Dunkle Geheimnisse

Wenn dunk­le Geheim­nis­se ans Licht kom­men, stel­len sie alles infra­ge. Nichts kann so blei­ben, wie es war, weder für den Lüg­ner noch für den Belo­ge­nen.
Aber Ent­de­ckun­gen und Ent­hül­lun­gen zer­stö­ren nicht nur, sie bie­ten auch eine Chan­cen zur Neu­ord­nung.

Soll man Geheim­nis­se ent­hül­len oder verschweigen?

Wie viel Geheimnis darf man haben

Aber der hat ja gar nichts an!”, brüllt plötz­lich ein Kind in die jubeln­de Men­ge, als der Kai­ser nackt und stolz unter sei­nem Bal­da­chin dahin­schrei­tet, um sei­nem Volk sei­ne neu­en Klei­der zu prä­sen­tie­ren.

Plötz­lich fällt es allen wie Schup­pen von den Augen und die Unter­ta­nen star­ren ent­setzt auf die nack­te kai­ser­li­che Wahr­heit.
Denn davor hat­te sich kei­ner getraut, das Offen­sicht­li­che auszusprechen.

Die bei­den Betrü­ger, die vor­ga­ben, des Kai­sers neue Klei­der zu weben und zu schnei­dern, waren raf­fi­niert vor­ge­gan­gen: Sie hat­ten behaup­tet, dass jeder, der ihre wun­der­ba­ren Stof­fe und Klei­der nicht sehen könn­te, dumm oder sei­nes Amtes nicht wür­dig wäre. 


Warum wir betrogen werden wollen

Und so saßen sie kol­lek­tiv der typisch-mensch­li­chen Ver­mei­dungs­stra­te­gie auf, die uns allen so oft ein­flüs­tert, das nicht sein darf, was nicht sein soll.

Wir spü­ren oder sehen, dass etwas nicht stimmt — wol­len es aber im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes nicht wahr­ha­ben. Wer­den wir zum Opfer von Betrü­gern, weil wir betro­gen wer­den wol­len? Und wann ist es Zeit, die bit­te­re Wahr­heit auszusprechen? 

Großvaters Geheimnis

Auch mein Groß­va­ter war ein Betrü­ger. aller­dings web­te er kei­ne unsicht­ba­ren Klei­der, son­dern ein Fami­li­en­glück, das es schon längst nicht mehr gab.

Es war im März 1943, knapp zwei Mona­te nach Sta­lin­grad.
Fern­ab von Krieg und Feld­zü­gen war es ein Jahr, in dem in mei­ner Fami­lie Geschich­te geschrie­ben wur­de, denn Groß­va­ters Betrug ließ sich nicht län­ger verbergen.

Er war gera­de Vater gewor­den. Mei­ne Groß­mutter hat­te ihr drit­tes Kind gebo­ren, ein klei­nes Mäd­chen, mei­ne Mut­ter. Kurz nach ihrer Geburt kam mein Groß­va­ter Karl auf Hei­mat­ur­laub vom Krieg (den er vor allem an der ‘Hei­mat­front’ in Ber­lin ver­brach­te) nach Hause.

Wenn dunkle Geheimnisse ans Licht kommen stellen sie alles infrage

Zur gro­ßen Über­ra­schung aller kam Karl nicht allei­ne, son­dern in Beglei­tung einer jun­gen, hüb­schen Ber­li­ne­rin.
Sie sei die Frau eines gefal­le­nen Kame­ra­den, schwan­ger, aus­ge­bombt und wis­se nicht wohin, erklär­te er, und soll­te bei ihnen woh­nen, bis sich eine ande­re Lösung gefun­den habe.

Selbst­ver­ständ­lich nahm mei­ne Groß­mutter die jun­ge Frau auf – Frau­en­so­li­da­ri­tät eben. Außer­dem war man im Krieg gewohnt, enger zusam­men­zu­rü­cken und sich gegen­sei­tig zu hel­fen, wenn man konnte. 

Die bei­den Frau­en ver­stan­den sich gut.
Die jun­ge Ber­li­ne­rin half mei­ner Groß­mutter im Haus­halt und bei den Kin­dern, sie war freund­lich und zuge­wandt. Karl reis­te nach weni­gen Tagen Urlaub wie­der ab, hoch­zu­frie­den, dass in sei­nem Haus­halt alles wie am Schnür­chen klappte.

Wie so oft ließ er mei­ner Groß­mutter einen Kof­fer mit Geschäfts­kor­re­spon­denz und Bele­gen zum Sor­tie­ren da. Als sie nach eini­gen Wochen end­lich zum Ord­nen des Kof­fer­in­hal­tes kam, fand sie neben Geschäfts­brie­fen und Bele­gen auch ein pri­va­tes Schrei­ben an ihren Mann, mei­nen Groß­va­ter.

