­sen­schafts­grö­ßen wie Rudolf Virchow mach­ten ungüns­ti­ge Wit­te­rungs­ver­hält­nis­se oder einen lie­der­li­chen Lebens­wan­del für das Tau­send­fa­che Ster­ben jun­ger Müt­ter und ihrer Babys in Geburts­häu­sern und Kli­ni­ken ver­ant­wort­lich.

Eine eben­so hart­nä­cki­ge wie ris­kan­te Fehl­ein­schät­zung: Die ein­fachs­te hygie­ni­sche Maß­nah­me als über­flüs­si­ges und läs­ti­ges Gedöns, das man weg­las­sen kann, wenn man es eilig hat, steck­te als all­ge­mein­gül­ti­ge Lehr­mei­nung noch in vie­len Medi­zi­ner-Köp­fen.
Und da es Ärz­te und Pfle­ge­rin­nen im vier­ten Kriegs­jahr immer eilig hat­ten und zudem auch die Vor­rä­te an Medi­ka­men­ten und Kar­bol erschöpft waren, ver­zich­te­te man lie­ber gleich auf jede Form von Hygie­ne.

Ein Ver­zicht, der wenig spä­ter in die Kata­stro­phe füh­ren soll­te, denn der „Pool“ an Kran­ken wur­de in rasen­der Geschwin­dig­keit immer grö­ßer. Ver­mut­lich im August 1918 kommt es zu einer fol­gen­schwe­ren Muta­ti­on in einem der vie­len Infi­zier­ten. Gene­ti­sche Ver­än­de­run­gen fin­den bei Viren stän­dig statt, meis­tens machen sie das Virus aber eher schwä­cher.  In sel­te­nen Fäl­len aber auch töd­li­cher.

Die neue Mutan­te der Spa­ni­schen Grip­pe ver­brei­te­te sich uner­kannt wei­ter, und als man schon glaub­te, das Gröbs­te der neu­en Grip­pe­epi­de­mie über­stan­den zu haben, brach plötz­lich die zwei­te Wel­le der Epi­de­mie gleich­zei­tig in Frank­reich, Neu­eng­land und West­afri­ka aus.

Die­se zwei­te Wel­le war nicht harm­los und konn­te nicht mehr igno­riert wer­den.
Die Men­schen, die sich an ihr ansteck­ten, kamen nicht mehr schnell wie­der auf die Bei­ne, vie­le star­ben. Die neue Virus-Mutan­te brach­te den mil­lio­nen­fa­chen Tod: 25 bis 40 Mil­lio­nen Todes­op­fer (ande­re Schät­zun­gen spre­chen sogar von 50 Mil­lio­nen Opfern) bei einer Welt­be­völ­ke­rung von 1,8 Mil­li­ar­den Men­schen.

Eine ungewöhnliche Form der Lungenpest?

Viren sind eigen­ar­ti­ge Gebil­de, die im Prin­zip nur aus einem Knäu­el Erb­ma­te­ri­al und ein paar Eiweiß­mo­le­kü­len bestehen. Bei eini­gen Virus­ty­pen wie den Influ­en­za-Viren (und auch den Coro­na-Viren) wird die­ses Gen­knäu­el mit Pro­te­in-Bei­la­ge von einer Hül­le umge­ben (was sie extrem emp­find­lich gegen Aus­trock­nung macht – ihre Halb­werts­zeit auf Tür­klin­ken und Hän­den ist extrem kurz).

Mehr gibt es nicht: Bis heu­te ist umstrit­ten, ob man Viren über­haupt zu den Lebe­we­sen zäh­len kann denn wesent­li­che Merk­ma­le des Lebens – ein eige­ner Stoff­wech­sel bei­spiels­wei­se – feh­len ihnen kom­plett.
Immer­hin kön­nen sie sich „fort­pflan­zen“, aller­dings nur, indem sie als win­zig klei­ne Pira­ten­schif­fe in die Zel­len eines Lebe­we­sens ein­drin­gen und die geka­per­ten Zel­len auf „Pro­du­zie­re Virus-Nach­kom­men“ umpro­gram­mie­ren

Der Erreger der Spanischen Grippe 1918/19
Rekon­struk­ti­on des Erre­gers der Spa­ni­schen Grip­pe 1918/19 18 Stun­den nach Infek­ti­on einer Zell­kul­tur

Im Annek­tie­ren frem­der Orga­nis­men sind Viren äußerst effek­tiv und hin­ter­lis­tig.
Ein teuf­li­sches Meis­ter­stück gelingt ihnen schon beim Entern: Wenn ein Virus bei­spiels­wei­se durch Nie­sen oder Hus­ten eines Kran­ken als Tröpf­chen in der Nase oder im Mund eines neu­en Wir­tes lan­det, muss es zunächst an des­sen Immun­ab­wehr vor­bei, den wei­ßen Blut­kör­per­chen also, die stän­dig auf Patrouil­le sind, um frem­de Ein­dring­lin­ge zu erken­nen und auf­zu­fres­sen. Die­se Abwehr kön­nen Viren durch tar­nen, täu­schen und trick­sen umge­hen.

