Das Zeitalter der Narzissten?

 

Das Zeitalter der Narzissten:Die Selbstsucht besteht nicht darin, dass man lebt, wie man will, sondern dass man von anderen verlangt, sie sollen leben, wie man will.

Wer Nar­ziss begeg­net, trifft auf eine ein­neh­men­de, intel­li­gen­te und glän­zen­de Per­sön­lich­keit, die auf ande­re sehr ver­füh­re­risch wirkt. Aber sobald man Nar­ziss näher ken­nen­lernt, zei­gen sich Ris­se in sei­ner per­fek­ten Fas­sa­de: sei­ne Ego­zen­trik, sei­ne tie­fe Über­zeu­gung, allen ande­ren über­le­gen zu sein, sei­ne Wut.
Kann man Nar­ziss ent­kom­men?

In der grie­chi­schen Mytho­lo­gie ist Nar­ziss der schö­ne Sohn des Fluss­got­tes Kephis­sos, der beim Ver­such, sein Spie­gel­bild in einem Teich zu küs­sen, ertrinkt.
Auch im Hier und Heu­te sind Nar­ziss­ten meis­tens Män­ner, wobei in der Regel nicht sie selbst, son­dern die Men­schen, die das Pech haben, sich in einen Nar­ziss zu ver­lie­ben, baden gehen.

Kann man Nar­ziss ent­kom­men?

Narziss: Vom Verführer zum Manipulator

Jen­seits der alten Grie­chen, im wirk­li­chen Leben, ver­steht man unter Nar­ziss­mus die ‚krank­haf­te Eigen­lie­be’ eines  — meis­tens männ­li­chen — Men­schen.
Nar­ziss­tisch gepräg­te Men­schen haben eine Lebens­an­schau­ung, die das Leben ihrer Umge­bung, vor allem aber das ihrer Part­ne­rin­nen und Part­ner zum Alb­traum wer­den lässt.

Das Zeitalter der Narzissten:Die Selbstsucht besteht nicht darin, dass man lebt, wie man will, sondern dass man von anderen verlangt, sie sollen leben, wie man will.

 

Die Selbst­sucht besteht nicht dar­in, dass man lebt, wie man will, son­dern dass man von ande­ren ver­langt, sie sol­len leben, wie man will.”
Oscar Wil­de


Man kann Men­schen dazu brin­gen, ihr Ver­hal­ten zu ändern, wenn man ihnen eine Pis­to­le an den Kopf hält oder eine genü­gend gro­ße Geld­sum­me anbie­tet.
Mit Druck oder  Beloh­nung erreicht man eine kurz­fris­ti­ge Ver­hal­tens­än­de­rung, die weg­fällt, sobald der Druck oder die Beloh­nung nicht mehr vor­han­den sind.

Wer wirk­lich das Herz und den Ver­stand eines Men­schen gewin­nen möch­te und des­sen Ver­hal­ten dau­er­haft (zuguns­ten sei­nes eige­nen Vor­teils) ver­än­dern will, muss sein Gegen­über mani­pu­lie­ren.
Nar­ziss­ten sind groß­ar­ti­ge Mani­pu­la­to­ren. Sie schaf­fen es, ihre Mit­men­schen Din­ge tun oder füh­len zu las­sen, die ihnen eigent­lich fremd sind. Sie ver­än­dern sich Nar­ziss zulie­be, ohne Zwang und ohne Kon­trol­le, statt­des­sen mit dem Gefühl, sich aus frei­en Stü­cken dazu ent­schlos­sen und eine Wahl gehabt zu haben.

Mani­pu­la­ti­on ist ein klu­ger Schach­zug, wenn man etwas von ande­ren will, denn Men­schen has­sen es, kon­trol­liert zu wer­den.
Wenn uns unser Gegen­über zu sehr drängt, wer­den wir miss­trau­isch, füh­len uns beläs­tigt, ärgern uns und pochen dar­auf, unse­re Wahl­mög­lich­keit zu behal­ten. Auf Zwang und Kon­trol­le reagie­ren wir sehr sen­si­bel, Mani­pu­la­tio­nen kön­nen wir meis­tens nicht ein­mal erken­nen.

