Szenen einer arrangierten Ehe

Queen Victoria (1819 - 1901) anlässlich ihres Thronjubiläums 1887

Köni­gin Vic­to­ria am Tag ihres gol­de­nen Thron­ju­bi­lä­ums 1887, von Alex­an­der Bassa­no — http://www.royalcollection.org.uk/collection/2105818/portrait-photograph-of-queen-victoria-1819–1901

Queen Vic­to­ria, die legen­dä­re bri­ti­sche Köni­gin (1819 – 1901), lan­de­te eigent­lich aus Ver­se­hen auf dem eng­li­schen Thron. Der Grund für ihren Auf­stieg in der bri­ti­schen Thron­fol­ge war ihr dicker Onkel Geor­ge, der sein Leben nicht in den Griff bekam und mit einer Frau ver­hei­ra­tet war, die er nicht lei­den konn­te.

Es ist das bri­ti­sche Tren­nungs­dra­ma vor Charles und Dia­na.
Mit die­sem Prince of Wales, der wegen sei­ner Lei­bes­fül­le auch ger­ne als „Prince of Wha­les“ − Prinz der Wale – ver­spot­tet wird, ist aber auch wirk­lich kein Staat zu machen:
Der eng­li­sche Thron­er­be Geor­ge (1762 – 1830) ist fett, eitel exzen­trisch und ego­zen­trisch; für dynas­ti­sche Zwe­cke völ­lig unge­eig­net
.

Er selbst bezeich­net sich ger­ne als „füh­ren­den Gen­tle­man Euro­pas“, was auch damit zu tun hat, dass er lan­ge Zeit ein enger Freund und Bewun­de­rer des legen­dä­ren Lon­do­ner Dan­dys Geor­ge „Beau“ Brum­mell ist.


Der Kron­prinz und sein Dan­dy

Karrikatur von George "Beau" Brummell (1805)

Die vor­nehm­li­che Lebens­leis­tung von Geor­ge “Beau” Brum­mell besteht dar­in, sich beson­ders sorg­fäl­tig zu klei­den.

Er ver­lässt das Haus erst nach einer mehr­stün­di­gen Pro­ze­dur in per­fekt sit­zen­der und auf­ein­an­der abge­stimm­ter Gar­de­ro­be. In der fei­nen Lon­do­ner Gesell­schaft ern­tet er dafür viel Auf­merk­sam­keit und Bewun­de­rung; einer sei­ner glü­hends­ten Ver­eh­rer ist Prinz Geor­ge, der, wie vie­le ande­re Gen­tle­men sei­ner Zeit eif­rig ver­sucht, Brum­mells Stil zu kopie­ren.

Kron­prinz Geor­ge ist aller­dings auch für ande­re Lebens­ge­nüs­se offen, und ab sei­nem drei­ßigs­ten Lebens­jahr muss er unter sei­ner aus­ge­such­ten Gar­de­ro­be ein Kor­sett aus Fisch­bein tra­gen, das sein Die­ner takt­voll als „Gür­tel“ bezeich­net.
Ein schi­ckes Hals­tuch ist das Mar­ken­zei­chen der Dan­dys und gehört zum Out­fit unbe­dingt dazu. Bei Kron­prinz Geor­ge sind die fei­nen Hals­tüch­lein modi­sche Acces­soires, die­nen aber auch dazu, sein Dop­pel­kinn zu ver­ber­gen. Mit den Jah­ren auch das drit­te und das vier­te Kinn, das sich jeweils dar­un­ter bil­det.


Kron­prinz Geor­ge fühlt sich zwar als “füh­ren­der Gen­tle­man”, bei Volk und Par­la­ment hat er es sich trotz­dem schnell ver­scherzt.
Sein Leben lang wird er gegen Hohn, Spott und schlech­te Pres­se kämp­fen müs­sen, auch als er die Bri­ten als König Geor­ge IV. regiert.

Anläss­lich sei­nes Todes im Jahr 1830 schreibt die Lon­don Times:

[…] Nie ist ein Mann weni­ger von sei­nen Mit­men­schen betrau­ert wor­den als die­ser ver­stor­be­ne König. Wel­che Augen haben um ihn geweint? Wel­ches Herz hat aus selbst­lo­ser Trau­er um ihn geseufzt? […] wenn er auch nur einen Freund, einen erge­be­nen Freund egal aus wel­cher Schicht hat­te, dann beteu­ern wir, dass wir nie­mals sei­nen Namen ver­nom­men haben.“


Schon sei­ne Zeit als Thron­fol­ger und Prinz­re­gent ist schwie­rig, sei­ne Herr­schaft als König Geor­ges IV. von 1820 bis 1830 bringt das Anse­hen ihres Königs­hau­ses bei den Bri­ten auf einen nie gekann­ten Tief­punkt.
Erst sei­ne Nich­te, die jun­ge Queen Vic­to­ria, kann das Image des Königs­hau­ses ret­ten.