Oder sie schal­ten sie ein­fach ab.

Abschal­ten“ ist die Stra­te­gie, die Influ­en­za-Viren typi­scher­wei­se ver­fol­gen, und genau das macht sie so gefähr­lich. Der neu­en Virus­mu­tan­te der Grip­pe­wel­le im Herbst 1918/19 gelang das beson­ders gut: inner­halb weni­ger Stun­den konn­te sie das gesam­te Immun­sys­tem ihrer Opfer lahm­le­gen.

Gut für ihre eige­ne Kaper­fahrt im neu­en Wirt, blö­der­wei­se aber auch gut für Bak­te­ri­en, die die von der kör­per­ei­ge­nen Abwehr-Patrouil­le nor­ma­ler­wei­se in Schach gehal­ten wer­den kann.

Ist die Immun­ab­wehr durch die Virus­in­fek­ti­on geschwächt, kön­nen sie sich als dia­bo­li­sche Tritt­brett­fah­rer ein­schlei­chen und ver­meh­ren: Die Men­schen star­ben bei der Spa­ni­schen Grip­pe­epi­de­mie nicht am Virus, das sie ange­fal­len hat­te, son­dern erstick­ten jäm­mer­lich an einer Art Kol­la­te­ral­scha­den, einer von Bak­te­ri­en ver­ur­sach­ten Lun­gen­ent­zün­dung. Vie­le Grip­pe-Tote hat­ten durch den Sauer­stoff­man­gel eine bläu­lich-schwarz ver­färb­te Haut, was der Spa­ni­schen Grip­pe den maka­bren Bei­na­men „Pur­ple Death“ ein­brach­te.

Mit der Aus­brei­tung der töd­li­chen Seu­che schos­sen ab Herbst 1918 auch die Erklä­rungs­ver­su­che und Ver­schwö­rungs­theo­ri­en ins Kraut: Es war von einer unge­wöhn­li­chen Form der Lun­gen­pest die Rede, ande­re mut­maß­ten hin­ter der Epi­de­mie den Zorn Got­tes ange­sichts einer aus­ein­an­der­bre­chen­den Welt­ord­nung.

In den Krei­sen der Kriegs­geg­ner Deutsch­lands hielt sich hart­nä­ckig das Gerücht, dass deut­sche Agen­ten das Virus in die Welt gesetzt hät­ten, um die Fein­de des Kai­ser­reichs zu schwä­chen – ein Mut­ma­ßung, die nicht mehr ganz so absurd und aus der Luft gegrif­fen klingt, wenn man bedenkt, dass es die Deut­schen waren, die Gift­gas als neue furcht­erre­gen­de Waf­fe erfun­den und als Ers­te in die­sen furcht­erre­gen­den Krieg ein­ge­setzt hat­ten.


Das große Sterben

Nach­dem sich die neue Epi­de­mie mit rasen­der Geschwin­dig­keit aus­brei­te­te und immer mehr Men­schen dar­an star­ben, konn­ten die beun­ru­hi­gen­den Nach­rich­ten über das rät­sel­haf­te neu­ar­ti­ge Fie­ber nicht mehr zurück­ge­hal­ten wer­den.

Beson­ders schlimm wüte­te die Seu­che zunächst in den Kran­ken­häu­sern und Laza­ret­ten mit einer Mor­ta­li­täts­ra­te von bis zu zehn Pro­zent. Sie infi­zier­te Ärz­te, Pfle­ge­rin­nen und Sani­tä­ter, in vie­len Indus­trie­be­trie­ben fie­len wegen der Grip­pe bis zu einem Drit­tel der Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter aus, der Stra­ßen­bahn­ver­kehr und das gesam­te öffent­li­che Leben kam zum Erlie­gen.