“Jeder der schon ein­mal mit einem eigen­sin­ni­gen Kind zu tun hat­te, kennt das Sze­na­rio aus eige­ner Erfah­rung. Ver­bie­ten Sie dem Kind etwas, und es ist von Stund an gera­de­zu davon beses­sen.”
Robert Levi­ne, Die gro­ße Ver­füh­rung. Wie die Regeln der Mani­pu­la­ti­on funk­tio­nie­ren

Narziss und die Liebe

Ein Mär­chen­prinz – so prä­sen­tiert sich Nar­ziss den Frau­en an sei­ner Sei­te in den ers­ten Wochen des Ken­nen­ler­nens.
Doch der schö­ne Schein trügt. Sobald die ers­te Pha­se des Ver­liebt­seins vor­über ist und der All­tag beginnt, wird es für einen nar­ziss­tisch gepräg­ten Men­schen schnell zu lang­wei­lig oder zu eng. Jetzt zeigt sich sei­ne ande­re Sei­te: Eine Lie­bes­be­zie­hung mit einem nar­ziss­tisch ver­an­lag­ten Mann (das ist die häu­figs­te Kon­stel­la­ti­on, “geht” aber natür­lich auch umge­kehrt) bedeu­tet immer, dass nur einer von bei­den geliebt wird und der ande­re liebt.

In einer län­ge­ren Bezie­hung hält Nar­ziss nach den Regeln der Mani­pu­la­ti­on die Flam­me auf der nied­rigs­ten Stu­fe und gibt gera­de so viel, dass die Part­ne­rin nicht ent­täuscht das Hand­tuch wirft.
Im Gegen­zug voll­bringt sie selbst Höchst­leis­tun­gen, um ihren ver­meint­li­chen Prin­zen gnä­dig zu stim­men. Denn den “Feh­ler” in ihrer Bezie­hung — das ist das Fata­le sol­cher Ver­bin­dun­gen — sucht sie immer bei sich selbst.

Nar­ziss …

  • ist auf den ers­ten Blick fas­zi­nie­rend, intel­li­gent und ver­füh­re­risch.
  • urteilt schnell und pro­vo­ziert ger­ne.
  • ist unbe­re­chen­bar. Ihm macht es Spaß, ande­re zu über­ra­schen.
  • möch­te unent­behr­lich und ein­zig­ar­tig sein. Wird ihm die­ses Gefühl nicht zuge­stan­den, macht jemand mög­li­cher­wei­se sogar Anstal­ten, ihn zu beur­tei­len, oder auch nur einem Hauch von Kri­tik zu üben, reagiert ein nar­ziss­tisch ver­an­lag­ter Mensch mit Ableh­nung und Wut.
  • kann sich über Klei­nig­kei­ten maß­los auf­re­gen.
  • wer­tet ande­re ab, um sich selbst auf­zu­wer­ten. Nar­ziss­ten erken­nen intui­tiv die Schwach­stel­len ihres Gegen­übers und hacken ger­ne dar­auf her­um.
  • mag es, wenn sich ande­re schwach zei­gen, damit er ihnen zur Hil­fe eilen und sich als unent­behr­lich und über­le­gen prä­sen­tie­ren kann.
  • hält sei­nen Besitz, sei­ne Hob­bys und sei­ne Vor­lie­ben für nicht zu über­tref­fen, allein weil sie ‚seins‘ sind. Alles, was er hat und ist, wird zur Erwei­te­rung sei­nes Ichs; des­halb gibt es in sei­nen Augen auch kei­ne ande­re, gleich­wer­ti­ge oder sogar bes­se­re Alter­na­ti­ve, auch wenn objek­ti­ve Grün­de dafür spre­chen.
  • gibt sich ger­ne kri­tisch. Auf Part­ne­rin­nen, die ihm zu stark sind, geht er los, um sie zu schwä­chen. Wird die Frau an sei­ner Sei­te aller­dings zu schwach, inter­es­siert er sich nicht mehr für sie und ver­lässt sie.
  • hat Angst vor Nähe. Mit­un­ter bricht er eine Bezie­hung schlag­ar­tig ab, weil sie ihm zu eng wird. Bleibt er in einer Bezie­hung, möch­te er umsorgt und umhegt wer­den und erwar­tet, dass sei­ne Part­ne­rin sich sei­nen Wün­schen anpasst. All­tag lang­weilt und frus­triert ihn, zur Not insze­niert er Kri­sen, um über­haupt etwas emp­fin­den zu kön­nen. Wenn Nar­ziss kei­ne Anre­gung hat und er sich gelang­weilt fühlt, wird es für sei­ne Mit­men­schen schwie­rig.
  • schafft es, sei­ne Partnerin(nen) in einer soge­nann­ten „Dou­ble-Bind-Situa­ti­on“ fest­zu­hal­ten: „Egal, was Du tust – es ist das Fal­sche!

