Szenen einer arrangierten Ehe

 

"Farmer George" König George III.

Por­trait of Geor­ge III of the United King­dom (1771/1772), Johan Zoff­a­ny , Roy­al Collec­tion object 402939, gemein­frei

Das Dra­ma beginnt. Der Prince of Wales Geor­ge kann sei­ne Finan­zen nicht in Ord­nung hal­ten. Von sei­nem auf­wän­di­gen Lebens­stil fast rui­niert, wil­ligt er in einen Hei­rats­han­del mit dem Par­la­ment ein: Sei­ne Schul­den wer­den bezahlt, dafür hei­ra­tet er sei­ne Cou­si­ne Caro­li­ne von Braun­schweig. Das ein­zi­ge Pro­blem: Das Braut­paar kann sich nicht aus­ste­hen, ein Umstand, dem die legen­dä­re Queen Vic­to­ria Leben und Kro­ne ver­dankt.

 

Mit die­sem Prince of Wales, der wegen sei­ner Lei­bes­fül­le auch als Prince of Wha­les − Prinz der Wale – ver­spot­tet wird, ist kein Staat zu machen: Der eng­li­sche Thron­er­be Geor­ge (1762 – 1830) ist fett, eitel, exzen­trisch und ego­zen­trisch.

Für dynas­ti­sche Zwe­cke war die­ser Prinz eigent­lich völ­lig unge­eig­net.

Er selbst bezeich­ne­te sich ger­ne als „füh­ren­den Gen­tle­man Euro­pas“, und war sehr stolz dar­auf, dass er eine Zeit lang zum “inner cir­cle” des legen­dä­ren Lon­do­ner Dan­dys Geor­ge „Beau“ Brum­mell gehör­te.

Karrikatur von George "Beau" Brummell (1805)

Kar­ri­ka­tur von „Beau“ Brum­mell (1805) By Robert Digh­ton — Color ver­si­on scan­ned from Priestley’s The Prince of Plea­su­re by H. Chur­ch­yard, Public Domain

Der Kron­prinz und sein Dan­dy

Die wich­tigs­te Lebens­leis­tung von Geor­ge “Beau” Brum­mell bestand dar­in, sich beson­ders sorg­fäl­tig zu klei­den.

Er ver­ließ das Haus erst nach einer mehr­stün­di­gen Pro­ze­dur in per­fekt sit­zen­der und auf­ein­an­der abge­stimm­ter Gar­de­ro­be. In der fei­nen Lon­do­ner Gesell­schaft ern­te­te er dafür viel Auf­merk­sam­keit und Bewun­de­rung; einer sei­ner glü­hends­ten Ver­eh­rer war Prinz Geor­ge, der, wie vie­le ande­re Gen­tle­men sei­ner Zeit eif­rig ver­such­te, Brum­mells Stil zu kopie­ren.

Kron­prinz Geor­ge war aller­dings auch für ande­re Lebens­ge­nüs­se offen, und ab sei­nem drei­ßigs­ten Lebens­jahr muss­te er unter sei­ner fei­nen Gar­de­ro­be ein Kor­sett aus Fisch­bein tra­gen, das sein Die­ner takt­voll als „Gür­tel“ bezeich­ne­te.
Ein schi­ckes Hals­tuch war das Mar­ken­zei­chen aller Dan­dys und gehör­te zum Out­fit unbe­dingt dazu. Bei Kron­prinz Geor­ge waren die fei­nen Hals­tüch­lein viel mehr als modi­sche Acces­soires, denn sie dien­ten dazu, sein Dop­pel­kinn zu ver­ber­gen. Mit den Jah­ren auch das drit­te und das vier­te Kinn, das sich jeweils dar­un­ter gebil­det hat­te.


Kron­prinz Geor­ge fühl­te sich zwar als “füh­ren­der Gen­tle­man”, bei Volk und Par­la­ment war er trotz­dem unten­durch.

Sein Leben lang muss­te er gegen Hohn, Spott und schlech­te Pres­se kämp­fen, auch als er die Bri­ten ab 1820 als König Geor­ge IV. regier­te.

