Szenen einer arrangierten Ehe

Prinzregent George und Caroline von Braunschweig: Szenen einer arrangierten Ehe

Das Dra­ma beginnt.
Der Prince of Wales Geor­ge kann sei­ne Finan­zen nicht in Ord­nung hal­ten. Von sei­nem auf­wän­di­gen Lebens­stil fast rui­niert, wil­ligt er in einen Hei­rats­han­del mit dem Par­la­ment ein.
Das ein­zi­ge Pro­blem: Das Braut­paar kann sich nicht aus­ste­hen. Ein Umstand, dem die legen­dä­re Queen Vic­to­ria wenig spä­ter Leben und Kro­ne ver­dankt.

Mit die­sem Prince of Wales, der wegen sei­ner Lei­bes­fül­le auch als Prince of Wha­les − Prinz der Wale – ver­spot­tet wird, ist kein Staat zu machen: Der eng­li­sche Thron­er­be Geor­ge (1762 – 1830) ist fett, eitel, exzen­trisch und ego­zen­trisch.

Für dynas­ti­sche Zwe­cke ist die­ser Prinz eigent­lich völ­lig unge­eig­net.
Er selbst sieht das natur­ge­mäß anders und bezeich­net sich ger­ne als „füh­ren­den Gen­tle­man Euro­pas“. Beson­ders stolz ist er dar­auf, zum “inner cir­cle” des legen­dä­ren Lon­do­ner Dan­dys Geor­ge „Beau“ Brum­mell zu gehö­ren.

Des­sen wich­tigs­te Lebens­leis­tung besteht dar­in, sich beson­ders sorg­fäl­tig zu klei­den.
Er ver­ließ das Haus erst nach einer mehr­stün­di­gen Pro­ze­dur in per­fekt sit­zen­der und auf­ein­an­der abge­stimm­ter Gar­de­ro­be und ern­te­te dafür in der fei­nen Lon­do­ner Gesell­schaft viel Auf­merk­sam­keit und Bewun­de­rung.

Einer von Brum­mells glü­hends­ten Ver­eh­rer ist Prinz Geor­ge, der, wie vie­le ande­re Gen­tle­men sei­ner Zeit, eif­rig bemüht ist, Brum­mells Dan­dy-Style zu kopie­ren.

Karrikatur von George "Beau" Brummell (1805)
Kar­ri­ka­tur von Geor­ge “Beau” Brum­mell (1805) Vor­zei­ge-Dan­dy der fei­nen Lon­do­ner Gesell­schaft

Kron­prinz Geor­ge ist aller­dings auch für ande­re Lebens­ge­nüs­se offen, was dazu führ­te, dass er ab sei­nem drei­ßigs­ten Lebens­jahr unter sei­ner fei­nen Gar­de­ro­be ein Kor­sett aus Fisch­bein tra­gen muss­te, das sein Die­ner takt­voll als „Gür­tel“ bezeich­ne­te.
Auch die flot­ten Hals­tü­cher, das Mar­ken­zei­chen aller Dan­dys, waren für Geor­ge viel mehr als ein modi­sches Acces­soires, denn sie dien­ten dazu, sein Dop­pel­kinn zu ver­ber­gen. Mit den Jah­ren auch das drit­te und das vier­te Kinn, das sich jeweils dar­un­ter gebil­det hat­te.

Sei­nem Selbst­be­wusst­sein konn­ten all die­se Unbil­de nichts anha­ben, auch nicht, dass er als Kron­prinz, Prinz­re­gent und spä­ter König Geor­ge IV. beim Volk völ­lig unten­durch war und sein Leben lang mit Hohn, Spott und schlech­ter Pres­se zu kämp­fen hat­te.

