Richtige und falsche Vorbilder

Richtige und falsche VorbilderLan­ge Zeit hat­te man ver­mu­tet, dass nur Kin­der und Jugend­li­che Vor­bil­der haben und sie auch brau­chen, um ihre Per­sön­lich­keit zu ent­wi­ckeln. Das stimmt nicht. Auch Erwach­se­ne haben Vor­bil­der, meis­tens ohne es zu mer­ken. Außer­dem glaub­te man, dass ein Vor­bild immer etwas Posi­ti­ves sein müss­te. Auch das ist nicht rich­tig — unse­re Vor­bil­der kön­nen uns gehö­rig in die Irre füh­ren und zu Hand­lun­gen ver­lei­ten, mit denen wir uns und ande­ren scha­den. 

Jahr­zehn­te­lang ging man davon aus, dass nur Kin­der und Jugend­li­che Vor­bil­der haben: Mama und Papa, spä­ter Leh­rer, Trai­ner, Film­stars, Fuß­bal­ler und Pop-Iko­nen.
Vor­bil­der, das gilt als aus­ge­mach­te Sache, sind in der Kind­heit und Jugend zum Erwach­sen­wer­den und Sich-Selbst-Fin­den not­wen­dig und sinn­voll.

Aber wozu brau­chen Erwach­se­ne Vor­bil­der?

Richtige oder falsche Vorbilder Blog Generationengespräch


Zuschauen kann töten

Im Früh­jahr 1964 erschüt­tert ein grau­sa­mes Ver­bre­chen im New Yor­ker Stadt­teil Queens die USA.

In den frü­hen Mor­gen­stun­den des 13. März 1964 will die 28jährige Cathe­ri­ne Susan Genove­se, genannt Kit­ty, von ihrem Auto zu ihrer nur drei­ßig Meter ent­fern­ten Woh­nungs­tür gehen. Auf ihrem kur­zen Weg wird sie bru­tal ange­grif­fen, aus­ge­raubt, miss­han­delt und schließ­lich ermor­det.

30 Minu­ten dau­er­te ihr Mar­ty­ri­um.
In die­sen 30 Minu­ten waren 38 Nach­barn Augen­zeu­gen des Über­falls oder hör­ten Tei­le des Kamp­fes zwi­schen Opfer und Täter.
Gehol­fen hat ihr nie­mand.

Soweit sich die Tat spä­ter rekon­stru­ie­ren ließ, griff der Täter Winston Mose­ley Kit­ty Genove­se von hin­ten an. Er stach mit einem Mes­ser auf sie ein und ver­such­te, sie zu ver­ge­wal­ti­gen.

Kit­ty schrie laut um Hil­fe, doch obwohl eini­ge Men­schen in den umlie­gen­den Häu­sern ihre Schreie hör­ten, reagier­te nie­mand.
Schließ­lich öff­ne­te ein Nach­bar dann doch sein Fens­ter und frag­te, was los sei, wor­auf­hin Mose­ley von ihr abließ und davon­lief. Kit­ty ver­such­te, sich zu ihrer Woh­nung zu schlep­pen. zu Hil­fe kam ihr nie­mand: Nie­mand ver­stän­dig­te die Poli­zei, nie­mand ver­ließ sei­ne Woh­nung, um nach­zu­se­hen, woher die Hil­fe­ru­fe gekom­men waren.

Kur­ze Zeit spä­ter kam Mose­ley zurück, folg­te den Blut­spu­ren, die Kit­ty hin­ter­las­sen hat­te, fand sein Opfer hilf­los im Haus­flur, ver­ge­wal­tig­te sie, raub­te sie aus und erstach sie.
Das Genove­se-Syn­drom: Zuschau­en kann töten


Der Mord an Kit­ty Genove­se scho­ckier­te Ame­ri­ka und lös­te eine Wel­le der Empö­rung aus.
Und er warf die Fra­ge auf, war­um wir Men­schen mit unse­rem Ver­hal­ten manch­mal so dane­ben lie­gen.

