Wer war eigentlich „Stalin“? (2)
Lenins „Mann fürs Grobe“ ist ihm am Ende doch zu grob.
In seinem politischen Testament empfiehlt Lenin dringend, Stalin als allmächtigen Generalsekretär der Kommunistischen Partei Russlands abzulösen und einen anderen an seine Stelle zu setzen.
Doch Lenins Mahnung kommt zu spät …

Stalin: Der große Terror
Stalin ist grob und unbeherrscht.
Es kann durchaus vorkommen, dass er mitten im Gespräch aus Ärger den Kopf eines Mitarbeiters packt und auf die Tischplatte knallt — und kurze Zeit später mit seiner schönen Stimme ein Lied anstimmt.
Das seltsame Temperament seines „prächtigen Georgiers” war auch dem todkranken Lenin aufgefallen und nach und nach hatte er seine Meinung über seinen potenziellen Nachfolger grundlegend geändert.
In seinem politischen Testament schreibt er:
Lenin über Stalin in seinem polititischen Testament
„ … Stalin ist zu grob, und dieser Fehler, der in unserer Mitte und im Verkehr zwischen uns Kommunisten erträglich ist, kann in der Funktion des Generalsekretärs nicht geduldet werden. Deshalb schlage ich den Genossen vor, sich zu überlegen, wie man Stalin ablösen könnte, und jemand anderen an diese Stelle zu setzen, der sich in jeder Hinsicht von dem Genossen Stalin nur durch einen Vorzug unterscheidet, nämlich dadurch, daß er toleranter, loyaler, höflicher und den Genossen gegenüber aufmerksamer, weniger launenhaft usw. ist.“
Wladimir Iljitsch Lenin, Brief an die KPDSU (Nachschrift vom 4. Januar 1923)
Doch es ist zu spät.
Das menschlich und politisch desaströse Urteil seines langjährigen Weg- und Kampfgefährten schadet Stalin nicht. Das Testament Lenins wird zwar bekannt, kann aber heruntergespielt werden.
Der georgische Schustersohn Josef Stalin schaltet nach Lenins Tod politische Gegner und ehemalige Gefolgsleute aus und reißt die Macht in der Sowjetunion an sich.
Stalins Weg vom Generalsekretär zum Sowjet-Zaren
Als einer der Ersten ist Stalins alter Kampfgefährte und größter Widersacher Leo Trotzki (eigentlich: Lev Davidovich Bronshtein) an der Reihe, den Lenin für den fähigeren Mann hielt.
Allerdings habe der ein übersteigertes Selbstbewusstsein und ihm fehle der richtige Biss, so Lenins Urteil.

Leo Trotzki im Jahr 1921 – Stalins größter politischer Gegner und Mitorganisator der russischen Revolution
Mit Trotzki beginnt Stalin nach Lenins Tod das große Aufräumen: Ende 1927 wird er aus der Partei ausgeschlossen, später ins Exil gedrängt, wo er 1940 in Mexiko unter mysteriösen Umständen einem Eispickel zum Opfer fällt.
Den anderen Wegbegleitern und „Freunden“ Stalins geht es nicht besser: sie können sich ihrer Ämter und ihres Lebens nicht mehr sicher sein.
Ehemals enge Verbündete, beispielsweise langjährige Kampfgefährten wie Kamenew oder der Komintern-Führer Sinowjew, die Stalin noch aus vorrevolutionären Zeiten kennt, verlieren erst ihre Posten und dann ihre Parteimitgliedschaft.
Ab 1936 auch ihr Leben.
Ende der 1920er Jahre sind alle Konkurrenten und Kritiker beseitigt und Stalin ist uneingeschränkter Alleinherrscher der Sowjetunion. Ein offizielles Staatsamt hat er nach wie vor nicht, er ist „nur” Generalsekretär der sowjetischen KP.
Aber das reicht ihm.
Ab 1929 lässt er sich offiziell als „Woschd“ (Führer) titulieren.
Vom rückständigen Agrarstaat zur Industrienation: Der erste Fünfjahresplan 1928–1933
Die Rückständigkeit der Industrie im Vergleich zu anderen Nationen ist gewaltig und eines der größten Probleme der jungen Sowjetunion.
