Der „Schwarze Freitag“: Vom Börsenkrach zur Weltwirtschaftskrise

Berlin, Bankenkrach, Andrang bei der Sparkasse

Im Kampf um ihre Spar­ein­la­gen! Mas­sen­an­drang der Spa­rer vor der städ­ti­schen Spar­kas­se in Ber­lin. Von Bun­des­ar­chiv, Bild 102–12023 / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0

Tat­säch­lich ist der „Schwar­ze Frei­tag“ ein Don­ners­tag. Am 24. Okto­ber 1929 begin­nen an der New Yor­ker Wall Street die Akti­en­kur­se zu rut­schen. Gegen Mit­tag wird aus Ner­vo­si­tät Panik, der Dow Jones sackt ab, der Han­del bricht mehr­mals zusam­men. Der Crash wird schließ­lich zur Wirt­schafts­kri­se, als jeder ver­sucht zu ret­ten, was noch zu ret­ten ist — egal, zu wel­chem Preis. Der Bör­sen­krach an der Wall Street, der zunächst von vie­len als Kor­rek­tur über­hitz­ter Märk­te gedeu­tet wur­de, stürz­te die Welt in eine der schlimms­ten und fol­gen­schwers­ten Kri­sen ihrer Geschich­te.

Nach den ers­ten blu­ti­gen Cha­os­jah­ren der Wei­ma­rer Repu­blik, nach Ruhr­kampf und Hyper­in­fla­ti­on 1923, begin­nen ab 1924 auch in Deutsch­land die „Gol­de­nen Zwan­zi­ger Jah­re”.

Es sind Boom­jah­re. Autos, Radi­os, Kühl­schrän­ke und Staub­sauger erobern die Welt und die Haus­hal­te; sie sind die Stars des lang­an­hal­ten­den Auf­schwungs bis 1929.

Auch deut­sche Kon­zer­ne wie IG Far­ben, Sie­mens und AEG sind dabei: Umsatz und Gewinn der dama­li­gen High-Tech-Unter­neh­men wach­sen in den Him­mel, Jahr für Jahr gibt es für die Akti­en­kur­se an den Bör­sen nur eine Rich­tung. Auf­wärts.

Berlin, Tanztee im "Esplanade"

Ber­lin, Tanz­tee im “Espla­na­de”. Ber­lin 1926 Im Gar­ten des Ber­li­ner Hotels “Espla­na­da” spielt zum 5 Uhr-Tee eine Jazz­band. Von Bun­des­ar­chiv, Bild 183-K0623-0502–001 / CC-BY-SA 3.0,


Everybody ought to be Rich

Jeder soll reich sein, ist das Lebens­ge­fühl der Roaring Twen­ties. Fast sieht es so aus, als ob das öko­no­mi­sche Para­dies auf Erden erreich­bar wäre.

In den USA, dem eigent­li­chen Gewin­ner des 1. Welt­krie­ges und Kern­land die­ses Booms, beträgt das Wirt­schafts­wachs­tum durch­schnitt­lich 3,3 Pro­zent. Seit Jah­ren gibt es kei­ne Infla­ti­on mehr, der Staats­haus­halt jagt von einem Rekord­über­schuss zum nächs­ten.

Auch der Akti­en­markt boomt und vie­le Ame­ri­ka­ner ent­de­cken das Spe­ku­lie­ren als neu­en Zeit­ver­treib. Und als lukra­ti­ven Neben­er­werb:

… Auf dem Akti­en­markt wur­de schein­bar mühe­los ein Ver­mö­gen ver­dient. In Frü­her Erfolg. Über Geld und Lie­be, Jugend und Kar­rie­re, Schrei­ben und Trin­ken berich­tet F. Scott Fitz­ge­rald vol­ler Ver­wun­de­rung, dass sein Fri­seur in den Ruhe­stand gegan­gen sei, nach­dem er mit einer ein­zi­gen Inves­ti­ti­on eine hal­be Mil­li­on Dol­lar ver­dient hat­te — zur dama­li­gen Zeit fast das Vier­hun­dert­fa­che eines durch­schnitt­li­chen Jah­res­ge­halts. Für vie­le wur­de das Spe­ku­lie­ren an der Bör­se bei­na­he zur Sucht.”

