Kleine Schwester, großer Bruder: Geschwisterliebe

Wie uns unser Platz in der Geschwisterreihenfolge prägt




Erst­ge­bo­re­ner oder jüngs­tes Kind?

Egal, ob wir ewi­ge Riva­li­tät oder immer­wäh­ren­de Lie­be zu unse­ren Geschwis­tern pfle­gen, nicht nur der Cha­rak­ter unse­rer Bezie­hung ist von Bedeu­tung, son­dern auch unser Platz in der Geschwis­ter­rei­hen­fol­ge.


Held, Spaßvogel oder Nesthäkchen?

Ehen und Part­ner­schaf­ten kön­nen schei­tern, Eltern ster­ben; die Kin­der wer­den groß und gehen ihre eige­nen Wege.
Die Ein­zi­gen, die unser Leben lang blei­ben, sind unse­re Geschwis­ter.

Auch nach einem Fami­li­en­krach kann man sich von ihnen weder tren­nen noch schei­den las­sen. Geschwis­ter sind immer da — auch wenn sie nicht da sind. Unse­re Geschwis­ter prä­gen und beglei­ten uns.
Viel­leicht sogar mehr als unse­re Eltern.

Das gilt welt­weit: „Schwes­ter oder Bru­der von …“ wird auf der gan­zen Welt ver­stan­den, egal, ob in Ham­burg, New York oder in einem Dschun­gel­camp irgend­wo am Ama­zo­nas.

Wie Geschwister unsere Persönlichkeit beeinflussen

Ob wir als Held, Spaß­vo­gel oder schutz­be­dürf­ti­ges Nest­häk­chen durch unser Leben mar­schie­ren — oder schlen­dern — , hängt ent­schei­dend von ihnen ab.
Dafür spielt nicht nur die Per­sön­lich­keit unse­rer Brü­der und Schwes­tern eine gro­ße Rol­le, son­dern auch die Geschwis­ter­rei­hen­fol­ge.

Unse­re Rol­le als gro­ße Schwes­ter oder klei­ner Bru­der, als Ein­zel- oder Sand­wich­kind wird uns in die Wie­ge gelegt und hat neben Erzie­hung einen gro­ßen Ein­fluss auf unse­re Per­sön­lich­keit.

Das Rollenmodell unserer Eltern

Wir Men­schen nei­gen dazu, Ver­hal­tens­mus­ter und Rol­len­mo­del­le, die wir in unse­rer Kind­heit gelernt haben, auch als Erwach­se­ne bei­zu­be­hal­ten und an unse­re eige­nen Kin­der wei­ter­zu­ge­ben.

Wie uns unser Platz in der Geschwisterreihenfolge prägt

Manch­mal ver­hal­ten wir uns genau­so wie unse­re Eltern, und manch­mal — wenn wir selbst dar­un­ter gelit­ten haben — genau umge­kehrt.

Ein Vater, der in sei­ner Kind­heit von sei­nem älte­ren Bru­der gepie­sackt wur­de, wird bei Strei­te­rei­en zwi­schen sei­nen eige­nen Söh­ne mit hoher Wahr­schein­lich­keit sehr schnell die Posi­ti­on des jün­ge­ren Soh­nes ergrei­fen, ohne dar­über nach­zu­den­ken.

Eine Mut­ter, die in ihrem Eltern­haus als ältes­te Toch­ter  vie­le Ver­pflich­tun­gen im Haus­halt oder bei der Betreu­ung ihrer jün­ge­ren Geschwis­ter hat­te, wird ihre eige­ne erst­ge­bo­re­ne Toch­ter eher scho­nen und ver­wöh­nen und sie, wenn über­haupt, sehr sel­ten zum Baby­sit­ten oder zur Haus­ar­beit ver­pflich­ten.


Als trans­ge­nera­tio­na­le Ver­er­bung wird das unbe­wuss­te Wei­ter­ge­ben von Ver­hal­tens­wei­sen, Stim­mun­gen oder Ein­stel­lun­gen von einer Genera­ti­on auf die nachfolgende(n) bezeich­net.


