Ein Platz an der Sonne oder: Wilhelm, das „Großmaul“

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Kaiser Wilhelm II zwischen 1910 und 1914, E. Bieber, Hofphotograph, Library of Congress, Prints and Photographs Division, Washington, D.C. 20540 US

In Berlin hat man mit Serbien und dem Balkan eigentlich nichts am Hut, seine Majestät, der 55-Jährige Kaiser Wilhelm II – auch „Wilhelm das Großmaul“´genannt – sucht den „Platz an der Sonne“ eher in Übersee. Trotzdem gibt es für ihn und seine Entourage gute Gründe, warum die Deutschen auf die Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgerpaars mit einem „Denkzettel für Serbien“ antworten sollen.

„Es wäre besser gewesen, Du wärest nie geboren worden“, soll ihm seine Mutter Victoria, die älteste Tochter der legendären britischen Queen Victoria (1819 – 1901), an den Kopf geworfen haben.

Ob dieser mütterliche Ausbruch tatsächlich so stattgefunden hat, ist nicht bekannt, aber eine glückliche Kindheit hatte Kaiser Wilhelm II, in späteren Jahren auch „Wilhelm das Großmaul“ genannt, mit Sicherheit nicht.
Sein persönlicher Kampf galt aber weniger der Mutter, sondern zeitlebens vor allem seinem verkürzten linken Arm.

Der war – vermutlich – nicht unwesentlich für den weiteren Lauf der Geschichte.

Zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt

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Kaiser Wilhelms II Mutter Victoria: „Victoria Princess Royal , 1857“ von Franz Xaver Winterhalter – Winterhalter and the courts of Europe. Transfered from de:Image:Victoria Princess Royal , 1857.jpg. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons

Dieser Arm ist von Geburt an zu kurz und zu unbeweglich geraten.
Es wird alles versucht, um das unglückselige Körperteil mit diversen schmerzhaften Prozeduren wie Streckverbänden, Stromstößen oder auch „animalischen“ Bädern in Hasenblut zu kurieren, durchschlagende Erfolge bleiben aus. Der junge Thronfolger bringt Schmerzen und Maßnahmen fast tränenlos hinter sich, doch der Arm bleibt zu kurz, und Wilhelm entwickelt sich zu einem Mann, bei dem man aus heutiger Sicht vermutlich eine gestörte Persönlichkeit diagnostizieren würde.

Ob es nun der Arm, die Mutter oder sein Naturell war: Wilhelm wird zu einem Herrscher, der zu Beginn des krisengeschüttelten 20. Jahrhunderts einfach der falsche Mann am falschen Platz ist.
Mehrmaliger Kostümwechsel pro Tag – vor allem jede Art von Uniform standen hoch im Kurs –, Pomp, Eitelkeit und das krampfhafte Verstecken des behinderten Armes mögen in seiner Position durchaus erklärbar sein.
Seine Großmäuligkeit hingegen, verbunden mit seiner unbedarften Un-Informiertheit waren für den Kaiser eines der fortschrittlichsten Länder der Erde aber eigentlich ein „No-Go“.

Und tatsächlich versuchten deutsche Politiker und Militärs ihren Monarchen soweit es ging aus der Tagespolitik herauszuhalten.
Wilhelms Launen waren gefürchtet, er handelte unüberlegt und undiplomatisch, aber vor allem glänzte er damit, dass er von den Dingen, über die er entscheiden sollte, meistens keine Ahnung hatte.
War „Wilhelm Zwo“ also nur ein Operetten-Kaiser?

Wohl nicht ganz.
Denn natürlich suchte er sich als Kaiser seine militärischen und politischen Berater einschließlich seines jeweiligen Kanzlers aus. Wer etwas vom Kaiser wollte, der brach mit ihm nach dem Essen zu einem ausgedehnten Waldspaziergang auf; traf er beim Spazierengehen den richtigen Ton, so traf der Kaiser die „richtige“ Entscheidung.

Gelegentlich gab Wilhelm aber auch gerne den absolutistischen Alleinherrscher, der vor allem mit unbedarftem Redenschwingen Volk und Vaterland gehörig in die Bredouille brachte: So etwa im Jahr 1908 bei der sogenannten „Daily Telegraph-Affäre“, einem unkontrolliert freigegebenen Interview für die britische Zeitung, in dem Wilhelm sich als einzig wahrer Freund Englands im ansonsten antibritisch gesinnten Deutschen Reich darstellte und zudem behauptete, er habe seiner Großmutter Queen Victoria wichtige Ratschläge im Burenkrieg gegeben, die den Briten letztendlich zum Sieg verholfen hätten.
Wilhelm Großmaul eben.
Die Briten nahmen des Kaisers Behauptungen erstaunlich gelassen hin, auch wenn sie sich weder damals noch heute gerne sagen lassen, dass sie angeblich nur wegen deutscher Ratschläge erfolgreich waren.


