Kleine Schwester, großer Bruder: Geschwisterkonstellationen

Kleine Schwester großer Bruder Geschwisterkonstellationen

Foto: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en

Erst­ge­bo­re­ner oder jüngs­tes Kind? Egal, ob wir ewi­ge Riva­li­tät oder immer­wäh­ren­de Lie­be zu unse­ren Geschwis­tern pfle­gen, nicht nur der Cha­rak­ter unse­rer Bezie­hung ist von Bedeu­tung, son­dern auch unser Platz in der Geschwis­ter­rei­hen­fol­ge.

Lesen Sie auch: Die Gele­gen­hei­ten, bei denen Groß­el­tern-, Eltern- und Enkel­ge­ne­ra­ti­on zusam­men­sit­zen und sich Geschich­ten „von frü­her“ erzäh­len, sind unre­gel­mä­ßig und rar gewor­den. Aber die Sehn­sucht nach einer gemein­sa­men Fami­li­en­ge­schich­te bleibt. Was dage­gen hilft? Auf­schrei­ben!
11 Tipps, die Sie beim bio­gra­fi­schen Schrei­ben beach­ten soll­ten

Held, Spaßvogel oder Nesthäkchen?

Ehe­part­ner kom­men und gehen, Eltern ster­ben; die eige­nen Kin­der wach­sen auf und wer­den flüg­ge.
Die Ein­zi­gen, die ein Leben lang blei­ben, sind Geschwis­ter.

Und sie blei­ben wirk­lich, denn auch wenn nach einem Fami­li­en­krach der Kon­takt abge­ris­sen sein soll­te, kann man sich von Schwes­tern oder Brü­dern weder tren­nen noch schei­den las­sen.

Geschwis­ter sind da, auch wenn sie nicht da sind.
Sogar dann, wenn man sie im Moment gar nicht haben will.

Das gilt welt­weit: „Schwes­ter von … ” oder “Bru­der von …“ wird auf der gan­zen Welt ver­stan­den, egal, ob in Ham­burg, New York oder in einem Dschun­gel­camp irgend­wo am Ama­zo­nas.


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Geschwis­ter prä­gen uns.
Viel­leicht sogar mehr als unse­re Eltern.

Ob wir als Held, Spaß­vo­gel oder schutz­be­dürf­ti­ges Nest­häk­chen durch unser Leben mar­schie­ren — oder schlen­dern — , hängt ent­schei­dend von ihnen ab.
Dafür nicht nur die Per­sön­lich­keit unse­rer Brü­der oder Schwes­tern eine gro­ße Rol­le, son­dern vor allem auch die Hack­ord­nung in der Geschwis­ter­rei­hen­fol­ge.

Unse­re Rol­le als gro­ße Schwes­ter oder klei­ner Bru­der, als Ein­zel- oder Sand­wich­kind wird uns in die Wie­ge gelegt und hat neben Erzie­hung einen gro­ßen Ein­fluss auf unse­re Per­sön­lich­keit.


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Das Rollemnodell unserer Eltern

Wir Men­schen nei­gen dazu, Ver­hal­tens­mus­ter und Rol­len­mo­del­le, die wir in unse­rer Kind­heit gelernt haben, auch als Erwach­se­ne bei­zu­be­hal­ten und an unse­re eige­nen Kin­der wei­ter­zu­ge­ben.

Manch­mal Eins zu eins, und manch­mal — wenn wir selbst dar­un­ter gelit­ten haben — genau umge­kehrt: Ein Vater, der in sei­ner Kind­heit von sei­nem älte­ren Bru­der gepie­sackt wur­de, wird bei Strei­te­rei­en zwi­schen sei­nen eige­nen Söh­ne mit hoher Wahr­schein­lich­keit sehr schnell die Posi­ti­on des jün­ge­ren Soh­nes ergrei­fen, ohne dar­über nach­zu­den­ken.