Auch wenn aus Kin­dern schon längst Leu­te gewor­den sind, schlüp­fen wir beim Zusam­men­tref­fen mit unse­rer Her­kunfts­fa­mi­lie oft instink­tiv in alte Kind­heits­mus­ter. Ohne gro­ßes Nach­den­ken wer­den Bünd­nis­se und Scher­ze, aber auch Rei­be­rei­en aus längst ver­gan­ge­nen Tagen her­vor­ge­holt und wie­der­be­lebt.

Zur Freu­de der einen, denen die alten Rol­len aus der Kin­der­zeit Sicher­heit geben, und zum Ärger der ande­ren, für die sol­che Fami­li­en­tref­fen mit über­hol­ten Rol­len­ver­tei­lun­gen Stress pur bedeu­ten. Denn oft sind die Mus­ter als Held, Böse­wicht, Spaß­vo­gel oder Opfer hoff­nungs­los ver­al­tet und haben eine drin­gen­de Revi­si­on nötig.

Das Leben der Eltern ist das Buch in dem Kinder lesen

Das zar­te Nest­häk­chen, das schon immer von allen beschützt wur­de, ist mitt­ler­wei­le eine erfolg­rei­che erwach­se­ne Frau, die nicht mehr behü­tet – und bevor­mun­det – wer­den möch­te. Der jüngs­te Bru­der, der immer so ver­spielt war, soviel Unsinn im Kopf und schlech­te Noten in der Schu­le hat­te, hat mitt­ler­wei­le Kar­rie­re gemacht und ist beruf­lich erfolg­reich.

Ihm wird es schwer­fal­len, wenn sei­ne älte­ren Geschwis­tern ihn auf sei­ne frü­he­re Rol­le als Fami­li­en­clown fest­na­geln und dabei sei­ne Erfol­ge als Erwach­se­ner völ­lig außer Acht las­sen.

Wem also Weih­nachts- und sons­ti­ge Fami­li­en­fei­ern schon lan­ge vor dem eigent­li­chen Fest­essen schwer im Magen lie­gen, soll­te einen Blick hin­ter die Fami­li­en­ku­lis­se wer­fen und sich alt­her­ge­brach­te Geschwis­ter-Eti­ket­tie­run­gen genau­er anse­hen.

Denn vie­le Cha­rak­te­ri­sie­run­gen, die uns seit unse­rer Kind­heit (ver-)folgen, haben mit unse­rem eigent­li­chen Cha­rak­ter heu­te und unse­ren Fähig­kei­ten gar nichts (mehr) zu tun: Sie sind die Über­res­te und alte Mus­ter aus längst ver­gan­ge­nen Kin­der­ta­gen.

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Anne van Stap­pen, Das klei­ne Übungs­heft: Gren­zen set­zen, nein sagen*, Tri­ni­ty Ver­lag, 2012


Jeder hat die Erlaub­nis, sich aus sei­ner Ver­gan­gen­heit zu befrei­en und die Rol­le ein­zu­neh­men, die er oder sie außer­halb der Fami­lie als Erwach­se­ner viel­leicht schon seit Jahr­zehn­ten hat.

Wir wer­den nicht ein­fach in unse­re Fami­li­en hin­ein­ge­bo­ren, son­dern in die Geschich­ten unse­rer Fami­lie, die uns stüt­zen und näh­ren und manch­mal zum Krüp­pel machen.

Moni­ca McGold­rick, Wie­der heim­kom­men. Auf Spu­ren­su­che in Fami­li­en­ge­schich­ten*

Das älteste Kind

Das ältes­te Kind ist der “Ban­ner­trä­ger” der Fami­lie und hat damit ein zwei­schnei­di­ges Ver­gnü­gen.

Einer­seits genießt das ältes­te Kind – zumin­dest für eine gewis­se Zeit – die vol­le Auf­merk­sam­keit und Zuwen­dung der gesam­ten Fami­lie, ande­rer­seits ruhen auf „den Gro­ßen“ vie­le bewuss­te und unbe­wuss­te Hoff­nun­gen und Erwar­tun­gen.

