Hamburg 1943: Die Operation Gomorrha

Die Sil­hou­et­te eines bri­ti­schen Bom­bers am Him­mel über Ham­burg im Juli 1943. Pho­to­graph C 3371 from the collec­tions of the Impe­ri­al War Muse­ums, Gemein­frei

10 Tage und Näch­te lang bom­bar­die­ren 3000 bri­ti­sche und US-ame­ri­ka­ni­sche Flug­zeu­ge in der “Ope­ra­ti­on Gomor­rha” Ham­burg und wer­fen dabei 9000 Ton­nen ‘Mate­ri­al’ ab — zunächst ‘Wohn­block­kna­cker’, anschlie­ßend Brand­bom­ben. In der Nacht zum 28. Juli 1943 ent­zün­den sie dadurch im Ham­bur­ger Osten einen Feu­er­sturm, in dem über 30.000 Men­schen ster­ben.

Im Ham­bur­ger Osten lie­gen die Vier­tel der “klei­nen Leu­te”: In Hamm und Borg­fel­de leben über­wie­gend Hand­wer­ker und Beam­te, im Bill­wer­der Aus­schlag und in Ham­mer­brook Arbei­ter­fa­mi­li­en, dicht gedrängt, kin­der­reich, mit Kanin­chen­stäl­len, Zink­wan­nen und Koh­len­sä­cken auf den schma­len Bal­kons.

Es ist 1943, das fünf­te Kriegs­jahr, eine schwie­ri­ge Zeit. Die Kapi­tu­la­ti­on der 6. Armee Ende Janu­ar 1943 nach der grau­en­vol­len und wochen­lan­gen Schlacht um Sta­lin­grad war für vie­le Deut­sche die psy­cho­lo­gi­sche Wen­de die­ses Krie­ges. Auch wenn Pro­pa­gan­da­mi­nis­ter Joseph Goeb­bels für sei­ne Sport­pa­last­re­de am 18. Febru­ar 1943 , in der eine auf­ge­heiz­te Men­schen­men­ge in den “tota­len Krieg” peitscht, fre­ne­ti­schen Jubel ern­tet, glau­ben vie­le jetzt nicht mehr an den “End­sieg”.

Seit Sta­lin­grad treibt die Roten Armee die Deut­sche Wehr­macht an der Ost­front Rich­tung Wes­ten — die Pro­pa­gan­da spricht von not­wen­di­gen “Front­be­gra­di­gun­gen” -, Anfang Juli 1943 sind alli­ier­te Streit­kräf­te in Sizi­li­en gelan­det und kämp­fen sich seit­dem durch Ita­li­en in Rich­tung Nor­den. Es sieht nicht gut aus für die­sen Krieg, den anfangs außer dem “Füh­rer” kei­ner gewollt hat.

Doch die Angst vor der „rasen­den Rach­sucht“ der Bol­sche­wis­ten und die Wut über den „anglo­ame­ri­ka­ni­schen Bom­ben­ter­ror“ lässt die Deut­schen durch­hal­ten und wei­ter­ma­chen.


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Der Abend des 27. Juli 1943, ein Diens­tag, ist unge­wöhn­lich warm. Über­all sind Fens­ter und Türen weit geöff­net, vie­le Ham­bur­ge­rin­nen und Ham­bur­ger nut­zen die laue Som­mer­nacht für einen Abend­spa­zier­gang, Cafés und Knei­pen sind gut besucht. Gera­de ein­mal 72 Stun­den ist der Bom­ben­an­griff auf den Ham­bur­ger Wes­ten her, aber eine gewis­se Gleich­mut gehört zum Kriegs­all­tag; anders wür­de man ver­rückt wer­den.

Um 23.38 Uhr wird der Anflug eines gro­ßen Bom­ber­ver­ban­des auf Ham­burg gemel­det. Die 80 Flak- und 22 Schein­wer­fer­stel­lun­gen, die Deutsch­lands wich­tigs­te Hafen­stadt schüt­zen sol­len, wer­den in Posi­ti­on gebracht, in der gan­zen Stadt heu­len Sire­nen, drei an- und abschwel­len­de Signa­le — Flie­ger­alarm. Über’s Radio wird die Bevöl­ke­rung auf­ge­for­dert, die Luft­schutz­kel­ler auf­zu­su­chen.