Erst Kopf­schmer­zen, Mat­tig­keit, Glie­der­schmer­zen, Nasen­blu­ten – und dann Exitus.
Der Tod kam für vie­le, die sich mit der Spa­ni­schen Grip­pe ange­steckt hat­ten, schnell. Das gro­ße Ster­ben raff­te vor allem die Jun­gen und Kräf­ti­gen zwi­schen 20 und 40 dahin, was unge­wöhn­lich war, denn bei nor­ma­len Grip­pe­epi­de­mi­en haben vor allem Alte und Geschwäch­te das höchs­te Ster­be-Risi­ko.

Das große Sterben - die Spanische Grippe-Epidemie 1918/19
Poli­zis­ten in Seat­tle wäh­rend der Spa­ni­schen-Grip­pe-Pan­de­mie, Dezem­ber 1918

Heu­te weiß man, dass die  Älte­ren jener Tage eine Teil-Immu­ni­tät gegen den neu­en Erre­ger hat­ten, weil sie die Grip­pe-Epi­de­mie Ende des 19. Jahr­hun­derts mit einem ähn­li­chen Influ­en­za-Virus­typ er- und über­lebt hat­ten. Sie besa­ßen eine Art natür­li­chen Impf­schutz, der den neu­en Erre­ger erken­nen und zurück­drän­gen konn­te, bevor er sein krank­ma­chen­des Werk begin­nen konn­te.

Das Immun­sys­tem der Jun­gen war dage­gen ‚naiv‘ und konn­te nichts gegen den Virus­be­fall aus­rich­ten.

Ange­sichts ihrer Hilf­lo­sig­keit war Igno­rie­ren und Abwie­geln lan­ge Zeit die ein­zi­ge Maß­nah­me, die Regie­run­gen und Behör­den der Grip­pe-Pan­de­mie ent­ge­gen­zu­set­zen hat­ten.
Erst mit dem Ende des 1. Welt­kriegs und auf Initia­ti­ve eini­ger Wis­sen­schaft­ler und Ärz­te wur­den Grip­pe-Kran­ke in Qua­ran­tä­ne genom­men, Schu­len geschlos­sen und der Rei­se­ver­kehr ein­ge­schränkt, um die wei­te­re Aus­brei­tung zu stop­pen.

Dazu kam, dass immer mehr Men­schen die Spa­ni­sche Grip­pe über­lebt hat­ten und sich kein zwei­tes Mal anste­cken konn­ten. Mit der stei­gen­den Zahl Über­le­ben­der stieg auch die soge­nann­te „Her­den-Immu­ni­tät“ der Bevöl­ke­rung an, das heißt, die Viren konn­ten sich nicht mehr so schnell aus­brei­ten, weil sie immer häu­fi­ger auf Men­schen mit einem natür­li­chen Immun­schutz tra­fen.

Zwei Jah­re lang, bis in die frü­hen 1920er Jah­re, wüte­te der neue Influ­en­za-Sub­typ, der als Spa­ni­sche Grip­pe in die Welt­ge­schich­te ein­ging.
In den USA star­ben 775.000 Ame­ri­ka­ner den Grip­pe­tod, zehn­mal mehr als in den Schüt­zen­grä­ben. In Deutsch­land wur­den knapp 500.000 Grip­pe­to­te gezählt, und selbst in weit ent­fern­ten Erd­win­keln wie Java oder Samoa erla­gen Tau­sen­de der Kriegs­seu­che.

Ein mil­lio­nen­fa­cher Tod, der ver­mut­lich früh­zei­tig hät­te ver­hin­dert wer­den kön­nen, wenn wegen des Welt­kriegs nicht Geheim­hal­tung und Igno­ranz obers­te Prio­ri­tät gewe­sen wäre.


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Link­emp­feh­lun­gen:

Seriö­se Wis­sen­schaft statt Fake-News und Hor­ror­mel­dun­gen aus dem Netz:
Der Pod­cast mit Viro­lo­gie-Pro­fes­sor Chris­ti­an Dros­ten von der Ber­li­ner Cha­rité lie­fert aus ers­ter Hand neus­te Erkennt­nis­se zu Ent­wick­lun­gen, Stand der For­schung und Hand­lungs­emp­feh­lun­gen zur aktu­el­len Coro­na-Kri­se:
https://​www​.ndr​.de/​n​a​c​h​r​i​c​h​t​e​n​/​i​n​f​o​/​C​o​r​o​n​a​v​i​r​u​s​-​V​i​r​o​l​o​g​e​-​D​r​o​s​t​e​n​-​i​m​-​N​D​R​-​I​n​f​o​-​P​o​d​c​a​s​t​,​p​o​d​c​a​s​t​c​o​r​o​n​a​v​i​r​u​s​1​0​0​.​h​tml