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Die Briten und ihr Parlament

Geor­ges schlech­tes Ver­hält­nis zu Pres­se und Volk bringt das Königs­haus immer wie­der in Bedräg­nis, denn anders als im rest­li­chen Euro­pa regie­ren bri­ti­sche Köni­ge schon längst nicht mehr allei­ne.
Die Bri­ten waren in Sachen Revo­lu­ti­on ihren Nach­barn weit vor­aus und hat­ten die Macht ihrer Mon­ar­chen schon viel frü­her als alle ande­ren zurecht­ge­stutzt.

Schlech­te Stim­mung bei Pres­se und Volk kann sich das bri­ti­sche Königs­haus des­halb nicht so ein­fach leis­ten.

Der bri­ti­sche Bür­ger­krieg zwi­schen König und Par­la­ment hat­te rund 150 Jah­re vor Beginn der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on, im Jahr 1642, statt­ge­fun­den.
Danach gab es ein merk­wür­di­ges Hin und Her zwi­schen Demo­kra­tie und Dik­ta­tur, der Weg zur Volks­sou­ve­rä­ni­tät gestal­te­te sich auf der Insel mehr als “work in pro­gress. Das blu­ti­ge Hau­ruck-Ver­fah­ren und „Kopf ab!“ der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on 1789 gefiel den Bri­ten offen­bar nicht (geköpft wur­de trotz­dem, aber sel­te­ner und dis­kre­ter).

1660 zog man einen Schluss­strich unter das Kapi­tel Bür­ger­krieg, indem man den Puri­ta­ner Oli­ver Crom­well köp­fen ließ und Karl II. im Jahr 1660 zum König krön­te.

Die Revol­te fla­cker­te danach zwar unter Karls Nach­fol­ger Jakob II. noch ein­mal kurz auf, denn Jakob hat­te es im angli­ka­ni­schen Bri­tan­ni­en mit sei­nem Katho­li­zis­mus und Allein­gän­gen ein­fach zu bunt getrie­ben.
Doch mit sei­nem Nach­fol­ger Wil­helm III. von Ora­ni­en kehrt Ruhe auf der Insel ein und man fand eine Kom­pro­miss­for­mel, mit der alle bis heu­te gut leben kön­nen: König ja, aber das Par­la­ment hat immer das letz­te Wort.

Seit 1669 garan­tie­ren die Bills of Right den bri­ti­schen Unter­ta­nen wich­ti­ge Bür­ger­rech­te, bei­spiels­wei­se die Immu­ni­tät der Par­la­men­ta­ri­er, unab­hän­gi­ge Gerich­te und freie Wah­len.
Anfangs natür­lich nur für Män­ner und nur für die fünf Pro­zent der Bevöl­ke­rung, die über ein ent­spre­chend hohes Ein­kom­men ver­füg­ten.

Aber immer­hin.
Die abso­lu­tis­ti­schen Mon­ar­chi­en auf der ande­ren Sei­te des Ärmel­ka­nals waren noch Licht­jah­re von sol­chen Errun­gen­schaf­ten ent­fernt.

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Bet­ti­na Mus­all (Her­aus­ge­ber), Eva-Maria Schnurr (Her­aus­ge­ber), Eng­lands Kro­ne — die bri­ti­sche Mon­ar­chie im Wan­del der Zeit*, Ein SPIE­GEL-Buch, Deut­sche Ver­lags-Anstalt, März 2015


Farmer George” kommt nicht zur Ruhe

König Geor­ge III. (1738 – 1820), Vater des dicken Geor­ge und Groß­va­ter der spä­te­ren Queen Vic­to­ria, saß also nicht allein auf dem Thron, son­dern regier­te gemein­sam mit einem Par­la­ment, in dem die Whigs, die Par­la­ments­par­tei (und spä­te­ren Libe­ra­len), und die Torys, die Königs­treu­en (heu­te die Kon­ser­va­ti­ven), ver­tre­ten waren.