Die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ und ihre Folgen:
Ab dem 25. August 2017 ist die hochkarätige BBC-Miniserie „Generation der Verdammten“* in deutscher Sprache als DVD oder Blu-ray erhältlich.

Im Kaiserreich wurde das Interview trotzdem zur Affäre: Nach einer hitzigen Debatte im Reichstag forderten alle Abgeordneten einschließlich der kaisertreuen Konservativen, der Kaiser möge sich zukünftig in seinen Äußerungen etwas zurücknehmen.

Das wilhelminische Deutschland

Die „wilhelminische“ Epoche war das Spiegelbild eines Kaisers, der offenbar nur die Seelen-zustände „himmelhoch jauchzend“ oder „zu Tode betrübt“ kannte.

Sie ist einerseits geprägt durch einen vorher nie gekannten Fortschritt im Bereich Technik, Medizin und Industrialisierung. Einen „Platz an der Sonne“ hatte man den Untertanen ver- sprochen, denn nun endlich sollte nach Großbritannien, Frankreich, Spanien und Portugal auch das deutsche Kaiserreich eine Kolonialmacht werden und man raffte in Übersee zusammen, was noch übrig und erreichbar war.

„Die ‚Welt der Frau‘, eine Beilage der ‚Gartenlaube‘, meldet in Nummer 5: “ Das Abendkleid dieser Saison zeichnet sich durch luxuriöses Gepräge und phantastische Drapierung aus, die auch der geschicktesten Schneiderin manch harte Nuss zu knacken geben.“ Man kann sich für die schönsten Kleider direkt Schnittmuster bestellen. Interessant sind die möglichen Hüftbreiten: 116, 112, 108, 104, 100 und 96. Darunter ist nichts denkbar. Erst in der Nummer 9 hat dann die Redaktion ein Erbarmen und kündigte groß an ‚Mode für schlanke Damen!‘. Und es folgt mit großer Anteilnahme der schöne Satz: ‚Sie haben es nicht immer leicht, die schmächtigen, überschlanken Evastöchter, sich gut und der Mode entsprechend anzuziehen. Da heißt es zu Kompromissen zu greifen und das, was die Natur versagt, durch geschickte, faltige Arrangements zu kaschieren.‘ Was die Natur versagt – Schlankheit gilt 1913 noch als eine Art Schicksalsschlag.“
Florian Illies, 1913. Der Sommer des Jahrhunderts

Andererseits zerschlug man durch Aufrüstung, Militarismus (in dieser Zeit kamen die Matrosenanzüge und -kleider für Kinder in Mode) und einer außerordentlich ungeschickten Diplomatie Stück für Stück die von Reichskanzler Bismarck sorgsam ausbalancierte europäische Bündnispolitik und vergrätzte einen europäischen Nachbarn nach dem anderen.

Nach einigen Jahren außerordentlich ungeschickten Agierens stand das deutsche Kaiserreich fast völlig isoliert da, als einziger Bündnispartner blieb Österreich-Ungarn übrig.

Während man allgemein in einem Klima der Großmannssucht dem Mangel an Bündnispartnern und der stetig wachsenden Zahl von unfreundlich gesinnten Nachbarn wenig Beachtung schenkte („Viel Feind, viel Ehr‘“), bereiteten die „Sozialisten“ zunehmend Kopfzerbrechen.
Denn auf der Schattenseite der boomenden Wirtschaft entstand als neue Bevölkerungsschicht das Proletariat; Industriearbeiter und Zechenkumpel, die ihre Arbeitskraft, ihre Gesundheit und oft genug ihr Leben gaben, um die Schiffe und Waffen zu bauen, die der Kaiser brauchte, oder den „Treibstoff“ des Booms – die Kohle – zu fördern.
Immer mehr Menschen zog es in die Industrieanlagen und Elendsquartiere der Städte, um sich und ihre meist beachtlich große Kinderschar für einen Hungerlohn irgendwie durchzubringen.

