Die Kunst des Lobens


Wir machen uns gegenseitig zur Schnecke, geigen uns die Meinung oder erklären jemandem, was Phase ist. Und wenn’s hart auf hart kommt, rammen wir uns verbal auch schon mal ungespitzt in den Boden.

Beim Loben fehlen uns dagegen oft die Worte. Dabei ist Loben viel effektiver, wenn man von jemandem etwas will – und tut uns selbst gut.

Die Kunst des Lobens Generationengespräch

Wer bekommt den Pokal für die fieseste Kritik?

In der deutschen Sprache gibt es unzählige Ausdrücke dafür, einer anderen Person Vorwürfe zu machen – weit mehr als in den meisten anderen Sprachen, wie der Konfliktcoach Timo Müller in seinem lesenswerten Buch „Bevor der Sturm beginnt*“ schreibt.

Und selbst dann, wenn wir etwas oder jemanden wirklich bewundern oder schätzen, machen wir aus unserem Lob eine stillschweigende Mördergrube.

Woher unsere Lust am Lästern und Vorwürfe machen kommt?
Das ist ein weites Feld. Kümmern wir uns lieber um’s Loben.

Motivation und Manipulation – die zwei Seite eines Lobs

Angenommen, es ist sehr kalt.
Sie frieren und in Ihrem Hals spüren Sie schon ein erstes unangenehmes Erkältungs-Kratzen, weshalb Sie im nächstbesten Kaufhaus einen billigen Schal vom Krabbeltisch kaufen, um sich warmzuhalten und Schlimmeres zu verhindern.

Und angenommen, kurz darauf spricht Sie ein Kollege an: „Wow, was für eine tolle Farbe!“ und zwei Bürotüren weiter heißt es: „Sehr schöner Schal! Der bringt deine Augen so richtig zum Strahlen!

Vermutlich wird der neue Schal in Blitzgeschwindigkeit in Ihrer Gunst steigen, und statt ganz hinten in der letzten Kleiderschrankecke bei den anderen Notkäufen und Scheußlichkeiten zu landen, werden Sie ihn häufig und mit einem guten Gefühl tragen.

Das ist die sich verstärkende und motivierende Wirkung von Komplimenten: Was andere an uns loben, werden wir gerne und bewusst wiederholen.

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in einem sehr intelligenten Buch über Psychologie und Mechanismen, die hinter Manipulation, Marketing und erfolgreichem (Sich-)Verkaufen stecken.

Robert Levine, Die große Verführung. Wie die Regeln der Manipulation funktionieren*. Piper Taschenbuch, Piper Verlag GmbH, München, 2005

Diesen Trick kennen auch gute Verkäufer, weshalb in Verkaufsgesprächen oft gelobt wird, bis sich die Balken biegen. Und das ist vielleicht auch der Grund, warum wir auf ein Lob oft erstmal skeptisch reagieren: Hä, was will der von mir?

Das Lob als Wunderwaffe und Manipulationsmittel im Verkauf, als Besänftigung für störrische Kunden und als Eisbrecher, denn wer lobt, ist seinem Gegenüber sofort sympathisch.

Wer uns kritisiert oder uns vielleicht sogar die Pistole auf die Brust setzt, hat eigentlich schon verloren.
Wer uns lobt, gewinnt unser Herz.

Das Ärgerliche ist, dass wir auf jedes Lob reinfallen – ob es ernst gemeint ist oder nur Fake, können wir in der Regel nicht unterscheiden.

Die mögliche Manipulation, die mit einem Lob daherkommen kann, ist vielleicht ein weiterer Grund, weshalb wir mit Komplimenten so sparsam sind.

Schließlich wollen wir keine Schleimer oder Schmeichler sein – und auch nicht auf Manipulatoren reinfallen.

Deshalb keine Komplimente mehr machen und stattdessen hart und unbeugsam anderen die Leviten lesen und ihnen erklären, wo’s langgeht?
Bloß nicht!

Lob nur für Leistung?

Das Lob ist das am meisten unterschätzten Kommunikationsmittel unserer Zeit. Es kann sogar schlechte Tage zum Strahlen bringen.

Ein „Deine Haare sehen heute toll aus“ oder „Du riechst immer so gutkann einen trübselig-grauen Montagmorgen in einen beschwingten Tag verwandeln, an dem wir uns still und heimlich den ganzen Tag über unsere Haare oder unseren Duft freuen.

Ein Kompliment wirkt, als ob uns jemand aus heiterem Himmel ein Blumensträußchen überreicht hätte. Aber auch der, der (ehrlich) lobt, fühlt sich besser und bekommt außerdem sein Lob hundertfach in Form von Sympathie-Pluspunkten zurück.