Wie die industrielle Aufholjagd gelingen soll und das Riesenreich vom bäuerlichen Agrarstaat in eine moderne Industrienation umgewandelt werden kann, ist unklar.
Man streitet sich.
Die Befürworter der „genetischen Sicht“ wollen zwar die Planwirtschaft, doch die Pläne sind eher gemäßigt und sollen auf realen Gegebenheiten und Fakten basieren, also sich am „Ist-Zustand“ orientieren.
Im Gegensatz dazu sehen die Anhänger der „teleologischen Sicht“ im Plan ein formendes und strukturierendes Element; der Plan ist das „Soll“, das wünschenswert ist, weitgehend unabhängig davon, was tatsächlich erfüllbar ist.
„Kommunismus sei Sowjetmacht plus Elektrifizierung.“
Wladimir Iljitsch Lenin, 1920
Stalin entscheidet sich nach langem Hin und Her für die „teleologische Sicht“, also für den Fünfjahresplan, der ambitionierte Ziele vorgibt, ohne sich allzusehr darum zu kümmern, ob diese Ziele tatsächlich auch umsetzbar sind.
Seine brachiale Industrialisierungspolitik, der Millionen Menschen zum Opfer fallen werden, beginnt mit dem ersten Fünfjahresplan, der von 1928 bis 1933 gültig ist.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Führungsriege der Sowjetunion eine als „NEP“ bekannte, relativ liberale Wirtschaftspolitik verfolgt: Zwar waren Schwerindustrie, Transportwesen, Banken, Groß- und der Außenhandel verstaatlicht, doch Landwirtschaft, Einzelhandel und Dienstleistungen lagen nach wie vor in privaten Händen.
Ikonen und Kakerlaken: Die sowjetische Verachtung für die Landbevölkerung
Es sind die Bauern, die den Preis zahlen sollen.
Mangels Kolonien, die das russische Zarenreich nie hatte, und deren Menschen und Rohstoffe ausgebeutet werden könnten, soll die Landbevölkerung den „großen Umbruch“ leisten.

„Wir vertreiben die Kulaken aus den Kolchosen“ Propagandaplakat 1930
Die dörfliche Gemeinschaft, in der kurz nach der Revolution noch über Dreiviertel der Bevölkerung lebt, ist für die Bolschewiki sowieso eine gefährliche „terra incognita“.
Ein rückständiger Dorn im kommunistischen Auge, Sinnbild des zaristischen Russlands mit seiner spezifischen Mischung aus Wodka und Aberglaube.
„Ikonen und Kakerlaken“ wie es Trotzki einmal formuliert hat.
Die kommunistische Basis lebt in den Städten und nicht auf dem Land.
Die „Kulaken“ (Eigentlich: Faust, im übertragenen Sinn: Wucherer), also wohlhabende Bauern, sind zunächst in der Propaganda, kurze Zeit später aber auch sehr real das neue Feindbild der roten Machthaber.
Bereits ab 1927 leiden sie unter Repressionen, müssen höhere Steuern zahlen und bekommen plötzlich weder Kredite noch Geräte.
Wer „Kulak“ ist, war eine Frage der Definition, und die änderte sich im Laufe der Zeit.
Ursprünglich gemeint waren die sogenannten „Mittelbauern“ – 1919 gehört dazu, wer zwei Häuser mit Blechdach, mehr als fünf Kühe oder Pferde oder mehr als 20 Schafe besitzt.
Im Jahr 1932 reicht es aus, einen Knecht oder Tagelöhner zu beschäftigen, um verdächtig zu sein. Manchmal war es auch schon gefährlich, eine Kuh zu besitzen.
Um nicht mehr als „Kulak“ zu gelten, verringerten viele Bauern ihre Anbauflächen und Viehbestände.
Und da die staatlich festgelegten Ankaufpreise sehr niedrig waren, verkauften die Bauern ihre Erzeugnisse lieber auf dem Schwarzmarkt oder verbrauchten sie selbst. Schon bald fehlen in den Städten Nahrungsmittel.
Das erzürnte den „Woschd“, der daraufhin die eigennützigen Landwirte per Definition zu Saboteuren und Konterrevolutionären erklärte.
Millionen Tote durch die „Entkulakisierung”
Am 1. Februar 1930 wird die Enteignung der „Kulaken” angeordnet.