Eine Mut­ter, die in ihrem Eltern­haus als ältes­te Toch­ter über­mä­ßig vie­le Ver­pflich­tun­gen im Haus­halt oder bei der Betreu­ung ihrer jün­ge­ren Geschwis­ter hat­te, wird ihre eige­ne erst­ge­bo­re­ne Toch­ter eher scho­nen und ver­wöh­nen. Und sie, wenn über­haupt, sehr sel­ten zum Baby­sit­ten oder zur Haus­ar­beit ver­pflich­ten.

Als trans­ge­ne­ra­tio­na­le Ver­er­bung wird die unbe­wuss­te Wei­ter­ga­be von Ver­hal­tens­wei­sen, Stim­mun­gen oder Ein­stel­lun­gen von einer Gene­ra­ti­on auf die nachfolgende(n) bezeich­net.


Auch wenn aus Kin­dern schon längst Leu­te gewor­den sind, schlüp­fen wir bei Fami­li­en­fei­ern oft und schein­bar wider­stands­los in alte Kind­heits­mus­ter.

Ohne gro­ßes Nach­den­ken wer­den Bünd­nis­se und Scher­ze, aber auch Rei­be­rei­en aus längst ver­gan­ge­nen Tagen her­vor­ge­holt und wie­der­be­lebt.
Zur Freu­de der einen, denen die alten Rol­len aus der Kin­der­zeit Sicher­heit geben — zum Ärger der ande­ren, für die sol­che Fami­li­en­tref­fen mit über­hol­ten Mus­tern Stress pur bedeu­ten.

Denn häu­fig sind die Mus­ter als Held, Böse­wicht, Spaß­vo­gel oder Opfer hoff­nungs­los ver­al­tet und haben eine drin­gen­de Revi­si­on nötig.

Das zar­te Nest­häk­chen, das tra­di­tio­nell immer von allen beschützt wur­de, ist mitt­ler­wei­le eine erfolg­rei­che erwach­se­ne Frau, die nicht mehr behü­tet – und bevor­mun­det – wer­den möch­te. Der jüngs­te ver­spiel­te Bru­der, der immer soviel Unsinn im Kopf und schlech­te Noten in der Schu­le hat­te, hat mitt­ler­wei­le Kar­rie­re gemacht und ist beruf­lich erfolg­reich.

Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem Kin­der lesen.”
Augus­ti­nus Aure­li­us


Wem also Weih­nachts- und sons­ti­ge Fami­li­en­tref­fen schon lan­ge vor dem eigent­li­chen Fest­essen schwer im Magen lie­gen, soll­te einen Blick hin­ter die Fami­li­en­ku­lis­se wer­fen und alt­her­ge­brach­te Geschwis­ter-Eti­ket­tie­run­gen auf den Prüf­stand stel­len.

Denn vie­le Cha­rak­te­ri­sie­run­gen, die uns seit unse­rer Kind­heit (ver-)folgen, haben mit unse­rem eigent­li­chen Cha­rak­ter heu­te und unse­ren Fähig­kei­ten gar nichts (mehr) zu tun: Sie sind die Über­res­te und und alte Mus­ter aus längst ver­gan­ge­nen Kin­der­ta­gen.

Jeder hat die Erlaub­nis, sich aus sei­ner Ver­gan­gen­heit zu befrei­en und die Rol­le ein­zu­neh­men, die er oder sie außer­halb der Fami­lie viel­leicht schon seit Jahr­zehn­ten hat.

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Das älteste Kind

Das ältes­te Kind ist der “Ban­ner­trä­ger” der Fami­lie.
Aber der oder die Erst­ge­bo­re­ne sei­ner Eltern zu sein, ist ein zwei­schnei­di­ges Ver­gnü­gen.

Einer­seits genießt das ältes­te Kind – zumin­dest für eine gewis­se Zeit – die vol­le Auf­merk­sam­keit und Zuwen­dung der gesam­ten Fami­lie, ande­rer­seits ruhen auf „den Gro­ßen“ vie­le bewuss­te und unbe­wuss­te Hoff­nun­gen und Erwar­tun­gen.