Im Lau­fe ihres Lebens kann es den Ältes­ten gelin­gen, sich wenigs­tens teil­wei­se von der Erwar­tungs­hal­tung ihrer Fami­lie zu befrei­en, aber der Weg in die Unab­hän­gig­keit ist für sie am schwers­ten.
Oft wer­den ältes­te Kin­der, die sich von ihrer Ban­ner­trä­ger-Rol­le eman­zi­piert haben, ein Leben lang von Gewis­sens­bis­sen oder Schuld­ge­füh­len geplagt.

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Die Geburt eines jün­ge­ren Geschwis­ter­kin­desent­thront“ die Erst­ge­bo­re­nen, das Gefühl, etwas Beson­de­res zu sein, bleibt: Erst­ge­bo­re­ne haben oft das Gefühl, im Leben eine wich­ti­ge Auf­ga­be erfül­len zu müs­sen.

Den Eltern ste­hen die Ältes­ten am nächs­ten, und da sie sich häu­fig mit ihnen iden­ti­fi­zie­ren und bei ihnen bis ins Erwach­se­nen­al­ter eine beson­de­re Posi­ti­on ein­neh­men, sind ältes­te Kin­der meis­tens kon­ser­va­ti­ver als ihre jün­ge­ren Geschwis­ter.

Ältes­te Söh­ne und Töch­ter sind im Ver­gleich zu jün­ge­ren Geschwis­tern beson­ders gewis­sen­haft, eher ernst als ver­spielt und in der Regel sehr ver­ant­wor­tungs­be­wusst.

Da sie häu­fig nicht nur Ver­ant­wor­tung für jün­ge­re Schwes­tern und Brü­der über­neh­men, son­dern auch Auto­ri­tät aus­üben (müs­sen), sind sie in ihrem Erwach­se­nen­le­ben ‚gebo­re­ne‘ Füh­rungs­per­sön­lich­kei­ten. Erst­ge­bo­re­ne kön­nen sehr selbst­kri­tisch sein, Kri­tik von ande­ren ver­tra­gen sie aller­dings nicht unbe­dingt gut.

Woher wissen die Mütter immer alles was sie ihren Töchtern verbieten?

Die ältes­te Toch­ter ver­fügt in der Regel über die glei­che Füh­rungs­fä­hig­kei­ten wie ein ältes­ter Sohn.
Auch sie ist ver­ant­wor­tungs­be­wusst, ernst- und gewis­sen­haft und hat eine beson­de­re Gabe, für ande­re Sor­ge zu tra­gen.

Wer­den ihr aber – wie es frü­her häu­fig der Fall war – nicht auch die glei­chen Vor­rech­te wie einem ältes­ten Sohn ein­ge­räumt, trägt sie zwar Ver­pflich­tun­gen und Ver­ant­wor­tung, hat aber nicht die Mög­lich­keit, dar­aus auch das ent­spre­chen­de Selbst­be­wusst­sein zu ent­wi­ckeln.

Das jüngste Kind

Da der „Thron“ durch das erst­ge­bo­re­ne Kind bereits besetzt ist, müs­sen sich alle nach­ge­bo­re­nen Geschwis­ter­kin­der erst müh­sam eine Nische inner­halb der Fami­lie suchen und erobern, in der sie kon­kur­renz­los sind. Psy­cho­lo­gen bezeich­nen die­se “Nische” von Geschwis­tern als Deiden­ti­fi­ka­ti­on.

Die­ser Pro­zess ist ver­mut­lich einer der wich­tigs­ten Grün­de dafür, dass Geschwis­ter oft sehr unter­schied­lich sind, obwohl sie gene­tisch viel gemein­sam haben.
Als Faust­re­gel gilt: Je gerin­ger der Alters­ab­stand zwi­schen Geschwis­tern ist, des­to grö­ßer sind in der Regel die Unter­schie­de zwi­schen ihren Tem­pe­ra­men­ten und Nei­gun­gen.

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Sinn und Zweck der Deiden­ti­fi­ka­ti­on liegt ver­mut­lich dar­in, Riva­li­tät, Eifer­sucht und Neid zu ver­rin­gern; trotz­dem kann es beson­ders zwi­schen Brü­dern mit gerin­gem Alters­ab­stand zu hef­ti­gen Kon­kur­renz­kämp­fen kom­men.