Die­ser Brief führ­te ihr sehr deut­lich vor Augen, dass ihr Ehe­mann Karl unter ‚Enger-Zusam­men­rü­cken‘ etwas ande­res ver­stand als sie.


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Er stamm­te von Groß­mutters neu­er Mit­be­woh­ne­rin, der jun­gen Ber­li­ne­rin und angeb­li­chen „schwan­ge­ren Frau eines gefal­le­nen Kame­ra­den“.
In die­sem Brief beich­te­te sie ihrem „Lie­ben Karl, dass sie ein Kind von ihm erwartete.

Der Rest der Geschich­te ist schnell erzählt, obwohl Groß­va­ters Geheim­nis einen lebens­lan­gen tie­fen Schmerz bei mei­ner Groß­mutter hin­ter­las­sen hat.

Zunächst war sie ent­setzt und ver­zwei­felt. Ver­mut­lich muss­te sie die­sen Brief mehr­mals lesen, bis sie begriff, was los ist. Wer begreift schon schnell, wenn ihm gera­de sein kom­plet­tes Lebens­kon­zept um die Ohren fliegt?

Warum Geheimnisse so oft auffliegen

Dann tat sie das, was wahr­schein­lich vie­le an ihrer Stel­le getan hät­ten: Sie zer­riss den Brief, um wenigs­tens das unse­li­ge Beweis­stück los­zu­wer­den, das ihr Leben völ­lig aus den Angeln geho­ben hat­te.

Sie ver­nich­te­te ihn und warf die Fet­zen in die Sicker­gru­be hin­ters Haus (was sie ver­mut­lich lie­ber mit mei­nem Groß­va­ter getan hätte). 

Kur­ze Zeit spä­ter war mei­ne Groß­mutter eine „Geschie­de­ne“, die mit drei klei­nen Kin­dern wie vie­le ande­re Frau­en die letz­ten ent­beh­rungs­rei­chen und unsi­che­ren Kriegs­mo­na­te allei­ne durch­ste­hen musste.

Enthüllen oder schweigen?

Fast wirkt es so, als hät­te mein Groß­va­ter die Ent­de­ckung absicht­lich her­bei­ge­führt, denn wer wirk­lich (s)ein Geheim­nis bewah­ren möch­te, steckt es nicht in einen Kof­fer und über­gibt den dann dem Men­schen, der dadurch am hef­tigs­ten ver­letzt wird.

Das aus gutem Grund, lügen und betrü­gen ist anstren­gend. Je ‚gefähr­li­cher‘ ein Geheim­nis ist, des­to mehr Ener­gie muss der Geheim­nis­trä­ger in die Kon­troll­ar­beit ste­cken. Trotz­dem bleibt immer die Angst, durch einen dum­men Zufall ent­deckt zu wer­den. Ein dunk­les Geheim­nis zu bewah­ren, ist eine enor­me psy­chi­sche Belas­tung, aber auch eine kör­per­li­che Anstren­gung. Das for­dert nicht nur eine enor­me Hirn­leis­tung, son­dern macht auch, wie man heu­te weiß, kör­per­lich krank.

Muss also alles raus, um an Leib und See­le gesund blei­ben zu kön­nen? Ist „geteil­tes Leid“ auch „hal­bes Leid?
Fühlt man sich nach einem Geständ­nis wirk­lich bes­ser?

Wie man mit Lebenslügen umgehen sollte

Das Ent­hül­len eines Geheim­nis­ses ist ein zwei­schnei­di­ges Schwert.

Ver­mut­lich hat mein Groß­va­ter, wie vie­le ande­re auch, sein Geheim­nis auf den Prä­sen­tier­tel­ler (in den Kof­fer) gelegt, weil er sich Erleich­te­rung ver­schaf­fen woll­te und sein Dop­pel­le­ben mit Schuld­ge­füh­len und der stän­di­gen Angst auf­zu­flie­gen been­den wollte.

Ein Geheim­nis zu offen­ba­ren, um die eige­nen Schuld­ge­füh­le los­zu­wer­den, ist aber der schlech­tes­te Grund, um Lüge und Betrug zu gestehen.

Natür­lich ist es hel­den­haft, end­lich ehr­lich zu sein und die Kon­se­quen­zen sei­ner Ent­hül­lung in Kauf zu neh­men – bei Groß­va­ter Karl die Schei­dung.

