Victoria und Albert: Liebe im viktorianischen Zeitalter
Victoria und Albert: Sie solle sich endlich verheiraten, ist der Ruf, der immer häufiger auf der Straße, in der Presse und in den feinen Salons und Clubs Großbritanniens zu lesen und zu hören ist.
Aber die junge Queen Victoria denkt gar nicht daran, sich verheiraten zu lassen. Bis sie ihren deutschen Cousin Albert kennenlernt.

Victoria und Albert: Die Queen soll endlich heiraten!
Mit zunehmendem Selbstbewusstsein entwickelt die junge Queen auch den Eigensinn, für den sie später berühmt-berüchtigt sein wird. Ein Ehemann, so die allgemeine Hoffnung, könnte sie vielleicht etwas mäßigen.
Das hält Victoria für keine gute Idee.
Sie ist froh, dem Kensington-System ihrer Kindheit entkommen zu sein, und fürchtet, dass ein Mann versuchen würde, sie wie ihre Mutter und deren Berater John Conroy zu beherrschen.
Onkel Leopold hatte jedoch bereits Vorsorge getroffen und in weiser Voraussicht Victorias Cousin Albert in Stellung gebracht.
Bereits ein Jahr vor Victorias Thronbesteigung hatte er im Sommer 1836 ein erstes Treffen seiner Nichte Victoria mit seinem Neffen, dem deutschen Prinzen Albert von Sachsen Coburg und Gotha, auf britischem Boden arrangiert.
Das erste Treffen von Victoria und Albert endet mit mäßigem Erfolg: Albert, nach der Schiffsreise noch von seiner Seekrankheit geplagt, hinterlässt keinen guten Eindruck bei der jungen, temperamentvollen Victoria.
Außerdem hat er die Angewohnheit, früh ins Bett zu gehen.
Einen deutschen Langweiler? Nein, den will Victoria bestimmt nicht als Prinzgemahl!
So schöne Augen und so ein schöner Mund
Victorias Zurückweisung bringt Albert in eine verzwickte Lage.
Einerseits ist er ohne direktes Versprechen an seine Cousine gebunden, denn Onkel Leopold hat ihn als Heiratskandidat sehr offensichtlich präsentiert.
Deshalb kann er sich nicht nach anderen potenziellen Gemahlinnen umschauen, was er als zweitgeborener Sohn des kleinen Herzogtums Sachsen-Coburg-Saalfeld andererseits tun müsste, denn für ihn bleibt zur Absicherung seiner Zukunft nur eine „gute” Partie, also eine standesgemäße und wohlhabende Ehefrau.

Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, Lithographie von Franz Hanfstaengl, 1840
Doch Prinz Albert hat Glück; er bekommt eine zweite Chance.
Drei Jahre nach dem ersten missglückten Treffen, am 10. Oktober 1839, gibt es eine zweite Begegnung mit seiner Cousine Victoria, die mittlerweile schon seit 2 Jahren Queen ist.
Bedauerlicherweis ist er auch an diesem Tage von seiner Seekrankheit mitgenommen, doch als Victoria ihren drei Monate jüngeren Cousin erblickt, tut sich plötzlich ihr Herz auf.
Ihrem Tagebuch vertraut sie später an: „Mit einigen Gefühlen sah ich Albert, der schön ist.“
Und weiter:
„Albert ist wirklich so übermäßig attraktiv, so schöne Augen und eine exquisite Nase und so ein hübscher Mund. Eine schöne Figur, breit in den Schultern mit einer feinen Taille.
In den folgenden Tagen kommen sich beide schnell näher.
Es ist üblich, dass ein Monarch einem potenziellen Ehepartner innerhalb weniger Tage einen Antrag macht und so bittet Victoria am 15. Oktober 1839 Albert um seine Hand.
Er sagt „Ja” — und Victoria ist überglücklich.
Seit dem Tag, an dem sie seine schönen Augen und seinen hübschen Mund bemerkt hat, bezeichnet sie ihn als „dearest Albert“, ein Name, den sie ihr Leben lang für ihn beibehält.