Im Lau­fe ihres Lebens kann es den Ältes­ten gelin­gen, sich wenigs­tens teil­wei­se von der Erwar­tungs­hal­tung ihrer Fami­lie zu befrei­en, aber der Weg in die Unab­hän­gig­keit ist für sie am schwers­ten. Oft wer­den ältes­te Kin­der, die sich von ihrer Ban­ner­trä­ger-Rol­le eman­zi­piert haben, ein Leben lang von Gewis­sens­bis­sen oder Schuld­ge­füh­len geplagt.


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Die Geburt eines jün­ge­ren Geschwis­ter­kin­des „ent­thront“ die Erst­ge­bo­re­nen, das Gefühl, etwas Beson­de­res zu sein, bleibt aber meis­tens — Erst­ge­bo­re­ne haben oft das Gefühl, im Leben eine wich­ti­ge Auf­ga­be erfül­len zu müs­sen.

Den Eltern ste­hen die Ältes­ten am nächs­ten, und da sie sich häu­fig mit ihnen iden­ti­fi­zie­ren und bei ihnen bis ins Erwach­se­nen­al­ter eine beson­de­re Posi­ti­on ein­neh­men, sind ältes­te Kin­der meis­tens kon­ser­va­ti­ver als ihre jün­ge­ren Geschwis­ter.

Ältes­te Söh­ne und Töch­ter sind im Ver­gleich zu jün­ge­ren Geschwis­tern beson­ders gewis­sen­haft, eher ernst als ver­spielt und in der Regel sehr ver­ant­wor­tungs­be­wusst.

Da sie häu­fig nicht nur Ver­ant­wor­tung für jün­ge­re Schwe­tern und Brü­der über­neh­men, son­dern auch Auto­ri­tät aus­üben (müs­sen), sind sie in ihrem Erwach­se­nen­le­ben ‚gebo­re­ne‘ Füh­rungs­per­sön­lich­kei­ten. Außer­dem kön­nen Erst­ge­bo­re­ne sehr selbst­kri­tisch sein, Kri­tik von ande­ren ver­tra­gen sie aller­dings nicht unbe­dingt gut.

Die ältes­te Toch­ter ver­fügt in der Regel über die glei­che Füh­rungs­fä­hig­kei­ten wie ein ältes­ter Sohn, auch sie ist ver­ant­wor­tungs­be­wusst, ernst- und gewis­sen­haft und hat eine beson­de­re Gabe, für ande­re Sor­ge zu tra­gen.

Wer­den ihr aber – wie es frü­her häu­fig der Fall war – nicht auch die glei­chen Vor­rech­te wie einem ältes­ten Sohn ein­ge­räumt, trägt sie zwar Ver­pflich­tun­gen und Ver­ant­wor­tung, hat aber nicht die Mög­lich­keit, dar­aus auch das ent­spre­chen­de Selbst­be­wusst­sein zu ent­wi­ckeln.

Das jüngste Kind

Kindheit in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
Da der „Thron“ durch das erst­ge­bo­re­ne Kind bereits besetzt ist, müs­sen sich alle nach­ge­bo­re­nen Geschwis­ter­kin­der erst müh­sam eine Nische inner­halb der Fami­lie suchen und erobern, in der sie kon­kur­renz­los sind.

Psy­cho­lo­gen bezeich­nen die­se “Nische” von Geschwis­tern als Deiden­ti­fi­ka­ti­on .

Die­ser Pro­zess ist ver­mut­lich einer der wich­tigs­ten Grün­de dafür, dass Geschwis­ter oft sehr unter­schied­lich sind, obwohl sie im Schnitt die Hälf­te ihrer Gene gemein­sam haben.
Als Faust­re­gel gilt: Je gerin­ger der Alters­ab­stand zwi­schen Geschwis­tern ist, des­to grö­ßer sind in der Regel die Unter­schie­de zwi­schen ihren Tem­pe­ra­men­ten und Nei­gun­gen.