Viel schwe­rer als die eige­ne Befind­lich­keit wiegt aber die damit ver­bun­de­ne Ent­schei­dung, die Men­schen, die einem ver­trau­en, in tie­fes Unglück zu stür­zen und sie nach der Ent­hül­lung an vie­lem (ver-)zweifeln zu lassen. 

Wer sein Geheim­nis nicht län­ger ver­ber­gen möch­te, trägt Ver­ant­wor­tung.
Das Mot­to: „Ich sag’s ein­fach, sol­len die ande­ren was dar­aus machen“, ist unfair und schafft vie­le neue Pro­ble­me. Gehol­fen ist damit niemanden.

  • Aus­schlag­ge­bend für die Ent­schei­dung, ob man ein Geheim­nis beich­ten oder für sich behal­ten soll­te, ist die Ant­wort auf die Fra­ge, ob man dem Men­schen, den man getäuscht hat, wei­ter­hilft.
    Ob es dem ande­ren lang­fris­tig etwas „bringt“, die­ses Geheim­nis zu erfah­ren, bei­spiels­wei­se für die Neu­aus­rich­tung sei­nes eige­nen Lebens (oder der Bezie­hung zueinander). 

Dafür gibt es kei­nen all­ge­mein­gül­ti­gen Weg. Die Ent­schei­dung „Ent­hül­len oder Schwei­gen?“ ist immer eine sehr ein­sa­me Entscheidung.

Warum wir belogen werden wollen

Eigent­lich wird an der Stel­le; „ … kam nicht allein, son­dern in Beglei­tung einer jun­gen, hüb­schen Ber­li­ne­rin …“ jeder stut­zig.
Auch für mei­ne Groß­mutter gab es kei­nen Grund, an die­ser Stel­le nicht stut­zig zu wer­den, selbst wenn man in Kriegs­zei­ten das „Enger-Zusam­men­rü­cken“ und hel­fen eher gewohnt war als heute.

Wie gestal­te­ten sich das Zusam­men­le­ben und der All­tag die­ser eigen­ar­ti­gen Ména­ge-à-trois wäh­rend des Urlaubs mei­nes Groß­va­ters?
Wie ver­lie­fen die gemein­sa­me Aben­de, wenn die Kin­der im Bett waren, und man zu Dritt zusam­men­saß? Ein heim­li­ches Paar und dane­ben die unwis­sen­de Ehe­frau?
Gab es Bli­cke, ein Flüs­tern, flüch­ti­ge Berührungen?

Ver­mut­lich gab es sie, aber es gibt eben auch zwei mäch­ti­ge psy­cho­lo­gi­sche Prin­zi­pi­en, die ver­hin­dern, dass wir die Wahr­heit erken­nen, obwohl sie eigent­lich schon längst auf dem Tisch liegt:

  • In der Psy­cho­lo­gie spricht man von der Ver­mei­dung einer kogni­ti­ven Dis­so­nanz: Wir wol­len an unse­ren ein­mal getrof­fe­nen Ent­schei­dun­gen fest­hal­ten und sie als „gut“ und „rich­tig“ emp­fin­den, auch wenn alles dage­gen spricht.
    ***
  • Ein wei­te­rer Effekt, der bei der Ver­drän­gung unan­ge­neh­mer Wahr­hei­ten eine Rol­le spielt, ist der soge­nann­te sunk cost effect, der Effekt der ver­senk­ten Kos­ten.
    Wenn wir an etwas glau­ben und hart dafür gear­bei­tet haben, fällt es uns schwer zu akzep­tie­ren, dass alle Mühen und Anstren­gun­gen umsonst gewe­sen sein sol­len. Wir haben viel inves­tiert — jetzt soll es auch funk­tio­nie­ren!
    Auch dann, wenn sich die Vor­aus­set­zun­gen ver­än­dert haben und das Ziel uner­reich­bar gewor­den ist (oder nie erreich­bar war). 

Umso schlim­mer ist es, wenn ein Geheim­nis offen­bart wird, und all die schö­nen Stra­te­gien für: „Ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt“ nichts mehr nüt­zen.

Der Moment, wenn der Man­tel der Lüge gefal­len und der Tep­pich unter den Füßen weg­ge­zo­gen ist. Wenn von einem Augen­blick auf den ande­ren alles infra­ge gestellt wird, der Betrof­fe­ne die nack­te Wahr­heit erkennt und erschüt­tert vor den Trüm­mern sei­ner ehe­mals hei­len Welt steht.

Das Schlimms­te ist für vie­le, dass sie nicht nur das Ver­trau­en zum Geheim­nis­trä­ger ver­lie­ren, son­dern auch das Ver­trau­en zu sich selbst:

Wie konn­te ich mich nur so täu­schen las­sen? Habe ich mein Leben auf Sand gebaut? War­um habe ich jeman­dem ver­traut, der mei­nes Ver­trau­ens nicht wür­dig war?