Bill Bry­son, Som­mer 1927

Mit dem Opti­mis­mus wächst die Risi­ko­be­reit­schaft.

Akti­en der pro­spe­rie­ren­den Unter­neh­men wer­den „auf Pump“ gekauft: Schon für eine Anzah­lung von 10 Dol­lar kann man bei Bro­kern Akti­en im Wert von 100 Dol­lar erwer­ben, den rest­li­chen Kauf­be­trag kann man spä­ter bequem mit den Gewin­nen der Akti­en bezah­len, die sich erfreu­li­cher­wei­se schnell und zuver­läs­sig ein­stel­len.

Jeder, der da nicht mit­macht, ist eigent­lich ein Idi­ot.


ANZEIGE

Das Lebens­ge­fühl der Deut­schen Ende der 1920er Jah­re, die Zer­ris­sen­heit der Wei­ma­rer Repu­blik zwi­schen Links und Rechts und ein packen­der Kri­mi — per­fekt ein­ge­fan­gen in tol­len Bil­dern. Sehr emp­feh­lens­wert für alle, die Zeit­ge­schich­te nicht nur mit Zah­len und Fak­ten ver­ste­hen, son­dern auch die Men­schen dahin­ter begrei­fen wol­len. Sehens­wert! Tom Tykwers Baby­lon Ber­lin Staf­fel 1 + 2*, 2018, FSK 12


Jetzt kaufen, später zahlen

Je län­ger der Boom anhält, des­to weni­ger kann man sich vor­stel­len, dass die­se schö­ne neue Zeit jemals enden könn­te.

Jetzt kau­fen, spä­ter zah­len, kommt aber nicht nur für Akti­en in Mode, son­dern setzt sich auch als Kon­zept für den Haus­ge­brauch durch: Man spart nicht mehr auf’s neue Radio, Auto oder eines der vie­len neu­en und moder­nen Haus­halts­ge­rä­te, son­dern kon­su­miert auf Kre­dit. War­um war­ten, wenn man’s gleich haben kann?

Das funk­tio­niert gut, solan­ge man sei­nen Job behält und es wirt­schaft­lich auf­wärts geht.

Es funk­tio­niert nicht, wenn die­ser Kreis­lauf aus dem Takt kommt.

Dass die­ser Kreis­lauf aus dem Takt gera­ten wird, ist fast schon vor­pro­gram­miert — die Gol­de­nen Zwan­zi­ger Jah­re sind nicht mehr als die beschwing­te Atem­pau­se zwi­schen zwei Kata­stro­phen. Denn es gibt eine ticken­de Zeit­bom­be, von der kaum jemand etwas ahnt: Gold.

Tanz auf dem Vulkan: Die goldenen Zwanziger Jahre


Denn die Ame­ri­ka­ner haben ein Pro­blem: Ihnen geht es zu gut.
Zu gut im Ver­gleich zu den Euro­pä­ern, die sich immer noch nicht ganz von den Fol­gen des Ers­ten Welt­krie­ges erholt haben.

Dage­gen soll Abhil­fe geschaf­fen wer­den. Bereits 1927 tref­fen sich daher vier illus­tre Her­ren in aller Heim­lich­keit.
(Der dama­li­ge US-Prä­si­dent Cal­vin Coo­lidge — haupt­säch­lich bekannt durch den “Coo­lidge-Effekt” beim Fremd­ge­hen — ist bekannt für sei­ne “ruhi­ge” Hand in der Poli­tik, also für’s Nichts­tun. Dem­entspre­chend ist er wäh­rend des Tref­fens auch ander­wei­tig beschäf­tigt.)

… Wäh­rend sich Prä­si­dent Coo­lidge in den Black Hills als Cow­boy ver­gnüg­te, leg­ten am ande­ren Ende des Lan­des und jen­seits sei­nes momen­ta­nen Inter­es­sen­spek­trums vier inter­na­tio­na­le Ban­ker still und heim­lich den Grund­stein für den Zusam­men­bruch des Akti­en­mark­tes und die anschlie­ßen­de Welt­wirt­schafts­kri­se. Selbst­ver­ständ­lich war Letz­te­res weder ihre Absicht noch ihre Erwar­tung.
Die frag­li­chen Män­ner waren: Ben­ja­min Strong, Gou­ver­neur der Federal Reser­ve Bank of New York; Sir Mon­ta­gu Nor­man, Gou­ver­neur der Bank of Eng­land; Hja­l­mar Schacht, Prä­si­dent der deut­schen Reichs­bank, und Charles Rist, stell­ver­tre­ten­der Gou­ver­neur der Ban­que de Fran­ce. Gemes­sen an ihrer enor­men Bedeu­tung han­del­te es sich bei den vier Män­nern um ein recht eigen­ar­ti­ges Quar­tett: Einer von ihnen lag im Ster­ben, einer war völ­lig ver­schro­ben, einer war ein zukünf­ti­ger Nazi, und einer war ver­hält­nis­mä­ßig nor­mal, aber unter den gegen­wär­ti­gen Umstän­den mehr oder weni­ger bedeu­tungs­los.