Victoria und Albert
Onkel Leopolds Pläne sind aufgegangen und Victoria kommt unter die Haube.
So hätte alles gut sein und die Wünsche des britischen Volkes erfüllt sein können.
Nur — der Palast und die britische Upper Class teilen Victorias Begeisterung nicht. Denn Deutsche am englischen Hof sind fast so beliebt wie Franzosen. Also gar nicht.
Auch das britische Parlament stellt sich quer und weigert sich, Albert einen Titel zuzusprechen. Das Einkommen, das einem Prinzgemahl normalerweise zusteht, wird von 50.000 auf 30.000 Pfund gekürzt.
Fest zugesagt wird ihm lediglich die englische Staatsbürgerschaft — das Minimum, um Victoria überhaupt heiraten zu können.
Die Hochzeit von Victoria und Albert am 10. Februar 1840 im Londoner St.-James-Palace wird deshalb fast schon zu einer privaten Zeremonie.

Hochzeit von Victoria und Albert am 10. Februar 1840 im Londoner St.-James-Palace
Gemälde von George Hayter, Royal Collection
Da ihm kein Amt zugeteilt wird, findet sich Albert nach der Hochzeit zunächst nur mäßig zurecht.
Er spricht Englisch mit hartem deutschen Akzent und trifft in der gehobenen britischen Gesellschaft nicht immer den richtigen Ton.
Manche bezeichnen ihn als eitel — schon allein deshalb, weil er seine Pantalons nach kontinentaleuropäischer Sitte so hauteng trägt, dass man durch den dünnen Stoff alles sieht.
Aber Albert ist ein eifriger und akribischer Lerner, und weil er keine offiziellen Aufgaben hat, sucht er sich welche.
Zunächst widmet er sich der Verwaltung des Katalogs der königlichen Kunstsammlung. Schon als Kind war Albert wissbegierig und interessierte sich für viele Bereiche, den schönen Künsten ebenso wie — zusammen mit seinem älteren Bruder, dem jetzigen Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Saalfeld — , für Vögel und alle anderen Bereiche der Naturwissenschaften.
Eine Jahrhundert-Liebe
In Viktoria — Die junge Königin entfaltet sich eine berührende Mischung aus politischem Drama und großer Liebe, als Prinz Albert ihr Leben betritt und alles verändert.
Ein opulenter, romantischer Historienfilm, der Geschichte lebendig, emotional und wunderschön erzählt.
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Victoria und Albert: Die königliche Familie wächst
Doch bevor er sich seinen großen Projekten widmen kann, kommt das erste Kind des königlichen Paares zur Welt.
Pünktlich 9 Monate nach der Hochzeit erblickt am 21. Dezember 1840 Victorias und Alberts Tochter Victoria („Vicky“) das Licht der Welt. Ein Jahr später schenkt Victoria ihrem Königreich einen Thronerben, Albert Edward.
Es folgen fast im Jahresrhythmus sieben weitere Kinder, auch wenn die Königin weder große Freude an ihren Schwangerschaften noch an ihren Kindern oder ihrem Dasein als Mutter hat.
Es ist Albert, der sich hingebungsvoll um seine neun Kinder kümmert und sie in vielen Bereichen selbst unterrichtet und erzieht. Ein Novum, das man so zumindest in der besseren Gesellschaft nicht kennt.
Das engste Verhältnis wird er zeitlebens zu seiner ältesten Tochter Vicky haben, der späteren Mutter des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. Sie wird von ihrem Vater nicht nur in Kunst und Wissenschaft, sondern auch in Geschichte, Politik und Diplomatie unterrichtet, eine sehr untypische Erziehung für ein Mädchen dieser Zeit.

Die königliche Familie: Victoria und Albert mit 5 ihrer 9 Kinder
Gemälde von Franz Xaver Winterhalter, 1846
Wenn ich ihn nur zum König machen könnte …
Mit seiner Rolle als Vater wächst auch Alberts Selbstbewusstsein und er findet sich immer besser in der feinen Gesellschaft des britischen Hofes mit all ihren Tücken und Stolperfallen zurecht.