Das “Genovese-Syndrom”

Nach­dem bekannt wur­de, wie vie­le Men­schen Zeu­gen des Über­falls waren und durch ihr Ein­grei­fen Kit­ty Genove­ses Tod hät­ten ver­hin­dern kön­nen, wuchs das Ent­set­zen. Vie­le glaub­ten, dass die bru­ta­le Atta­cke und die Taten­lo­sig­keit der Zeu­gen ein wei­te­rer Beleg für die Ver­ro­hung der Bewoh­ner von Groß­städ­ten wie New York wären.

Sie irr­ten sich.
Die 38 Augen- und Ohren­zeu­gen waren weder gleich­gül­ti­ger noch roher als ande­re Men­schen anders­wo.
Kei­ner der Zeu­gen hat­te den gesam­ten Tat­her­gang beob­ach­tet; für alle war und blieb die Situa­ti­on, die sie in Aus­schnit­ten mit­be­ka­men, unklar. Vie­le hat­ten ver­mu­te­tet, ein strei­ten­des Lie­bes­paar gese­hen oder gehört zu haben.

Kit­ty Genove­ses Tod wur­de durch ein psy­cho­lo­gi­sches Phä­no­men ver­ur­sacht, das 1964 noch unbe­kannt war und spä­ter als “Bystan­der-Effekt” (Zuschau­er-Effekt) oder auch als “Genove­se- Syn­drom” bezeich­net wur­de.

Ein Phä­no­men, dem Men­schen auf­sit­zen, wenn sie sich an “fal­schen” Vor­bil­der ori­en­tie­ren. Ein Phä­no­men, das jeden von uns in die Irre füh­ren und zum Mit­schul­di­gen machen kann.


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Lebenslanges Lernen durch Imitation

Der Über­fall auf Kit­ty Genove­se lös­te in den 1960er Jah­ren nicht nur eine Wel­le des Ent­set­zens und des Erschre­ckens aus, son­dern warf auch die Fra­ge nach einer psy­cho­lo­gi­schen Erklä­rung für das Ver­hal­ten der Zeu­gen auf.

Man fand die Ant­wort.
Die ers­te ver­blüf­fen­de Erkennt­nis, die Psy­cho­lo­gen aus den Unter­su­chun­gen zum Fall “Kit­ty Genove­se” ablei­te­ten, war, dass auch Erwach­se­ne Vor­bil­der haben, an denen sie sich ori­en­tie­ren.

Denn nicht nur Kin­der brau­chen Vor­bil­der zum Ler­nen, son­dern auch wir im Erwach­se­nen­al­ter: Das Imi­tie­ren ande­rer ist die ein­zi­ge Mög­lich­keit, mit der wir sozia­les Ver­hal­ten ler­nen kön­nen.
Die­ses Ler­nen brau­chen wir ein Leben lang.

Beson­ders in unkla­ren, unbe­kann­ten, ver­un­si­chern­den oder auch gefähr­li­chen Situa­tio­nen nut­zen Men­schen aller Alters­stu­fen das Ver­hal­ten der Ande­ren als Leit­plan­ken, um dazu­zu­ler­nen und sinn­voll han­deln zu kön­nen.

Immer dann, wenn wir eine Situa­ti­on nicht klar ein­schät­zen kön­nen, mit unse­rem Ver­hal­tens­re­per­toire nicht wei­ter­kom­men oder uns unsi­cher füh­len, ori­en­tie­ren wir uns an Vor­bil­dern. Das pas­siert häu­fig unbe­wusst: Oft ahmen wir unser Vor­bild nach, ohne es über­haupt zu mer­ken.


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Gruppenzwang und Zuschauereffekt

Der Begriff “Vor­bild” ist zwar sprach­lich posi­tiv besetzt, psy­cho­lo­gisch ist er es nicht. Die Ori­en­tie­rung an Vor­bil­dern führt nicht auto­ma­tisch zu “gutem” oder “rich­ti­gem” Ver­hal­ten.

Kei­ne Fra­ge, Vor­bil­der kön­nen viel Gutes bewir­ken. Sie kön­nen uns hel­fen, dazu­zu­ler­nen und an unse­ren Auf­ga­ben zu wach­sen.
Sie kön­nen uns aber auch mani­pu­lie­ren und zu Hand­lun­gen ver­lei­ten, die wir “eigent­lich” nicht wol­len — der “Grup­pen­zwang” ist ein Bei­spiel dafür, aber auch der Bystan­der-Effekt.