Sinn und Zweck der Deiden­ti­fi­ka­ti­on liegt ver­mut­lich dar­in, Riva­li­tät, Eifer­sucht und Neid zu ver­rin­gern; trotz­dem kann es beson­ders zwi­schen Brü­dern mit gerin­gem Alters­ab­stand zu hef­ti­gen Kon­kur­renz­kämp­fen kom­men.

Da die Nische „Füh­rung und Ver­ant­wor­tung“ bei ihrer Geburt bereits besetzt ist, suchen und fin­den jün­ge­re Geschwis­ter­kin­der ihre Beson­der­heit inner­halb der Fami­lie meis­tens im Bereich Krea­ti­vi­tät. Beson­ders aus­ge­prägt ist das beim jüngs­ten Kind.

Marie Curie, Ben­ja­min Fran­k­lin oder der eben­so erfin­de­ri­sche wie exzen­tri­sche Tho­mas Alva Edi­son sind klas­si­sche Bei­spie­le für jüngs­te Kin­der, Quer­den­ker, die – frei von Ver­ant­wor­tung und Ver­pflich­tun­gen, gewöhnt an älte­re Geschwis­ter, die sich um sie küm­mern – unkon­ven­tio­nell ihren ganz eige­nen Weg gegan­gen sind.

Auch jüngs­te Kin­der haben häu­fig das Gefühl, etwas Beson­de­res zu sein; im Gegen­satz zu den ältes­ten dür­fen sie aber ihre Nei­gun­gen stär­ker aus­le­ben.
Nest­häk­chen sind frei­er und nicht durch Ver­ant­wor­tung für ande­re belas­tet, oft wir­ken sie viel unbe­küm­mer­ter als ihre älte­ren Geschwis­ter und sind viel sel­te­ner von Selbst­zwei­feln geplagt.

Die Jüngs­ten sind meis­tens die­je­ni­gen, die Din­ge aus­pro­bie­ren, die ihren älte­ren Geschwis­tern nicht im Traum ein­fal­len wür­den.

Woher wis­sen die Müt­ter immer alles, was sie ihren Töch­tern ver­bie­ten?”
Unbe­kannt


Zwar sind jüngs­te Kin­der meis­tens fest ent­schlos­sen, ihren eige­nen, unkon­ven­tio­nel­len Weg zu gehen, gleich­zei­tig sind sie aber auch dar­an gewöhnt, das zu tun, was ande­re ihnen sagen.

Eigen­in­itia­ti­ve oder Füh­rungs­rol­len sind in der Regel nicht ihr Ding, umge­kehrt erwar­ten sie schnel­le Hil­fe und Unter­stüt­zung, sobald sie das Gefühl haben, nicht mehr aus eige­ner Kraft wei­ter­zu­kom­men.

Im Extrem­fall kön­nen jüngs­te Kin­der selbst­be­zo­gen und ver­wöhnt wir­ken, und sind frus­triert, weil ihnen eigent­lich ALLES zustün­de,  ande­re rebel­lie­ren und ver­su­chen ihrem Sta­tus als „Fami­li­en­ba­by“ zu ent­flie­hen.

Das „Sandwich“-Kind

Raufende Jungs in den 1950er Jahren
Mitt­le­re Kin­der haben kei­ne be- son­de­re Rol­le.

Beson­ders dann, wenn alle Geschwis­ter das glei­che Geschlecht haben, lau­fen Sand­wich­kin­der gro­ße Gefahr, ein­fach ver­ges­sen zu wer­den.

Des­halb haben mitt­le­re Kin­der mög­li­cher­wei­se die schwie­rigs­te Posi­ti­on inner­halb ihrer Fami­lie erwischt. Oder die ein­fachs­te.

