Vor Ankommen wird gewarnt!

Foto: Agentur für Bildbiographien

Sich vor dem Ankommen zu drücken, geht ganz einfach: Ein Trick ist, dass man das, was man angeblich unbedingt will, in unerreichbare Höhen hängt. Aus gutem Grund,  denn spätestens seit George Bernard Shaw wissen wir, dass es im Leben zwei Tragödien gibt: Die Nichterfüllung eines Herzenswunsches – und seine Erfüllung.
Über Ziele, warum sie sinnvoll sind und wie man sie trotzdem erreichen kann.

Lesen Sie in diesem Beitrag: Über das Lieber-Nicht-Ankommen – Komfortzone und Katzenjammer – Gute Absichten und ein bisschen Ziel – SMARTe Ziele

Wo wollen Sie in fünf Jahren sein?

Keine Frage, der Mensch braucht Ziele.
Mitmenschen, die ziel- und planlos vor sich hinleben, sind uns eher suspekt und auf den Klassiker im Bewerbungsgespräch „Wo wollen Sie in fünf Jahren sein?“ sollte man nach Möglichkeit nicht mit „Was kommt, kommt“ antworten.
Abfahren und mal schaun, wohin und wie weit es geht, ist weder ein passabler Fahrplan für die Deutsche Bundesbahn noch für’s eigene Leben.

Oder wie es Paul Watzlawick in seinen bemerkenswerten Ratgeber Anleitung zum Unglücklichsein formuliert:

„Ankommen – womit buchstäblich wie metaphorisch das Erreichen eines Ziels gemeint ist – gilt als wichtiger Gradmesser für Erfolg, Macht, Anerkennung und Selbstachtung.
Umgekehrt ist Misserfolg oder tatenloses Dahinleben ein Zeichen von Dummheit, Faulheit, Verantwortungslosigkeit oder Feigheit. Der Weg zum Erfolg ist aber beschwerlich, denn erstens müsste man sich anstrengen, und zweitens kann auch die beste Anstrengung schiefgehen.“

Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein

Komfortzone und Katzenjammer

Aber mit Zielen ist das so eine Sache.

Ihr größter Nachteil: Man muss sich entscheiden.
Das „Ja“ zu einem Ziel bedeutet das „Nein“ zur Alternative. Wer seine Ziele konkret definiert, geht ans ‚Eingemachte‘, er wählt seinen Weg für die Zukunft und entscheidet sich damit gegen andere Wege.
Wer seinen Urlaub an der Nordsee plant, entscheidet sich gleichzeitig gegen Bergwandern und Hüttenzauber, wer eine Familie mit Kindern haben möchte, muss zumindest für einige Zeit sein Single-Dasein aufgeben.
Ein „bisschen schwanger“ gibt es einfach nicht.


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Der zweite Nachteil: Ziele machen das Leben planbar. Und anstrengend, wenn man mit ihnen wirklich etwas erreichen will.
Unerfüllte Wünsche sind spannend, machen uns neugierig und heben die Stimmung.
Etwas zu wollen, ist das beste Mittel gegen Langeweile, und die ist bekanntlich fast das Schlimmste, was unserem Glücks-Gleichgewicht passieren kann. Wer dauerhaft gelangweilt ist, fühlt sich müde, unausgeglichen und unglücklich.
Wer sich dagegen (realistische) Ziele steckt, muss planen, hart arbeiten, möglicherweise seine Komfortzone verlassen , kann scheitern oder am Ziel ankommen und feststellen, dass es doch nicht das Richtige ist. So manche(r) mit dem Ziel „eine eigene Famile haben“ stellt irgendwann enttäuscht fest, dass ihm tagtäglich ein und dieselbe Frau oder ein und derselbe Mann fürchterlich auf die Nerven geht.

„Die Flitterwochen hören vorzeitig zu flittern auf; bei Ankunft in der fernen exotischen Stadt versucht uns der Taxifahrer übers Ohr zu hauen; die erfolgreiche Ablegung der entscheidenden Prüfung bewirkt wenig mehr als das Hereinbrechen zusätzlicher, unerwarteter Komplikationen und Verantwortungen; und mit der Serenität des Lebensabends nach der Pensionierung ist es bekanntlich auch nicht so weit her“,
Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein

Ist es besser, immer unterwegs zu sein und nie am Ziel anzukommen, damit es spannend bleibt?

Gute Absichten und ein bisschen Ziel

Was unsere Ziele angeht, sind wir Menschen gerne Drückeberger. Um aus unserem Ziel-Dilemma herauszukommen, entscheiden wir uns wider besseren Wissens oft für ein „bisschen schwanger“, das heißt: für „ein bisschen Ziel“ .