17 Jahre nach seiner Hochzeit mit der Königin gesteht ihm das britische Parlament immerhin den Titel Prinzgemahl zu.
Für Albert eine erfreuliche Geste nach fast zwanzig Jahren Ehe, aber eine, die er schon längst nicht mehr braucht — er hat sich andere Aufgaben gesucht und gefunden. So hatte er 1847 für das Amt des Kanzlers der Universität Cambridge kandidiert und wurde nach zähem Ringen und dem 3. Wahlgang auch gewählt.
Mittlerweile ist er auch für viele royale Bauten verantwortlich.
Unter anderem plant und baut er Osborne House auf der Insel Wright als romantischen Rückzugsort für sich und Victoria und die Kinder.
Die Königin, seit ihrer frühen Jugend eine leidenschaftliche Tagebuch-Schreiberin, notiert bei einem ihrer ersten Aufenthalte gerührt: „Wie glücklich wir hier sind und niemals amüsiere ich mich mehr, als wenn ich so viel mit meinem beloved Albert zusammen sein und ihm überall hin folgen kann.“
Albert steht seiner Gemahlin bei wichtigen Sitzungen zur Seite und überarbeitet und verfasst fast alle ihrer offiziellen politischen Schriften.
In dieser Rolle blüht er auf und vollführt seine Beratung mit großem diplomatischem Geschick und intelligenter Bravur.
Doch in erster Linie ist er „nur“ ein Prinzgemahl und offiziell mehr Untertan als Victorias Ehemann.
In ihrer Liebe zu Albert schreibt die Queen: „Wenn ich ihn nur zum König machen könnte!“
Das viktorianische Zeitalter
Victorias Regentschaft steht gleichzeitig für den Glanz und das Elend des britischen Empires.
Sie ist die Königin eines Weltreichs, in dem die Sonne nie untergeht: mit ungeahntem Wohlstand und Fortschritt auf der einen Seite, blutigen Kolonialkriegen, Kinderarbeit und nie gekannter Armut und Ausbeutung auf der anderen.

Queen Victoria 1847
Ölgemälde von Franz Xaver Winterhalter
Im Gegensatz zu Victoria nimmt Albert die Herausforderungen der Moderne an.
Er ist sich bewusst, dass die britische Monarchien nicht für alle Zeiten auf einem sicheren Fundament stehen kann, wenn sie sich nicht anpasst.
In seinem Tagebuch notiert er akribisch alle Ereignisse, bei denen wütende Untertanen gegen die royale Familie aufbegehren.
Seinem Einfluss ist es zu verdanken, dass die Königsfamilie jetzt häufiger auftritt und sich den Untertanen zeigt; er selbst eröffnet unermüdlich neue Krankenhäuser und Armenhäuser, um zumindest die größte Not für die Ärmsten der Armen in der britischen Klassengesellschaft während der britischen Industrialisierung zu lindern.
Die Pfeiler der Macht
Im viktorianischen London treffen Geld, Macht und Moral ungebremst aufeinander.
Während Banken ins Wanken geraten und politische Intrigen die Elite erschüttern, kämpfen die Armen ums tägliche Überleben. Die Pfeiler der Macht ist ein packend erzähltes Sittengemälde dieser Zeit voller Spannung, Abgründe und großer historischer Wucht.
Alberts gute Absichten kommen auch bei der Königin an — zumindest in der Theorie.
„Wahrhaftig, die Teilung in Klassen ist äußerst gefährlich und verwerrflich und vom Naturgesetz niemals so vorgesehen, und die Königin tut allzeit das Ihre, um es zu ändern”, schreibt sie einmal. Und übersieht geflissentlich, dass sie ihre eigene königliche Gegenwart von diesem noblen Prinzip selbstverständlich ausnimmt.
Sie verlangte von Untergebenen und ihrer Dienerschaft Unsichtbarkeit.