Bill Bry­son, Som­mer 1927

Die Goldfalle

Im Som­mer 1927 tref­fen sich also Ben­ja­min Strong, Gou­ver­neur der Federal Reser­ve Bank of New York; Sir Mon­ta­gu Nor­man, Gou­ver­neur der Bank of Eng­land; Hja­l­mar Schacht, Prä­si­dent der deut­schen Reichs­bank, und Charles Rist, stell­ver­tre­ten­der Gou­ver­neur der Ban­que de Fran­ce zu gemein­sa­men Bera­tun­gen.

Ver­se­hent­lich legt das Ban­kiers­quar­tett dabei aller­dings den Grund­stein für den atem­be­rau­ben­den Absturz der Welt­wirt­schaft zwei Jah­re spä­ter.

Das Pro­blem, das sie behe­ben wol­len, wird durch das unge­brems­te Wirt­schafts­wachs­tum der USA ver­ur­sacht.
Denn durch die hohen Ein­künf­te fließt das Gold ein­sei­tig nach Ame­ri­ka, der stärks­ten Wirt­schafts­macht der Welt.

Das ist dem inter­na­tio­nal gül­ti­gen Gold­stan­dard zu ver­dan­ken, der fest­legt, dass jeder Staat den Gegen­wert der sich im Umlauf befind­li­che Geld­men­ge in Form von Gold in den Tre­so­ren ihrer Zen­tral­ban­ken vor­rä­tig haben muss; zehn Gold­mark müs­sen — zumin­dest theo­re­tisch — gegen Gold im Wert von zehn Mark umtausch­bar sein; zehn Dol­lar gegen Gold im Wert von zehn Dol­lar.

Die Ame­ri­ka­ner ersti­cken wegen ihrer Wirt­schafts­kraft in Gold, bei den Euro­pä­ern wird es knapp. Wenn man nichts dage­gen unter­nimmt, wird die­ses Ungleich­ge­wicht frü­her oder spä­ter die gesam­te Welt­wirt­schaft abwür­gen.


ANZEIGE

Preis: EUR 9,99
Ame­ri­ka auf dem Weg zur Welt­macht. Ein eben­so span­nend zu lesen­des wie infor­ma­ti­ves Buch über Hoch­was­ser und Poli­tik, Charles Lind­bergh, das Kino, die Mafia, Ein­wan­de­rer, Prä­si­dent Coo­lidge und den Grund­stein der Welt­wirt­schafts­kri­se 1929. Ein dickes Buch (640 Sei­ten), aber ein sehr lesens­wer­tes Buch! Bill Bry­son: Som­mer 1927*, Wil­helm Gold­mann Ver­lag, Mün­chen, Taschen­buch­aus­ga­be April 2016

Prin­zi­pi­ell ist der Gold­stan­dard kei­ne schlech­te Idee, denn er macht eine Infla­ti­on nahe­zu unmög­lich. Staa­ten kön­nen nicht ein­fach nach Belie­ben Geld dru­cken, so wie es wäh­rend des Krie­ges und vor allem in den Jah­ren danach in Deutsch­land und Öster­reich gehand­habt wur­de (der Aus­lö­ser der Hyper­in­fla­ti­on 1923).

Der Gold­stan­dard sorg­te für Sta­bi­li­tät bei Prei­sen und Wech­sel­kur­sen und war psy­cho­lo­gisch als “har­te Wäh­rung” ein Garant für eine funk­tio­nie­ren­den Wirt­schaft.

Aber er passt nicht mehr in die neue Zeit.