Die Briten und ihr Parlament

Schon sei­ne Zeit als Thron­fol­ger und Prinz­re­gent ist schwie­rig, aber sei­ne Herr­schaft als König Geor­ges IV. brach­te das Anse­hen ihres Königs­hau­ses bei den Bri­ten auf einen nie gekann­ten Tief­punkt. Erst Geor­ges Nich­te und Nach­fol­ge­rin, die jun­ge Queen Vic­to­ria, kann das Image der bri­ti­schen Mon­ar­chie ret­ten und wie­der zum Glän­zen brin­gen.


ANZEIGE

6 belebende Zitrusöle im Set zum ProbierenArmer Geor­ge!
Frus­tessen kann so frus­trie­rend sein.
Rei­nes Grape­fruit­öl kur­belt Stoff­wech­sel und Fett­ver­bren­nung an, dämpft den Appe­tit, macht gute Lau­ne und duf­tet ange­nehm frisch. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zur Kraft der fei­nen Öle, Anwen­dungs-emp­feh­lun­gen, Duft­pro­ben und vie­les mehr  fin­den Sie in unse­rem Shop


Zu Geor­ges Zei­ten regier­ten bri­ti­sche Köni­ge schon längst nicht mehr allei­ne, denn die Bri­ten waren in Euro­pa die ers­ten, die revol­tier­ten und die Macht ihrer Mon­ar­chen beschnit­ten.

Anders als die Fran­zo­sen gestal­te­ten sie ihren Weg zur Volks­sou­ve­rä­ni­tät als “work in pro­gress; das blu­ti­ge Hau­ruck-Ver­fah­ren und „Köp­fe ab!“ der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on war nicht ihre Sache (geköpft wur­de trotz­dem, aber sel­te­ner und dis­kre­ter).

Der eigent­li­che Bür­ger­krieg zwi­schen König und Par­la­ment hat­te rund 150 Jah­re vor Beginn der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on, im Jahr 1642, statt­ge­fun­den.
Danach gab es ein merk­wür­di­ges Hin und Her zwi­schen Demo­kra­tie und Dik­ta­tur, bis man einen Schluss­strich unter das Kapi­tel Bür­ger­krieg zog, indem man den Puri­ta­ner Oli­ver Crom­well köp­fen ließ und Karl II. im Jahr 1660 zum König krön­te.

Die Revol­te fla­ckert zwar unter Karls Nach­fol­ger Jakob II. noch ein­mal kurz auf, denn Jakob hat­te es im angli­ka­ni­schen Bri­tan­ni­en mit sei­nem Katho­li­zis­mus und Allein­gän­gen ein­fach zu bunt getrie­ben. Doch mit sei­nem Nach­fol­ger Wil­helm III. von Ora­ni­en kehrt Ruhe auf der Insel ein und man fand eine Kom­pro­miss­for­mel, mit der alle bis heu­te gut leben kön­nen: König ja, aber das Par­la­ment hat immer das letz­te Wort.


ANZEIGE

Her­vor­ra­gend recher­chiert, span­nend geschrie­ben: Das Auf und Ab der ältes­ten Mon­ar­chie der Welt, lesens­wert und sehr gut ver­ständ­lich auf­be­rei­tet als Geschich­te, die Spaß macht.
Bet­ti­na Mus­all (Her­aus­ge­ber), Eva-Maria Schnurr (Her­aus­ge­ber), Eng­lands Kro­ne — die bri­ti­sche Mon­ar­chie im Wan­del der Zeit*, Ein SPIE­GEL-Buch, Deut­sche Ver­lags-Anstalt, März 2015


Ab 1669 garan­tier­ten die Bills of Right den bri­ti­schen Unter­ta­nen wich­ti­ge Bür­ger­rech­te, bei­spiels­wei­se die Immu­ni­tät der Par­la­men­ta­ri­er, unab­hän­gi­ge Gerich­te und freie Wah­len.
Natür­lich nur für Män­ner und nur für die fünf Pro­zent der Bevöl­ke­rung, die über ein ent­spre­chend hohes Ein­kom­men ver­fü­gen.

Aber immer­hin. Die abso­lu­tis­ti­schen Staa­ten auf der ande­ren Sei­te des Ärmel­ka­nals sind noch Licht­jah­re von sol­chen Errun­gen­schaf­ten ent­fernt.