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„Familie um 1900“ von Original uploader was St.Krekeler at de. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons

Die Bevölkerung wuchs rasant, die Zahl der Arbeitsplätze konnte damit nicht Schritt halten. In den Städten und Industriegebieten lebten zeitweise mindestens 50 bis 60 Prozent der Bevölkerung in Schmutz, Elend und immer am Rande des Hungers.
Aus dieser Unterschicht rekrutierte sich die neue gesellschaftliche Klasse des Industrie-proletariats. Bei vielen dieser Proletarier, die täglich zehn, zwölf oder mehr Stunden für einen kümmerlichen Lohn ihre Arbeitskraft (und die ihrer Kinder) in dreckigen, lauten und oft gefährlichen Fabriken oder Bergwerken „verkaufen“ mussten, regte sich schließlich Widerstand gegen ihre erbärmlichen Lebensbedingungen:
Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus“ (der erste Satz des „Manifest der kommunistischen Partei“, von Karl Marx und Friedrich Engels, erschienen 1848).

Ein Platz an der Sonne

Während sich in Wien, Berlin, Paris, und London wohlhabende Bürger und Aristokraten über Kunst, Kultur und – in ihren Augen merkwürdige – neue Ideen wie etwa das Frauenwahlrecht die Köpfe heiß reden, erschrecken europaweit Sozialisten und Kommunisten die Monarchien und ihre Gefolge.
Wirkliches Verständnis hat man für das Elend der kleinen Leute nicht; in jener Zeit gilt die Idee des Sozialdarwinismus: „Jeder ist seines Glückes Schmied“, heißt es.
Für die, die im Elend leben – Fabrik- und Zechenarbeiter und ihre Familien – bedeutet das nichts anderes als „selbst Schuld“.
Es gibt ein paar halbherzige Versuche, die Situation der verelendeten Massen zu verbessern, um sie wieder friedlich zu stimmen (die Idee der Renten- und Krankenversicherung stammt von Bismarck); im Großen und Ganzen versucht man aber in allen Staaten Europas das Problem mit den aufmüpfigen Untertanen durch Repressionen zu lösen.

Deckel drauf, wird schon gutgehen.

 

Kamerun, Duala, Polizeitruppe

Hochrufe anlässlich des Geburtstags Kaiser Wilhelm II., 27. Januar 1901, Carl Hohl. Bundesarchiv Bild 163-161, Kamerun, Duala, Polizeitruppe“ von Bundesarchiv, Bild 163-161 / CC-BY-SA

Sozialdarwinistisch wird in jener Zeit nicht nur nach innen sondern auch nach außen gedacht.
Es ist nicht nur das Deutsche Kaiserreich, das seinen „Platz an der Sonne“ finden möchte, es sind alle Europäer, die bei dem Spiel „größer, schneller, weiter“ mitspielen.
Allen voran England – Großbritannien –, das sich mit seiner Insellage und der dafür notwendigen Schiffsflotte ein Kolonialreich aufgebaut hat, in dem die Sonne niemals untergeht.

Im deutschen Kaiserreich steht dagegen der viele Jahre alles beherrschende Reichskanzler Bismarck auf der Bremse und vertritt die Ansicht, dass sich Deutschland „keine verwundbaren Punkte in fernen Weltteilen“ leisten dürfe.
Bismarcks Augenmerk liegt auf einer ausgefeilten innereuropäischen Bündnispolitik, denn die „eingekesselte“ Lage Deutschlands in der Mitte Europas und damit die Gefahr eines Zwei- oder sogar Mehrfrontenkrieges sind ihm sehr bewusst.


412px-1890_Bismarcks_RuecktrittAls Bismarck sich ab dem Jahr 1884 in Bezug auf deutsche Kolonien umorientiert, ist es reichlich spät – die anderen sind alle schon längst unterwegs und haben sich in Übersee die „Filetstücke“ gesichert.

Und als schließlich der 29jährige schneidige „Wilhelm Zwo“ den Großvater und kurze Zeit später auch seinen Vater beerbt und Kaiser wird (das „Dreikaiserjahr“ 1888), sind die Tage des über 70jährigen Dauerkanzlers ebenfalls gezählt – 1890 muss der Lotse von Bord gehen.


Nach Bismarcks Abgang wird vieles anders aber auf lange Sicht gesehen nichts besser.
Wer einen Platz an der Sonne haben und Großmacht werden möchte, braucht Schiffe – und die hat das Kaiserreich nicht, geschweige denn Werften, die solche Schiffe hätten bauen oder auch nur reparieren können.
Musste eines der Kriegsschiffe seiner Majestät – ein paar ältliche Panzerschiffe, die im Winter vorsichtshalber im Hafen bleiben – zum Kesselflicken, so musste es das englische Portsmouth anlaufen.