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Die Briten und ihr Parlament

Groß­bri­tan­ni­en hat sei­ne Revo­lu­tio­nen schon längst hin­ter sich.
Anders als die Fran­zo­sen haben die Bri­ten ihren Weg zur Volks­sou­ve­rä­ni­tät mehr als “work in pro­gress” gestal­tet; das blu­ti­ge Hau­ruck-Ver­fah­ren und „Köp­fe ab!“ der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on ist ihre Sache nicht (geköpft wur­de trotz­dem, aber sel­te­ner und dis­kre­ter).

Der eigent­li­che Bür­ger­krieg zwi­schen König und Par­la­ment hat­te bereits 1642 statt-gefun­den; danach gab es ein merk­wür­di­ges Hin und Her zwi­schen Demo­kra­tie und Dik­ta­tur. Den Schluss­strich unter das Kapi­tel Bür­ger­krieg zie­hen die Bri­ten, indem sie den Puri­ta­ners Oli­ver Crom­well köp­fen und  Karls II. im Jahr 1660 zum König krö­nen.
Die Revol­te fla­ckert zwar unter Karls Nach­fol­ger Jakob II. noch ein­mal kurz auf, denn Jakob hat­te es im angli­ka­ni­schen Bri­tan­ni­en mit sei­nem Katho­li­zis­mus und Allein­gän­gen ein­fach zu bunt getrie­ben. Doch mit sei­nem Nach­fol­ger Wil­helm III. von Ora­ni­en kehrt Ruhe auf der Insel ein und man fin­det eine Kom­pro­miss­for­mel, mit der alle gut leben kön­nen:
König ja, aber das Par­la­ment hat immer das letz­te Wort.

Bereits seit 1669 garan­tie­ren die Bills of Right den bri­ti­schen Unter­ta­nen wich­ti­ge Bür­ger­rech­te, bei­spiels­wei­se die Immu­ni­tät der Par­la­men­ta­ri­er, unab­hän­gi­ge Gerich­te und freie Wah­len.
Natür­lich nur für Män­ner und nur für die fünf Pro­zent der Bevöl­ke­rung, die über ein ent­spre­chend hohes Ein­kom­men ver­fü­gen.

Aber immer­hin. Die abso­lu­tis­ti­schen Staa­ten auf der ande­ren Sei­te des Ärmel­ka­nals sind noch Licht­jah­re von sol­chen Errun­gen­schaf­ten ent­fernt.

Queen Victorias Großvater George III.

Vic­to­ri­as Groß­va­ter, König Geor­ge III. (1738 – 1820), sitzt nicht allein auf dem Thron, son­dern regiert gemein­sam mit einem Par­la­ment, in dem die Whigs, die Par­la­ments­par­tei (und spä­te­ren Libe­ra­len), und die Torys, die Königs­treu­en (heu­te die Kon­ser­va­ti­ven), ver­tre­ten sind.

Seit mehr als einem hal­ben Jahr­hun­dert regiert der alte König und in sei­ner lan­gen Amts­zeit haben vie­le Krie­ge die Welt kom­plett ver­än­dert.
Zu viel Krieg und Streit für einen König, der Krie­ge und Streit eigent­lich nicht mag.
Im Volk trägt Geor­ge III. den Bei­na­men Far­mer Geor­ge („Bau­er Geor­ge“), denn er schätzt das ein­fa­che Leben auf dem Lan­de, wo er sich in Ruhe sei­nem Ste­cken­pferd – der Land­wirt­schaft – wid­men kann.

Der Sie­ben­jäh­ri­ge Krieg, die Unab­hän­gig­keit Ame­ri­kas und Napo­le­on:
Kei­ne Ruhe für ‘Far­mer Geor­ge’

"Farmer George" König George III.Der Sie­ben­jäh­ri­gen Krieg (1756 – 1763) ist eine Art inof­fi­zi­el­ler Welt­krieg, in dem die Bri­ten zusam­men mit Preu­ßen, Han­no­ver, Hes­sen-Kas­sel, Braun­schweig und Gotha gegen Fran­zo­sen, Öster­rei­cher, Rus­sen, Schwe­den, Spa­ni­er, Sach­sen und ande­re Fürs­ten­tü­mer des römisch-deut­schen Rei­ches kämp­fen.
Man geht sich in Euro­pa an den Kra­gen, aber auch in Afri­ka, Indi­en und Nord­ame­ri­ka wird erbit­tert gekämpft.