Schul­dig durch fal­sche Vor­bil­der?
Kit­ty Genove­se hät­te ver­mut­lich eine Chan­ce gehabt, wenn nur ein ein­zi­ger Zeu­ge den Über­fall auf sie beob­ach­tet hät­te, und nicht meh­re­re.

Denn natür­lich hat­ten die meis­ten der 38 Augen- und Ohren­zeu­gen des Über­falls das mul­mi­ge Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. Dass es kein strei­ten­des Pär­chen sein könn­te, son­dern Schlim­me­res.

Sie wuss­ten aber auch, dass ande­re Nach­barn Kit­tys Hil­fe­ru­fe gehört oder den Über­griff zumin­dest in Tei­len gese­hen haben muss­ten. Und so war­te­te jeder Zeu­ge auf die Reak­ti­on der ande­ren, weil er selbst die Situa­ti­on nicht klar ein­schät­zen konn­te.

Ver­ant­wor­tungs­dif­fu­si­on wird die­ses Phä­no­men heu­te genannt: Jeder nimmt sich die ande­ren Zeu­gen vor Ort zum Vor­bild und war­tet erst­mal ab, was die tun. Und da sich alle Abwar­ten­den gegen­sei­tig zum Vor­bild neh­men, wird jeder in sei­ner Untä­tig­keit bestärkt.

Alle war­ten auf die Reak­ti­on der ande­ren und nie­mand hilft.

Tat­sa­che ist: Oft bekommt ein Opfer viel schnel­ler Hil­fe, wenn nur eine ein­zi­ge Per­son Zeu­ge eines Unfalls oder Über­falls ist.

Wer sind unsere Vorbilder?

Unse­re Vor­bil­der müs­sen nichts “Beson­de­res” sein. Sie müs­sen weder schön, reich, berühmt oder beson­ders intel­li­gent sein; die Haupt­sa­che ist — wie im Fall Kit­ty Genove­se — , dass sie erst ein­mal da sind.

Ein zwei­tes Kri­te­ri­um ist, dass die, die wir uns zum Vor­bild neh­men, ver­traut und sym­pa­thisch w i r k e n müs­sen. Mög­li­cher­wei­se ist unser Vor­bild im wirk­li­chen Leben weder sym­pa­thisch noch ver­trau­ens­wür­dig, aber zumin­dest ‘gefühlt’ muss er — oder sie — es für uns sein, um zum Vor­bild zu wer­den.

Ver­traut­heit ent­steht durch häu­fi­ges Sehen, ein Effekt, der in der Psy­cho­lo­gie als Effekt des blo­ßen Kon­takts oder als “Mere Expo­sure Effect” (Effekt der wie­der­hol­ten Dar­bie­tung) bezeich­net wird. Tat­säch­lich geht es nur um’s Sehen, ein tie­fer­ge­hen­der Kon­takt — mit­ein­an­der spre­chen, sich per­sön­lich ken­nen, eine Freund­schaft oder ver­wandt­schaft­li­che Bezie­hun­gen — ist gar nicht not­wen­dig.

Mit die­sen bei­den simp­len Kri­te­ri­en schaf­fen es neben Eltern, Chefs, Freun­den und Kol­le­gen je nach Inter­es­sen und Sym­pa­thie auch Nach­rich­ten­spre­cher, Tat­ort-Komis­sa­re, Hei­di Klum oder Men­schen, die wir aus Wer­be­spots “ken­nen” auf unse­re Lis­te poten­zi­el­ler Vor­bil­der.

Die angeb­li­che Zahn­ärz­tin aus der Zahn­pas­ta-Wer­bung kann damit genau­so zu unse­rem (unbe­wuss­ten) Vor­bild wer­den wie die “Alma­sed”-Dame im gel­ben Biki­ni, die kurz vor der „Tages­schau“ gemein­sam mit ihrem dicken Hund auf der Suche nach einer Biki­ni­fi­gur am Strand ent­lang­joggt.

Als Vor­bild taugt nur, wen wir von Anfang an mögen.
Und: Für den ers­ten Ein­druck gibt es kei­ne zwei­te Chan­ce.