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Steckengeblieben im kindlichen Ego-Zentrum

Die Grün­de für Nar­ziss­mus wer­den in der Kind­heit ver­mu­tet.

Wir alle sind gebo­re­ne Mani­pu­la­to­ren, jeder Mensch trägt nar­ziss­ti­sche Züge in sich.
Nar­ziss­mus ist zunächst nichts wei­ter als eine gesun­de Über­le­bens­stra­te­gie: Jedes Baby muss sich erst auf sich selbst kon­zen­trie­ren und als „Selbst“ wahr­neh­men und lie­ben, bevor es los­mar­schie­ren und Stück für Stück sei­ne Welt erobern kann.

In den ers­ten Lebens­pha­sen ist jedes Kind sein eige­nes klei­nes „Ego-Zen­trum“, um das alle ande­ren – vor allem: Mama! – krei­sen sol­len.

Kin­der haben ein natür­li­ches nar­ziss­ti­sches Bedürf­nis nach Auf­merk­sam­keit und Zuwen­dung. Von klein auf möch­ten sie als das Zen­trum der eige­nen Akti­vi­tät gese­hen, beach­tet und ernst genom­men wer­den, im Ide­al­fall ist die Mut­ter der Spie­gel ihrer Gefüh­le, bei der sie ohne Ver­lustangst auch nega­ti­ve Stim­mun­gen wie Angst, Zorn oder Trau­er aus­le­ben kön­nen.
Beson­de­re Erzie­hungs­maß­nah­men sind laut Mil­ler für die glück­li­che und gesun­de Ent­wick­lung eines Kin­des nicht not­wen­dig; es genügt, wenn es als eige­nes Wesen wahr­ge­nom­men wird und so, wie es ist, gestützt und geför­dert wird.

Ein Kind muss die Mög­lich­keit haben, sei­ne Eigen­art und Beson­der­heit aus­le­ben zu dür­fen (mit Respekt, aber auch mit Anlei­tung: Eine der bekann­tes­ten Kind­heits­for­sche­rin­nen, Ali­ce Mil­ler, war erklär­te Geg­ne­rin der soge­nann­ten „anti­au­to­ri­tä­ren Erzie­hung“).
Erst das Aus­pro­bie­ren der eige­nen Bedürf­nis­se und Gefüh­le, för­dert beim Klein­kind ein gesun­des Selbst­emp­fin­den und im spä­te­ren Leben ech­tes sozia­les Ver­hal­ten.