Immer­hin hat­te man in die­sem Krieg den alten Feind Frank­reich emp­find­lich schwä­chen und den Fran­zo­sen die Kolo­ni­en in Nord­ame­ri­ka abja­gen kön­nen.
Doch die Freu­de dar­über währ­te nur kurz, denn schon zehn Jah­re spä­ter schmei­ßen auf­rüh­re­ri­sche Nord­ame­ri­ka­ner bei der Bos­ton Tea Par­ty fei­nen eng­li­schen Tee, für den sie kei­nen Zoll zah­len wol­len, ins Meer.
Damit beginnt der ame­ri­ka­ni­schen Unab­hän­gig­keits­krieg, in dem die­se Kolo­nie sehr schmerz­haft wie­der ver­lo­ren geht. Unter­stützt wer­den die nach Unab­hän­gig­keit stre­ben­den Ame­ri­ka­ner übri­gens von Frank­reich — nicht weil der abso­lu­tis­ti­sche Herr­scher Lud­wig XVI. (Lud­wig der 16.) sein Herz für Auf­stän­di­sche ent­deckt hat, son­dern weil er dem Erz­feind Groß­bri­tan­ni­en eins aus­wi­schen will.
Das Aus­wi­schen gelingt, aller­dings ist es sehr kost­spie­lig, was eine lang anhal­ten­de Über­schul­dung Frank­reichs zur Fol­ge hat; in Ver­bin­dung mit Miss­ern­ten, eisig kal­ten Win­tern, Hun­gers­nö­ten  und  drü­cken­den Steu­ern füh­ren die hohen Schul­den schließ­lich zur fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on 1789, die Lud­wig 1793 den Kopf kos­ten wird.

Aber noch ist es nicht soweit: 1776 ver­ab­schie­den die Ame­ri­ka­ner ihre eige­ne Ver­fas­sung, in der sie ihr pur­su­it of hap­pi­ness (das Stre­ben nach Glück) als Bür­ger­recht ver­an­kern; ein in der gan­zen Welt ein­zig­ar­ti­ges Recht, zumal es für Män­ner u n d Frau­en gilt – nicht aber für die schwar­zen Skla­ven, dem die jun­ge Nati­on einen gro­ßen Teil ihres Wohl­stan­des zu ver­dan­ken hat.

Viel Zeit zum Wun­den­le­cken bleibt Geor­ge III. und sei­nen Bri­ten aller­dings nicht, denn in Frank­reich bricht 1789 die Revo­lu­ti­on aus. Als Revo­lu­ti­on und Revo­lu­tio­nä­re ihre Kin­der gefres­sen hat, putscht sich Napo­le­on an die Macht — und über­rennt in den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren mit sei­nen Arme­en die hal­be Welt.
Fast mehr als zwei Jahr­zehn­te zie­hen sich die kost­spie­li­gen Koali­ti­ons­krie­ge (1792 – 1814) gegen Napo­le­on, sei­ne Gran­de Nati­on und deren Trup­pen hin, aber irgend­wie muss man die Fran­zo­sen davon abhal­ten, ganz Euro­pa und den Rest der Welt zu kas­sie­ren.

Alles in allem: sehr viel Krieg und Revo­lu­tio­nen für einen König, der eigent­lich nichts mehr als Ruhe, Frie­den und das Land­le­ben schätzt — ‘Far­mer Geor­ge’.


Der Kampf gegen Napo­le­on kommt weni­ge Jah­re vor Geor­ges Tod zur Ruhe, doch nun steht Groß­bri­tan­ni­en vor dem Pro­blem, dass plötz­lich Tau­sen­de Sol­da­ten aus der Armee ent­las­sen wer­den und in ihrer wirt­schaft­lich ange­schla­ge­nen Hei­mat nach Arbeit suchen.
Für Geor­ge III. spielt das kei­ne gro­ße Rol­le mehr:

Seit 1811 regiert der „Prince of Wha­les“, Kron­prinz Geor­ge, bereits als Prinz­re­gent, denn der alte König ist wegen einer Erb­krank­heit geis­tig völ­lig umnach­tet und nimmt von sei­ner Umwelt kaum noch etwas wahr.