Am frü­hen Mitt­woch­mor­gen, um exakt 1.02 Uhr des 28. Juli 1943, fällt die ers­te Brand­bom­be aus dem Bauch einer bri­ti­schen Lan­cas­ter auf Ham­burg.

Ruhr­ge­biet, Luft­schutz­stol­len wäh­rend Flie­ger­alarm, Zen­tral­bild II. Welt­krieg 1939 — 45 Luft­schutz­stol­len im Ruhr­ge­biet, um 1943. Wäh­rend eines Flie­ger­alarms, Ruhr­ge­biet, 1943, Pho­to­gra­pher Unknown


Bomber Harris” und seine neue Strategie

An die Frau­en, Kin­der und Alte, die sie mit ihrer Fracht in weni­gen Augen­bli­cken töten wer­den, den­ken die jun­gen Pilo­ten, Navi­ga­to­ren, Fun­ker und Bom­ben­schüt­zen nicht, wenn sie in ihren sti­cki­gen und brül­lend lau­ten Maschi­nen in 4000 Metern über dem Erd­bo­den ein­ge­pfercht kau­ern, sich durch­rüt­teln las­sen und um ihr eige­nes Leben zit­tern.

Es sind jun­ge Män­ner, die meis­ten kaum 20 Jah­re alt — Idea­lis­ten, Nazi-Geg­ner und Aben­teu­rer; Sol­da­ten, die ihre Hei­mat ver­tei­di­gen, Hel­den, manch­mal auch ein­fach nur gro­ße Jungs, die sich vor ihrem lebens­be­droh­li­chen Ein­satz aus purer Angst die See­le aus dem Leib kot­zen und dann doch zum Dienst antre­ten und in ihre Maschi­nen stei­gen.

Crew­mit­glied bei der bri­ti­schen Roy­al Air Force (RAF) zu sein, ist nach wie vor ein Him­mel­fahrts­kom­man­do im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes.

Seit August 1940, nach­dem die deut­sche Luft­waf­fe das ers­te Mal Lon­don bom­bar­diert hat­te, flie­gen sie. Allein die lan­ge Stre­cke über die Nord­see ist eine Her­aus­for­de­rung, aber sobald die bewäl­tigt ist, wer­den die Flaks und Abfang­jä­ger der Deut­schen für vie­le zum töd­li­chen Ver­häng­nis — in den ers­ten Jah­ren hat­ten eini­ge RAF-Kom­man­dos eine Ver­lus­tra­te von bis zu 90 Pro­zent.

„You ask, what is our aim? I can ans­wer in one word: Vic­to­ry.
Vic­to­ry at all costs – Vic­to­ry in spi­te of all ter­ror – Vic­to­ry, howe­ver long and hard the road may be, for wit­hout vic­to­ry the­re is no sur­vi­val.“
Win­ston Chur­chill am 13. Mai 1940 vor dem bri­ti­schen Unter­haus,
3 Tage nach sei­ner Ernen­nung zum bri­ti­schen Pre­mier­mi­nis­ter und Nach­fol­ger von Nevil­le Cham­ber­lain

Die RAF-Bom­bar­de­ments waren lan­ge Zeit mehr psy­cho­lo­gi­sche Nadel­sti­che und kei­ne ernst­haf­te Bedro­hung für das „Blitz­krieg“ gewöhn­te Deut­sche Reich.

Aber die Bri­ten waren bis ins Mark getrof­fen. Und stan­den mit dem Rücken zur Wand: Bis zum “Unter­neh­men Bar­ba­ros­sa”, dem deut­schen Über­fall auf Sta­lins Sowjet­uni­on am 22. Juni 1941, war Groß­bri­tan­ni­en ein gan­zes Jahr lang der ein­zi­ge ver­blie­be­ne Kriegs­geg­ner Deutsch­lands.


