Szenen einer arrangierten Ehe

 

"Farmer George" König George III.

Por­trait of Geor­ge III of the United King­dom (1771/1772), Johan Zoff­a­ny , Roy­al Collec­tion object 402939, gemein­frei

Das Dra­ma beginnt. Der Prince of Wales Geor­ge kann sei­ne Finan­zen nicht in Ord­nung hal­ten. Von sei­nem auf­wän­di­gen Lebens­stil fast rui­niert, wil­ligt er in einen Hei­rats­han­del mit dem Par­la­ment ein: Sei­ne Schul­den wer­den bezahlt, dafür hei­ra­tet er sei­ne Cou­si­ne Caro­li­ne von Braun­schweig. Das ein­zi­ge Pro­blem: Das Braut­paar kann sich nicht aus­ste­hen, ein Umstand, dem die legen­dä­re Queen Vic­to­ria Leben und Kro­ne ver­dankt.

 

Mit die­sem Prince of Wales, der wegen sei­ner Lei­bes­fül­le auch als Prince of Wha­les − Prinz der Wale – ver­spot­tet wird, ist kein Staat zu machen: Der eng­li­sche Thron­er­be Geor­ge (1762 – 1830) ist fett, eitel exzen­trisch und ego­zen­trisch; für dynas­ti­sche Zwe­cke völ­lig unge­eig­net.

Er selbst bezeich­net sich ger­ne als „füh­ren­den Gen­tle­man Euro­pas“, was auch damit zu tun hat, dass er lan­ge Zeit ein enger Freund und Bewun­de­rer des legen­dä­ren Lon­do­ner Dan­dys Geor­ge „Beau“ Brum­mell ist.


Der Kron­prinz und sein Dan­dy

Karrikatur von George "Beau" Brummell (1805)

Kar­ri­ka­tur von „Beau“ Brum­mell (1805) By Robert Digh­ton — Color ver­si­on scan­ned from Priestley’s The Prince of Plea­su­re by H. Chur­ch­yard, Public Domain

Die vor­nehm­li­che Lebens­leis­tung von Geor­ge “Beau” Brum­mell besteht dar­in, sich beson­ders sorg­fäl­tig zu klei­den.

Er ver­lässt das Haus erst nach einer mehr­stün­di­gen Pro­ze­dur in per­fekt sit­zen­der und auf­ein­an­der abge­stimm­ter Gar­de­ro­be. In der fei­nen Lon­do­ner Gesell­schaft ern­tet er dafür viel Auf­merk­sam­keit und Bewun­de­rung; einer sei­ner glü­hends­ten Ver­eh­rer ist Prinz Geor­ge, der, wie vie­le ande­re Gen­tle­men sei­ner Zeit eif­rig ver­sucht, Brum­mells Stil zu kopie­ren.

Kron­prinz Geor­ge ist aller­dings auch für ande­re Lebens­ge­nüs­se offen, und ab sei­nem drei­ßigs­ten Lebens­jahr muss er unter sei­ner aus­ge­such­ten Gar­de­ro­be ein Kor­sett aus Fisch­bein tra­gen, das sein Die­ner takt­voll als „Gür­tel“ bezeich­net.
Ein schi­ckes Hals­tuch ist das Mar­ken­zei­chen der Dan­dys und gehört zum Out­fit unbe­dingt dazu. Bei Kron­prinz Geor­ge sind die fei­nen Hals­tüch­lein modi­sche Acces­soires, die­nen aber auch dazu, sein Dop­pel­kinn zu ver­ber­gen. Mit den Jah­ren auch das drit­te und das vier­te Kinn, das sich jeweils dar­un­ter bil­det.


Kron­prinz Geor­ge fühlt sich zwar als “füh­ren­der Gen­tle­man”, bei Volk und Par­la­ment ist er trotz­dem unten­durch.
Sein Leben lang wird er gegen Hohn, Spott und schlech­te Pres­se kämp­fen müs­sen, auch als er die Bri­ten ab 1820 als König Geor­ge IV. regiert.

Anläss­lich sei­nes Todes 10 Jah­re nach sei­ner Thron­be­stei­gung schreibt die Lon­don Times:


[…] Nie ist ein Mann weni­ger von sei­nen Mit­men­schen betrau­ert wor­den als die­ser ver­stor­be­ne König. Wel­che Augen haben um ihn geweint? Wel­ches Herz hat aus selbst­lo­ser Trau­er um ihn geseufzt? […] wenn er auch nur einen Freund, einen erge­be­nen Freund egal aus wel­cher Schicht hat­te, dann beteu­ern wir, dass wir nie­mals sei­nen Namen ver­nom­men haben.