Prinz George und Caroline von Braunschweig

„Far­mer Geor­ges“ ältes­ter Sohn, Kron­prinz Geor­ge, hält von der länd­li­chen Idyl­le und der Beschei­den­heit sei­nes Vaters über­haupt nichts.

Es ist 1780, Geor­ge ist end­lich voll­jäh­rig und ent­kommt der stren­gen Beschei­den­heit sei­nes Vaters. Er bin­det sich sein Hals­tüch­lein um und stürzt sich als Lebe­mann ins Lon­do­ner Trei­ben. Nach meh­re­ren eben­so skan­da­lö­sen wie kost­spie­li­gen Lieb­schaf­ten hei­ra­tet er 1785 im Alter von 23 Jah­ren — ohne die Erlaub­nis sei­nes Vaters, des Königs. Damit ver­stößt der Prince of Wales gleich gegen meh­re­re Geset­ze, denn sei­ne Ehe­frau ist nicht nur eine Bür­ger­li­che, son­dern auch noch Irin, Katho­li­kin und zwei­mal ver­wit­wet.
Wür­de die­se Ehe und sei­ne heim­li­che Hoch­zeit publik wer­den, wäre sei­ne Thron­fol­ge hin­über – doch sie wird nicht bekannt, son­dern von wil­li­gen Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ten ver­tuscht.

Im Jahr 1795, auf der ande­ren Sei­te des Ärmel­ka­nals tobt die Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on mit blu­ti­gem Ter­ror, der fran­zö­si­sche König und Köni­gin Marie-Antoi­net­te sind geköpft wor­den, hat Kron­prinz Geor­ge ein ande­res Pro­blem:
Er ist plei­te.

Der Prince of Wales hat sein nicht unbe­trächt­li­ches Ver­mö­gen abge­wirt­schaft und steht so in der Krei­de, dass er ange­sichts sei­ner Schul­den nicht mehr wei­ter weiß.
Schließ­lich muss er sich in sei­ner Not auf einen Hei­rats­han­del ein­las­sen um sei­nen finan­zi­el­len Ruin abwen­den zu kön­nen: Das Par­la­ment ver­spricht, für die Til­gung sei­ner Schul­den auf­zu­kom­men und sei­ne Apa­na­ge kräf­tig zu erhö­hen, wenn er sich im gegen­zug bereit erklärt, eine stan­des­ge­mä­ße Ehe ein­zu­ge­hen.

Er wil­ligt ein – das Was­ser steht im wirk­lich bis zum Hals­tuch –, eine pas­sen­de Braut wird gesucht und die Wahl fällt schließ­lich auf sei­ne 27jährige Cou­si­ne Caro­li­ne von Braun­schweig, die selbst­be­wuss­te und hüb­sche Toch­ter einer ver­bit­ter­ten Mut­ter (eine Schwes­ter Königs Geor­ge III.) und eines über­für­sorg­li­chen Vaters (ein Kriegs­held und Lieb­lings­nef­fe Fried­richs des Gro­ßen).

Caroline von BraunschweigEs wird zum Desas­ter.
Als sich die Braut­leu­te im April 1795 drei Tage vor ihrer geplan­ten Trau­ung das ers­te Mal sehen, erfasst bei­de sofort eine tie­fe Abnei­gung gegen­ein­an­der:
Nach einer kur­zen Begrü­ßung lässt Geor­ge sei­ne Braut ste­hen und ver­langt nach einem Bran­dy, wäh­rend Caro­li­ne den ver­mut­lich schwers­ten Feh­ler ihrer lan­gen und unglück­li­chen zukünf­ti­gen Ehe begeht -sie mäkelt einem Ver­trau­ten gegen­über, dass ihr Bräu­ti­gam auf Por­träts wesent­lich bes­ser aus­se­hen wür­de als in natu­ra.
Für einen eit­len Mann, der sich selbst als „füh­ren­den Gen­tle­man Euro­pas“ sieht, ist das ein har­ter Schlag unter die Gür­tel­li­nie und Grund genug für lebens­lan­gen Hass.

Die töd­lich belei­dig­te Ant­wort Geor­ges kommt post­wen­dend: Er fin­det sei­ne Braut unat­trak­tiv, bemän­gelt ihre wenig zurück­hal­ten­de Art, moniert nach der Hoch­zeits­nacht ihre man­geln­de Hygie­ne und hält spä­ter schrift­lich fest, dass er mit ihr nur drei Mal Geschlechts­ver­kehr gehabt habe.