 

Das „Must-Have“ für alle, die bessere Ziele und mehr Zeit haben wollen.
Lothar Seiwert: Die Bären-Strategie. In der Ruhe liegt die Kraft*, Heyne Taschenbuch, 2007

„Ein bisschen Ziel“ – gute Absichten, mit denen wir versuchen, irgendwo anzukommen – , verkraften wir in der Regel ganz gut: Man muss sich ja nicht wirklich entscheiden  – wir versuchen’s ja nur – und können aufhören, wenn es zu anstrengend wird, uns etwas Besseres einfällt oder wir ernsthaft unsere Komfortzone verlassen und tatsächlich etwas ändern müssten.
Ich will versuchen, gesünder zu leben, ich könnte mir einen neuen Job vorstellen, ich hätte gerne mehr Umsatz und Gewinn“ – hört sich gut an und sieht nach Ziel aus.
Bringt aber nichts. Oder erwarten Sie ernsthaft, irgendwo anzukommen, wenn Sie „ans Meer“ ins Navi eingeben?

Eine zweite Variante, um bloß nicht anzukommen, ist, seine Ziele unrealistisch hoch zu hängen: Superstar werden, eine Firma gründen, deren Gewinn in nullkommanix durch die Decke geht, den Traummann heiraten, zehn Kinder bekommen und glücklich bis ans Ende aller Tage leben.
Klingt gut, hat mit Zielsetzung aber auch wieder nichts zu tun.
Es sei denn, man ist bereit, sich mühevoll mit einer „Politik der kleinen Schritte“ an sein Ziel heranzuarbeiten. Es gibt keine Firmengründung, die von Jetzt auf Gleich satte Gewinne einfährt – das hat nicht mal Steve Jobs geschafft – und die Superstars von heute haben sich ihren Weg vor gar nicht langer Zeit durch Klinkenputzen und üben, üben, üben hart erkämpft.

Wenn das Ziel in weiter Ferne liegt, begreift auch der Dümmste, dass der Weg dorthin lang und beschwerlich und die Reisevorbereitungen umfassend und zeitraubend sind. Da soll einen nur jemand dafür tadeln, noch nicht einmal aufgebrochen zu sein – und noch weniger droht einem Kritik, wenn man, einmal unterwegs, vom Weg abkommt und im Kreis marschiert oder längere Marschpausen einlegt. Im Gegenteil, für das Verirren im Labyrinth und das Scheitern an übermenschlichen Aufgaben gibt es heroische Vorbilder, in deren Licht man dann selbst etwas mitglänzt.
Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein

SMARTe Ziele

Glück ist harte Arbeit. Nicht am Glücklichsein, sondern an sich selbst.
Dazu gehört auch der Mut, ans ‚Eingemachte‘ zu gehen und sich für Ziele zu entscheiden.

Wer konkret etwas erreichen möchte, wird stolpern, möglicherweise auch scheitern. Gelegentlich wird er aber auch ankommen – und dabei immer das gute Gefühl haben, Agierender und nicht Reagierender in seinem eigenen Leben zu sein:

SMARTe Ziele

Gute Vorsätze allein reichen nicht aus: „Weniger Arbeiten, mehr Sport“ ist eine nette Absicht, ein wirkungsvolles Ziel ist es nicht.
Wer seine Ziele erreichen möchte, sollte sie so präzise wie möglich –  SMART (Spezifisch, Messbar, Aktionsorientiert, Realistisch, Terminiert) – formulieren, aufschreiben und von Zeit zu Zeit überprüfen.

  • Spezifisch: Finger weg von Fremd-Zielen und falschen Idealen!
    Zu einem selbstbestimmten Leben gehören auch selbstbestimmte Ziele, daher sollte man sich zuallererst klarmachen, was man tatsächlich möchte. Will ich wirklich vom Rauchen loskommen, oder ist mir meine Sucht (oder mein Vergnügen) wichtiger als meine Gesundheit? Erst wenn diese grundsätzliche Entscheidung getroffen worden ist, lässt sich daraus ein persönliches Ziel definieren und ein konkreter und spezifischer Plan fassen: „Nächsten Dienstag kaufe ich mir Nikotinpflaster und am Mittwoch fange ich damit an.“

  • Messbar: Wer nicht (zu oft) vom Weg abkommen oder im Kreis marschieren möchte, sollte seine Ziele messbar formulieren: Statt „regelmäßig joggen“ könnte das spezifische und messbare Ziel lauten: mittwochs eine halbe Stunde und sonntags vor dem Frühstück eine Dreiviertelstunde laufen.

  • Aktionsorientiert: Unser Unterbewusstsein ist eine seltsame Einrichtung, es kann nur mit positiven Formulierungen etwas anfangen – beim Vorhaben „Weniger arbeiten“ versteht es nur „arbeiten“.
    Um Missverständnissen vorzubeugen, sollten daher alle Ziele positiv formuliert werden. Da „Weniger arbeiten“ zudem nicht spezifisch ist, könnte die bessere Alternative lauten: „Prinzipiell ist um 17.00 Uhr Schluss, in Stoßzeiten genehmige ich mir aber drei Überstunden pro Woche“. Übrigens: Wer weniger Zeit für seine Arbeit zur Verfügung hat, wird effektiver.