In jeder Krise steckt auch eine Chance

Jede Ent­hül­lung oder Ent­de­ckung eines Geheim­nis­ses hat einen hohen Preis.

Die Getäusch­ten ver­lie­ren das Ver­trau­en in einen nahen oder gelieb­ten Men­schen und sind häu­fig bis in ihre Grund­fes­ten erschüt­tert und ‚ent-täuscht‘. So schnell wird der Kai­ser nie­man­den mehr vertrauen. 

Krise kann ein produktiver Zustand sein

Dazu kom­men die Selbst­zwei­fel als Fol­ge von Ver­rat und Betrug: Wie soll man jemals wie­der zwi­schen Wahr­heit und Lüge, zwi­schen real und nicht real unter­schei­den kön­nen?
Wem kann man über­haupt trauen? 

Aber auch der Geheim­nis­krä­mer, der sich bewusst oder unbe­wusst offen­bart hat, zahlt einen Preis: Der Erleich­te­rung, dass jetzt alles „raus“ ist und offen auf dem Tisch liegt, fol­gen neue Pro­ble­me, nicht zuletzt die Schuld­ge­füh­le gegen­über dem, den man ver­letzt hat.

  • In der Kri­se nach der Ent­hül­lung eines Geheim­nis­ses steckt eine gro­ße Chan­ce – für bei­de Sei­ten.
    Für den Belo­ge­nen und Betro­ge­nen ist jetzt klar, dass er sich und sei­ne Welt neu defi­nie­ren muss. Bei genau­em Über­le­gen mer­ken vie­le im Nach­hin­ein, dass das Bauch­ge­fühl im Grun­de schon lan­ge Alarm geschla­gen hat­te. Jetzt gibt es kein Zurück und kei­ne Aus­re­den mehr, die Tat­sa­chen lie­gen auf dem Tisch. 

Wer klug ist, nimmt jetzt sei­ne Ent­täu­schung zum Anlass und beginnt mit der Revi­si­on sei­ner eige­nen Geschich­te.

„Ich bedarf einer Kri­sis.
Die Natur berei­tet eine Zer­stö­rung, um neu zu gebären.“ 

Johann Chris­toph Fried­rich von Schil­ler

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Schuldig?

Nach der Ent­hül­lung eines dunk­len Geheim­nis­ses ist es für den Belo­ge­nen und Betro­ge­nen ver­lo­ckend, den ande­ren schul­dig zu spre­chen und sich selbst mora­lisch über­le­gen zu füh­len.

Im ers­ten Moment der Kri­se ist das eine durch­aus sinn­vol­le Stra­te­gie, um sich und sei­ne See­le zu schüt­zen; lang­fris­tig hilft die­se Hal­tung aller­dings nicht wei­ter.
Denn um spä­ter wie­der ver­trauen zu kön­nen, muss die Wun­de hei­len.
Das geht nicht ohne das Auf­ar­bei­ten des Geheim­nis­ses – ohne zu beschö­ni­gen und zu ver­leug­nen –, und es geht auch nicht, ohne irgend­wann ver­zei­hen zu können.

Denn der Lüg­ner und Betrü­ger hat­te sei­ne Grün­de für sein dunk­les Geheim­nis.
Und er hat­te viel­leicht auch gute Grün­de, es zu offenbaren. 

Die Wahr­heit zu ken­nen, auch wenn man sie fürch­tet, kann auf lan­ge Sicht sehr viel Kraft geben. Ein ungu­tes Bauch­ge­fühl und Ver­drän­gung hel­fen auf Dau­er nicht wei­ter und sind emo­tio­na­le Energiefresser.

Für mei­ne Groß­el­tern gab es aller­dings weder Ver­zei­hen noch Hap­py End.
Weder Groß­mutter noch Groß­va­ter konn­ten über einen zuge­ge­be­ner­ma­ßen sehr lan­gen Schat­ten sprin­gen: Groß­va­ter konn­te sich nicht ent­schul­di­gen, Groß­mutter nicht ver­zei­hen. Sie leb­ten noch 50 Jah­re ohne viel Kon­takt zuein­an­der in der glei­chen klei­nen Ort­schaft, wuss­ten alles von ein­an­der, ohne mit­ein­an­der zu spre­chen. Ich erin­ne­re mich noch gut dar­an, wie Groß­mutter eilig die Stra­ßen­sei­te wech­sel­te, sobald mein Groß­va­ter uns ent­ge­gen kam.