Ihr Besitz wird requiriert, sie selbst sollen in den neu geschaffenen Kolchosen arbeiten.
Jeder Bauer, der passiven oder aktiven Widerstand leistet, Getreide versteckt oder vergräbt, ist zu erschießen oder in ein Lager einzuweisen, lautet eine Order des Politbüros an alle lokalen Parteikomitees.
Aus den Städten werden „Arbeiterbrigaden“geschickt.
Zehntausende meist junge und überzeugte Kommunisten fallen in die Dörfer ein, enteignen innerhalb weniger Wochen zehn Millionen Höfe und “siedeln” über 2,5 Millionen Menschen um.

Der Bau des Ostsee-Weißmeer-Kanals im Jahr 1932. Auf der Großbaustelle wurden tausende sogenannte „Sondersiedler“ und Gulag-Häftlinge als Zwangsarbeiter eingesetzt.
Das gibt der russischen Landwirtschaft den Rest.
Die im fernen Moskau angeordnete Zwangskollektivierung stellt die traditionelle bäuerliche Gemeinschaft von den Füßen auf den Kopf; Dorfstrukturen werden zerstört und ehemals frei wirtschaftende Bauern zu Tagelöhnern degradiert – es gibt zahlreiche Unruhen und Angriffe auf staatliche Emissäre.
Mindestens zwei Millionen „Kulaken“ werden von Geheimpolizei und Armee nach Zentralasien und Sibirien deportiert, Hunderttausende sterben an Hunger, Entkräftung und Seuchen.
Stalin ist das egal — er hat seine eigenen Themen:
Stalins 2. Ehefrau Nadezhda (Nadja) Alliluyeva
1932: Der Tod von Stalins zweiter Ehefrau Nadja
„ … Wir schreiben den 8. November 1932. Draußen leichter Schneefall. Im Kreml bereiten sich Nadja und Josef Stalin unterschiedlich auf das abendliche Dinner zur Feier des fünfzehnten Jahrestages der russischen Revolution vor. Stalin unterzeichnet gemeinsam mit Molotow Exekutionslisten für Aufständische, Verräter und Verdächtige, die am nächsten Tag liquidiert werden sollen. Und Nadja nimmt ein Bad. Sie schminkt sich sogar, was sie sonst nie tut, sie zieht das schwarze Kleid an, das ihre Schwester Anna ihr aus Berlin mitgebracht hat, mit Rosen bestickt. Sie dreht sich vor dem Spiegel. Ihre Schwester applaudiert und steckt ihr eine Teerose ins dunkle Haar.
Stalin kommt nach getaner Arbeit mit seinem innersten Kreis zum Essen zusammen, er hat eine abgewetzte Uniformjacke an, die grauen Haare stehen ihm zu Berge, mürrisch setzt er sich an die gedeckte Tafel. Es gibt georgisches Essen, zu seinen Ehren, Lamm, gesalzenen Fisch, ein bisschen Salat. Als er seine Frau am Tisch sieht, nimmt er keine Notiz von ihr. Sie beginnt mit ihrem Nebenmann zu flirten. Und laut darüber zu sprechen, wie sehr ihr die ukrainischen Bauern zu Herzen gehen, die an Hunger sterben.
Stalin sitzt ihr gegenüber und trinkt einen Wodka nach dem anderen. Dann fängt auch er an zu flirten, mit Galia Jegorowa, die es sichtlich genießt. Und die sich auch nicht wehrt, als Stalin anfängt, ihr kleine Kugeln, die er aus Brotteig geformt hat, in den Ausschnitt zu schnippen. Nadja beobachtet all das entsetzt von der anderen Seite des Tisches. Sie wird wütend. Sie redet immer lauter über Stalins brutales Vorgehen gegen die Bauern. Er will sie unterbrechen, hebt ein Glas und ruft: “Auf die Vernichtung aller Staatsfeinde! Nastrovje!” Alle anderen heben sofort ihr Glas — nur Nadja nicht. Er ruft ihr zu: “Hej, sauf mit uns!” Da entgegnet sie: “Ich heiße nicht Hej.” Eisige Stille. Alle erstarren. Nadja steht auf, lässt alles stehen und liegen, stürmt aus dem Saal. Molotows Frau läuft ihr nach, will sie beruhigen, drinnen lästern derweil die Männerlaut über die Launen hysterischer Weiber.