 “Farmer George” kommt nicht zur Ruhe

 König Geor­ge III. (1738 – 1820), Vater des dicken Geor­ge und Groß­va­ter der künf­ti­gen Queen Vic­to­ria, saß also nicht allein auf dem Thron, son­dern regier­te gemein­sam mit einem Par­la­ment, in dem die Whigs, die Par­la­ments­par­tei (und spä­te­ren Libe­ra­len), und die Torys, die Königs­treu­en (heu­te die Kon­ser­va­ti­ven), ver­tre­ten waren.

Im Volk trägt Geor­ge III. den Bei­na­men Far­mer Geor­ge („Bau­er Geor­ge“), denn er schätz­te das ein­fa­che Leben auf dem Lan­de, wo er sich in Ruhe sei­nem Ste­cken­pferd – der Land­wirt­schaft – wid­men konn­te. Neben­bei muss­te er aber auch noch mehr als ein hal­bes Jahr­hun­dert Groß­bri­tan­ni­en regie­ren, und das dum­mer­wei­se in einer Zeit, in der die Welt von ande­ren Mon­ar­chen kom­plett umge­krem­pelt wird.

Es sind schlech­te Zei­ten für einen König, der Ruhe und das ein­fa­che Land­le­ben mag.

Zunächst zie­hen die Bri­ten gemein­sam mit Preu­ßen, Han­no­ver, Hes­sen-Kas­sel, Braun­schweig und Gotha in den Sie­ben­jäh­ri­gen Krieg (1756 – 1763) und kämp­fen gegen Fran­zo­sen, Öster­rei­cher, Rus­sen, Schwe­den, Spa­ni­er, Sach­sen und diver­se Fürs­ten­tü­mer des römisch-deut­schen Rei­ches.

Es ist eine Art inof­fi­zi­el­ler Welt­krieg, denn man geht sich nicht nur in Euro­pa, son­dern auch in Afri­ka, Indi­en und Nord­ame­ri­ka an den Kra­gen.

Immer­hin kön­nen die Bri­ten in die­sem Krieg den alten Feind Frank­reich emp­find­lich schwä­chen und ihnen die “hei­ßes­te” Neu­erwer­bung jener Zeit, die Kolo­ni­en in Nord­ame­ri­ka, abja­gen.


ANZEIGE

5000 Jah­re Welt­ge­schich­te: Das bril­lan­te Begleit­buch der sechs­tei­li­gen ZDF-Rei­he von Hans-Chris­ti­an Huf und Gero von Boehm, wun­der­bar und augen­zwin­kernd gespro­chen von Hape Ker­ke­ling. Uner­reicht hörens­wert!
Hans-Chris­ti­an Huf, Gero von Boehm, Unter­wegs in der Welt­ge­schich­te*, Ran­dom House Audio, 2011, März 2015


Die Freu­de über die neu­ge­won­ne­nen Kolo­ni­en ist kurz, denn schon zehn Jah­re spä­ter schmei­ßen auf­rüh­re­ri­sche Nord­ame­ri­ka­ner bei der Bos­ton Tea Par­ty fei­nen eng­li­schen Tee, für den sie kei­nen Zoll zah­len wol­len, ins Meer.

Damit begann der ame­ri­ka­ni­schen Unab­hän­gig­keits­krieg, in dem Ame­ri­ka für Groß­bri­tan­ni­en sehr schmerz­haft und ein für alle­mal wie­der ver­lo­ren geht.

Wie zu erwar­ten machen auch die Fran­zo­sen wäh­rend ‘Far­mer Geor­ges’ Regent­schaft eine Men­ge Ärger. Als die Revo­lu­ti­on in Frank­reich sich ver­selbst­stän­digt und ihre Kin­der gefres­sen hat, putscht sich ein Kor­se namens Napo­le­on an die Macht und über­rennt in den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren mit sei­nen Arme­en die hal­be Welt.