Mein Vater war ein Held, mein Mann ist eine Null

Immer­hin hält die Ehe lan­ge genug, um eine klei­ne Thron­er­bin zu zeu­gen.
Pünkt­lich neun Mona­te nach der Hoch­zeit, im Janu­ar 1796, wird die Thron­fol­ge­rin, Prin­zes­sin Char­lot­te Augus­ta, gebo­ren. Sie wird Geor­ges ein­zi­ges legi­ti­mes Kind blei­ben.

Weni­ge Wochen nach der Geburt, teilt der Prince of Wales sei­ner Ehe­frau Caro­li­ne schrift­lich mit, dass er die Absicht habe, sich von ihr zu tren­nen.
Er betont, dass er auf die Aus­übung sei­ner ehe­li­chen Rech­te zukünf­tig auch dann ver- zich­ten wer­de, wenn ihrer gemein­sa­men Toch­ter, der Thron­er­bin Char­lot­te Augus­ta, etwas zusto­ßen soll­te.
Dann ver­fasst er sein Tes­ta­ment und ver­macht sein Ver­mö­gen sei­ner ers­ten „inof­fi­zi­el­len“ ers­ten Frau; die offi­zi­el­le Gat­tin Caro­li­ne soll im Fal­le sei­nes Todes einen ein­zi­gen Schil­ling erhal­ten.

Caro­li­ne stört das wenig, denn sie ist von ihrem Ehe­mann und sei­nen nar­ziss­ti­schen Allü­ren alles ande­re als begeis­tert:
Mon père etait un héros, mon mari est un zéro.”
(Mein Vater war ein Held, mein Mann ist eine Null), ist ihre Mei­nung zum The­ma.

Sie zieht aufs Land, wo sie mit ihrer klei­nen Prin­zes­sin Char­lot­te Augus­ta ein für die dama­li­ge Zeit uner­hört unkon­ven­tio­nel­les Leben als allein­er­zie­hen­de Mut­ter lebt: Besu­cher berich­ten ver- wun­dert, dass sie von der Gemah­lin des Thron­fol­gers auf Boden lie­gend emp­fan­gen wur­den, weil Caro­li­ne dort mit ihrer Toch­ter gespielt hat.
Die Aris­to­kra­tie rümpft die Nase, aber die ein­fa­chen Leu­te lie­ben die ver­sto­ße­ne Ehe­frau ihres Prince of Wales für sol­che Anek­do­ten noch mehr.

König George IV von EnglandIrgend­je­mand muss Geor­ge dar­auf auf­merk­sam gemacht haben, dass sei­ne Gemah­lin noch da ist, auch wenn er sie nicht mehr sieht.
Außer­dem hat sie die klei­ne Thron­er­bin bei sich, die eigent­lich viel zu kost­bar ist, um sie bei einer Mut­ter zu las­sen, die vor Gäs­ten auf dem Boden her­um­kriecht und daher allen Anschein nach ein lie­der­li­ches Leben führt.

Char­lot­ta Augus­ta wird also wie­der abge­holt und bei Hofe unter­ge­bracht, wo sie eine ordent­li­che Erzie­hung bekom­men soll; Geor­ge sorgt auch dafür, dass sich Mut­ter und Toch­ter nur noch zwei­mal im Monat sehen kön­nen.

Schließ­lich will Geor­ge die Schei­dung.

Wäh­rend sich das Schei­dungs­recht erst mit Napo­le­on in Kon­ti­nen­tal­eu­ro­pa ver­brei­tet, ist es in Groß­bri­tan­ni­en schon seit Jahr­hun­der­ten eta­bliert.
Vor­rei­ter war ein gewich­ti­ger Lady­kil­ler in der beweg­ten Geschich­te des Lan­des, König Hein­rich VIII. (1491 – 1547).
Aller­dings hat Hein­rich, der ins­ge­samt sechs Mal ver­hei­ra­tet war, das Schei­dungs-Thea­ter nur zwei­mal mit­ge­macht: Für sei­ne ers­te Schei­dung muss­te die Staats­re­li­gi­on geän­dert wer­den, wor­auf­hin Tei­le des Vol­kes rebel­lier­ten, weil sie lie­ber katho­lisch blei­ben und nicht angli­ka­nisch wer­den woll­ten, der katho­li­sche Dau­er­feind Frank­reich nutz­te die Gunst der Stun­de, um Eng­land (mal wie­der) den Krieg zu erklä­ren.
Für wei­te­re Tren­nun­gen, bei­spiels­wei­se dem legen­dä­ren Schluss­ma­chen mit sei­ner zwei­ten Gat­tin Anne Boleyn, bevor­zug­te er dann lie­ber ganz klas­sisch den schnel­le­ren und ein­fa­che­ren Weg: den Hen­ker.