Und nicht nur von denen:
Am liebsten unsichtbar
„ … In den höheren Sphären der gesamtgesellschaftlichen Hierarchie mussten sich nicht nur die Diener, sondern auch die Gäste und ständigen Mitglieder des Haushalts so unsichtbar machen wie möglich. Wenn Königin Victoria im Park von Osborne House auf der Isle of Wright ihren Nachmittagsspaziergang machte, durfte ihr niemand, einerlei wie hochmögend, begegnen.
Einmal befand sich Schatzkanzler Sir Wiliam Harcourt auf offenem Gelände, und zum Verstecken gab es nichts als ein winziges Gestrüpp. Da Harcourt 1,93 Meter groß und sehr stattlich war, konnte es nicht mehr als eine symbolische Geste sein, wenn er versuchte, sich unsichtbar zu machen.
Aber ihre Majestät vollbrachte das Wunder: Sie sah ihn nicht; sie war eine Meisterin darin, nicht hinzusehen. Waren auf dem Flur des Hauses Begenungen unvermeidlich, starrte sie unbeirrt geradeaus oder brachte jeden, der ihr entgegenkam, mit herrisch blitzenden Augen zum Verschwinden.“
Aus: Bill Bryson, Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge*
Aufbruch in die Moderne: Das Zeitalter des Prinzgemahls
Während Victoria in vielen Bereichen noch in der guten alten Zeit steckengeblieben zu sein scheint, stürmt Albert in die Moderne.
Bereits als junger Mann interessiert er sich brennend für die neu aufkommende Technologie der Fotografie, weshalb es nicht verwundert, dass ein Foto von ihm mit 23 Jahren eines der ersten fotografischen Portraits ist, das in Großbritannien entstand.

Fotografie von Albert und Queen Victoria, 1854
Sein größtes architektonisches und organisatorisches Projekt, das ihm zunächst viel Kopfschütteln und Kritik einbrachte, war der sogenannte Crystal Palace im Hyde Park, ein riesiges Gebäude aus Glas in der 1851 die „Great Exhibition“, die erste Weltausstellung stattfinden soll.
Ein unmögliches Unterfangen, wie viele meinten.
Und sich irrten.
Weder stürzte das Gebäude in sich zusammen, wie es viele Hobby-Architekten und ‑Statiker berechnet hatten, noch zog die Weltausstellung internationale Raudi- und Gangsterbanden an, die das Publikum beraubten. Trotz der Besorgnis vieler, wird die Ausstellung zu einem großen Erfolg und verläuft ruhig und geordnet.
Albert ist ein Mann des Intellekts und des diplomatischen Gespürs — und hat auch für die modernen Zeiten eine sichere Hand.
Victorias und Alberts Heiratspolitik
Trotz aller Modernität setzen auch Victoria und Albert bei ihren Kindern auf Heiratspolitik und arrangierte Ehen.
Aus diplomatischen Gründen findet auch die Hochzeit von Victorias und Alberts ältester Tochter Vicky mit Friedrich Wilhelm statt, dem ältesten Sohn des Königs von Preußen und ersten deutschen Kaisers, Wilhelm I.
Doch das Schicksal meint es gut mit der jungen Braut (bei der Hochzeit ist sie 17 Jahre alt) und ihrem 9 Jahre älteren Bräutigam: Beide verlieben sich ineinander.

Victoria Princess Royal, älteste Tochter von Queen Victoria und Prinz Albert, Mutter des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II, gemalt 1857 von Franz Xaver Winterhalter.
‘Fritz’, groß gewachsen, mit vollem, fast blonden Bart und blauen Augen, war seiner Frau, die er privat liebevoll ‘Frauchen’ nannte, sehr zugetan, was bei Hofe hinter vorgehaltener Hand für Spott und hochgezogene Augenbrauen sorgt.
Er übernimmt ihre von Albert beeinflusste politische Einstellung, ist Anhänger des britischen Systems einer konstitutionellen Monarchie mit solidem Parlamentarismus und gilt im Deutschen Kaiserreich als Hoffnungsträger der Liberalen.