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Fremd” ist uns nicht geheuer

Men­schen haben Angst vor allem, was “fremd” ist.

Als unse­re Vor­fah­ren noch in ihren Höh­len hock­ten, war eine bekann­te und ver­trau­te Umge­bung mit bekann­ten Art­ge­nos­sen für sie am sichers­ten.
Blitz­schnel­les Unter­schei­den zwi­schen “Freund” und “Feind” war über­le­bens­wich­tig. Ein frem­der Art­ge­nos­se wur­de für jeden Stein­zeit-Ötzi erst ver­trau­ter und damit sym­pa­thi­scher, nach­dem er auch bei der zwei­ten und drit­ten Begeg­nung nie­man­den den Schä­del ein­ge­schla­gen hat­te.

Aus Sicht der Evo­lu­ti­on ist die Zeit zwi­schen damals und heu­te nicht mehr als ein Fin­ger­schnip­pen, wes­halb auch wir tief in unse­rem Inne­ren immer noch für eine gefähr­li­che Umwelt aus­ge­legt sind.

Für unser “Rep­ti­li­en­hirn”, dem ältes­ten Teil unse­res Gehirns, ist es immer noch erfreu­lich, wenn uns der Frem­de, dem wir in der Stra­ßen­bahn gegen­über­ste­hen, in Ruhe lässt und uns kei­ne Keu­le über den Schä­del zieht. Sehen wir den Frem­den täg­lich, wird er uns mit der Zeit ver­traut — und wenn er uns nicht nur ver­traut wird, son­dern auch sym­pa­thisch wirkt (ohne dass wir je ein Wort mit ihm gewech­selt haben), wird er irgend­wann ein­fach zur nor­ma­len Aus­stat­tung “unse­rer” Stra­ßen­bahn gehö­ren. Wir wer­den ihn ver­mis­sen, wenn wir ihn nicht mehr sehen, und mög­li­cher­wei­se wird er eines Tages in der einen oder ande­ren Fra­ge auch zu unse­rem Vor­bild.

Fremd“ ist für Men­schen gleich­be­deu­tend mit “unsym­pa­thisch” — eine evo­lu­tio­nä­re Alt­last, mit der wir auch heu­te noch zu kämp­fen haben (und die von popu­lis­ti­schen Par­tei­en lei­der immer wie­der ger­ne aus­ge­nutzt wird).


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Vorbilder in der Werbung

Wer­bung und Mar­ke­ting könn­ten ein­pa­cken, wenn Erwach­se­ne kei­ne Vor­bil­der hät­ten. Denn gute Wer­bung ver­kauft Träu­me, indem sie Hel­den­ge­schich­ten erzählt. Das geht nur mit Vor­bil­dern.

Sym­pa­thie und wie­der­hol­te Dar­bie­tung sind dabei die trei­ben­de Kräf­te, denn sobald eine Per­son — auch in der Wer­bung — die­se Kri­te­ri­en erfüllt, sind wir auch geneigt, ihre Ver­hal­tens­wei­sen, Ein­stel­lun­gen oder Wer­te zu über­neh­men und nach­zu­ah­men. Oft, wie gesagt, ohne dass das uns bewusst wird.

Etwa vier Mal müs­sen wir etwas sehen oder hören, bis wir es akzep­tie­ren und als “wahr” emp­fin­den; mit unge­fähr 5 bis 7 “Kon­tak­ten” rech­nen Ver­käu­fer vor einem erfolg­rei­chen Ver­kaufs­ab­schluss. (Wobei “Kon­takt” nicht unbe­dingt ein per­sön­li­ches Gespräch sein muss; auch Zei­tungs­ar­ti­kel, Wer­be­spots, Blog­bei­trä­ge, You­Tube-Fil­me etc. wer­den als Kon­takt gezählt).

Es ist also wie­der der „Mere Expo­sure“ Effekt, das Ver­trau­en durch wie­der­hol­te Dar­bie­tung, dass beim Wer­ben mit Vor­bil­dern eine ent­schei­den­de Rol­le spielt. Auch wenn wir bei Wer­be­spots im Fern­se­hen schon gar nicht mehr hin­se­hen, kön­nen sie trotz­dem auf  unser Ver­traut­heits-Kon­to ein­zah­len. Vor­aus­ge­setzt, der Spot bzw. die Sto­ry und das Vor­bild, die uns ange­bo­ten wer­den, sind uns sym­pa­thisch.