Eigentlich eine typische Win-Win-Situation, trotzdem verkneifen wir uns Lob und Komplimente, wo es nur geht.

Warum sind wir mit Komplimenten so geizig, als ob es darum ginge, einen knappen Vorrat sparsam zu verwalten?

Sind wir mit Lob so knauserig, weil wir nicht loben wollen, oder weil wir es nicht können?

Ein Grund, weshalb uns harsche Kritik oft viel leichter über die Lippen kommt als ein Lob, ist vermutlich die Angst, missverstanden zu werden, denn von Kindesbeinen an sind wir daran gewöhnt, dass es Lob nur für Leistung gibt.

Zitat Lichtenberg: Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll

Warum uns loben so schwer fällt

Wer lobt, so unsere Einschätzung, beurteilt andere ja damit, stellt sich also über sie und tut so, als ob er in der Position wäre, urteilen – loben – zu dürfen.

Diese Befürchtung wird nicht besser, wenn man bedenkt, dass in jedem mittelmäßigen Führungskräfte-Seminar gelehrt wird, wie man Kritik zwischen zwei Scheiben Lob verpackt.

Und das ist wirklich schwer zu verdauen. So ein Lob-Kritik-Sandwich sollte man lieber niemanden verabreichen, es sei denn, man will sie oder ihn ärgern.

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Die erste und wichtigste Lektion des Lobens ist deshalb die, dass ein Kompliment immer nur ein Kompliment sein sollte; nicht mehr und nicht weniger.

Loben Sie ungebremst, aus vollem Herzen und ohne Hintergedanken – das kommt dann auch richtig an, wenn Sie es öfter tun und im Training sind.

Sie können mit einem Lob Herzen erwärmen und anderen den Tag versüßen, wenn Sie aufmerksam sind und Ihr Kompliment ebenso ernst meinen, wie Sie es sagen. Das hat nichts mit Beurteilung zu tun, sondern mit „An-Sehen“.

Denn genau hier liegt die große Kraft des Lobens – im Innehalten, Beobachten und der Botschaft: „Ich sehe dich, ich nehme dich wahr und ich bemerke deine tollen und liebenswerten Seiten!

Die Kunst des Lobens

Mit dem Loben ist wie beim Dynamit: Man kann viel Sinnvolles damit tun, aber für Ungeübte oder in den falschen Händen kann es ordentlich nach hinten losgehen.

Klar, gegen Schleimer, Schmeichler, Manipulatoren und Überheblich-Lober kann sich niemand hundertprozentig absichern, aber dass sollte Sie nicht davon abbringen, Ihren Mitmenschen schöne und herzerwärmende Komplimente zu machen.

Schließlich können wir nicht erwarten, dass die Welt da draußen freundlich und zuvorkommend mit uns umgeht, wenn wir uns selbst durch’s Leben muffeln und kritisieren.

Es liegt also an uns, das Leben unserer Mitmenschen – und unser eigenes – freundlicher zu gestalten oder nicht.

Wenn es netter werden soll, dann funktioniert es am besten mit Loben und Komplimenten, denn wie es in den Wald hineinlobt,…

Kleiner Lob-Knigge:

1) Täglich loben

Spendieren Sie ab sofort täglich mindestens ein ehrlich gemeintes Lob.
An Ihren Partner, Ihre Kinder oder Ihre Eltern, gerne aber auch an Menschen, die Sie kaum oder gar nicht kennen (die nette Frau an der Käsetheke im Supermarkt, der freundliche Busfahrer, Ihr Automechaniker, mit dessen Arbeit Sie immer so zufrieden sind …).

2) Lob Win-Win

Je mehr Komplimente Sie machen, desto häufiger werden Ihnen auch Komplimente gemacht. Das ist ein schöner Nebeneffekt, sollte aber nicht Ihr Antrieb sein. Denn Sie wissen ja: Das schönste Kompliment ist, wenn es von Herzen kommt und keine Gegenleistung erwartet.

3) „Danke!“

gilt nicht als Lob.

4) Eigenlob stinkt?

Eigenlob kann stinken, aber das tut es vor allem bei denen, die sich selbst ständig über den grünen Klee loben, während sie an anderen kein gutes Haar lassen.

Die meisten Menschen – vor allem Frauen – ticken anders: Sie loben nicht, weil sie Angst haben, etwas Falsches zu sagen, oder weil sie es nicht gewohnt sind. Und sich selbst loben sie schon gar nicht, das ist ja peinlich.

Stattdessen sind sie viel zu oft bereit, für alles die Verantwortung und ein schlechtes Gewissen zu übernehmen, auch wenn sie dafür gar nichts können.