"Farmer George" König George III. Großvater von Queen Victoria
Por­trait of Geor­ge III of the United King­dom (1771/1772), Johan Zoff­a­ny , Roy­al Collec­tion object 402939, gemein­frei

Beim Volk trägt Geor­ge III. den Bei­na­men Far­mer Geor­ge („Bau­er Geor­ge“), denn er schätzt das ein­fa­che Leben auf dem Lan­de, wo er sich in Ruhe sei­nem Ste­cken­pferd – der Land­wirt­schaft – wid­men konn­te.

Neben­bei muss er aller­dings auch noch mehr als ein hal­bes Jahr­hun­dert Groß­bri­tan­ni­en regie­ren, und das dum­mer­wei­se in einer unru­hi­gen Zeit, in der die Welt von ande­ren Mon­ar­chen kom­plett umge­krem­pelt wird.

Es sind schlech­te Zei­ten für einen König, der Ruhe und das ein­fa­che Land­le­ben mag.
Zunächst zogen die Bri­ten gemein­sam mit Fried­rich dem Gro­ßen, der sich mit den drei mäch­tigs­ten Herr­sche­rin­nen sei­ner Zeit — Zarin Katha­ri­na der Gro­ßen, Kai­se­rin Maria The­re­sia von Öster­reich und der Mar­qui­se de Pom­pa­dour — ange­legt hat, an der Sei­te von Han­no­ver, Hes­sen-Kas­sel, Braun­schweig und Gotha in den Sie­ben­jäh­ri­gen Krieg (1756 – 1763), einer Art inof­fi­zi­el­ler Welt­krieg.
Man kämpf­te gegen die drei oben genann­te Damen, also Fran­zo­sen, Öster­rei­cher und Rus­sen, und außer­dem noch Schwe­den, Spa­ni­er, Sach­sen sowie diver­se Fürs­ten­tü­mer des römisch-deut­schen Rei­ches.

Immer­hin kön­nen die Bri­ten in die­sem Krieg den alten Feind Frank­reich emp­find­lich schwä­chen und ihnen die hei­ßes­te Neu­erwer­bung jener Zeit, die Kolo­ni­en in Nord­ame­ri­ka, abja­gen.

Die Freu­de über die neu­ge­won­ne­nen Kolo­ni­en ist kurz, denn schon zehn Jah­re spä­ter schmis­sen auf­rüh­re­ri­sche Nord­ame­ri­ka­ner bei der Bos­ton Tea Par­ty fei­nen eng­li­schen Tee, für den sie kei­nen Zoll zah­len woll­ten, ins Meer.
Damit begann der ame­ri­ka­ni­schen Unab­hän­gig­keits­krieg, in dem Ame­ri­ka, das übri­gens vom abso­lu­tis­ti­schen Frank­reich unter­stützt wur­de, für Groß­bri­tan­ni­en sehr schmerz­haft und ein für alle­mal wie­der ver­lo­ren geht.

Kur­ze Zeit spä­ter revol­tier­ten die Fran­zo­sen und als die Revo­lu­ti­on in Frank­reich sich ver­selbst­stän­digt und ihre Kin­der gefres­sen hat­te, putsch­te sich ein Kor­se namens Napo­le­on an die Macht und über­rann­te in den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren mit den fran­zö­si­schen Arme­en die hal­be Welt.

Zwei Jahr­zehn­te lang, von 1792 bis 1814 boten die Bri­ten Napo­le­on und sei­ner Gran­de Nati­on in kost­spie­li­gen Koali­ti­ons­krie­gen die Stirn. Wenigs­tens eine Nati­on muss­te Napo­le­on und Frank­reich davon abhal­ten, ganz Euro­pa und den Rest der Welt zu kas­sie­ren . und das waren die Bri­ten und ihr König “Far­mer Geor­ge”, der eigent­lich immer nur die Ruhe auf einem sei­ner Land­sit­ze genie­ßen woll­te.