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Was wäre gewe­sen, wenn …
Hit­ler den Krieg gewon­nen hät­te und Groß­deutsch­land vom Rhein bis zum Ural rei­chen wür­de? Ein groß­ar­ti­ges Buch zwi­schen Fic­tion, Kri­mi und vie­len his­to­risch aus­ge­spro­chen inter­es­san­ten Fak­ten.

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Das wur­de anders als im Som­mer 1941 die Sowjets und vor allem Ende 1941 nach Pearl Har­bour end­lich auch die USA in den Krieg gegen Hit­ler-Deutsch­land ein­tra­ten. Für die Bri­ten bedeu­te­te der neue, nun auch offi­zi­el­le Ver­bün­de­te USA, die immens wich­ti­ge Ver­stär­kung an Mensch und Mate­ri­al.

Tags­über beherr­schen seit­dem die Flug­zeu­ge der United Sta­tes Army Air Forces (USAAF) den Him­mel über Deutsch­lands Wes­ten bis Ber­lin und zer­stö­ren vor allem Stra­ßen, Eisen­bahn­li­ni­en und Fabri­ken. Nachts sind die Bom­ber der RAF mit ihren töd­li­chen Ladun­gen über den Wohn­ge­bie­ten der gro­ßen Städ­te unter­wegs.

B-17 Fly­ing Fort­ress, gemein­frei


Es geht schon längst nicht mehr nur dar­um, kriegs­wich­ti­ge Indus­trie­an­la­gen und die deut­sche Infra­struk­tur lahm­zu­le­gen, son­dern um die Demo­ra­li­sie­rung der Zivil­be­völ­ke­rung.
Seit 14. Febru­ar 1942 gilt die “Area Bom­bing Direc­tive”, also das Flä­chen­bom­bar­de­ment von Sied­lungs­ge­bie­ten. Im Klar­text geht es von nun an um das Zer­stö­ren von Wohn­häu­sern. Und um’s Töten.

Ange­wen­det wird die Direk­ti­ve das ers­te Mal am 29. März 1942 bei der Bom­bar­die­rung Lübecks. 320 Men­schen ster­ben — “ein groß­ar­ti­ger Erfolg”, wie Bom­ber Com­mand Har­ris spä­ter sagt.

„Bereits am 27. Mai 1943 hat der Chef der bri­ti­schen Bom­ber­flot­te, Arthur “Butch” Har­ris, im streng gehei­men Ein­satz­be­fehl Nr. 173 sei­ne Plä­ne für die Hafen­stadt in schmerz­haf­ter Knapp­heit for­mu­liert: “Absicht: Ham­burg zer­stö­ren.” Ob er dabei an einen Feu­er­sturm dach­te, ist unklar. Aber seit Lan­gem expe­ri­men­tiert die Roy­al Air Force mit unter­schied­li­chen Abwurf­mus­tern und Muni­ti­ons­mi­schun­gen, um Städ­te mög­lichst effi­zi­ent in Brand zu set­zen.”
Chris­toph Kucklick, Chef­re­dak­teur von GEO, in Geo Epo­che PANORAMA — Ham­burg. Die Geschich­te der Stadt in his­to­ri­schen Fotos*

 

Eine Stadt wird angezündet

Rund 700 Flug­zeu­ge nähern sich in der Nacht zum 28. Juli 1943 Ham­burg; eine 325 Kilo­me­ter lan­ge For­ma­ti­on, die als “Bom­ber­strom” bezeich­net wird.

Erst seit Früh­jahr 1943 haben eini­ge RAF-Maschi­nen eine Art Radar an Bord, die eine pri­mi­ti­ve Ori­en­tie­rung — Was­ser, Land, Stadt — ermög­licht.

Neu ist auch, dass eng­li­sche Boden­sta­tio­nen Peil­strah­len in den deut­schen Luft­raum schi­cken kön­nen, an dem sich die Flug­zeug-Navi­ga­to­ren ori­en­tie­ren. In den Jah­ren zuvor flo­gen die Mann­schaf­ten aus­schließ­lich auf Sicht und in dunk­len und wol­ken­ver­han­ge­nen Näch­ten mehr oder min­der blind — was bei­spiels­wei­se dazu führ­te, dass mehr als ein Dut­zend Angrif­fe, die eigent­lich Kiel oder Lübeck gal­ten, ver­se­hent­lich Ham­burg tra­fen.