Mein Groß­va­ter war noch zwei­mal ver­hei­ra­tet, mei­ne Groß­mutter ein­mal.
Kei­ne ihrer Ehen wur­de glücklich.


Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phien, 2014 (über­ar­bei­tet 2017), www​.bild​bio​gra​phien​.de

Lesen Sie im nächs­ten Bei­trag: Geben sich Frau­en als Müt­ter selbst ein “Lebens­läng­lich”? Opfern sie sich auf, wer­den dadurch unglück­lich und nör­geln schließ­lich ihre Män­ner aus dem Haus? Über den schwie­ri­gen Spa­gat zwi­schen Kind und Kegel, Auf­op­fern, Haus­ar­beit, Oro­pax und die müt­ter­li­chen Qua­li­tä­ten von Vätern.
Der Mann in der Krise?

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San­dra Kon­rad, Das bleibt in der Fami­lie: Von Lie­be, Loya­li­tät und uralten Las­ten*
Piper Taschen­buch, 2014 


Wie groß ist unser Anteil an einer geschei­ter­ten Lie­be?
Ein span­nen­der Bezie­hungs­rat­ge­ber, der den Blick vom “bösen” Part­ner auf unse­re eige­nen Mus­ter und Bedürf­nis­se lenkt.

Eva-Maria Zur­horst, Lie­be dich selbst und es ist egal, wen du hei­ra­test*
Gold­mann Ver­lag, 2009 

Opfer — Ret­ter — Ver­fol­ger.
In Stres­si­tua­tio­nen fal­len wir oft in alte Rol­len-Mus­ter, die wir in der Kind­heit gelernt haben. Wie man Psy­cho­spiel­chen durch­schau­en und durch­bre­chen kann — ein sehr lesens­wer­tes Buch für alle, die das Gefühl haben, sich immer wie­der an der glei­chen Stel­le zu ver­ha­ken.

Cor­ne­lia und Ste­phan Schwarz: Schluss mit Psy­cho­spiel­chen*, dtv Ver­lags­ge­sell­schaft, Janu­ar 2018 

Freund­schaft schlie­ßen mit unse­rem „inne­ren Kind“,
Glau­bens­sät­ze erken­nen – und sie ver­än­dern, wenn es not­wen­dig ist. Ein hilf­rei­ches Buch, gut und ver­ständ­lich geschrie­ben, mit vie­len Bei­spie­len und Übun­gen, die hel­fen, inne­re Sack­gas­sen zu ver­las­sen.

Ste­fa­nie Stahl, Das Kind in dir muss Hei­mat fin­den*, Kailash Ver­lag, 2015 

Schwie­ri­ge Bezie­hun­gen
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Moni­ca McGold­rick, Wie­der heim­kom­men. Auf Spu­ren­su­che in Fami­li­en­ge­schich­ten*, Carl-Auer-Ver­lag, 2013 

Unser Anspruch, immer glück­lich zu sein, über­for­dert uns und führt oft genau zum Gegen­teil.
Der Arzt und Psy­cho­the­ra­peut Russ Har­ris sehr anschau­lich und ver­ständ­lich über unse­re selbst­ge­bau­ten Glücks­fal­len, wie wir sie erken­nen und wie wir ent­spann­ter mit unse­rem Glück, aber auch mit unse­ren mie­sen Zei­ten umge­hen kön­nen, Lesens­wert!

Russ Har­ris, Wer dem Glück hin­ter­her­rennt, läuft dar­an vor­bei*, Gold­mann Ver­lag, 2013 

Psy­cho­the­ra­peu­tin Lena Kuhl­mann sehr char­mant und gut ver­ständ­lich über das, was unse­re See­le bewegt und ins Ungleich­ge­wicht brin­gen kann. Ein lesens­wer­tes Buch für alle, die ver­ste­hen wol­len, wie und war­um Men­schen so sind, wie sie sind.

Lena Kuhl­mann: Psy­che? Hat doch jeder*, Eden Books, August 2018 

Wei­ter­füh­ren­de Beiträge:

Sei­ten­sprung: Wer kennt es nicht, wenn sich nach weni­gen Wochen gro­ßer Lie­be, in denen See­len­ver­wandt­schaf­ten ent­deckt und Zukunfts­plä­ne geschmie­det wer­den, der ange­him­mel­te Liebs­te plötz­lich rar­macht, um Bedenk­zeit bit­tet, selt­sa­me Erklä­run­gen stam­melt und schließ­lich zu einer ande­ren ent­schwin­det? Ist das Psy­cho­lo­gie oder doch wie­der nur ein mise­ra­bler männ­li­cher Hor­mon­haus­halt?
Ist Fremd­ge­hen angeboren?