Wei­ter­füh­ren­de Bei­trä­ge:

Der 1. Welt­krieg: Ver­dun ist eine klei­ne Stadt ohne gro­ße Bedeu­tung. Eigent­lich ist sie kaum der Rede wert. Doch dann beginnt am Mor­gen des 21. Febru­ar 1916 die deut­sche Ope­ra­ti­on „Gericht“ und lässt die beschau­li­che Klein­stadt Ver­dun — wie 27 Jah­re spä­ter auch Sta­lin­grad — zum Syn­onym für die Grau­sam­keit und Sinn­lo­sig­keit von Krie­gen wer­den.
Vor 100 Jah­ren: Die Höl­le von Ver­dun

Lebens­qua­li­tät: Das, was die alten Grie­chen und die heil­kun­di­gen Mön­che, Non­nen und ‘Kräu­ter­frau­en’ des Mit­tel­al­ters aus Erfah­rung über Kräu­ter und äthe­ri­sche Öle wuss­ten, wird von der moder­nen Medi­zin wie­der­ent­deckt. Fazit: Die ‘Kraft der fei­nen Düf­te’ ist viel stär­ker als lan­ge Zeit ver­mu­tet wur­de — ganz ohne Hokus­po­kus.
Die Kraft der fei­nen Düf­te

Schrei­ben gegen die Angst: Im „Erin­nern – wie­der­ho­len – durch­ar­bei­ten“ liegt die Kraft des Schrei­bens. Gedan­ken allein sind oft flüch­tig. Wer sie dage­gen zu Papier bringt, setzt sich noch ein­mal beson­ders mit dem aus­ein­an­der, was ihm im Kopf her­um­schwirrt und sein Herz bewegt. Wer schreibt, kann sein Leben ver­än­dern – und glück­li­cher wer­den.
Das Glücks-Tage­buch

Die Wei­ma­rer Repu­blik: 1923. Reichs­kanz­ler Wil­helm Cuno und sei­ne “Regie­rung der Wirt­schaft” ver­su­chen, die Fran­zo­sen aus dem Ruhr­ge­biet zu ver­trei­ben und las­sen dafür Geld dru­cken. Sehr viel Geld. Mit kata­stro­pha­len Fol­gen für die gebeu­tel­te Wei­ma­rer Repu­blik. Es scheint nur noch eine Fra­ge der Zeit bis zum Kol­laps zu sein. Bis zum rech­ten oder lin­ken Kol­laps, das ist auch noch nicht so ganz klar …
Vom Ruhr­kampf zum deut­schen Okto­ber

Das Genera­tio­nen­ge­spräch über ein Jahr­hun­dert mit Dik­ta­tu­ren, Welt­krie­gen, Mil­lio­nen Kriegs­to­ten, Ver­letz­ten, Flücht­lin­gen und Ver­trie­be­nen, das uns heu­te noch in den Kno­chen steckt.
Das 20. Jahr­hun­dert

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Die gro­ßen Seu­chen, aber auch die Krank­hei­ten der Mäch­ti­gen
haben Geschich­te geschrie­ben. Medi­zin­his­to­ri­ker Gers­te beschreibt eben­so kennt­nis­reich wie fes­selnd die Aus­wir­kun­gen von Aids, Cho­le­ra, Pest und Syphil­lis auf die Welt­ge­schich­te, geht aber auch der Fra­ge nach, was hät­te sein kön­nen, wenn der Vater des letz­ten deut­schen Kai­sers Wil­helm II. nicht an Kehl­kopf­krebs gestor­ben wäre. Ein groß­ar­ti­ges Buch — lesens­wert!