Da die Nische „Füh­rung und Ver­ant­wor­tung“ bei ihrer Geburt bereits vom ältes­ten Geschwis­ter­kind besetzt ist, suchen und fin­den jün­ge­re Geschwis­ter­kin­der ihre Beson­der­heit inner­halb der Fami­lie meis­tens im Bereich Krea­ti­vi­tät. Beson­ders aus­ge­prägt ist das beim jüngs­ten Kind.

Marie Curie, Ben­ja­min Fran­k­lin oder der eben­so erfin­de­ri­sche wie exzen­tri­sche Tho­mas Alva Edi­son sind klas­si­sche Bei­spie­le für jüngs­te Kin­der, Quer­den­ker, die – frei von Ver­ant­wor­tung und Ver­pflich­tun­gen, gewöhnt an älte­re Geschwis­ter, die sich um sie küm­mern – unkon­ven­tio­nell ihren ganz eige­nen Weg gegan­gen sind.

Wie ältes­te Söh­ne und Töch­ter haben auch jüngs­te Kin­der häu­fig das Gefühl, etwas Beson­de­res zu sein; im Gegen­satz zu den ältes­ten dür­fen sie aber ihre indi­vi­du­el­len Nei­gun­gen stär­ker aus­le­ben.

Nest­häk­chen sind frei­er und nicht durch Ver­ant­wor­tung für ande­re belas­tet, oft wir­ken sie viel unbe­küm­mer­ter als ihre älte­ren Geschwis­ter und sind viel sel­te­ner von Selbst­zwei­feln geplagt.

Meine Mutter hatte einen Haufen Ärger mit mir aber ich glaube sie hat es sehr genossen

Die Jüngs­ten sind meis­tens die­je­ni­gen, die Din­ge aus­pro­bie­ren, die ihren älte­ren Geschwis­tern nicht im Traum ein­fal­len wür­den.
Zwar sind jüngs­te Kin­der meis­tens fest ent­schlos­sen, ihren eige­nen, unkon­ven­tio­nel­len Weg zu gehen, gleich­zei­tig sind sie aber auch dar­an gewöhnt, das zu tun, was ande­re ihnen sagen.

Eigen­in­itia­ti­ve oder Füh­rungs­rol­len sind in der Regel nicht ihr Ding, umge­kehrt erwar­ten sie schnel­le Hil­fe und Unter­stüt­zung, sobald sie das Gefühl haben, nicht mehr aus eige­ner Kraft wei­ter­zu­kom­men.

Im Extrem­fall kön­nen jüngs­te Kin­der selbst­be­zo­gen und ver­wöhnt sein. Eini­ge sind frus­triert, weil sie der Mei­nung sind, dass ihnen eigent­lich ALLES zustün­de,  ande­re rebel­lie­ren und ver­su­chen ihrem Sta­tus als „Fami­li­en­ba­by“ zu ent­flie­hen.

Das “Sandwich”- Kind

Mitt­le­re Kin­der haben kei­ne beson­de­re Rol­le. Beson­ders dann, wenn alle Geschwis­ter das glei­che Geschlecht haben, lau­fen Sand­wich­kin­der gro­ße Gefahr, ein­fach ver­ges­sen zu wer­den.

Des­halb haben mitt­le­re Kin­der mög­li­cher­wei­se die schwie­rigs­te Posi­ti­on inner­halb ihrer Fami­lie erwischt. Oder die ein­fachs­te.
Die Sand­wich-Posi­ti­on kann einer­seits gro­ße Frei­räu­me bie­ten, weil mitt­le­re Kin­der oft unter dem elter­li­chen Radar durch­se­geln und ihr eige­nes Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al unge­stört von “erzie­he­ri­schen Bemü­hun­gen” aus­schöp­fen kön­nen.

Auf der ande­ren Sei­te kann es als Sand­wich-Kind auch sehr frus­trie­rend sein, sich stän­dig abstram­peln zu müs­sen, um über­haupt wahr­ge­nom­men zu wer­den.

Sand­wich­kin­der sind häu­fig die ‚gebo­re­nen‘ Diplo­ma­ten und Ver­hand­lungs­füh­rer.
Sie sind oft deut­lich aus­ge­gli­che­ner als die stär­ker getrie­be­nen ältes­ten Kin­der, aber auch nicht so ver­spielt und wage­mu­tig wie die Nest­häk­chen.