Schon sei­ne Zeit als Thron­fol­ger und Prinz­re­gent ist schwie­rig, sei­ne Herr­schaft als König Geor­ges IV. bringt das Anse­hen ihres Königs­hau­ses bei den Bri­ten auf einen nie gekann­ten Tief­punkt.

Erst sei­ne Nich­te und Nach­fol­ge­rin, die jun­ge Queen Vic­to­ria, kann das Image des Königs­hau­ses ret­ten.


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Die Briten und ihr Parlament

Groß­bri­tan­ni­en hat sei­ne Revo­lu­tio­nen schon längst hin­ter sich.

Anders als die Fran­zo­sen haben die Bri­ten ihren Weg zur Volks­sou­ve­rä­ni­tät als “work in pro­gress gestal­tet; das blu­ti­ge Hau­ruck-Ver­fah­ren und „Köp­fe ab!“ der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on ist ihre Sache nicht (geköpft wur­de trotz­dem, aber sel­te­ner und dis­kre­ter).

Der eigent­li­che Bür­ger­krieg zwi­schen König und Par­la­ment hat­te rund 150 Jah­re vor Beginn der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on, im Jahr 1642, statt­ge­fun­den.

Danach gab es ein merk­wür­di­ges Hin und Her zwi­schen Demo­kra­tie und Dik­ta­tur. Den Schluss­strich unter das Kapi­tel Bür­ger­krieg zie­hen die Bri­ten, indem sie den Puri­ta­ners Oli­ver Crom­well köp­fen und Karl II. im Jahr 1660 zum König krö­nen.

Die Revol­te fla­ckert zwar unter Karls Nach­fol­ger Jakob II. noch ein­mal kurz auf, denn Jakob hat­te es im angli­ka­ni­schen Bri­tan­ni­en mit sei­nem Katho­li­zis­mus und Allein­gän­gen ein­fach zu bunt getrie­ben. Doch mit sei­nem Nach­fol­ger Wil­helm III. von Ora­ni­en kehrt Ruhe auf der Insel ein und man fin­det eine Kom­pro­miss­for­mel, mit der alle gut leben kön­nen:

König ja, aber das Par­la­ment hat immer das letz­te Wort.


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Bereits seit 1669 garan­tie­ren die Bills of Right den bri­ti­schen Unter­ta­nen wich­ti­ge Bür­ger­rech­te, bei­spiels­wei­se die Immu­ni­tät der Par­la­men­ta­ri­er, unab­hän­gi­ge Gerich­te und freie Wah­len.
Natür­lich nur für Män­ner und nur für die fünf Pro­zent der Bevöl­ke­rung, die über ein ent­spre­chend hohes Ein­kom­men ver­fü­gen.

Aber immer­hin. Die abso­lu­tis­ti­schen Staa­ten auf der ande­ren Sei­te des Ärmel­ka­nals sind noch Licht­jah­re von sol­chen Errun­gen­schaf­ten ent­fernt.

Der Siebenjährige Krieg,
Amerikas Unabhängigkeit und Napoleon: “Farmer George” kommt nicht zur Ruhe


König Geor­ge III. (1738 – 1820)
, Vater des dicken Geor­ge und Groß­va­ter der künf­ti­gen Queen Vic­to­ria, sitzt somit nicht allein auf dem Thron, son­dern regiert gemein­sam mit einem Par­la­ment, in dem die Whigs, die Par­la­ments­par­tei (und spä­te­ren Libe­ra­len), und die Torys, die Königs­treu­en (heu­te die Kon­ser­va­ti­ven), ver­tre­ten sind.

Mehr als ein hal­bes Jahr­hun­dert regiert der alte König und in sei­ner lan­gen Amts­zeit haben vie­le Krie­ge die Welt ver­än­dert.

Zu viel Krieg und Streit für einen König, der Krie­ge und Streit eigent­lich nicht mag. Im Volk trägt Geor­ge III. den Bei­na­men Far­mer Geor­ge („Bau­er Geor­ge“), denn er schätzt das ein­fa­che Leben auf dem Lan­de, wo er sich in Ruhe sei­nem Ste­cken­pferd – der Land­wirt­schaft – wid­men kann.