Als der Kampf gegen Napo­le­on end­lich been­det ist, ist Geor­ge III. nicht mehr bei Sin­nen: Der alte König ist mitt­ler­wei­le geis­tig völ­lig umnach­tet, und stirbt lang­sam an Por­phy­rie, einer sel­te­nen erb­li­chen Erkran­kung des Blut­sys­tems, die unbe­han­delt zu Hirn­schä­den und Stö­run­gen bei der Blut­ge­rin­nung führt.

Far­mer Geor­ge däm­mert vor sich hin  und bekommt von sei­ner Umwelt so gut wie nichts mehr mit. (Queen Vic­to­ria wird die­se Krank­heit als Trä­ge­rin an ihre zahl­rei­chen Nach­kom­men wei­ter­ge­ben. Unter ande­rem lei­det des­halb einer ihrer Enkel­söh­ne, der klei­ne Zare­witsch, an der Blu­ter­krank­heit.)

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Kronprinz George rebelliert

Nach­dem König Geor­ge III. nicht mehr zurech­nungs­fä­hig ist, über­nimmt 1811 sein dicker Sohn Geor­ge die Regie­rungs­ge­schäf­te und wird Prinz­re­gent.
Da er nicht nur ein begeis­ter­ter Dan­dy ist, son­dern auch ger­ne und viel baut, erin­nert der Name der Stil­epo­che Regen­cy an Geor­ges Prinz­re­gen­ten­zeit.

Von der länd­li­chen Idyl­le sei­nes Vaters hat der Prinz­re­gent noch nie viel gehal­ten, und die Pro­ble­me, die nach dem Ende der Krie­ge gegen Napo­le­on in Groß­bri­tan­ni­en ent­ste­hen — Tau­sen­de Sol­da­ten wer­den aus der Armee ent­las­sen und suchen in ihrer wirt­schaft­lich ange­schla­ge­nen Hei­mat nach Arbeit — inter­es­sie­ren ihn herz­lich wenig.

Er hat schließ­lich auch Pro­ble­me — alte Jugend­sün­den, die er ein­fach nicht los­wird.

König George der Vierte oder: Scheidung auf britisch

Im Jahr 1780 war er end­lich voll­jäh­rig gewor­den und konn­te der stren­gen Beschei­den­heit sei­nes Vaters ent­flie­hen. Er hat­te sich sein Hals­tüch­lein umge­bun­den und als Dan­dy und Lebe­mann ins Lon­do­ner Trei­ben gestürzt.

Nach meh­re­ren skan­da­lö­sen und kost­spie­li­gen Lieb­schaf­ten hat­te er 1785 im Alter von 23 Jah­ren eine jun­ge Frau gehei­ra­tet. Das Pro­blem: Sie war die unpas­sends­te Par­tie, die er sich aus­su­chen konn­te: eine Bür­ger­li­che, Irin und auch noch Katho­li­kin.
Sein Vater, der König, der zum Zeit­punkt noch im Voll­be­sitz sei­ner Kräf­te war (zumin­dest offi­zi­ell), hät­te die­ser Ehe­schlie­ßung nie­mals zuge­stimmt.

Des­we­gen hat­te der Kron­prinz vor­sichts­hal­ber weder König noch Par­la­ment über sei­ne Hei­rat infor­miert und damit gegen sämt­li­che Regeln ver­sto­ßen, an die sich ein bri­ti­scher Thron­fol­ger bis heu­te hal­ten muss.

Die­se Ehe schreibt Geschich­te — und macht ihn erpress­bar.

Szenen einer arrangierten Ehe

Zehn Jah­re spä­ter, es ist das Jahr 1795, tobt auf der ande­ren Sei­te des Ärmel­ka­nals die Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on mit Guil­lo­ti­ne und blu­ti­gem Ter­ror. Kron­prinz Geor­ge hat der­weil ein ande­res Pro­blem: Er ist plei­te.