Zwei Jahr­zehn­te lang, von 1792 bis 1814 bie­ten die Bri­ten Napo­le­on und sei­ner Gran­de Nati­on in kost­spie­li­gen Koali­ti­ons­krie­gen die Stirn. Wenigs­tens eine Nati­on muss die Fran­zo­sen davon abhal­ten, ganz Euro­pa und den Rest der Welt zu kas­sie­ren.

Als der Kampf gegen Napo­le­on end­lich been­det wer­den kann, ist Geor­ge III. nicht mehr bei Sin­nen: Der alte König ist mitt­ler­wei­le geis­tig völ­lig umnach­tet, und stirbt lang­sam an Por­phy­rie, einer sel­te­nen erb­li­chen Erkran­kung des Blut­sys­tems, die unbe­han­delt zu Hirn­schä­den und Stö­run­gen bei der Blut­ge­rin­nung führt. Far­mer Geor­ge däm­mert vor sich hin  und bekommt von sei­ner Umwelt so gut wie nichts mehr mit. (Queen Vic­to­ria wird die­se Krank­heit als Trä­ge­rin an ihre zahl­rei­chen Nach­kom­men wei­ter­ge­ben. Unter ande­rem lei­det einer ihrer Enkel­söh­ne, der klei­ne Zare­witsch, des­halb an der Blu­ter­krank­heit.)

Kronprinz George
rebelliert

George IV von England Lithographie 1821

Geor­ge IV (1821) by G. Atkin­son, Brigh­ton, UKIm­me­dia­te source: Samm­lung de Salis

Nach­dem Geor­ge III. nicht mehr zurech­nungs­fä­hig war, hat­te 1811 sein dicker Sohn Geor­ge als Prinz­re­gent die Regie­rungs­ge­schäf­te über­nom­men.

Von der länd­li­chen Idyl­le sei­nes Vaters hat­te er noch nie viel gehal­ten, und die Pro­ble­me, die nach dem Ende der Krie­ge gegen Napo­le­on in Groß­bri­tan­ni­en ent­ste­hen — Tau­sen­de Sol­da­ten wer­den aus der Armee ent­las­sen und suchen in ihrer wirt­schaft­lich ange­schla­ge­nen Hei­mat nach Arbeit — inter­es­sie­ren ihn herz­lich wenig.

Er hat schließ­lich auch Pro­ble­me.

Im Jahr 1780 war Geor­ge end­lich voll­jäh­rig gewor­den und der länd­li­chen Idyl­le und stren­gen Beschei­den­heit sei­nes Vaters ent­kom­men.
Er hat­te sich sein Hals­tüch­lein umge­bun­den und als Dan­dy und Lebe­mann ins Lon­do­ner Trei­ben gestürzt.

Nach meh­re­ren eben­so skan­da­lö­sen wie kost­spie­li­gen Lieb­schaf­ten hei­ra­te­te er 1785 im Alter von 23 Jah­ren eine jun­ge Frau, die für ihn kei­ne unpas­sen­de­re Par­tie hät­te sein kön­nen: Sei­ne Ehe­frau ist eine bür­ger­li­che Irin katho­li­schen Glau­bens.

Mit die­ser Ehe ver­stößt Geor­ge nicht nur gegen sämt­li­che Gepflo­gen­hei­ten und Regeln, die er als bri­ti­scher Thron­er­be beach­ten müss­te. Vor­sichts­hal­ber fragt er vor sei­ner Hei­rat auch nicht sei­nen Vater, dem König, um Erlaub­nis. Die hät­te er ver­mut­lich sowie­so nicht bekom­men.


ANZEIGE

Preis: EUR 8,33

Geho­be­ner Klatsch & Tratsch über Hei­rats­po­li­tik und sons­ti­ge Aus­rut­scher der roya­len und nicht-roya­len Pla­tin- bis Nickel­pro­mi­nenz von ges­tern bis heu­te. Als Hör­buch, gele­sen vom Autor, eben­so infor­ma­tiv wie unter­halt­sam. Hape Ker­ke­ling, Frisch hape­ziert: Mei­ne bes­ten Kolum­nen*, OSTER­WOLD­au­dio, Juli 2018 (Gra­tis-Down­load im Audi­ble-Pro­be­mo­nat)


 Es ist eine Hoch­zeit, die Geschich­te schrei­ben wird, obwohl man von Geor­ges ers­ter Braut nie wie­der etwas gehört hat. Aber sei­ne heim­li­che Ehe mit einer nicht geneh­mig­ten Ehe­frau hat ihn erpress­bar gemacht und die Fal­le — das Par­la­ment — schnappt 10 Jah­re spä­ter zu.