Aller­dings müs­sen sie ihren Platz inner­halb der Fami­lie fin­den, sonst kön­nen sie als Erwach­se­ne Schwie­rig­kei­ten haben, sich ande­ren anzu­pas­sen.

Ohne die Pri­vi­le­gi­en des ältes­ten Kin­des und die Nar­ren­frei­heit des jüngs­ten kön­nen sich Sand­wich­kin­der manch­mal ver­lo­ren füh­len, es sei denn, sie sind die einz­ge Toch­ter unter Brü­dern oder der ein­zi­ge Sohn unter Schwes­tern.

Das Einzelkind

Für Kin­der sind ihre Geschwis­ter die ers­ten Spar­rings­part­ner für das Erler­nen sozia­ler Bezie­hun­gen.
Im Spiel wie im Streit ler­nen sie den Umgang mit Gleich­alt­ri­gen – und genau das kann Ein­zel­kin­dern feh­len, wenn sie, wie etwa Jean-Paul Sartre, ohne die Gesell­schaft ande­rer Kin­der groß wer­den.

Da sie kei­ne Geschwis­ter haben, ori­en­tie­ren sich Ein­zel­kin­der oder auch Geschwis­ter­kin­der, die mit gro­ßem zeit­li­chen Abstand zuein­an­der gebo­ren wor­den sind, stär­ker an Erwach­se­nen, deren Lie­be und Auf­merk­sam­keit sie suchen.

Auch im spä­te­ren Leben blei­ben sie ihren Eltern oft stär­ker ver­bun­den als Kin­der, die mit Geschwis­tern auf­ge­wach­sen sind.
Ein­zel­kin­der ver­ei­nen oft die Ernst­haf­tig­keit und Gewis­sen­haf­tig­keit des ältes­ten Kin­des mit der Über­zeu­gung, auf alles ein Recht zu haben, die cha­rak­te­ris­tisch für das jüngs­te Kind ist.

Die Her­aus­for­de­rung von Ein­zel­kin­dern ist, den sozia­len Umgang mit Gleich­alt­ri­gen mög­lichst früh zu ler­nen.

Über Sart­re wird bei­spiels­wei­se berich­tet, dass er — bei Mut­ter und Groß­el­tern auf­ge­wach­sen — erst im Alter von 12 Jah­ren in eine Schu­le geschickt wor­den ist und dort das ers­te Mal in sei­nem Leben Kon­takt zu ande­ren Kin­dern hat­te.

Die ande­ren Jun­gen aus sei­ner Schul­klas­se konn­ten mit dem mür­ri­schen und streit­ba­ren Neu­zu­gang über­haupt nichts anfan­gen, vor allem, weil er wich­tig­tue­risch und affek­tiert auf­trat, sobald er die Ableh­nung sei­ner Klas­sen­ka­me­ra­den spür­te.

Spä­ter ver­such­te er, sich Freun­de zu kau­fen, und durch beson­ders spek­ta­ku­lä­re Schü­ler­strei­che auf sich auf­merk­sam zu machen.
Er ver­brach­te viel Zeit allei­ne mit lesen und schrei­ben und fand schließ­lich in einem ande­ren Ein­zel­kind eine ver­wand­te und freund­schaft­lich ver­bun­de­ne See­le.

Geschwister: Die längste Beziehung unseres Lebens

Unse­re Geschwis­ter prä­gen uns, ob wir wol­len oder nicht.
Selbst wenn sich Geschwis­ter nur noch sehr sel­ten oder gar nicht mehr sehen, blei­ben die ent­schei­den­den Erin­ne­run­gen und Erfah­run­gen einer lan­gen gemein­sa­men Kind­heit erhal­ten.

Wie unser Mindset unser Leben bestimmt

Das kann manch­mal Stress bedeu­ten, beson­ders dann, wenn beim Zusam­men­tref­fen an alten Rol­len­mo­del­len fest­ge­hal­ten wird, die schon lan­ge über­holt sind.

Es kann aber auch viel Halt und Schutz geben.
Schließ­lich sind unse­re Geschwis­ter die Men­schen, zu denen wir die längs­te Bezie­hung in unse­rem Leben haben.


Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www​.bild​bio​gra​phi​en​.de, 2015 (über­ar­bei­tet 2019)

Lesen Sie im nächs­ten Bei­trag: Mut­ter­lie­be sorgt dafür, dass Frau­en über sich hin­aus­wach­sen und Din­ge tun, die sie nor­ma­ler­wei­se für ande­re Men­schen nicht tun wür­den. Fehlt Mut­ter­lie­be, muss ein Kind also „mut­ter­see­len­al­lein“ auf­wach­sen, wird es die­sen Man­gel ein Leben lang spü­ren. Aber was ist Mut­ter­lie­be, und wie lässt sie sich erklä­ren?
Was heißt schon Mut­ter­lie­be?

Buch­emp­feh­lun­gen:

Die mit * gekenn­zeich­ne­ten Links sind soge­nann­te Affi­la­te-Links, die hel­fen, den Blog Genera­tio­nen­ge­spräch zu finan­zie­ren. Wenn Ihnen eine der ange­ge­be­nen Emp­feh­lun­gen gefällt und Sie das Buch (oder ein ande­res Pro­dukt) über die­sen Link bestel­len, erhält der Blog dafür eine klei­ne Pro­vi­si­on, ohne dass für Sie Mehr­kos­ten ent­ste­hen. Für Ihren Klick: Herz­li­chen Dank im Vor­aus!

Die Psy­cho­lo­gin San­dra Kon­rad beschreibt anhand vie­ler Bei­spie­le aus ihrer Pra­xis wie das unsicht­ba­re Erbe längst ver­gan­ge­ner Genera­tio­nen zu Fall­stri­cken im Hier und Jetzt wer­den kann. Ein sehr lesens­wer­tes Buch für alle, die end­lich ver­ste­hen und sich lösen wol­len. Emp­feh­lens­wert! San­dra Kon­rad, Das bleibt in der Fami­lie: Von Lie­be, Loya­li­tät und uralten Las­ten*, Piper Taschen­buch, 2014

Schwie­ri­ge Bezie­hun­gen sind oft das Ergeb­nis von Ver­hal­tens­mus­tern, die von Genera­ti­on zu Genera­ti­on wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Wer immer wie­der in die glei­chen Fal­len tappt, wird in die­sem sehr lesens­wer­ten Sach­buch vie­le wert­vol­le Infor­ma­tio­nen über „trans­ge­nera­tio­na­le“ Ver­er­bung fin­den. Sehr fun­diert geschrie­ben und anhand vie­ler Bei­spie­le berühm­ter Fami­li­en sehr gut erklärt. Moni­ca McGold­rick, Wie­der heim­kom­men. Auf Spu­ren­su­che in Fami­li­en­ge­schich­ten*, Carl-Auer-Ver­lag, 2013

Ste­fa­nie Stahl, Autorin des Best­sel­lers Das Kind in dir muss Hei­mat fin­den*,
mit ihrem neu­en groß­ar­ti­gen Buch über Kin­der­er­zie­hung. Sehr infor­ma­tiv und klar struk­tu­riert mit vie­len Bei­spie­len aus der Pra­xis. Emp­feh­lens­wert!
Ste­fa­nie Stahl, Julia Tomu­schat, Nest­wär­me, die Flü­gel ver­leiht: Halt geben und Frei­heit schen­ken — wie wir erzie­hen, ohne zu erzie­hen*, GRÄFE UND UNZER Ver­lag GmbH, 2018

Opfer — Ret­ter — Ver­fol­ger
In Stres­si­tua­tio­nen fal­len wir oft in alte Rol­len-Mus­ter, die wir in der Kind­heit gelernt haben. Wie man Psy­cho­spiel­chen durch­schau­en und durch­bre­chen kann — ein sehr lesens­wer­tes Buch für alle, die das Gefühl haben, sich immer wie­der an der glei­chen Stel­le zu ver­ha­ken.
Cor­ne­lia und Ste­phan Schwarz: Schluss mit Psy­cho­spiel­chen*, dtv Ver­lags­ge­sell­schaft, Janu­ar 2018