Irgendwann sehr spät in dieser Nacht kehrt Josef Stalin zurück in die heimische Wohnung. Ob er die Stunden davor mit seiner Tischdame verbracht hat oder draußen in einer Datsche, wo die Runde weiterfeierte, man weiß es nicht genau. Man weiß nur, dass er so betrunken ist, dass er irgendwann in sein Feldbett fällt, in dem er auch als Herrscher über ein riesiges Reich zu schlafen liebt, fernab vom Schlafzimmer seiner Gattin. Als er am nächsten Tag um elf Uhr aus schweren Träumen erwacht, sagt ihm das Hausmädchen, dass sich seine Frau in dieser Nacht erschossen hat. …“
Aus: Florian Illies, Liebe in Zeiten des Hasses: Chronik eines Gefühls 1929–1939*
Holodomor: Stalin und die Ukraine
Die neu geschaffenen Zwangskollektive arbeiten schlecht, die Produktionszahlen sinken.
In den Jahren von 1932 bis 1934 folgt der Katastrophe die nächste Katastrophe: Nach mehreren Missernten bricht eine Hungerkatastrophe aus, der Millionen Menschen zum Opfer fallen.
Am schlimmsten trifft es die Ukraine, wo rund 3,5 Millionen Menschen sterben.
Für Stalin sind die Ukrainer an ihrem Elend selbst schuld.
Er lässt die Grenzen zu anderen Sowjetrepubliken schließen, niemand darf dem Hunger entfliehen.
Dörfer, die ihr Abgabesoll für Getreide nicht erfüllen können, werden abgeschottet, Flucht vor dem Hunger ist ausgeschlossen.

Die Opfer des Hungers. Fußgänger und Leichen verhungerter Bauern auf einer Straße in Charkiw, 1933
Holodomor (ukrainisch Holo, Hunger; mor, Vertilgung) ist das ukrainische Wort für eine der größten Katastrophen in der Geschichte der Ukraine.
„Wer nicht arbeitet, soll nicht essen.“
Stalin
Jedem, der es wagt, widerspenstig zu sein, wird in der Sowjetunion eine fürchterliche Lektion erteilt.
Mit den hungernden Bauern, eine Art „innerer Kolonie“ geht allerdings auch sein Plan auf, die Sowjetunion zu industrialisieren.
Denn „sein” Reich ist eines der rückständigsten weltweit.
Ist das Morden für den Fortschritt eine unumgängliche Notwendigkeit?
Im Jahr 1931 verkündet Stalin prophetisch:

Die Industrieproduktion steigt tatsächlich — bei der Zahl der produzierten Kraftfahrzeuge sbeispielsweise von 1929 mit 2500 Fahrzeugen auf 200.000 Fahrzeuge im Jahr 1937.
Der Große Terror: Massenmord zum Vergnügen?
„Das größte Vergnügen” , hatte Stalin einmal zu seinem „Freund“ Kamenew gesagt, den er zusammen mit Sinowjew 1936 hinrichten lässt, „ist es, den Feind auszumachen, alle Vorbereitungen zu treffen und dann ins Bett zu gehen.
Ist das millionenfache grausame Morden in der Zeit der „Entkulakisierung“ sehr mühsam, aber doch noch einigermaßen mit der Notwendigkeit einer forcierten Industrialisierung rational begründbar, so verschlägt es Historikern angesichts der 1936 beginnenden Stalinistischen Säuberungen die Sprache.

Stalin und Dimitrow (rechts) in Moskau (1936)
Auslöser für die Phase des „großen Terrors“ ist die Ermordung des Leningrader Parteisekretärs Sergei Kirow im Jahr 1934, von der Stalins Nachfolger Nikita Chruschtschow später – ohne es zu beweisen – behauptet, Stalin habe den Mord selbst angeordnet.
Ob von ihm selbst befohlen oder nicht, der „Woschd“ nimmt den Tod seines Parteifreunds zum willkommenen Anlass, um mit dem „Gesetz vom 1. Dezember“ umgehend Notstandmaßnahmen zu erlassen.