Ein klei­nes Kind, das sich unsi­cher, schwach oder unter­le­gen fühlt, wird zum Schrei­hals, Auf­schnei­der oder Ange­ber, um auf sich und sei­ne Bedürf­nis­se auf­merk­sam zu machen.
Das ist eine sinn­vol­le und bei Kin­dern akzep­tier­te Stra­te­gie, die ver­hin­dert, dass sie sich ver­schreckt zurück­zie­hen, anstatt sich hin­aus­zu­wa­gen, um von ihrer Umwelt zu ler­nen.
Unan­ge­nehm und zur Per­sön­lich­keits­stö­rung wird Nar­ziss­mus erst, wenn Men­schen in die­ser Pha­se ste­cken blei­ben; wenn sich Ego­zen­trik und Eigen­lie­be ins Gren­zen­lo­se stei­gern und zur ein­zi­gen Form des Wohl­be­fin­dens wer­den.

Nichtur­tei­len ist ein wesent­li­cher Schlüs­sel zur Wei­ter­ent­wick­lung, denn das grund­le­gen­de Pro­blem von Men­schen mit einer nar­ziss­ti­schen Stö­rung liegt an ihrem Man­gel an ech­ter Selbst­lie­be. Die­se feh­len­de Lie­be bewirkt, dass sie auf emo­tio­na­ler Ebe­ne so ange­spannt und hilf­los sind, so wehr­los ange­sichts auch nur des gerings­ten Wider­spruchs, dass sie sich äußerst unwohl füh­len — in sol­chem Maße, dass sie ihre Schat­ten­an­tei­le und/oder Span­nun­gen auf die Umge­bung abwäl­zen oder pro­ji­zie­ren müs­sen; oder aber sie machen sich selbst etwas vor und stel­len sich auf ein Podest, um eine Pseu­do-Selbst­ach­tung zu wah­ren. Das ist auch einer der Grün­de dafür, war­um es für sie uner­träg­lich ist, kon­ti­nu­ier­lich in ver­trau­tem Umgang mit jeman­dem zu sein: Wenn man sich selbst nicht freund­schaft­lich gegen­über­steht, hat man ein star­kes Bedürf­nis nach Zei­ten des Allein­seins, um zur Ruhe zu kom­men. Es fällt einem schwer, jemand ande­ren dau­er­haft nahe zu sein, denn eine sol­che Nähe kon­fron­tiert uns mit uns selbst.”
Anne van Stap­pen, Das klei­ne Übungs­heft: Mit schwie­ri­gen Zeit­ge­nos­sen umge­hen

Nar­ziss­tisch ver­an­lag­te Men­schen sind in ihrem Inne­ren tief ver­letzt, wol­len davon aber nichts wis­sen.
Der Unter­schied zwi­schen einem „nor­ma­len“ Men­schen und einem neu­ro­ti­schen Nar­ziss­ten liegt in ihrer Kri­tik- und Lern­fä­hig­keit.
Neu­ro­ti­ker – zu denen auch Nar­ziss­ten gehö­ren – reagie­ren stur mit immer ein und dem­sel­ben Ver­hal­tens­mus­ter, wäh­rend „Nor­ma­le“ situa­ti­ons­an­ge­passt agie­ren und ihr Ver­hal­ten ändern, sobald ihre her­kömm­li­chen Ver­hal­tens­wei­sen sie nicht wei­ter­brin­gen.
Wir alle ler­nen ein Leben lang durch Imi­ta­ti­on “rich­ti­ges” sozia­les Ver­hal­ten. Nur durch Dazu­ler­nen kön­nen wir uns auf neue Situa­tio­nen und Her­aus­for­de­run­gen ein­stel­len. Men­schen suchen sich ande­re Men­schen als Vor­bil­der und ahmen deren Ver­hal­tens­wei­sen nach, wenn sie in schwie­ri­gen oder unkla­ren Situa­tio­nen unsi­cher sind.