Ob das gelingt, hängt maß­geb­lich vom ers­ten Ein­druck ab: Wer die jog­gen­de Alma­sed-Dame vor der Tages­schau gleich beim ers­ten Mal nicht mag, wird sie nach jedem wei­te­ren “Kon­takt” noch ein biss­chen weni­ger mögen, Biki­ni­fi­gur hin oder her.
Umge­kehrt wird — bei Sym­pa­thie — das Ver­trau­en durch mehr­ma­li­ges Sehen wach­sen, die Biki­ni-Figur wird mög­li­cher­wei­se zu einem unse­rer Vor­bil­der und man kauft schließ­lich irgend­wann auch das Pro­dukt

Mit Sym­pa­thie und Ver­trau­en ist die Basis gelegt.
Ob wir eine Per­son dann tat­säch­lich für nach­ah­mens­wert hal­ten und sie uns zum Vor­bild neh­men, hängt von vie­len wei­te­ren Fak­to­ren ab: Phy­si­sche Attrak­ti­vi­tät, Macht und Cha­ris­ma, Auto­ri­tät, Extra­ver­si­on und Erfolg sind die Eigen­schaf­ten, die einen rea­len Men­schen oder eine Medi­en­fi­gur zum Vor­bild wer­den las­sen kön­nen. Das Gan­ze ist situa­ti­ons­ab­hän­gig und natür­lich auch gebun­den an unse­re Vor­lie­ben und Prä­gun­gen.
Kurz­um: nicht ganz ein­fach.


Fazit:

  • Nicht nur Kin­der und Jugend­li­che ler­nen sozia­les Ver­hal­ten, indem sie Vor­bil­dern nach­ei­fern, son­dern auch Erwach­se­ne imi­tie­ren in neu­en, unbe­kann­ten oder ver­un­si­chern­den Situa­tio­nen ande­re.
  • Sprach­lich ist der Begriff “Vor­bild” posi­tiv besetzt, psy­cho­lo­gisch gese­hen füh­ren Vor­bil­der nicht immer zu “gutem” Ver­hal­ten. Unse­re Vor­bil­der kön­nen uns auch zu Hand­lun­gen ver­lei­ten, die für uns und ande­re fata­le Fol­gen haben, bei­spiels­wei­se wenn wir wie beim “Bystan­der-Effekt” nicht eige­ne Ent­schei­dun­gen tref­fen und danach han­deln, son­dern auf die Reak­ti­on der ande­ren war­ten.
  • Sym­pa­thie und wie­der­hol­te Dar­bie­tung sind die trei­ben­de Kraft bei der Wahl unse­rer Vor­bil­der; sie müs­sen uns ver­traut erschei­nen, per­sön­lich ken­nen müs­sen wir sie nicht. Das ist auch der Grund, wes­halb Vor­bil­der für die Wer­bung so wich­tig und attrak­tiv sind.

Lesen Sie im nächs­ten Bei­trag: Wer waren sie, die Mil­lio­nen Men­schen, die Adolf Hit­ler begeis­tert folg­ten? War­um lie­ßen sich auch klu­ge Köp­fe in den Wahn­sinn Hit­lers trei­ben und wur­den zum Teil selbst zu Ver­fol­gern? Eine mög­li­che Ant­wort: Hit­ler gab vie­len sei­ner Anhän­gern die Opfer, die sie brauch­ten. Und er gab ihnen die Erlaub­nis zu has­sen.
Die Erlaub­nis zu has­sen

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www.bildbiographien.de, 2015 (über­ar­bei­tet 2018)