Eine trügerische Hoffnung: Ähnlich wie Prince Charles ist Friedrich Wilhelm jahrzehntelang ein Thronerbe in der Warteschleife.
Als sein Vater Kaiser Wilhelm I. 1888 im rüstigen Alter von 90 Jahren stirbt ist der ewige Kronprinz selbst todkrank. Er geht als Kurzzeit-Kaiser Friedrich III. in die Geschichte ein; seine Regentschaft dauerte genau 99 Tage.
Dann stirbt der Pfeifen- und Zigarrenliebhaber an Kehlkopfkrebs.
In diesem „Drei-Kaiser-Jahr” 1888 übernimmt schließlich Friedrichs und Vickys 29-jähriger Sohn, Queen Victorias Enkel, als Kaiser Wilhelm II die Macht im Deutschen Kaiserreich.
Alberts plötzlicher Tod
Den Stolz, den Albert für seine älteste Tochter Vicky empfindet — zu der er von all seinen Kindern das engste Verhältnis hat — kann er für seinen ältesten Sohn, dem Thronerben Albert Edward (und späteren König Edward VII.), nicht aufbringen.
Der gilt zwar als charmant, aber auch als arbeitsscheu und intellektuell nicht so fix wie seine große Schwester. Oder in anderen Worten: als faul und dumm.
Als „Bertie“ seine militärische Ausbildung absolviert, teilt er mit einer jungen „Schauspielerin“ öfter das Bett, was seinen Eltern zu Ohren kommt.
Berties lasterhaftes Leben erzürnt vor allem Albert, der in diesen Dingen konservativer als Victoria ist.
Im November 1861 reist er deshalb zu seinem Sohn, um ihn persönlich zur Ordnung zu rufen. Dieses Gespräch findet in Form einer strengen Aussprache bei strömendem Regen statt, von der Albert fiebernd zurückkommt.
Zunächst nimmt Victoria Alberts Schmerzen und Klagen nicht ernst und tut sie als „Gejammer“ ab.
Erst als sich sein Zustand verschlechtert, er von Todesahnungen gequält wird und sich die behandelnden Ärzte nicht einigen können, ob die Ursache seiner anhaltenden Schmerzen bei einer Infektion oder sogar Magenkrebs zu suchen sind, wird der Königin der Ernst der Lage bewusst.
Am 11. Dezembers 1861 erfährt die Öffentlichkeit durch ein Bulletin erstmals von der Erkrankung des Prinzgemahls, am 14. Dezember 1861 ist er tot, gestorben mit 42 Jahren.
Queen Victoria: Die Großmutter Europas
Victoria verwindet Alberts Tod nie.
Bis zu ihrem Tod 1901 trägt sie 40 Jahre lang Trauerkleidung und lässt seine Gemächer Tag für Tag mit frischer Wäsche und Garderobe herrichten, als ob er nur kurz weg wäre.
Die Schuld am Tod seines Vaters kreidet sie ihrem ältesten Sohn Bertie an, zudem ihr Verhältnis ein Leben lang besonders angespannt bleibt.

Queen Victoria (1819 — 1901) anlässlich ihres goldenen Thronjubiläums 1887. Fotografie von Alexander Bassano
Besonders bei der Heiratspolitik setzt sie Alberts Werk fort und verheiratet 8 ihrer 9 Kinder mit sämtlichen wichtigen europäischen Fürsten- und Königshäuser.
Bald gibt es in ganz Europa kaum noch Nachkommen des Hochadels, die nicht in irgendeiner Form mit ihr verwandt sind. Das bringt ihr den stolzen Beinamen „Großmutter Europas” ein — was ihre Enkel allerdings nicht davon abhält, im 1. Weltkrieg gegeneinander zu kämpfen.
Doch weder als Mutter noch als Groß- oder Landesmutter bringt sie so viel Liebe auf wie für ihren beloved Albert. Als ihre älteste Tochter Victoria ihr in einem Brief schreibt, dass sie ihren kleinen Sohn Wilhelm stillt, empört sie sich und schreibt erzürnt zurück, dass sie keines ihrer Kinder gestillt habe. Ein anderes Mal vergleicht sie kleine Kinder mit quakenden Fröschen.