Der Prince of Wales hat sein nicht unbe­trächt­li­ches Ver­mö­gen abge­wirt­schaft und steht so in der Krei­de, dass er ange­sichts sei­ner Schul­den nicht mehr wei­ter weiß.
Schließ­lich muss er sich in sei­ner Not auf einen Hei­rats­han­del ein­las­sen um sei­nen finan­zi­el­len Ruin abwen­den zu kön­nen: Das Par­la­ment ver­spricht, sei­ne ers­te Ehe zu ver­tu­schen, für die Til­gung sei­ner Schul­den auf­zu­kom­men und sei­ne Apa­na­ge kräf­tig zu erhö­hen, wenn er sich im Gegen­zug bereit erklärt, noch ein­mal stan­des­ge­mäß zu hei­ra­ten.

Geor­ge wil­ligt in die arran­gier­te Ehe ein – das Was­ser steht ihm wirk­lich bis zum Hals­tuch –, und eine pas­sen­de Braut wird für ihn gesucht.

Die Wahl fällt schließ­lich auf sei­ne 27jährige Cou­si­ne Caro­li­ne von Braun­schweig, die selbst­be­wuss­te und hüb­sche Toch­ter einer Schwes­ter sei­nes Vaters und eines Kriegs­hel­den und Lieb­lings­nef­fen Fried­richs des Gro­ßen.

Es wird zum Desas­ter.
Als sich die Braut­leu­te im April 1795 drei Tage vor ihrer geplan­ten Trau­ung das ers­te Mal sehen, erfasst bei­de sofort eine tie­fe Abnei­gung gegen­ein­an­der, die ein Leben lang hal­ten wird.

Caroline von Braunschweig
Por­trait of Caro­li­ne of Brunswick (1804), By Sir Tho­mas Law­rence, Natio­nal Por­trait Gal­le­ry, Public Domain

Nach einer kur­zen Begrü­ßung lässt Geor­ge sei­ne Braut ste­hen und ver­langt nach einem Bran­dy.
Caro­li­ne ist pikiert und begeht im Eifer des Gefechts den ver­mut­lich kata­stro­phals­ten Feh­ler ihrer lan­gen und unglück­li­chen zukünf­ti­gen Ehe: Sie mäkelt einem Ver­trau­ten gegen­über, dass ihr Bräu­ti­gam auf Por­träts wesent­lich bes­ser aus­se­hen wür­de als in natu­ra.

Das ist ein har­ter Schlag unter die Gür­tel­li­nie für einen eit­len Mann, der sich selbst als „füh­ren­den Gen­tle­man Euro­pas“ bezeich­net. Eine Bemer­kung, die für ihn Grund genug für lebens­lan­gen Hass ist.

Die töd­lich belei­dig­te Ant­wort Geor­ges kommt post­wen­dend: Er fin­det sei­ne Braut unat­trak­tiv, bemän­gelt ihre wenig zurück­hal­ten­de Art, moniert nach der Hoch­zeits­nacht ihre man­geln­de Hygie­ne und hält spä­ter schrift­lich fest, dass er mit ihr nur drei Mal Geschlechts­ver­kehr gehabt habe.

Mein Vater war ein Held, mein Mann ist eine Null

Immer­hin hält die Ehe lan­ge genug, um eine klei­ne Thron­er­bin zu zeu­gen.
Pünkt­lich neun Mona­te nach der Hoch­zeit, im Janu­ar 1796, wird die Thron­fol­ge­rin, Prin­zes­sin Char­lot­te Augus­ta, gebo­ren.