Es sind schlech­te Zei­ten für einen König, der Krie­ge nicht mag. Far­mer Geor­ge kommt nicht zur Ruhe: Zunächst zie­hen die Bri­ten gemein­sam mit Preu­ßen, Han­no­ver, Hes­sen-Kas­sel, Braun­schweig und Gotha in den Sie­ben­jäh­ri­gen Krieg (1756 – 1763) und kämp­fen gegen Fran­zo­sen, Öster­rei­cher, Rus­sen, Schwe­den, Spa­ni­er, Sach­sen und diver­se Fürs­ten­tü­mer des römisch-deut­schen Rei­ches.

Es ist eine Art inof­fi­zi­el­ler Welt­krieg, denn man geht sich nicht nur in Euro­pa, son­dern auch in Afri­ka, Indi­en und Nord­ame­ri­ka an den Kra­gen. Immer­hin kön­nen die Bri­ten in die­sem Krieg den alten Feind Frank­reich emp­find­lich schwä­chen und ihnen den “Hot Spot” jener Zeit, die Kolo­ni­en in Nord­ame­ri­ka, abja­gen.


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Die Freu­de über die neu­ge­won­ne­nen nord­ame­ri­ka­ni­schen Kolo­ni­en ist kurz, denn schon zehn Jah­re spä­ter schmei­ßen auf­rüh­re­ri­sche Nord­ame­ri­ka­ner bei der Bos­ton Tea Par­ty fei­nen eng­li­schen Tee, für den sie kei­nen Zoll zah­len wol­len, ins Meer.

Damit beginnt der ame­ri­ka­ni­schen Unab­hän­gig­keits­krieg, in dem die nord­ame­ri­ka­ni­sche Kolo­nie für Groß­bri­tan­ni­en sehr schmerz­haft wie­der ver­lo­ren geht.

Als die Revo­lu­ti­on in Frank­reich sich ver­selbst­stän­digt und ihre Kin­der gefres­sen hat, putscht sich ein Kor­se namens Napo­le­on an die Macht und über­rennt in den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren mit sei­nen Arme­en die hal­be Welt.

Irgend­wer muss die Fran­zo­sen davon abhal­ten, ganz Euro­pa und den Rest der Welt zu kas­sie­ren. Es sind die Bri­ten — an ihrer Spit­ze wie­der Far­mer Geor­ge — die in kost­spie­li­gen Koali­ti­ons­krie­gen (1792 – 1814) mehr als zwei Jahr­zen­te lang Napo­le­on und sei­ner Gran­de Nati­on die Stirn bie­ten.


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Der Kampf gegen Napo­le­on kommt weni­ge Jah­re vor Geor­ges Tod zur Ruhe, doch nun steht Groß­bri­tan­ni­en vor dem Pro­blem, dass plötz­lich Tau­sen­de Sol­da­ten aus der Armee ent­las­sen wer­den und in ihrer wirt­schaft­lich ange­schla­ge­nen Hei­mat nach Arbeit suchen.

Für Geor­ge III. spielt das kei­ne gro­ße Rol­le mehr: Seit 1811 regiert sein dicker Sohn Geor­ge als Prinz­re­gent, denn Far­mer Geor­ge lei­det an Por­phy­rie, einer sel­te­nen erb­li­chen Erkran­kung des Blut­sys­tems, die unbe­han­delt zu Hirn­schä­den und Stö­run­gen bei der Blut­ge­rin­nung, ist mitt­ler­wei­le geis­tig völ­lig umnach­tet und bekommt von sei­ner Umwelt so gut wie nichts mehr mit.
(Queen Vic­to­ria wird die­se Krank­heit als Trä­ge­rin an ihre zahl­rei­chen Nach­kom­men wei­ter­ge­ben. Unter ande­rem lei­det einer ihrer Enkel­söh­ne, der klei­ne Zare­witsch, des­halb an der Blu­ter­krank­heit.)

Kronprinz George
und Caroline von Braunschweig

Thron­er­be Geor­ge hält von länd­li­cher Idyl­le über­haupt nichts.

George IV von England Lithographie 1821

Geor­ge IV (1821) by G. Atkin­son, Brigh­ton, UKIm­me­dia­te source: Samm­lung de Salis

Es ist 1780, Geor­ge ist end­lich voll­jäh­rig und ent­kommt der stren­gen Beschei­den­heit sei­nes Vaters.
Er bin­det sich sein Hals­tüch­lein um und stürzt sich als Dan­dy und Lebe­mann ins Lon­do­ner Trei­ben.