Und als 1888 abzusehen ist, dass Victoria zur deutschen Kaiserin gekrönt werden wird (wenn auch nur für kurze Zeit …), lässt sie sich flugs zur Kaiserin von Indien ernennen, um keinen niedrigeren Titel als ihre Tochter zu tragen.
Queen Victoria kann einfach nicht aus ihrer Haut.
Ihre jüngste Tochter Beatrice verheiratet Victoria nicht, sondern behält sie bei sich, um nicht alleine zurück zu bleiben. Erst relativ spät, im Alter von 28 Jahren, kann sich Beatrice der mütterlichen Vereinnahmung durch die Hochzeit mit Prinz Heinrich Moritz von Battenberg entziehen.
Königin Victoria, als privater Mensch und Mutter keineswegs einfach, formt in ihrem Leben das British Empire und prägt eine Ära.
Insgesamt 63 Jahre, sieben Monate und zwei Tage war sie die Königin Großbritanniens.
Als sie im Alter von 81 Jahren stirbt, trauert die Welt und ihre Regierungszeit wird zum Viktorianischen Zeitalter verklärt.
Doch nicht nur der Tod der Königin wurde betrauert.
40 Jahre zuvor zeigte sich das Königreich tief erschüttert vom frühen Tod des Prinzgemahls.
Der spätere Premierminister Benjamin Disraeli schreibt: „Dieser deutsche Prinz hat England 21 Jahre lang mit einer Weisheit und Energie regiert, die keiner unserer Könige je an den Tag gelegt hat.“
Albert hinterließ ein Reich des Wissens und des Fortschritts.
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„Es wäre besser gewesen, Du wärest nie geboren worden“, soll ihm seine Mutter Victoria, die älteste Tochter der legendären britischen Queen Victoria, an den Kopf geworfen haben. Ob dieser mütterliche Wutausbruch tatsächlich so stattgefunden hat, ist historisch nicht eindeutig belegt, aber eine glückliche Kindheit hatte Kaiser Wilhelm II. mit Sicherheit nicht.
Wilhelm, das Großmaul
Copyright: Agentur für Bildbiographien, www.bildbiographien.de 2020, überarbeitet 2026
Mein großes Dankeschön gilt an dieser Stelle meiner Co-Autorin Jordis, die wesentlich zu diesem Artikel beigetragen hat.
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Bildnachweise
Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, Lithographie von Franz Hanfstaengl, 1840, Gemeinfrei
Heirat zwischen Victoria und Albert, Gemälde von George Hayter — Royal Collection RCIN 407165http://www.royalcollection.org.uk/egallery/object.asp?object=407165, Gemeinfrei
Die königliche Familie, Gemälde von Franz Xaver Winterhalter, 1846 — Royal Collection RCIN 405413, Eigenes Werk, user:Rlbberlin, Gemeinfrei
Victoria, 1847, Ölgemälde von Franz Xaver Winterhalter — Original painting owned by the Royal Collection. Source of photograph unknown, Gemeinfrei
Albert und Victoria (Foto, 1854), Von Roger Fenton – royalcollection von Sissel (Diskussion · Beiträge) ursprünglich auf hu.wikipedia hochgeladen (29. Oktober 2007, 18:48). Der Dateiname war Albert and Victoria.jpg., Gemeinfrei
Kaiser Wilhelms II Mutter Victoria: „Victoria Princess Royal , 1857“ von Franz Xaver Winterhalter — Winterhalter and the courts of Europe. Transfered from de:Image:Victoria Princess Royal , 1857.jpg. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.
Königin Victoria am Tag ihres goldenen Thronjubiläums 1887, von Alexander Bassano — https://www.royalcollection.org.uk/collection/2105818/portrait-photograph-of-queen-victoria-1819–1901
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Dr. Susanne Gebert
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