… In der Theo­rie mag es groß­ar­tig klin­gen, sämt­li­che Gold­vor­rä­te zu besit­zen, doch das wür­de in der Pra­xis bedeu­ten, dass ande­re Län­der kei­ne ein­hei­mi­schen Pro­duk­te mehr kau­fen könn­ten, da sie selbst kein Gold mehr besä­ßen, um die­se Pro­duk­te zu bezah­len. Im Inter­es­se des Han­dels und einer gesun­den Welt­wirt­schaft soll­te Gold zir­ku­lie­ren.”

Bill Bry­son, Som­mer 1927

Niedrige Zinssätze mit explosiver Wirkung

Die vier Ban­kiers machen sich ans Werk und tren­nen sich am 7. Juli 1927 im guten Glau­ben, der Welt­wirt­schaft auf die Sprün­ge gehol­fen zu haben, bevor sie merk­lich abkühlt.

Sie haben beschlos­sen, den Dis­kont­sat­zes der ame­ri­ka­ni­schen Federal Reser­ve Bank von vier auf drei­ein­halb Pro­zent zu sen­ken und hof­fen, dadurch mehr ver­mö­gen­de Ame­ri­ka­ner dazu zu bewe­gen, ihr Kapi­tal in Euro­pa zu inves­tie­ren.

Man glaubt, die ame­ri­ka­ni­sche Wirt­schaft kön­ne eine klei­ne Zins­sen­kung gut ver­kraf­ten und könn­te dadurch mehr ame­ri­ka­ni­sche Inves­to­ren dazu bewe­gen, in Euro­pa zu inves­tie­ren, da dort jetzt höhe­re Zin­sen locken.

Dadurch, so die Erwar­tung der vier Her­ren, flös­se wie­der mehr Gold in Rich­tung Euro­pa, der Gold­pe­gel dies­seits des Ant­lan­tiks kön­ne sich aus­glei­chen, der Welt­han­del wer­de ange­kur­belt.

Eine kapi­ta­le Fehl­ein­schät­zung.

Denn anstatt nach Euro­pa fließt das bil­li­ge Geld direkt in die hei­mi­schen Akti­en. Der noch güns­ti­ge­re Zins­satz für Kre­di­te ist Was­ser auf die Müh­len der Spe­ku­lan­ten in den USA und heizt ihre Kauf­lau­ne erst so rich­tig an. Der Akti­en­boom erlebt einen neu­en Rekord-Höhen­flug — und führt zu  einer gewal­ti­gen Spe­ku­la­ti­ons­bla­se. Kau­fen auf Pump ist ja gera­de en vogue.


ANZEIGE

Reines Öl aus echtem Lavendel im Probierset aus Lavendelöl und Karte mit AnwendungsempfehlungenWenn die Bör­se niest …
… hus­tet die Welt!

Gegen einen ver­schnupf­ten Akti­en­markt ist kein Kraut gewach­sen, gegen (ech­ten) Hus­ten, Schnup­fen und Brumm­schä­del schon: Zum Bei­spiel Brea­the, eine ein­zig­ar­ti­ge Kom­bi­na­ti­on hoch­wer­ti­ger äthe­ri­scher Öle, die alle läs­ti­gen Begleit­erschei­nun­gen einer Erkäl­tung schnell und natür­lich lin­dern kann. Mehr Infos dazu in unse­rem Shop


Die Sen­kung der Zins­sät­ze ist der Fun­ke, der das wack­li­ge Ban­ken- und Wirt­schafts­sys­tem der 1920er Jah­re zur Implo­si­on bringt.

Die bereits absurd hohen Akti­en­kur­se schnel­len nach der Sen­kung des Dis­kont­sat­zes wei­ter in die Höhe. Und da alle auf Pump kau­fen, ste­hen allein in den USA Inves­to­ren bei ihren Bro­kern kur­ze Zeit spä­ter mit schwin­del­erre­gen­den vier­ein­halb Mil­li­ar­den Dol­lar statt mit einer Mil­li­ar­de in der Krei­de.

Jeder kann reich wer­den, scheint für vie­le in noch greif­ba­rer Nähe zu sein.

Tat­säch­lich wird genau das Gegen­teil der ursprüng­li­chen Absicht ein­tre­ten.

Vom Börsenkrach
zur Weltwirtschaftskrise

Die Wirt­schaft kann ein­fach nicht mit­hal­ten.