Szenen einer arrangierten Ehe

Es ist das Jahr 1795, auf der ande­ren Sei­te des Ärmel­ka­nals tobt die Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on mit blu­ti­gem Ter­ror.
Kron­prinz Geor­ge hat der­weil ein ande­res Pro­blem: Er ist plei­te.

Der Prince of Wales hat sein nicht unbe­trächt­li­ches Ver­mö­gen abge­wirt­schaft und steht so in der Krei­de, dass er ange­sichts sei­ner Schul­den nicht mehr wei­ter weiß.

Schließ­lich muss er sich in sei­ner Not auf einen Hei­rats­han­del ein­las­sen um sei­nen finan­zi­el­len Ruin abwen­den zu kön­nen: Das Par­la­ment ver­spricht, sei­ne ers­te Ehe zu ver­tu­schen, für die Til­gung sei­ner Schul­den auf­zu­kom­men und sei­ne Apa­na­ge kräf­tig zu erhö­hen, wenn er sich im Gegen­zug bereit erklärt, eine stan­des­ge­mä­ße Ehe ein­zu­ge­hen.

Geor­ge wil­ligt ein – das Was­ser steht ihm wirk­lich bis zum Hals­tuch –, und eine stan­des­ge­mä­ße Braut wird für ihn gesucht.


ANZEIGE

Ein wun­der­ba­rer Streif­zug durch die Kul­tur­ge­schich­te der Mensch­heit. Unter­halt­sam und wit­zig geschrie­ben, inklu­si­ve Puder­pe­rü­cken und Geor­ge “Beau” Brum­mell. Sehr lesens­wert!
Sehr hörens­wert ist die Audio-Ver­si­on, gele­sen von Rufus Beck. Bill Bry­son, Eine kur­ze Geschich­te der all­täg­li­chen Din­ge*, Gold­mann Taschen­buch, 2013


Die Wahl fällt schließ­lich auf sei­ne 27jährige Cou­si­ne Caro­li­ne von Braun­schweig, die selbst­be­wuss­te und hüb­sche Toch­ter einer Schwes­ter sei­nes Vaters und eines Kriegs­hel­den und Lieb­lings­nef­fen Fried­richs des Gro­ßen.

Es wird zum Desas­ter.

Caroline von Braunschweig

Por­trait of Caro­li­ne of Brunswick (1804), By Sir Tho­mas Law­rence, Natio­nal Por­trait Gal­le­ry, Public Domain

Als sich die Braut­leu­te im April 1795 drei Tage vor ihrer geplan­ten Trau­ung das ers­te Mal sehen, erfasst bei­de sofort eine tie­fe Abnei­gung gegen­ein­an­der.

Nach einer kur­zen Begrü­ßung lässt Geor­ge sei­ne Braut ste­hen und ver­langt nach einem Bran­dy, wäh­rend Caro­li­ne den ver­mut­lich schwers­ten Feh­ler ihrer lan­gen und unglück­li­chen zukünf­ti­gen Ehe begeht: Sie mäkelt einem Ver­trau­ten gegen­über, dass ihr Bräu­ti­gam auf Por­träts wesent­lich bes­ser aus­se­hen wür­de als in natu­ra.

Das ist ein har­ter Schlag unter die Gür­tel­li­nie für einen eit­len Mann, der sich selbst als „füh­ren­den Gen­tle­man Euro­pas“ bezeich­net, und Grund genug für lebens­lan­gen Hass.

Die töd­lich belei­dig­te Ant­wort Geor­ges kommt post­wen­dend: Er fin­det sei­ne Braut unat­trak­tiv, bemän­gelt ihre wenig zurück­hal­ten­de Art, moniert nach der Hoch­zeits­nacht ihre man­geln­de Hygie­ne und hält spä­ter schrift­lich fest, dass er mit ihr nur drei Mal Geschlechts­ver­kehr gehabt habe.