Roland D. Gers­te, Wie Krank­hei­ten Geschich­te machen: Von der Anti­ke bis heu­te*, Klett-Cot­ta, 2019

New York, 1900:
Oscar-Preis­trä­ger Ste­ven Soder­bergh erzählt in die­ser atem­be­rau­ben­den Serie die Geschich­te des New Yor­ker Kni­cker­bo­cker Hos­pi­tals (kurz: The Knick) mit sei­ner Beleg­schaft um den geni­al-exzen­tri­schen und koka­in­süch­ti­gen Chef­chir­ur­gen Dr. Tha­cke­ry (Cli­ve Owen). Eine groß­ar­ti­ge Mischung aus Den­ver-Clan (mit erns­ten Pro­ble­men), Zeit­ge­schich­te und dem auf­re­gen­den Auf­bruch in die moder­ne Medi­zin (In man­chen Sze­nen fließt viel Blut … )

Ste­ven Soder­bergh (Regie), The Knick — Die kom­plet­te ers­te Staf­fel*, 2015, FSK 16

Die Geschich­te der Deut­schen sehr gut, über­sicht­lich und ver­ständ­lich erklärt.
Alle wich­ti­gen Daten und Fak­ten ange­rei­chert mit Anek­do­ten, Skur­ri­li­tä­ten und Geschich­ten, die beim Nach­schla­gen und Quer­le­sen sehr viel Spaß machen.

Chris­ti­an v. Dit­furth: Deut­sche Geschich­te für Dum­mies*, Wiley-VCH Ver­lag GmbH & Co. KGaA, Wein­heim, 2012

Medi­zin & Geschich­te:
Sön­ke Wort­manns span­nen­de Mini-Serie, nicht nur über den rapi­den medi­zi­ni­schen Fort­schritt zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts. Robert Koch, Rudolf Virchow, Paul Ehr­lich, Wil­helm II. und die wil­hel­mi­ni­sche Epo­che erwa­chen zum Leben — sehens­wert und infor­ma­tiv

Sön­ke Wort­mann (Regie), Cha­rité* , Uni­ver­sum Film GmbH, 2017

Chris­to­pher Clark,
Geschichts­pro­fes­sor aus Cam­bridge, über die Vor­ge­schich­te des 1. Welt­krie­ges. 900 Sei­ten, die völ­lig zurecht zum Best­sel­ler gewor­den sind — sehr lesens­wert!

Chris­to­pher Clark, Die Schlaf­wand­ler. Wie Euro­pa in den 1. Welt­krieg zog*, Pan­the­on Ver­lag, Ver­lags­grup­pe Ran­dom House GmbH, 2015

Flo­ri­an Illies’ Meis­ter­werk
über Köni­ge und Kai­ser, Ril­ke, Kaf­ka, Sta­lin, Hit­ler und alle ande­ren, die 1913 zum Som­mer des Jahr­hun­derts wer­den lie­ßen. Her­vor­ra­gend recher­chiert und mit fei­ner Iro­nie geschrie­ben, ein Buch, das mit klei­nen Epi­so­den eine gan­ze Welt erklärt. Jede Sei­te lohnt sich!

Flo­ri­an Illies, 1913: Der Som­mer des Jahr­hun­derts*, S. Fischer Ver­lag GmbH, Taschen­buch, 2015

Bild­nach­wei­se:

French train hor­ses res­ting in a river on their way to Ver­dun. 300 ppi scan of the Natio­nal Geo­gra­phic Maga­zi­ne, Volu­me 31 (1917), page 338: RESERVES CROSSING A RIVER ON THE WAY TO VERDUN. “They shall not pass” is a phra­se which for all time will be asso­cia­ted with the heroic defen­se of Ver­dun. To future genera­ti­ons of French peop­le it will bring a thrill of pri­de even sur­pas­sing that enkind­led by the glo­rious “The Old Guard dies, it never sur­ren­ders.” The guar­di­ans of the gre­at fort­ress on the Meu­se have pro­ved them­sel­ves invin­ci­ble in attack, invul­nera­ble in defen­se. Public Domain

„Fami­lie um 1900“ von Ori­gi­nal uploa­der was St.Krekeler at de. Lizen­ziert unter Gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons

Rekon­struk­ti­on des Erre­gers der Spa­ni­schen Grip­pe 1918/19 18 Stun­den nach Infek­ti­on einer Zell­kul­tur, gemein­frei

Poli­zis­ten in Seat­tle wäh­rend der Spa­ni­schen-Grip­pe-Pan­de­mie, Dezem­ber 1918, gemein­frei

Geschichte und Psychologie Vergangenheit verstehen um mit der Zukunft besser klar zu kommen
Geschich­te & Psy­cho­lo­gie:

Vergangenes verstehen,
um mit der Zukunft besser klar zu kommen.

Ich brin­ge mit mei­nem Team Lebens-. Fami­li­en- und Unter­neh­mens­ge­schich­ten ins Buch
und schrei­be als Ghost­wri­te­rin mit den Schwer­punk­ten Geschich­te und Psy­cho­lo­gie.

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