Bereits seit 1928 gibt es ers­te Brems­spu­ren, Fir­men­kon­kur­se häu­fen sich, weil Märk­te gesät­tigt und Prei­se durch gewal­ti­ge Über­pro­duk­tio­nen in den Kel­ler gedrückt wer­den.

Die Bör­sen hat­te das zunächst nicht gestört. Aber der welt­wei­te Auf­wärts­trend an den Akti­en­märk­ten hat schon lan­ge nichts mehr mit Pro­duk­ti­vi­tät oder Pro­fi­ten zu tun, son­dern nur mit der Bereit­schaft der Anle­ger, immer mehr Geld zu inves­tie­ren — auf Pump.

Ein Mil­li­ar­den­ver­mö­gen steckt in fau­len Kre­di­ten.

An jenem schwar­zen Don­ners­tag Ende Okto­ber 1929 pas­siert das, was unaus­weich­lich war: Die  gigan­ti­sche Spe­ku­la­ti­ons­bla­se platzt und die Akti­en­kur­se an der Wall Street stür­zen ins Boden­lo­se.

Crowd_outside_nyse

Eine Men­schen­men­ge ver­sam­melt sich nach dem Bör­sen­crash von 1929 an der Wall Street. Gemein­frei

Als die Nach­richt vom Bör­sen­krach in den USA am Frei­tag, dem 25. Okto­ber, die euro­päi­schen Bör­sen erreicht, glau­ben vie­le zunächst an eine Kor­rek­tur­pha­se des ame­ri­ka­ni­schen Mark­tes.

Die Kur­se in Euro­pa stei­gen sogar leicht an, da man erwar­tet, dass Inves­to­ren sich jetzt stär­ker auf euro­päi­sche Akti­en kon­zen­trie­ren wür­den.

Doch die Tal­fahrt in den USA hält an, und am Diens­tag der dar­auf­fol­gen­den Woche bricht auch der euro­päi­sche Markt end­gül­tig zusam­men.

Akti­en wer­den zu Schleu­der­prei­sen ver­kauft, Ban­ken reagie­ren in Panik und for­dern Kre­di­te unver­züg­lich zurück, eine Maß­nah­me, die auch eigent­lich gesun­de Unter­neh­men über Nacht in den Bank­rott trei­ben.

Anle­ger, die Akti­en im Ver­trau­en auf einen ewig anhal­ten­den Boom kre­dit­fi­nan­ziert gekauft hat­ten, sind plötz­lich hoch ver­schul­det.
Doch allein durch die Kurs­stür­ze hät­te aus dem Bör­sen­crash nicht die nach­fol­gen­de welt­wei­te Wirt­schafts­kri­se wer­den müs­sen.

Es ist wie­der der„Goldstandard“, der die schlin­gern­den Volks­wirt­schaf­ten end­gül­tig ins Elend reißt.


ANZEIGE

Die dra­ma­ti­sche Zwi­schen­kriegs­zeit 1918 bis 1939 in Euro­pa in Spiel­sze­nen und bis­lang unver­öf­fent­lich­tem Ori­gi­nal-Film­ma­te­ri­al basie­rend auf Tage­bü­chern, Brie­fen und Fotos per­fekt in Sze­ne gesetzt. Kei­ne Wis­sen­schaft­ler aus dem Off — son­dern Men­schen, ihre Träu­me und Schick­sa­le zusam­men­ge­fasst in tol­len neu­en und alten Bil­dern, die uns ihre Zeit nahe brin­gen. Sehr sehens­wert! Krieg der Träu­me 1918–1939 [3 DVDs]*, 2018, FSK 12


Vom Ansturm der Sparer in den Abgrund

Oft reich­te das Gerücht, eine Bank sei durch Akti­en­ver­lus­te und insol­ven­te Schuld­ner in eine Schief­la­ge gera­ten, um einen Mas­sen­an­sturm besorg­ter Spa­rer zu pro­vo­zie­ren.

Men­schen ste­hen Schlan­ge und drän­gen an die Schal­ter, um ihre Ein­la­gen zurück­for­dern. Vie­le klei­ne­re, aber auch grö­ße­re Ban­ken über­le­ben einen sol­chen Ansturm nicht und machen Kon­kurs, vie­le Klein­spa­rer ver­lie­ren ihr sicher geglaub­tes Gut­ha­ben, das sie bei der Bank ihres Ver­trau­en für schlech­te Zei­ten oder teu­re Anschaf­fun­gen gespart hat­ten.