Nar­ziss­mus: “Dou­ble Bind” — egal was du tust, es wird das Fal­sche sein — ist die Masche, mit der Nar­ziss­ten ihre Mit­men­schen mani­pu­lie­ren. Aber was ist Nar­ziss­mus? Und: Kann man Nar­ziss hei­len, ret­ten oder ent­kom­men?
Das Zeit­al­ter der Nar­ziss­ten.

Die Kunst des Lobens: Ein Kom­pli­ment wirkt, als ob uns jemand aus hei­te­rem Him­mel ein Blu­men­sträuß­chen über­reicht hät­te. Und der, der lobt, bekommt sein Lob hun­dert­fach in Form von Sym­pa­thie-Plus­punk­ten zurück. Eigent­lich eine typi­sche Win-Win-Situa­ti­on, trotz­dem ver­knei­fen wir uns Lob, wo es nur geht. Statt­des­sen sind wir alle sehr geübt im Kri­ti­sie­ren und Vor­wür­fe machen.
Die Kunst des Lobens

Geschwis­ter­lie­be: Erst­ge­bo­re­ner oder jüngs­tes Kind? Egal, ob wir ewi­ge Riva­li­tät oder immer­wäh­ren­de Lie­be zu unse­ren Geschwis­tern pfle­gen, nicht nur der Cha­rak­ter unse­rer Bezie­hung ist von Bedeu­tung, son­dern auch unser Platz in der Geschwis­ter­rei­hen­fol­ge.
Klei­ne Schwes­ter, gro­ßer Bru­der: Geschwisterkonstellationen

Schlaf­los: Etwa ein Drit­tel aller Deut­schen wer­den zu den „sen­si­blen Schlä­fern“ gezählt, also zu den Men­schen, deren Schlaf emp­find­lich ist und leicht gestört wer­den kann. Aber auch bei Men­schen, die eigent­lich gut schla­fen, neh­men Schlaf­stö­run­gen zu. Die Ursa­che: Es gibt immer mehr Grün­de, die uns wach hal­ten.
War­um wir schlecht schlafen

Lebens­kunst und Resi­li­enz: Schwä­chen repa­rie­ren oder Stär­ken stär­ken? War­um es oft bes­ser ist, sich auf das zu kon­zen­trie­ren, was gut läuft.
Die Ener­gie folgt der Aufmerksamkeit

Der nor­ma­le Wahn­sinn: Tipps und Tricks, psy­cho­lo­gi­sche Denk­fal­len und viel Wis­sens­wer­tes für ein bewuss­tes Leben fin­den Sie in unse­rer Kate­go­rie:
Tipps für den Alltag

Link­emp­feh­lung:

Ein tol­les SWR2-Fea­ture über die Lust und Last des Schwei­gens von Sil­via Plahl (ich und Andrea Bent­schnei­der von Bey­ond Histo­ry sind auch kurz zu hören):

SWR2: Geheim­nis­se — Lust und Last des Schweigens

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2760coo­kie-checkDunk­le Geheim­nis­se

2 Gedanken zu „Dunkle Geheimnisse

  1. Guten Tag Frau Dr. Gebert!

    Eine bewe­gen­de Geschich­te, ein inter­es­san­ter Beitrag!

    Am Ende blei­ben Fra­gen. Soll ich ein Geheim­nis lüf­ten oder nicht? Was wiegt schwe­rer? Die Ver­ant­wor­tung mit gegen­über oder gegen­über ande­ren? Und liegt in mei­ner Ver­ant­wor­tung nicht auch, den ande­ren die Mög­lich­keit zu geben, ihr Leben selbst zu bestim­men und zu meistern?
    War­um habe ich über­haupt ein Geheim­nis? Nötigt mich viel­leicht der Ande­re dazu oder nöti­gen mich Umstän­de dazu, die einem „unge­schrie­be­nen“ Gesetz unter­lie­gen, gesell­schaft­li­chen, über­hol­ten Regeln?
    Kann ich auf Ver­ge­bung hof­fen? Oder auf Gemein­sam­keit, Ver­ständ­nis, an einem Strang ziehen?
    Fra­gen über Fragen!

    Ihr Bei­trag erin­nert mich an mein Leben. Vie­le sagen „Mei­ne Güte, was Du alles hin­ter Dir hast und meis­tern musstest!“
    Ich selbst emp­fin­de es gar nicht so! Und zurück­bli­ckend sowie sol­che Bei­trä­ge wie die­sen lesend, kann ich mit Stolz auf mein Leben blicken.
    Mich durch­schla­gend, von Kind­heit an mit mei­nen Gedan­ken und Gefüh­len allein, sehr jung Mut­ter gewor­den, zeit­wei­se ohne Geld, aber nie­mals hat­te ich den Gedan­ken, es könn­te etwas schieflaufen.
    Das Leben geht wei­ter! Immer! Es hört nicht ein­fach so auf!