Nach meh­re­ren eben­so skan­da­lö­sen wie kost­spie­li­gen Lieb­schaf­ten hei­ra­tet er 1785 im Alter von 23 Jah­ren. Mit einem gewal­ti­gen Makel: Er hält ohne die Erlaub­nis sei­nes Vaters, des Königs, Hoch­zeit.

Damit ver­stößt der Prince of Wales gleich gegen meh­re­re Geset­ze, denn sei­ne Ehe­frau ist nicht nur eine Bür­ger­li­che, son­dern auch noch Irin, Katho­li­kin und zwei­mal ver­wit­wet.
Wür­de die­se Ehe und sei­ne heim­li­che Hoch­zeit publik wer­den, wäre sei­ne Thron­fol­ge hin­über. Doch sie wird nicht bekannt, dafür sor­gen wil­li­ge Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ten, die Geor­ges Hei­rat und Ehe­frau ver­tu­schen.


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Zehn Jah­re spä­ter, 1795, tobt auf der ande­ren Sei­te des Ärmel­ka­nals die Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on mit blu­ti­gem Ter­ror. Kron­prinz Geor­ge hat der­weil ein ande­res Pro­blem:
Er ist plei­te.

Der Prince of Wales hat sein nicht unbe­trächt­li­ches Ver­mö­gen abge­wirt­schaft und steht so in der Krei­de, dass er ange­sichts sei­ner Schul­den nicht mehr wei­ter weiß.

Schließ­lich muss er sich in sei­ner Not auf einen Hei­rats­han­del ein­las­sen um sei­nen finan­zi­el­len Ruin abwen­den zu kön­nen: Das Par­la­ment ver­spricht, für die Til­gung sei­ner Schul­den auf­zu­kom­men und sei­ne Apa­na­ge kräf­tig zu erhö­hen, wenn er sich im Gegen­zug bereit erklärt, eine stan­des­ge­mä­ße Ehe ein­zu­ge­hen.

Er wil­ligt ein – das Was­ser steht im wirk­lich bis zum Hals­tuch –, eine pas­sen­de Braut wird gesucht und die Wahl fällt schließ­lich auf sei­ne 27jährige Cou­si­ne Caro­li­ne von Braun­schweig, die selbst­be­wuss­te und hüb­sche Toch­ter einer ver­bit­ter­ten Mut­ter (eine Schwes­ter Königs Geor­ge III.) und eines über­für­sorg­li­chen Vaters (ein Kriegs­held und Lieb­lings­nef­fe Fried­richs des Gro­ßen).

Szenen einer arrangierten Ehe

Die Ehe wird zum Desas­ter.

Caroline von Braunschweig

Por­trait of Caro­li­ne of Brunswick (1804), By Sir Tho­mas Law­rence, Natio­nal Por­trait Gal­le­ry, Public Domain

Als sich die Braut­leu­te im April 1795 drei Tage vor ihrer geplan­ten Trau­ung das ers­te Mal sehen, erfasst bei­de sofort eine tie­fe Abnei­gung gegen­ein­an­der.
Nach einer kur­zen Begrü­ßung lässt Geor­ge sei­ne Braut ste­hen und ver­langt nach einem Bran­dy, wäh­rend Caro­li­ne den ver­mut­lich schwers­ten Feh­ler ihrer lan­gen und unglück­li­chen zukünf­ti­gen Ehe begeht: Sie mäkelt einem Ver­trau­ten gegen­über, dass ihr Bräu­ti­gam auf Por­träts wesent­lich bes­ser aus­se­hen wür­de als in natu­ra.

Für einen eit­len Mann, der sich selbst als „füh­ren­den Gen­tle­man Euro­pas“ sieht, ist das ein har­ter Schlag unter die Gür­tel­li­nie und Grund genug für lebens­lan­gen Hass.

Die töd­lich belei­dig­te Ant­wort Geor­ges kommt post­wen­dend: Er fin­det sei­ne Braut unat­trak­tiv, bemän­gelt ihre wenig zurück­hal­ten­de Art, moniert nach der Hoch­zeits­nacht ihre man­geln­de Hygie­ne und hält spä­ter schrift­lich fest, dass er mit ihr nur drei Mal Geschlechts­ver­kehr gehabt habe.