Die Kunst des “Nein-Sagens“
Kur­ze, prä­gnan­te Tex­te und ein­fach zu befol­gen­de Übun­gen und Hin­wei­se erleich­tern das “Nein”-Sagen — denn unse­re “Ja“s wenn wir eigenltich “Nein” mei­nen, ver­ur­sa­chen auf Dau­er Stress und Frus­tra­ti­on. Ein lie­be­voll gestal­te­tes Heft aus der Rei­he “Biblio­thek der guten Gefüh­le” für alle, die zu oft Ja-Sagen, oder zum Ver­schen­ken.
Anne van Stap­pen, Das klei­ne Übungs­heft: Gren­zen set­zen, nein sagen*, Tri­ni­ty Ver­lag, 2012


Wei­ter­füh­ren­de Bei­trä­ge:

Schwar­ze Päd­ago­gik: Es war wäh­rend des Drit­ten Rei­ches ein Best­sel­ler und galt als d e r Leit­fa­den zur Kin­der­er­zie­hung. Über die NS-Päd­ago­gik und Johan­na Haa­rers Mach­werk.
Zwi­schen Drill und Miss­hand­lung: Johan­na Haa­rers “Die deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind”

Lebens­kunst und Resi­li­enz: Schwä­chen repa­rie­ren oder Stär­ken stär­ken? War­um es oft bes­ser ist, sich auf das zu kon­zen­trie­ren, was gut läuft.
Die Ener­gie folgt der Auf­merk­sam­keit

Sei fröh­lich! Es gibt kaum absur­de­re Auf­for­de­run­gen als “Sei spon­tan” oder “Sei fröh­lich”.
War­um man sei­ne Mit­men­schen nicht damit trak­tie­ren und als Emp­fän­ger sol­che Wün­sche bes­ser igno­rie­ren soll­te:
Sei spon­tan!

Tan­tho­lo­gie: “Coo­le Schwes­tern wer­den zu Tan­ten beför­dert”, heißt es, aber trotz­dem muss das Tan­ten-Dasein ziem­lich erbäm­lich sein.
Für Müt­ter spuckt Wiki­pe­dia eine Fül­le zärt­li­cher Kose­na­men aus: Mama, Mut­ti, Mue­ti, Mutsch, Mami, Ma, mum (eng­lisch), mom (ame­ri­ka­nisch), für Tan­ten dage­gen nur har­te Daten und Fak­ten: Erb­tan­te, Groß­tan­te, Kin­der­gar­ten­tan­te, Nenn­tan­te, Paten­tan­te, Petuh­tan­ten­deutsch, und Sab­bel­tan­te. Wor­an das liegt? Wis­sen wir nicht auch nicht, wol­len das aber ändern. Denn: Tan­ten sind viel bes­ser als ihr Ruf!
Die Psy­cho­lo­gie der Erb­tan­te

Män­ner und Frau­en: Geben sich Frau­en als Müt­ter selbst ein “Lebens­läng­lich”? Opfern sie sich auf, wer­den dadurch unglück­lich und nör­geln schließ­lich ihre Män­ner aus dem Haus? Über den schwie­ri­gen Spa­gat zwi­schen Kind und Kegel, Auf­op­fern und Haus­ar­beit … und die müt­ter­li­chen Qua­li­tä­ten von Vätern.
Der Mann in der Kri­se?

Bio­gra­fi­sches Schrei­ben: Die Gele­gen­hei­ten, bei denen Großeltern‑, Eltern- und Enkel­ge­nera­ti­on zusam­men­sit­zen und sich Geschich­ten „von frü­her“ erzäh­len, sind sel­ten gewor­den, aber die Sehn­sucht nach einer gemein­sa­men Fami­li­en­ge­schich­te bleibt. Was dage­gen hilft? Auf­schrei­ben!
11 Tipps, die Sie beim bio­gra­fi­schen Schrei­ben beach­ten soll­ten

Kind­heit: Die Kind­heit ist die prä­gends­te Zeit in unse­rem Leben. Über Müt­ter und Väter, Geschwis­ter­lie­be, trans­ge­nera­tio­na­le Ver­er­bung und Kind­heits­mus­ter, die uns unser gesam­tes Leben beglei­ten.
Kin­der, Kin­der

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