    Erin­ne­run­gen tau­chen bei mir auf!
    Eines Tages als ich zum ers­ten Mal in mei­nem Leben arbeits­los war und das drei Mona­te lang, geriet ich in eine leich­te depres­si­ve Phase.
    Mein damals 11jähriger Sohn hat­te eine ein­zi­ge Aus­sa­ge an mich und mei­ne klei­ne Depres­si­on: „Mensch Mama, es ist doch alles gut! Du hast uns so oft aus der Schei­ße raus­ge­holt, das schaffst Du auch die­ses Mal!“ Ich wer­de die­se Sät­ze nie­mals vergessen.

    Wel­che Bedeu­tung liegt in die­sem Satz eines Elf­jäh­ri­gen? Abge­se­hen von dem Ver­trau­en, das er mir offen­sicht­lich ent­ge­gen brachte?
    Die­ser Satz gab mir Ver­trau­en in mei­ne Kin­der und Zuver­sicht auf ihre Zukunft. Sie haben gelernt, dass es Kri­sen gibt, dass die Welt kein Zucker­schle­cken ist, dass Kri­sen einen eben nicht ins Unglück stür­zen, son­dern immer wie­der zu bewäl­ti­gen sind und das Leben immer schön sein kann.
    Es liegt in einem selbst, Freu­de, Stolz, Erfolg und Zuver­sicht zu finden.
    Wann immer sich die fal­sche Rich­tung auf­tut: Hin­schmei­ßen, Auf­ge­ben, etwas Neu­es anfan­gen! Das habe ich gelernt und das habe ich mei­nen Kin­dern mitgegeben.

    So man­ches Mal habe ich über­legt, ob das rich­tig war.
    Ihr Bei­trag zeigt mir: Ja, das war es!
    Es scheint das Bes­te im Leben eines Men­schen zu sein, so früh wie mög­lich zu ler­nen, dass jeder auf sich selbst gestellt ist, für sich selbst ver­ant­wort­lich ist, Ver­trau­en zwar schön ist, aber gut gewählt sei, wor­in ver­traut wird oder wem und vor allem davon aus­zu­ge­hen ist, dass Ver­trau­en miss­braucht wer­den kann. Nicht aus Bos­heit, son­dern der Umstän­de wegen, wes­halb sodann Ver­ge­bung natür­lich ist und wei­ter­hilft. Der Mensch gegen­über hat ein Recht auf sein Glück!

    Um also auf die Fra­ge „Geheim­nis lüf­ten oder nicht?“ zurückzukommen:
    Ich wür­de es immer so hal­ten, ein Geheim­nis zu lüf­ten und auch jeden bit­ten, mir zu offen­ba­ren, wenn er ein mich betref­fen­des Geheim­nis mit sich trägt.
    Gera­de weil wir bemer­ken, wenn es ein Geheim­nis gibt oder etwas in Schief­la­ge gera­ten ist und uns die­ser Umstand sehr viel Ener­gie kostet.
    Auch habe oder gebe ich dann die Mög­lich­keit einer Wahl, einer Entscheidung!

    Kommt mir jemand mit den Wor­ten: „Kannst Du ein Geheim­nis bewah­ren?“ so ant­wor­te ich mit „Nein! Ziem­lich sicher nicht!“ Ich möch­te ein Geheim­nis gar nicht erst hören oder selbst verursachen!

    Wie also lau­tet Ihre per­sön­li­che Ent­schei­dung zu die­ser Frage? 

    Die Geschich­te Ihrer Groß­mutter ist selbst­ver­ständ­lich bedau­erns­wert, aber lei­der auch „nor­mal“, egal in wel­chen Zei­ten wir gera­de leben.

    Und was ist aus die­ser armen, jun­gen, schwan­ge­ren Ber­li­ne­rin gewor­den? Die Per­son, die sich ja nun wirk­lich allen Ereig­nis­sen hilf­los hin­ge­ben muss­te, dem Geheim­nis am meis­ten unter­wor­fen war und sich als ein­zi­ge an die „Regeln des Geheim­nis­ses“ gehal­ten hat.