Völ­lig über­rum­pelt wird die deut­sche Jäger­leit­zen­tra­le in Sta­de in die­ser Nacht von einem Lamet­ta-Regen, der plötz­lich rund 50 Kilo­me­ter vor der deut­schen Küs­te über der Nord­see nie­der­geht.

Es sind Strei­fen aus Sta­ni­ol-Papier, exakt so zuge­schnit­ten, dass sie durch Refle­xi­on unzäh­li­ge Radar­echos erzeu­gen und dadurch die deut­schen Radar­ge­rä­te blen­den und nutz­los machen. Jagd­flie­ger stei­gen auf, um Ham­burg zu schüt­zen, und grei­fen flat­tern­de Wol­ken aus Lamet­ta an, die Flak feu­ert meh­re­re zehn­tau­send Schuss blind in die Nacht, ohne auch nur eine ein­zi­ge RAF-Maschi­ne zu tref­fen.

Aber nicht nur bei Navi­ga­ti­on und “Feind-Ver­wir­ren” haben die Bri­ten enorm dazu­ge­lernt. Es ist vor allem eine neue, töd­li­che Kom­bi­na­ti­on aus Spreng- und Brand­bom­ben, die Ham­burg in die Höl­le eines Feu­er­sturms jagt und den 28. Juli 1943 zum unver­gess­li­chen Sinn­bild des tota­len Krie­ges wer­den lässt.

„In tech­ni­scher Hin­sicht ist es der bis dahin gelun­gens­te Angriff der Roy­al Air Force. Die Ladun­gen fal­len unge­wöhn­lich kon­zen­triert. Der “Creep back”-Effekt bleibt aus — also die Ten­denz der Bom­ber­be­sat­zun­gen, ihre Fracht immer frü­her abzu­wer­fen, wodurch die Angrif­fe in der Anflug­schnei­se “zurück­krie­chen” und an Wir­kung ver­lie­ren.”
Chris­toph Kucklick, Chef­re­dak­teur von GEO, in Geo Epo­che PANORAMA — Ham­burg. Die Geschich­te der Stadt in his­to­ri­schen Fotos*

 

Feuersturm

So schnell hat­te die RAF noch nie eine Stadt ange­zün­det.

Schwe­re Spreng­bom­ben, soge­nann­te “Wohn­block­kna­cker” wer­den abge­wor­fen, um die Dächer der Häu­ser auf­zu­bre­chen. Dann fol­gen die Brand­bom­ben, die in die frei­ge­leg­ten Wohn­blocks fal­len, Gar­di­nen, Bett­wä­sche und Tisch­de­cken ent­zün­den und ein Feu­er ent­fa­chen, das sich von Woh­nung zu Woh­nung und Stock­werk für Stock­werk wei­ter­frisst. Zeit­zün­der­bom­ben, die erst Stun­den spä­ter deto­nie­ren, gefähr­den Feu­er­wehr und Ret­tungs­kräf­te und hal­ten sie so lang wie mög­lich von den Brand­her­den fern.

Weni­ge Minu­ten nach 1.00 Uhr in der Nacht ste­hen bereits etli­che Wohn­blocks in Flam­men, eine hal­be Stun­de spä­ter gan­ze Stadt­tei­le.

Die Brand­her­de ver­ei­ni­gen sich, wer­den zum Flam­men­meer und schließ­lich zu einem Feu­er­sturm, der der Luft mit einem schril­len Pfei­fen jeg­li­chen Sauer­stoff ent­zieht.

Der Asphalt auf den Stra­ßen schmilzt und wird für vie­le Flie­hen­den, die in dem kleb­ri­gen Brei ste­cken blei­ben, zur töd­li­chen Fal­le. Bäu­me, Autos, Dach­tei­le und Men­schen wer­den von den hei­ßen Luft­wir­beln erfasst und mit bis zu 270 Stun­den­ki­lo­me­tern durch die Luft geschleu­dert.