Die Sand­wich-Posi­ti­on kann einer­seits gro­ße Frei­räu­me bie­ten, weil mitt­le­re Kin­der de fac­to unter dem elter­li­chen Radar durch­se­geln und ihr eige­nes Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al unge­stört von “erzie­he­ri­schen Bemü­hun­gen” aus­schöp­fen kön­nen.

Auf der ande­ren Sei­te kann es als Sand­wich-Kind auch sehr frus­trie­rend sein, sich stän­dig abstram­peln zu müs­sen, um über­haupt wahr­ge­nom­men zu wer­den.

Mei­ne Mut­ter hat­te einen Hau­fen Ärger mit mir, aber ich glau­be, sie hat es genos­sen.”
Mark Twain


Sand­wich­kin­der sind häu­fig die ‚gebo­re­nen‘ Diplo­ma­ten und Ver­hand­lungs­füh­rer.
Sie sind oft deut­lich aus­ge­gli­che­ner als die stär­ker getrie­be­nen ältes­ten Kin­der, aber auch nicht so ver­spielt und wage­mu­tig wie die Nest­häk­chen.

Aller­dings müs­sen sie ihren Platz inner­halb der Fami­lie fin­den, andern­falls kön­nen sie als Erwach­se­ne Schwie­rig­kei­ten haben, sich ande­ren anzu­pas­sen.
Ohne die Pri­vi­le­gi­en des ältes­ten Kin­des und die Nar­ren­frei­heit des jüngs­ten kön­nen sich Sand­wich­kin­der manch­mal ver­lo­ren füh­len, es sei denn, sie sind die einz­ge Toch­ter unter Brü­dern oder der ein­zi­ge Sohn unter Schwes­tern.

Das Einzelkind

Mutter und kleine Tochter 1930er JahreFür Kin­der sind ihre Geschwis­ter die ers­ten Spar­rings­part­ner für das Erler­nen sozia­ler Bezie­hun­gen.

Im Spiel wie im Streit ler­nen sie den Umgang mit Gleich­alt­ri­gen – und genau das kann Ein­zel­kin­dern feh­len, wenn sie, wie etwa Jean-Paul Sartre, ohne die Gesell­schaft ande­rer Kin­der groß wer­den.

Da sie kei­ne Geschwis­ter haben, ori­en­tie­ren sich Ein­zel­kin­der oder auch Geschwis­ter­kin­der, die mit gro­ßem zeit­li­chen Abstand zuein­an­der gebo­ren wor­den sind, stär­ker an Erwach­se­nen, deren Lie­be und Auf­merk­sam­keit sie suchen.

Auch im spä­te­ren Leben blei­ben sie ihren Eltern oft stär­ker ver­bun­den als Kin­der, die mit Geschwis­tern auf­ge­wach­sen sind.
Ein­zel­kin­der ver­ei­nen oft die Ernst­haf­tig­keit und Gewis­sen­haf­tig­keit des ältes­ten Kin­des mit der Über­zeu­gung, auf alles ein Recht zu haben, die cha­rak­te­ris­tisch für das jüngs­te Kind ist.

Die Her­aus­for­de­rung von Ein­zel­kin­dern ist, den sozia­len Umgang mit Gleich­alt­ri­gen mög­lichst früh zu ler­nen.
Über Sart­re wird bei­spiels­wei­se berich­tet, dass er — bei Mut­ter und Groß­el­tern auf­ge­wach­sen — erst im Alter von 12 Jah­ren in eine Schu­le geschickt wor­den ist und dort das ers­te Mal in sei­nem Leben Kon­takt zu ande­ren Kin­dern hat­te.

Die ande­ren Jun­gen aus sei­ner Schul­klas­se konn­ten mit dem mür­ri­schen und streit­ba­ren Neu­zu­gang über­haupt nichts anfan­gen, vor allem, weil er wich­tig­tue­risch und affek­tiert auf­trat, sobald er die Ableh­nung sei­ner Klas­sen­ka­me­ra­den spür­te.