Soge­nann­te „Bank­fei­er­ta­ge“ wer­den ein­ge­führt, um den Ansturm der Mas­sen wenigs­tens etwas zu regu­lie­ren.

Die Ban­ken ver­su­chen in ihrer Not, mög­lichst liqui­de zu blei­ben: Nach und nach geben Bank­in­sti­tu­te eine ihrer Kern­auf­ga­ben – die Kre­dit­ver­ga­be – auf und hor­ten Geld nur noch.
Doch ohne Kre­di­te kön­nen Unter­neh­men nicht inves­tie­ren und Kun­den nicht kau­fen.

Durch das Geld­hor­ten wird eine fata­le Abwärts­spi­ra­le in Gang gesetzt, denn wenn Geld aus dem Ver­kehr gezo­gen und knapp wird, sin­ken die Prei­se, weil Käu­fer weni­ger Mit­tel zur Ver­fü­gung haben.

Defla­ti­on – Waren und Dienst­leis­tun­gen müs­sen immer bil­li­ger wer­den, damit sie über­haupt Käu­fer fin­den – würgt die Wirt­schaft ab und treibt Unter­neh­men in den Ruin.

Nach dem Crash folgt die Kri­se.

Hun­dert­tau­sen­de – teil­wei­se auch ren­ta­ble – Unter­neh­men kol­la­bie­ren, Mil­lio­nen Men­schen ver­lie­ren ihre Arbeit.
In Deutsch­land steigt die Zahl der Arbeits­lo­sen von 1,4 Mil­lio­nen (Ende Sep­tem­ber 1929) auf 5 Mil­lio­nen (Ende 1930). Im Febru­ar 1932 sind 6 Mil­lio­nen Men­schen arbeits­los, die Dun­kel­zif­fer ist rie­sig.

Zur wirt­schaft­li­chen Depres­si­on kommt die Hoff­nungs­lo­sig­keit der Men­schen.
Denn das Schlimms­te ist: Ein Ende ist nicht abzu­se­hen.

Welt­weit.

Die Not unse­rer Zeit! Arbeits­lo­se Hafen­ar­bei­ter auf Abruf bei der Stra­ßen-Arbeits­ver­mitt­lung am Baum­wall, Ham­burg, 1931. Von Bun­des­ar­chiv, Bild 102–11008 / CC-BY-SA 3.0


Lesen Sie im nächs­ten Bei­trag: Die NSDAP: Von “fer­ner lie­fen” zur zweit­stärks­ten Frak­ti­on  — Min­der­heits­re­gie­rung von Hin­den­burgs Gna­den — “Hun­ger­kanz­ler” Hein­rich Brü­ning — Dau­er­bren­ner Repa­ra­ti­ons­zah­lun­gen
1932 — Das Ende der Repu­blik. Brü­ning, der Hun­ger­kanz­ler

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www.bildbiographien.de, 2013 (über­ar­bei­tet: 2017)


Buch-, Audio- und Film­emp­feh­lun­gen:
Die mit * gekenn­zeich­ne­ten Links sind soge­nann­te Affi­la­te-Links, die hel­fen, den Blog Genera­tio­nen­ge­spräch zu finan­zie­ren. Wenn Ihnen eine der ange­ge­be­nen Buch­emp­feh­lun­gen
gefällt und Sie das Buch über die­sen Link bestel­len, erhält der Blog dafür eine klei­ne Pro­vi­si­on, ohne dass für Sie Mehr­kos­ten ent­ste­hen. Für Ihren Klick: Herz­li­chen Dank im Vor­aus!


Preis: EUR 9,99

Die USA auf dem Weg zur Welt­macht. Bill Bry­son wie immer span­nend und infor­ma­tiv über Hoch­was­ser und Poli­tik, Charles Lind­bergh, das Kino, die Mafia, Ein­wan­de­rer, Prä­si­dent Coo­lidge und den Grund­stein der Welt­wirt­schafts­kri­se 1929. Ein dickes Buch (640 Sei­ten), aber auch ein sehr lesens­wer­tes Buch.
Bill Bry­son: Som­mer 1927*, Wil­helm Gold­mann Ver­lag, Mün­chen, Taschen­buch­aus­ga­be April 2016


Natio­nal­so­zia­lis­mus in Deutsch­land: Ein sehr lesens­wer­ter Geschichts-Thril­ler über das Ende der Wei­ma­rer Repu­blik.