Das ist nicht gut für die Karriere. Deshalb: Es spricht absolut nichts dagegen, das, was einem gut gelungen ist, auch öffentlich herauszustellen – wenn es kein anderer tut.

Besonders stolz bin ich bei diesem Konzept, dass wir durch diesen Kniff unsere Kunden zielgerichteter ansprechen können.Wenn Ihr Kollege auf diese Idee gekommen wäre, würden Sie ihn dafür loben, oder? Also dürfen Sie sich auch selbst loben, wenn der richtige Dreh nicht von ihm, sondern von Ihnen stammt.

5) Was tun, wenn man selbst gelobt wird?

Besonders Frauen neigen dazu, ein Lob ganz schnell abzuwiegeln und zu relativieren. „Ach, das ist doch schon ganz alt“ oder „Die Aufgabe war keine große Sache“ sind Klassiker der weiblichen Kommunikationsstrategie als typische Antwort auf ein Lob.

Vor allem im beruflichen Umfeld sollte man sich solche Reaktionen auf ein Lob lieber verkneifen, denn spätestens nach dem dritten Mal glaubt auch der Chef, dass Ihre Leistung tatsächlich keine große Sache war.

Wer gelobt wird und sich überrumpelt fühlt, lächelt deshalb einfach und sagt: „Danke!“ Und freut sich einfach mal …

Copyright: Agentur für Bildbiographien, www. bildbiographien.de, 2019 (überarbeitet 2022)

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Konflikte schon in ihrer Entstehungsphase erkennen und entschärfen
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Timo Müller, Bevor der Sturm beginnt. Wie Führungskräfte effektiv Konflikte verhindern und bewältigen*. Wiley-VCH, 2018

Kein Lob annehmen können, sich immer für alles „schuldig“ fühlen
nicht zur Ruhe kommen und nicht entspannen können – vieles, was uns in schlechten Phasen zu schaffen macht, hat seine Wurzeln in längst vergessenen und verschütteten Kindheitserlebnissen. Die Trauma-Therapeutin Dami Charf beschreibt in ihrem Buch, welche Mechanismen uns immer wieder in alte Muster zurückfallen lassen – und wie man daraus wieder herauskommt. Lesenswert!

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Erfolgreich werden und erfolgreich bleiben
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Ryan Holiday, Dein Ego ist dein Feind: So besiegst du deinen größten Gegner*
FinanzBuch Verlag, 2017

Wie wir Opferrolle und unglückliche Lebenssituationen verlassen können. Managercoach Reinhard K. Sprenger mit einem ebenso charmanten wie nachhaltigen A … tritt über unser Unglück, in das wir uns oft selbst hineinmanövrieren – und wie wir wieder herauskommen. Gut erklärt und mit vielen Beispielen, in denen man sich wiederfindet. Empfehlenswert!

Reinhard K. Sprenger: Die Entscheidung liegt bei dir! Wege aus der alltäglichen Unzufriedenheit*, Campus Verlag GmbH, 2015

Vom Verstand her wissen wir meistens ziemlich genau, weshalb wir uns manche „Dinge“, Menschen, Anforderungen und die Wünsche anderer nicht so zu Herzen nehmen sollten – und tun es dann doch.
Dieses Buch kommt locker daher und eignet sich wunderbar als Bett- oder Strandlektüre, legt aber auch sehr klug und charmant den Finger in offene Wunden. um endlich das eine oder andere seelenruhig am A … vorbeiziehen lassen zu können. Lesenswert!
Alexandra Reinwarth: Am Arsch vorbei geht auch ein Weg: Wie sich dein Leben verbessert, wenn du dich endlich locker machst*, mvg Verlag, 2016

Die Psychologin Sandra Konrad
über unser familiäres Erbe, das manchmal dazu führt, dass man sich selbst schadet. Über Traumata, Bindungsmuster und unsere unsichtbare Loyalität gegenüber vergangenen Generationen, die zu Fallstricken im eigenen Leben werden können. Empfehlenswert!

Sandra Konrad, Das bleibt in der Familie: Von Liebe, Loyalität und uralten Lasten*
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Bildnachweise:

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Geschichte und Psychologie Vergangenheit verstehen um mit der Zukunft besser klar zu kommen
Geschichte & Psychologie:

Vergangenes verstehen,
um mit der Zukunft besser klar zu kommen.

Ich bringe mit meinem Team Lebens-, Familien- und Unternehmensgeschichten ins Buch und schreibe als Ghostwriterin Bücher mit den Schwerpunkten Geschichte und Psychologie.

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