Spä­ter ver­such­te er, sich Freun­de zu kau­fen, und durch beson­ders spek­ta­ku­lä­re Schü­ler­strei­che auf sich auf­merk­sam zu machen.
Er ver­brach­te viel Zeit allei­ne mit lesen und schrei­ben und fand schließ­lich in einem ande­ren Ein­zel­kind eine ver­wand­te und freund­schaft­lich ver­bun­de­ne See­le.

Geschwister: Die längste Beziehung Unseres Lebens

Geschwis­ter sind da, und sie prä­gen uns, ob wir wol­len oder nicht.

Selbst wenn sich Geschwis­ter nur noch sehr sel­ten oder gar nicht mehr sehen, blei­ben die ent­schei­den­den Prä­gun­gen, Erin­ne­run­gen und Erfah­run­gen einer lan­gen gemein­sa­men Kind­heit erhal­ten.

Das kann manch­mal Stress bedeu­ten, beson­ders dann, wenn bei Zusam­men­tref­fen an alten Rol­len­mo­del­len fest­ge­hal­ten wird, die schon lan­ge nicht mehr gül­tig sind.

Es kann aber auch viel Halt und Schutz geben.
Schließ­lich sind unse­re Geschwis­ter die Men­schen, zu denen wir die längs­te Bezie­hung in unse­rem Leben haben.

Lesen Sie im nächs­ten Bei­trag: Mut­ter­lie­be sorgt dafür, dass Frau­en über sich hin­aus­wach­sen und Din­ge tun, die sie nor­ma­ler­wei­se für ande­re Men­schen nicht tun wür­den. Fehlt Mut­ter­lie­be, muss ein Kind also „mut­ter­see­len­al­lein“ auf­wach­sen, wird es die­sen Man­gel ein Leben lang spü­ren. Aber was ist Mut­ter­lie­be, und wie lässt sie sich erklä­ren?
Was heißt schon Mut­ter­lie­be?

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www.bildbiographien.de, 2015 (über­ar­bei­tet 2017)


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Opfer — Ret­ter — Ver­fol­ger. In Stres­si­tua­tio­nen fal­len wir oft in alte Rol­len-Mus­ter, die wir in der Kind­heit gelernt haben. Wie man Psy­cho­spiel­chen durch­schau­en und durch­bre­chen kann — ein sehr lesens­wer­tes Buch für alle, die das Gefühl haben, sich immer wie­der an der glei­chen Stel­le zu ver­ha­ken. Cor­ne­lia und Ste­phan Schwarz: Schluss mit Psy­cho­spiel­chen*, dtv Ver­lags­ge­sell­schaft, Janu­ar 2018

Schwie­ri­ge Bezie­hun­gen sind oft das Ergeb­nis von Ver­hal­tens­mus­tern, die von Gene­ra­ti­on zu Gene­ra­ti­on wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Wer immer wie­der in die glei­chen Fal­len tappt, wird in die­sem sehr lesens­wer­ten Sach­buch vie­le wert­vol­le Infor­ma­tio­nen über „trans­ge­ne­ra­tio­na­le“ Ver­er­bung fin­den. Sehr fun­diert geschrie­ben und mit vie­len Bei­spie­len berühm­ter Fami­li­en. Moni­ca McGold­rick, Wie­der heim­kom­men. Auf Spu­ren­su­che in Fami­li­en­ge­schich­ten*, Carl-Auer-Ver­lag, 2013

Die Kunst des “Nein-Sagens”: Ein lie­be­voll gestal­te­tes Heft aus der Rei­he “Biblio­thek der guten Gefüh­le” , mit kur­zen prä­gnan­ten Tex­ten über’s Nein­sa­gen und vie­len ein­fach zu befol­gen­den Übun­gen. Für alle, die gera­de mit einem The­ma beschäf­tigt sind, oder zum Ver­schen­ken. Anne van Stap­pen, Das klei­ne Übungs­heft: Gren­zen set­zen, nein sagen*, Tri­ni­ty Ver­lag, 2012