Die Rei­he “Biblio­thek der guten Gefüh­le” hält genau das, was sie ver­spricht: Sehr lie­be­voll gestal­te­te Hef­te, mit kur­zen prä­gnan­ten Tex­ten zum jewei­li­gen The­ma und vie­len klei­nen und ein­fach zu befol­gen­den Übun­gen. Für alle, die gera­de mit einem The­ma beschäf­tigt sind, oder zum Ver­schen­ken. Anne van Stap­pen, Das klei­ne Übungs­heft: Mit schwie­ri­gen Zeit­ge­nos­sen umge­hen*, Tri­ni­ty Ver­lag, 2014

Um über­haupt dazu­ler­nen zu kön­nen müs­sen wir bereit sein, uns mit uns selbst und unse­rer Umwelt kri­tisch aus­ein­an­der­zu­set­zen und anzu­er­ken­nen, dass nicht immer „die Ande­ren“ schuld sind, wenn etwas schief läuft – unterm Strich also: Ehr­lich­keit, Selbst­re­flek­ti­on und auch Selbst­kri­tik da, wo sie ange­mes­sen ist.
Und genau das schaf­fen Nar­ziss­ten nicht.

Kann man Narziss ändern, „heilen” oder „retten”?

Eigent­lich nicht.
In der Regel bringt uns erst ein Lei­dens­druck, vor­an und sorgt dafür, dass wir unser Ver­hal­ten und unse­re inne­re Ein­stel­lung ändern: eine Bezie­hung, die schief gelau­fen ist, ein Pro­jekt, mit dem man Schiff­bruch erlit­ten hat.
Mit unse­rem Lei­dens­druck im Nacken über­den­ken wir unse­re Ent­schei­dun­gen und Hand­lun­gen, neh­men sie  noch­mal kri­tisch unter die Lupe und über­le­gen, wel­chen Anteil wir selbst an unse­rem Unglück haben.
Nicht so Nar­ziss­ten, ihr Lei­dens­druck bleibt ersatz­los gestri­chen, denn “schuld” sind bekannt­lich immer die ande­ren.

Die­se Lebens­ein­stel­lung ist bequem.
Sie lässt die Ande­ren baden gehen, Nar­ziss selbst laviert sich weit­ge­hend unbe­scha­det durch unan­ge­neh­me Situa­tio­nen. Ohne Lei­dens­druck muss er auch nichts ändern. War­um auch? Schließ­lich sind es sei­ne Mit­men­schen, die sei­nen Ansprü­chen und Erwar­tun­gen nicht genü­gen.

Zu einer (Liebes-)Beziehung gehö­ren bekannt­lich immer zwei.
In einer mani­pu­la­ti­ven Bezie­hung sind die Rol­len laut Dreh­buch klar beschrie­ben: einer, der han­delt, und einer, der sich behan­deln lässt; ein Mani­pu­lie­ren­der und ein Mani­pu­lier­ter.
Es gibt aber kei­ne Not­wen­dig­keit, sich an die­ses Dreh­buch zu hal­ten. Um (s)ein Dra­ma zu stri­cken, benö­tigt Nar­ziss ein Opfer — wenn es kein Opfer mehr gibt, kann es auch kei­ne nar­ziss­ti­schen Mani­pu­la­tio­nen mehr geben.

Nar­ziss­mus als Chan­ce — nicht für Nar­ziss, der sich nur äußerst sel­ten von sei­nem Weg abrin­gen las­sen wird — , son­dern für die­je­ni­gen, die an Nar­ziss lei­den. Denn jeder darf das schein­bar vor­ge­ge­be­ne Dreh­buch ver­las­sen, um zu wach­sen:

“Mit Men­schen, die Sie als schwie­rig erle­ben, zusam­men sein und — gera­de wenn Sie Ihnen nahe­ste­hen — , ein offe­nes Herz für sie bewah­ren, das ist eine ech­te Her­aus­for­de­rung! Die­se Her­aus­for­de­rung kann Sie ent­we­der erschöp­fen und zer­stö­ren — oder Sie wach­sen an Ihr! Für die, deren täg­li­ches Los das Zusam­men­le­ben mit solch schwie­ri­gen Men­schen ist, ist es nun an der Zeit, sich von zwei recht ver­brei­te­ten mensch­li­chen Nei­gun­gen zu ver­ab­schie­den: der Nei­gung, sich zu einem Opfer zu machen, das jam­mert und sich ver­tei­digt, oder der, sich zum rache­durs­ti­gen Hen­ker auf­zu­schwin­gen.”
Anne van Stap­pen, Das klei­ne Übungs­heft: Mit schwie­ri­gen Zeit­ge­nos­sen umge­hen