Die ermöglichen es, echte oder vermeintliche Gegner ohne Gerichtsverhandlung zu verhaften und sofort zu bestrafen – bis hin zur Erschießung. Diese Möglichkeiten werden in den Monaten des Großen Terrors ausgiebig genutzt.
Nachvollziehbare Gründe für den „großen Terror“ gibt es nicht.
In den Jahren von 1936 bis 1939 wird knapp ein Prozent aller Sowjetbürger – insgesamt 1,5 Millionen Menschen – verhaftet, gefoltert und viele von ihnen hingerichtet.
1937 und 1938 gibt die Zentrale in Moskau sogar Quoten vor.
Dokumentiert ist beispielsweise ein Befehl Stalins vom 30. Juli 1937, gemäß dem mindestens 79 950 „ehemalige Kulaken, Kriminelle und andere antisowjetische Elemente” zu erschießen und 193 000 zu acht- bis zehnjähriger Lagerhaft zu verurteilen seien.
Die NKWD-Büros vor Ort suchten daraufhin in ihren Akten nach passenden Kandidaten, die dann verhaftet und gefoltert wurden, um Geständnisse und weitere Namen zu liefern.
Eine Troika bestehend aus dem örtlichen NKWD-Chef, dem örtlichen Parteichef und einem Staatsanwalt fällte die Todesurteile. Die Exekutionen fanden immer nachts statt, oft irgendwo im Wald.
Zwei Mann hielten den Gefangenen fest, ein dritter schoss ihm ins Genick.
Der Terror der Stalin-Zeit
„Kind 44“ verbindet einen spannenden Serienmörder-Thriller mit einem beklemmenden Blick in die Welt der Stalin-Diktatur.
Ein atmosphärisch dichter Roman, der historische Realität und Nervenkitzel außergewöhnlich intensiv miteinander verbindet — nichts für schwache Nerven!
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Stalin und die Psychologie des Terrors
Nach und nach wird fast die gesamte politische, intellektuelle, wirtschaftliche und militärische Elite der Sowjetunion ausgelöscht. Fast alle Revolutionäre, die sich 1917 als Bolschewiki an die Macht geputscht hatten, werden umgebracht. Die gesamte militärische Führung wird ausradiert.
Doch der Terror trifft nicht nur prominente Parteikader.
Hunderttausende angebliche „Volksfeinde“ werden verhaftet, deportiert oder ermordet. Unter Folter erzwingt die Geheimpolizei Geständnisse, in inszenierten Schauprozessen werden absurde Verschwörungen konstruiert — angeblich im Bündnis mit Trotzki, England oder sogar Adolf Hitler.
Aber warum?

„Manchmal haben wir, wenn wir von den Gräueltaten der Geschichte hören, den Eindruck, die ideellen Motive hätten den destruktiven Gelüsten nur als Vorwand gedient“, formuliert es Sigmund Freud.
Zu diesem Schluss kommt auch der Historiker Jörg Baberowski in seinem lesenswerten Buch Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt*.
Für Barberowski erfüllt Stalin als Persönlichkeit alle Kriterien eines Psychopathen: Gefühlskälte, Gewissenlosigkeit, ein manipulatives Verhältnis zur Umwelt und die Unfähigkeit, Reue oder Mitgefühl mit anderen Menschen zu empfinden.
Die Tragik jener Zeit ist, dass Stalin so handeln konnte, wie er es für richtig hielt.
Größtenteils unwidersprochen, denn auch für viele Intellektuelle jener Tage blieb er trotz aller offenkundigen Grausamkeiten ein Held: Lion Feuchtwanger, Ernst Bloch, Heinrich Mann oder auch Dashiell Hammett rechtfertigten die Moskauer Schauprozesse und verklärten die UDSSR zum Reich der Vernunft.
Für sie wie für viele andere bedeutet Stalin das Bollwerk gegen einen noch größeren Psychopathen, der die Welt zu dieser Zeit in Atem hielt: Adolf Hitler.
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Wer war eigentlich „Stalin“? (3)
Copyright: Agentur für Bildbiographien, www.bildbiographien.de 2014, überarbeitet 2026
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Berlin 1929: Mord, Machtkampf und politische Gewalt
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Hitler oder Stalin? Im Sommer 1936 trifft die Welt zwei Mal aufeinander: Bei der Olympiade in Berlin und auf den Schlachtfeldern des Bürgerkriegs in Spanien. Ein Jahr, das verheißungsvoll und mit der Hoffnung begonnen hat, den Hitler-Irrsinn endlich gemeinsam stoppen zu können, endet in einem Rausch aus Blut und Terror.