Rüdi­ger Barth, Hau­ke Fried­richs, Die Toten­grä­ber: Der letz­te Win­ter der Wei­ma­rer Repu­blik*, S. FISCHER Ver­lag, 2018



Die Zwi­schen­kriegs­zeit 1918 bis 1939. Nicht von Wis­sen­schaft­lern und His­to­ri­kern erklärt, son­dern durch Zeit­zeu­gen anhand von Tage­bü­chern, Brie­fen und Foto­gra­fi­en erzählt. Spiel­sze­nen wech­seln sich mit alten Film­auf­nah­men ab — eine sehr sehens­wer­te und authen­ti­sche Mischung von Geschich­ten und Geschich­te, die uns die­se Zeit mit ihren Träu­men und Abgrün­den her­vor­ra­gend nahe bringt.
Krieg der Träu­me 1918–1939 [3 DVDs]*, 2018, FSK 12


Das Lebens­ge­fühl der Deut­schen Ende der 1920er Jah­re, die Zer­ris­sen­heit der Wei­ma­rer Repu­blik zwi­schen Links und Rechts und ein packen­der Kri­mi — per­fekt ein­ge­fan­gen in tol­len Bil­dern. Sehr emp­feh­lens­wert für alle, die Zeit­ge­schich­te nicht nur mit Zah­len und Fak­ten ver­ste­hen, son­dern auch die Moti­ve begrei­fen wol­len. Sehens­wert!
Tom Tykwers Baby­lon Ber­lin Staf­fel 1 + 2*, 2018, FSK 12


Die gewal­ti­gen Tur­bu­len­zen in der euro­päi­schen Geschich­te von 1914 bis 1949  meis­ter­haft, fun­diert und fes­selnd erzählt. Sehr lesens­wert!

Ian Kers­haw, Höl­len­sturz: Euro­pa 1914 bis 1949*. Pan­the­on Ver­lag, 2017


Wei­ter­füh­ren­de Arti­kel:

Hyper­in­fla­ti­on 1923: Reichs­kanz­ler Wil­helm Cuno und sei­ne „Regie­rung der Wirt­schaft“ ver­su­chen, die Fran­zo­sen aus dem Ruhr­ge­biet zu ver­trei­ben und las­sen dafür Geld dru­cken. Sehr viel Geld. Mit kata­stro­pha­len Fol­gen für die gebeu­tel­te Wei­ma­rer Repu­blik. Es scheint nur noch eine Fra­ge der Zeit bis zum Kol­laps zu sein. Ob zum rech­ten oder lin­ken Kol­laps, ist noch nicht so ganz klar
Vom Ruhr­kampf zum Deut­schen Okto­ber


Macht­er­grei­fung 1933: Die letz­ten frei­en Wah­len am 6. Novem­ber 1932 besie­geln das Schick­sal der Deut­schen. Es ist aber nicht das Wäh­ler­vo­tum, das den roten Tep­pich für Adolf Hit­ler aus­rollt, son­dern das kata­stro­pha­le Agie­ren von mehr oder min­der demo­kra­ti­schen Poli­ti­kern, die mit einer Mischung aus Igno­ranz, Dumm­heit und Selbst­sucht die ers­te Demo­kra­tie auf deut­schem Boden gegen die Wand fah­ren. Über die Weg­be­rei­ter der „Macht­er­grei­fung“ im Jahr 1933.
1932 — Das Ende der Repu­blik. Brü­ning, der Hun­ger­kanz­ler


Zwi­schen Hit­ler und Sta­lin: Im Som­mer 1936 trifft die Welt zwei Mal auf­ein­an­der: Bei der Olym­pia­de in Ber­lin und auf den Schlacht­fel­dern des Bür­ger­kriegs in Spa­ni­en. Ein Jahr, das ver­hei­ßungs­voll und mit der Hoff­nung beginnt, den Hit­ler-Irr­sinn end­lich ver­eint zu stop­pen, endet in einem Rausch aus Blut und Ter­ror.
1936: Das Jahr des Schei­terns