  • Realistisch: Ziele sollten realistisch gesteckt werden, ehrgeizig dürfen sie aber auch sein.
    Wer seine erste Million auf dem Konto anstrebt, sollte sich einen guten Plan mit genügend Zeit und Aufwand machen – und sich die Frage stellen, ob er beispielsweise für Börsenspekulation schon die notwendige Risikofreude und das Know-How hat (Lottogewinn funktioniert meistens nicht, zudem ist Im-Lotto-Gewinnen kein Ziel).
    Die meisten überschätzen, was man in einem Jahr schaffen kann, und unterschätzen, was man in zehn Jahren erreichen kann„, ist ein oft zitiertes Bonmot, das viel Wahres enthält.

  • Terminiert: Ziele können nicht realistisch und messbar sein, wenn man nicht von Zeit zu Zeit Zwischenbilanz zieht. Nichts kann so sehr beflügeln wie erste Erfolge.
    Wer eine Vision hat und schon konkrete Ergebnisse erreicht hat, wird sich auch durch Schwierigkeiten und Rückschläge nicht aufhalten lassen: Jeder Weg, so lang er auch sein mag, beginnt immer mit dem ersten Schritt …

Schon die Frage „Wo möchte ich ankommen?“ ist eine spannende Reise zu sich selbst.
Eine ehrliche Antwort erfordert Mut, Selbstreflektion und gelegentlich die Verabschiedung alter Hemmschuhe, fauler Ausreden und falscher Freunde.
Wer seine Leitplanken aufstellt und die Richtung nach seinen persönlichen Wünschen und Vorstellungen definiert, nimmt sein Leben selbst in die Hand – Eigenregie und Selbstbestimmung sind zwei  der wichtigsten Voraussetzungen für ein glückliches und erfülltes Leben.

Einen Weg geht man so oder so – und besser ist es, das Zepter selbst in der Hand zu halten, um sich nicht irgendwann als Opfer der Umstände wiederzufinden.

„Eine Vision ohne Tat ist nur ein Traum, eine Tat ohne Vision schlägt die Zeit tot, Vision und Tat können die Welt verändern.“

ALLES lässt sich in der Regel nicht erreichen – vieles schon.

Lesen Sie im nächsten Beitrag: Glücklichsein kann man lernen, Unglücklichsein auch – Depression durch Resignation – Erlernte Hilflosigkeit – Wer nicht handelt, wird behandelt – Die Prophezeiung des Ereignisses führt zum Ereignis der Prophezeiung
Selbsterfüllende Prophezeiungen

Copyright: Agentur für Bildbiographien, www.bildbiographien.de, 2015


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Paul Watzlawicks Klassiker für’s Glücklichsein. Das Original stammt aus dem Jahr 1983 und entspricht sprachlich nicht mehr ganz unseren heutigen Lesegewohnheiten. Aber es ist spitzfindig geschrieben und enthält viele Anekdoten und Beispiele, in denen man sich (leider) sehr oft wiedererkennen kann. Wer sich auf Watzlawick einlässt, merkt schnell, dass er nicht nur Psychoanalytiker, sondern auch Kommunikationswissenschaftler war und wird neben vielen „Aha“-Erlebnissen auch ein echtes Lesevergnügen finden. Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein*, Piper Verlag GmbH, München, 2009

Ein sehr lesenswertes Buch, das klar, verständlich und mit vielen guten Beispielen erklärt, wie wir uns selbst gelegentlich in unbefriedigende Lebenssituationen manövrieren – und wie wir aus ihnen wieder herauskommen.
Reinhard K. Sprenger: Die Entscheidung liegt bei dir! Wege aus der alltäglichen Unzufriedenheit*, Campus Verlag GmbH, Frankfurt/Main, überarbeitete Neuauflage 2015, broschiert

 

Das „Must-Have“ für alle, die bessere Ziele und mehr Zeit haben wollen.
Lothar Seiwert: Die Bären-Strategie. In der Ruhe liegt die Kraft*, Heyne Taschenbuch, 2007

Weiterführende Links zum Thema Glück und Unglück:


  • Sei spontan! Paul Watzlawick über die Absurdität der Forderungen „Sei spontan!“ oder „Sei fröhlich!“. Denn die Erwartungen der anderen sind die Erwartungen der anderen …
    Sei spontan!



  • Mit erlernter Hilflosigkeit und selbsterfüllenden Prophezeiungen kann man sich selbst sehr wirkungsvoll sabotieren.Noch ein Watzlawick über die Stolperfallen auf dem Weg zum Lebensglück:
    Selbsterfüllende Prophezeiungen

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Bildnachweis:
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