Weni­ge Wochen nach der Geburt der klei­nen Prin­zes­sin, teilt der Prince of Wales sei­ner Ehe­frau Caro­li­ne schrift­lich mit, dass er die Absicht habe, sich von ihr zu tren­nen.
Er betont, dass er auf die Aus­übung sei­ner ehe­li­chen Rech­te zukünf­tig auch dann ver­zich­ten wer­de, wenn ihrer gemein­sa­men Toch­ter, der Thron­er­bin Char­lot­te Augus­ta, etwas zusto­ßen soll­te.
Dann ver­fasst er sein Tes­ta­ment und ver­macht sein Ver­mö­gen sei­ner ers­ten „inof­fi­zi­el­len“ Frau. Caro­li­ne als offi­zi­el­le Gat­tin soll im Fal­le sei­nes Todes einen ein­zi­gen Schil­ling erhal­ten.

Caro­li­ne stört das wenig, denn sie ist von ihrem Ehe­mann und sei­nen nar­ziss­ti­schen Allü­ren alles ande­re als begeis­tert: „Mon père etait un héros, mon mari est un zéro” (Mein Vater war ein Held, mein Mann ist eine Null), ist ihre Mei­nung zum The­ma.

Sie zieht mit ihrer Toch­ter aufs Land und führt für die dama­li­ge Zeit ein uner­hört unkon­ven­tio­nel­les Leben als allein­er­zie­hen­de Mut­ter: Besu­cher berich­ten ver­stört, dass sie von der Gemah­lin des Thron­fol­gers auf dem Boden lie­gend emp­fan­gen wur­den, weil sie dort mit ihrer Toch­ter spiel­te.
Die Aris­to­kra­tie rümpft die Nase, aber die ein­fa­chen Leu­te sind begeis­tert von der ver­sto­ße­nen Ehe­frau ihres unge­lieb­ten Prince of Wales.

Caro­li­nes Glück währt nur kurz.
Irgend­je­mand bei Hofe muss auf­ge­fal­len sein, dass die klei­ne Thron­er­bin — Geor­ges ein­zi­ges legi­ti­mes Kind — viel zu kost­bar ist, um sie einer Mut­ter zu über­las­sen, die vor Gäs­ten auf dem Boden her­um­kriecht und daher allen Anschein nach ein lie­der­li­ches Leben führt.

Geor­ge lässt sei­ne Toch­ter abho­len, um sie stan­des­ge­mäß zu erzie­hen, und erlaubt Mut­ter und Toch­ter zwei Tref­fen pro Monat.

Außer­dem ver­langt er die Schei­dung. Das Unglück des bri­ti­schen Königs­hau­ses nimmt sei­nen Lauf.

König George IV von England
Geor­ge IV (1816) By Tho­mas Law­rence, Public domain

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www​.bild​bio​gra​phi​en​.de, 2016 (über­ar­bei­tet 2019)

Lesen Sie im nächs­ten Bei­trag: Die arran­gier­te Ehe zwi­schen Prinz­re­gent Geor­ge und sei­ner Cou­si­ne Caro­li­ne von Braun­schweig ist von Anfang an unglück­lich. Jetzt, als König, will Geor­ge sei­ne Frau end­lich los­wer­den. Und muss fest­stel­len, dass sich in sei­nem König­reich Kre­ti und Ple­thi schei­den las­sen kön­nen — nur er nicht. Pains and Pena­li­ties: Schei­dung auf bri­tisch

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Ein span­nen­des Buch über die Zeit, als alle, die in Euro­pa Rang und Namen hat­ten (… und etwas zu sagen …) mit­ein­an­der ver­wandt waren. Sehr unter­halt­sam und mit fei­ner Iro­nie geschrie­ben — sehr infor­ma­tiv und lesens­wert!

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Wei­ter­füh­ren­de Bei­trä­ge:

Nar­ziss­mus: “Dou­ble Bind” — egal was Du tust, es wird das Fal­sche sein — ist die Masche, mit der Nar­ziss­ten ihre Mit­men­schen mani­pu­lie­ren. Aber was ist Nar­ziss­mus, woher kommt er und kann man Nar­ziss­ten hei­len, ret­ten oder ihnen ent­kom­men?
Das Zeit­al­ter der Nar­ziss­ten?