Es ist das Infer­no, die Höl­le auf Erden.

Die Ein­ge­schlos­se­nen in den Bun­kern ahnen, dass das, was sich drau­ßen abspielt, weit über alles bis dahin Gewohn­te hin­aus­geht. Vie­le bre­chen aus Ver­zweif­lung die schüt­zen­den Türen auf, denn die Sauer­stoff­ver­sor­gung in den Bun­kern ist zusam­men­ge­bro­chen, drin­nen sind vie­le kurz vorm Ersti­cken. Drau­ßen auch. Es gibt kein Ent­rin­nen, weder drin­nen noch drau­ßen.

Kurz vor halb vier Uhr mor­gens erreicht der Feu­er­sturm sei­nen Höhe­punkt. Die Flam­men rei­chen vom Ber­li­ner Tor bis Wands­bek; das sind rund vier Kilo­me­ter.

30.000 Men­schen ver­bren­nen, ersti­cken oder wer­den von her­ab­stür­zen­den Tei­len erschla­gen, 250.000 Woh­nun­gen sind zer­stört, 900.000 Men­schen sind obdach­los und besit­zen nichts mehr als ihre Klei­der am Leib.

Ham­burgs Stadt­teil Eil­bek nach dem Feu­er­sturm am 28. Juli 1943


Noch in 200 Kilo­me­ter Ent­fer­nung war der Feu­er­sturm von Ham­burg zu sehen.

Erst als die Feu­er kei­ne Nah­rung mehr fin­den, ersti­cken sie nach und nach.

Überleben?

Als die Über­le­ben­den am Mitt­woch­mor­gen, dem 28. Juli 1943, aus Luft­schutz­bun­kern, U-Bahn-Schäch­ten, Kel­lern und Erd­lö­chern krie­chen, folgt dem Grau­en der Nacht erneu­tes Grau­en.

Über­all ent­setz­lich ent­stell­te Lei­chen, schwer­ver­letz­te Brand­op­fer, denen nicht mehr zu hel­fen ist, Trüm­mer, Schutt und Asche. Es ist kaum zu glau­ben, dass es in die­ser Stadt jemals wie­der so etwas wie ein Leben geben kann.

Vie­le flie­hen in lan­gen Trecks aus der Stadt; selbst Ein­satz­lei­ter und hohe Beam­te set­zen sich ab. Fast scheint es, als ob es mög­lich ist, “auf der Basis von Ham­burg eine Kapi­tu­la­ti­on zu erzwin­gen”, wie es der bri­ti­sche Luft-Vize­mar­schall Donald Benett aus­drückt.

„In Ber­lin sitzt der Schock tief. Reichs­rüs­tungs­mi­nis­ter Speer sagt zu Hit­ler, noch sechs sol­che Angrif­fe, und der Krieg sei zu Ende. Und Feld­mar­schall Erhard Milch, der Gene­ral­inspek­teur der Luft­waf­fe, erklärt: ‘Wir haben den Krieg ver­lo­ren! End­gül­tig ver­lo­ren!’ ”
Chris­toph Kucklick, Chef­re­dak­teur von GEO, in Geo Epo­che PANORAMA — Ham­burg. Die Geschich­te der Stadt in his­to­ri­schen Fotos*

Aber die Ham­bur­ger machen wei­ter.
Sie geben ihre Stadt nicht auf. Bereits zwei Wochen nach der Kata­stro­phe stel­len Brief­trä­ger wie­der Post zu, am 15. August fah­ren die ers­ten Züge wie­der in den Haupt­bahn­hof ein.

Ein­zug der bri­ti­schen Armee in Ham­burg, 3. Mai 1945

 

Am 3. Mai 1945, die Bri­ten ste­hen vor den Toren der Stadt, wider­setzt sich Gau­lei­ter Kauf­mann Hit­lers Befehl, Ham­burg bis zum letz­ten Mann zu hal­ten, und über­gibt die Han­se­stadt kampf­los an die bri­ti­schen Besat­zer.