Mein Vater war ein Held,
mein Mann ist eine Null

Immer­hin hält die Ehe lan­ge genug, um eine klei­ne Thron­er­bin zu zeu­gen.
Pünkt­lich neun Mona­te nach der Hoch­zeit, im Janu­ar 1796, wird die Thron­fol­ge­rin, Prin­zes­sin Char­lot­te Augus­ta, gebo­ren.

Weni­ge Wochen nach Char­lot­tes Geburt, teilt der Prince of Wales sei­ner Ehe­frau Caro­li­ne schrift­lich mit, dass er die Absicht habe, sich von ihr zu tren­nen.

Er betont, dass er auf die Aus­übung sei­ner ehe­li­chen Rech­te zukünf­tig auch dann ver­zich­ten wer­de, wenn ihrer gemein­sa­men Toch­ter, der Thron­er­bin Char­lot­te Augus­ta, etwas zusto­ßen soll­te.
Dann ver­fasst er sein Tes­ta­ment und ver­macht sein Ver­mö­gen sei­ner ers­ten „inof­fi­zi­el­len“ ers­ten Frau; die offi­zi­el­le Gat­tin Caro­li­ne soll im Fal­le sei­nes Todes einen ein­zi­gen Schil­ling erhal­ten.

Caro­li­ne stört das wenig, denn sie ist von ihrem Ehe­mann und sei­nen nar­ziss­ti­schen Allü­ren alles ande­re als begeis­tert:
Mon père etait un héros, mon mari est un zéro.” (Mein Vater war ein Held, mein Mann ist eine Null), ist ihre Mei­nung zum The­ma.

Sie zieht aufs Land, wo sie mit ihrer klei­nen Toch­ter Char­lot­te ein für die dama­li­ge Zeit uner­hört unkon­ven­tio­nel­les Leben als allein­er­zie­hen­de Mut­ter lebt: Besu­cher berich­ten ver­wun­dert, dass sie von der Gemah­lin des Thron­fol­gers auf Boden lie­gend emp­fan­gen wur­den, weil sie dort mit ihrer Toch­ter spielt.

Die Aris­to­kra­tie rümpft die Nase, aber die ein­fa­chen Leu­te begeis­tern sich durch sol­che Anek­do­ten mehr und mehr für die ver­sto­ße­ne Ehe­frau ihres unge­lieb­ten Prince of Wales.

König George IV von England

Geor­ge IV (1816) By Tho­mas Law­rence — File:George IVcoronation.jpg from Roy­al Collec­tion object 405918, Public domain

Irgend­je­mand muss Geor­ge aller­dings dar­auf auf­merk­sam gemacht haben, dass sei­ne Gemah­lin noch da ist, auch wenn er sie nicht mehr sieht.

Außer­dem hat sie die klei­ne Thron­er­bin — Geor­ges ein­zi­ges legi­ti­mes Kind — bei sich, und die ist eigent­lich viel zu kost­bar, um sie bei einer Mut­ter zu las­sen, die vor Gäs­ten auf dem Boden her­um­kriecht und daher allen Anschein nach ein lie­der­li­ches Leben führt.

Der Prinz­re­gent lässt die klei­ne Kron­prin­zes­sin abho­len und bei Hofe unter­brin­gen, wo sie eine ordent­li­che Erzie­hung bekom­men und ihre Mut­ter nur noch zwei­mal im Monat sehen soll. Außer­dem ver­langt er die Schei­dung, wodurch das Unglück über dem bri­ti­schen Königs­haus sei­nen Lauf nimmt.