Bei sei­ner Thron­be­stei­gung 1509 war Hein­rich übri­gens ein Hoff­nungs­trä­ger für sei­ne Unter­ta­nen, er war ein sehr cha­ris­ma­ti­scher Mann und galt als gebil­det und fort­schritt­lich.
Doch im Lau­fe sei­ner knapp 40jährigen Herr­schaft, sei­ner ver­zwei­fel­ten Hoff­nung auf einen legi­ti­men Sohn und recht­mä­ßi­gen Thron­er­ben, sei­nen unglück­li­chen Ehen und sei­nen chro­ni­schen Krank­hei­ten wur­de er zum miss­traui­schen Tyran­nen, der unzäh­li­ge Men­schen fol­tern und umbrin­gen ließ.


Lesen Sie im zwei­ten Teil:
Pains and Pena­li­ties: Schei­dung auf bri­tisch

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www.bildbiographien.de, 2016


Lese­emp­feh­lung:


Sehr emp­feh­lens­wer­ter BLOG (in Eng­lisch): Lau­ra Pur­cell – „His­to­ri­cal fic­tion, Geor­gi­an style“
http://laurapurcell.com/category/queen-of-misrule/


Wei­ter­füh­ren­de Links zum The­ma:


Queen Vic­to­ria drück­te dem 19. Jahr­hun­dert ihren Stem­pel auf und bestimm­te als „Groß­mut­ter Euro­pas“ auch die Geschich­te des 20., mit sei­nen bei­den gro­ßen Krie­gen, der Tei­lung Euro­pas und den Nach­we­hen des kolo­nia­len Zeit­al­ters, die wir noch heu­te schmerz­haft spü­ren. Dabei fing ihr Leben mehr als beschei­den an – und eigent­lich auch nur als Not­lö­sung ...
Die Groß­mut­ter Euro­pas (1)


Die ‘Mätres­sen­wirt­schaft’ spiel­te nicht nur am bri­ti­schen Hof eine wich­ti­ge (poli­ti­sche) Rol­le, son­dern gehör­te in fast allen euro­päi­schen Königs­häu­sern zum guten Ton. Eine der erfolg­reichs­ten ‘offi­zi­el­len’ Mätres­sen, die wich­tigs­te Rat­ge­be­rin des Königs und glü­hends­te Ver­fech­te­rin des Sie­ben­jäh­ri­gen Krie­ges war die Mar­qui­se de Pom­pa­dour. Ein Stim­mungs­bild von der ande­ren Sei­te des Ärmel­ka­nals zur Zeit des bri­ti­schen Königs Geor­ge III.
Die Mar­qui­se de Pom­pa­dour


Mut­ter­lie­be, wah­re Lie­be und das Schei­dungs­recht kamen in Kon­ti­nen­tal-Euro­pa als Fol­ge der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on und mit Napo­le­on in Mode. Mehr über die “neu­en” gro­ßen Gefüh­le:
Mätres­sen­wirt­schaft, Revo­lu­ti­on und die gro­ße Lie­be


Bild­nach­wei­se:

1) Köni­gin Vic­to­ria am Tag ihres gol­de­nen Thron­ju­bi­lä­ums 1887, von Alex­an­der Bassa­no — http://www.royalcollection.org.uk/collection/2105818/portrait-photograph-of-queen-victoria-1819–1901, gemein­frei
2) Kar­ri­ka­tur von „Beau“ Brum­mell (1805) By Robert Digh­ton — Color ver­si­on scan­ned from Priestley’s The Prince of Plea­su­re by H. Chur­ch­yard, Public Domain
3)Portrait of Geor­ge III of the United King­dom (1771/1772), Johan Zoff­a­ny , Roy­al Collec­tion object 402939, gemein­frei
4) Por­trait of Caro­li­ne of Brunswick (1804), By Sir Tho­mas Lawrence, Natio­nal Por­trait Gal­le­ry, Public Domain
5) Geor­ge IV (1816) By Tho­mas Lawrence — File:George IVcoronation.jpg from Roy­al Collec­tion object 405918, Public domain


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