 


 

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www​.bild​bio​gra​phi​en​.de, 2018


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Der Ham­bur­ger Hafen von 1870 bis 1970 in his­to­ri­schen Bil­dern. Eine Zeit­rei­se der beson­de­ren Art — nicht nur für Land­rat­ten, son­dern auch für alle Ham­bur­ger, die ihren Hafen ken­nen.

Har­ry Braun, Der Ham­bur­ger Hafen — Eine Zeit­rei­se in Bil­dern*, Sut­ton Ver­lag, Juni 2014


Eine aus­führ­li­che Beschrei­bung der ‘Ope­ra­ti­on Gomor­rha’, vie­le wei­te­re span­nen­de Arti­kel über die Geschich­te Ham­burgs und vor allem vie­le, vie­le tol­le Fotos! Sehr lesens­wert und auch ein sehr schö­nes Geschenk.

Micha­el Scha­per (Her­aus­ge­ber): Geo Epo­che PANORAMA — Ham­burg. Die Geschich­te der Stadt in his­to­ri­schen Fotos*, Taschen­buch Sep­tem­ber 2016


Ein wun­der­schö­nes Buch über Ham­burg mit Foto­gra­fi­en aus den 1940er, 1950er und 1960er Jah­ren. Sehr sehens­wert und eine tol­le Geschenk­idee auch für ‘ein­ge­bo­re­ne’ Ham­bur­ger und Ham­burg-Fans!
Gün­ter Zint (Her­aus­ge­ber),‎ Jens Bove (Her­aus­ge­ber),‎ Eva Decker (Autor): Ham­burg mei­ne Per­le*, Gebun­de­ne Aus­ga­be, Emons Ver­lag, Okto­ber 2017


Äußer­lich fand Deutsch­land schnell sei­nen Weg in eine bes­se­re Zukunft, inner­lich blie­ben alte Wun­den und Nar­ben. Ein sehr ein­fühl­sa­mes Buch, her­vor­ra­gend recher­chiert und mit vie­len Fall­bei­spie­len über die Nach­wir­kun­gen von Krieg, Flucht und Ver­trei­bung, die teil­wei­se bis in die Genera­ti­on der Kin­der und Enkel zu spü­ren sind.
Anne-Ev Ustorf, Wir Kin­der der Kriegs­kin­der*, Ver­lag Her­der GmbH, 2010


Preis: EUR 10,00

Ein Roman über Fami­lie, Flucht und Ver­trei­bung und ihre Nach­we­hen, über ges­tern und heu­te, die Sehn­sucht nach Hei­mat und das Alte Land bei Ham­burg — groß­ar­tig und mit fei­ner Iro­nie geschrie­ben. Ein span­nen­des Buch, das man erst schwe­ren Her­zens aus der Hand legt, wenn man es durch­ge­le­sen hat.

Dör­te Han­sen, Altes Land*, Ver­lags­grup­pe Ran­dom House GmbH, 2015


Die gro­ßen Lini­en in der deut­schen Geschich­te fak­ten­reich und span­nend erzählt. “Es ent­hält auf 300 Sei­ten weit mehr klu­ge und ori­gi­nel­le Gedan­ken über die deut­sche Geschich­te zwi­schen 1871 und 1945 als der eine oder ande­re dicke Wäl­zer”, heißt es in einer Rezen­si­on. Stimmt! Des­we­gen: sehr lesens­wert!
Sebas­ti­an Haff­ner, Von Bis­marck zu Hit­ler: Ein Rück­blick*. Droemer Taschen­buch, 2015


Für den gro­ßen Über­blick: Ein sehr gut ver­ständ­lich geschrie­be­nes Geschichts­buch, für alle Geschichts­in­ter­es­sier­ten pri­ma zum Nach­schla­gen und Quer­le­sen geeig­net.