    Ihre Groß­mutter hat­te die alles ent­schei­den­de Wahl! Eine schwie­ri­ge Situa­ti­on, mit vie­len auf­brau­sen­den Emo­tio­nen und außer­dem gemein, weil sie „gefühlt“ allein davor stand.
    Stand sie aber nicht!
    Da war die Schwes­ter, die offen­sicht­lich eine Ent­schei­dung in die Bahn gelenkt hat, indem sie den Brief geret­tet hat. Es scheint so, als wäre Ihre Groß­mutter gern einen ande­ren Weg gegangen.
    Da war aber auch noch die Ber­li­ne­rin, wel­che Ihre Groß­mutter sowie deren Kin­der inzwi­schen lieb gewon­nen hat­ten. Zwei Freun­din­nen stan­den sich gegen­über, die nur einen ein­zi­gen „Makel“ hat­ten: Sie lieb­ten den­sel­ben Mann.

    Es klingt in Ihrer Geschich­te so natür­lich, so selbst­ver­ständ­lich, dass die jun­ge, schwan­ge­re Ber­li­ne­rin aus dem Haus gejagt wur­de. Kein wei­te­rer Satz zu die­ser Frau.
    Wie mag für sie wohl das Leben gelau­fen sein?
    Hat sich Ihre Groß­mutter Gedan­ken dar­über gemacht, wie es wohl die­ser einst lieb gewon­nen Freun­din ergan­gen sein mag?

    Wäre es nicht auch eine Lösung gewe­sen, die Ber­li­ne­rin im Boot zu las­sen und gemein­sam einen schwie­ri­gen Weg zu gehen? Even­tu­ell wäre Ihre Groß­mutter mit einer sol­chen Ent­schei­dung glück­li­cher geworden.
    Wie­so muss­te nun die Ber­li­ne­rin die Leid­tra­gends­te über­haupt wer­den, zumin­dest aus mei­ner Sicht der Din­ge? Nur weil sie den­sel­ben Mann lieb­te wie Ihre Großmutter?
    Wäre es nicht ins­ge­samt bes­ser gewe­sen, alle Betei­lig­ten hät­ten sich zusam­men eine gute Lösung überlegt?
    Ist das nicht viel­leicht der Wunsch, der hin­ter dem Lüf­ten eines Geheim­nis­ses steckt? Ist es viel­leicht der Ruf nach Hil­fe? Und wenn ja, ist es so schwie­rig und unvor­stell­bar, die­sem Ruf zu fol­gen und alle per­sön­li­chen Ani­mo­si­tä­ten über Bord zu wer­fen? Auf der ande­ren Sei­te steht häu­fig ein ver­zwei­fel­ter Mensch, der bit­tet, fragt und irgend­ei­nen Frie­den möch­te. Und soll das ego­is­tisch sein? Oder ist es viel­mehr ziel­füh­rend für alle Beteiligten?
    Ist es nicht grau­sam, einen Hil­fe­su­chen­den zu igno­rie­ren? Aus Ver­bit­te­rung, Wut und Rachegefühlen?

    Ich den­ke, hin­ter der Fra­ge „ein Geheim­nis lüf­ten oder nicht?“ steht vor allem die Fra­ge „kann ich auf eine ver­nünf­ti­ge Reak­ti­on ver­trau­en oder nicht?“ Und viel zu häu­fig scheint die Ant­wort dar­auf ein kla­res „Nein!“ zu sein. Und bestraft wird am Ende die Per­son, die am wenigs­ten Anteil am Ent­ste­hen eines Geheim­nis­ses hatte.
    Wie gesagt: Ein inter­es­san­ter Bei­trag, der zu Über­le­gun­gen anregt und hilft, mit Stolz auf eige­ne Ent­schei­dun­gen und das eige­ne gemeis­ter­te Leben zu bli­cken sowie für den man­chen Tief­schlag äußerst dank­bar zu sein, anstatt dar­an zu verzweifeln.

    Herz­li­che Grüße

    Ste­fa­nie

  2. Guten Mor­gen Stefanie,

    vie­len herz­li­chen Dank für Ihren tol­len Beitrag!

    Das sind sehr beden­kens­wer­te Aspek­te. Die ‘Ber­li­ne­rin’ kam in unse­rer Fami­li­en­ge­schich­te tat­säch­lich (fast) nie wie­der vor — sie hei­ra­te­te mei­nes Wis­sens nach dem Krieg einen GI und zog mit ihm spä­ter in die Verei­enig­ten Staa­ten. Das Ver­blüf­fends­te: Ihre Toch­ter kam zur Beer­di­gung mei­nes Groß­va­ters und hat sich vor allem mit sei­ner ältes­ten Toch­ter, mei­ner Tan­te, sehr gut ver­stan­den. Inso­fern eine Ver­söh­nung, aber erst in der nächs­ten Generation.
    Und: Schaf­fen wir es, nie­mals unver­söhn­lich ver­letzt zu sein? Ich weiß es nicht. 

    Herz­li­che Grüße!
    Susanne

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