Das Münch­ner Abkom­men: Waren alle Sude­ten­deut­schen glü­hen­de Hit­ler-Ver­eh­rer und ihr Anfüh­rer Kon­rad Hen­lein ein übler natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Brand­stif­ter? Ein Hin­ter­grund­be­richt aus der Kri­sen­re­gi­on der dama­li­gen Zeit:
Bie­der­mann oder Brand­stif­ter: Kon­rad Hen­lein


Das Genera­tio­nen­ge­spräch über ein Jahr­hun­dert mit Dik­ta­tu­ren, Welt­krie­gen, Mil­lio­nen Kriegs­to­ten, Ver­letz­ten, Flücht­lin­gen und Ver­trie­be­nen, das uns heu­te noch in den Kno­chen steckt.
Das 20. Jahr­hun­dert


Akti­en zu Alt­pa­pier: Aktio­nä­re in Lum­pen, Poli­ti­ker in Panik — und die Ban­ken? Mach­ten Urlaub. Der Absturz der Welt­wirt­schaft 1929 riss Mil­lio­nen in den Bank­rott. Beim jet­zi­gen Bör­sen­crash wird die­ser Super-Gau gern zitiert. Dabei war es gar nicht der Fall der Akti­en­kur­se, der Arbei­ter und Anle­ger in den Ruin trieb. Ein sehr lesens­wer­ter Arti­kel bei Spie­gel Online — Eines­ta­ges
https://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/1347/aktien_zu_altpapier.html


Im Win­ter 1929/30 geriet Deutsch­land in den Stru­del der sich aus dem Zusam­men­bruch der New Yor­ker Bör­se im Okto­ber 1929 ent­wi­ckeln­den Welt­wirt­schafts­kri­se. Der Kapi­tal­strom nach Deutsch­land ver­sieg­te, als die für die deut­sche Wirt­schaft so drin­gend benö­tig­ten aus­län­di­schen Kre­di­te abge­zo­gen wur­den. Die Aus­wir­kun­gen der Welt­wirt­schafts­kri­se auf Deutsch­land, zusam­men­ge­fasst bei LeMO — Leben­di­ges Muse­um Online
https://www.dhm.de/lemo/html/weimar/industrie/wirtschaftskrise/


 Wir müssten das alles mal aufschreibenDie Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en bringt seit 2012 Lebens-. Fami­li­en- und Unter­neh­mens­bio­gra­fi­en als Bild­bio­gra­phi­en ins Buch und bie­tet außer­dem einen Ghost­wri­ting-Ser­vice mit den Schwer­punk­ten Geschich­te und Psy­cho­lo­gie an.
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den Sie auch auf unse­rer Home­page www.bildbiographien.de


Bild­nach­wei­se:
1) Im Kampf um ihre Spar­ein­la­gen! Mas­sen­an­drang der Spa­rer vor der städ­ti­schen Spar­kas­se in Ber­lin. Von Bun­des­ar­chiv, Bild 102–12023 / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0
2) Ber­lin, Tanz­tee im “Espla­na­de” ADN-Zen­tral­bil­d/ Archiv Ber­lin 1926 Im Gar­ten des Ber­li­ner Hotels “Espla­na­da” spielt zum 5 Uhr-Tee eine Jazz­band. Von Bun­des­ar­chiv, Bild 183-K0623-0502–001 / CC-BY-SA 3.0,
3) Eine Men­schen­men­ge ver­sam­melt sich nach dem Bör­sen­crash von 1929 an der Wall Street.Gemein­frei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=374410
4) Arbeits­lo­se Hafen­ar­bei­ter auf Abruf bei der Stra­ßen-Arbeits­ver­mitt­lung am Baum­wall, Ham­burg, 1931. Von Bun­des­ar­chiv, Bild 102–11008 / CC-BY-SA 3.0
5) Armen­spei­sung 1931 in Ber­lin: Gulasch­ka­no­ne der Reichs­wehr. Von Bun­des­ar­chiv, Bild 183-T0706-501 / CC-BY-SA 3.0


 

AGENTUR FÜR BILDBIOGRAPHIEN DR. SUSANNE GEBERT
 NEWSLETTER * FACEBOOK * XING * PINTEREST
Kon­takt * Daten­schutz * Impres­sum

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.