Das ändert Wilhelm II gründlich.
Im Jahr 1891 lernt er den Marineoffizier Alfred von Tirpitz kennen – den „bösen Geiste der deutschen Außenpolitik“, wie ihn Historiker nennen –, und dieser hat ganz erstaunliche Ideen, die dem Kaiser außerordentlich gut gefallen.
In den kommenden 20 Jahren peitschen der Kaiser und sein Admiral mehrere Rüstungs-programme durch den geldgebenden Reichstag, der den kaiserlichen Schiffsplänen zunächst sehr skeptisch gegenüber steht.
Doch der Kaiser bekommt seine Schiffe, und aufmerksamen Beobachtern wird nach und nach klar, dass diese Flotte viel zu groß ist, um nur die deutschen Kolonien zu schützen.

Doch zunächst ist alles gut.
Auch die Handelsmarine profitiert, und mit den Werften für Großschiffe entsteht ein völlig neuer Industriezweig im boomenden Deutschen Kaiserreich.
Der Kaiser-Wilhelm-Kanal (Nordostseekanal), der 1895 eingeweiht wird, verkürzt die Weg- strecke zwischen Nord- und Ostsee um 85 Prozent für Handels- und Kriegsschiffe gleichermaßen.
Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass Wilhelms Schiffs-Enthusiasmus ansteckend wirkt; un- abhängig von Herkunft oder Klassenzugehörigkeit werden die Deutschen stolze und patriotische Flottenliebhaber, die loyal zu Kaiser und Vaterland (und seinen Schiffen) stehen.
Die Kriegsmarine als Schmiermittel der Gesellschaft – auch eine Möglichkeit, um Untertanen glücklich zu machen.

„Gott strafe England“

Die, denen die Pläne des kaiserlichen Admirals Tirpitz eigentlich von vorne herein galten, beobachteten die Entwicklungen im deutschen Kaiserreich sehr genau.
Bis etwa ins Jahr 1905 wurden Deutschlands Flotten-Anstrengungen, seine kolonialen Träume und das alljährlich stattfindende „Kaisermanöver“ (am liebsten bei „Kaiserwetter“) von den Briten milde belächelt.

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Die “Dreadnought” (frei übersetzt: Fürchtenichts) war ein revolutionär neues Schlachtschiff , das sowohl in Panzerung wie auch in Bewaffnung alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Das erste Schiff dieser Art sticht 1906 in England in See. „HMS Dreadnought 1906“ von not stated – US Navy Historical Center Photo # NH 63367. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons

Doch der Ton wird rauer und die entsprechende britische Reaktion bleibt nicht aus: Im Jahr 1906 sticht in England das erste Schiff der „Dreadnought“-Klasse (frei übersetzt etwa „Fürchtenichts“) in See, ein völlig neues Schlachtschiff mit überlegener Panzerung und Bewaffnung.
Nach „Dreadnought“ hatten der Kaiser und sein Admiral das marine Wettrüsten eigentlich verloren, denn durch diese revolutionäre schwimmende Festung war ihre gesamte sorgsam auf- gebaute Flotte mit einem Schlag veraltet.
Aber sie machen weiter, wollen ihre eigenen „Fürchtenichts“-Schiffe bauen und legen das nächste Rüstungsprogramm auf. 1908 beträgt das Haushaltsdefizit des Kaiserreiches eine halbe Milliarde Mark; die eigens für den Schlachtschiffbau erfundene Sektsteuer ist uns bis heute erhalten geblieben.

Etwa ab dem Jahr 1909 wird „Gott strafe England“ zu einer allgemein gebräuchlichen Begrüßungsformel im deutschen Kaiserreich, häufig gedankenlos dahin gesagt, aber mit sehr ernstem Hintergrund.
Denn „Wilhelm das Großmaul“ und seine Entourage haben es innerhalb kurzer Zeit geschafft, die gesamte innereuropäische Bündnispolitik von den Füßen auf den Kopf zu stellen.
Jetzt ist das Kaiserreich tatsächlich eingekesselt und von Feinden umringt: Frankreich ist und bleibt der Erbfeind, die Russen fürchtet man und will sie kleinhalten, denn das riesige Zarenreich Russland ist im Vergleich zum Rest der Welt – noch – ein rückständiges Land, allerdings eines mit einem gewaltigen Potenzial an Menschen und Ressourcen. Und Großbritannien steht spätestens mit seiner „Dreadnought“-Flotte den imperialen Großmachtträumen im Weg.