Chris­ti­an v. Dit­furth: Deut­sche Geschich­te für Dum­mies*, Wiley-VCH Ver­lag GmbH & Co. KGaA, Wein­heim, 2012


Wei­ter­füh­ren­de Links zum The­ma:


Ham­burg 1923: Fünf Jah­re sind seit dem Ende des Welt­krie­ges ver­gan­gen, aber Deutsch­land kommt nicht zur Ruhe. In Ham­burg üben die Kom­mu­nis­ten Welt­re­vo­lu­ti­on und für weni­ge Stun­den gibt es eine „Sowjet­re­pu­blik Stor­marn“. Ernst Thäl­mann, Ham­burgs cha­ris­ma­ti­scher KPD-Füh­rer, bringt sich für sei­ne wei­te­re Kar­rie­re in Stel­lung, Sta­lin und Hit­ler mischen auch schon irgend­wie mit.
Ham­burg auf den Bar­ri­ka­den


Hit­ler, die Frau­en und die Bri­ten: Adolf Hit­ler hat­te ein sehr gro­ßes Inter­es­se an Frau­en (und umge­kehrt) und war bei wei­tem nicht der “ein­sa­me Wolf”, als der er sich in der Öffent­lich­keit ger­ne dar­stel­len ließ. Adolf Hit­ler, die Frau­en, sein deutsch-bri­ti­sches Tech­tel­mech­tel und die Fra­ge: Wäre Hit­ler ein guter Schwie­ger­sohn gewe­sen?
Vom It-Girl zur Wal­kü­re: Die Welt der Unity Mit­ford


Sta­lin ist grob und unbe­herrscht – es kann durch­aus vor­kom­men, dass er im Ärger den Kopf eines Mit­ar­bei­ters packt und auf die Tisch­plat­te knallt. Doch mitt­ler­wei­le ist er als Par­tei-Gene­ral­se­kre­tär viel zu mäch­tig, als dass man Lenins letz­ten Wil­len befol­gen könn­te, sich einen ande­ren zu suchen. Sta­lin — die Zeit der „Ent­ku­la­ki­sie­rung“ und des „Gro­ßen Ter­rors“.
Wer war eigent­lich Sta­lin? Teil 2


Flucht und Ver­trei­bung: In den Augen vie­ler Ein­hei­mi­scher sind die Flücht­lin­ge die „Pola­cken“, die ihnen das Weni­ge, das sie nach dem ver­lo­re­nen Krieg noch haben, weg­neh­men wol­len. Heu­te hal­ten Wirt­schafts­his­to­ri­ker den “Brain­gain”, den Gewinn an Talen­ten durch die Flücht­lings­wel­le nach dem Krieg, für eine der wich­tigs­ten Grund­la­gen des „Wirt­schafts­wun­ders“ — wich­ti­ger als Mar­shall-Plan und Lud­wig Erhard.
Ihr Flücht­lin­ge


Nach dem Kriegs­en­de 1945 ist Deutsch­land zwar ein armes und hung­ri­ges Land, ein unter­ent­wi­ckel­tes war es nie. Es sind aber nicht nur Fleiß und Lud­wig Erhard, die das deut­sche “Wirt­schafts­wun­der” ermög­li­chen, son­dern vor allem der kal­te Krieg, die Tat­sa­che, dass Deutsch­lands Kriegs­geg­ner die­ses Mal dazu­ge­lernt haben, — und nicht zuletzt 12 Mil­lio­nen Flücht­lin­ge.
1948: Das Mär­chen vom Wirt­schafts­wun­der


Ham­burg his­to­risch: Es sind Grün­der wie der Ham­bur­ger Albert Bal­lin, die den Rei­chen und Schö­nen im aus­ge­hen­den 19. Jahr­hun­dert das Leben schwer machen. Empor­kömm­lin­ge aus klei­nen Ver­hält­nis­sen, die eige­ne Unter­neh­men grün­den und sich mit eiser­nem Wil­len und Biss Wohl­stand und Ein­fluss erkämp­fen. Bal­lin steigt nicht nur zum Gene­ral­di­rek­tor der HAPAG auf, son­dern wird auch enger Ver­trau­ter und “Ree­der des Kai­sers”. Bei Hofe in Ber­lin sieht man das nicht ger­ne.
Die Welt ist fried­los gewor­den. Albert Bal­lin, der Ree­der des Kai­sers