Mein Vater war ein Held,
mein Mann ist eine Null

Immer­hin hält die Ehe lan­ge genug, um eine klei­ne Thron­er­bin zu zeu­gen.
Pünkt­lich neun Mona­te nach der Hoch­zeit, im Janu­ar 1796, wird die Thron­fol­ge­rin, Prin­zes­sin Char­lot­te Augus­ta, gebo­ren.

Weni­ge Wochen nach Char­lot­tes Geburt, teilt der Prince of Wales sei­ner Ehe­frau Caro­li­ne schrift­lich mit, dass er die Absicht habe, sich von ihr zu tren­nen.

Er betont, dass er auf die Aus­übung sei­ner ehe­li­chen Rech­te zukünf­tig auch dann ver­zich­ten wer­de, wenn ihrer gemein­sa­men Toch­ter, der Thron­er­bin Char­lot­te Augus­ta, etwas zusto­ßen soll­te.
Dann ver­fasst er sein Tes­ta­ment und ver­macht sein Ver­mö­gen sei­ner ers­ten „inof­fi­zi­el­len“ ers­ten Frau; die offi­zi­el­le Gat­tin Caro­li­ne soll im Fal­le sei­nes Todes einen ein­zi­gen Schil­ling erhal­ten.

Caro­li­ne stört das wenig, denn sie ist von ihrem Ehe­mann und sei­nen nar­ziss­ti­schen Allü­ren alles ande­re als begeis­tert:
Mon père etait un héros, mon mari est un zéro.”
(Mein Vater war ein Held, mein Mann ist eine Null), ist ihre Mei­nung zum The­ma.

Sie zieht aufs Land, wo sie mit ihrer klei­nen Prin­zes­sin Char­lot­te ein für die dama­li­ge Zeit uner­hört unkon­ven­tio­nel­les Leben als allein­er­zie­hen­de Mut­ter lebt: Besu­cher berich­ten ver­wun­dert, dass sie von der Gemah­lin des Thron­fol­gers auf Boden lie­gend emp­fan­gen wur­den, weil Caro­li­ne dort mit ihrer Toch­ter gespielt hat.

Die Aris­to­kra­tie rümpft die Nase, aber die ein­fa­chen Leu­te begeis­tern sich durch sol­che Anek­do­ten mehr und mehr für die ver­sto­ße­ne Ehe­frau ihres unge­lieb­ten Prince of Wales.

König George IV von England

Geor­ge IV (1816) By Tho­mas Law­rence — File:George IVcoronation.jpg from Roy­al Collec­tion object 405918, Public domain

Irgend­je­mand muss Geor­ge aller­dings dar­auf auf­merk­sam gemacht haben, dass sei­ne Gemah­lin noch da ist, auch wenn er sie nicht mehr sieht.

Außer­dem hat sie die klei­ne Thron­er­bin bei sich, die eigent­lich viel zu kost­bar ist, um sie bei einer Mut­ter zu las­sen, die vor Gäs­ten auf dem Boden her­um­kriecht und daher allen Anschein nach ein lie­der­li­ches Leben führt.

Geor­ge lässt die klei­ne Kron­prin­zes­sin abho­len und bei Hofe unter­brin­gen, wo sie eine ordent­li­che Erzie­hung bekom­men soll; außer­dem sorgt er dafür, dass sich Mut­ter und Toch­ter nur noch zwei­mal im Monat sehen kön­nen.

Schließ­lich ver­langt er die Schei­dung.


Lesen Sie im zwei­ten Teil: Viel mehr als die Mode, kei­ne gepu­der­ten Perü­cken mehr zu tra­gen, die Stil­epo­che Regen­cy und eini­ge Gebäu­de und Parks in Lon­don hat der bri­ti­sche Prinz­re­gent und spä­te­re König Geor­ge IV. nicht zustan­de gebracht. Das ist kaum ver­wun­der­lich, schließ­lich hat er sein hal­bes Leben lang ver­sucht, sich schei­den zu las­sen. Er setzt alle Hebel in Bewe­gung, um sei­ne deut­sche Ehe­frau Caro­li­ne von Braun­schweig end­lich los­zu­wer­den.
Pains and Pena­li­ties: Schei­dung auf bri­tisch

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www.bildbiographien.de, 2016 (über­ar­bei­tet 2018)