Krieg als Ausweg, als „Flucht nach vorne“ oder als „reinigendes Gewitter“ wird von Militärs wie arrivierten Bürgern im deutschen Kaiserreich schon lange diskutiert, als im Juli 1914 die tödlichen Schüsse in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo fallen.

In jener Zeit gibt es auf allen Seiten nur wenige Warner.
Niemand will den Krieg wirklich, aber die meisten wollen ihn auch nicht verhindern.
Als der Serbe Gavrilo Princip (nicht ohne Hintermänner) das österreichisch-ungarische Thronfolgerpaar ermordet, zündet er damit gleichzeitig und unbeabsichtigt die Lunte am hochexplosiven Pulverfass Europa, das über viele Jahre hinweg durch fehlende Kommunikation, Aggression und ein europaweit verbreitetes sozialdarwinistisches Weltbild entstanden ist.

Eine fatale Kriegsmaschinerie wird in Gang gesetzt: Österreich-Ungarn fürchtet um seine Vormacht auf dem Balkan und will den widerspenstigen Serben schon lange einen „Denkzettel“ verpassen.
Man sucht in Berlin um Unterstützung nach; dort hat man nicht so sehr die Serben als vielmehr die mit den Serben verbündeten Russen im Visier.
Sowohl in Berlin wie auch in Wien erwartet (und erhofft) man jedoch, dass Russland dem „Denkzettel“ tatenlos zusehen und seinem Bündnispartner Serbien nicht zu Hilfe eilen würde.

Ein „kleiner“, lokal begrenzter Krieg; ein kleines „reinigendes Gewitter“ wird erwartet, um zumindest symbolisch einige Grenzen neu zu ziehen, als man Wien die Unterstützung gegen Serbien zusagt.

Copyright: Agentur für Bildbiographien, www.bildbiographien.de, 2015


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Er war das 13. Kind eines dänischen Juden in Hamburg und hat sich mit nur wenigen Schuljahren und ohne Studium zum Generaldirektor der größ- ten Reederei der Welt, der Hapag, hochgearbeitet. Mit Geschick und Fleiß wird er schließlich zum „Reeder des Kaisers“, der ihm, den „jüdischen Parvenü“, wie ihn neidische Höflinge nennen, freundschaftlich verbunden ist. In vielem sind sich der Kaiser und sein Reeder einig, aber in der Frage über Krieg oder Frieden scheiden sich ihre Geister.
Die Welt ist friedlos geworden. Albert Ballin, der Reeder des Kaisers


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Sissis Franzl und der große Knall


Verdun ist eine kleine Stadt ohne große Bedeutung.
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Vor 100 Jahren: Die Hölle von Verdun


ZDF „Weltenbrand“: Die Hölle von Verdun
https://www.youtube.com/watch?v=–gDhlsJAQU


„Opa twittert aus dem Schützengraben“: Christian Macks Familienforschung „Opas Krieg“
Opas Krieg


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Die Großmutter Europas (1)


Porträt: Wilhelm II
http://www.zeit.de/2014/08/kaiser-wilhelm-der-zweite-erster-weltkrieg


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Bildnachweise:

1) Kaiser Wilhelm II zwischen 1910 und 1914, E. Bieber, Hofphotograph, Library of Congress, Prints and Photographs Division, Washington, D.C. 20540 USA
2) Kaiser Wilhelms II Mutter Victoria: „Victoria Princess Royal , 1857“ von Franz Xaver Winterhalter – Winterhalter and the courts of Europe. Transfered from de:Image:Victoria Princess Royal , 1857.jpg. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.
3) Hochrufe anlässlich des Geburtstags Kaiser Wilhelm II., 27. Januar 1901, Carl Hohl. Bundesarchiv Bild 163-161, Kamerun, Duala, Polizeitruppe“ von Bundesarchiv, Bild 163-161 / CC-BY-SA.
4) „Familie um 1900“ von Original uploader was St.Krekeler at de. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons
5) “Dropping the Pilot”. Karrikatur von Sir John Tenniel (1820-1914), März 1890 im britischen Magazin “Punch”.Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia
6) Die “Dreadnought” (frei übersetzt: Fürchtenichts) war ein revolutionär neues Schlachtschiff , das sowohl in Panzerung wie auch in Bewaffnung alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Das erste Schiff dieser Art sticht 1906 in England in See. „HMS Dreadnought 1906“ von not stated – US Navy Historical Center Photo # NH 63367. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

 

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