Unzu­frie­den­heit und unge­lös­te Pro­ble­me machen uns manch­mal das Leben schwer. Wie wir aus unbe­frie­di­gen­den Lebens­si­tua­tio­nen wie­der her­aus­kom­men. sehr gut und anhand vie­ler Bei­spie­le erklärt. Rein­hard K. Spren­ger: Die Ent­schei­dung liegt bei dir! Wege aus der all­täg­li­chen Unzu­frie­den­heit*, Cam­pus Ver­lag GmbH, Frankfurt/Main, über­ar­bei­te­te Neu­auf­la­ge 2015, bro­schiert

 Wei­ter­füh­ren­de Links zum The­ma Glück & Fami­lie:


Lebens­kunst und Resi­li­enz: Schwä­chen repa­rie­ren oder Stär­ken stär­ken? War­um es oft bes­ser ist, sich auf das zu kon­zen­trie­ren, was gut läuft.
Die Ener­gie folgt der Auf­merk­sam­keit


Frü­her war alles bes­ser! Das Leben ist manch­mal wie eine Ketch­upfla­sche. Lan­ge Zeit pas­siert nichts, dann kommt es knüp­pel­dick. Wer’s mit sei­nem Leben gera­de schwer hat, flüch­tet sich ger­ne in schö­ne Erin­ne­run­gen. War frü­her alles bes­ser? Jein. Aus unse­ren Erin­ne­run­gen kön­nen wir neue Kraft schöp­fen. Oder wir nut­zen sie, um uns noch unglück­li­cher zu machen.
Das Spiel mit der Ver­gan­gen­heit. Erin­nern wir uns! Oder doch lie­ber nicht?


Sei fröh­lich? Es gibt kaum absur­de­re Auf­for­de­run­gen als “Sei spon­tan” oder “Sei fröh­lich”.
War­um man sei­ne Mit­men­schen nicht damit trak­tie­ren soll­te und wes­halb man sol­che Wün­sche als Emp­fän­ger bes­ser igno­rie­ren soll­te:
Sei spon­tan!


Schwar­ze Päd­ago­gik: Es war wäh­rend des Drit­ten Rei­ches ein Best­sel­ler und galt als d e r Leit­fa­den zur Kin­der­er­zie­hung. Über die NS-Päd­ago­gik und Johan­na Haa­rers Mach­werk.
Zwi­schen Drill und Miss­hand­lung: Johan­na Haa­rers “Die deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind”


Die Gele­gen­hei­ten, bei denen Groß­el­tern-, Eltern- und Enkel­ge­ne­ra­ti­on zusam­men­sit­zen und sich Geschich­ten „von frü­her“ erzäh­len, sind unre­gel­mä­ßig und rar gewor­den. Aber die Sehn­sucht nach einer gemein­sa­men Fami­li­en­ge­schich­te bleibt. Was dage­gen hilft? Auf­schrei­ben!
11 Tipps, die Sie beim bio­gra­fi­schen Schrei­ben beach­ten soll­ten


Die Kind­heit ist die prä­gends­te Zeit in unse­rem Leben. Über Müt­ter und Väter, Geschwis­ter­lie­be, trans­ge­ne­ra­tio­na­le Ver­er­bung und Kind­heits­mus­ter, die uns unser gesam­tes Leben beglei­ten.
Kin­der, Kin­der


Wir müssten das alles mal aufschreiben
Die Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en bringt seit 2012 Lebens-. Fami­li­en- und Unter­neh­mens­bio­gra­fi­en als Bild­bio­gra­phi­en ins Buch und bie­tet außer­dem einen Ghost­wri­ting-Ser­vice mit den Schwer­punk­ten Geschich­te und Psy­cho­lo­gie an.
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den Sie auch auf unse­rer Home­page www.bildbiographien.de


Bild­nach­weis: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, 2015



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