See­fahrt: Die Äqua­tor­tau­fe ist ein alter Initia­ti­ons­ri­tus für See­leu­te, der noch aus der Zeit der Ent­deck­er­rei­sen stammt. Damals fürch­te­te man die lebens­ge­fäht­li­che Pas­sa­ge über den Äqua­tor. Gegen die töd­li­chen Gefah­ren soll­ten Mut und Gläu­big­keit hel­fen, bekräf­tigt wur­de bei­des durch eine Tau­fe. Mit der Zeit ver­lo­ren die Äqua­to­ren­fahr­ten ihren Schre­cken; getauft wur­de trotz­dem.
Die Äqua­tor­tau­fe


Das Genera­tio­nen­ge­spräch über ein Jahr­hun­dert mit Dik­ta­tu­ren, Welt­krie­gen, Mil­lio­nen Kriegs­to­ten, Ver­letz­ten, Flücht­lin­gen und Ver­trie­be­nen, das uns heu­te noch in den Kno­chen steckt.
Das 20. Jahr­hun­dert


Wir müssten das alles mal aufschreibenDie Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en bringt seit 2012 Lebens-. Fami­li­en- und Unter­neh­mens­bio­gra­fi­en als Bild­bio­gra­phi­en ins Buch und bie­tet außer­dem einen Ghost­wri­ting-Ser­vice mit den Schwer­punk­ten Geschich­te und Psy­cho­lo­gie an.
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Bild­nach­wei­se:
1. An Avro Lan­cas­ter of No. 1 Group, Bom­ber Com­mand, sil­hou­et­ted against fla­res, smo­ke and explo­si­ons during the attack on Ham­burg, Ger­ma­ny, by air­craft of Nos. 1, 5 and 8 Groups on the night of 30/31 Janu­a­ry 1943. This raid was the first occa­si­on on which H2S cen­ti­metric radar was used by the Path­fin­der air­craft to navi­ga­te the force to the tar­get. The pilot of the pho­to­gra­phing air­craft (Lan­cas­ter ‘ZN-Y’ of No. 106 Squa­dron, based at Syer­s­ton) was Flt Lt D J Shan­non who, as a mem­ber of No. 617 Squa­dron, took part in Ope­ra­ti­on CHASTISE (the “Dams Raid”) during the fol­lo­wing May.Von No 106 Squa­dron RAF : Roy­al Air Force offi­ci­al pho­to­gra­pher — This is pho­to­graph C 3371 from the collec­tions of the Impe­ri­al War Muse­ums, Gemein­frei
2. Ruhr­ge­biet, Luft­schutz­stol­len wäh­rend Flie­ger­alarm, Zen­tral­bild II. Welt­krieg 1939 — 45 Luft­schutz­stol­len im Ruhr­ge­biet, um 1943. Wäh­rend eines Flie­ger­alarms, Ruhr­ge­biet, 1943, Pho­to­gra­pher Unknown, Bun­des­ar­chiv, Bild 183-R71086 / CC-BY-SA, gemein­frei

3. B-17 Fly­ing Fort­ress, gemein­frei, Two B-17 Fly­ing Fortres­ses’ vapor trails light up the night sky over Eas­tern Euro­pe
4.Straßenzug Eil­be­ker Weg nach dem Bom­ben­an­griff 1943. Von Dowd J (Fg Off), Roy­al Air Force offi­ci­al pho­to­gra­pher — https://​www​.iwm​.org​.uk/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​i​t​e​m​/​o​b​j​e​c​t​/​2​0​5​0​2​3​6​0​1​.​T​his is pho­to­graph CL 3400 from the collec­tions of the Impe­ri­al War Muse­ums, Gemein­frei
5.By Mapham J (Sgt), No 5 Army Film & Pho­to­gra­phic Unit — http://media.iwm.org.uk/iwm/mediaLib//46/media-46319/large.jpg- This is pho­to­graph BU 5112 from the collec­tions of the Impe­ri­al War Muse­ums., Public Domain


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