Lesen Sie im zwei­ten Teil: Viel mehr als die Mode, kei­ne gepu­der­ten Perü­cken mehr zu tra­gen, die Stil­epo­che Regen­cy und eini­ge Gebäu­de und Parks in Lon­don hat der bri­ti­sche Prinz­re­gent und spä­te­re König Geor­ge IV. nicht zustan­de gebracht. Das ist kaum ver­wun­der­lich, schließ­lich hat er sein hal­bes Leben lang ver­sucht, sich schei­den zu las­sen. Er setzt alle Hebel in Bewe­gung, um sei­ne deut­sche Ehe­frau Caro­li­ne von Braun­schweig end­lich los­zu­wer­den.
Pains and Pena­li­ties: Schei­dung auf bri­tisch


Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www​.bild​bio​gra​phi​en​.de, 2016 (über­ar­bei­tet 2018)


Buch- und Film­emp­feh­lun­gen
Die mit * gekenn­zeich­ne­ten Links sind soge­nann­te Affi­la­te-Links, die hel­fen, den Blog Genera­tio­nen­ge­spräch zu finan­zie­ren. Wenn Ihnen eine der ange­ge­be­nen Emp­feh­lun­gen gefällt und Sie die­ses Pro­dukt (oder ein ande­res) über den Link bestel­len, erhält der Blog dafür eine klei­ne Pro­vi­si­on, ohne dass für Sie Mehr­kos­ten ent­ste­hen. Für Ihren Klick: Herz­li­chen Dank im Vor­aus!

Eine toll gemach­te Serie über einen ande­ren Lady­kil­ler Eng­lands, König Hein­rich VIII. (1491 – 1547). Manch­mal gibt’s viel­leicht zu vie­le Sex-Sze­nen, aber der Mann, die Zusam­men­hän­ge und die Hin­ter­grün­de sei­ner Zeit wer­den span­nend und in groß­ar­tie­gen Bil­dern erzählt.
Sehr sehens­wert! Die Tudors*, Sony Pic­tures Home Enter­tain­ment, April 2014, FSK:16


Her­vor­ra­gend recher­chiert, span­nend geschrie­ben: Das Auf und Ab der ältes­ten Mon­ar­chie der Welt, lesens­wert und sehr gut ver­ständ­lich auf­be­rei­tet als Geschich­te, die Spaß macht.
Bet­ti­na Mus­all (Her­aus­ge­ber), Eva-Maria Schnurr (Her­aus­ge­ber), Eng­lands Kro­ne — die bri­ti­sche Mon­ar­chie im Wan­del der Zeit*, Ein SPIE­GEL-Buch, Deut­sche Ver­lags-Anstalt, März 2015


Ein span­nen­des Buch über die Zeit, als alle, die in Euro­pa Rang und Namen hat­ten (… und etwas zu sagen …) mit­ein­an­der ver­wandt waren. Sehr unter­halt­sam und mit fei­ner Iro­nie geschrie­ben — sehr infor­ma­tiv und lesens­wert!
Leon­hard Horow­ski, Das Euro­pa der Köni­ge*, Rowohlt Buch­ver­lag, März 2017, 1120 Sei­ten


Ein wun­der­ba­rer Streif­zug durch die Kul­tur­ge­schich­te der Mensch­heit. Unter­halt­sam und wit­zig geschrie­ben, inklu­si­ve Puder­pe­rü­cken und Geor­ge “Beau” Brum­mell. Sehr lesens­wert!
Sehr hörens­wert ist die Audio-Ver­si­on, gele­sen von Rufus Beck. Bill Bry­son, Eine kur­ze Geschich­te der all­täg­li­chen Din­ge*, Gold­mann Taschen­buch, 2013


5000 Jah­re Welt­ge­schich­te: Das bril­lan­te Begleit­buch der sechs­tei­li­gen ZDF-Rei­he von Hans-Chris­ti­an Huf und Gero von Boehm, wun­der­bar und augen­zwin­kernd gespro­chen von Hape Ker­ke­ling. Uner­reicht hörens­wert! Hans-Chris­ti­an Huf, Gero von Boehm, Unter­wegs in der Welt­ge­schich­te*, Ran­dom House Audio, 2011


Preis: EUR 8,33

Geho­be­ner Klatsch & Tratsch über Hei­rats­po­li­tik und sons­ti­ge Aus­rut­scher der roya­len und nicht-roya­len Pla­tin- bis Nickel­pro­mi­nenz von ges­tern bis heu­te. Als Hör­buch, gele­sen vom Autor, eben­so infor­ma­tiv wie unter­halt­sam. Hape Ker­ke­ling, Frisch hape­ziert: Mei­ne bes­ten Kolum­nen*, OSTER­WOLD­au­dio, Juli 2018 (Gra­tis-Down­load im Audi­ble-Pro­be­mo­nat)