Die Generation „Ich“

Nar­ziss­ten gibt es – grob gesagt – in zwei Aus­füh­run­gen.
Es gibt den „gran­dio­sen“ Typ, der sich in allem und jedem ‚GROß-artig” fühlt, und den „depres­si­ven“ Typ, der glaubt, von allen ver­ra­ten und ver­kauft zu wer­den, und der zum Mau­ler wird, sobald man ihn näher ken­nen­lernt.

Nar­ziss­tisch ver­an­lag­te Men­schen sind gebo­re­ne Mani­pu­la­to­ren und beherr­schen das Spiel von “Zucker­brot und Peit­sche” per­fekt. Für die Bedürf­nis­se, Vor­lie­ben und Nöte ihrer Mit­men­schen haben sie kein Ohr, sie kön­nen weder gut zuhö­ren noch sind ihre sozia­len Ver­hal­tens­mus­ter dar­auf aus­ge­legt, eine posi­ti­ve “Win-Win” Situa­ti­on für bei­de Sei­ten zu erzeu­gen. Sie wol­len von ande­ren pro­fi­tie­ren und ver­schaf­fen sich durch Ver­füh­rung und Mani­pu­la­ti­on Auf­merk­sam­keit und Aner­ken­nung.
Zu ihren Guns­ten — nur zu ihren Guns­ten.

Tat­säch­lich machen ehr­lich gemein­te herz­li­che Ges­ten oder Hand­lun­gen Nar­ziss­ten in der Regel Angst, emo­tio­na­le Nähe birgt für sie das Risi­ko des Kon­troll­ver­lus­tes.
Die Kon­trol­le zu behal­ten ist für Nar­ziss­ten außer­or­dent­lich wich­tig. Jede Situa­ti­on muss unter allen Umstän­den im Griff behal­ten wer­den; sich zu öff­nen bedeu­tet für sie Schwä­che und schürt ihre Sor­ge, in die Defen­si­ve gera­ten zu kön­nen.

Eige­ne Feh­ler zuzu­ge­ben, fällt Nar­ziss­ten unge­mein schwer, statt­des­sen nei­gen sie dazu, ihre inne­re Unru­he und Lee­re auf ande­re zu pro­ji­zie­ren, um sich bes­ser zu füh­len. Falls es not­wen­dig ist, insze­nie­ren sie Kri­sen, um die Ober­hand zu behal­ten, sich ihrer eige­nen Macht über den ande­ren zu ver­si­che­ren und als Ven­til für eige­ne Sor­gen und Ängs­te.

Lan­ge Zeit galt Nar­ziss­mus als typisch männ­li­che Per­sön­lich­keits­stö­rung, aber Frau­en holen auf.
Frau­en
sind von Kin­des­bei­nen an dar­auf trai­niert, sich in eine Gemein­schaft ein­zu­fü­gen und mit ande­ren zu har­mo­nie­ren, statt zu kon­kur­rie­ren. Sich selbst als Mit­tel­punkt zu begrei­fen, liegt den meis­ten Frau­en nicht beson­ders, des­we­gen fin­det man unter Frau­en sel­ten ego­zen­tri­sche oder nar­ziss­ti­sche Ver­hal­tens­mus­ter.
Doch seit­dem Frau­en in Beruf und Gesell­schaft zuneh­mend „ihren Mann“ ste­hen, nimmt auch die Zahl an nar­ziss­tisch gepräg­ten Frau­en zu, auch wenn sie ihren Nar­ziss­mus in der Regel unauf­fäl­li­ger leben als Män­ner:

  • eine ich­zen­trier­te Wahr­neh­mung der Wirk­lich­keit,
  • eige­ne Inter­es­sen durch­set­zen – auch wenn ande­re dafür einen hohen Preis zah­len,
  • ein gefähr­li­ches Schwan­ken des Selbst­wert­ge­fühls zwi­schen him­mel­hoch­jauch­zend und Abgrund,
  • Flucht als Selbst­ver­tei­di­gung,
  • Ver­leug­nen der eige­nen Schwä­chen, Kri­ti­kun­fä­hig­keit
  • die Fas­sa­de einer selbst­si­che­ren und selbst­be­wuss­ten Per­sön­lich­keit, hin­ter der sich oft ein unsi­che­res, schwa­ches und nei­di­sches Selbst ver­steckt.

Vie­le Exper­ten gehen heu­te von einer Zunah­me nar­ziss­ti­scher Stö­run­gen aus, eini­ge spre­chen sogar vom “Zeit­al­ter der Nar­ziss­ten”.
Ändern kann man nar­ziss­tisch ver­an­lag­te Men­schen in der Regel nicht, wobei kein Mensch sein inne­res Wesen und sei­nen Cha­rak­ter auf Wunsch oder unter Zwang tat­säch­lich ver­än­dern will oder kann.

Nie­mand — bis auf eine Aus­nah­me: Jeder kann selbst bestim­men, ob er lei­den und sich zum Opfer machen las­sen will, oder ob er die Chan­ce ergreift, sich selbst ver­än­dert und an einer schwie­ri­gen Bezie­hung wächst.

Lesen sie im nächs­ten Bei­trag: Wenn die Lust nach­lässt — Das Casa­no­va-Gen — Glück­lich durch Dopa­min
Ist Fremd­ge­hen ange­bo­ren?

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www.bildbiographien.de, 2016


Buch­emp­feh­lun­gen
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Wer mit Nar­ziss zu tun (und zu kämp­fen) hat, ergreift am bes­ten die Flucht. Umber­ta Tel­fe­ner erklärt anhand vie­ler Fall­bei­spie­le, wie Nar­ziss­ten ‘ticken’ und zeigt Wege aus ver­korks­ten Situa­tio­nen, wenn Flie­hen kei­ne Opti­on ist.
Umber­ta Tel­fe­ner, Hil­fe, ich lie­be einen Nar­ziss­ten!*, Taschen­buch, Gold­mann Ver­lag, 2017

Die Rei­he “Biblio­thek der guten Gefüh­le” hält genau das, was sie ver­spricht: Sehr lie­be­voll gestal­te­te Hef­te, mit kur­zen prä­gnan­ten Tex­ten zum jewei­li­gen The­ma und vie­len klei­nen und ein­fach zu befol­gen­den Übun­gen. Für alle, die gera­de mit einem The­ma beschäf­tigt sind, oder zum Ver­schen­ken. Anne van Stap­pen, Das klei­ne Übungs­heft: Mit schwie­ri­gen Zeit­ge­nos­sen umge­hen*, Tri­ni­ty Ver­lag, 2014

Freund­schaft schlie­ßen mit unse­rem „inne­ren Kind“ , Glau­bens­sät­ze erken­nen – und sie ver­än­dern, wenn es not­wen­dig ist. Ein hilf­rei­ches Buch. Auch und beson­ders für Män­ner.
Ste­fa­nie Stahl, Das Kind in dir muss Hei­mat fin­den*, Kailash Ver­lag, 2015