Die fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on, Napo­le­on und ganz neue Gefüh­le: Mut­ter­lie­be, wah­re Lie­be und das Schei­dungs­recht kamen in Kon­ti­nen­tal-Euro­pa als Fol­ge der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on und mit Napo­le­on in Mode. Mehr über die “neu­en” gro­ßen Gefüh­le:
Mätres­sen­wirt­schaft, Revo­lu­ti­on und die gro­ße Lie­be

Mätres­sen­wirt­schaft: Sex und Poli­tik. Den Köni­gen und Aris­to­kra­ten war das poli­ti­sche Tages­ge­schäft oft zu müh­sam — sehr zur Freu­de ihrer Gelieb­ten, die manch­mal sehr viel Ver­gnü­gen an Macht, Ein­fluss und am Regie­ren hat­ten. Die berühm­tes­te und ein­fluss­reichs­te „maî­tres­se en tit­re“ in der Geschich­te war die Mar­qui­se de Pom­pa­dour, die legen­dä­re Gelieb­te des Uren­kels des Son­nen­kö­nigs, König Lud­wig XV.
Die Mar­qui­se de Pom­pa­dour

Mut­ter­lie­be: Mut­ter­lie­be sorgt dafür, dass Frau­en über sich hin­aus­wach­sen und Din­ge tun, die sie nor­ma­ler­wei­se für ande­re Men­schen nicht tun wür­den. Fehlt Mut­ter­lie­be, muss ein Kind also „mut­ter­see­len­al­lein“ auf­wach­sen, wird es die­sen Man­gel ein Leben lang spü­ren. Aber was ist Mut­ter­lie­be, und wie lässt sie sich erklä­ren?
Was heißt schon Mut­ter­lie­be?

Das Genera­tionengs­präch über ein Jahr­hun­dert der Auf- und Umbrü­che, der Revo­lu­tio­nen und der Erfin­dung von Mut­ter- und roma­ti­scher Lie­be. Das Jahr­hun­dert der Auf­klä­rung und der “Aus­gang des Men­schen aus sei­ner selbst­ver­schul­de­ten Unmün­dig­keit”.
Das 18. Jahr­hun­dert

Link­emp­feh­lun­gen:

Sehr emp­feh­lens­wer­ter BLOG (in Eng­lisch): Lau­ra Pur­cell – „His­to­ri­cal fic­tion, Geor­gi­an style“
https://​lau​r​a​pur​cell​.com/​c​a​t​e​g​o​r​y​/​q​u​e​e​n​-​o​f​-​m​i​s​r​u​le/

Span­nen­de Blog-Lek­tü­re über Queen Vic­to­ria und ihre Vor- und Nach­fah­ren:
https://​www​.nord​kom​plott​.de/​a​l​s​-​d​i​e​-​r​o​y​a​l​s​-​a​u​s​-​h​a​n​n​o​v​e​r​-​k​a​m​e​n​-​3​0​0​-​j​a​h​r​e​-​p​e​r​s​o​n​a​l​u​n​i​on/

Bild­nach­wei­se:

Por­trait of Geor­ge III of the United King­dom (1771/1772), Johan Zoff­a­ny , Roy­al Collec­tion object 402939, gemein­frei
Kar­ri­ka­tur von „Beau“ Brum­mell (1805) By Robert Digh­ton — Color ver­si­on scan­ned from Priestley’s The Prince of Plea­su­re by H. Chur­ch­yard, Public Domain
Geor­ge IV (1821) by G. Atkin­son, Brigh­ton, UKIm­me­dia­te source: Samm­lung de Salis
Por­trait of Caro­li­ne of Brunswick (1804), By Sir Tho­mas Law­rence, Natio­nal Por­trait Gal­le­ry, Public Domain
Geor­ge IV (1816) By Tho­mas Law­rence — File:George IVcoronation.jpg from Roy­al Collec­tion object 405918, Public domain

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