Lese­emp­feh­lung:


Sehr emp­feh­lens­wer­ter BLOG (in Eng­lisch): Lau­ra Pur­cell – „His­to­ri­cal fic­tion, Geor­gi­an style“
https://​lau​r​a​pur​cell​.com/​c​a​t​e​g​o​r​y​/​q​u​e​e​n​-​o​f​-​m​i​s​r​u​le/

Span­nen­de Blog-Lek­tü­re über Queen Vic­to­ria und ihre Vor- und Nach­fah­ren:
https://​www​.nord​kom​plott​.de/​a​l​s​-​d​i​e​-​r​o​y​a​l​s​-​a​u​s​-​h​a​n​n​o​v​e​r​-​k​a​m​e​n​-​3​0​0​-​j​a​h​r​e​-​p​e​r​s​o​n​a​l​u​n​i​on/


Wei­ter­füh­ren­de Links zum The­ma:


Nar­ziss­mus: “Dou­ble Bind” — egal was Du tust, es wird das Fal­sche sein — ist die Masche, mit der Nar­ziss­ten ihre Mit­men­schen mani­pu­lie­ren. Aber was ist Nar­ziss­mus, woher kommt er und kann man Nar­ziss­ten hei­len, ret­ten oder ihnen ent­kom­men?
Das Zeit­al­ter der Nar­ziss­ten?


Mut­ter­lie­be: Mut­ter­lie­be sorgt dafür, dass Frau­en über sich hin­aus­wach­sen und Din­ge tun, die sie nor­ma­ler­wei­se für ande­re Men­schen nicht tun wür­den.
Fehlt Mut­ter­lie­be, muss ein Kind also „mut­ter­see­len­al­lein“ auf­wach­sen, wird es die­sen Man­gel ein Leben lang spü­ren. Aber was ist Mut­ter­lie­be, und wie lässt sie sich erklä­ren?
Was heißt schon Mut­ter­lie­be?


Die fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on, Napo­le­on und ganz neue Gefüh­le: Mut­ter­lie­be, wah­re Lie­be und das Schei­dungs­recht kamen in Kon­ti­nen­tal-Euro­pa als Fol­ge der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on und mit Napo­le­on in Mode. Mehr über die “neu­en” gro­ßen Gefüh­le:
Mätres­sen­wirt­schaft, Revo­lu­ti­on und die gro­ße Lie­be


Das Genera­tionengs­präch über ein Jahr­hun­dert der Auf- und Umbrü­che, der Revo­lu­tio­nen und der Erfin­dung von Mut­ter- und roma­ti­scher Lie­be. Das Jahr­hun­dert der Auf­klä­rung und der “Aus­gang des Men­schen aus sei­ner selbst­ver­schul­de­ten Unmün­dig­keit”.
Das 18. Jahr­hun­dert


Bild­nach­wei­se:

1) Por­trait of Geor­ge III of the United King­dom (1771/1772), Johan Zoff­a­ny , Roy­al Collec­tion object 402939, gemein­frei
2) Kar­ri­ka­tur von „Beau“ Brum­mell (1805) By Robert Digh­ton — Color ver­si­on scan­ned from Priestley’s The Prince of Plea­su­re by H. Chur­ch­yard, Public Domain
3) Geor­ge IV (1821) by G. Atkin­son, Brigh­ton, UKIm­me­dia­te source: Samm­lung de Salis
4) Por­trait of Caro­li­ne of Brunswick (1804), By Sir Tho­mas Law­rence, Natio­nal Por­trait Gal­le­ry, Public Domain
5) Geor­ge IV (1816) By Tho­mas Law­rence — File:George IVcoronation.jpg from Roy­al Collec­tion object 405918, Public domain


Wir müssten das alles mal aufschreibenDie Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en bringt seit 2012 Lebens-. Fami­li­en- und Unter­neh­mens­bio­gra­fi­en als Bild­bio­gra­phi­en ins Buch und bie­tet außer­dem einen Ghost­wri­ting-Ser­vice an.
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den Sie auf unse­rer Home­page www​.bild​bio​gra​phi​en​.de 

 



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.