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Toll gemach­te Serie über einen ande­ren Lady­kil­ler Eng­lands, König Hein­rich VIII. (1491 – 1547). Manch­mal gibt’s viel­leicht zu vie­le Sex-Sze­nen, aber der Mann, die Zusam­men­hän­ge und die Hin­ter­grün­de sei­ner Zeit wer­den span­nend und in groß­ar­tie­gen Bil­dern erzählt. Sehr sehens­wert! Die Tudors*, Sony Pic­tures Home Enter­tain­ment, April 2014, FSK:16

Die Lebens­ge­schich­te Napo­le­ons mit einem inter­na­tio­na­len Star­auf­ge­bot ver­filmt. His­to­risch sind eini­ge Details nicht immer kor­rekt, aber Zusam­men­hän­ge und die Fra­ge nach dem War­um wer­den eben­so infor­ma­tiv wie span­nend erzählt. Chris­ti­an Cla­vier, Isa­bel­la Ros­sel­li­ni, Gérard Depar­dieu, John Mal­ko­vich, Anouk Aimée und vie­le mehr, Napo­le­on*, Ali­ve — Ver­trieb und Marketing/DVD, Sep­tem­ber 2017, FSK: 12

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Geho­be­ner Klatsch & Tratsch über Hei­rats­po­li­tik und sons­ti­ge Aus­rut­scher der roya­len und nicht-roya­len Pla­tin- bis Nickel­pro­mi­nenz von ges­tern bis heu­te. Als Hör­buch, gele­sen vom Autor, eben­so infor­ma­tiv wie unter­halt­sam. Hape Ker­ke­ling, Frisch hape­ziert: Mei­ne bes­ten Kolum­nen*, OSTER­WOLD­au­dio, Juli 2018 (Gra­tis-Down­load im Audi­ble-Pro­be­mo­nat)

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Lese­emp­feh­lung:


Sehr emp­feh­lens­wer­ter BLOG (in Eng­lisch): Lau­ra Pur­cell – „His­to­ri­cal fic­tion, Geor­gi­an style“
https://laurapurcell.com/category/queen-of-misrule/


Wei­ter­füh­ren­de Links zum The­ma:


Das Genera­tionengs­präch über ein Jahr­hun­dert der Auf- und Umbrü­che, der Revo­lu­tio­nen und der Erfin­dung von Mut­ter- und roma­ti­scher Lie­be. Das Jahr­hun­dert der Auf­klä­rung und der “Aus­gang des Men­schen aus sei­ner selbst­ver­schul­de­ten Unmün­dig­keit”.
Das 18. Jahr­hun­dert


Die fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on, Napo­le­on und ganz neue gro­ße Gefüh­le: Mut­ter­lie­be, wah­re Lie­be und das Schei­dungs­recht kamen in Kon­ti­nen­tal-Euro­pa als Fol­ge der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on und mit Napo­le­on in Mode. Mehr über die “neu­en” gro­ßen Gefüh­le:
Mätres­sen­wirt­schaft, Revo­lu­ti­on und die gro­ße Lie­be

Nar­ziss­mus: Wer Nar­ziss begeg­net, ist schnell ver­führt. Aber sobald man einen nar­ziss­tisch ver­an­lag­ten Men­schen näher ken­nen­lernt, zei­gen sich Ris­se in sei­ner per­fek­ten Fas­sa­de: sei­ne Ego­zen­trik, sei­ne tie­fe Über­zeu­gung, allen ande­ren über­le­gen zu sein, sei­ne Wut, — kurz­um eine Per­sön­lich­keit, die vor allem ihren Mit­men­schen das Leben schwer macht.
Kann man Nar­ziss ent­kom­men?
Das Zeit­al­ter der Nar­ziss­ten?


Bild­nach­wei­se:

1) Por­trait of Geor­ge III of the United King­dom (1771/1772), Johan Zoff­a­ny , Roy­al Collec­tion object 402939, gemein­frei
2) Kar­ri­ka­tur von „Beau“ Brum­mell (1805) By Robert Digh­ton — Color ver­si­on scan­ned from Priestley’s The Prince of Plea­su­re by H. Chur­ch­yard, Public Domain
3) Geor­ge IV (1821) by G. Atkin­son, Brigh­ton, UKIm­me­dia­te source: Samm­lung de Salis
4) Por­trait of Caro­li­ne of Brunswick (1804), By Sir Tho­mas Law­rence, Natio­nal Por­trait Gal­le­ry, Public Domain
5) Geor­ge IV (1816) By Tho­mas Law­rence — File:George IVcoronation.jpg from Roy­al Collec­tion object 405918, Public domain


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