Schwie­ri­ge und krän­ken­de Bezie­hun­gen sind oft das Ergeb­nis von Ver­hal­tens­mus­tern, die von Gene­ra­ti­on zu Gene­ra­ti­on wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Wer immer wie­der in die glei­chen Fal­len tappt, wird in die­sem sehr lesens­wer­ten Sach­buch vie­le wert­vol­le Infor­ma­tio­nen über „trans­ge­ne­ra­tio­na­le“ Ver­er­bung fin­den. Es ist nicht immer ganz ein­fach geschrie­ben, aber sehr fun­diert und durch vie­le Bei­spie­le berühm­ter Fami­li­en und Per­sön­lich­kei­ten sehr anschau­lich. Moni­ca McGold­rick, Wie­der heim­kom­men. Auf Spu­ren­su­che in Fami­li­en­ge­schich­ten*, Carl-Auer-Ver­lag, 2013

Wer wis­sen möch­te, wie Ver­füh­rung und Mani­pu­la­ti­on im Pri­va­ten, aber auch im Geschäfts­le­ben funk­tio­nie­ren, wird in die­sem sehr anschau­lich und gut ver­ständ­lich geschrie­be­nen Buch des Sozi­al­psy­cho­lo­gen Robert Levi­ne viel Inter­es­san­tes und Wis­sens­wer­tes fin­den. Robert Levi­ne, Die gro­ße Ver­füh­rung. Wie die Regeln der Mani­pu­la­ti­on funk­tio­nie­ren*
Piper Ver­lag GmbH, Mün­chen, 2005

Wei­ter­füh­ren­de Links zum The­ma Glück und Unglück:


Wie unse­re Stein­zeit­re­lik­te im Kopf aus Frem­den Freun­de machen, uns Vor­bil­der besche­ren und unser Leben beein­flus­sen, ohne dass wir es bemer­ken, geschwei­ge denn auch nur ansatz­wei­se Herr (oder Frau) der Lage sind.
Rich­ti­ge und fal­sche Vor­bil­der


Nichts ist für Män­ner so unse­xy wie eine lei­den­de, jam­mern­de, sich auf­op­fern­de oder wüten­de Frau.
Geben sich Müt­ter in ihrer Mut­ter­rol­le selbst ein “Lebens­läng­lich” und ver­trei­ben damit ihre Män­ner? Ste­cken Män­ner — Söh­ne — des­halb in der Kri­se? Ist es Zeit für die Eman­zi­pa­ti­on von der Mut­ter ihrer Kind­heit?
Der Mann in der Kri­se


Vie­le Men­schen drü­cken sich vor dem Ankom­men. Das geht ganz ein­fach, der Trick ist, dass man das, was man angeb­lich unbe­dingt möch­te, in uner­reich­ba­re Höhen hängt. Aus gutem Grund,  denn spä­tes­tens seit Geor­ge Ber­nard Shaw wis­sen wir, dass es im Leben zwei Tra­gö­di­en gibt: Die Nicht­er­fül­lung eines Her­zens-wun­sches — und sei­ne Erfül­lung.
Über Zie­le und wie man sie trotz­dem errei­chen kann.
Vor Ankom­men wird gewarnt!


Noch mehr Tipps und Tricks, psy­cho­lo­gi­sche Denk­fal­len und viel Wis­sens­wer­tes für ein bewuss­tes Leben fin­den Sie in unse­rer Blog-Kate­go­rie
Tipps für den All­tag


Mit erlern­ter Hilf­lo­sig­keit und selbst­er­fül­len­den Pro­phe­zei­un­gen kann man sich selbst sehr wir­kungs­voll sabotieren.Noch ein Watz­la­wick über die Stol­per­fal­len auf dem Weg zum Lebens­glück:
Selbst­er­fül­len­de Pro­phe­zei­un­gen


Bild­nach­weis:
Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, 2016


Wir müssten das alles mal aufschreiben Die Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en fer­tigt seit 2012 hoch­wer­ti­ge Bild­bän­de und Chro­ni­ken über Fami­li­en- und Unter­neh­mens-geschich­ten an, betreibt aber auch einen Shop mit exklu­si­ven Geschenk­ide­en und einen Ghost­wri­ting-Ser­vice. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den Sie auf unse­rer Home­page Bio­gra­phie & Ser­vice: Wir schrei­ben Geschichte(n)


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