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Der renom­mier­te Hirn­for­scher Gerald Hüt­her über unser Gehirn: War­um es am liebs­ten döst und alles beim Alten lässt — und wie wir es umpro­gram­mie­ren kön­nen, wenn wir nicht dösen und alles beim Alten las­sen wol­len.
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Schwie­ri­ge Bezie­hun­gen sind oft das Ergeb­nis von Ver­hal­tens­mus­tern, die von Gene­ra­ti­on zu Gene­ra­ti­on wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Wer immer wie­der in die glei­chen Fal­len tappt, wird in die­sem sehr lesens­wer­ten Sach­buch am Bei­spiel der Roo­se­velts und vie­ler ande­rer Fami­li­en wert­vol­le Infor­ma­tio­nen über „trans­ge­ne­ra­tio­na­le“ Ver­er­bung fin­den. Moni­ca McGold­rick, Wie­der heim­kom­men. Auf Spu­ren­su­che in Fami­li­en­ge­schich­ten*, Carl-Auer-Ver­lag, 2013

Opfer — Ret­ter — Ver­fol­ger. In Stres­si­tua­tio­nen fal­len wir oft in alte Rol­len-Mus­ter, die wir in der Kind­heit gelernt haben. Wie man Psy­cho­spiel­chen durch­schau­en und durch­bre­chen kann — ein sehr lesens­wer­tes Buch für alle, die das Gefühl haben, sich immer wie­der an der glei­chen Stel­le zu ver­ha­ken. Cor­ne­lia und Ste­phan Schwarz: Schluss mit Psy­cho­spiel­chen*, dtv Ver­lags­ge­sell­schaft, Janu­ar 2018

 Wei­ter­füh­ren­de Links:


Der Mord an Kit­ty Genove­se: Zuschau­en kann töten: Der “Fall” Kit­ty Genove­se und sei­ne Fol­gen. Über die unse­li­ge Wir­kung von Vor­bil­dern am Bei­spiel des “Bystander”-Effektes (Zuschau­er-Effekt):
Das Genove­se-Syn­drom: Zuschau­en kann töten


Hel­den­ge­schich­ten & Sto­ry­tel­ling: Mal ange­nom­men, Aschen­put­tel hät­te den Mär­chen­prin­zen auf einem Ball ein­fach ken­nen­ge­lernt und gehei­ra­tet. Ohne Weg­ren­nen, Schu­he ver­lie­ren und bös­wil­li­ge Schwes­tern. Was pas­siert wäre? Nichts. Aschen­put­tel wäre ver­hei­ra­tet und kein Mensch wür­de sich für ihr Mär­chen inter­es­sie­ren.
Wer­ben ohne Wer­bung: 7 Tricks für bes­se­res Con­tent Mar­ke­ting


Fremd ist uns nicht geheu­er: Von ‚Will­kom­mens-Kul­tur‘ kann kei­ne Rede sein, als in den Jah­ren zwi­schen 1944 und 1950 rund 12 Mil­lio­nen Deut­sche und Deutsch­stäm­mi­ge aus Ost­preu­ßen, Pom­mern, Schle­si­en und dem Sude­ten­land in den Wes­ten flie­hen. Heu­te hal­ten Wirt­schafts­his­to­ri­ker den “Brain­gain”, also den Gewinn an Talen­ten durch die Flücht­lings­wel­le, für eine der wich­tigs­ten Grund­la­gen des „Wirt­schafts­wun­ders“ — wich­ti­ger als Mar­shall-Plan und Lud­wig Erhard..
Ihr Flücht­lin­ge!


Ein­zig­ar­tig­keit: Jeder Mensch möch­te als Indi­vi­du­um wah­ge­nom­men wer­den. Einer­seits. Ande­rer­seits haben wir alle auch den mehr oder weni­ger star­ken Drang, zu einer Grup­pe zu gehö­ren, und sind bereit, unse­re Indi­vi­dua­li­tät dafür zurück­zu­stel­len. Eine Zwick­müh­le zwi­schen zwei star­ken Bedürf­nis­sen, die viel über unse­re Per­sön­lich­keit sagt. Wie uns unse­re “Mar­ke Ich” prägt — und wor­auf Unter­neh­mer und Ver­käu­fer dabei ach­ten soll­ten.
Die Mar­ke “Ich”


Tipps und Tricks, psy­cho­lo­gi­sche Denk­fal­len und viel Wis­sens­wer­tes für ein bewuss­tes Leben fin­den Sie in unse­rer Kate­go­rie:
Tipps für den All­tag


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