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Stalin I: Iosseb Wissarionowitsch Dschugaschwili, genannt Stalin, gilt neben Adolf Hitler als einer der grausamsten Diktatoren in der Geschichte der Menschheit. Als Lenins „Mann fürs Grobe“ beginnt er seine Karriere mit Intelligenz und Skrupellosigkeit. Durch menschenverachtende Härte wird er ab 1924 zum allmächtigen KP-Generalsekretär — und zum gefürchteten Alleinherrscher über die Sowjetunion.
Wer war eigentlich Stalin? Teil 1
Stalin in Deutschland: 1923. Fünf Jahre sind seit dem Ende des Weltkrieges vergangen, aber Deutschland kommt nicht zur Ruhe. In Hamburg üben die Kommunisten Weltrevolution und für wenige Stunden gibt es eine „Sowjetrepublik Stormarn“. Ernst Thälmann, Hamburgs charismatischer KPD-Führer, bringt sich für seine weitere Karriere in Stellung, Stalin und Hitler mischen auch mit.
Hamburg auf den Barrikaden
Schwarze Pädagogik: Schläge und schweigen, verdrängen und neu inszenieren, sind die Muster, die Kinderseelen brechen und das Konzept der ‘Erziehung mit harter Hand’ von einer Generation auf die nächste überträgt. Über Alice Miller, Hitlers Mitläufer und Mörder und über schwarze Pädagogik, die aus Opfern Täter macht.
Die Erlaubnis zu hassen
Das “Unternehmen Barbarossa”: Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass ausgerechnet der sonst bis zur Paranoia misstrauische Stalin die Zeichen der Zeit nicht erkennt. Aber auch Stalin kann sich nicht vorstellen, dass Hitler und seine Generäle so verrückt sein könnten, einen Zweifrontenkrieg zu wagen.
Hitlers Krieg: 1941
Bildnachweise
Original: Delegierte des 8. Kongresses der russsischen KP (Bolschewiki), Februar 1919. Autor Unbekannt, Gemeinfrei
Leo Trotzki, veröffentlicht von Century Co., New York, 1921 — Datei: Lev Trotsky.jpg, via Wikimedia Commons, gemeinfrei
„Wir vertreiben die Kulaken aus den Kolchosen“ (Propagandaplakat, 1930), Autor unbekannt, via HistoryWiz / Wikimedia Commons, gemeinfrei
Bau des Ostsee-Weißmeer-Kanals (1932), Gemeinfrei, via Wikimedia Commons
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1319012
Personal portrait photo of Nadezhda Alliluyeva, gemeinfrei
Die Opfer des Hungers. Fußgänger und Leichen verhungerter Bauern auf einer Straße in Charkiw, 1933.
Foto: Gareth Jones / Sammlung Kardinal Theodore Innitzer (Archiv der Diözese Wien), Basil Marochko (Institut für Geschichte der Ukraine), via Wikimedia Commons, gemeinfrei.
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Zitat Stalin (1931): “Wir sind hinter den fortgeschrittenen Ländern um 50 bis 100 Jahre zurückgeblieben. Wir müssen diese Lücke in zehn Jahren schließen … oder wir werden zermalmt.” Im Hintergrund: Sowjetischer Pavillon von Boris Iofan, Weltfachausstellung Paris 1937. Autor unbekannt, éditeur La Photolith – Album officiel: Exposition internationale des Arts et des techniques appliqués à la vie moderne – Paris 1937, gemeinfrei
Stalin und Dimitrow (rechts) in Moskau, 1936, gemeinfrei, via Wikimedia Commons
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Generationengespräch
Geschichte und Psychologie
Vergangenes verstehen, um mit der Zukunft besser klar zu kommen.

Dr. Susanne Gebert
Generationengespräch
Agentur für Bildbiographien
Geschenke made for Mama
Geschichte & Psychologie
Die Vergangenheit verstehen, um mit der Zukunft besser klar zu kommen







